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Prozess gegen Heinrich Janotte / 1882

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Itzehoe – Breite Strasse / AK Ausschnitt

„Aus dem Schwurgericht zu Altona

Erste Sitzung Montag, den 17. April. (Vorsitzender: Landgerichtsrath Meyer; Beisitzer: Landgerichtsrath Hornbostel und Landrichter Niederstadt; Staatsanwalt: Schwarz; das Protokoll führt Referenda Hein)

Für die heutige erste Sitzung standen zwei Anklagesachen, eine Anklage wegen wissentlichen Meineids wider den Arbeiter Heinrich Janotte, geboren am 27. April 1837 zu Scherlanke, Provinz Posen, wohnhaft zu Itzehoe ….

Nachdem die Geschworenen für die erstgedachte Sache ausgelost worden, wurde die also gebildete Geschworenenbank unter Zustimmung der Staatsanwaltschaft, bezw. der Angeklagten und des Vertheidigers, auch für die zweite Sache angenommen und sodann in die Verhandlung wider Janotte (Vertheidiger: Rechtsanwalt Dohrn-Itzehoe) eingetreten.

Die Anklage gegen diesen stützt sich auf nachfolgende thatsächlichen Momente.

In einem von dem Angeklagten gegen den Eigenthümer Heinr. Greiser zu Cichagora-Glashütte vor dem Amtsgerichte zu Neutomischel erhobenen Zivilprozesse wegen 300 M. wurde von Seiten des Verklagten zum Beweise des Einwandes erfolgter Zahlung folgende Quittung produzirt: >Altomysl, den 2. März 1875. Quittung. Endesunterschriebene bekennen hiermit, daß wir sämmtlich rückständiges Kaufgeld 128 Thlr. 4 Sgr. mit Käufer Heinrich Greiser hier auf Wechsel verrechnet haben und ihm schuldig waren, und haben keine Forderung mehr von Heinrich Greiser angenommen. Heinrich Janotte. Ernestine Janotte<.

Der im Zivilprozeß verklagte H. Greiser hatte 1873 oder 1874 das Grundstück der Angeklagten zu Altomischel gekauft und demnächst Wechselschulden des Angeklagten in Höhe von 128 Thlr. 4 Sgr. bezahlt. Am 2. März 1875 begab sich H. Greiser in Begleitung des Eigenthümers Seide in die damalige Wohnung des Angeklagten, und hier unterschrieb der Letztere nach längerem Sträuben in Gegenwart der genannten Personen die Quittung.

Im vorerwähnten Zivilprozeß bestritt nichsdestoweniger der Angeklagte die Echtheit seiner Unterschrift.

Das Amtsgericht zu Neutomischel legte ihm daher folgenden Eid auf: >Ich schwöre etc.: Es ist nicht wahr, daß ich die Namensunterschrift >Heinrich Janotte< unter der über einhundert acht und zwanzig Thaler vier Silbergroschen Kaufgeld lautenden Quittung, d. d. Altomischel den 2. März 1875, welche der Prozeßbevollmächtigte der Beklagten als Anlage zum Sitzungsprotokolle am 22. Januar 1881 überreicht hat, selbst gefertigt habe: so wahr etc.< – Diesen Eid hat, und zwar nach Vorstehendem wissentlich falsch, am 13. Mai 1881 Angeklagter vor dem königlichen Amtsgericht zu Itzehoe geleistet.

Der wesentliche Einwand des Angeklagten besteht darin, daß er zugiebt, in Gegenwart von H. Greiser und Seide am 24. April 1875 einen Dienstvertrag unterschrieben zu haben, und nun folgert, daß Zeuge Seide diese Unterschrift im Gedächtniß haben werde. Allein Zeuge Seide giebt an, von H. Greiser absichtlich als Zeuge zugezogen zu sein, so daß ein Irrthum seinerseits ausgeschlossen sei. Der Sachverständige Krambeck bekundet ferner, daß die Unterschrift unter der Quittung vom Angeklagten herrühre.

Nach Beendigung der Beweisaufnahme hält der Staatsanwalt die Anklage nicht nur in allen Punkten aufrecht, sondern erachtet, dieselbe auch für bewiesen und beantragt demgemäß das Schuldig gegen den Angeklagten.

Der Vertheidiger dagegen führt verschiedene gewichtige Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit der beiden Belastungszeugen vor und sucht den Beweis zu liefern, daß dem Gutachten des Schreibverständigen durchaus nicht das unbedingte Gewicht beizulegen sei, wie gewöhnlich geschehe.

Nach kurzer Berathung verkünden die Geschworenen ihr Verdikt, welches auf

>Nichtschuldig<

lautet, worauf der Gerichtshof auf kostenlose Freisprechung des Angeklagten erkennt und dessen sofortige Haftentlassung beschließt.“

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Johann Heinrich Carl Janotte geboren 28. April 1837 zu Scherlanke. Er war der Sohn der alleinstehenden Dorothea Elisabeth Janotte (1806-1858).

Am 29. November 1860 schloss er die Ehe mit Johanna Ernestine Auguste Greiser, geboren am 20. April 1842 zu Zinskowo. Ihre Eltern waren der Schmied Johann Wilhelm Greiser (1819-1881) und dessen Ehefrau Johanna Wilhelmine geborene Jäger (1823-1906).

Vermutlich war der Bruder der letztgenannten Johann Heinrich Carl (1850), der oben erwähnte Heinrich Greiser.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen: Staatsarchiv Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/ [2]);  Die Reform: ein Volksblatt – Deutsche digitale Bibliothek