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Neutomischel – die Anfänge als evgl. Parochie – Beschreibung 1898

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Nowy Tomysl - evgl. Kirche. (Wojtek Szkudlarski)

In dem Buch “Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen ” – Erscheinungsdatum 1898 –  verfasst von Albert Werner, früher Pastor in Tremessen und überarbeitet von Johannes Steffani, Diakonius an der St. Petrikirche zu Posen, welches von dem königlichen Consistorium der Provinz Posen herausgegeben wurde, wurde versucht in kurzer Übersicht die Einrichtung der evangelischen Gemeinden in ihren Anfängen darzustellen.

Die digitale Version dieses Buches findet sich unter Großpolnische Digitale Bibliothek [2] .

Den Kern dieser Parochie bilden die Hauländereien Zinskowo, Paprotsch, Glinau, Sontop und einige andere, welche durch märkische aus Furcht vor den Rekruten-Werbungen geflohene und schlesische Ansiedler auf dem Gebiete des Starosten von Gnesen Boguslaw von Unruh gegen das Ende des 17. Jahrhundert entstanden. Nachdem sie sich lange Zeit bei ihren gemeinsamen Andachten mit Predigtvorlesern hatten begnügen und zu kirchlichen Amtshandlungen außer den Schul-, und Bethäusern in Zinskowo (erbaut 1692), Sontop, Kozielaske die Kirchen in Chlastawe und Wollstein hatten besuchen müssen, strebten, als die Dissidenten freie Religionsübung erlangten, auch diese evangelisch-lutherischen Glaubensgenossen nach dem Besitze einer eigenen Pfarre und Kirche. Am 4. März 1777 erteilte ihnen ihr damaliger Grundherr, Besitzer der Herrschaft Tomysl, Felix von Szoldrski das vom Konsistorium zu Lissa am 13. Februar 1779 bestätigte Privilegium zur Wahl eines Pfarrers und am 13. August 1778 zur Erbauung einer Kirche, zu welcher derselbe einen wohlgelegenen Bauplatz auf dem Grund der Gemeinde Glinau und das nötige Material schenkte. Das Gotteshaus wurde am 9. April 1779 begonnen, massiv, in Kreuzesform erbaut und am 21. Sonntage nach Trinitatis (15. Oktober) 1780 geweiht. Da die Gottesdienste nunmehr in Neutomischel abgehalten wurden, wurden die Schul- und Bethäuser in Zinskowo und Kozielaske abgebrochen und das Material zum Pfarrhausbau verwandt. Damals erst entstand um diese neuerbaute Kirche und die Pfarrgebäude, da sich an Sonn- und Festtagen durch das Zusammenströmen vieler Menschen ein reger Verkehr entwickelte, die Stadt Neutomischel („Geschichte der Parochie Neutomischel“ vom Pfarrer Lange in Fischers Evangelischem Hausfreunde.  I. S. 118 und Strödicke „Chronik der Stadt Neutomischel“ 1888), zu deren Gründung der Besitzer im Jahre 1786 das königliche Privilegium aus Warschau erlangte und deren erste Häuser derselbe selbst erbauen ließ, um sie an herbeiziehende Deutsche zu verkaufen. Diese erste, mit einem Turme versehene Kirche steht noch heute und gehört nach bedeutenden Umbauten in den Jahren 1844-46, dann 1880, zu den ansehnlicheren in der Provinz. Die Gemeinde beging am 18. Oktober 1880 feierlicher Weise das Fest ihres hundertjährigen Bestehens. Seit 1889 ist dem Pfarrer ein Hülfsprediger zur Seite gegeben.

Gegenwärtig gehören außer der Stadt Neutomischel und den ursprünglichen oben genannten Kolonien hierher die Ortschaften Kozielaske, Neurose, Glashütte, Bobrowke und Klein-Lipke, sowie die in den katholischen Orten Alttomischel, Wytomischel und einigen anderen wohnenden Evangelischen, zusammen 6.734 Seelen. Nachdem die Herrschaft Tomysl 1832 allen Rechten entsagt hat, ist die Gemeinde patronatsfrei. 1833 wurde eine Kirchen-Matrikel aufgestellt. An Stelle des alten Pfarrhauses wurde 1892/93 ein neues errichtet.

Die Pfarrer waren:

1. Johann Christian Bräuning, vorher Diakonus in Tirschtiegel, wurde am 2. Februar 1778 als erster hiesiger Pfarrer durch den Senior Machatius aus Schweinert in sein Amt eingeführt und starb am 15. Februar 1790 (Anmerkung:lt. Kirchenbuch verstarb er am 12. Februar und wurde am 15. Februar beigesetzt)

2. Christian Friedrich Zachert, wurde 1790 berufen und starb am 08. Mai 1815.(Anmerkung: lt. Kirchenbuch verstarb er am 06. Mai 1815 und wurde am 08. Mai im Familiengrab in Meseritz beigesetzt)

3. Gottlob Wilhelm Ferdinand Willmann, vorher Diakonus in Schwerin a.W. (s.d.), starb nach 20jähriger Amtsthätigkeit am 28. Oktober 1835 (Anmerkung: seine Beerdigung war am 01. Nov. in Neutomischel)

4. Christian Heinrich Gustav Dampmann, geb 1809 in Schildau bei Hirschberg, wurde am 11. Dezember 1836 durch den Superintendenten Sturtzel aus Bentschen in sein Amt eingeführt, starb schon am 17. August 1841 (Anmerkung: seine Beerdigung war am 21. August in Neutomischel)

5. Carl Gottlieb Lange, geb zu Triebel in der Niederlausitz, war von 1840-42 Rektor zu Waldenburg in Schlesien. Er trat 1842 sein Amt an und wurde 1865 emeritiert

6. Paul Tittel, aus Fraustadt, 1866 berufen, 1869 Pfarrer in Dyherrnfurt in Schlesien

7. Rudolph Schmidt, 1869 berufen, vorher Hülfsprediger in Rakwitz, 1883 Pfarrer in Vietz bei Landsberg a.W.

8. Johannes Böttcher, vorher Hülfspredier in Prittisch, dann Pfarrer in Pudewitz (s.d.), 1883 hierher berufen, wurde 1885 Superintendent

Als Hülfsprediger waren im Amt:

1. Max Glokke, 1. Juli 1889 berufen, ging 1890 nach Gülpe und Prietzen bei Rathenow

2. Hermann Salzwedel, 1890 berufen, 1892 Pfarrer in Großsee (s.d.)

3. Max Wichert, 1890 Provinzialvikar in Kröben, 1892 berufen, 1892 Pfarrer in Lewitz-Hauland

4. Ernst Röder, 1891 Pfarrverweser in Pudewitz, 1892 zum Hülfsprediger berufen. Er wurde 1896 zweiter Pfarrer in Obornik

5. Richard Mathias, 1896 berufen