Unfalltod des Johann Gottlieb Zithier 1898

Ehemaliger Gasthof Friedenberger zu Boruy / Postkartenausschnitt  Sammlung Wojtek Szkudlarski

Ehemaliger Gasthof Friedenberger zu Boruy / Postkartenausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

In Kirchplatz Borui wurde gestern 14. November 1898 beim Bedienen einer Dreschmaschine in der Scheune des Gastwirts Emil Friedenberger der Arbeiter Johann Gottlieb Zithier an der Schürze von der Maschine erfaßt und mit dem Körper hineingezogen.

Er erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod erfolgte.

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Johann Gottlieb Zithier

  • geboren am 17 Aug 1838 zu Kunik als Sohn der unverehelichten
  • Johanna Wilhelmine Zithier (später verehelichte Joachim)
  • Eheschliessung am 26. Mär 1865 zu Boruy
  • mit Johanna Auguste Wilhelmine Pfeiffer
  • geboren 17 Jul 1844 zu Hammer Boruy

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1898-11-15

Schöffengerichtssitzungen Juli – Dezember 1906

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes - Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte - Bild: EA

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes – Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte – Bild: EA

Nachstehend sind die Verhandlungspunkte und Urteile der Schöffengerichtssitzungen vom Juli – Dezember 1906 wiedergegeben.

Entnommen wurde die Berichterstattung dem Neutomischler Kreisblatt des Jahres 1906.

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Schöffengerichtssitzung vom 11. Juli 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Kurz-Paprotsch und Reschke-Altscharke

Es wurde folgende Sachen verhandelt:

  1. Ein hiesiger Handelsmann wurde wegen Beleidigung und Kreditgefährdung eines Kollegen mit 20 Mk. bestraft, dagegen wurde die Nebenklage des Beleidigten auf Schadenersatz in Höhe von 100 Mk. verworfen (Anmerkung: Die Namen der vermutlich honorigen Handelsmänner wurden nicht genannt !)
  2. Der Arbeiter Gustav Marsch aus Waldtal (Wengielno) und Oskar Hahnefeld ebenda, zuletzt in Gr. Lichterfelde, wurden wegen gemeinschaftlicher Mißhandlung des Maurergesellen Paul Sperling mit je 20 Mk. bestraft.
  3. Wegen Hausfriedensbruches wurde das Verfahren gegen Gustav Wende aus Albertoske eingestellt
  4. Der Eigentümer Heinrich Seide aus Friedenwalde hatte gegen einen Strafbefehl von 1 Mk. Einspruch erhoben, welchen er jedoch vor Eintritt in die Verhandlung zurückzog.
  5. Der Eigentümersohn Gustav Herkt aus Konkolewo erhielt wegen Körperverletzung 6 Mk. Geldstrafe.
  6. Ebenfalls wegen Körperverletzung seiner Schwiegermutter wurde der Schuhmacher Martin Stoinski aus Wonsowo mit 5 Mk. bestraft
  7. Der Häusler Karl Seiffert aus Scherlanke war des Eigentumsvergehens beschuldigt, er wurde freigesprochen
  8. In der Privatklagesache des Försters Wilhelm Weber zu Glinau gegen den Eigentümer Dienegott Roy zu Scherlanke wurde letzterer mit 20 Mk. bestraft
  9. und
  10. Die Privatklagen der Mathilde Löchelt gegen die Eigentümersfrau Auguste Heidrich, sowie des Eigentümers Jarosczyk zu Wonsowo gegen Johann Paszek wurden beide durch Vergleich erledigt.
  11. Die Privatklagesache Sauer gegen den Schmiedemeister Grünberg in Sempolno wurde ebenfalls durch Vergleich aus der Welt geschafft, indem der Beklagte die Kosten übernahm
  12. Die Strafsache gegen Soltysiak und Czeczak aus Alttomischel wurde vertagt

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Schöffengerichtssitzung vom 01. August 1906  – Vorsitzender Herr Amtsrichter Dr.  Brasack, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Gebauer-Scherlanke und Berthold Roy-Glinau

Es wurde folgende Sachen verhandelt:

  1. Der Tischlergeselle Max Olschewski von hier (Neutomischel) wurde wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung mit drei Wochen Gefängnis bestraft
  2. Der Eigentümer Martin Lukaszwyk aus Bukowiec hatte gegen einen Strafbefehl in Höhe von 10 Mk. Einspruch erhoben, den er jedoch vor Eintritt in die Verhandlung wieder zurückzieht
  3. Die Strafsache gegen den Stellmachermeister Fiege aus Scherlanke mußte vertagt werden, da sich derselbe vor der Verhandlung entfernt hat.
  4. Gegen den früheren Eigentümer Otto Hecke von hier (Neutomischel) war ein Strafbefehl in Höhe von 40 Mk. wegen Anfertigung von Schriftstücken erlassen worden. Die Sache wurde ebenfalls vertagt
  5. Valentin Soltysiak-Witomischel und Stanislaus Czeczak-Gr. Lichterfelde waren des Diebstahls angeklagt. Ersterer erhielt 2 Tage Gefängnis, während letzterer freigesprochen wurde
  6. Der Eigentümer Anton Pilarzyk aus Bolewitz war des Pfandbruches angeklagt. Die Sache wurde vertagt, da der Angeklagte sich auf weitere Beweismittel berief
  7. Der Arbeiter Hermann Schade aus Glinau war angeklagt, Arbeitsmarken, welche von Sachsen-Anhalt stammten, für seinen Schwiegervater hier verwandt zu haben. Der Angeklagte wurde freigesprochen
  8. Die Privatklage des Eigentümers Kucz zu Alttomischel gegen Kwasniewska wurde kostenpflichtig abgewiesen
  9. In der Privatklagesache des Eigentümers August Richter-Neu Scharke gegen Wilhelm Hahn-Altjamisch und Josef Potschuntek-Mariendorf wegen Beleidigung wurden letztere freigesprochen
  10. Die Privatklage des Eigentümers Steinke gegen Bautz, beide zu Konkolewo-Hld., wurde durch Vergleich erledigt

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Schöffengerichtssitzung vom 22. August 1906  – Vorsitzender Herr Gerichtsassessor Matthies, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Saegner-Sempolno und Steinke-Bukowiec.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Eigentümer Ignatz Maczewski aus Bolewitz war des Betruges angeklagt. Die Sache wurde vertagt.
  2. Der Angeklagte Stanislaus Andresczak wurde wegen Verübung ruhestörenden Lärmes zu 3 Tagen Haft und wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt
  3. Der Eigentümersohn Heinrich, der Arbeiter August Malke und der Erbpächter Johann Vogel, sämtlich aus Gr.-Lipke, waren der Fundunterschlagung eines Rehbockes angeklagt. Ersterer erhielt 20 Mk. Geldstrafe, Malke wegen Hehlerei 1 Tag Gefängnis, während letzterer freigesprochen werden mußte
  4. Der Eigentümer Nikolaus Kucz aus Alttomischel wurde wegen Mißhandlung der Altsitzerin Marianna Kwasinowska ebenda mit 20 Mk. bestraft
  5. Der des Arrestbruches angeklagte Eigentümer Anton Pilatschik aus Bolewitz erhielt 3 Tage Gefängnis
  6. Der Arbeiter Heinrich Wolke aus Kirchplatz hatte wegen Begehung ruhestörenden Lärmes einen Strafbefehl in Höhe von 5 Mk. erhalten und gegen diese Straffestsetzung Einspruch erhoben. In heutiger Verhandlung wurde auf eine Woche Gefängnis erkannt
  7. Der Dienstknecht Gustav Hauff hatte seinen übernommenen Dienst ohne Grund verlassen und dadurch einen Strafbefehl verwirkt, gegen welchen er Einspruch erhob. Nach Lage der Sache wurde der Angeklagte freigesprochen
  8. Ebenfalls gerichtliche Entscheidung beantragt hatte das Dienstmädchen Hedwig Rybaczik aus Neuborui wegen zwei erhaltener Strafbefehle im Betrage von je 5 Mk. Wegen eines Vergehens erzielte sie ihren Freispruch, während der zweite Strafbefehl in voller Höhe als gerechtes Strafmaß anerkannt wurde
  9. In der Privatklagesache des Eigentümers August Deutschmann aus Neuborui gegen die Ausgedingerin Julianna Bläsing wegen Körperverletzung wurde die Angeklagte mit 20 Mk. bestraft
  10. Die Privatklage des Arbeiters Heinrich Wolke gegen den Hausbesitzer Wilhelm Dohnke aus Kirchplatz wurde abgewiesen
  11. Die letzte Privatklagesache des Eigentümers August Seiffert gegen den Eigentümer Joachim, beide aus Scherlanke, wurde vertagt

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Schöffengerichtssitzung vom 12. September 1906  – Vorsitzender Herr Gerichtsassessor Matthies, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Heinrich-Sontop und Förster-Konkolewo.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Schüler Roman Koza aus Bukowiec hatte mit anderen Schulknaben die Wald‘schen Kinder aus Kopanke geschlagen und sich dadurch einen Strafbefehl in Höhe von 5 Mk. zugezogen, jedoch gegen diesen Einspruch erhoben. Das Gericht erachtete nach verhandelter Sache die festgesetzte Geldstrafe für richtig und erkannte wieder auf den Betrag von 5 Mk.
  2. Gegen den Eigentümer Franz Gorny aus Königsfelde und gegen
  3. die Ausgedingerin Julianna Dykczak war je ein Strafbefehl in Höhe von 5 Mk. erlassen, und es war von beiden Angeklagten richterliche Entscheidung beantragt worden. Ersterer erzielt hierdurch seine Freisprechung, letztere dagegen wurde wieder zu 5 Mk. Geldstrafe verurteilt.
  4. Der Angeklagte Otto Hecke aus Neutomischel hatte gegen einen Strafbefehl im Betrage von 60 Mk. Einspruch erhoben, welchen er aber vor Eintritt in die Verhandlung wieder zurückzog.
  5. Gegen denselben Angeklagten wurde die Verhandlung vom 11. Juli d. Js. fortgesetzt, durch welche ein zweiter Strafbefehl in Höhe von 50 Mk. als recht anerkannt wurde
  6. Der Arbeiter Adolf Hecke aus Scherlanke hatte sich wegen unberechtigten Verlassens seines in Buchwerder übernommenen Dienstes einen Strafbefehl im Betrage von 5 Mk. zugezogen. Der hiergegen seitens des Bestraften geltend gemachte Einspruch wurde jedoch wieder zurückgenommen
  7. Die Eigentümersöhne Johann und Lorenz Kucz aus Alttomischel waren beide des Jagdvergehens beschuldigt. Ersterer wurde mit 30 Mk. bestraft, während letzterer mit einem Verweise davonkam.
  8. Der Stellmachermeister Berthold Fiege aus Scherlanke war wegen Bedrohung und Widerstand gegen den Gendarm Schütz angeklagt. Die Sache wurde vertagt
  9. und
  10. In den Beiden Privatklagen des Michael Pieta aus Bukowiec gegen den Schneidermstr. Ignatz Nolka ebenda und Noka gegen Pieta wurden die gegenseitigen Beleidigungen als nicht erwiesen befunden. Die beiden Angeklagten wurden unter Auferlegung der Kosten freigesprochen
  11. Die Privatklage des Reinhold Fischer zu Bentschen gegen den Handelsmann Otto Hiersekorn aus Neutomischel wurde vertagt
  12. In der Privatklagesache der Frau Katharina Musial gegen die Frau Veronika Nettka, beide aus Alttomischel, wurde letztere wegen Beleidigung mit 5 Mk. bestraft

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Schöffengerichtssitzung vom 26. September 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer August Roy-Paprotsch und Sperling-Neuborui

Es kamen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Eigentümer Ignaz Maczewski aus Bolewitz war des Betruges angeklagt. Er wurde freigesprochen
  2. Die Eigentümerfrau Ida Zeppei aus Konkolewo wurde wegen Diebstahls mit 3 Tagen Gefängnis bestraft
  3. Der Knecht Berthold Meißner aus Alt-Scharke hatte gegen einen Strafbefehl von 5 Mk. Einspruch erhoben, den er jedoch zurückzog
  4. Der Eigentümer Wilhelm Klemke aus Neuborui war der Körperverletzung angeklagt. Die Sache wurde vertagt
  5. Der Tischlergeselle Adam Schwiertz von hier war des Diebstahls bezichtigt. Er wurde von diesem Vergehen freigesprochen, dagegen aber wegen Fundunterschlagung mit 3 Tagen Haft bestraft.
  6. Der Eigentümer Ignaz Dykschak aus Wonsowo erhielt wegen einfachen Diebstahls 1 Tag Gefängnis
  7. In der Privatklage des Eigentümers August Giering zu Chraplewo gegen den Eigentümer Gottlieb Roy aus Neurose und in dessen Widerklage gegen Giering wurde der Kläger mit 5 Mk. und der Beklagte mit 10 Mk. bestraft. Außerdem wurde jeder Partei die Publikationsbefugnis zugesprochen. Die Gerichtskosten tragen beide je zur Hälfte
  8. In der Privatklage des Eigentümers Hermann Fischer zu Alt Borui gegen den Eigentümer Paul Stegemann zu Königsfelde wurde auf die erhobene Widerklage des Beklagten der Kläger in einem Falle freigesprochen, in einem zweiten jedoch mit 6 Mk. bestraft. Der Beklagte wurde dagegen freigesprochen
  9. In der Privatklage des Eigentümers Gustav Rausch zu Paprotsch gegen den Bahnarbeiter Otto Raschke zu Neutomischel wurde der Beklagte auf erhobene Gegenklage zwar für straffrei erklärt, ihm aber die Kosten auferlegt
  10. In der Privatklagesache des Eigentümers Seiffert zu Scherlanke gegen den Eigentümer August Hecke ebenda wurde der Beklagte freigesprochen und dem Kläger die Kosten zur Last gelegt
  11. Die seitens der Eigentümerfrau Kuß anhängig gemachte Klage gegen die Eigentümerfrau Fenske, beide aus Königsfelde, wurde abgewiesen
  12. Die Privatklage des Eigentümers Gebauer-Schichagora gegen Christian Kaleske-Paprotsch endete mit dem Freispruch des letzteren
  13. Der Schuhmacher Martin Stoinski in Wonsowo wurde mit seiner Anklage gegen Fornalla ebenda abgewiesen
  14. In der Privatklage des Eigentümers Hermann Lukas in Albertoske gegen die Ausgedingerin Wilhelmine Hämmerling ebenda wurde letztere wegen Mißhandlung mit 6 Mark bestraft
  15. Die von dem Schneidermeister Reinhold Hecke von hier erhobene Privatklage gegen die Schneiderin Marie Ei aus Friedenwalde wurde in der Weise erledigt, daß ersterer die Klage zurückzieht, während letztere die Kosten übernimmt

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Schöffengerichtssitzung vom 10. Oktober 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Bäckermeister Liepelt von hier und Eigentümer Dienegott Kurz aus Paprotsch

Es kam folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Stellmachermeister Berthold Fiege aus Scherlanke war wegen Bedrohung, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und wegen groben Unfugs angeklagt. Fiege wurde von dem ersteren Vergehen freigesprochen, wegen des von ihm geleisteten Widerstandes und des verübten Unfugs aber mit 2 Tagen Haft bestraft
  2. Der Vogt Gottlieb Seiffert aus Chraplewo war der Körperverletzung und Beleidigung angeklagt. Er wurde wegen des ersten Vergehens mit 5 Mk. bestraft, wegen Beleidigung dagegen freigesprochen
  3. Die Arbeiterin Victoria Haynaczka von hier erhielt wegen Diebstahls 1 Tag Gefängnis
  4. Der Fleisermstr. Valentin Chuasinski aus Bukowiec hatte sich einer Körperverletzung schuldig gemacht und soll dafür 3 Mk. bezahlen
  5. Die fünf Angeklagten Katharina Napirei, Dorothea Dürhan, Helena Grayna, Helena Lodigga und Franziska Napiralla, sämtlich aus Bolewitz, hatten je einen Strafbefehl in Höhe von Mk. 7,50 wegen Beerensuchens in der Kgl. Forst erhalten und Einspruch gegen dieses Strafmaß erhoben. In Ansehung der bisherigen Unbescholtenheit und der Jugend der Angeklagten wurde die Strafe auf je 1 Mk. ermäßigt.
  6. Der Arbeiter Franz Prczyl und dessen Ehefrau Katharina, beide aus Bukowiec, hatten sich wegen Hausfriedensbruches, Bedrohung und Beleidigung zu verantworten. Der Mann wurde von der Anklage der Bedrohung freigesprochen, wegen Hausfriedensbruches und Beleidigung dagegen zu 40 Mk. Geldstrafe verurteilt; der Ehefrau wurde wegen Beleidigung eine solche in Höhe von 10 Mk. auferlegt.
  7. Der Eigentümer Wilhelm Klemke aus Neuborui war der Körperverletzung bezichtigt, er wurde jedoch freigesprochen
  8. In der Privatklagesache der Ausgedingerin Kwasiniewska zu Alttomischel gegen den Eigentümer Nikolaus Kucz ebenda wegen Beleidigung übernahm der Beklagte die Kosten. Das Verfahren wurde eingestellt. – Die noch anstehenden letzten beiden Privatklagen wurden vertagt

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Schöffengerichtssitzung vom 24. Oktober 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Berthold Roy-Glinau und Reschke-Scharke

Es kamen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Arbeiter Johann Kuß aus Friedenau und dessen Sohn August, zur Zeit in Essen, waren der gemeinschaftlichen Körperverletzung und des Hausfriedensbruches angeklagt. Von dem ersteren Vergehen wurden die Angeklagten freigesprochen, wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruches aber mit je einer Woche Gefängnis bestraft
  2. Gegen die Eigentümerstochter Franziska Weber aus Königsfelde war ein Strafbefehl in Höhe von 2 Mk erlassen worden, gegen welchen sie Einspruch erhob. Sie wurde freigesprochen
  3. Der Eigentümer Michael Talinski aus Bukowiec hatte wegen eines Strafbefehls von 5 Mk. richterliche Entscheidung angerufen. Nach Lage der Sache beantragte der Herr Amtsanwalt Freisprechung, nach welchem Antrage auch das Gericht erkannt.
  4. In der Privatklagesache des Ausgedingers Moczyjewski zu Witomischel gegen den Eigentümer Joseph Hoffmann ebenda wurde letzerer mit 10 Mk. bestraft.
  5. In der Privatklage des Maczyjewicz gegen denselben Angeklagten erhielt er eine weitere Geldstrafe von 5 Mk. auferlegt. – Die ferner noch anstehenden Privatklagesachen wurden vertagt

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Schöffengerichtssitzung vom 07. November 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Saegner-Sempolno und Gebauer-Scherlanke

Es wurde folgende Sachen verhandelt:

  1. Die Arbeiterin Anna Slatala aus Schweidnitz war angeklagt, in Friedenwalde Diebstähle verübt und gewerbsmäßige Unzucht getrieben zu haben. Die Angeklagte wurde von beiden ihr zur Last gelegten Vergehen freigesprochen
  2. Der Arbeiter Johann Weimann, dessen Ehefrau Bronislawa, aus Bolewitz, sowie deren z. Zt. auf auswärtiger Arbeit befindliche Tochter Katharina waren sämtlich des Arrestbruches angeklagt. Die Eltern erhielten je 3 Tage und die Tochter 1 Tag Gefängnis
  3. Der Eigentümer Robert Beitsch aus Schichagora wurde wegen Widerstandes gegen einen Forstbeamten mit einer Woche Gefängnis bestraft. In derselben Sache erhielt der Eigentümer Reinhold Schmeiß ebenda wegen Beleidigung 3 Mk. Geldstrafe
  4. Der Knecht Karl Hildebrandt aus Paprotsch war wegen Bedrohung von Kindern mit einem Tesching angeklagt. Er wurde freigesprochen.
  5. Der Maler Heinrich Linke aus Altborui wurde wegen Widerstandes gegen einen Vollziehungsbeamten mit 2 Wochen Gefängnis bestraft
  6. Das Dienstmädchen Emma Schmidt aus Paprotsch wurde wegen Mißhandlung einer Kollegin zu 5 Mk. Geldstrafe verurteilt
  7. Der Eigentümer Robert Beitsch aus Schichagora wurde wegen Jagdvergehens mit 30 Mk. und Konfiskation des Gewehres bestraft, während der Eigentümer Reinhold Schmeiß ebenda wegen Beihilfe mit 10 Mk. davonkam.
  8. Der Knecht Wilhelm Bernhard aus Glinau erhielt wegen Diebstahls einen Verweis
  9. Die Arbeitersfrau Marianna Smenta aus Bolewitz war der Bedrohung und des Steinewerfens auf Menschen angeklagt. Sie wurde von der Bedrohung freigesprochen, wegen letzteren Vergehens dagegen mit 5 Mk. bestraft.
  10. Die Musikerfrau Valentina Adler, z. Zt. in Grätz in Haft, wurde wegen Entwendung von 100 Mk. und Kleidungsstücken mit 3 Monaten Gefängnis bestraft.
  11. Die Privatklage des Fleischermeisters Max Krajewicz aus Neustadt b. Pinne gegen den Fleischermeister Michael Franzkowski aus Wonsowo wurde kostenpflichtig abgewiesen
  12. In der Privatklage des Arbeiters Franz Forhalak aus Wonsowo gegen die Arbeiterin Koza ebenda wegen Beleidigung wurde die Beklagte mit 5 Mk. bestraft
  13. und
  14. Die Privatklagesache Röschke gegen Berta Happe wurde vertagt, diejenige des Privatklägers Bläsing gegen Deutschmann zu Neuborui dagegen zurückgenommen

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Schöffengerichtssitzung vom 28. November 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Steinke-Bukowiec und Herr Heinrich-Sontop.

Es wurde folgende Sachen verhandelt:

  1. Der Arbeiter Karl Rosenthal aus Glinau wurde wegen Mißhandlung mit 10 Mark bestraft.
  2. Traugott Wolke aus Altborui wurde wegen Beleidigung mit 5 Mark und wegen Mißhandlung mit 15 Mark bestraft.
  3. Valentin Koza, dessen Ehefrau Agathe Koza, Joseph Bartkowiak, Prentki und Kasmars, sämtlich aus Neudombrowo, wurden ersterer wegen Hehlerei mit einer Woche, dessen Ehefrau mit drei Tagen, Joseph Bartkowiak wegen Diebstahls mit einer Woche, Prentki wegen Hehlerei mit drei Tagen bestraft, während Kasmars freigesprochen wurde
  4. Der Eigentümer Woyczich aus Wonsowo wurde wegen Mißhandlung mit 15 Mark bestraft
  5. Die Arbeiterin Marianna Piontkowski aus Bukowiec wurde wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt mit 10 Mark bestraft, von der Anklage der Beleidigung aber freigesprochen
  6. Der Eigentümer Joseph Sczaratta aus Krummwalde wurde wegen Beleidigung des Gerichtsvollziehers Manzke mit 30 Mark bestaft
  7. Der Töpfergeselle Andreas Bittner wurde wegen Mißhandlung mit 1 Woche Gefängnis bestraft
  8. Der Arbeiter Andreas Gustinski aus Neustadt b. P. erhielt wegen Bedrohung 3 Tage Gefängnis
  9. In der Privatklagesache des Arbeiters Bochniak aus Rose gegen die Frau Mania wurde letztere wegen Beleidigung mit 20 Mark bestraft
  10. Die Privatklage des Handelsmanns Koza gegen den Schmiedemeister Schulz aus Bukowiec endete damit, daß letzterer wegen Mißhandlung mit 6 Mark bestraft wurde
  11. Die Privatklage des Fleischermeisters Reinhold Janott zu Kirchplatz gegen den Stellmachermstr. Gedrange in Alt-Borui wegen Beleidigung wurde durch Vergleich erledigt
  12. In der Privatklagesache des Bureauvorstehers Theodor Wedde von hier gegen einen hiesigen Hotelbesitzer (wiederum wurde der Name nicht genannt), wurde letzerer mit 40 Mark bestaft
  13. In der Privatklage des Eigentümers Hunold gegen die Einwohnerfrau Kurz wurde der Kläger mit seiner Klage abgewiesen

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Schöffengerichtssitzung vom 19. Dezember 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr August Roy-Paprotsch und Herr Gottlieb Foerster-Konkolewo

Es kamen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Gegen Hermann Pfeiffer, Dienegott Pfeiffer und Martha Seide waren Strafbefehle in Höhe von je 2 Mark erlassen worde, weil sie über das Grundstück des Eigentümers Siegismund in Altscharke gegangen waren. Sie hatten gegen die Strafbefehle Berufung eingelegt und erzielten ihre Freisprechung, da sich herausstellte, daß sie zum Betreten des Grundstücks berechtigt waren
  2. Der Ausgedinger Noawaczyk aus Wonsowo wurde wegen Körperverletzung mit 30 Mark bestraft
  3. Der Eigentümer Wladislaus Dyderski aus Krummwalde hatte gegen einen Strafbefehl in Höhe von 2 Mark Einspruch erhoben, den er heute zurückzog
  4. Der Maurer August Nowitzki in Witomischel erhielt wegen Diebstahls drei Tage Gefängnis
  5. Wegen nächtlicher Ruhestörung wurde Johann Kaczmarek aus Bukowiec mit 30 Mark bestraft.
  6. Die Eigentümerfrau Wilhelmine Paeschke aus Blake wurde wegen Diebstahls zu drei Tagen Gefängnis verurteilt
  7. Der Arbeiter Heinrich Skala aus Altborui war des Diebstahls angeklagt, er wurde aber freigesprochen
  8. Die Privatklagesache des Bauunternehmers Reinhold Paeschke aus Blake gegen den Eigentümer Heckert wurde durch Vergleich erledigt
  9. Ebenfalls durch Vergleich endete die Privatklage des Gastwirts Jäger in Bobrowke gegen den Hilfsbahnwärter Nimmsch in Bentschen

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Quelle: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel 1906 / Ausgaben Juli-Dezember

Nachruf für Julius Markendorff – verstorben 1907 in Neutomischel

Julius Markendorff

Julius Markendorff

Am vergangenen Mittwoch, 03. April 1907, wurde einer der ältesten Bürger unserer Stadt, der Glaser- und Schneidemeister J. Markendorff, der an Altersschwäche in einem Posener Krankenhause verstorben ist, zur letzten Ruhe bestattet.

Der Verewigte, welcher ein Alter von 86 Jahren erreicht hat, war das älteste Mitglied der hiesigen Synagogen-Gemeinde, er gehörte auch bis zu seinem Lebensende mit zur Schützengilde und zur Schneider-Innung, welche Vereinigungen in corpore dem Dahingeschiedenen unter Vorantritt der Stadtkapelle die letzte Ehre erwiesen

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Julius Markendorf – geboren ca. 1821 – verstorben April 1907

war verehelicht mit Röschen geb. Bonn – geboren ca 1820 zu Grätz – verstorben im Januar 1891 zu Neutomischel

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1907

Der Mord an der Familie Greiser / 1906

Bomst - Wiebelshof / Ausschnitt Messtischblatt 3860 - http://mapy.amzp.pl/tk25.cgi?23,48,60,80

Bomst – Wiebelshof / Ausschnitt Messtischblatt 3860 – http://mapy.amzp.pl/tk25.cgi?23,48,60,80

Nachstehend folgt in chronologischer Reihenfolge die Berichterstattung der Presse hinsichtlich der Ermittlungen zur Aufklärung der Ermordung der Familie Greiser aus Wiebelshof, welche sich über die Jahre 1906 bis 1907 erstreckte.

Letztlich wurde der ermittelte Täter zum Tode verurteilt

1906-04-03 Neutomischeler Kreisblatt

Der 74 Jahre (?) alte Viehfütterer Greiser, seine Frau und Tochter wurden am Sonntag früh mit durchschnittenem Halse in ihrer Wohnung vorgefunden. Die Tochter gab noch Lebenszeichen von sich und konnte mitteilen, daß Zigeuner die Schreckenstat verübt haben. Bald darauf verstarb auch sie. Gestern wurden acht Zigeuner verhaftet und ins hiesige Gefängnis (Unruhstadt)  eingeliefert.

1906-04-06 Neutomischeler Kreisblatt

Zu dem in der Nacht vom 31. März zum 1. April auf dem Vorwerk “Wiebelshof” bei Bomst verübten Raubmord, über den wir bereits in letzter Nummer kurz berichtet haben, werden noch folgende Einzelheiten gemeldet:

Wiebelshof liegt mitten im Walde, so daß ein Fremder den Weg dorthin kaum finden kann. Es ist ein Nebenvorwerk, auf welchem etwa 30 Stück Vieh gehalten werden. Der Kutscher eines Schlempewagens entdeckte am Sonntag vormittag als erster die Tat. Der Anblick, der sich im bot, war entsetzlich. Der Kopf des ermordeten Viehfütterers Greiser hing aus dem Bett heraus und die Frau lag erschlagen im Bett. Die Kleidungsstücke lagen verstreut in der Stube.

Der Kutscher lief aus dem Hause, um die Tochter zu suchen, und fand sie hinter der Scheune liegend mit schweren Kopfwunden, aber noch lebend vor. Die Schwerverletzte fand Aufnahme im Krankenhaus zu Bomst, wo sie ihren schweren Verletzungen erlegen ist, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft traf sofort am Tatorte ein. Da Zigeuner sich hier in der Nähe aufhielten, wurde sofort nach ihnen gefahndet und mehrere von ihnen in Haft genommen. Doch zweifelt man daran, daß die Zigeuner die Tat begangen haben. In der Wohnung wurden von den untersuchenden Beamten größere Geldbeträge gefunden, doch werden etwa 500 Mark vermißt, die Greiser kurz vorher aus einem Viehverkauf erhalten hatte.

