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Scharfenort / Ostroróg – 1383 erstmalig erwähnt

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Karte F. Handtke – 1862 – Provinz Posen

Scharfenort oder mit polnischem Namen Ostroróg soll 1383 urkundlich erstmals erwähnt worden sein.

1412 erhielt der Ort das Stadtrecht und 1546 wurden dem Ort unter Siegismund dem Alten einige der umliegenden Gehöfte und Weiler angeschlossen.

Seit 1436 war Ostroróg im Besitz der Adelsfamilie Ostroróg. Jakob Ostroróg nahm um das Jahr 1550 das Bekenntnis der böhmischen Brüder an.

Über diese Zeit heißt es im Buch „Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen“ 1):

„ …Städtchen Scharfenort, polnisch Ostroróg, befand sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Eigentum der hochadligen Familie Ostroróg in dem blühendsten Zustande. Jakob Ostroróg übergab 1555, nachdem er selbst das Bekenntnis der böhmischen Brüder angenommen hatte, die hiesige katholische Pfarrkirche mit allen Stiftungen seinen neuen Glaubensgenossen, und nun bildete sich hier eine der Hauptgemeinden der böhmischen Brüder in Großpolen.

Viele reiche schottische Familien ließen sich hier nieder, hier war achtzig Jahre hindurch der Wohnsitz der Senioren (Anm. durch die Böhmischen Brüder wurde anstelle des Titels „Bischof“ der Titel „Senior“ genutzt), hier fanden die Synoden statt, es bestand hier eine sehr besuchte Schule, ein geistliches Seminar, hier befand sich das Archiv und die Bibliothek der Unität.

Die Kirche und die Pfarrgebäude brannten mehrmals nieder; die Familie Ostroróg ließ sich jedes Mal in großartigerem Maßstabe wieder aufbauen.

Als diese Familie im Jahre 1632 ausstarb, nahmen die Katholiken von der Kirche als ihrem ehemaligen Eigentum sofort Besitz; es traten Verfolgungen ein, und wenngleich evangelische Pächter noch eine Zeitlang in dem Schlosse Gottesdienst halten ließen, so war doch des Städtchens Bedeutung dahin. Die meisten und angesehensten Bewohner hatten es bereits verlassen, als es 1660 in den Besitz katholischer Grundherren gelangte …“

Ab dieser Zeit, so heißt es in o. g. Artikel zu „Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen“, wurde Scharfenort / Ostroróg zu einem unbedeutenden Städtchen.

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Scharfenort Marktplatz / Ausschnitt Ansichtskarte

Im „Städtebuch des Landes Posen“ von Heinrich Wuttke 2) wurde weiterhin bzw. ergänzend zu obigem Beitrag ausgeführt, dass der katholische Grundherr Christof Graf Radziwill, er hatte den Ort 1660 käuflich erworben, diesen später an die Kwilecki weiterveräußerte.

Die im Schloss eingerichtete Brauerei und 13 Jahrmärkte, zu denen die Stadt berechtigt gewesen war, halfen ihr nicht wieder zu ihrer vorherigen Größe und Bedeutung aufzusteigen.

Am Ausgang des 18. Jahrhunderts wohnten in Scharfenort / Ostroróg 442 Menschen, die Stadt bestand zu jener Zeit aus 80 Wohnhäusern, 3 Mühlen und 1 katholischen Kirche, 24 Baustellen waren unbebaut geblieben. Der Stadt unterhielt einen Nachtwächter. Gewerbetreibend waren 12 Schuster, 6 Schneider, 3 Müller, 3 Kürschner, 3 Stellmacher, 2 Leinweber, 2 Bäcker, 2 Böttcher, 2 Töpfer, 1 Schmied, 1 Gerber, 1 Barbier und 4 Gastwirte. 1816 gab es 358 Einwohner, 1837: 634, 1843: 687, 1858: 828 und 1861:872 in der Stadt.

In der Veröffentlichung „Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinde in den Posener Landen“ 3) aus dem Jahr 1909 findet man, das den Juden die Niederlassung verwehrt gewesen war.

Im Stadtprivileg vom 14.04.1701 soll es geheißen haben: „Juden, welche weder dem Schloß noch dem Städtchen Nutzen schaffen, sondern vielmehr Schaden zufügen, wenn sie Wolle, Felle u. and. Waren von den Christen aufkaufen, soll keine Wohnung in den Häusern erlaubt werden, wohl aber können selbige Farben u. and. Sachen vor die Tuchmacher in dem Städtchen bringen, und wenn sie damit fertig, sich länger nicht verweilen und Waren aufkaufen. …“

Auch soll die Stadt noch 1796 nicht von Juden bewohnt gewesen sein; in dem am „01. Juni 1796 vom Steuerrat der Meseritzer Inspektion an den Minister Graf Hoym gesandten Bericht lautet eine Stelle über Ostrorog: „wegen der Nahrlosigkeit des Ortes ist es auch noch nie einem Juden eingefallen, sich daselbst niederzulassen.““

Es wurde geschrieben, dass sich erst zu späterer Zeit vereinzelt jüdische Bürger ansiedelten – 1899 z. B. soll es in Scharfenort 11, 1905: 19 und 1907: 10 jüdische Seelen gegeben haben.

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Lt. Wikipedia 4) ist Ostroróg (deutsch Scharfenort) heute eine Stadt mit etwa 1.900 Einwohnern im Powiat Szamotulski der Woiwodschaft Großpolen in Polen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit 4931 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2020).

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt:
1) „Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen“ – Verfasst von Albert Werner und überarbeitet von Johannes Steffani – Herausgegeben von dem Königlichen Consistorium der Provinz Posen – 1898; 2) „Städtebuch des Landes Posen“ verfasst von Heinrich Wuttke – Herausgegeben 1864 in Leipzig; 3) „Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinde in den Posener Landen“ – Dr. A. Heppner und J. Herzberg – erschienen 1909; 4) Wikipedia https://de.wikipedia.org