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Schicksale – Familie Enkelmann (1878-1907)

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Landschaft bei Kozielaske / EA

Es war am 16. Dezember 1878 als Johann Carl Heinrich Enkelmann und Johanna Emilie Bertha Janotte auf dem Standesamt zu Alttomischel und kirchlich in der evangelischen Kirche zu Neutomischel getraut wurden.

Sie war die Tochter des Eigentümer Ehepaares Johann Gottfried Janotte und der Johanna Eleonore geborene Knoll aus Kozielaske (Koseloske) ; er wiederum wurde als Eigentümersohn aus Neu Scharke des Johann Wilhelm Enkelmann und seiner Ehefrau Johanna Juliana geborene Schulz in den Akten eingetragen.

Im September 1879 kamen dann der Sohn Johann Robert Wilhelm und im November 1880 die Tochter Anna Wilhelmine Pauline in Kozielaske zur Welt. Im November 1885 wurde schließlich noch Johanna Wilhelmine geboren; zu diesem Zeitpunkt galt Johann Carl Heinrich Enkelmann schon annähernd seit 2 1/2 Jahren als verschollen.

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Veröffentlichung im Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger per Donnerstag, 05.12.1895

Auf Antrag der verehelichten Eigenthümerin Emilie Enkelmann, geb. Janotte, zu Kozielaske, vertreten durch den Privatsekretär Spychalski in Neutomischel, wird der Ehemann der der Antragstellerin, nämlich der am 15. November 1852 zu Neu Scharke geborene Eigenthümer Johann Karl Heinrich Enkelmann, welcher sich seit dem 24. Juni 1883 von seinem Wohnsitz Kozielaske entfernt hat, angeblich um Arbeit zu suchen, und seitdem verschollen ist, aufgefordert, sich spätestens im Termin am 2. November 1896, Vormittags 10 Uhr, an hiesiger Gerichtsstelle zu melden, widrigenfalls derselbe für todt erklärt wird.

Neutomischel, den 26. November 1895 – Königliches Amtsgericht

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Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger
Freitag, 06.11.1896

Bekanntmachnung

Auf Antrag der verehelichten Arbeiterin Emilie Enkelmann, geb. Janotte, aus Kozielaske, jetzt zu Glinau, vertreten durch Valentin Spychalski zu Neutomischel, hat das königliche Amtsgericht zu Neutomischel auf die mündliche Verhandlung vom 2. November 1896 durch den Amtsrichter Dr. Rudolphi für Recht erkannt:
Der am 18. November 1852 zu Hammer Borui (15.11.1852 zu Neu Scharke), Kreis Bomst, geborene Eigenthümersohn Johann Karl Heinrich Enkelmann, später als Arbeiter verheirathet mit Johanne Emilie Bertha, geb. Janotte, zuletzt wohnhaft in Kozielaske, Kreis Neutomischel, wird hiermit für todt erklärt.
Die Kosten des Aufgebotsverfahrens werden der Antragstellerin auferlegt.
Neutomischel, den 2. November 1896 – Königliches Amtsgericht

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Johann Robert Wilhelm Enkelmann (*1879) ehelichte 1906 in Bolewitz Bertha Wanda Schulz (*1880) aus Wengielno. Im Eheeintrag findet sich, dass er zum Zeitpunkt der Eheschliessung in Lüssum bei Blumenthal in der Provinz Hannover als Arbeiter tätig gewesen war.

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Anna Wilhelmine Pauline Enkelmann (*1880) verunglückte im Jahr 1907 tödlich.

Im Standesamtseintrag vom 13. Februar 1907 findet sich:

„Zufolge Mitteilung des königlichen Distriktsamtes hierselbst vom 13. Februar 1907 No. 474/07 wird hiermit eingetragen, daß die Arbeiterin Anna Wilhelmine Pauline Enkelmann, ledig, 26 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft in Königsfelde, geboren zu Königsfelde, Tochter des gerichtlich für tot erklärten Arbeiters Johann Carl Heinrich Enkelmann und seiner Ehefrau Johanna Emilie Bertha geborene Janotte, zu Alttomischel auf dem Hofe des Eigentümers August Horlitz in dessen Brunnen am dreizehnten Februar des Jahres tausend neunhundert und sieben, vormittags um acht Uhr tot aufgefunden worden ist.

Über den Todesfall hat eine amtliche Ermittelung stattgefunden.“

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Im Neutomischeler Kreisblatt vom 15. Februar 1907 fand sich zu diesem Unfall noch nachstehender Artikel:

„Alttomischel
Am Mittwoch früh um 8 Uhr ereignete sich hier ein beklagenswerter Unglückfall, dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen ist.

Die 27 jährige Magd des Ortsschulzen August Horlitz, Anna Enkelmann aus Glinau, wollte aus dem etwa 10 Meter tiefen Brunnen Wasser schöpfen, glitt dabei wahrscheinlich aus, stürzte kopfüber in die Tiefe und ertrank, ehe Hilfe zur Stelle war.

Als man den Unfall bemerkte, holte man die Verunglückte sofort aus dem Brunnen heraus, aber die angestellten Wiederbelebungsversuche blieben leider ohne Erfolg.

Die Verstorbene hatte schon 12 Jahre (Beginn ihrer Tätigkeit also mit 15 Jahren) der Familie Horlitz treu gedient und war bereits von der Landwirtschaftskammer durch die Verdienstmedaille ausgezeichnet worden.

Das traurige Vorkommnis ist recht beklagenswert, umsomehr, da das junge Mädchen kurz vor ihrer Hochzeit stand und am Nachmittage desselben Tages mit ihrem Verlobten, einem Witwer aus Neurose, das Aufgebot beim Standesamt bestellen wollte.

Von den Eltern des Mädchens lebt nur noch die bedauernswerte Mutter.

Das tragische Geschick, durch welches ein hoffnungsvolles Menschenleben so schnell vernichtet wurde, erweckt hier und in der Umgegend allgemeine Teilnahme.“

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Wielkopolska Biblioteka Cyfrowa; Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger – Deutsche digitale Bibliothek; Personenstandsunterlagen: Staatsarchiv Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/ [2])