Die Tat scheint gegen Morgen verübt zu sein, da eine Futterkrippe schon gereinigt war, während sich in den andern noch Futterreste befanden. Eine Axt ohne Stiel und zwei Beile wurden aufgefunden und beschlagnahmt. Der 82 Jahre alte Viehfütterer Greiser war seit einem Jahre bettlägerig. Er hatte mit seiner 81 jährigen Frau vor kurzem noch die goldene Hochzeit gefeiert und war über 60 Jahre im Dienste. Die Arbeiten wurden von der etwa 44 Jahre alten Tochter ausgeführt.

Inzwischen wird gemeldet, daß die in Unruhstadt verhafteten Zigeuner wieder auf freiem Fuß gesetzt sind, da sich der Verdacht ihrer Täterschaft nicht bestätigt hat. Mit dem Tode der Tochter hat sich der Mund der einzigen Zeugin der schrecklichen Bluttat geschlossen. Tief erschüttert stehen die Bewohner von Bomst und Umgegend vor diesem furchbaren Verbrechen, dieser entmenschten Tat, der drei Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Die Greisers waren brave, ehrenhafte Leute, die allgemein geachtet waren. Hoffentlich gelingt es den eifrigste betriebenen Nachforschungen sämtlicher dabei inbetracht kommender Organe, den oder die Täter ausfindig zu machen, damit das furchtbare Verbrechen seine Sühne erhalte.

1906-04-10 Neutomischeler Kreisblatt

Am Donnerstag fand unter großer Beteiligung auf dem evangelischen Friedhof (zu Bomst) die Beerdigung der drei in Wiebelshof Ermordeten statt.

Auf Ermittelung des Täters hat der Erste Staatsanwalt in Meseritz eine Belohnung von 1000 Mk. ausgesetzt. – Den “Züll. Nachr.” wird aus Unruhstadt mitgeteilt, daß in Karge ein Verwandter der ermordeten Familie, ein Arbeiter B., der einige Tage zuvor bei ihr auf Besuch war, in Untersuchungshaft genommen worden ist.

1906-04-18 Neutomischeler Kreisblatt

Der in Haft genommene Kitschmann ist aus der Haft wieder entlassen worden. Aus Berlin ist ein Kriminalbeamter hier eingetroffen und hat die Leitung der Nachforschungen in die Hand genommen.

1906-04-24 Neutomischeler Kreisblatt

Tausend Mark Belohnung werden demjenigen von der Königl. Staatsanwaltschaft in Meseritz zugesprochen, der den Täter nachweist, der die Eheleute Greiser und ihre Tochter am 1. April d. J. in Wiebelshof bei Bomst ermordet hat.

1906-04-27 Neutomischeler Kreisblatt

In der Greiser’schen Mordsache ist nach dem “Schw. Intbl.” ein zweiter Kriminalbeamter hier eingetroffen, auch der Staatsanwalt weilte wieder hier.

Der Kutscher Piontek, welcher den Mord zuerst bemerkte, wurde verhaftet, mußte aber wieder entlassen werden.

1906-05-01 Neutomischeler Kreisblatt

Der Mörder der Geiser’schen Eheleute und deren Tochter ist noch immer nicht entdeckt.

Auch schwindet immer mehr die Hoffnung, des Täters habhaft zu werden. Das Sparkassenbuch ist in einem Bett eingenäht, aufgefunden worden. Das Publikum wird wiederholt und dringend gebeten, alles was auf diese Angelegenheit bezug hat, der Behörde mitzuteilen. Auch die anscheinend geringfügigsten Umstände können von großer Wichtigkeit sein.

1906-05-08 Neutomischeler Kreisblatt

Ueber den Mord an der Familie Greiser liegt noch immer ein undurchdringliches Dunkel, denn auch die zuletzt verbreitete Nachricht von der Verhaftung eines Sohnes der ermordeten Eheleute ist unzutreffend.

Außer dieser Freveltat sind in unserer Gegend in den letzten Jahren die Morde an folgenden Personen ungesühnt geblieben: Fleischer Franke in Bentschen, Fleischer Schulz in Topper, Forstgehilfe Rau in Bolewitz und Eigentümer Sperling in Wengielno

1906-05-25 Neutomischeler Kreisblatt

In der Greiser’schen Mordsache stellt jetzt die Staatsanwaltschaft Nachforschungen nach einem Radfahrer an, der am Sonntag, dem 1. April, früh 3/4 6 Uhr, auf der Chaussee Bomst-Unruhstadt gesehen worden ist und nach Unruhstadt zu fuhr. Dieser Radfahrer ist wahrscheinlich als Zeuge sehr wichtig und möge sich bei der nächsten Polizeibehörde melden. Ebenso wünschenswert sind genaue Angaben über seine Person, sein Aussehen usw. von solchen Leuten, die ihn damals gesehen haben.

1906-06-06 Neutomischeler Kreisblatt

Einem Bericht des “Schw. Intbl.” zufolge haben die beiden Kriminalbeamten, ein Posener und ein Berliner, welche in der Wiebelshofer Mordsache tätig waren, nicht den geringsten Anhalt über die Person des Mörders entdecken können. Besonders erschwert wurde die Untersuchung dadurch, daß die Mordtat sich in einem drei Kilometer von der Landstraße abseits gelegenen Hause zugetragen hat.

1906-10-30 Neutomischeler Kreisblatt

1000 Mark Belohnung. In der Ermittelungssache betr. Ermordung der Eheleute Greiser und deren Tochter in der Nähe von Unruhstadt wird nochmals darauf hingewiesen, daß hierbei eine besonders große silberne Spindeluhr mit stark gewölbtem Glase geraubt worden ist. Die Uhr war vorn zu öffnen; der kleine Zeiger war zur Hälfte abgebrochen, die Oeffnung zum Aufziehen befand sich auf dem Zifferblatt, das Werk war innen mit Arabesken verziert und mit der Jahreszahl 1797 oder 1779 versehen. Es ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Benachrichtigungen an die Staatsanwaltschaft Meseritz oder das Polizeipräsidium Posen erbeten.

1907-02-19 Neutomischeler Kreisblatt

Mörder gefaßt. Der Arbeiter Johann Koschitzki aus Schloßvorwerk hat am Freitag eingestanden, mit dem Arbeiter Franz Porawski aus Bomst den Mord an der Greiser’schen Familie in Wiebelshof verübt zu haben. Nach dem Geständnis des Koschitzki hat sich der Vorgang in Wiebelshof wie folgt abgespielt.

In der Nacht vom 1. April 1906 begaben sich Koschitzki und der Arbeiter Porawski, die beide ein Zeit lang in Wiebelshof auf Arbeit waren, von Bomst nach Wiebelshof. Dort kamen sie kurz vor 2 Uhr nachts an. Da sie mit den örtlichen Verhältnissen auf dem Gute genau vertraut waren, gelang es ihnen, ohne die Greiser’schen Eheleute aus dem Schlafe zu stören, die Tochter zu wecken. Auf Grund ihres ungewöhnlichen Erscheinens führten sie an, sie wollten noch das Vieh füttern, das am nächsten Morgen forttransportiert werden sollte. Die Tochter, für die der Vorgang nichts Befremdendes zu haben schien, führte die beiden auf ihr Verlangen nach dem Stalle. Während Koschitzki mit ihr im Stalle verblieb und mit der Fütterung beschäftigt war, wußte sich Porawski unauffällig in das Schlafgemach der beiden Eheleute zu begeben. Mit einer Axt, deren Standort er kannte, erschlug er zunächst den Ehemann, alsdann die Ehefrau, die infolge ihrer Schwerhörigkeit von dem ganzen Mordvorgange nicht das Mindeste vernommen hatte. Inzwischen war auch die Tochter mit einem Eggenrechen von Koschitzki erschlagen worden. Die Leiche wurde am nächsten Morgen an der Rückseite des Stalles gefunden. Auf Grund der Aussage des Koschitzki wurde der Mörder Porawski alsbald verhaftet und in das Untersuchungsgefängniß in Meseritz überführt. Hier legte er, wie das Wollsteiner Tageblatt berichtet, freimütig ein volles Geständnis ab, das sich mit dem seines Mordkomplicen deckt.

1907-02-21 Volksstimme Magdeburg

Die Taten zweier Mörder

Der Arbeiter Koschitzki aus Neukramzig im Posenschen wurde vor kurzem verhaftet, weil er dort an dem Knecht Andrys einen Raubmord begangen habe. Diese Tage hat Koschitzki eingestanden.

Desgleichen hat er nunmehr auch eingestanden, die Familie Greiser in Wiebelshof in Gemeinschaft mit dem Arbeiter v. Kurawski ermordet zu haben.

V. Kurawski ist sofort verhaftet worden und hat die Tat ebenfalls eingestanden. Beide haben sich nachts gegen 2 Uhr in die Greiser’schen Wirtschaft begeben und die Tochter geweckt unter dem Vorgeben, das Vieh, das am andern Morgen verladen werden sollte, noch füttern zu wollen. Fräulein Greiser ging mit den beiden nach dem Stall, von wo sich von Kurawski unauffällig nach der Schlafstube der Greiser’schen Eheleute entfernte. Diese lagen im tiefsten Schafe und wurden währenddesssen von Kurawski mit einer Axt erschlagen. Inzwischen tötete Koschitzki im Stalle die Tochter, indem er ihr mit einem Rechen den Schädel einschlug. Dem Koschitzki werden noch weitere Mordtaten zur Last gelegt.

1907-02-22 Neutomischeler Kreisblatt

Mit der Ergreifung der Mörder des Greiser’schen Ehepaares ist die Bevölkerung der Umgegend des Tatortes von einem schweren Druck befreit worden; waren doch außer einigen Zigeunern, die sich zufällig in der Gegend befanden und deren Unschuld sich bald herausstellte, auch mehrere andere Leute in schweren Verdacht gekommen, die Mordtat begangen zu haben. Besonders bemerkenswert und von einiger kriminal-psychologischer Bedeutung ist die Tatsache, daß Koschitzki, als zur Klärung des Mordes Beamte der Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft in Bomst anwesend waren, Koschitzki diese selbst nach Wiebelshof fuhr und seine “Vermutungen” bezüglich der Täterschaft den Beamten gegenüber wiederholt Ausdruck gab.

1907-02-25 Lübecker Volksbote

Ein dreifacher Raubmord, der im April vorigen Jahres in dem märkischen Dorfe Wiebelshof bei Züllichau verübt worden ist, hat jetzt endlich seine Aufklärung gefunden.

Vor einiger Zeit wurde der Arbeiter Johann Kosicki in Bomst unter dem dringenden Verdacht verhaftet, vor anderthalb Jahren den Knecht Andries aus dem Schloßvorwerk bei Bomst ermordet zu haben, was der Verhaftete auch eingestand. Die Staatsanwaltschaft stellte nunmehr fest, daß der Mörder sich im Frühjahr 1906 auch in der Gegend von Züllichau aufgehalten hatte. Es wurde ihm auf den Kopf zugesagt, daß  er damals das Greiser’sche Ehepaar und deren Tochter in Wiebelshof ermordete. Kosicki legte denn auch nach anfänglichem Leugnen eine Geständnis ab. Der vierfache Mörder, der sich zurzeit im Untersuchungsgefängnis in Meseritz befindet, war damals als Aushilfsarbeiter bei Greiser beschäftigt gewesen.

1907-04-16 Neutomischeler Kreisblatt

Am ersten Tage der mit dem 15. April begonnenen Schwurgerichtsperiode hat die Verhandlung gegen den Knecht Koschitzki aus Schloßvorwerk bei Bomst wegen Ermordung des Knechtes Andrys zu Neukramzig, begangen am 2. Juli 1905, stattgefunden. Die Verhandlung gegen Koschitzki und seine Mittäter wegen des dreifachen Greiser’schen Mordes wird das Schwurgericht erst im Juli beschäftigen. Die nach Koschitzkis Verhaftung aufgetauchten Gerüchte, er habe außer den vier erwähnten Morden noch andere auf dem Gewissen, entbehren jeder Grundlage. Besonders bestimmt war behauptet worden, daß Koschitzki vor etwa 12 Jahren den Fleischermeister Franke in Bentschen erschossen hätte. Nachforschungen haben aber ergeben, daß Koschitzki zur Zeit des Mordes Soldat war, als Täter also nicht in Frage kommen kann. – Bei der Verhandlung vor dem Schwurgericht hat Koschitzki eingeräumt, seinen Mitknecht Andrys im Streit erschlagen und den Körper in einer nahen Kalkgrube verscharrt zu haben. Die Geschworenen sprachen ihn des Todschlags schuldig, worauf der Angeklagte zu 10 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt wurde.

1907-07-08 Neutomischeler Kreisblatt

Vor dem hiesigen (Meseritz) begann am Donnerstag (04. Juli 1907) die Verhandlung in dem Raubmordprozeß gegen den Knecht Johann Kosicki, sowie den Arbeiter Franz Porawski aus Schloßvorwerk bei Bomst. Die Angeklagten waren beschuldigt, am 1. April 1906 in Wiebelshof das im Greisenalter stehende Ehepaar Greiser, sowie deren 43 jährige Tochter Luise gemeinschaftlich ermordet und beraubt zu haben.

Der Angeklagte Kosicki, der den für verschwunden gehaltenen Mitknecht Andrys zu Neukramzig am 2. Juli 1905 erschlagen hatte, erklärt auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich des Mordes schuldig bekenne: Aber nur an der Luise Greiser, die andern habe ich nicht angerichtet.

Vors.: Nun schildern Sie uns ausführlich den ganzen Hergang. – Angekl. Kosicki: Es war am 31. März, abends gegen 11 Uhr, als ich dem Angeklagten Porawski in der sogenannten “Aepfelallee” begegnete. P. machte nun dem K. den Vorschlag, sich mit nach dem 2 1/2 Kilometer entfernten Wiebelshof zu geben, um die Luise Greiser aufzusuchen, deren Eltern zu berauben und damit nichts herauskomme, alle drei zu erschlagen. In der Nacht zogen dann die beiden nach dem Hause hin, nachdem sie sich noch mit Stöcken bewaffnet hatten, um den Hund abzuwehren. Nachts 2 Uhr langten sie vor dem Greiser’schen Hause an. Dann schlichen sich die beiden an das Haus heran und klopften an das Fenster der Luise. Diese erwachte und fragte, was los sei. Die beiden Angeklagten haben ihr geantwortet, sie wollten das Vieh, welches am andern Morgen verkauft werden wollte, füttern und putzen. Der ebenfalls aufgewachte Vater gebot aber der Luise, sich wieder zu Bett zu legen. Die beiden Angeklagten schlugen nun, wie Kosicki weiter berichtet, einen anderen Wege ein, um das Mädchen aus dem Hause zu locken. Sie riefen dreimal laut den Namen eines ebenfalls auf dem Vorwerke arbeitenden Knechtes, Lehmann, der im Greiser’schen Hause sehr gut bekannt war. Das Mädchen ließ sich wirklich betören und kam aus dem Hause heraus. Porawski sei auf sie losgegangen. Als das Mädchen aber schrie, ließ er von ihm ab. Das Mädchen suchte nun im Garten umher, wo sie den Lehmann vermutete. Porawski habe nun den Kosicki aufgefordert, er solle die beiden alten Leute totschlagen, während er selbst das Mädchen antraf, mit dem er sich in ein Gespräch einließ. Inzwischen sei Porawski in das Haus gegangen und habe dort die beiden Eheleute ermordet. Dann sei er herausgekommen und habe dem Kosicki ein Zeichen gegeben, die Luise Greiser niederzuschlagen. Er habe ihr darauf mit seinem Stocke ein paar Hiebe auf den Hinterkopf gegeben, so daß sie lautlos zu Boden fiel.

Es wird dann der zweite Angeklagte Franz Porawski vernommen, der im Gegensatz zu Kosicki noch unbescholten ist. Er erklärte auf Befragen, er sei unschuldig. Alles, was Kosicki gesagt habe, seien gemeine Lügen. Er sei bei dem Morden nicht beteiligt. Auf Befragen des Vorsitzenden gibt er an, daß er die Luise Greiser am Abend vor dem Morde getroffen habe. Er sei aber dann nach Hause gegangen und habe dort die ganze Nacht geschlafen, bis er früh geweckt wurde. Er sei nicht mit dem Kosicki fortgewesen. – Kosicki: Jawohl, er war mit mir dabei und hat alles getan, was ich erzählt habe. – Porawski bestreitet wiederum erregt jede Schuld. Damit ist die Vernehmung der beiden Angeklagten beendet.

Im weiteren Verlaufe wurde festgestellt, daß der Angeklagte Porawski, obgleich er verheiratet war, noch mit anderen Frauen und Mädchen verkehrte. Er muß auch zugeben, daß er mit der Luise Greiser Umgang hatte, wenn auch nicht in der allerletzten Zeit. Es wurde dann in die Vernehmung der 50 Zeugen eingetreten.

Der Pferdeknecht Piontyseck kam als erster nach der Mordtat in das Greiser’sche Haus. Er bekundet: Die Greiser’schen Eheleute waren schon völlig tot. Die Luise Greiser stöhnte noch leise. – Zeuge Rittergutspächter Jesse gibt an, daß Porawski sieben bis acht Jahre bei ihm beschäftigt war, Kosicki aber erst kurze Zeit. Es sei unter den Leuten bekannt gewesen, daß die Greiser’schen Eheleute Geld im Hause hatten. Porawski sei in der ersten Zeit ein guter Arbeiter gewesen. In den letzten Monaten sei er aber recht niederträchtig gewesen und habe den Zeugen in der unverschämtesten Weise belogen. Dem Kosicki kann der Zeuge nichts Böses nachsagen. Er würde ihn eines Mordes nicht für fähig halten. Vors.: Er hat Ihnen als erstem ein Geständnis abgelegt? – Zeuge: Ja, ich sagt zu ihm: Wenn Sie die Courage gehabt haben, einen Mord zu verüben, dann müsse Sie auch den Mut haben, die Tat einzugestehen, Sie erleichtern dann nur Ihr Gewissen. Er fing dann an zu weinen und gestand alles ein. – Staatsanwalt: Sie sollen einmal gesagt haben: Wenn ich einmal ermordet werde, dann sperrt nur den Porawski ein; dem Menschen traue ich alles zu. – Zeuge: Ja, das habe ich gesagt. – Staatsanw.: Wie benahm sich P., als er die Kunde von dem Morde vernahm?.- Zeuge: Als ich ihm davon erzählte, wurde er leichenblaß und sagte kein Wort. Er schüttelte nur mit dem Kopfe. – Staatsanwalt: Welcher von den beiden Angeklagten ist wohl der intelligentere? Wem können Sie wohl die Fassung des Mordplanes zutrauen? – Zeuge: Ich halte den Porawski für den intelligenteren. – Darauf erstattete Sachverständiger Medizinalrat Dr. Brinkmann (Wollstein) sein Gutachten über die Sektion der drei Leichen.

Der Zeuge Schaepe, gegen welchen zur Zeit die Voruntersuchung wegen Beteiligung an dem Morde eingeleitet worden war, wird sein Zusammensein mit Porawski ebenso geschildert, wie es Kosicki schon vorher getan hat. Er behauptete, nicht mit nach Wiebelshof gewesen zu sein, um dort Wache zu stehen. Vereidigt wird dieser Zeuge nicht, da er immer noch der Mittäterschaft verdächtig erscheint. Die Auseinandersetzung einer Klage Schaepes und Porawskis gegen den Knecht Piontysek nahm darauf längere Zeit in Anspruch. Piontysek hatte erzählt, die beiden Kläger seien an dem Morde beteiligt, er hätte dies von Kosicki gehört. Vor dem Schiedsmann leistete er Abbitte, worauf ein Vergleich zu stande kam.

Zeuge Lis, ein Rechtskonsulent aus Bomst, bekundet, daß Porawski ihm gegenüber geäußert habe, er wolle später nach Wiebelshof ziehen, aber so lange die Luise noch da wäre, tue er dies nicht. Auf die Frage des Untersuchungsrichters Förster, ob dem Angeklagten auf dem Wege nach Wiebelshof jemand begegnet sei, erklärt Kosicki, einen Mann mit blanker Zwinge gesehen zu haben. Dies wird auch vom Steueraufseher Ladwig bestätigt, welcher um 1 Uhr nachts die Brennerei zu revidieren hatte. Ladwig hat ganz deutlich zwei Männer erregt sprechen hören, die, als sie ihn gewahr wurden, ihre Unterhaltung im Flüsteron weiter führten. Verstehen konnte er nichts, da sie polnisch sprachen. Vom Schwiegervater des Porawski wird die schon von seiner Ehefrau gemacht Aussage bestätigt, daß P. früh, als er geweckt wurde, im Bette an der Tür lag. Die weiteren Aussagen der Frauen der beiden Angeklagten sind nicht von Belang.

Nachdem die Zeugenaussagen zu Ende geführt waren, wurden die den Geschworenen vorzulegenden Fragen festgestellt. Staatsanwalt Dr. Siebert führte die Anklagerede. Er schenkt Kosickis Aussagen vollen Glauben, doch könne allein auf das Geständnis eines Mörders hin Porawski nicht verurteilt werden. Die für P. ins Gewicht fallende Belastung sei die Begegnung mit dem Steueraufseher; es müssen zwei Personen an dem Morde beteiligt gewesen sein. Kosickis Aussagen ist auch schon deshalb Glauben zu schenken, weil er sich nie widersprochen oder verwickelt hat, ein Mann von so geringer Geistesbildung wie Kosicki wäre dessen nicht fähig. Warum verteidigte sich P. bei einer so schweren Anklage nicht mehr, er antwortete fast nur immer mit den Worten: Ich weiß es nicht. Am Ende seiner Rede beantragte Dr. Siebert beide Angeklagte des Mordes schuldig zu sprechen.

K’s Verteidiger stellte darauf diesen nur als den Verführten hin, seine ganze Handlungsweise stand unter der suggestiven Gewalt des P. Er beantragte, den K. nur wegen Raubes und tödlicher Körperverletzung zu verurteilen. – Der Verteidiger des P. erklärte das Geständnis des K. einfach als nicht glaubwürdig. Einem Mann, der schon einen Totschlag verübt, könne man doch unmöglich Glauben schenken. Kosicki wolle damit nur ein milderes Urteil für sich erzwingen. Der Verteidiger des P. versuchte alles zu Gunsten seines Klienten zu erklären, er beantragte seine Freisprechung. Staatsanwalt Greffrath äußerte hierauf: Ein so raffinierter Mann wie P. sei ihm in seiner über 20 jährigen Praxis wohl noch nicht vorgekommen, beide wären nach seiner Ueberzeugung wegen Mordes zu verurteilen.

Kosicki bestätigt daraufhin nochmals seine Aussage. Porawski aber erklärt: Ich gebe es nicht zu, weil ich es nicht war. 1 1/2 Stunde nahm die Beratung der Geschworenen in Anspruch, ihr Urteil war: Kosicki ist des Mordes in 3 Fällen und der Unterschlagung schuldig. Porawski aber ist unschuldig.

Während vom Gerichtshof die Strafe festgestellt wurde, drohte die Frau des Kosicki diesem, sein 4 jähriges Söhnchen aber streckt ihm freudig sein Händchen entgegen. Bei diesem Anblick fing K. bitterlich an zu weinen. Die Strafe des Gerichtshofes lautet für Kosicki auf Todesstrafe wegen dreifachen Mordes und auf drei Monate Gefängnis wegen Unterschlagung. Porawski aber wurde freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen.

* * *

Am 17. Dezember 1907 um 8:00 Uhr morgens wurde der am 05. Juli 1907 zum Tode verurteilte Pferdeknecht Johann Kosicki (Koschitzki) auf dem Hof des Gerichtsgefängnisses zu Meseritz durch den Scharfrichter Schwietz mit dem Handbeil enthauptet.

* * *

Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1906/1907

Das viel zu kurze Leben der Emma Pawel / 1891-1907

Kartenausschnitt mit der Strecke Rojewo - Neu Boruy / Messtischblatt 3763 - http://mapy.amzp.pl/tk25.cgi?23,48,60,80

Kartenausschnitt mit der Strecke Rojewo – Neu Boruy / Messtischblatt 3763 – http://mapy.amzp.pl/tk25.cgi?23,48,60,80

In den Jahren 1905 und auch 1907 war es noch üblich, dass Kinder in einem Alter von 14 Jahren bis zu mindestens 12 Stunden täglich arbeiten mussten.

Kinderarbeit galt als Segen für die Eltern und war finanziell unabdingbar. Angst um das Wohl und die Gesundheit von Kindern wurde gegen das ureigene Wohl zurückgestellt.

Auch Emma Pawel war ein Kind jener Jahre.

* * *

Das Neutomischeler Kreisblatt berichtete in seiner Ausgabe vom 04. August 1905 über die Geschehnisse wie folgt:

“Aus Rojewo wird dem “Bomster Kreisblatt” berichtet: Eine geradezu unterhörte Frechheit leistete sich ein Trupp Zigeuner, gegenüber der vierzehnjährigen Tochter eines hiesigen Eigentümers.

Das in Neuborui bedienstete Mädchen war vergangenen Sonntag (30. Juli 1905) bei den Eltern in Rojewo gewesen und hatte des starken Gewitters wegen erst am Montag früh gegen 3 Uhr den Rückweg nach Neuborui angetreten.

Der Sonnenaufgang am Montag, den 31. Juli 1905 war ca. 2 1/2 bis 3 Stunden nach Aufbruch des Mädchens aus dem Elternhause gewesen; sie hatte sich im Dunkeln auf die ca. 10 km lange Strecke durch das bis heute weitesgehenst unbewohnte Waldgebiet auf den Weg gemacht.

An einem Kreuzweg auf der Mitte zwischen Neuborui und Konkolewo begegneten dem Mädchen ca. 6 Zigeunerwagen. Eine Zigeunerin trat unter drohenden Gesten auf das Mädchen zu, welchem in der Angst und Verlegenheit die Sinne schwanden, sodaß es nun mit Leichtigkeit in einen Wagen gehoben und mitgenommen werden konnte.

Als das Mädchen wieder zur Besinnung gekommen war und seine Freilassung verlangte, wurde es zunächst geschlagen und ihm dann angedroht, daß es sofort niedergestoßen würde, sobald es einen Laut von sich gäbe oder einen Fluchtversuch mache. Dieses Drohungen wurden wiederholt, so oft die Truppe ein Dorf passierte, sodaß das geängstigte Mädchen sich zunächst in ihr Schicksal fügte und scheinbar beruhigte.

Als die Zigeuner abends in Wonsowo angekommen und sich, teils um zu stehlen, teils um zu fechten, in das Dorf zerstreut hatten, gelang es dem Mädchen in einem unbewachten Augenblick zu entkommen und in das nächstgelegene Gehöft zu fliehen, woselbst es erschöpft zusammenbrach.

Nachdem es sich erholt und von dem Geschehenen Mitteilung gemacht hatte, wurde es durch einen Wagen der Herrschaft Wonsowo den Eltern in Rojewo wieder zugeführt. Infolge der ausgestandenen Angst und Schrecken befand sich das bedauernswerte Mädchen in einem solchen Zustand, daß es in ärztliche Behandlung gegeben werden mußte.

Die Gendarmerie nahm die Verfolgung der Zigeuner auf, welche sich jedoch rechtzeitig aus dem Staube gemacht hatten.”

* * *

War im Bericht im Jahre 1905 noch kein Name genannt worden, so wurde nur zwei Jahre später, am 30 Juli 1907 folgender Artikel veröffentlicht:

“Die 16 jährige Emma Pawel, die vor zwei Jahren von Zigeunern aus Waldhorst (Rojewo) entführt, ihnen aber in Wonsowo entflohen war, wurde kürzlich auf dem Wege zwischen einer Ziegelei bei Kottbus und der Stadt tot aufgefunden.

Sie war in der Ziegelei bedienstet und besorgte in der Stadt ihre Einkäufe, von wo sie nicht mehr zurückkehrte.

Da man bei ihrem Auffinden kein Geld bei ihr fand und alle Umstände darauf hinweisen, vermutet man Raubmord.”

* * *

Emma Pawel

war am 29 Juni 1891 als Tochter des Eigentümer Ehepaares Johann Wilhelm Friedrich und Johanna Juliane (geb. Lüdke)  Pawel in Rojewo geboren worden.

* * *

Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1905/1907

Orden für die Veteranen – 1899

Zentenarmedaille - Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Zentenarmedaille

Zentenarmedaille – Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Zentenarmedaille

Aus Anlass des 100. Geburtstages Kaiser Wilhelm I. stiftete sein Enkel Kaiser Wilhelm II. am 22. März 1897 die s. g. Zentenarmedaille.

Sämtlichen Offizieren, Militärbeamten, Unteroffizieren und Mannschaften wurde diese Medaille verliehen, wie auch den noch lebenden Veteranen aus den Kriegen 1848/1849 – Deutsche Revolution, 1864 – Deutsch Dänischer Krieg, 1866 – Deutscher Krieg und 1870/1871- Deutsch Französischer Krieg.

 * * *

Folgende Veteranen können die ihnen Allerhöchst verliehene Kaiser Wilhelm I. Gedächtnis-Medaille in dem Bureau des Landrathsamtes (in Neutomischel) in Empfang nehmen:

1.

Töpfermeister

Faust, Traugott

Neutomischel

2.

Eigentümer

Lecinski, Wawrzyn

Pakoslaw

3.

Häusler und Krämer

Nowak, Paul

Brodki

4.

Stellmacher

Lisinski, Vincent

Brody

5.

Arbeiter

Piechowiak, Simon

Porazyn

6.

Arbeiter

Swinarski, Stanislaus

Porazyn

7.

Arbeiter

Konieczny, Paul

Pakoslaw

8.

Arbeiter

Stawczynski, Lorenz

Brodki

9.

Häusler

Luczak, Woyciech

Brodki

10.

Eigentümer

Mikula, Johann

Brody

11.

Arbeiter

Bienas,Thomas

Jastrzembnik

12.

Arbeiter

Norek, Thomas

Brody

13.

Pens. Landbrieftäger

Lasinski, Anton

Witomischel

14.

Arbeiter

Przybyl, Joseph

Wonsowo

15.

Eigentümer

Engelmann, August

Brody Abbau

16.

Wirth

Jendrzejewski, Franz

Brodki

17.

Wirth

Starczak, Andreas

Grudna

18.

Tischlermeister

Rothe, Heinrich

Konkolewo

19.

Eigentümer

Hecke, Heinrich

Zinskowo

20.

Knecht

Kups, Krysostomus

Alttomischel

21.

Schäfer

Höpfner, Karl

Alttomischel

22.

Arbeiter

Girndt, August

Glinau

23.

Knecht

Nawrocki, Johann

Alttomischel

24.

Arbeiter

Günther, August

Paprotsch

25.

Schneidemühlenverwalter

Coym, Friedrich

Alttomischel

26.

Vogt

Bochinski, Michael

Alttomischel

 

Außerdem haben folgende Veteranen noch die ihnen verliehenen Medaillen abzuholen:

1.

Arbeiter

Szymkowiak, Lukas

Pakoslaw

2.

Diener

Nowak, Michael

Pakoslaw

3.

Arbeiter

Szymczak, Andreas

Michorzewko

4.

Eigentümer

Majewski, Thadeus

Neubolewitz

5.

Eigentümer und Maurer

Funka, Anton

Zgierzynka

6.

Schankwirth

Held, Karl

Komorowo Hauland

7.

Eigentümer

Schanzenbach, Heinrich

Glinau

8.

Häusler

Vogel, Wilhelm

Albertoske

9.

Eigentümer

Pflaum, August

Scherlanke

Die Herren Guts- und Gemeindevorsteher veranlasse ich, die betr. Veteranen hiervon in Kenntniß zu setzen.

Neutomischel, den 27 Dezember 1898

 * * *

Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1899-01-03

Vor 120 Jahren – Unwetter über dem Hauland – Juli 1897

Ein Gewitter zieht auf / Bild GT

Ein Gewitter zieht auf / Bild GT

Die Posener Zeitung meldete:

Bald nach Mittag hatten wir heute, am 21. Juli 1897 in Neutomischel ein außerordentlich schweres Gewitter. Blitz auf Blitz folgten sich, so daß einmal in einer Minute 8 Blitze und 8 außerordentlich heftige Donnerschläge gezählt werden konnten. Dazu fiel heftiger Regen, der in kurzer Zeit Alles unter Wasser setzte.

Das Gewitter welches über unserer Gegend in und um Neutomischel tobte, war wohl das stärkste, welches je erlebt wurde. Der das Gewitter begleitende Orkan hat Bäume im Durchmesser von einem halben Meter in Mannshöhe abgebrochen, unzählig viele ebenso starke ausgerissen, sodaß z. B. der Weg von Neutomischel nach Sontop erst mit Mühe fahrbar gemacht werden mußte. In Glinau ist ein Stall vom Erdboden rein weggefegt. In einer Breite von etwa 1 Kilometer und einer Länge von 4 Kilometern ist in den Ortschaften Paprotsch, Alttomischel und Kozielaski Alles vernichtet. An den Hopfenstangen hängen kahle Ranken, Blätter und Blüthen liegen am Boden, die Kartoffeln und Rüben zeigen keine Spur von Blättern mehr. Hafer, Erbsen und Gerste, welche vorzüglich standen, sehen aus, als ob sie mit einer schweren Walze niedergewalzt wären. Das ganze Gewitter dauerte noch nicht elf Minuten. In diesen elf Minuten erfolgten fast 80 Blitze und ebensoviel Schläge.

Im Kreisblatt Neutomischel wurde geschrieben:

Ein schweres Gewitter entlud sich Mittwoch (21. Juli 1897) Mittags bald nach 1 Uhr über unsere Gegend und verursachte fürchterliche Verheerungen. Durch die finsteren Wolken zuckten unaufhörlich Blitze und der Donner glich einem beständigen Geknatter. Während in der Stadt die großen Regenmassen nur wenig mit Hagel untermischt waren, hat letzterer in Neufeld, Sontop, Alttomischel und Paprotsch gehaust und auf den Feldern viel Schaden angerichtet.

Wolken ziehen über einem alten Hauländer Hof / Bild GT

Wolken über einem alten Hauländer Hof / Bild GT

Leider ist auch wieder ein Menschenleben zu Grunde gegangen. Bei Anbruch des Gewitters hatten sich die Erntearbeiter des Gutsbesitzers Herrn Hermann Wolke an der Bahnhofstraße auf dessen Gehöft zurückgezogen. Die in den zwanziger Jahren stehende Ehefrau des Arbeiters Muck wollte aber noch ihre in der Nähe, am Birkenwäldchen, befindliche Wohnung aufsuchen, um nach der kranken Mutter und dem kleinen Kinde zu sehen. Als sie länger ausblieb, ging ihr der Ehemann nach und fand sie auf dem Wege vom Blitz erschlagen.

Johanna Wilhelmine Emma Muck geborene Rosenau, geboren 1868 zu Scherlanke, wurde am 21. Juli 1897 vom Blitz erschlagen. Ihre Tochter Ida Augusta Martha Muck war 1894 zur Welt gekommen.

In Kunik zündete der Blitz eine Scheune des Eigenthümers Rausch und äscherte sie ein.

Große Verwüstungen hat der Hagel und Sturm in einem Struck von Paprotsch, hinter dem Schützenhause angerichtet, wo viele Singvögel getötet, große Bäume und Telegraphenstangen umgerissen und die Feldfrüchte vernichtet sind. In vielen Häusern sind die Fensterscheiben zerschlagen und noch Donnerstag früh brachten Landleute die Hagelstücke zur Stadt.

Eigenthümer Gustav Rausch-Paprotsch ist schwer vom Hagelschlag heimgesucht, doch glücklicherweise zum Theil versichert. Derselbe bestätigt die ungewöhnliche Größe der Eisstücke, welche faustgroß herniedergingen. Ein Pappdach seines Gehöfts war im Augenblick durchgeschlagen, die Gras-, Klee und Kartoffelfelder sind wie abgemäht.

Herr Landrath von Daniels und Herr Distrikts Kommissarius Roll nahmen gestern nachmittag die verwüsteten Ländereien in Augenschein. Die meisten Landwirthe sind hier nicht versichert, da in unserer Gegend Hagelschäden zu den größten Seltenheiten gehören.

Aus Sontop erfolgte folgender Bericht:

Heute (Mittwoch 21. Juli 1897) wurden unsere gesegneten Fluren von einem furchtbaren Unwetter heimgesucht, wie es hier noch nicht erlebt worden ist. Nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr zog ein Gewitter herauf, das von einem orkanartigen Sturm begleitet war.

Der Schaden, den derselbe angerichtet hat, ist schwer zu beschreiben. Starke Bäumen wurden entwurzelt, Kiefern im Durchmesser von 20-30 cm mitten durchgebrochen. An einer Stelle an der Straße nach Neutomischel liegen 15 starke Pappeln und mehrere Erlen. Die alten Kirschbäume sind wie von der Erde verschwunden.

Bis heute hat das Dach allen Unwettern getrotzt / Bild GT

Bis heute hat das Dach allen Unwettern getrotzt / Bild GT

Schrecklicher noch als der Sturm war der ihn begleitende Hagel. Hagelstücke in der Größe von Hühner- und Gänseeiern haben einen sehr großen Schaden angerichtet. Wie traurig sehen unsere schönen Hopfenplantagen aus. Kein Blatt, kein Zweig ist mehr zu sehen – nur leere Stangen ragen in die Luft, wie Bäume, die von Raupen abgefressen sind. Einige Felder, Gerste, die fast reif waren, sind total vernichtet; kein Körnchen ist zu finden. Bohnen, Hafer, Kartoffeln und Lupinen die in dem Hagelstriche wuchsen, sind vollständig verloren. Der Schaden ist recht groß und der fleißige Landmann sieht einer traurigen Ernte entgegen, zumal die Hoffnung alles – den Hopfen eingeschlossen – vernichtet ist.

 Aus Neustadt bei Pinne lauteten die Meldungen:

In der zweiten Nachmittagsstunde entstand gestern (21. Juli 1897) im Süden unseres Ortes ein Gewitter, das gegen 2 Uhr mit orkanartigem Sturm anbrach.

Aus den Wolken groß es wie mit Kannen. Das Unwetter brachte auch viel Schlossen von der Größe großer Taubeneier mit sich. In den Ortschaften Witomischel, Gr. Lipke, Neufeld, Chraplewo, Chmielinko, Pakoslaw sind die meisten Fensterscheiben vom Hagel zerstört worden. Hühner, die nicht rasch genug Schutz finden konnten, wurden von den Hagelkörnern erschlagen. Viele Bäume wurden umgebrochen, die schönen Früchte größtentheils abgeschlagen. Die Getreidemandeln wurden umgeworfen und die Eisstücke schlugen die Körner aus, daß man selbige um die Mandeln zusammen scharren konnte. Der noch stehende Roggen ist fast ganz seiner Körner beraubt. Die fast reifen Gerstenfelder sind vollständig vernichtet, auch die übrigen nach wachsenden Feldfrüchte sind zerstört worden. Kindern und Erwachsenen, die im freien keinen Schutz fanden, wurden von den Eisstücken Flecke und Beulen geschlagen.

Wie groß der angerichtete Schaden ist, läßt sich noch nicht berechnen. Eine halbe Stunde nach dem Unwetter sah man noch Schlossen handhoch an verschiedenen Stellen liegen. Die Ernte wird durch den wiederkehrenden Regen sehr erschwert; so daß

Beeindruckender Wolkenhimmel / Bild GT

Beeindruckender Wolkenhimmel / Bild GT

bis jetzt sehr wenig Roggen eingebracht worden ist.

Nur ungefähr einen Monat später, Ende August des Jahres folgte dann nachstehende Meldung:

Eine höchst seltene interessante Naturerscheinung ist bei einigen Feldfrüchten und Bäumen, welche durch Hagelschlag, Sturm und Regen in hiesiger Umgegend am 21. Juli beschädigt worden sind, eingetreten.

Die Obstbäume, Kastanien und Fliedersträuche, sowie Hopfen und Bohnen stehen im vollen Blüthenflor. Beim Hopfen haben die vom Hagel nicht beschädigten Triebe vollständig ausgebildete Dolden, während der größte Theil im Blüthenschmuck prangt. Ein Sträußchen mit allerhand Frühjahrsblüthen überreichte uns heute der Eigenthümer Chr. Joachim aus Paprotsch.

Leider wird diese Erscheinung zur Folge haben, daß die Blüthe zum nächsten Frühjahr ausfallen und den Obstertrag schmälern wird.

Ende September des Jahres fanden die Berichte ihren Abschluss mit nachstehender Mitteilung:

Für die durch das Unwetter im Juli d. Js. schwer heimgesuchten Landleute unseres Kreises hat der Kreisausschuß zu Beihülfen 500 Mark bewilligt, auch sind dem Kreisausschuß von einem Mitgliede 50 Mark zur Verfügung gestellt. Indem wir die bei unserer Expedition eingegangenen Gaben im Betrage von 115 Mark 64 Pf. ebenfalls der genannten Kreisbehörde übermitteln, sagen wir den Gebern herzlichen Dank

Dieser alte Baum ist im Sturm gefallen / Bild GT

Dieser alte Baum ist im Sturm gefallen / Bild GT

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897 und Posener Zeitung 1897

Hebamme für den Bezirk Zembowo gesucht – 1897

Kartenausschnitt mit Neutomischel in der Provinz Posen (1)

Kartenausschnitt mit Neutomischel in der Provinz Posen (1)

Der Hebammenbezirk Zembowo, bestehend aus den Ortschaften Komorowo Hauland, Linde, Schleife, Tarnowce, Wymyslanke und Zembowo mit Zembowko ist zu besetzen.

Geprüfte, der deutschen und polnischen Sprache mächtige Hebammen oder unbescholtene Frauenspersonen im Alter von 20 bis 30 Jahren, welche sich dem Hebammenfache widmen wollen, können sich, erstere unter Einreichung ihres Befähigungszeugnisses und eines Führungsattestes, letztere unter Einreichnung eine Kreisphysikats-Attestes, eines Führungsattestes der Ortspolizeibehörde, eines Geburtsscheines und eines Impf- (Revaccinations) scheines bei dem unterzeichneten Vorsitzenden des Kreis-Ausschusses melden.

Das Gehalt der Stelle beträgt 100 Mark.

Neutomischel, den 19. Juni 1897

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses. Königlicher Landrath – von Daniels

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Taxe für die Bezirks-Hebammen des Regierungs-Bezirks Posen

Der Herr Minister der geistlichen Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten hat durch Erlaß vom 26. August des Jahres auf Grund des $ 80 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 (Bundes-Gesetzblatt Seite 245) unter Aufhebung der in dem Regierungs-Bezirk Posen bisher gültig gewesenen Vorschriften über die Remuneration der Verrichtungen der Hebammen festgesetzt, daß in Ermangelung besonderer Verabredung die Bezirks-Hebammen für ihre Verrichtungen nach Maßgabe nachfolgender Taxe zu bezahlen sind:

  1. Für eine leichte natürliche und einfache Geburt 15 Sgr. bis 1 Thlr. 20 Sgr.
  2. Für eine gleiche Zwillingsgeburt 25 Sgr. bis 2 Thlr. 15 Sgr.
  3. Für eine natürliche oder sich verzögernde Geburt, wobei Tage und Nacht zugebracht worden ist, 1 Thlr. bis 3 Thlr.
  4. Für eine Fußgeburt 1 Thlr. bis 3 Thlr.
  5. Für eine durch Wendung bewirkte Geburt 1 Thlr. 10 Sghr. bis 4 Thlr.
  6. Für die Untersuchung einer Schwangeren 5 bis 15 Sgr.
  7. Für jeden verlangten Besuch am Tage 2 1/2 bis 5 Sgr.
  8. Für jeden in der Zeit von 10 Uhr Abends bis 4 Uhr Morgens georderten Besuch 7 1/2 Sgr. bis 15 Sgr.
  9. Für eine Reise, im Falle dieselbe eine halbe Meile über den Wohnort der Hebamme hinausgeht, bei freier Fuhre, außer den sonstigen Gebühren 5 Sgr. bis 15 Sgr.
  10. Für das Beibringen eines Catheters außer im Laufe der Entbindung 2 1/2 bis 5 Sgr.
  11. Für die Einbringung eines Mutterkranzes 2 1/2 bis 7 1/2 Sgr.
  12. Für das Setzen eine Klystirs außer im Lauf der Entbindung 2 1/2 bis 5 Sgr.
  13. Für das Setzen von Blutegeln 5 bis 10 Sgr.
  14. Für jede Applikation eines Schröpfkopfes 1/3 – 1 Sgr

Der Ansatz der verschiedenen möglichen Sätze innerhalb des gegebenen Spielraumes hängt von der Wohlhabenheit und Stellung der Zahlungspflichtigen ab.

Obige Taxe bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß und bestimmen, daß dieselbe vom 1. Oktober d. Jahres in Kraft treten soll.

Posen, den 21. September 1871 – Königliche Regierung, Abtheilung des Innern

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Eintheilung des Kreises Neutomischel in Hebammenbezirke bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß

LfdNo.

Namen derHebammenbezirke

Der HebammenName und Wohnort

Namen derOrtschaften

1

Konkolewo

Marie Fabisch in Konkonlewo Hauland (Marie Fabisch geborene Piwetzki/Piwecka – Ehefrau des Fleischermeisters Ludwig Fabisch)

Konkolewo Hauland, Albertoske, Julianna, Sworzyce, Bukowiec

Juni 1897 – Der Hebamme Emma Klose, geborene Kurtz zu Konkolewo Hauland, welche bereits wegen fahrlässiger Tödtung zu einem Monat Gefängniß verurtheilt war, ist durch Erkenntniß des Verwaltungsgerichts das Prüfungszeugniß entzogen und sie somit aus der Reihe der Hebammen gestrichen – ihr Ehemann August Klose, hielt sich, so Erwähnungen in Unterlagen, in den Jahren 1896, 1904 und 1906 in Amerika auf, ob durchgehend oder mit Unterbrechungen ist nicht bekannt

Der Beruf der Hebamme - Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eucharius_R%C3%B6%C3%9Flin_Rosgarten_ Childbirth.jpg?uselang=de

Der Beruf der Hebamme – Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eucharius_R%C3%B6%C3%9Flin_Rosgarten_ Childbirth.jpg?uselang=de

2

Sontop

Mathilde Degen in Sontop (Mathilde Degen geborene Haake – Ehefrau des Schuhmachermeisters Heinrich August Degen)

Sontop, Glashütte, Cichagora, Rose, Neurose, Dombrowo, Eichenhorst

3

Neutomischel  I

Marie Scheffler in Neutomischel (Marie Scheffler geborene Leciejewiecz – Ehefrau des Wirtschafts-Inspektors Johann Friedrich – Fritz – Scheffler / sein Aufenthalt wurde ab 1905 als unbekannt angegeben)

Neutomischel, Paprotsch, Zinskowo

4

Neutomischel II

Johanna Lindner in Neutomischel (Johanna Lindner geborene Bederke – gesch. Ehefrau des Johann Heinrich Ernst Lindner)

Alttomischel, Glinau, Scherlanke, Bobrowke, Mischke

5

Wonsowo

Viktoria Drobnik in Wonsowo (Viktoria Drobnik geborene Gladysch – Ehefrau des Schuhmachers Joseph Drobnik)

Wonsowo, Glupon, Tomaszewo, Kozielaske, Groß- u. Klein-Lipke

6

Kuschlin

Auguste Scheibner in Kuschlin (Auguste Carolina geborene Gensch/Jensch – Ehefrau des Zimmermanns Carl Gustav Scheibner, vormals verwittwete Robert Jochmann)

Kuschlin, Porazyn, Jasrzembnik, Michorzewo, Christianowo, Michorzewko, Neudombrowo

7

Brody

Mathilde Haudryk in Brody (keine weiteren Einzelheiten bekannt)

Brody, Brodki, Chraplewo, Pakoslaw, Polesie, Zgierzynka, Podlesie, Marsfelde

8

Neustadt I

Emilie Krause in Neustadt b. P. (Emilie Krause geborene Kober – Ehefrau des Bauunternehmers Johann Robert Krause)

Neustadt b. P.

9

Neustadt II

Wilhelmine Salbach in Neustadt b. P. (Wilhelmine Salbach geborene Eggebrecht – Ehefrau des Schneiders August Carl Salbach)

Steinhorst, Gronsko, Neustadt b. P. Schloß, Komorowo Gut, Nassegärten, Konin, Paryzewo, Pawlowko

10

Neustadt III

Theodosia Paschke in Chmielonko (Theodosia Paschke geborene Freytag – Ehefrau des Antonius Paschke)

Chmielinko, Posadowo, Pasadowko, Josefowo, Witomischel

11

Bolewitz

Pauline Huhn in Bolewitz (vermutlich handelte es sich um Johanna Pauline Huhn geborene Pfeiffer – Ehefrau des Johann Wilhelm Huhn)

Bolewitz, Blake, Bollwitz, Buchwerder, Grudna, Krummwalde, Neubolewitz, Sempolno, Wengielno

12

Zembowo

Unbesetzt

Komorowo Hauland, Linde, Schleife, Tarnowce, Wymyslanke, Zembowo, Zembowko

Neutomischel, den 21. Juni 1897

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Ein weiterer Artikel über die freischaffende Hebamme Roy in Neu Tomysl –

Die Hebamme von Neutomischel – um 1830 - http://hauland.de/die-hebamme-von-neutomischel/

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897; (1) Karte: Ausschnitt aus Karte der Provinz Posen -http://www.europeana.eu/portal/record/9200103/ark__12148_btv1b530249370.html?start=8&query=karte+provinz+posen&startPage=1&rows=24 —http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b530249370/f1.zoom  — Karte der Provinz Posen, entworfen u./gezeichnet von F. Handtke

Der letzte Stadtmusikus von Birnbaum – 1847

Toteneintrag des Stadtmusicus Seydler aus dem Jahr 1794

Toteneintrag des Stadtmusicus Seydler aus dem Jahr 1794

Am 15. Juni 1796 erschien beim damaligen Bürgermeister in Birnbaum ein Mann Namens Johann Gottlieb Hoene und bat um Verleihung des vakanten Stadtmusikuspostens. Letzteren hatte ein gewisser Seidler innegehabt, bei dessen Wittwe Hoene “in Condition” stand.

In dem betreffenden Protokolle heißt es: er (Hoene) sei nemlich willens, die hiesige Stadtmusikuswittwe Seidlern zu ehelichen, und wolle demnach gehorsamlich bitten, ihn zu dem hiesigen Stadtmusikusposten bei der Behörde in Vorschlag zu bringen, damit er denselben erhielte. Er habe bereits seit 6 Jahren diesen Posten versehen und seit dem Tode seines vorigen Principals, des p. Seidler, nun bereits zwei Jahre selbem vorgestanden, weshalb er um so weniger Zweifel trage, daß ihm diese Stelle conserirt werden würde. Diesem Antrage entsprechend richtete der Magistrat an demselben Tage folgendes Gesuch an

“Ein wohllöbliches steuerräthliches Officium zu Meseritz. Wenn ehedem die Stadtmusikusstelle hierselbst vacant wurde, so wählte der Majestrat hiezu ein neues taugliches Subject, gab diesem eine Vocation oder Bestallung, und der Grundherr confirmirte diese.

Vor ohngefähr 2 Jahren nun starb der hiesige Stadtmusikus Seidler, und die zurückgebliebene Wittwe hatt bis jetzt diesem Posten durch ihre Leute vorgestanden, ist aber willens, einen ihrer Gesellen, Namens Hoene, welcher bereits 6 Jahre in diesem Hause gewesen, zu heirathen, und dieser hatt sich beim Majestrate zu Erlang der hiesigen Stadtmusikusstelle mit Einwilligung des Grundherrn gemeldet.

Wie diese nun mit Vergebung dieser Stelle gehalten werden solle, ob hiezu die Einwilligung und Bestätigung der Königl. p. Kammer erforderlich ist oder nicht, darum haben wir Ew. Wohlgeboren ganz gehorsamst anfragen und um Verhaltungsmaß bitten, auch zugleich antragen wollen, in dem Falle die Einwilligung höchstgedachter Behörde erforderlich sey, zu Gunsten des p. Hoene das weitere Nöthige geneigtest zu verfügen in Rücksicht dessen, daß die Wittwe Seidler mit 6 unmündigen und unerzogenen Kindern auf diese Arth wiederum einen Versorger erhält, ohne welche sie mit ihrer starken Familie ohnmöglich leben kann. Wir erwarten Ew. Wohlgeboren gütige Verwenden” u.s.w.

Blick über das alte Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Blick über das alte Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Hierauf erfolgt der Bescheid, “daß zuförderst die Genehmigung des Grundherrn wegen Ansezzung des Kunst-Pfeiffer-Gesellen Hoene als Stadtmusicus beschaffet und bei deren Einsendung zugleich angezeigt werden muß, wieviel bei dieser Stelle am fixirten Gehalt und Emolumenten verknüpft ist, aldann zur Genehmigung des Hoene, der jedoch seinen Lehr- und Geburtsbrief auch noch produciren muß, von mir an die p. Kammer berichtet werden soll.”

Die verlangten Schriftstücke und Angaben werden eingesandt, und am 31. August 1796 erfolgte die Bestätigung des Hoene als Stadtmusikus. Gleichzeitig erhält der Magistrat den Auftrag, diesem “auf Grund des Königlichen Cammer-Rescripts die Vocation zu ertheilen.”

Der Wortlaut der Vocation ist folgender: “Als haben wir Burgermeister und Rath der Königl. Mediatstadt Birnbaum hierdurch und in Kraft dieses vorgenannten Herrn Johann Gottlieb Hoene in der Qualität eines musici instrumentalis ordinarii vociren wollen, dergestalt, daß derselbe nach möglichstem Fleiß in solchem seinem Dienste mit seinen Leuten an Sonn- und Festtagen in unserer Kirche sowohl bei Amts- als auch anderen Predigten den chorum musicum wohl versehe und völlig bestelle, und zwar soll derselbe der Regel nach sein Chor mit ganz tüchtigen Geselle und einem Jungen besezzen, obgleich es auch nichts versiret, wenn bey einem, im letzten Jahre befindlichen Lehrburschen, der sich in seinem Metier gut appliciret hat, nur ein Geselle gehalten wirdt.

Im gleichen ist derselbe zufolge der alten Vocation verbunden, wenn er auf dem Hof (D. i. dem Schlosse des Grundherrn) verlanget wirdt, daselbst aufzuwarten, wie auch von Ostern bis Michaeli die Woche zwey oder dreymal bei dem derzeitigen Dirigenten des Majestrats, oder wo derselbe es für gut finden wirdt, sowie des Sonntags Vor- und Nachmittag vom Rathausthurme abzublasen. Zu seinen ferneren Dienstpflichten gehöret, daß wenn derselbe von dem Herrn Cantor hierselbst zur Probe verlanget wirdt, er verbunden ist, mit seinen Leuten sich einzufinden, dahero denn derselbe auch gehalten, in Fällen, wo er auf dem Lande berufen wirdt, seine Entfernung sowohl dem Majestrate als auch dem Kirchencollegio anzuzeigen.

Und so wie der p. Hoene mit seinen Leuthen auf allen Hochzeiten, Zechen, Zünften und Lustbarkeiten, sie haben Nahmen wie sie wollen, das Aufwarten hatt und sich gebrauchen lassen, auch sich mit den in der alten vom 14. Januar 1778 datirten Matricul bestimmten Emolumenten und Belohnungen begnügen muß, so soll derselbe dagegen auch wieder alle Fuscherey in der Music aufs Kräftigste geschütztet und gehandhabet werden.

Für diese seine zu leistenden Dienste wirdt demselben sowohl aus der Kirchen- als Stadtcasse das in der vorerwähnten Matricul bestimmte Gehalte und zwar quartaliter gegen dessen Quittung gezahlet werden, jedoch wirdt noch bemerkt, daß wegen des letzteren täglich die Genehmigung des Königlichen südpreußischen General-Finanz-Departements bei Approbirung des hiesigen Cämmerey-Etats entgegengesehen wirdt, die auch umsomehr erfolgen kann, als abseiten des Majestrats im Etat selbst die Ausgaben nachgewiesen und die Kgl. p. Kammer solche bereits vorläufig genehmigt hatt.

Schließlich wirdt noch bestimmt, daß falls dem p. Hoene eine Veränderung vorkommen sollte, er alsdann gehalten, solches bey Zeiten gehörig anzuzeigen.

Urkundlich ist diese Vocation und resp. Bestallung unter dem Vordruck des Stadt-Insiegels und der Unterschrift des Majestrats ausgefertigt worden. So geschehen Birnbaum, den 28. November 1797. Burgermeister und Rath. Franck.

Copia der Matricul für den hiesigen Kirchen-, Hoff- und Stadtmusicum.

Was derselbe aus der Kirchen- und Stadtkasse, gleich seinen Vorfahren, an fixen Gehalt, sowohl als an Accidentien zu erhalten hatt, und zwar:

  1. An baarem Gehalte
  2. 60 Fl. p. jährlich an gewöhnlicher Miethe vor die freye Wohnung aus eben dieser Stadtcasse.
  3. 90 Fl. p. jährlich, mithin 22 Fl. p. 15 Gr. p. quartaliter nach Ablauf eines jeden Vierteljahres aus der Stadtcasse, auch
  4. 337 Fl. p 15 1/3 Gr. p. jährlich, und also 84 Fl. p. 11 1/3 Gr. p. quartaliter, anticipando aus der Kirchen- und
  5. An Accidentien
  6. Vor die Music bei einer bürgerlichen Trauung 1 Rthlr. 8 Ggr.
  7. Vor die Music vor der Thüre und in der Kirche bei solennen bürgerlichen Begräbnissen 2 Rthlr.
  8. Vor die Music in der Kirche allein bei ordinairen Begräbnissen 1 Rthlr. 8 Ggr.
  9. Vor ein Begräbniß, wo nur zu denen Liedern geblasen wirt, 1 Rthlr.
  10. Vor ein Lied, welches Sontags bestellet, und zu welchem geblasen werden soll, 16 Ggr.
  11. Wegen der Music bei Hochzeiten vor der Thüre, entweder mit Pauken und Trompeten oder mit andern blasenden Instrumenten, muß sich der Bräutigam mit Musico besonders vergleichen; dahingegen ist
  12. Vor die Tafelmusic 1 Rthlr. 8 Ggr.
  13. Vor den Brauttanz 16 Ggr.
  14. Vor das Brautständchen 16 Ggr. zu bezahlen
  15. Vor einen Vorreigen aus Pauken und Trompeten 6 Ggr.
  16. Vor einen dto. mit blasenden Instrumenten 4 Ggr.
  17. Vor einen dto. ohne blasenden Instrumenten 2 Ggr.
Blick vom Markt in die ehem. Schweriner Straße in Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Blick vom Markt in die ehem. Schweriner Straße in Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Außerdem bekommt derselbe nicht nur jährlich vor die Stiftungspredigt nach dem Laetare-Sontage aus der Stadtcasse 19 Ggr., sondern hatt auch die Erlaubniß, den von Alters her gewöhnlichen Neujahres-Umgang in der Stadt und auf dem Lande bey denen Herrschaften sowohl, als bey denen zu dem hiesigen Kirchspiel gehörigen Gemeinen, vom 6. Januario oder heiligen Dreykönigstage an alljährlich halten zu dürfen. Und endlich habe ich demselben, um ihn in allen Stücken zu entschädigen, und auf sein bittliches Ansuchen, aus besonderen Gnaden acodiret, daß künftighin, von dato an gerechnet, keine bürgerlichen Hochzeiten auf einen und denselben Tag, sondern ein oder zwey Tage auseinander gehalten werden sollen, damit er nicht nur an seinem Verdienste keine Einbuße leiden darf, sondern auch die Hochzeiten mit guter Music versehen werden können.

Zu mehrerer Urkund ist diese Matricul, unter meiner eigenhändigen Nahmens Unterschrift und Vordruckung meines adelichen Insiegels, ausgefertiget und ihm zu seiner Legitimation ertheilet worden. So gegeben Schloß Birnbaum, am 14. Januarij 1778 B. v. Unruh mpp.”

Die Verheirathung der Wittwe Seidler und des Stadtmusikus Hoene ist jedoch “aus Familienursachen zurückgegangen. So haben beide (und zwar am 6. Juli 1797, also ein Jahr nach der Concessionsbewilligung) nachfolgenden Vergleich des Postens halber unter sich festgesetzet und bitten solches deshalb zu Protokoll zu nehmen (nämlich vor dem Magistrate, damit ein Jeder für die Folge wisse, woran er sey.

Es soll nemlich von diesen Johanni des jetzt laufenden Jahres an gerechnet die Wittwe Seidlerin die gesamten Revenuen des Stadt-Musicuspostens, wie sie solche bisher gehabt, vier Jahre lang nutzen und für sich einnehmen, die Haltung und Verpflegung der Person des Hoene sowie der zu haltenden Gesellen und Burschen nimt diese dagegen eben so in der Arth auf sich, wie sie solche bis jetzt besorget.

Was aber das Dirigiren der Musicmachung und Loßlaßung derer Leute und dem zugehörig betrift, bleibt lediglich und allein der Disposition des Hoene überlassen, weil dieser dafür verantwortlich bleibt.

Nach Verlauf der oben festgesetzten 4 Jahre aber gehet dieser Posten mit allen seinen Einkünften, Nutzungen und Lasten an dem Hoene über und begibt sich die p. Seidlerin ausdrücklich aller alsdann fernerweit daran zu machenden Ansprüche.”

Von dieser Abmachung nimmt der Magistrat Kenntniß, und der musicus instrumentalis ordinarius Hoene wartet unbehelligt 28 Jahre lang seines schwierigen Amtes. Dann aber thun sich Konkurrenten auf, die den Verdienst des Stadtmusikus schmälern. Er wendet sich daher am 13. August 1825 an den Magistrat mit der Bitte, “um wohlwollenden Schutz wegen Eingriffe der Pfuscherei in der Music.” Dieser Schutz sei ihm vokationsmäßig zugesichert, “welches auch in früheren Zeiten unverbrüchlich in Erfüllung gegangen, und selbst das ehemalige hiesige Dominium die lebhaftesten Beweise dadurch gegeben, indem dasselbe in frühern Zeiten denen Land-Musicanten, wenn dieselbe ohne Erlaubniß des Stadtmusici außer den herrschaftlichen Krügen oder Gasthöfen an andern Privatörtern Music gemacht, die Instrumente hat wegnehmen lassen und nicht eher wieder herausgegeben, bis die gehörige Geldstrafe von 5 bis 10 Rthlr. erlegt war, welches ich noch schriftlich zu beweisen im Stande bin.

Daß ich die mir obliegenden Pflichten meines übertragenen und anvertrauten Amtes als Stadtmusicus bis jetzt getreulich erfüllt habe, unterliegt keinem Zweifel, indem ein wohllöbl. Magistrat sich stets hinlänglich überzeugt hat, daß ich mein Music-Chor, mehr als mir gebührt, im guten Stande halte und den städtischen Dienst, nehmlich das gewöhnliche Abblasen sowohl als den sonntäglichen Kirchendienst, pünktlich besorge.

Die ehem. evgl. Kirche Birnbaum (geschätzt um 1910) / Bild Sammlung Kraft

Die ehem. evgl. Kirche Birnbaum (geschätzt um 1910) / Bild Sammlung Kraft

Trotz allen diesen erlauben und bemächtigen sich aber seit einigen Jahren die Landmusicanten hier in bürgerlichen Privat-Häusern sehr öffters, nach ihrer Willkühr nicht bloß Blasemusic, sondern auch Tanz-Music zu machen, ohne mich erst hierüber anzufragen, und entziehen mir dadurch mein Brodt, worauf ich blos einzig und allein hier angewiesen worden bin, wagen auch sogar ohne Furcht und Scheu hier in der Stadt des Sonntags, je nachdem es ihnen einfällt, auf den Herbergen der Gesellen Music zu machen. Dies, glaube ich, ist nicht allein gegen der guten Ordnung, sondern es giebt zu häufig Gelegenheit, die gute Sitte und moralische Lebensart in höchsten Grade zu verletzen. Zu diesen allgewöhnlichen Belustigungen sind blos die herrschaftlichen Krüge und Gasthöfe bestimmt, in andern Privathäusern kann die Music von den Landmusicanten nur alsdann erst stattfinden, wenn ich diese außer Stande zu beschaffen bin, und wenn ich einen Erlaubnißschein hiezu gegen eine verhältnismäßige Vergütigung ertheile, welcher aber den Magistrat zuvor vorgezeigt werden muß.

Einen wohllöbl. Magistrat ersuche ich demnach ergebenst um wohlwollenden Schutz, indem ferner die Gewerbefreiheit in der hiesigen Provinz mir diese Zusicherung gewährt und nicht entgegensteht, weil in dem Einführungs-Publicando vom 30. Dezember 1815 ausdrücklich feststeht: daß durch die Einführung der Gewerbesteuer an den Gewerbs-Berechtigten und wohlhergebrachter Befugnisse anderer Privatpersonen nichts geändert werde, so darf ich gestützt auf meine Vocation und auf das erwähnt Publicandum von eines wohllöblichen Magistrats Gerechtigkeits-Liebe erwarten, daß ich bei meiner Gerechtsame, ebenso als mein Vorfahre von den frühern Magistrat, geschützt worden ist, welches aber nur dadurch geschehen kann, wenn Ew. Wohlgeboren die Gewogenheit haben und die hiesige Einwohner durch eine Curserie belehren lassen, daß ich nur allein das Recht habe, in Privathäusern Music zu geben, und nur alsdann, wie früher schon gesagt, wenn ich dies zu thun außer Stande bin, andere fremde Musicanten sich durch einen Erlaubnißschein von mir legitimiren müssen, wornach sich ein jeder zu achten und für Schaden zu hüten hätte.

Im Falle nun die Landmusicanten diese nicht befolgten und dennoch ohne Erlaubnißschein so wie zuvor Music machten, so muß ich hierauf dahin antragen, daß denselben nach geschehener Anzeige die Instrumente weggenommen und nicht eher herausgegeben werden, bis die gesetzliche Strafe erlegt worden, und im Falle die Strafgelder nicht von denselben eingingen, den Consens zum Verkauf dieser Instrumente gütigst nachzusuchen und das dafür gelöste Geld entweder in die Kämmereikasse oder unter die nothdürftigen Stadtarmen der Hospitaliten, sind Waisenkinder vorhanden, an diese, je nachdem es der Herr Land-Rath für gut halten werden, zu berichtigen und zu vertheilen. Die Strafe des Wirths, wo die unerlaubte Music bewürkt worden ist, muß Ew. Wohlgeboren überlassen bleiben.

Und hierin bitte Ew. Wohlgeboren ich ganz gehorsamst in der Zuversicht, daß Dieselben meinen gerechten Antrag gütigst berücksichtigen und mich nicht dem Mangel ferner blosstellen, welchen ich bey der bisherigen unbefugten Schmälerung der Pfuscherei meines Verdienstes habe erlitten.”

Ein ähnliches Gesuch um Schutz gegen “Pfuscherei” richtet Hoene an demselben Tage auch an den damaligen Landrath des Birnbaumer Kreises, Herrn v. Kurnatowski auf Chalin, unter Anlage eines Attestes des Magistrats, daß er seine Amtsgeschäfte als Musikus bis jetzt treulich und zur Befriedigung des Publikums erfüllt habe. In seiner gutachtlichen Aeußerung zu diesem Gesuche führt der Magistrat noch besonders aus, daß der dem Hoene zugesicherte Schutz darin bestehe, daß, sobald Dorfmusikanten in Privathäusern mit Musik aufwarteten, denselben die Instrumente weggenommen, und sie in Strafe genommen würden. Auf diesen vom Magistrate als gerecht befürworteten Antrag theilt der Landrath unter dem 24. September 1825 dem Hoene einen Abschrift des Ministerialerlasses vom 17. Oktober 1823 mit, wonach seinem Antrage, andern Musikanten zu untersagen, bei Kindtaufen, Hochzeiten u.s.w. Musik zu machen, nicht nachgegeben werden könne. Hinsichts der Kirchenmusik aber solle seine Vokation aufrecht erhalten werden.

Im Jahr 1836 oder vielleicht kurz vorher hat Hoene seinen Wohnsitz von Birnbaum nach dem unmittelbar angrenzenden Lindenstadt verlegt. Dieser Wohnungswechsel giebt der Stadtverordentenversammlung Veranlassung zu dem Beschlusse, daß Hoene als Stadtmusikus auch in der Stadt zu wohnen habe, andernfalls demselben sein Gehalt nicht gezahlt werden könne, weil Lindenstadt zum platten Lande gehöre, und die Stadt keinen Musikus vom platten Lande brauchen könne. Von einer Mittheilung dieses Beschlusses an den Hoene wird jedoch ohne angegebenen Grund abgesehen, und statt dessen letzterer aufgefordert, “da jetzt nur einmal und zwar des Vormittags abgeblasen wird, – künftig des Sonntags Nachmittags und zwar nach der Vesper gleichfalls auf dem Markte abzublasen. Sie werden sich von selbst bescheiden, daß nur bei pünktlicher Erfüllung der Vokation die pünktliche Zahlung des Gehalts erfolgen könne”.

Schweriner Straße in Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Schweriner Straße in Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Damit schließt der amtliche Verkehr zwischen Hoene und dem Magistrate. Hoene läßt sich, vielleicht wegen Krankheit oder vorgerückten Alters, etwa vom Jahr 1843 an, von dem Musikus Pfeiffer vertreten. Auch dieser bittet den Magistrat in einem Schreiben vom 28. August 1844 um Schutz gegen die Konkurrenten “Vetter, Wendt, Kühn und Consorten” aus Großdorf (unmittelbar an Birnbaum angrenzend) die sich “unterfangen, die Music auf Schoenau (eine Wirthschaft, etwa 1 km von Birnbaum entfernt) auszuführen”. Der Magistrat lehnt diesen Antrag natürlich ab. Am 23. Oktober 1844 wendet sich Pfeiffer mit seinem Antrage an den Landrath und erhält von diesem unterm 12. November 1844 den Bescheid, daß nicht allein durch die allgemeine Aufhebung aller Zwangs- und Bannrechte, sondern auch schon durch das wegen Aufhebung der ausschließlichen Gewerbsberechtigungen in den Städten der hiesigen Provinz erlassene Allerhöchste Gesetz vom 13. März 1833 die Vokation vom 28. November 1797 ganz außer Kraft getreten sei, und ihm demnach polizeilich hinsichts der Aufrechterhaltung der letzteren kein Beistand geleistet werden könne.

Am 17. November 1846 stirbt der letzte musicus instrumentalis ordinarius von Birnbaum.

Der Musikus Pfeiffer, welcher Hoene bis dahin gewissenhaft vertreten hat, bittet jetzt, am 25. November 1846, die Stadtvertretung, die vakant gewordenen Stelle des Stadtmusikus ihm zu verleihen. Der Magistrat aber beschließt, und die Stadtverordneten schließen sich diesem Beschlusse an, das Gehalt des Stadtmusikus von 25 Thlr. 23 Sgr. 9 Pf. einzuziehen. “Unter diesen Umständen ist ein Stadtmusikus nicht nöthig und bei der heutigen Gesetzgebung, nach welcher jeder Music machen kann, keine anderweite Begünstigung verbunden”.

Der Bittsteller erhält daher am 19. Januar 1847 den Bescheid, daß ein Stadtmusikus nun nicht mehr werde gehalten werden.

* * *

Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen / Erster Jahrgang 1896 – Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra)

Militärpflichtige und Invalidenprüfungsverfahren im Juni 1897

Das ehemalige Schützenhaus / Karte aus Sammlung Wojtek Szkudlarski

Das ehemalige Schützenhaus / Karte aus Sammlung Wojtek Szkudlarski

“Im Jahr 1871 dehnten die Artikel 57 ff. der Reichsverfassung die in Preußen seit 1814 geltende allgemeine Wehrpflicht auf ganz Deutschland aus. So hatte nun „jeder Deutsche“ mit vollendetem 20. Lebensjahr 7 Jahre lang dem Heer oder der Marine anzugehören. Um im Allgemeinen wissenschaftliche und gewerbliche Ausbildung so wenig wie möglich durch die allgemeine Wehrpflicht zu stören, war es jedem jungen Mann überlassen, schon nach dem vollendeten 17. Lebensjahr, wenn er die nötige moralische und körperliche Qualifikation hatte, freiwillig in den Militärdienst einzutreten.  Alle Wehrpflichtigen waren, wenn sie nicht freiwillig in die preußische Armee eintraten, vom 1. Januar des Kalenderjahres an, in welchem sie das 20. Lebensjahr vollenden, der Aushebung unterworfen (militärpflichtig). Sie hatten sich zu diesem Zwecke bei den zuständigen Ersatzbehörden regelmäßig zu melden, bis über ihre militärische Verwendung entschieden wurde, jedoch höchstens zweimal jährlich” (2)

Am Dienstag, den 01. Juni 1897 wurde im Amtlichen Teil des Kreisblattes von Neutomischel wie folgt bekannt gegeben:

Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft findet am Dienstag, den 22. und Mittwoch, den 23. Juni im Schützenhause zu Paprotsch statt.

Sämtliche vorzustellenden Militärpflichtigen fordere ich hierdurch auf an den vorbezeichneten Tagen Morgens 6 Uhr pünktlich im nüchternen und reinlichen Zustande auf dem Gestellungsplatze zu erscheinen und dort so lang anwesend zu bleiben, bis ihre Entlassung erfolgt.

Mannschaften, welche beim Aufrufen ihres Namens unentschuldigt fehlen, oder im trunkenen Zustande oder nicht rein gewaschen erscheinen sollten, haben ihre Bestrafung auf Grund der Regierungs-Polizei-Verordnung vom 14. Mai 1885 mit Geldstrafe von 3-30 Mark eventl. verhältnißmäßige Haftstrafe zu gewärtigen.

Personen, zu deren Gunsten Reklamationen angebracht worden sind, wie Vater, Mutter oder andere Familienangehörigen, haben im Aushebungs-Termine persönlich zu erscheinen.

Die Guts- und Gemeindevorsteher oder im Behinderungsfalle deren Stellvertreter haben dem Aushebungsgeschäft bis zum Schlusse beizuwohnen und insbesondere genau auf die Identität der vorzustellenden Leute zu achten

Es kommen zur Vorstellung am Dienstag, den 22 Juni 1897

a) die zur Ersatz-Reserve vordesignierten Mannschaften und zwar:

  1. Norek, Joseph, Wirthssohn, Brody
  2. Wamberski, Ignatz, Tagelöhner, Sworzyce
  3. Koza, Michael, Eigenth.-Sohn, Bukowiec
  4. Grajek, Gustav, Eigenth.-Sohn, Chmielinko
  5. Jochade, Friedrich Wilhelm, Arbeiter, Chmielinko
  6. Nawrot, Stephan, Arbeiter, Glupon
  7. Kuß, Heinrich Ernst, Eigenth.-Sohn, Albertoske
  8. Wojcieszak, Valentin, Arbeiter, Michorzewo
  9. Bialy, Michael, Arbeiter, Michorzewko
  10. Steinborn, Johann Karl Gustav, Arbeiter, Neu-Dombrowo
  11. Fenske, Paul Otto, Eigenth.-Sohn, Paprotsch
  12. Noak, Johann, Knecht, Sontop
  13. Klabe, Gustav Adolph, Eigenth.-Sohn, Dombrowo
  14. Roch, Johann Emil, Arbeiter, Albertoske
  15. Przewozny, Franz, Arbeiter, Pakoslaw
  16. Miczynski, Max Sigismund, Maurer, Linde
  17. Jarnut, Michael, Kencht, Bolewitz
  18. Kaczmarek, Anton, Arbeiter, Bolewitz
  19. Batura, Stanislaus, Arbeiter, Brodky
  20. Kaczmarek, Stanislaus, Arbeiter, Brodky
  21. Braun, Joseph, Eigenth.-Sohn, Bukowiec,
  22. Kaczmarek, Franz, Arbeiter, Neustadt b. P. Schloß
  23. Koza, Martin, Knecht, Eichenhorst
  24. Linke, Friedrich Otto, Malergehülfe, Cichagora
  25. Walkowiak, Michael, Wirthssohn, Cichagora
  26. Gorny, Valentin, Knecht, Kuschlin
  27. Babelek, Franz, Wirthssohn, Gronsko
  28. Dombrowski, Joseph, Arbeiter, Neustadt b. P. Stadt
  29. Zerbe, Anton, Wirthssohn, Klein-Lipke
  30. Steinke, August Ernst, Eigenth.-Sohn, Konkolewo
  31. Mai, Johann Karl Eduard, Wirthssohn, Kozielaske
  32. Dziamski, Anton, Knecht, Michorzewo
  33. Opala, Bartholomeus, Arbeiter, Michorzewo
  34. Hönicz, Franz, Arbeiter, Michorzewko
  35. Krolik, Ignatz, Wirthssohn, Michorzewko
  36. Macinski, Stanislaus, Arbeiter, Michorzewko
  37. Hoffmann, Wilh. Ferdinand, Eigenth.-Sohn, Neurose
  38. Roy, Johann Karl Gustav, Tagelöhner, Neurose
  39. Morzynski, Hugo Gotthard, Müllergeselle, Neutomischel
  40. Reisch, August Hermann, Müllergeselle, Neutomischel
  41. Osinski, Martin, Bäckerlehrling, Brody
  42. Hecke, Otto Herrmann, Knecht, Zinskowo
  43. Leske, Karl Paul Berthold, Eigenth.-Sohn, Paprotsch
  44. Paschke, Roman, Knecht, Tarnowce
  45. Prüfer, Heinrich Gustav, Eigenth. Sohn, Sontop
  46. Rausch, Karl Heinrich, Maurergeselle, Sontop
  47. Wilhelm, Heinrich Ferdinand, Eigenth.-Sohn, Sontop
  48. Paschke, Martin, Arbeiter, Komorowo Gut
  49. Pruschke, Johann Adolph, Knecht, Zinskowo
  50. Osierzynski, Waclaw, Wirthschaftsbeamter, Neustadt b. P. Schloß
  51. Schulz, Otto Heinrich, Arbeiter, Krummwalde

 b) die dauernd Untauglichen:

  1. Lehmann, Carl Gustav, Arbeiter, Sontop
  2. Grieger, Friedrich Wilhel, ARbeiter, Wengielno
  3. Leske, Karl Herm. Reinhold, Wirtssohn, Paprotsch
  4. Lindner, Karl Otto, Tagelöhner, Cichagroa
  5. Pawlik, Stanislaus, Bäckergeselle, Brody
  6. Sobkowiak, Andreas, Arbeiter, Pakoslaw
  7. Pieka, Thomas, Arbeiter, Sworcyce
  8. Nudy, Franz, Knecht, Michorzewo
  9. Scheibner, Wilhelm Reinhard, Schneider, Sworzyce
  10. Paschke, Paul Ernst Oskar, Schuhmachergeselle, Neutomischel
  11. Koschitzki, Joh. Berthold, Eigenth.-Sohn, Konkolewo
  12. Ogonczewski, Henryk, Schneiderlehrling, Neustadt b. P. Stadt
  13. Rothe, Karl Oskar, Schlosserges., Neustadt b. P. Stadt
  14. Szukala, Martin, Knecht, Neustadt b. P. Stadt
  15. Tylkowski, Maximilian, Arb., Neustadt b. P. Stadt
  16. Prüfer, Karl Otto, Eigenth.-Sohn, Sontop
  17. Gebauer, Karl Wilhelm, Eigenth.-Sohn, Paprotsch
  18. Berg, Julius Hermann, Neustadt b. P.

c) die vom Truppentheil abgewiesenen einjährig Freiwilligen

d) die zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften

e) die vorläufig beurlaubten Rekruten

f) die kranken Wehrleute.

♦ ♦ ♦

Ferner findet das Invalidenprüfungsverfahren statt am Mittwoch, den 23. Jun 1897

a) die für brauchbar befundenen Mannschaften

  1. Piechota, Stanislaus, Knecht, Komorowo
  2. Koniecny, Michael, Knecht Michorzewko
  3. Wieczorek, Melchior, Arbeiter, Konin
  4. Bober, Johann, Schmied, Neustadt b. P. Schloß
  5. Köther, Wilhelm August, Wirthssohn, Neurose
  6. Paschke, Johann, Wirthssohn, Chmielinko
  7. Schulz, Johann Ferdinand, Wirthssohn, Schleife
  8. Flechner, Hugo Martin, Arbeiter, Jastrzembnik
  9. Okoniewski, Ludwig, Arbeiter, Steinhorst
  10. Najedk, Michael, ARbeiter, Michorzewko
  11. Biedermann, Ernst Rob., Eigenth.-Sohn, Konkolewo
  12. Köter, Friedrich Karl, Arbeiter, Albertoske
  13. Przybylak, Valentin, Knecht, Wonsowo
  14. Kaczmarek, Joseph, Arbeiter, Posadowo,
  15. Förster, Johann Karl Heinrich, Knecht, Paprotsch
  16. Schulz, Johann, Zimmerges., Neustadt b. P. Stadt
  17. Ciesielski, Joseph, Knecht, Paprotsch
  18. Rausch, Otto Ernst, Schneidergeselle, Neutomischel
  19. Liszynski, Roman, Knecht, Glinau
  20. Rothe, Johann Paul, Tischlergeselle, Konkolewo
  21. Aldefeld, Eduard August Georg, Klempnermeister, Neutomischel
  22. Gierka, Valentin, Arbeiter, Neustadt b. P. Stadt
  23. Fechner, Wilh. Martin, Eigenth.-Sohn, Gr.-Lipke
  24. Kurtz, Joh. Karl Heinr. Eigenth.-Sohn, Scherlanke
  25. Siegesmund, Karl Gustav, Knecht, Glinau
  26. Switala, Wawrzyn (Lorenz), Tagelöhner, Paprotsch
  27. Piechowiak, Stanislaus, Arbeiter, Michorzewko
  28. Langener, Otto Rudolph, Maurer, Chmielinko
  29. Weimann, Roman, Arbeiter, Linde
  30. Fleischer, Wilhelm Ferdinand, Wirthssohn, Neurose
  31. Steinke, Erdmann Otto, Bäcker, Konkolewo
  32. Katzur, Johann Albert, Wirthssohn, Brody
  33. Scheibe, Joseph, Wirtssohn, Steinhorst
  34. Pasiciel, Mathäus, Eigenth.-Sohn, Jastrzembnik
  35. Schade, Edmund Johann, Arbeiter, Krummwalde
  36. Laskowski, Jakob, Knecht, Wonsowo
  37. Paul, Martin, Stellmacher, Wonsowo
  38. Bautz, Paul Ferdinand, Eigenth.-Sohn, Konkolewo
  39. Faust, Karl Herm., Töpfergeselle, Neutomischel
  40. Korek, Vincent, Schlosser, Gronsko
  41. Tepper, Karl Gustav, Eigenth.-Sohn, Neurose
  42. Schulz, Karl August Hermann, Arbeiter, Bolewitz
  43. Bielke, Wilhelm Ernst, Wirthssohn, Glinau
  44. Nawrot, Joseph, Wirtssohn, Neufeld
  45. Fähnrich, Anton, Maurer, Chmielinko
  46. Patek, Stephan, Arbeiter, Posadowo
  47. Grzeskowiak, Johann, Wirthssohn, Wonsowo
  48. Szewala, Stanislaus, Arbeiter, Bolewitz
  49. Haladuda, Jakob, Arbeiter, Michorzewko
  50. Lissek, Petrus Paulus, Knecht, Chraplewo
  51. Hecke, Paul Bruno Reinhold, Schneider, Zinskowo
  52. Fechner, Johann, Eigenth.-Sohn, Chmielinko
  53. Przybylski, Martin, Arbeiter, Alttomischel
  54. Madaj, Lorenz, Knecht, Wymyslanke
  55. Matuszczak, Anton, Arbeiter, Michorzewo
  56. Klemke, Ludwig Peter, Arbeiter, Zembowo
  57. Schulz, Paul Berthold, Wirthssohn, Scherlanke
  58. Dabrowski, Joseph, Arbeiter, Gronsko
  59. Lodka, Stanislaus, Knecht, Neutomischel
  60. Täubner, Joh. Wilh. Ferd., Eigenth.-Sohn, Neurose
  61. Lehmann, Alexander Berthold Oskar, Wirthssohn, Tarnowce
  62. Grzeskowiak, Ludwig, Arbeiter, Pakoslaw
  63. Polus, Michael, Arbeiter, Sworzyce
  64. Protsch, Paul Herm., Schuhmacher, Paprotsch
  65. Weckowski, Vincent, Knecht, Neustadt b. P. Stadt
  66. Rothe, Karl Hermann Berthold, Eigenth.-Sohn, Konkolewo
  67. Koster, Johann Samuel, Knecht, Kozielaske
  68. Klorek, Andreas, Arbeiter, Bukowiec
  69. Pluskota, Anton, Wirthssohn, Zembowo
  70. Binder, Karl Gustav, Wirthssohn, Gr.-Lipke
  71. Dach, Heinrich Gustav, Eigenth.-Sohn, Scherlanke
  72. Timm, Paul Eduard, Eigenth.-Sohn, Albertoske
  73. Batura, Joseph, Arbeiter, Brody
  74. Marzinkowski, Stanislaus, Knecht, Zembowko
  75. Matuszak, Johann, Arbeiter, Konin
  76. Mettchen, Friedrich Gustav, Eigenth.-Sohn, Chmielinko
  77. Franke, Karl Heinrich, Arbeiter, Komorowo Hld.
  78. Neumann, Bernhardt Richard Otto, Knecht, Neutomischel
  79. Storch, Johann Wilhelm, Schneidergeselle, Neustadt b. P. Stadt
  80. Sledz, Anton, Knecht, Neustadt b. P.
  81. Wittchen, Martin Joh., Wirthssohn, Chmielinko
  82. Starnszkiewicz, Valentin, Knecht, Neutomischel
  83. Bartkowiak, Johann, Wirthssohn, Rose
  84. Kaczmarek, Martin, Arbeiter, Bukowiec
  85. Fechner, Johann Friedrich, Arbeiter, Neufeld
  86. Lange, Friedrich Wilh., Eigenth.-Sohn, Glinau
  87. Gebauer, Karl August, Eigenth.-Sohn, Zinskowo
  88. Wozny, Johann, Arbeiter, Bolewitz
  89. Luka, Albert Johann, Brenner, Michorzewo
  90. Weber, Karl Heinrich, Eigenth.-Sohn, Glinau
  91. Mialkas, Johann, Arbeiter, Wonsowo
  92. Hoza, Michael, Knecht, Eichenhorst
  93. Mader, Gustav Adolph, Wirthssohn, Schleife
  94. Quast, Gustav Adolph, Arbeiter, Scherlanke
  95. Richter, Oskar Hermann, Arbeiter, Blake
  96. Kaczmarek, Anton, Lehrer, Grudno
  97. Böhm, Johann Friedrich Karl, Arb., Neu-Bolewitz
  98. Separant, Johann, Schlossergeselle, Neustadt b. P.
  99. Adamczak, Stephan, Knecht, Wonsowo
  100. Ruchaj, Michael, Knecht, Neutomischel
  101. Lengert, August Otto, Eigenth.-Sohn, Alttomischel
  102. Kapelski, Stanislaus, Knecht, Brody
  103. Schmidt, Albert, Eigenth.-Sohn, Alttomischel
  104. Felsch, Friedrich Wilh., Eigth.–Sohn, Wengielno
  105. Wald, Johann Karl Richard, Knecht, Paprotsch
  106. Abraham, Otto Richard, Arbeiter, Bukowiec
  107. Kaczynski, Johann, Arbeiter, Pakoslaw
  108. Fenske, Friedrich Herm., Fleischerges., Neutomischel
  109. Jaskowiak, Andreas, Arbeiter, Wonsowo
  110. Schanzenbach, Karl Gustav, Knecht, Neutomischel
  111. Janas, Thomas, Arbeiter, Brody
  112. Kuhnke, Ernst Hermann, Eigenth.-Sohn, Zinskowo
  113. Fenske, August Ferd., Eigenth.-Sohn, Paprotsch
  114. Rybarczyk, Joseph, Wirthssohn, Steinhorst
  115. Dornfeld, Paul Julius, Wirthssohn, Chraplewo
  116. Magdziak, Stephan, Arbeiter, Pawlowko
  117. Pflaum, Karl Hermann, Brauer, Neutomischel
  118. Rosenau, Gustav Hermann, Knecht, Zinskowo
  119. Ortlieb, Johann Robert, Wirtssohn, Wymyslanke
  120. Bober, Joseph, Knecht, Michorzewo
  121. Flöter, Johann Heinrich, Maurer, Linde
  122. Täubner, Karl Gottl. Heinr., Eigth.-Sohn, Glinau
  123. Leske, Joh. Heinr. Leop., Eigth.-Sohn, Konkolewo
  124. Grocholewski, Franz, Wirthssohn, Brodki
  125. Heinrich, Reinhold Otto, Eigenth.-Sohn, Gr.-Lipke
  126. Kruschel, Otto, Eigenth.-Sohn, Neurose
  127. Czeszak, Stanislaus, Zimmermann, Gr.-Lipke
  128. Lüdke, Karl Heinrich, Eigenth.-Sohn, Neurose
  129. Kleczka, Andreas, Diener, Posadowo
  130. Gierka, Johann Paul, Knecht, Cichagora
  131. Müller, Joh. Karl Heinrich, Eigth.-Sohn, Kozielaske
  132. Pigla, Stanislaus, Wirthssohn, Wonsowo
  133. Wilhelm, Johann Karl Gustav, Tischlergeselle, Neutomischel
  134. Zawarty, Stanislaus, Arbeiter, Konin
  135. Waclawek, Franz, Arbeiter, Jastrzembnik
  136. Stähler, Johann Carl Heinrich, Arbeiter, Dombrowo
  137. Neumann, Rudolph Friedr., Wirthssohn, Chmielinko
  138. Hildebrand, Johann Emil, Eigenth.-Sohn, Juliana
  139. Grajek, Friedrich, Arbeiter, Chmielinko
  140. Wiesner, Wilhelm Otto, Schäferknecht, Wonsowo
  141. Nawrot, Peter, Knecht, Bukowiec
  142. Telesius, Pausl Hermann, Schornsteinfegergeselle, Neutomischel
  143. Kornocz, Franz, Bäckergeselle, Neutomischel
  144. Ratajczak, Maximilian, Arbeiter, Neustadt b. P. Stadt
  145. Kern, Johann Otto, Landwirth, Glupon
  146. Wesoly, Johann, Arbeiter, Posadowo
  147. Heinrich, Paul Otto, Eigenth.-Sohn, Sontop
  148. Walkowiak, George, Wirthssohn, Cichagora
  149. Kluczynski, Martin, Arbeiter, Zembowo
  150. Plerwa, Johann, Arbeiter, Brodki
  151. Matuszewski, Johann, Arbeiter, Brody
  152. Paschek, Franz, Wirthssohn, Zembowo
  153. Nowaczyk, Valentin, Arbeiter, Chraplewo

b) die zum Landsturm designierten Militärpflichtigen

  1. Schulz, Karl Reinhold, Wirthssohn, Albertoske
  2. Koth, Joh. Karl Heinrich, Wirthssohn, Alttomischel
  3. Korbanek, Stephan, Eigenth.-Sohn, Bolewitz
  4. Kaminski, Joh. Ferd., Eigenth.-Sohn, Kozielaske
  5. Najdek, Andreas, Arbeiter, Michorzewko
  6. Koszuta, Vinzent, Schmiedegeselle, Neustadt b. P.
  7. Roszkiewicz, Ludwig, Schmiedegeselle, Pakoslaw
  8. Strojwas, Filix, Knecht, Brody
  9. Nowaczak, Stanislaus, Arbeiter, Posadowo
  10. Majchrowski, Franz, Arbeiter, Witomischel
  11. Hein, Joh. Wilhelm Ferdinand, Knecht, Glinau
  12. Musial, Andreas, Arbeiter, Chraplewo
  13. Rau, Joh. Karl Gustav, Eigth.-Sohn, Albertoske
  14. Schlawe, Joh. Karl Berthold, Knecht, Konkolewo
  15. Lis, Johann, Arbeiter, Sempolno
  16. Pochstein, Otto Heinrich, Schmiedelehrling, Cichagora
  17. Gebauer, Friedrich Wilh. Gustav, Arb., Sontop
  18. Ulbrich, Karl Otto, Eigenth.-Sohn, Blake
  19. Dinzewski, Maurergeselle, Neustadt b. P.
  20. Giering, Friedrich Wilhelm, Wirthssohn, Scherlanke
  21. Kraft, Heinrich Erdmann, Wirthssohn, Schleife
  22. Fechner, Roman, Schmiedelehrling, Bolewitz
  23. Jatubek, Viktor Simon Alexander, Kommis, Neustadt b. P. Stadt
  24. Knebek, Joh. Reinh. Wilh. Komtorist, Neustadt b. P.

c) die in Zugang gekommenen Militärpflichtigen

Neutomischel, den 19. Mai 1897

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: 1) Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897; 2) Einleitung:https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fische_Armee

Griff in die Wechselkasse bei Gärtner in Neutomischel – 1897

Die einstige Gaststätte Gärtner in der ehem. Goldstraße - AK-Ausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

Die einstige Gaststätte Gärtner in der ehem. Goldstraße – AK-Ausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

Neutomischel, den 08. October 1897

In dem Restaurationslokale von Herrn G. Gärtner hierselbst (Neutomischel) benutzten zwei als einzige Gäste anwesende junge Leute eine kurze Abwesenheit des Wirthes, um einen kühnen Griff in dessen Wechselkasse zu thun.

Von dem geraubten Gelde (etwa 4-5 Mark) bezahlten sie nicht allein ihre Zeche, sondern ließen sich auch von dem Musikautomaten lustige Weisen vorspielen.

Erst nachdem sie das Lokal verlassen hatten, bemerkte Herr Gärtner den Verlust.

Schon am nächsten Tage gelang es dieselben, einen Töpfer- und einen Schlossergesellen, zu ermitteln und sie zu einem Geständnisse zu bewegen. 2 Mk. konnten ihnen von dem Gelde noch abgenommen werden.

* * *

Bis zum Erscheinen dieses Beitrages konnte die Herkunft des Johann Gustav Gärtner – Gasthofbesitzer zu Neutomischel und seiner Ehefrau Maria Seiffert nicht geklärt werden.

Die Tochter des Paares, Maria Clara Gärtner, so in ihrem Heiratseintrag aus dem Jahr 1909 mit Carl Otto Schmidt aus Schwiebus, wurde in Daleszyn im Kreis Schrimm geboren. Ein weiterer Eintrag deutet darauf hin, dass für eine Herkunft bzw. zumindest für einen Aufenthalt auch Grünberg in Schlesien in Frage kommt.

Über Hinweise zu dieser Familie würden wir uns freuen – Vielen Dank !

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897;

Feuer in Neu Rose bei Stepczynski – 1897

Ausschnitt Messtischblatt 3663 mit der Streusiedlung Neurose, welche Sontop halbmondförmig umschloss / oben: Bauernhof mitten in der Landschaft - mitte: Sandstraßen durch die Wälder nach Neurose - unten: Gelände des ehemaligen evgl. Friedhofes

Ausschnitt Messtischblatt 3663 mit der Streusiedlung Neurose, welche Sontop halbmondförmig umschloss / oben: Bauernhof mitten in der Landschaft – mitte: Sandstraßen durch die Wälder nach Neurose – unten: Gelände des ehemaligen evgl. Friedhofes

Am Mittwoch (28. April 1897) gegen 7 Uhr Abends brach in der Scheune des Häuslers Stepczynski zu Roser Wiesen Feuer aus, welches wegen der leichten Bedachung und der seit einigen Tagen herrschenden warmen Witterung so schnell um sich griff, daß in kurzer Zeit auch der Stall und das Wohnhaus davon ergriffen und in Asche gelegt wurden.

Die Stepczynskischen Eheleute waren beim Ausbruch des Feuers nicht anwesend und konnte der Ehemann, nachdem er Brandwunden erlitten, kaum das Vieh retten. Von Möbeln und Hausgeräthen konnte so gut wie nichts gerettet werden, da das brennende Strohdach jedes Eindringen in die Wohnung unmöglich machte.

Die städtische Feuerspritze aus Neutomischel und die der freiwilligen Feuerwehr waren zur Hilfeleistung ausgerückt

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Die Familie Stepczynski aus Neu Rose

  • Reinhold Gottlieb Stepczynski – geboren 1851 zu Glinau
  • oo 1882 mit Ernestine Bertha Friedenberger – geboren 1864 zu Neu Rose
"Zu Früh ..."  sind viele der Kinder der Familie verstorben - Inschrift auf einem Grabstein welcher auf dem Gelände des ehem. Friedhofes liegt / Aufn. PM

“Zu Früh …” sind viele der Kinder der Familie verstorben – Inschrift auf einem Grabstein welcher auf dem Gelände des ehem. Friedhofes liegt / Aufn. PM

Kinder:

  • 1882 Emilie Emma
  • 1884 Auguste Bertha
  • 1885 Anna Maria – verstarb 1885
  • 1887 totgeborenes Mädchen
  • 1888 Amalie Anna
  • 1890 Gustav Wilhelm
  • 1891 Gustav Paul
  • 1893 totgeborenes Mädchen
  • 1894 totgeborener Junge
  • 1896 totgeborenes Mädchen
  • 1897 Ida Martha – verstarb 1897
  • 1899 totgeborener Junge
  • 1904 totgeborenes Mädchen
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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897;

Die Mühle in Leschnik brennt – 1897

Leschnik Mühle lag in einem großem Waldgebiet - Ausschnitt Meßtischblatt 3462 und Luftaufnahme der Gemeinde Kwilcz / http://www.kwilcz.pl

Leschnik Mühle lag in einem großem Waldgebiet – Ausschnitt Meßtischblatt 3462 und Luftaufnahme der Gemeinde Kwilcz / http://www.kwilcz.pl

Pinne, den 20. Juni 1897

Am Freitag (18.06.1897) Abend brach in der dem Müller Wendland in Leschnik gehörigen Mühle Feuer aus.

Dieses verbreitete sich so schnell, daß in kurzer Zeit die ganze Mühle in Flammen stand.

Der Mühlenbescheider, welcher in der Mühle schlief, wurde bewußtlos und mit schweren Brandwunden bedeckt aus einem Fenster der Mühle gezogen und ist an den Folgen der Verletzungen gestern im hiesigen Krankenhaus gestorben.

* * *

Am 19.06.1897 zeigte der praktische Arzt des Johanniter Krankenhauses zu Pinne, Dr. Carl Dorsch,  den Tod des ledigen Müllergesellen

Wilhelm Büttner

beim Standesamt an.

Dieser war aus Schrimm Krs. Birnbaum gebürtig gewesen. Er war der Sohn des Eigentümers Wilhelm Büttner und dessen Ehefrau Eleonore geb. Woith gewesen. Wilhelm Büttner verstarb im Alter von 27 Jahren (ca. geb. 1870)

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Als Mühlenbescheider galt ein besonders qualifizierter Müller, nach dem Verfasser des Wörterbuches der Berufs- und Berufstätigkeitsbezeichnungen Fritz Molle leitete sich der Begriff dahingehend ab, dass ein Müller in der Mühle “Bescheid” wußte; nach dem Deutschen Wörterbuch des Jacob und Wilhelm Grimm war ein Mühlenbescheider der oberste Mühlenbursche.

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Die Leschniker Mühle war 1897 im Besitz des Müllers Wendland.

Einmal war dieses der Eduard Wendland, er verstarb am 05. September 1897 zu Leschnik Mühle. Er war mit Auguste Wilkschke verheiratet gewesen.

Ebenso ist aber auch noch der Sohn dieses Paares – Hermann Eduard Wendland – anzuführen. Er ehelichte 1895 Anna Mathilde Horn. Ihre Kinder Anna Charlotte (*1896), Alfred Eduard Hermann (*1897) und Auguste Emilie Hertha (*1899) waren noch in Leschnik Mühle geboren worden. Georg Bernhard (*1902), Margarethe Anna Auguste (*1904) und Johanna Dorothea Annaliese (*1909) hingegen hatten schon den Geburtsort Kwilcz, wo ihr Vater als Händler und späterer Bahnhofswirth tätig gewesen war.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897;

August Hauch verunglückt in Tarnowo – 1897

Die Hauptstrasse von Tarnowa / Aufn. PM

Die Hauptstrasse von Tarnowa / Aufn. PM

Rakwitz, den 29. September 1897

Gestern (28.09.1897) Vormittag (lt. Toteneintrag um 7:00Uhr) war der Eigenthümer Hauch im entfernten Tarnowo in seiner Scheune mit Heuabladen beschäftigt.

Das Heu lagerte auf leichten Brettern über der Tenne; diese brachen zusammen, Hauch stürzte kopfüber herunter und wurde von dem nachrutschenden Heu vollständig bedeckt.

Beim Durchsuchen des Heues fand man den Verunglückten todt auf; er hatte einen Schädelbruch erlitten. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und zehn Kinder.

*  * *

Johann August Hauch wurde 1849 zu Tarnowo geboren. Seine Eltern waren Gottfried Hauch und dessen Ehefrau Anna Dorothea Redetzke.

Am 23. Juni 1876 schlossen er und Johanna Beate Louise Linke (geb. 1855) aus Komorowo-Hauland die Ehe.

Als Ihre Kinder wurden geboren:

  • 1877 Johann Friedrich Gustav
  • 1878 Ottilie Emma
  • 1881 Hedwig Wanda
  • 1882 Wilhelm Arthur
  • 1883 Robert
  • 1885 Otto
  • 1886 Bertha Ida
  • 1888 Johann August
  • 1890 Friedrich Wilhelm
  • 1892 Martha Klara
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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897;

Badeunfall in Scherlanke – 1897

Gedächtniskreuz auf dem ehemaligen Friedhof zu Scherlanke

Gedächtniskreuz auf dem ehemaligen Friedhof zu Scherlanke

Beim Baden verunglückte am Sonntag (08. August 1897) der 23 jährige taubstumme Sohn des Besitzers W. in Scherlanke.

Er machte in das flache Wasser des Hofteiches den Kopfsprung und zog sich solche Beschädigungen zu, an denen er nächsten Tages verstarb.

* * *

Der Verunglückte war der Schneidergeselle

Otto Reinhold Welke,

geboren am 25. Mai 1874 zu Scherlanke, gewesen. Seine Eltern waren Johann Gustav Adolph Welke, Eigentümer zu Scherlanke und dessen Ehefrau Johanna Ernestine geborene Pochstein.

Laut Eintrag im Standesamtsregister, in welchem sein Vater seinen Tod hat registrieren müssen, wurde aufgenommen, dass er am 09. August 1897 nachmittags um 2 Uhr verstorben ist.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897;
 

VI. Bundesschießen des Schützenbundes Neumark – Posen (01.-02. August 1897) / Teil 3

Stadtwappen aus der Probe-Ausgabe des Jahres 1877 der Hopfenzeitung der Stadt Neutomischel

Stadtwappen aus der Probe-Ausgabe des Jahres 1877 der Hopfenzeitung der Stadt Neutomischel

Ein großes Fest bringt viel Planung mit sich und auch sind letztlich viele Personen daran beteiligt.

In der Fest-Zeitung für das VI. Bundesschießen des Schützenbundes Neumark-Posen in Neutomischel am 1. und 2. August 1897 wurden alle Mitglieder der gegründeten Ausschüsse und fast alle Schützen namentlich aufgeführt.

Die nachstehenden Daten wurden der Festschrift entnommen:

Festleitung

Der Festausschuß besteht aus dem Bundesvorstand und den Spezial-Ausschüssen

Präsidium

Landrath von Daniels – Ehrenvorsitzender ♦ Bürgermeister Witte – Bundespräsident ♦ Kaufmann Paul Lutz – Vorsitzender

Geschäftsführer des Haupt-Fest-Ausschusses

Julius Fromm – Kreis-Ausschuß-Sekretair

Rechnungs-Ausschuß

Weber – Kämmerer ♦ Scheumann – Buchdruckereibesitzer ♦ Thomas – Kaufmann ♦ Goldmann – Kaufmann ♦ Kroll – Lehrer

Wohnungs-Ausschuß

Maennel – Kaufmann ♦ Wittkowsky jun. – Kaufmann ♦ Tepper – Kaufmann ♦ Schwaebe – Hauptlehrer ♦ Fromma – Kreis-Ausschuß-Sekretair

Wirthschafts-Ausschuß

Goldmann – Kaufmann ♦ Lutz – Kaufmann ♦ Witte – Bürgermeister ♦ G. Toeffling – Kaufmann

Schieß-Ausschuß

Morzynski – Mühlenbesitzer ♦ Reschke – Eigenthümer ♦ Janott – Fleischermeister ♦ Pflaum – Gutsbesitzer ♦ Niedermeier – Handelsmann ♦ Kalkreuter – Restaurateur ♦ Hippel – Cigarrenfabrikant ♦ Maennel – Kaufmann ♦ Hunold – Eigenthümer ♦ Goldmann – Sattlermeister ♦ G. Toeffling – Kaufmann ♦ Toeffling ♦ Schmidt – Fleischermeister ♦ Leciejewicz – Viehhändler ♦ Witte – Bürgermeister ♦ Mentzel – Restaurateur ♦ Zink – Fleischermeister ♦ Torjanowski – Zahntechniker ♦ Kroytowski – Zahntechniker ♦ Schmidt – Gastwirth ♦ Luchtmann – Drechslermeister ♦ Kurtz – Tischlermeister ♦ Goldmann – Kaufmann ♦ Kutzner – Eigenthümer ♦ Buchwald – Uhrmacher ♦ Lutz – Schlossermeister ♦ Pflaum – Kaufmann ♦ Hiersekorn – Handelsmann ♦ Thomas – Tischlermeister ♦ Bruno Thomas – Bäckermeister ♦ Arndt – Lehrer

Bau- und Dekorations-Ausschuß

Goldmann – Kaufmann ♦ G. Toeffling – Kaufmann ♦ Luchtmann – Drechslermeister ♦ Otto Maennel – Kaufmann ♦ Toeffling – Rentier ♦ Bruno Thomas – Bäckermeister ♦ Thomas – Tischlermeister ♦ Woskowiak – Schneidermeister

Festordnungs-Ausschuß

Roll – Kgl. Distrikts-Kommissarius ♦ Kannewischer – Bäckermeister ♦ Krüger – Kgl. Kataster-Kontrolleur ♦ Franzke – Kgl. Kreis-Thierarzt ♦ Scheumann – Buchdruckereibesitzer ♦ Stroedicke – Rektor ♦ Morzynski – Brauereibesitzer ♦ Borutto – Gerichtssekretair ♦ Großkopff – Gerichtssekretair ♦ E. Goldmann (als Nachtrag ergänzt)

Empfangs-Ausschuß

Kannewischer – Bäckermeister ♦ Fromm – Kreis-Ausschuß-Sekretair ♦ Schwaebe – Hauptlehrer ♦ Jungnik – Kantor ♦ Borutto – Gerichtssekretair ♦ Schmidt – Geschäftsführer ♦ E. Goldmann – Kaufmann

Preß-Ausschuß

Linder – Kgl. Obersteuer-Kontrolleur ♦ E. Goldmann – Kaufmann ♦ Scheumann – Buchdruckereibesitzer ♦ Roll – Kgl. Distrikts-Kommissarius

Verzeichniß der angemeldeten Schützen und Gäste

Ehrengäste

Oberstlieutenant und Bezirks-Kommandeur v. Zawadzki – Neutomischel ♦ Lieutenant und Bezirks-Adjutant Fienemann – Neutomischel

Königl. Landrath v. d. Beck – Züllichau ♦ Königl. Landrath Blomeyer – Meseritz ♦ Königl. Landrath Graf v. Westarp – Wollstein

Majoratsbesitzer v. Hardt – Wonsowo ♦ Rittergutsbesitzer v. Poncet – Alttomischel ♦ Rittergutsbesitzer Beyme – Eichenhorst ♦ Rittergutsbesitzer v. Lacki – Pakoslaw ♦ Gutsbesitzer Schwartzkopff – Rose ♦ Grundbesitzer Schlecht – Neu-Dombrowo

Güter-Direktor Schmidt – Wonsowo

Stadtverordneter Schendel – Neutomischel ♦ Stadtverordneter W. Lutz – Neutomischel ♦ Stadtverordneter Ad. Maennel – Neutomischel ♦ Stadtverordneter G. Toeffling – Neutomischel ♦ Stadtverordneter W. Peikert – Neutomischel ♦ Stadtverordneter E. Tepper – Neutomischel

Bürgermeister Warzecha – Schwiebus ♦ Bürgermeister Jakobitz – Züllichau ♦ Bürgermeister Hielscher – Bentschen ♦ Bürgermeister Matzel – Wollstein ♦ Bürgermeister Baeutsch – Grätz ♦ Bürgermeister Nixdorf – Tirschtiegel ♦ Rathsherr Röstel – Neustadt b. P.

Schützengilde Bentschen

Knauerhase, Kaufmann ♦ Kruschinski, Bäckermeister ♦ Noack, Maurermeister ♦ Felix Trojanowski, Barbier ♦ Gillar, Tischlermeister ♦ Braunack, Töpfermeister ♦ Hauf, Kürschnermeister ♦ Leo Seelig, Zimmermeister ♦ Schütz, Ackerbürger ♦ Prietzel, Ackerbürger ♦ Essner, Maler ♦ Schostag, Schmiedemeister ♦ Neumann, Gastwirth ♦ Braun, Schneidermeister ♦ Lüders, Schuhmachermeister ♦ Piatkiewicz, Klempnermeister ♦ Schostag, Schmiedemeister ♦ Kernchen, Schneidermeister ♦ Scherbarth, Ackerbürger ♦ Rothe, Maler ♦ Wache, Bäckermeister ♦ Rothe, Tischlermeister ♦ Scheffler, Dachdeckermeister ♦ Felix Werner ♦ Karl Werner

Schützengilde Grätz

Jaensch, Hotelier u. Fleischermeister ♦ Rudolph Gebhardt, Brunnenbaumeister

Schützengilde Lentschen Hauland

Loechelt, Eigenthümer ♦ Rau, Gastwirth ♦ Orttel, Eigenthümer ♦ Enge, Eigenthümer ♦ Reimann, Förster ♦ Schmidt, Handelsmann ♦ Koschützki, Eigenthümer ♦ Maennel, Bierverleger ♦ Stähler, Eigenthümer

Schützengilde Schwiebus

Liesfeld, Bäckermeister ♦ Peschel, Brauereibestizer ♦ Baumgart, Fleischermeister ♦ Hoffmann, Dachdeckermeister ♦ Hummel, Schmiedemeister ♦ Bernhardt, Buchbindermeister ♦ Bruttig, Kuperschmiedemeister ♦ Schulz, Brauereibesitzer ♦ Lankisch, Tuchfabrikant ♦ Dieterichs, Gelbgießermeister ♦ Scholz, Tischlermeister ♦ Resch, Fleischermeister ♦ Münchberg, Kaufmann ♦ Haupt, Schneidermeister ♦ Scholz, Bäckermeister ♦ Noske, Bäckermeister ♦ Lankisch, Tischlermeister ♦ Roesler, Gelbgießer ♦ Schoen, Restaurateur ♦ Kirschbau, Walkermeister ♦ Müller, Seilermeister ♦ Nagel, Fleischermeister ♦ Grützner, Töpfermeister ♦ Rißmann, Fettviehhändler ♦ Pielzsch, Maschinenfabrikant ♦ Altmann, Schornsteinfegermeister ♦ Schenkel, Schlossermeister ♦ Wenzel, Restaurateur ♦ Dewald, Tischlermeister ♦ Grätz, Uhrmacher ♦ Kärger, Nagelschmiedemeister ♦ Ehrlich, Uhrmacher ♦ Richter, Tischlermeister ♦ Münchberg, Schleifenanstalt. ♦ Kramm, Seilermeister ♦ Unger, Kunstgärtner ♦ Lutter, Schneidermeister ♦ Primke, Schuhmachermeister ♦ Schulz, Kaufmann ♦ Kramm, Fleischermeister ♦ Schulz, Fleischermeister ♦ Schulz, Fleischermeister ♦ Anders, Maler ♦ Fechner, Bauunternehmer ♦ Schulz, Töpfermeister ♦ Gondolatsch, Restaurateur ♦ Rätzer, Dachdeckermeister ♦ Dewald, Fleischermeister ♦ Mechler, Kaufmann

Schützengilde Tirschtiegel Altstadt

Wilczynski, Tischlermeister ♦ Konopka, Kaufmann ♦ Knopka, Kaufmann ♦ Meinhold, Schornsteinfegermeister ♦ Werner, Gastwirth ♦ Pinetzki, Tischlermeister ♦ Kiehn, Tischlermeister ♦ Grzesko, Schneidermeister

Schützengilde Tirschtiegel Neustadt

Zimmermann, Hotelier ♦ Gottlieb Schulz, Schlossermeister ♦ Rudolph Friedrich, Schmiedemeister ♦ Hampel, Bäckermeister ♦ Naatz, Sattlermeister ♦ Sommerfeld, Hotelier ♦ Gustav Schulz, Schlossermeister ♦ Appelt, Bauunternehmer ♦ Stürzebecher, Fleischermeister ♦ Karl Rudolph, Handelsmann ♦ Lehmann, Bäckermeister ♦ Wilhelm Rau, Fleischermeister ♦ Ernst Haupt, Müllermeister ♦ Fischer, Hotelier ♦ Reimann, Förster ♦ Kriesel, Fleischermeister

Schützengilde Wollstein

Lindner, Fleischermeister ♦ Tomys, Bäckermeister ♦ Peters, Malermeister ♦ Lischke, Schlossermeister ♦ Fischer, Restaurateur ♦ Fäßler, Schneidermeister ♦ Kunke, Stellmachermeister ♦ Hoffmann, Böttchermeister ♦ Hecke, Hotelier ♦ Henschke, Hotelier ♦ Gewiß, Müllermeister ♦ Kaliske, Bäckermeister ♦ Zock, Schneidermeister ♦ Weyrauch, Müllermeister ♦ Hecker, Kaufmann ♦ Gustav Schultz, Schmiedemeister

Schützengilde Züllichau

Jacobitz, Bürgermeister ♦ Pfennig, Kaufmann ♦ Pauly, Cigarrenfabrikant ♦ Hebold, Bäckermeister ♦ Bartsch, Bildhauer ♦ Töpper, Bauunternehmer ♦ Riedel, Brauereibesitzer ♦ Hampel, Buchdruckereibesitzer ♦ Regel, Restaurteur ♦ Sohley, Bierverleger ♦ Sommer, Restaurateur ♦ R Fechner, Schlächtermeister ♦ Max Lindner, Kaufmann ♦ O. Richter, Kaufmann ♦ Malter, Hotelbesitzer ♦ Beier, Hotelbesitzer ♦ Parchwitz, Kaufmann ♦ Fechner, Fleischermeister ♦ Kühn, Restaurateur ♦ Rättig, Sattlermeister ♦ Schmager, Uhrmacher ♦ Knobel, Brauereibesitzer

Schützengilde Unruhstadt

Reinhold Peschel, Bäckermeister ♦ Ernst Kernchen, Stellmachermeister ♦ Carl Doil, Bauunternehmer ♦ Julius Kretschmann, Schneidermeister ♦ Franz Sroka, Scheidermeister ♦ Heinrich Kadach, Fleischermeister ♦ Gustav Kadach, Fleischermeister ♦ Adolph Becker, Brauereibesitzer ♦ Reinhold Loosch, Restaurateur

Schützengilde Neutomischel

Paul Lutz, Kaufmann ♦ Maennel, Kaufmann ♦ Goldmann, Kaufmann ♦ Morzynski, Mühlenbesitzer ♦ Trojanowski, Zahntechniker ♦ Kannewischer, Bäckermeister ♦ Rausch, Gasthofbesitzer ♦ Krüger, Kgl. Kataster-Kontrolleur ♦ Franzke, Kgl. Kreisthierarzt ♦ Buchwald, Uhrmacher ♦ Seeliger, Buchhändler ♦ Eduard Goldmann, Kaufmann ♦ Otto Maennel, Kaufmann ♦ Korytowski, Zahntechniker ♦ Hippel, Cigarrenfabrikant ♦ Rausch, Gasthofbesitzer ♦ Werth, Kaufmann ♦ Otto Thomas, Kaufmann ♦ Carl Pfeifer, Sattlermeister ♦ Goldmann, Kaufmann ♦ Luchtmann, Drechslermeister ♦ Woskowiak, Schneidermeister ♦ Janott, Fleischermeister ♦ Pflaum, Kaufmann ♦ Schmidt, Fleischermeister ♦ Thomas, Tischlermeister ♦ Leciejewicz, Viehhändler ♦ Niedermeier, Handelsmann ♦ Toeffling, Brauer ♦ G. Toeffling, Kaufmann ♦ Fromm, Kreis-Ausschuß-Sekretair ♦ Zink, Fleischermeister ♦ Scheumann, Buchdruckereibesitzer ♦ Kalkreuter, Restaurateur ♦ Bruno Thomas, Bäckermeister ♦ Kurtz, Tischlermeister ♦ Markendorf, Glasermeister ♦ Peter Weinert, Fleischermeister ♦ Lutz, Schlossermeister ♦ Mentzel, Restaurateur ♦ Goldmann, Sattlermeister ♦ Kutzner, Eigenthümer ♦ Hunold, Eigenthümer ♦ Pflaum, Gutsbesitzer ♦ Schmidt, Gastwirth ♦ Reschke, Eigenthümer ♦ Bruno Toeffling, Gastwirth ♦ Benno Gutkind, Kaufmann ♦ Benno Walter, Kaufmann ♦ Schmidt, Handelsmann ♦ August Lehmann, Gastwirth

Schützengilde Neustadt b. P.

 ♦ Angemeldet 20 Schützen ♦

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: „Fest-Zeitung für das VI
Bundesschiessen der Schützenbund Neumark-in Posen Neutomischel am 1. und 2. August 1897 ” – In Sammlungen der Universitätsbibliothek in Poznan

VI. Bundesschießen des Schützenbundes Neumark – Posen (01.-02. August 1897) / Teil 2

Titelseite: „Fest-Zeitung für das VI Bundesschiessen der Schützenbund Neumark-in Posen Neutomischel am 1. und 2. August 1897 " - In  Sammlungen der Universitätsbibliothek in Poznan

Titelseite: „Fest-Zeitung für das VI
Bundesschiessen der Schützenbund Neumark-in Posen Neutomischel am 1. und 2. August 1897 ” – In Sammlungen der Universitätsbibliothek in Poznan

Schuß auf Schuß krachte nun den Scheiben entgegen und sowohl der Festscheibenstand wie die drei Stände für das Lagenschießen waren dicht umdrängt von schießlüsternen Schützen “bereit, sich friedlichem Wettkampf zu weih’n!”, aber in musterhafter Ordnung ging alles von Statten und jeder ließ es sich angelegen sein, dem Schießauschuß sein an und für sich so schweres Amt nach Möglichkeit zu erleichtern.

Und wer sein Müthchen auf dem Schießstand gekühlt hatte, der eilte zurück in den Schützengarten, wo Herr Post es verstand, durch eine treffliche Auswahl meist tadellos ausgeführter Musikstücke zu unterhalten und Herz und Gemüth zu erfreuen und wo in ununterbrochenem Strom Männlein, Weiblein und Kindlein von Nah und Fern herzueilte, um auch ihren Theil an dem Feste zu nehmen. Da wurden neue Bekanntschaften geschlossen und alte erneuert, da trafen sich Wirthe und Gäste, alte Freunde und Schützenbrüder, die sich lange nicht gesehen, da näherten und unterhielten sich der Bürger und der Landmann, der Kaufmann, der Handwerker und der Beamte, und Faden und Faden spann sich herüber und hinüber und wob um alle fest und fester das Band echter deutscher Treue, Gastfreundschaft und Gemüthlichkeit. – Wer aber im Schützengarten seine Rechnung nicht fand, den zog es nach der Festwiese, die eine mächtige Kopf an Kopf gedrängte Menschenmenge überfluthete.

Leider hatte hier die ungünstige Witterung der vergangenen Woche so manchen Budenbesitzer vom Beziehen eines Standes zurückgehalten, sodaß selbst ein Karoussel fehlte, was vielfach schmerzlich vermißt wurde; dafür war die Luftschaukel um so mehr besetzt, auch die vorhandenen Schau- und Würfelbuden waren stets dich umdrängt und so manchen sah man hoch beglückt mit seinem für 10 Pf. Einsatz errungenen Gewinn in Gestalt einer Lampe, eines Waschgeschirrs, eines “Goldfischteichs” oder dgl. von dannen ziehen. In den beiden Bierzelten, von denen namentlich das Thomas’sche durch seine geschmackvolle Herrichtung anzog, gelang es nur schwer, ein Plätzchen zu finden und der edle Gerstensaft war ein vielbegehrter Artikel.

Inzwischen begann das Büchsenlicht auszugehen und das Signal “das Ganze Sammeln” rief die Schützen in die Festhalle zum Kommers, dessen Leitung Herr Amtsrichter Dr. Rudolphi freundlichst übernommen hatte. Da kein Eintrittsgeld mehr erhoben wurde, umstand eine dichte Menschenmenge die Kommerstafeln und es war keine leichte Aufgabe, das nöthige “Silentium” für die in großer Anzahl “geschmetterten” Reden zu erlangen, wobei in thatkräftigster und gewandtester Weise der Geschäftsführer des Bundes, Herrn Bernhardt aus Schwiebus den Präsident zu unterstützen wußte. Besonders hoch aufgenommen wurde es von den Schützen, daß auch der Ehrenvorsitzende der Festleitung, der Herr Landrath von Daniel an dem Kommers theilnahm, der gegen 10 Uhr sein Ende erreichte. Die Fluthwelle, welche der Schützengarten angezogen, ebbte nun zurück, und was der Tanzsaal des Schützenhauses nicht zu schaffen vermochte, strömte zur Stadt, wo auch der Rohlfing’sche Saal den Schützen Gelegenheit bot, das Tanzbein zu schwingen, und wohl mancher mag erst, wie der Schleier der Nacht, dem erwachenden Morgen gewichen sein und die Frage des um 5 Uhr ertönenden Weckrufs: “Hast Du noch nicht lang genug geschlafen?” gar nicht gehört oder etwas unwirsch beantwortet haben.

Aber doch gab es Frühaufsteher genug, die dem “Freut Euch des Lebens” folgten, und bald nach 5 Uhr konnte man schon wieder den scharfen Knall der Büchsen vom Schießstand her vernehmen. Nach und nach füllte sich auch der Schützengarten, und der allzeit rührige und aufgelegte Herr Bernhardt verstand es, alle Mann zu einem Frühschoppen zusammenzutrommeln, und mit seinem urwüchsigen Humor und seiner erheiternden Schlagfertigkeit einen Kommers zu Stande zu bringen, der nicht nur die Theilnehmer sondern auch die Zuschauer, zu denen auch Damen gehörten, zu fast unaufhörlichen Lachsalven hinriß. Wessen Kater dem erprobten Mittel der “Hundehaare” nicht weichen wollte, dem brachte sicher die anhaltende Zwerchfellerschütterung die gewünschte Heilung, aber als Nebenwirkung auch Leib- und Kinnbackenschmerzen ein. Die Schützen meinten: “Es war zum Schießen!” Bald nach 1 Uhr begann das Festessen, an dem 84 Personen theilnahmen; es wurde gewürzt durch zahlreiche Reden und Toaste, von denen diejenigen des Herrn Oberstleutnant von Zawadzky und des Herrn Landrath von Daniels ganz besonderen Eindruck machten. Nach dem Essen wurde – wieder auf Anregung des so recht eigentlich die Seele des Ganzen bildenden Herrn Bernhardt – ein den gastfreien Frauen Neutomischels gewidmeter Huldigungszug durch die Stadt unternommen: voran auf einem Leiterwagen die Musik, dahinter auf stuhlbesetzten Rollwagen und anderen Gefährten die Schützen. Dazwischen zu Fuß die Pagen und Hopfenträger. Der Zug erregte viel Heiterkeit. Kaum war er wieder im Schützengarten angelangt, als ein Regenguß Alles unter schützendes Obdach trieb; er vermochte jedoch die festliche Stimmung nicht zu beeinträchtigen.

Wegesperrung vom Süden ab dem Paprotscher Friedhof bis zur Tepper'schen Besitzung

Wegesperrung vom Süden ab dem Paprotscher Friedhof bis zur Tepper’schen Besitzung

Mit lebhafter Spannung sahen die Meisten dem Ergebniß der Arbeiten des Schießausschusses entgegen, die mit fieberhaftem Eifer betrieben wurden, um die besten Schützen zu ermitteln und festzustellen, welche Würden und Gewinne sie errungen hatten. Letztere war in übersichtlicher und geschmackvoller Weise in einem Zimmer des Schützenhauses ausgestellt und bestanden aus durchweg sehr hübschen, mehr oder minder kostbaren Gebrauchsgegenständen.

Als Ehrengabe der Stadt Neutomischel wurde ein prachtvoller Regulator viel bewundert, der dem besten Schützen neben der Würde des Bundeskönigs und dem aus 6 schweren silbernen Löffeln bestehenden ersten Gewinn zufallen sollte.

Gegen 7 Uhr fand die Verkündigung des Königs und der Ritter, deren Namen schon in der vorigen Nummer bekannt gegeben sind, und die Vertheilung der Gewinne statt, eine ausführliche Liste der Gewinne bringen wir an anderer Stelle unseres Blattes. Nachdem der König und die Ritter mit brausenden Hochs begrüßt worden waren, ordnete sich alles vor dem Schützenhause zu festlichem Zuge, in dem der König mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen eingeführt wurde. Vor dem Bundeslokal wurde Halt gemacht und, nachdem ein donnerndes Hoch gebracht war, für das mit einigen Worten herzlich dankte, noch ein Abschiedstrunk genehmigt, womit die offizielle Festlichkeit beendigt war.

* * *

Verrauscht ist das Fest, genossen die Freude ! Vom wolkenlosten blauen Himmel lacht die Sonne herab, als könnte das nicht anders sein und als wollte sie uns so recht vor Augen führen, den Unterschied gegen das ungünstige Wetter der Festtage; fast scheint es, als hätte ein Unstern über dem verflossenen Fest gewaltet. Nicht allein, daß die Witterung es, wenn nicht ganz in Frage zu stellen, so doch auf das Ungünstigste zu beeinflussen schien – das wäre zu verschmerzen, der Schaden zu ersetzen und einzuholen gewesen – nein, einen viel tieferen Schatten warf des Todes dunkler Fittig auf das Fest. An seinem Vorabend, mitten aus den umfangreichen Vorbereitungen, aus der Freude und Hoffnung auf ein gutes Geschäft, mitten aus der blühenden Jugend riß der unerforschliche Rathschluß Gottes in jähem Tod dem Schießhauswirth (Bruno Julius Paul Toeffling *29. Dezember 1859) die treu waltende Gattin (Emma Elisabeth Clara geb. Kaulfuss, verw. Hofbauer *22 Juni 1863 – +31. Juli 1897) von der Seite ! Eindringlicher konnte dem Feste das “Memenio mori” nicht auf die Stirne geprägt werden! Und jeder, auch der am fernsten Stehende, hatte innige Theilnahme für den so schwer Betroffenen und auf vielseitige Anregung und allgemeinen Wunsch wurde diesem Gefühl Ausdruck gegeben durch einen Kranz, welchen der Geschäftsführer Herr Bernhardt im Namen des Bundes mit bewegten Worten Herrn Toeffling überreichte. Wenn es diesem gelang, mit fast übermenschlicher Anstrengung sich aufrecht zu erhalten und die übernommenen Verpflichtungen trotz alledem zu erfüllen, so ist ihm ein wesentlicher Theil an dem Gelingen des Festes zu danken.

Und das mußte ein Jeder gestehen, daß das Fest doch als ein gut geleitetes und wohl gelungenes zu bezeichnen ist. Wie sich sein finanzielles Ergebnis für die hiesige Gilde gestalten wird, ist noch nicht zu  übersehen, da noch viele Rechnungen ausstehen; hoffen und wünschen wir, daß das Fest auch nach dieser Richtung hin einen Guten Abschluß finden möge.

* * *

Das Ergebniß des Schießens war folgendes: Ringzahl
1.

Kernchen-Unruhstadt (Stellmachermeister) – 1 Regulator (Ehrenpreis der Stadt Neutomischel) und 6 silberne Eßlöffel

55
2.

R. Lischke-Wollstein (Schlossermeister) – 1 Teppich und 2 Bettvorleger

53
3.

Nitschke-Unruhstadt – 6 starke silberne Theelöffel

52
4.

Parchwitz-Züllichau – 6 silberne Theelöffel

52
5.

Hunold-Neutomischel – 1 Regulator

51
6.

Kutzner-Neutomischel – 1 Fruchtschale

51
7.

Peschel-Unruhstadt – 1 Barometer mit Thermometer

51
8.

Lüders-Bentschen – 1 Kaffee-Service

50
9.

Kadach-Unruhstadt – 1 Garderobenständer

48
10.

Schön-Schwiebus – 1 Butterdose

48
11.

Goldmann-Neutomischel – 1 Fleischmaschine

47
12.

Rothe-Bentschen – 1 Etui mit Bürsten

47
13.

Seelig-Bentschen – 1 Schiffsuhr

47
14.

Franke-Neutomischel – 1 Reise-Ledertasche

47
15.

Kärger-Schwiebus – 1 Reise-Sacktasche

47
16.

Peters-Wollstein – 1 Touristentasche

45
17.

Schulz-Neutirschtiegel – 1 Bogenpeitsche

44
17a.

Strauch-Lentschen – 1 Bogenpeitsche

44
18.

Zimmermann-Bentschen – 1 Barometer

44
19.

Goldmann-Neutomischel – 1 Schreibzeug

44
20.

Hoffmann-Wollstein – 1 Fleischmaschine

43
21.

Pflaum-Neutomischel – 1 Damen-Reisetasche

43
22.

Fromm-Neutomischel – 1 Schnellkocher

43
23.

Kanopka-Tirschtiegel – 1 Suppenterrine

43
24

Herrmann-Unruhstadt – 1 Messingkesstel

43
25.

Rau-Tirschtiegel – 1 Reisekoffer

42
26.

Bukiewicz-Neustadt b. P. – 2 Blumentopfhülsen

42
27.

Schmidt-Unruhstadt – 1 Dutzend Teller

41
28.

Müller-Züllichau – 1 Nickeltablett

41
29.

Münchberg-Schwiebus – 1 Weckeruhr

41
30.

Buchwald-Neutomischel – 1 Heringskasten

41
31.

Kühn-Tirschtiegel – 1 Tablett

40
32.

Altmann-Schwiebus – 1 Geldkasten

40
33.

Kruschinski-Bentschen – 2 Taschenkartätschen mit Etui

40
34.

Schenkel-Schwiebus – 1 Fruchtschale

40
35.

Ortelt-Lentschen – 1 Bierseidel

39
36.

Scholz-Schwiebus – 1 Portemonnaie

39
37.

Th. Morzynski-Neutomischel – 1 Cigarrentasche

39
38.

Wenzel-Schwiebus – 2 Wassereimer

39
39.

Doil-Unruhstadt – 1 Küchenwaage

39
40.

Hoffmann-Schwiebus – 1 Portemonnaie

39
41.

Thomas-Neutomischel – 1 Kohlenplätte

38
42.

Hampel-Züllichau – 1 Spazierstock

38
43.

Korytowski-Neutomischel – 1 Handtuchhalter

38
44.

Reimann-Tirschtiegel – 1 Theeglas

38
45.

Kretschmann-Unruhstadt – 1 Spazierstock

38
46.

Schmager-Züllichau – 1 Wasserkanne

37
47.

Fäsler-Wollstein – 1 Kaffeekanne

37
48.

Bürgermeister Nixdorf-Tirschtiegel – 1 Petroleumkanne

37
49.

Kriesel-Tirschtiegel – 1 Reibemaschine

37
50.

Sopolinski-Neustadt – 1 Toilettespiegel

36
51.

Scholz-Schwiebus – 1 Kopfbürste

36
52.

Woskowiak-Neutomischel – 1 Kopfbürste

35
53.

Hecker-Wollstein1 Reisekoffer

35
54.

Rausch-Neutomischel – 1 Kleiderbürste

35
55.

Liesfeld-Schwiebus – 1 Fahrradbürste

35
56.

Schulz-Wollstein – 2 Taschenbürsten

35
57.

Noack-Bentschen – 1 Parfümkasten

34
58.

Schütz-Bentschen – 1 Cigarrenspitze und Feuerzeug

34
59.

Dewald-Schwiebus – 1 Kuchenteller

34
60.

Enge-Lentschen – 1 Kuchenteller

34
61.

Unger-Schwiebus – 1 Kuchentablett

33
62.

Piontkiewicz-Bentschen – 1 Wandkalender

33
63.

Schostag-Bentschen – 1 Korkenzieher

33
64.

Bürgermeister Witte-Neutomischel – 1 Salzbüchse

33
65.

Reimann-Lentschen – 1 Kaffeetasse

33
66.

Schostag-Bentschen – 1 Kaffeetasse

33
67.

Zock-Wollstein – 1 Feuerhaken

32
68.

Appelt-Tirschtiegel – 1 Kartoffelpresse

32
69.

Scherbarth-Bentschen – 1 Kartoffelpresse

31
70.

Lankisch-Schwiebus – 1 Haartaschenbürste

31
71.

Fechner-Unruhstadt – 1 Thermometer

31
72.

Lehmann-Lentsch – 1 Salzbüchse

31
73.

Rudolf-Tirschtiegel – 1 Wasserkonsole

31
74.

Niedermeier-Neutomischel – 1 Haartaschenbürste

31
75.

Kutzner-Züllichau – 1 Menage

31
76.

Braunak-Bentschen – 1 Portemonnaie

31
77.

Thomas-Wollstein – 1 Thermometer

31
78.

Pinetzke-Tirschtiegel – 1 Salontisch

31
79.

Dittrichs-Schwiebus – 1 Tintenfaß

30
80.

Krüger-Neustadt – 2 Büchsen zu Kaffee und Zucker

30
81.

Bartsch-Züllichau – 1 Dtzd. Gläseruntersatzteller

30
82.

Rau-Lentschen – 1 Mehlbüchse

30
83.

Goldmann-Neutomischel – 1 Salatschüssel

30
84.

Kanopka-Tirschtiegel – 1 Laterne

30
85.

Tenoske-Schwiebus – 2 Wandteller

29

 

Auf den Lagenscheiben notieren wir noch als beste Schützen die Kameraden:

  • Paul Müller-Züllichau mit 58 Ringen (20.19.19.)
  • O Hoffmann-Wollstein und
  • Seelig-Bentschen mit ebenfalls je 56 Ringen (19.19.18)

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897 (wie immer wurde die Schreibweise aus der Original Veröffentlichung beibehalten)

VI. Bundesschießen des Schützenbundes Neumark – Posen (01.-02. August 1897) / Teil 1

VI. Bundes-Schiessen in Neutomischel 1897 / Zeitungsanzeige

VI. Bundes-Schiessen in Neutomischel 1897 / Zeitungsanzeige

Regen, Regen, nichts als Regen !

Eifriger und besorgter haben unsere lieben Mitbürger wohl selten in das Wetter geschaut, als in der Woche, die dem VI. Bundesschießen des Schützenbundes Neumark – Posen vorausging; hing doch von dem Wetter zum wesentlichen Theil das Gelingen des so sorgsam vorbereiteten Festes ab. Aber fast schien es, als hätte der Himmel alles, was an Wolken überhaupt aufzutreiben gewesen, just nach Neutomischel berufen, um sie über der Feststadt zu entleeren:

Regen des Morgen, Regen des Mittags, Regen des Abends und sogar des Nachts !

Selbst die Muthigsten begannen zu verzagen und als auch der Freitag keine Aenderung zu bringen schien, wurde ernsthaft erwogen, ob nicht das Fest verschoben werden könnte. Aber mit dem ersten Streifen blauen Himmels, der am Freitag auftauchte, kehrte auch die Hoffnung zurück und unverdrossen rührten sich Hunderte fleißiger Hände, um der Stadt ein festliches Gepräge zu geben. Und obgleich die Anfuhr von Laub, das des strömenden Regens wegen nicht so reichlich, wie beabsichtigt gewesen, gehauen werden konnte, der Nachfrage seitens der Bürgerschaft lange nicht genügte, ist die

Ausschmückung der Stadt

doch eine überaus prächtige geworden. Schon wo die Anfahrtsstraße zum Bahnhofe in die Chaussee einmündet, ist eine Ehrenpforte mit einem mächtigen “Willkommen” errichtet und bis zur Stadt überspannen noch zahlreiche Hopfenguirlanden die Eschenallee. Die Stadt selbst ist in einen Park verwandelt; am Fahrdamm entlang und um die Märkte herum ziehen sich in ununterbrochener Reihe Tannen- und Birkenbäumchen, die Häuser zieren Guirlanden und Kränze, laubumwundene Masten, mit Guirlanden verbunden, bilden Ehrenpforten und an den Laubgewinden, die in überaus großer Zahl die Straßen überspannen, hängen bunte Tafeln mit Grüßen und Inschriften verschiedener Art.

Fahnen und Fähnchen, Banner und Wimpel in den preußischen und deutschen Farben flattern und wehen von allen Häusern; leider sind mehrfach die Farben der Fahnen nicht richtig angeordnet, man sieht weiß-schwarz statt schwarz-weiß, roth-weiß-schwarz, und sogar in einem Falle schwarz-roth-weiß, statt schwarz-weiß-roth von der Spitze an. Es bedarf wohl nur des Hinweises, daß in der Flaggensprache des Schiffsverkehrs die verkehrt gehißte Flagge, z. B. weiß-schwarz von oben statt schwarz-weiß “Meuterei an Bord” bedeutet, um unsere lieben Mitbürger zu veranlassen, die vielleicht nur in der Eile geschehenen Verwechselungen für die nächste Gelegenheit zu beseitigen.

Flaggen11

Ganz besonders schön geschmückt ist das Bundeslokal von Töffling an dem neuen Markt, das Rathhaus und die Front des C. E. Goldmann’schen Hauses. Auf den freudigen Gesichtern der Menschenmenge, die am Vorabend des Festes die Straßen der Stadt durchwogte, um die Ausschmückung anzusehen, konnte man deutlich die Befriedigung lesen die jeder über den gelungenen Schmuck empfand, und trotz des am Abend leise hernieder rieselnden Regens zog freudige Festesstimmung in jede Brust und als um 9 Uhr unsere Stadtkapelle mi dem

Zapfenstreich

die Straßen durchzog, der auf dem Markte in das herrliche “Ich bete an die Macht der Liebe” ausklang, da sah jeder voll Stolz und Zuversicht dem kommenden Feste entgegen. Am Sonntag früh um 5 Uhr ertönte der

Weckruf

und im Anschluß daran das schöne Lied “Freut euch des Lebens”. Freudig bewegt sprangen die Schläfer aus den Betten, um den ersten Blick besorgt gen Himmel zu richten. Doch, Gott sei Dank, er war zwar nicht wolkenlos, aber man konnte, doch die Hoffnung hegen, daß es wenigstens trocken bleiben würde.

Um 6 1/ Uhr traten der Empfangsausschuß und eine Abtheilung Schützen vor dem Bundeslokal an und marschierten mit Musik und der Fahne nach dem Bahnhof, um die ankommenden Schützen zu begrüßen. Unter den Klängen eines lustigen Marsches lief um 7 Uhr 16 Minuten der Zug ein; dem nahe an 200 Schützen in den verschiedensten Uniformen entstiegen; auf dem Anfahrtsplatz ordneten sie sich gildenweise zum Zuge und nachdem Herr Kannewischer einige herzliche Begrüßungsworte gesprochen, ging es unter Vorantritt der Röschke’schen Kapelle, die aber schon beim Hause ihres Dirigenten abtrat, während von da ab die vorzüglich geschulte Kapelle des Herrn Post aus Schwiebus die Führung übernahm, der Feststadt zu, wo eine frohbewegte Menge den Zug geleitete.

Man sah es den Gesichtern der fremden Schützen an, daß sie freudig überrascht werden von dem festlichen Aussehen unseres schmucken Städtchen. Nachdem vor dem Rathhaus die Fahnen abgebracht waren, wurden die Gäste zu Töfflings Hotel geleitet, wo die Wohnungskarten ausgegeben wurden.

Unterdessen rückte der Empfangsausschuß wieder unter klingendem Spiel nach dem Morzynski’schen Gasthof, wo die Schützen aus Neustadt b. P., Lentschen und Tirschtiegel eben eingetroffen waren. Nachdem ihnen Herr Ober-Steuer-Kontrolleur Linder ein herzliches Willkommen entgegengebracht hatte, marschierten auch sie vor das Rathhaus, und nach dem Abbringen der Fahnen zum Bundeslokal, um die Wohnungskarten in Empfang zu nehmen. Hier konzertirte die Post’sche Kapelle und Gäste und Einheimische saßen gemüthlich beim Frühschoppen beisammen.

Um  10 1 / 2 Uhr trat der

Bundesvorstand

im Saale des Rohlfing’schen Hottel “zum schwarzen Adler” zu einer Versammlung zusammen, um über die Bundesangelegenheiten zu berathen. Nach einer Begrüßung durch den Bundesvorsitzenden, Herrn Bürgermeister Witte, die in ein Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser aus klang, erstattete der Geschäftsführer Herr Bernhardt dem Geschäfts-, und Kassenführer Herr Bruttig den Kassenbericht. Sodann wurde über verschiedene Angelegenheiten Beschluß gefaßt und zum Festort für das nächste Bundesschießen Schwiebus gewählt.

Inzwischen ergoß sich ein furchtbarer Gewitterregen über die Stadt und Angst und Sorge beschlich so manches Gemüth, ob die Witterung wohl das schöne Fest stören würde. Aber der Himmel hatte ein Einsehen und wenn auch gegen zwei Uhr noch einige Tropfen fielen, so hellte es sich doch bald auf, um den ganzen Nachmittag schön zu bleiben. Den Glanzpunkt des Festes bildete der überaus prächtige

Herzlich-Willkommen-1Festzug

der sich gegen 2 1/2 Uhr Nachmittags, nachdem die Fahnen vom Rathhaus abgeholt waren, von der Neustädter Chaussee aus in Bewegung setzte. Voraus ritt auf stolzem Rappen ein Herold zu Pferde in prächtigem Wams und altdeutschem Hut mit wallenden Straußenfedern, sein muthiges Pferd mit vollendeter Sicherheit beherrschend.

Ihm folgte eine Abtheilung von 8 jungen Leuten in blauem Kittel und weißem, breitrandigem grünbebändertem Panamahut, über der Schulter mit Hopfenranken umwundene Stäbe tragend, was ein sehr hübsches Bild abgab und allgemein gefiel.Unter Vorantritt eine Tambour-Majors mit grüner Schärpe folgte das Musikchor des Herrn Post, dahinter in brennend rothen Jacken und Mützen drei Zieler, die von Herrn C. E. Goldmann entworfene Festscheibe und Zielerstäbe tragend. Hinter dem Kommandeur der Neutomischeler Schützengilde und seinem Adjutanten wurde die etwa 50 Jahre alte grüne Schützenfahne, geleitet von Schützen, und dahinter auf einer Stange das Stadtwappen von einem prächtig in Sammet und Seide gekleideten Herold zu Fuß getragen.

Nun kamen der Bundesverband, – der Bundeskönig ist dem Feste fern geblieben-, die Festausschüsse und dann die einzelnen Gilden in einer durch das Loos bestimmten Reihenfolge, zuletzt die einheimische. Vor jeder Gilde trug je ein Knappe in wundervollen farbenprächtigem, altdeutschem Gewande eine Tafel mit dem Namen des Heimathortes der betreffenden Gilden, die ihre Fahnen im Zuge führten. Ein zweites Musikchor war etwa vor dem letzten Drittheil des Zuges eingeschoben, der über 300 Mann stark war und 12 Fahnen mit sich führte.

Stadtwappen-4Vor dem Rathhaus wurde in zwei Zügen aufmarschiert, um die Ehrengäste abzuholen, die geführt von dem Herrn Oberstleutnant von Zawadzky und dem Herrn Landrath v. Daniels die Front abschritten und dann bei dem Bundes-Vorstand mit eintraten. Herr Bürgermeister Witte begrüßte nun die fremden Schützen und Ehrengäste in doppelter Eigenschaft, als Vorsitzender des Schützenbundes Neumark – Posen und als Oberhaupt des Festortes mit herzlichen Worten, sprach seinen Dank für das zahlreiche Erscheinen aus und hieß sie, allen ein freudiges Fest wünschend, willkommen.

Dann marschierte der Zug durch die Goldstraße nach dem alten Markt und nahm hier in einem gewaltigen Viereck um das Kriegerdenkmal Aufstellung, was ein Bild von großartiger Wirkung abgab: Gilde an Gilde gereiht in den mannigfachsten zum Theil malerischen Uniformen, überragt von den zahlreichen prächtig gestickten Fahnen.

Vor dem Denkmal hielt nun Herr Landrath v. Daniels eine schwungvolle

Rede.

Anknüpfend an die Worte des Dichters (Simon Dach, *29. Juli 1605 in Memel, + 15. April 1659 Königsberg):

“Der Mensch hat nichts so eigen,
Nichts steht ihm so wohl an,
Als daß er Treu erzeigen
Und Freundschaft halten kann!”

bezeichnete Redner die Uebung bürgerlicher Tugenden, die Pflege der Treue und Freundschaft als die Aufgabe der Schützengilden, deren Sache es nicht sei, Politik zu treiben, wenn es auch in dieser Beziehung einst anders gewesen sei und die Schützengilden mitgewirkt hätten bei der Bekämpfung unbotmäßiger Elemente. Die Pflege der Treue und Freundschaft sei ein gute Bürgschaft für die Dauerhaftigkeit der Schützengilden, zugleich auch die Quelle der Sympathien unseres Volkes für die Schützenbrüderschaften.

Treue zu erzeigen sei eine Forderung unserer Zeit, einer Zeit der Sammlung Aller, die ernstlich gewillt seien, für unsere heiligsten Güter, für die Errungenschaften großer Zeiten einzutreten. Der Mahnruf des Kaisers zur Sammlung um die Fahne der Zucht und Ordnung, des Schutzes aller nationalen Arbeit sei beherzigenswerth und von allen Patrioten mit freudiger Genugthuung begrüßt worden. Treue müsse erzeigt werden unserm Gott, unserer Religion, dem Kaiser und dem Reiche, und die Freundschaft habe dabei helfend einzutreten, und dem Schwachen, der dem Blendwerk trügerischer Verlockungen nicht zu widerstehen vermöchte, liebreich die Bruderhand zu bieten.

Indem Redner schließlich es freudig und dankbar begrüßte, daß der Schützenbund Neumark – Posen an unserem schlichten und doch so hehren Kriegerdenkmal Halt gemacht habe, um untrügliche Beweise der Treue und Freundschaft an einer Stelle zu geben, die so recht dazu geschaffen sei, uns zu mahnen an die idealen deutschen Heldengestalten, an einer idealen Weltanschauung überhaupt festzuhalten, forderte er den Bund auf, alle Zeiten eine feste Stütze von Altar und Thron zu sein und mit diesem Gelöbniß den ersten Festesgruß dem Träger der Krone, der Krone von Gottes Gnaden, unserem geliebten Kaiser und König zu bringen.

Unter “präsentirtem Gewehr” stimmten die Mitglieder des Bundes begeistert ein in den Ruf: Unser Kaiser und König, Wilhelm II. Hurrah, Hurrah, Hurrah.

Nachdem im Anschluß an diese Rede, die auf jeden einen packenden ergreifenden Eindruck machte, der erste Vers der Nationalhymne gesungen war, setzt sich der Zug wieder in Bewegung und marschierte nun durch die Posener Straße nach dem Schützenhause. Ueber die schlechte Beschaffenheit des vorher sorgfältig hergerichteten, jetzt durch den gewaltigen Regenguß des Vormittags etwas aufgeweichten Weges half der allzeit gute Schützenhumor hinweg und fröhlich strömte draußen alles den Schießständen – und dem goldenen Gerstensaft entgegen.

* * *

Fortsetzung folgt

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1897 (wie immer wurde die Schreibweise aus der Original Veröffentlichung beibehalten)

Grabsteine Friedhof Blenke – Wilhelmine Tepper

Grabstein der Wilhelmine Tepper 1859-1883 / Aufn. PM

Grabstein der Wilhelmine Tepper 1859-1883 / Aufn. PM

die

Jungfrau
Wilhelmine (vollst. Johanna Wilhelmine Emilie)
Tepper
geb. 19. November 1859
gest. 18 Februar 1883

 

Sie war als Tochter des in Blenke ansässig gewesenen Eigentümers Johann Dienegott Tepper und dessen Ehefrau Johanna Eleonore geb. Schauer geboren worden.

Ihre Geschwister waren gewesen:

  • Johanna Juliana 1851-1877,
  • Johanna Wilhelmine Caroline 1853-1853,
  • Wilhelmine Auguste 1854-1854,
  • Johann Wilhelm Heinrich 1856 später mit Bertha Emilie Paulina Weidner verehelicht und in Klein Naroznik ansässig gewesen,
  • Johann Carl Heinrich 1858 und mit Carolina Wanda Beier verheiratet, sie waren in Blenke ansässig gewesen
  • Pauline Emilie Bertha 1862 und
  • Ernst Robert 1864.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Die Zuckerfabrik in Opalenitza brennt – 10. Juni 1896

Opalenitza Zuckerfabrik – Bild: “Opalenica na dawnej pocztówce” S.33 Öffentliche Stadt- und Kreisbibliothek

Opalenitza Zuckerfabrik – Bild: “Opalenica na dawnej pocztówce” S.33 Öffentliche Stadt- und Kreisbibliothek

. . . so die Meldung im Posener Tageblatt vom 11. Juni 1896 –

“Heute früh wurde von Opalenitza aus telegraphisch gemeldet, dass dort die zweite, neuerbaute Zuckerfabrik in Brand gerathen und fast völlig niedergebrannt ist”

Mit einem weiteren Artikel des Posener Tageblattes vom 14. Juni 1896 wurde dann weiter berichtet:

“Der Brand in der Zuckerfabrik Opalenitza am 10. des Monats soll, wie wir hören , lediglich durch die Schuld eines erst seit kurzem in der Fabrik angenommenen Lehrlings die gewaltige Ausdehnung gewonnen haben.

Der Junge war, wie es heißt, allein in dem Raume, in welchem das Feuer auskam, und öffnete in seiner wegen des mit einem Male fühlbar gewordenen brenzligen Geruchs entstandenen Angst und Kopflosigkeit ein Gasrohr, daß er vielleicht für ein Wasserrohr gehalten haben mochte.

Sofort schlug eine starke Stichflamme hervor, die in ganz kurzer Zeit den Brand zu voller Entfaltung brachte, so daß jegliche Rettung des Gebäudes unmöglich war.

In seinem Gewissen bedrängt, hat der Lehrling dann bald darauf seine Schuld selbst freiwillig gestanden.”

* * *

Lesen Sie auch:

Ein Gang durch die Zuckerfabrik Opalenitza – 1898

http://hauland.de/ein-gang-durch-die-zuckerfabrik-opalenitza-1898/

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt:   Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra)

Grabsteine Friedhof Blenke – Die Brüder Hirt

Grabstein der Brüder Heinrich und Otto Hirt - Aufn. PM

Grabstein der Brüder Heinrich und Otto Hirt – Aufn. PM

Hier ruhen in Gott

Heinrich Hirt (vollst. Heinrich Wilhelm)
geb. 07. Januar 1883 zu Blenke – gest. 23 Dezember 1886 zu Blenke

und

Otto Hirt (vollst. Heinrich Otto)
geb. 08 September 1877 zu Blenke -gest. 15 Dezember 1886 zu Blenke

Sie waren die jüngsten Söhne des Eigentümers und Müllermeisters zu Blenke Johann Carl Wilhelm Hirt und dessen Ehefrau Caroline Wilhelmine Rothe gewesen.

Die jüngere Schwester der beiden

Emilie Anna Hirt
geb.11 Januar 1886 zu Blenke – gest. 31 Dezember 1886 zu Blenke

welche nur wenige Tage nach ihren Brüdern verstarb. wurde scheinbar nicht in Inschrift auf dem gefundenen Grabstein erwähnt. Nicht bekannt ist, wie die vollständige Grabstätte gestaltet gewesen ist.

Weitere Geschwister waren Carl Robert Hirt, geb. 16. Oktober 1872 – er ehelichte 1902 Amalie Martha Schneider, Maria Alwine Hirt, geb. 11 Dezember 1874 – sie ehelichte 1895 Johann Carl Gottfried Steinke, Wilhelmine Auguste Hirt, geb. 14 April 1880 – sie wiederum ehelichte 1900 Johann Ernst Gottlieb Jachmann; ein Junge welcher während der Geburt am 16 Februar 1888 verstarb und Emilie Martha Hirt, geb 10. März 1894 (von sind zur Zeit keine weiteren Daten bekannt), gewesen.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Grabsteine Friedhof Blenke – Johann Gottlieb Jaekel

Grabstein Johann Gottlieb Jaekel (1805-1875) / Aufn. PM

Grabstein Johann Gottlieb Jaekel (1805-1875) / Aufn. PM

Johann Gottlieb Jaekel war einstiger Eigentümer im Dorf Blenke gewesen. Er fand auch Erwähnung als Kirchenältester. Er war ca. 1805 als Sohn der Eheleute Christian Jaekel und der Anna Elisabeth geb. Heinrich geboren worden, er verstarb am 04. Juli 1875 in Blenke.

Nicht bekannt ist, zu wann und wo er geheiratet hatte.

Seine Frau war Wilhelmine Dorothea geb. Wohlfeil gewesen. Sie stammte aus Konitz in Westpreußen und war dort ca. 1811 als Tochter des Johann Wohlfeil und dessen Ehefrau einer geborenen Niederlage mit unbekanntem Vornamen geboren worden; sie verstarb 1877 in Blenke.

Als Kinder des Paares fanden sich in den alten Personenstandunterlagen

  • Adelheid Louise Henriette geb. ca. 1835 welche 1855 den aus Rostarzewo stammenden Johann Gottlieb Daniel Bederke heiratete
  • Johann Rudolph geb. 1840 welcher später mit seiner Cousine Bertha Louise Ernestina geborene Jaekel die Ehe geschlossen hatte,
  • Otto Reinhold Theodor geb. 1841, er war später mit Pauline geb. Lehmann verheiratet gewesen und
  • als jüngster Sohn Robert Desiderius geb. 1844, er war mit Johanna Eleonora geborene Hirsch seit dem Jahr 1873 ehelich verbunden gewesen;
  • im Jahr 1848 war ein Kinde des Paares tot geboren worden,
  • auch wurden von der 1850 geborenen Agnes Wilhelmine keine weiteren Eintragungen gefunden.

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Kurz nach Veröffentlichung des Artikels wurde schon eine 1ste Ergänzung zu den Familiendaten eingesandt – Vielen Dank an Marcus !

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Militärpflichtige und Invalidenprüfungsverfahren im Juni 1900

Der ehemalige Schwarze Adler / Ausschnitt aus AK Sammlung Wojtek Szkudlarski

Der ehemalige Schwarze Adler / Ausschnitt aus AK Sammlung Wojtek Szkudlarski

“Im Jahr 1871 dehnten die Artikel 57 ff. der Reichsverfassung die in Preußen seit 1814 geltende allgemeine Wehrpflicht auf ganz Deutschland aus. So hatte nun „jeder Deutsche“ mit vollendetem 20. Lebensjahr 7 Jahre lang dem Heer oder der Marine anzugehören. Um im Allgemeinen wissenschaftliche und gewerbliche Ausbildung so wenig wie möglich durch die allgemeine Wehrpflicht zu stören, war es jedem jungen Mann überlassen, schon nach dem vollendeten 17. Lebensjahr, wenn er die nötige moralische und körperliche Qualifikation hatte, freiwillig in den Militärdienst einzutreten.  Alle Wehrpflichtigen waren, wenn sie nicht freiwillig in die preußische Armee eintraten, vom 1. Januar des Kalenderjahres an, in welchem sie das 20. Lebensjahr vollenden, der Aushebung unterworfen (militärpflichtig). Sie hatten sich zu diesem Zwecke bei den zuständigen Ersatzbehörden regelmäßig zu melden, bis über ihre militärische Verwendung entschieden wurde, jedoch höchstens zweimal jährlich” (2)

Am Dienstag, den 29. Mai 1900 wurde im Amtlichen Teil des Kreisblattes von Neutomischel wie folgt bekannt gegeben:

Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft findet am Mittwoch, den 20. und Donnerstag, den 21. Juni im Hotel zum Schwarzen Adler in Neutomischel (Inhaber H. Niedbal) statt.

Sämmtliche vorzustellenden Militärpflichtigen fordere ich hierdurch auf, an den vorbezeichneten Tagen Morgens 6 Uhr pünktlich und im nüchternen und reinlichen Zustande auf dem Gestellungsplatze zu erscheinen und dort solange anwesend zu bleiben, bis ihre Entlassung erfolgt.

Mannschaften, welche unentschuldigt fehlen in oder trunkenen Zustande oder nicht rein gewaschen erscheinen sollten, haben ihre Bestrafung auf Grund der Regierungs-Polizei-Verordnung vom 14. Mai 1885 mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. event. verhältnismäßiger Haftstrafe zu gewärtigen.

Personen, zu deren Gunsten, Reklamationen angebracht worden sind, wie Vater, Mutter oder andere Familienangehörige, haben im Aushebungsgeschäft persönlich zu erscheinen.

Die Herren Guts- und Gemeindevorsteher oder im Behinderungsfalle deren Stellvertreter haben dem Ober-Ersatz-Geschäft, welches an jedem Tage um 8 Uhr Vormittags beginnt, beizuwohnen und insbesondere genau auf die Identität der vorzustellenden Mannschaften zu achten. Es kommen zur Vorstellung:

am Mittwoch, den 20. Juni

a.) die zur Ersatz-Reserve desiguirten Mannschaften und zwar:

  1. Schallert, Karl Hermann – Cichagora
  2. Wilk, Peter – Gronsko
  3. Roy, Friedrich Wilhelm – Neurose
  4. Lecinski, Wladislaus – Pakoslaw
  5. Enkelmann, Johann Robert Wilhelm – Paprotsch
  6. Ratajczak, Jakob – Neustadt b. P. Schloß
  7. Girndt, Friedrich Heinrich Ferdinand – Cichagora
  8. Rausch, Gustav Hermann – Glinau
  9. Gawalek, Franz – Neustadt b. P.
  10. Heckert, Johann Gustav – Groß Lipke
  11. Lauba, Martin – Neustadt b. P. Stadt
  12. Wiesner, Otto – Neustadt b. P. Stadt
  13. Piontek, Valentin – Pakoslaw
  14. Roesler, Johann Gustav – Scherlanke
  15. Rau, Paul Gustav Richard – Zinskowo
  16. Bleschke, Johann Augusta Paul – Albertoske
  17. Bielke, Johann Hermann – Brody
  18. Jagiela, Franz – Neustadt b. P.

b.) die zum Landsturm designierten Mannschaften und zwar:

  1. Gebauer, Johann Karl Heinrich – Neutomischel
  2. Schiller, Friedrich Karl – Neutomischel
  3. Müller, Paul Gustav – Kozielaske
  4. Bernhardt, Johann Karl Hermann – Paprotsch
  5. Fabian, Stephan – Witomischel Gut
  6. Michalak, Georg – Witomischel Gut
  7. Pfeiffer, Johann Karl Reinhold – Chraplewo
  8. Briese, Franz – Neustadt b. P. Schloß
  9. Schalotta, Johann Reinhold – Kozielaske
  10. Protsch, Friedrich Wilhelm – Paprotsch
  11. Szczepanski, Ignatz – Porazyn
  12. Deutschmann, Johann Paul – Tegel Strafgefängniß
  13. Hendschke, Rudolph Albert – Wengielno
  14. Gorny, Stanislaus – Glinau
  15. Stephan, Ernst Richard, Neustadt b. P.
  16. Labsch, Gustav Hermann Ferdinand – Paprotsch
  17. Gutsche, Robert Oskar – Glinau
  18. Adamczak, Andreas – Komorowo Gut
  19. Roy, Johann Karl Heinrich – Neurose
  20. Pechstein, Karl Heinrich – Glupon
  21. Opitz, Michael – Wonsowo
  22. Seide, Oswald Hermann – Zinskowo
  23. Drobnik, Mathias – Zembowo
  24. Sokolski, Georg Richard – Neutomischel

c.) die dauernd Untauglichen und zwar:

  1. Pflaum, Friedrich Wilhelm – Paprotsch
  2. Matuszewski, Berthold August – Dombrowo
  3. Müller, August Ferdinand – Glinau
  4. Konieczny, Ludwig – Pakoslaw
  5. Kaßner, Paul Ernst Karl – Neutomischel
  6. Kaczmarek, Stephan, Neustadt b. P. Schloß
  7. Jendrzejczak, Andreas – Neustadt b. P.
  8. Zeuschner, Paul Gustav – Albertoske
  9. Kuhnke, Johann Hermann Reinhold – Neutomischel
  10. Rausch, Gustav Reinhold – Neutomischel
  11. Joachim, Gustav Otto – Kuschlin
  12. Müller, Rudolph – Krummwalde
  13. Trafny, Michael – Porazyn
  14. Walor, Joseph – Wonsowo

d.) die vom Truppentheil abgewiesenen Freiwilligen,

e.) die vorläufig beurlaubten Rekruten

f.) die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften

g.) die kranken Reservisten und Wehrleute

♦ ♦ ♦

Ferner findet das Invaliden-Prüfungsverfahren statt am Donnerstag, den 21. Juni

a.) die brauchbaren Mannschaften und zwar:

  1. Köster, Friedrich – Chmielinko
  2. Drescher, Otto Paul – Blake
  3. Rudolph, Friedrich Wilhelm – Blake
  4. Szarata, Anton – Steinhorst
  5. Beder, Theophil – Brody
  6. Mania, Andreas – Brody
  7. Lange, Johann Carl Adolph – Konkolewo
  8. Jäkel, Friedrich Wilhelm – Jastrzembnik
  9. Minge, Paul – Komorowo Hld.
  10. Ratajczak, Stephan – Konin
  11. Schild, Johann Lorenz – Krummwalde
  12. Sander, Johann Ferdinand – Kuschlin
  13. Kasperczak, Michael – Michorzewo
  14. Klorek, Lorenz – Bukowiec
  15. Fleischer, Paul Otto – Konkolewo
  16. Werner, Hermann Oswald – Neutomischel
  17. Hampel, Oskar – Neustadt b. P. Stadt
  18. Joel, Martin – Neustadt b. P. Stadt
  19. Seydel, Arthur – Neustadt b. P. Stadt
  20. Weinert, Oskar Ferdinand – Neutomischel
  21. Kurtz, August Hermann – Paprotsch
  22. Lange, Wilhelm Hermann – Paprotsch
  23. Slocinski, Ignatz – Porazyn
  24. Kaczmarek, Anton – Konin
  25. Kapella, Johann – Rose
  26. Abraham, Karl Gustav – Sontop
  27. Redlich, Hermann Gustav – Wonsowo
  28. Stein, Paul Otto – Sontop
  29. Schalotta, Franz – Scherlanke
  30. Niewidzial, Franz – Wonsowo
  31. Tepper, Karl Ferdinand – Zinskowo
  32. Sauer, Ernst Reinhold – Brody
  33. Lehmann, Michael – Brodki
  34. Piontek, Theophil Hermann – Michorzewo
  35. Drange, Johann Paul Gustav – Cichagora
  36. Voigt, Albert Gustav – Scherlanke
  37. Jaeck, Bruno Hermann – Rose
  38. Horn, Johann Karl August – Julianna
  39. Jaeger, Johann August Wilhelm – Bobrowke
  40. Pieta, Albert – Neutomischel
  41. Schwang, Otto Wilhelm – Konkolewo
  42. Helmchen, August – Chmielinko
  43. Klemt, Johann – Chmielinko
  44. Minge, Johann – Gr. Lipke
  45. Müller, Ernst Richard – Neutomischel
  46. Kasperkowiak, Bronislav – Glupon
  47. Smentek, Stephan – Neustadt b. P.
  48. Gutsche, Adolf – Paprotsch
  49. Schilke, Hermann Robert – Komorowo
  50. Schulz, Gustav Adolph – Komorowo Hld.
  51. Josesek, Jakob – Konin
  52. Neumann, Ernst Karl – Konkolewo
  53. Schiller, Johann Karl Gustav – Konkolewo
  54. Paschke, Johann Andreas – Gr. Lipke
  55. Wicrzchacz, Michael – Glupon
  56. Wolski, Leon – Neustadt b. P.
  57. Niemyt, Joseph – Porazyn
  58. Welke, Karl Richard – Scherlanke
  59. Hoffmann, Karl Gustav – Sontop
  60. Kaczmarek, Joseph – Sworzyce
  61. Knispel, Ernst Friedrich Wilhelm – Wengielno
  62. Konieczny, Stephan – Witomischel Gut
  63. Eichler, Karl Reinhold – Wonsowo
  64. Buchwald, Emil Paul – Zembowo
  65. Kaczmarek, Nikolaus – Zembowo
  66. Jarmusz, Michael – Bukowiec
  67. Tomiak, Lorenz – Cichagora
  68. Gebauer, Johann Reinhold Wilhelm – Paprotsch
  69. Hensel, Paul Oskar – Zinskowo
  70. Wrzyszcz, Michael – Konin
  71. Skiba, Joseph – Steinhorst
  72. Perzynski, Valentin – Neustadt b. P.
  73. Köhler, Dienegott – Glinau
  74. Fieland, Arthur Cäsar Paul Otto – Chmielinko
  75. Dukat, Andreas – Konkolewo
  76. Krygier, Wojciech Wladislaus – Michorzewko
  77. Schostag, Gustav Wilhelm – Neutomischel
  78. Wilk, Martin – Zembowo
  79. Dluszewski, Stanislaus – Pakoslaw
  80. Hoffmann, Friedrich Karl – Sontop
  81. Reisch, Karl Robert – Neutomischel
  82. Poelchen, Reinhold Otto – Linde
  83. Fechner, Johann Samuel – Gr. Lipke
  84. Spychala, Stephan – Glupon
  85. Mettchen, Gustav – Chmielinko
  86. Koschitzke, Johann Paul – Kl. Lipke
  87. Heinrich, Paul Richard – Sontop
  88. Müller, Rudolph Ernst – Sontop
  89. Starzak, Felix – Neustadt b. P.
  90. Müller, Johann Hermann – Wymyslanke
  91. Fabian, Peter Paul – Alttomischel
  92. Schade, Gustav – Chmielinko
  93. Kubaczyk, Matheus – Chraplewo
  94. Kasper, Gustav Hermann – Scherlanke
  95. Szofer, Wojciech – Bollwitz
  96. Sauer, Heinrich Robert – Komorowo Hld.
  97. Kläbe, Karl Fritz – Chmielinko
  98. Huske, Friedrich Rudolph – Schleife
  99. Hartwig, Gustav Reinhold – Wengielno
  100. Jänsch, Karl Reinhold – Kuschlin
  101. Nowakowski, Stanislaus – Komorowo
  102. Gmerek, Johann – Brodki
  103. Lecinski, Max – Pakoslaw
  104. Schiller, Johann August – Glupon
  105. Hoffmann, Hermann – Dombrowo
  106. Neumann, Gottlieb – Chmielinko
  107. Baum, Albert Friedrich – Neutomischel
  108. Sperling, Hermann – Glinau
  109. Kaczmarek, Ignatz – Posadowo
  110. Stenschke, Johann Friedrich Wilhelm – Chmielinko
  111. Przewozny, Albert (Wojciech) – Pakoslaw
  112. Kliszko, Anton – Glupon
  113. Lotka, Ludwig – Paprotsch
  114. Medam, Friedrich – Steinhorst
  115. Kuhnke, Johann Gustav Hermann
  116. Miezal, Peter – Neustadt b. P.
  117. Fenske, Max Emil – Sontop
  118. Lüdke, Paul Reinhold – Neurose
  119. Bettge, Richard – Neustadt b. P.
  120. Kaczmarek, Franz – Brody
  121. Conrad, Ernst August Emil – Neutomischel
  122. Marsch, Gustav Adolf – Wengielno
  123. Kraft, Karl Heinrich – Paprotsch
  124. Stiehler, Gustav Hermann – Krummwalde
  125. Lehmann, Johann Friedrich August – Tarnowce
  126. Grocholewski, Joseph – Neustadt b. P.
  127. Reimann, Gotthold Bernhard – Kuschlin
  128. Jendrzejczak, Johann – Gronsko
  129. Grunwald, Karl Berthold – Zinskowo
  130. Janas, Anton – Brody
  131. Gomula, Johann – Kuschlin
  132. Ortlieb, Ernst Ferdinand – Scherlanke
  133. Pawlik, Andreas – Witomischel Gem.
  134. Roy, Paul Hermann – Paprotsch
  135. Ortlieb, Johann Paul – Witomischel Gem.
  136. Seide, Paul Reinhold – Zinskowo
  137. Koza, Andreas – Alttomischel
  138. Dudek, Stanislaus Andreas – Gerichtsgefängniß Lübben
  139. Schonski, Friedrich – Paprotsch
  140. Binder, Karl Gustav – Wonsowo
  141. Kazmierowski, Nepomucen -Bukowiec

b.) die in Zugang gekommenen Militärpflichtigen.

Neutomischel, den 28. Mai 1900

Der Civilvorsitzende der Ersatzkommission des Kreises Neutomischel

von Daniels

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Daten weiterer Musterungen unter:
Militärpflichtige und Invalidenprüfungsverfahren im Mai 1898
http://hauland.de/militaerpflichtige-und-invalidenpruefungsverfahren-im-mai-1898/

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: 1) Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1900; 2) Einleitung:https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fische_Armee

Orgelrenovierung im Jahr 1908 in Neu Tomysl

2012 - Im inneren der Herz Jesu Kirche, der früheren evangelischen Kirche zu Neu Tomysl - Aufn. PM

2012 – Im inneren der Herz Jesu Kirche, der früheren evangelischen Kirche zu Neu Tomysl – Aufn. PM

“Nachdem in unserer evangelischen Kirche an 4 Sonntagen, einer umfassenden Reparatur der Orgel wegen, der Gemeindegesang nicht begleitet werden konnte, hatten wir am letzten Sonntag (19. Juli 1908) die Freude, dieses weihevolle Instrument wieder in seiner ganzen Fülle zu hören. Mit außerordentlichem Geschick, großer Sachkenntnis und peinlichster Sorgfalt hat unser Orgelbaumeister, Herr Janott, durch Renovierung der Orgel ein durchaus modernes Kunstwerk geschaffen.

Wenn auch das äußere Gewand des Instrumentes keine wesentliche Veränderung aufweist, so ist doch der innere Ausbau nunmehr ein ganz anderer.

Aus unserer vordem “mechanisch” angelegten Orgel ist ein “pneumatisches” Instrument geworden. Dadurch ist eine wesentlich leichtere Spielart entstanden, ein bedeutender Vorteil für den Organisten und damit auch für die Gemeinde. Sechzehntel-Passagen lassen sich nunmehr mit Leichtigkeit ausführen, was früher nur mit Aufwendung der ganzen Körperkraft möglich war. Die frühere mechanische, so überaus schwerfällig Registrierung ist der pneumatischen gewichen und lassen sich nunmehr allerlei Klangeffekte herstellen, die bei der früheren Konstruktion unmöglich waren. Daher erblickt der weniger Sachkundige über den beiden Manualen die “Registertasten”, die ein leichtes Registrieren auch während des Spieles gestatten. Dazu gesellt sich noch der so überaus wirkungsvolle “Schweller”, der ein Crescendo von guter Wirkung, ein Anschwellen des Tones vom zartesten Pianissimo bis zum Brausen ganzer Tonmassen im vollen Werke gestattet. Die neu hinzugefügte Oktavkoppel erhöht noch bedeutend die Wirkung der vollen Orgel.

An Stelle der so mangelhaften “Trompete”, die eigentlich der Gemeinde bisher nur an 2 Sonntagen nach einer Reparatur zu Gehör gebracht werden konnte, ist eine tonlich dauerhafte “Violine” getreten, die mit ihrem streichenden etwas näselnden Tone Abwechselung in die Klangfarben der Orgelstimmen bringt. Es ist übrigens dieses Register der früheren Trompete so täuschend ähnlich intoniert, daß man eben eher eine Rohr- als eine Labialstimme dahinter vermutet. Neu hinzugefügt ist ferner jene zarte Aeoline, die mit ihrem hauchenden Tone in keiner modernen Orgel fehlen darf.

2012 - Im inneren der Herz Jesu Kirche, der früheren evangelischen Kirche zu Neu Tomysl - Aufn. PM

2012 – Im inneren der Herz Jesu Kirche, der früheren evangelischen Kirche zu Neu Tomysl – Aufn. PM

Wenn man bei pneumatischen Orgeln oft Klage über schwere Ansprache bezw. zu schwerfälliges Loslassen des Tones hört, so muß bekannt werden, daß es eine Errungenschaft des Herrn Janott ist, diese Fehler bis auf das möglichste Maß beseitigt zu haben. Die Ansprache läßt selbst im “Stakkato” bei voller Orgel nichts zu wünschen übrig. Neu ist auch der “Tremulant”, der bei schwacher Registrierung ein Vibrieren des Orgeltones bewerkstelligt und namentlich bei Tonstücken elegischer Stimmung mit Vorteil angewandt werden kann, und der dadurch auch ein gut Teil zur Abwechselung des musikalischen Teiles unserer Gottesdienste beitragen wird.

Alles in Allem: Die Reparatur der Orgel, bezw. deren Erweiterung ist mit derartiger Hingebung, Sachkenntnis und Sorgfalt ausgeführt, daß Herrn Janott hierfür öffentlich Dank gebührt. Geehrten Reflektanten aber möge die hiesige Orgelbauanstalt hiermit bestens empfohlen sein.”

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Bei Wikipedia ist zu finden: “Die pneumatische Spieltraktur setzte sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts langsam durch und wurde gegen Ende jenes Jahrhunderts zur wohl gebräuchlichsten Trakturart bei Orgelneubauten, besonders bei größeren Orgelneubauten.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich mehrere verschiedene Formen der Pneumatik. Ihnen allen liegt aber ein gemeinsames Prinzip zu Grunde: Die Tasten selbst betätigen nur kleine Steuerventile. Diese lassen oder entlassen die Luft durch lange, dünne Bleirohre (Bleikondukten). Damit werden weitere Bälgchen und Ventile gesteuert, die letztlich dafür sorgen, dass die Pfeifen erklingen”

Für weitere Ausführungen siehe unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Traktur

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Weitere Artikel in der Reihe des Orgelbaues und der Orgel in Neu Tomysl:

  • Das Warten auf die neue Orgel 1858-1861
    • http://hauland.de/das-warten-auf-die-neue-orgel-1858-1861/
  • Die erste Beurteilung und das erste Spiel auf der Dinse Orgel – 1861
    • http://hauland.de/die-erste-beurteilung-und-das-erste-spiel-auf-der-dinse-orgel-1861/
  • Orgelbau-Anstalt Dienegott Janott, Neutomischel, Prov. Posen
    • http://hauland.de/orgelbau-anstalt-dienegott-janott-neutomischel-prov-posen/

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908

Sherlock Holmes falsch verstande – 1908

Von Sidney Paget (1860-1908) - de.WP, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6635141

Von Sidney Paget (1860-1908) – de.WP, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6635141

Der Sattlergeselle Alfred Japke stieg durch ein Fenster in das Kontor der Koeppler’schen Getreidehandlung (Wollstein), wo er für den Jahrmarkt eine größere Summe Geldes vorhanden wußte. In der Absicht, den im Kontor stehenden Geldschrank zu erbrechen, hatte er sich mit einem Stemmeisen und einer Zange versehen; außerdem führte er ein langes, dolchartiges Messer mit sich. Koeppler wurde durch seinen Hund aus dem Schlafe geweckt, als der Einbrecher durch die offenstehende Tür in das Schlafzimmer eindrang und mit dem gezogenen Messer auf ihn zukam. Es entspann sich ein heftiges Ringen, in dessen Verlaufe Koeppler durch mehrere Messerstiche schwer verletzt wurde. Inzwischen war durch die Schwester des Ueberfallenen aus der Nachbarschaft Hilfe herbeigerufen worden. Es gelang, den Verbrecher zu überwältigen und der Polizei zu übergeben. Japke ist der Sohn des allgemein geachteten Gemeindevorstehers in Kaisertreu (Podgradowice) bei Rakwitz. Was ihn zu dieser Tat getrieben, konnte noch nicht festgestellt werden. Er selbst stellt sich als das Opfer der Scherlock-Holmes-Lektüre hin, die in ihm einen unwiderstehlichen Drange zu verwegenen Taten hervorgerufen habe.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt:
Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Das Gelände des ehemaligen evangelischen Friedhofes in Nowy Tomyśl / 2017

April 2017 - das Gelände des ehemaligen evangelischen Friedhofes / Aufn. PM

April 2017 – das Gelände des ehemaligen evangelischen Friedhofes / Aufn. PM

Liebe Leser,

seitens des derzeitigen Bürgermeisters der Stadt, Herrn Włodzimierz Hibner, startete der Aufruf zur Einsendung von “Visionen und Ideen über die Entwicklung der Stadtparzelle Reg. Nr. 284/16″ bis zum 15. Mai 2017.

Dieses ist das Areal des ehemaligen evangelischen Friedhofes, auf welchem auch der Gedenkstein zur Erinnerung der hier zur letzten Ruhe bestatteten ehemaligen evangelischen Einwohner der Stadt steht. Dieser Stein wurde seinerzeit gemeinsam von ehemaligen evangelischen deutschen und den heutigen polnischen Einwohnern der Stadt aufgestellt.

Die Geschichte des Geländes ist eine traurige, man kann fast sagen eine dramatische.

Nach dem Krieg wurden alle Grabmale abgetragen und die Regierung errichtete auf einem Teil des Geländes Garagen – dabei gefundene Gebeine wurden in einem Grab auf dem katholischen Friedhof beigesetzt.

1981 wurde auf einem weiteren Teil des Friedhofes ein Restaurant mit einer Anzahl von Parkplätzen eröffnet. Später wurde dieses zu einer Diskothek, einem SB-Warenhaus und jetzt ist dort der Supermarkt “Marienkäfer” zu finden.

Vom ehemaligen Friedhofs verblieb nur ein Restfläche von etwa 60%. Dieses Areal ist heute ein Grünfläche, welche mit alten Bäumen bestanden ist.

Durch die Bauarbeiten des Supermarktes “Marienkäfer” wurde schon tief in die Natur eingegriffen. Trotz der Zusage, dass der Baumbestand erhalten bleiben solle, hat dieser, wie sich inzwischen zeigt, sehr gelitten und es ist auch nicht erkennbar, das unterstützende Maßnahmen ergriffen werden um einem Fortschreiten des Absterbens Einhalt zu gebieten.

Die feierliche Einweihung des Gedenksteines zur Erinnerung an den ehemaligen evangelischen Friedhof / Aufn. 2003 A. Kraft

Die feierliche Einweihung des Gedenksteines zur Erinnerung an den ehemaligen evangelischen Friedhof / Aufn. 2003 A. Kraft

Auch wurden bei diesen Bauarbeiten wieder menschliche Gebeine freigelegt, welche wiederum in dem Grab auf dem katholischen Friedhof beigesetzt wurden. Weiterhin zeigte sich beim Aushub zur Errichtung einer großen Werbesäule, dass sich im Untergrund sehr gut erhaltene, aus Ziegeln errichtete, Grabbauten befinden.

Wir sind der Meinung, das auf dem verbliebenen Rest-Areal eine Grünfläche erhalten bleiben sollte. Es sollten keine weiteren Bauten errichtet werden, welche weitere Exhumierungen erforderlich machen würden.

Das Gelände könnte, dieses als eine Idee, durch Wiederherstellung alter Wege, dem Aufstellen von Bänken, vielleicht auch einiger Korbweidenskulputuren, für die die Stadt ja berühmt ist, und mit etwas Pflege zu einem Ort der Begegnung werden. Ein solches Projekt würde Mensch und Menschen mit der Natur zueinander bringen.

Inoffizielle Pläne auf dem Areal zum Beispiel einen Spielplatz einzurichten, können wir nicht unterstützen;  die Stadt verfügt zudem über einige andere Grundstücke für solche Einrichtungen. Nicht nur, dass das gesamte alte Friedhofsgelände dazu “geräumt” werden müsste, so ist es auch so, dass wir empfinden, dass für diesen Ort eine Harmonie aus und für Erinnerungen, Begegnungen und Besinnung mit einer zukünftigen Nutzung in Einklang stehen sollte.

Aufnahme des Gedenksteines, links im Bild erkennbar ein Teil der heutigen Bebauung / Aufn. PM

Aufnahme des Gedenksteines, links im Bild erkennbar ein Teil der heutigen Bebauung / Aufn. PM

Wenn Sie, wie wir es tun, für eine Erhaltung des Geländes als Naturpark votieren, ja vielleicht auch einen Vorschlag haben, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie dieses mit ein “paar Zeilen” bis zum Einreichungstermin am 15. Mai 2017 an den Bürgermeister der Stadt mitteilen würden.

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Unter dem Betreff : “Beratung – 15. Mai 2017″ kann diese/-s gesandt werden an

die E-Mail Adresse: sekretariat@nowytomysl.pl
die Postanschrift: Gemeindeamt in Nowy Tomyśl, ul. Poznańska 33, 64-300 Nowy Tomyśl.

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Vielen Dank !

Przemek Mierzejewski und Gudrun Tabbert

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  • Bilder zu den angesprochenen Bauarbeiten finden Sie mit polnischem Text unter: http://forum-nowytomysl.pl/viewtopic.php?f=69&t=1511

Dakowy Mokre – 1896 – Großfeuer …

Dakowy Mokre - Postkartenausschnitt Sammlung A. Kraft
Dakowy Mokre – Postkartenausschnitt Sammlung A. Kraft

…mit Verlust von Menschenleben !

So lautete die Meldung am 11. Juni 1896 in der Mittags-Ausgabe des Posener Tageblattes.

“Gestern (10. Juni 1896) abend brach gegen 10 Uhr auf bisher unaufgeklärte Weise in einer Scheune auf dem Dominium Dakowy Mokre Feuer aus, das so rapide um sich griff, daß in kurzer Zeit fast sämmtliche Wirthschaftsgebäude in Flammen standen.

Viel Vieh, namentlich Luxuspferde sind in den Flammen umgekommen.

Ein Wirthschaftsbeamter, der sein Reitpferd zu retten beabsichtigte, kam aus dem Stalle nicht mehr zurück und wurde heute verkohlt unter der Brandstätte gefunden.

Der Generalbevollmächtigte Herr von Karlowski, welcher die Kutschpferde retten wollte, kam zwar aus dem brennenden Stalle lebend heraus, hat aber derartige Brandwunden erlitten, daß er mit einem ebenfalls beim Brande verletzten Wirthe aus Dakowy, nach Buk gebracht wurde, wo beiden ärztliche Hilfe zu Theil wurde.

Herr von Karlowski ist unter Begleitung des hiesigen Arztes Dr. Wroblewski in ein Krankenhaus nach Posen überführt worden. An seiner Wiederherstellung zweifelt der hiesige Arzt. Der betreffende Wirth wurde im hiesigen Krankenhause untergebracht.

Der Rechnungsführer Herr Leporowski, sowie ein Nachtwächter haben ebenfalls schwere Brandwunden erhalten.”

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Die Morgen-Ausgabe selbiger Zeitung vom 14. Juni 1896 ergänzte noch am 12. Juni erhaltene Einzelheiten: “Der bei dem Feuer in Dakowy durch Brandwunden schwer verletzte Wirth Kubera ist in der vergangenen Nacht (11. Juni 1896) im hiesigen (Buk) Krankenhause nach furchtbaren Qualen verstorben.

Für das Auskommen des ebenfalls bei dem Unglück schwer verletzten Nachtwächters Milczynski – er ist hier (Buk) im Krankenhause ist sehr wenig Hoffnung vorhanden.”

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Posener Tageblatt” 1896

Schöffengerichtssitzungen Januar – Juni 1906

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes - Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte - Bild: EA

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes – Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte – Bild: EA

Nachstehend sind die Verhandlungspunkte und Urteile der Schöffengerichtssitzungen vom Januar – Juni 1906 wiedergegeben.

Entnommen wurde die Berichterstattung dem Neutomischler Kreisblatt des Jahres 1906.

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Schöffengerichtssitzung vom 10. Januar 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Eigentümer Sperling-Neuborui und Herr Bäckermeister Liepelt-Neutomischel

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Eigentümer Ignaz Freitag aus Krummwalde wurde wegen Wilddieberei zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, auch wurde auf Einziehung des Gewehrs erkannt. Der Arbeiter Anton Freitag und der Arbeiter Leo Grieger waren ebenfalls wegen Wilddieberei angeklagt, wurden aber freigesprochen
  2. Der Zimmergeselle Stanislaus Czezak, der Maurer Paschke und Minge aus Groß-Lipke waren angeklagt, den Eigentümer Christoph Heinrich daselbst gemeinschaftlich mißhandelt zu haben. Sie wurden freigesprochen
  3. Ebenfalls freigesprochen wurde die Josepha Rataiczak aus Bukowiec, die angeklagt war, dem Eigentümer Pirsch einige Ziegelsteine entwendet zu haben.
  4. Der Eigentümer J. Rozek aus Wonsowo wurde wegen Bedrohung und Körperverletzung mit 15 Mark bestraft. .
  5. Der Arbeiter Muß aus Sawade wurde wegen Arrestbruchs mit 6 Wochen Gefängnis bestraft; der Müllermeister Rudolf und Eigentümer Stein, die desselben Vergehens beschuldigt waren, wurden freigesprochen.
  6. Der Bäckermeister Kornoz aus Opalenitza und der Eigentümer Gierke aus Bukowiec hatten mit ihren Pferden getauscht, ohne im Besitz der vorschriftsmäßigen Pferde-Atteste zu sein. Sie erhielten dieserhalb Strafbefehle in Höhe von je 15 Mark, wogegen sie Berufung einlegten, wodurch sie ihre Freisprechung erzielten.
  7. In der Privatklagesache des Ausgedingers Stanislaus Kwasceniewski und Marianna Kwasceniewski zu Alttomischel gegen Gutsch kam ein Vergleich zustande.
  8. Der Ausgedinger Gottfried Pochstein zu Alttomischel wurde mit seiner Privatklage gegen die Schmiedemeisterfrau Idziak abgewiesen, desgleichen
  9. auch seine Ehefrau, die ebenfalls Klage gegen Idziak eingereicht hatte.
  10. Die Privatklagesache des Eigentümers Heinrich Wolke zu Glinau gegen den Eigentümersohn Gebauer wurde dahin erledigt, daß der letztere die Kosten übernahm, während der Kläger seine Klage zurückzog.
  11. In derselben Weise wurde auch die Privatklage des Eigentümersohns Konrad Kuß in Cichagora gegen die Arbeiterfrau Josepha Dobczinska aus Bukowiec erledigt.

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Schöffengerichtssitzung vom 24. Januar 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Kurz-Paprotsch und Reschke-Scharke.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der domizillose Eduard Heyder wurde wegen Bettelns und Widerstandes gegen die Staatsgewalt mit 2 Wochen Haft, welche als verbüßt zu erachten waren, und mit 2 Wochen Gefängnis bestraft.
  2. Das Dienstmädchen Selma May aus Sontop war des Diebstahls angeklagt, sie kam mit einem Verweise davon
  3. Der wegen Jagdvergehens angeklagte Reinhold Abraham aus Cichagora wurde freigesprochen.
  4. Reinhold Günther und Eigentümersohn Hermann Schlinke aus Cichagora waren wegen Körperverletzung angeklagt. Ersterer wurde mit 3 Mk. bestraft, letzterer dagegen freigesprochen.
  5. Die Eigentümerfrau Zeuschner und die Arbeiter Otto Kurz und Albert Fiedler aus Paprotsch waren des Diebstahls beschuldigt. Erstere wurde mit einer Woche, letztere mit je einem Tage Gefängnis bestraft.
  6. Der Eigentümer Otto Girndt aus Neuborui erhielt wegen gleichen Vergehens drei Tage Gefängnis.
  7. Der Eigentümer Albert Lischinski aus Neurose wurde wegen Sachbeschädigung zu 5 Mark Geldstrafe verurteilt
  8. Der frühere Eigentümer August Rosenau in Neuborui und dessen Ehefrau waren wegen Bedrohung und Körperverletzung angeklagt. Ersterer wurde zu 2 Wochen Gefängnis, letztere zu 5 Mark Geldstrafe verurteilt.
  9. Die Eigentümerfrau Zeuschner aus Paprotsch wurde wegen Diebstahls zu einer Woche Gefängnis und zu 5 Mark Geldstrafe verurteilt.
  10. In der Privatklagesache des Ausgedingers Gebauer aus Glinau gegen den Eigentümer Reinhold Wolke wegen Beleidigung nahm der Kläger seine Klage zurück.
  11. In einer zweiten gegen Wolke anhängig gemachten Privatklage wurde er mit 6 Mark bestraft.
  12. In der Privatklagesache Leske gegen die Witwe Bengsch zu Neutomischel wurde letztere wegen Beleidigung zu 10 Mark verurteilt, und auf deren Widerklage wurde Leske mit 5 Mark betraft.

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Schöffengerichtssitzung vom 21. Februar 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Sägner-Sempolno und Steinke-Bukowiec.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der domizillose, zurzeit hier in Untersuchungshaft sitzende Arbeiter Stuck wurde wegen Bettelns mit 3 Wochen Haft, welche als verbüßt zu erachten waren, und wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt mit 4 Wochen Gefängnis, welche noch zu verbüßen sind, bestraft.
  2. Gegen den Fischer Martin Gorny aus Kosten war ein Strafbefehl in Höhe von 3 Mk. wegen unberechtigten Fischens erlassen worden. Durch seine Berufung erzielt er in heutiger Verhandlung seine Freisprechung.
  3. Der Maurer Joseph Hampel aus Wonsowo wurde wegen Diebstahls zu einem Tag Gefängnis verurteilt.
  4. Die Eigentümerfrau Martha Roy aus Paprotsch wurde wegen begangener Mißhandlung und Beleidigung zu einer Gesamtstrafe von 30 Mk. verurteilt.
  5. Der Eigentümer Dienegott Roy aus Scherlanke hatte sich beim Antritt seines Knechtes nicht dessen Entlassungsschein vorzeigen lassen und deswegen einen Strafbefehl erhalten. Seinen hiergegen erhobenen Einspruch zog der Genannte heute wieder zurück.
  6. Der Knecht August Rosenau aus Glinau hatte ebenfalls richterliche Entscheidung wegen eines erhaltenen Strafbefehls in Höhe von 10 Mk. beantragt, den er dadurch verwirkt hatte, daß er sich, ohne vorher seinen Dienst zu kündigen, anderweit vermietete. Auch er zog seinen Einspruch wieder zurück.
  7. Der Arbeiter Joseph Pawlicki aus Bolewitz wurde, weil er zu dem diesjährigen Musterungsgeschäft nicht erschienen war, auf Grund der Wehrordnung mit einer Mark bestraft.
  8. Der Eigentümer Stephan Majorek aus Neufeld hatten gegen einen Strafbefehl in Höhe von 5 Mk. Einspruch erhoben; er wurde freigesprochen.
  9. Der Eigentümer Joseph Czaplicki aus Groß-Lipke wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 10 Mk.verurteilt.
  10. Das Dienstmädchen Auguste Kurz aus Glinau hatte einen Strafbefehl erhalten, weil sie den bei dem Eigentümer Bielke-Glinau angenommenen Dienst nicht angetreten hatte. Sie wurde freigesprochen, weil sie bei der ersten Herrschaft nicht gekündigt hatte.
  11. Der Häusler Joseph Janelt aus Klein-Lipke war des Hausfriedensbruches und der Beleidung angeklagt. Wegen des ersteren Vergehens wurde der Angeklagte freigesprochen, wegen Beleidigung aber mit 3 Mark bestraft.
  12. In der Privatklagesache Blank gegen Emma Schäfer zu Scherlanke und gegen Ferdinand Müller ebenda nahm Ersterer die Klage zurück.
  13. In der Privatklagesache des Vogts Reinhold Kries aus Wonsowo gegen die Arbeiterin Woitkowjak ebenda wurde die Angeklagte mit 6 Mark bestraft.

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Schöffengerichtssitzung vom 07. März 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Eigentümer Förster-Konkolewo und Herr Sattlermeister Lehmann-Neutomischel.

Es wurden folgende Sachen verhandelt:

  1. Der Abdecker Karl Kempe aus Neutomischel war des Betrugs in mehreren Fällen angeklagt und wurde mit 50 Mark bestraft.
  2. Der Eigentümer Franz Münge aus Witomischel wurde wegen Mißhandlung seines Dienstjungen mit einer Strafe von 3 Mark belegt.
  3. Joseph Blankowiak und Johann Lissek aus Witomischel wurden wegen Jagdvergehens zu je 30 Mark verurteilt, auch wurde auf Einziehung des Gewehres erkannt.
  4. Der Eigentümer Franz Zeidler aus Grudno hatte sich der Körperverletzung schuldig gemacht und wurde dieserhalb zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt.
  5. Der Arbeiter Gottlieb Weber aus Scherlanke erhielt wegen Mißhandlung und Bedrohung eine Geldstrafe von 10 Mk.
  6. Der Fleischer Albert Starnatzki aus Kirchplatz Borui hatte Fleisch in den Handel gebracht, das nicht vorschriftsmäßig besichtigt war und hatte außerdem den dortigen Fleischbeschauer beleidigt. Es traf ihn eine Gesamtstrafe von 40 Mark.
  7. Der Rentenempfänger Otto Kurz aus Paprotsch wurde zu einer Geldstrafe von 20 Mark verurteilt, weil er die Eigentümerfrau Zeuschner mißhandelt hatte.
  8. Gustav Rose hatte sich nicht rechtzeitig angemeldet und dieserhalb einen Strafbefehl von 3 Mark erhalten, wogegen er Berufung eingelegt hatte, welche verworfen wurden
  9. Es sind angeklagt: 1. Eigentümer Otto Girndt aus Neuborui, 2. Altsitzerin Johanna Girndt, 3. Altsitzer Wilhelm Girndt, 4. August Rosenau, 5. Emilie Rosenau, 6. Oskar Rosenau und 7. Arbeiter Heinrich Rosenau wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und außerdem 4.-7. des Diebstahls an Feldfrüchten. Dieselben wurden sämtlich freigesprochen mit Ausnahme des Heinrich Rosenau, welcher wegen Beleidigung des Gendarmen mit 40 Mark bestraft wird, an deren Stelle im Nichtvermögensfalle eine Haftstrafe von 8 Tagen tritt.

* * *

Schöffengerichtssitzung vom 21. März 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Besitzer Sperling-Konkolewo und Herr August Roy-Paprotsch.

Es kamen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Buchbindergehülfe Starczek hat seinem Chef Konrad Seeliger verschiedene Gegenstände entwendet und wurde deshalb mit 5 Tagen Gefängnis bestraft.
  2. Der Knecht Johann May aus Glinau hatte die Dienstmagd Krug beleidigt. Es traf ihn eine Strafe von 10 Mark event. von 2 Tagen Gefängnis.
  3. Romberke aus Scherlanke hatte einen Strafbefehl erhalten, weil er seine Tochter nicht zum katholischen Religionsunterricht geschickt hat. Gegen diesen Strafbefehl hatte er Berufung eingelegt, die er heute wieder zurückzog.
  4. Otto Hecke hatte einen Strafbefehl erhalten, weil er Schriftstücke gegen Bezahlung angefertigt hatte, wozu ihm die gesetzliche Erlaubnis fehlte. Gegen diesen Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben, den er vor Eintritt in die Verhandlung zurückzog.
  5. Die Köchin Josepha Schubert aus Witomischel hatte rechtswidrig ihren Dienst verlassen und deshalb einen Strafbefehl in Höhe von 15 Mark erhalten, wogegen sie Berufung einlegt. Nach verhandelter Sache traf sie eine Strafe von 15 Mark.
  6. Die Handelsfrau Auguste Wendenburg und deren schulpflichtige Tochter Gertrud waren der Hehlerei beschuldigt, wurden aber freigesprochen.
  7. Die Privatklagesache des Karl Becker aus Scherlanke gegen Gustav Gärtner aus Neutomischel endete damit, daß der Kläger mit seiner Klage abgewiesen wurde.
  8. In der Privatklagesache der Holzhändlerfrau Gallas aus Paprotsch gegen den Eigentümer Otto Tepper ebenda nahm erstere die Klage zurück, letzterer übernahm die Kosten.
  9. In der Privatklagesache des Handelsmanns Lukas gegen den Schmiedemeister Reinhold Rex aus Friedenwalde zog ersterer seine Klage zurück.

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Schöffengerichtssitzung vom 04. April 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Bäckermeister Liepelt-Neutomischel und Herr Besitzer Kurz-Paprotsch.

Es wurden folgende Sachen verhandelt:

  1. Der Altsitzer Weber in Kl.-Lipke hatte einen Strafbefehl von 3 Mk. erhalten, weil er dem Eigentümer Maczyewicz Aeste von dessen auf der Grenze stehenden Bäumen abgeschnitten haben soll. Gegen diesen Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben, welcher aber verworfen wurde.
  2. Der Knecht Franz Mrowka aus Wonsowo hatte wegen Uebertretung der Gesinde-Ordnung einen Strafbefehl erhalten, gegen den er Widerspruch erhob. Nach verhandelter Sache wurde die Strafe auf 5 Mark belassen.
  3. Die Schüler Joseph Nawrocki und Valentin Hoinisch aus Neutomischel waren des Geflügeldiebstahls beschuldigt; wegen ihrer Jugend wurde auf einen Verweis erkannt. Wegen Hehlerei in derselben Sache war gegen die Handelsfrau Emilie Bielke Strafantrag gestellt, die Angeklagte wurde aber freigesprochen.
  4. Der frühere Eigentümer August Rosenau II aus Neuborui wurde wegen Beleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu einer Gesamtstrafe von 3 Wochen Gefängnis verurteilt.
  5. Der Handelsmann August Kluge aus Neuborui wurde wegen Körperverletzung zu 20 Mark oder 4 Tagen Gefängnis verurteilt.
  6. Der Maurer Franz Misch aus Alttomischel wurde wegen Diebstahls mit 5 Tagen Gefängnis bestraft.
  7. In der Privatklagesache des Schuhmachers Simon zu Kirchplatz gegen die Malerfrau Zybulla ebenda wegen Beleidigung wurde letztere mit 5 Mark bestraft.
  8. In der Privatklagesache des Altsitzers Stanislaus Kwasniewski zu Alttomischel gegen die Eigentümerfrau Kurz wegen Beleidigung wurde der Kläger kostenpflichtig abgewiesen.
  9. -
  10. Der Eigentümersohn Otto Zithier in Albertoske hat die Eigentümerfrau Wilhelmine Fenske wegen Beleidigung verklagt. Die Frau traf eine Strafe von 10 Mark.
  11. Die Privatklagesache des Maurers Günzel zu Konkolewo-Hauland gegen die Eigentümerfrau Schwang ebenda wegen Beleidigung endet mit der Verurteilung der Frau zu einer Strafe von 20 Mark oder 4 Tagen Gefängnis.
  12. Die Privatklage des Häuslers Wojciech Korbaneck in Bolewitz gegen den Eigentümer Stefan Kaczmarek und dessen Ehefrau wegen Beleidigung wurde vertagt.

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Schöffengerichtssitzung vom 18. April 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Eigentümer Herr Berthold Roy aus Glinau und Herr Reschke aus Scharke.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Eigentümer Wilhelm Schulz aus Grudno war angeklagt, durch sein Fuhrwerk der Frau Gutsch den Weg versperrt zu haben. Er wurde freigesprochen.
  2. Der Arbeiter Stefan Wijrwal aus Witomischel wurde wegen Beleidigung des Lehrers Wibiralski zu einer Strafe von 40 Mark verurteilt
  3. Der Knecht Reinhold Sucka aus Neutomischel wurden wegen Unterschlagung eines Hahns zu einem Verweise verurteilt. Der Schuhmacher Karl Kahl, der den Hahn von dem Knecht kaufte, war der Hehlerei angeklagt und wurde mit einem Tage Gefängnis bestraft.
  4. Der Eigentümer Ferdinand Redlich und Arbeiter Gottlieb Wald aus Paprotsch haben sich der Körperverletzung schuldig gemacht; Redlich bekam eine Woche, Wald 4 Wochen Gefängnis.
  5. Der Landwirt August Rosenau II aus Neu-Borui erhielt wegen Arrestbruchs 1 Woche Gefängnis.
  6. Der Schlossergeselle Michael Giercyk und der Maschinenhändler Vincent Adamczak, beide aus Opalenitza, waren wegen versuchten Betrugs angeklagt. Sie wurden freigesprochen.
  7. Die Privatklage des Eigentümers Werner aus Neurose gegen Frau Kruschel wurde durch Vergleich erledigt.

* * *

Schöffengerichtssitzung vom 09. Mai 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, als Schöffen fungierten die Herren Saegner-Sempolno und Ortsschulze Gebauer-Scherlanke.

Es kamen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der zur Zeit hier inhaftierte Schuhmacher August Schneider wurde zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er sich des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung schuldig gemacht hatte.
  2. Der Knecht Richard Bunk aus Friedenwalde war der Sachbeschädigung und der Uebertretung des §366 angeklagt. Er wurde mit 5 Mark bestraft.
  3. Der Arbeiter Vincent Dremmel aus Grudno wurde wegen Körperverletzung mit 20 Mark bestraft.
  4. Den Altsitzer August Bläsing aus Neuborui traf eine Geldstrafe von 10 Mrk, weil er seinen Schwiegersohn Deutschmann mißhandelt hatte.
  5. Der Eigentümer Wilhelm Franke aus Neuborui erhielt 1 Tag Gefängnis wegen Diebstahls.
  6. Das Dienstmädchen Agnes Wilke aus Grätz wurde wegen Diebstahls zu 1 Tag Gefängnis verurteilt.
  7. Die Eigentümerfrau Kucz war der Uebertretung beschuldigt, wurde aber freigesprochen.
  8. Der Arbeiter Franz Piatkowski aus Bukowiec wurde wegen Hausfriedensbruchs mit 20 Mark bestraft.
  9. Die Privatklage Klose gegen Gastwirt Adam-Konkolewo wurde durch Vergleich erledigt
  10. In der Privatklagesache des Handelsmanns Kluge-Neuborui gegen den Eigentümer Heinrich Leske wurde letzterer mit 20 Mark bestraft.
  11. Die Privatklage des Gemeindevorstehers Reschke-Scharke gegen den Eigentümer Löchelt II wurde vertagt.

* * *

Schöffengerichtssitzung vom 23. Mai 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Steinke-Bukowiec und Herr Heinrich-Sontop.

Es kamen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Stellmacher Franz Kupczyk, der Arbeiter Valentin Kupczyk und der Arbeiter Stanislaus Nowak waren angeklagt, den Arbeiter Drag aus Bukowiec mißhandelt zu haben. Der erstere wurde mit 10 Mk., die beiden letzteren mit je 20 Mk. belegt.
  2. Die Schüler Joseph Nawrocki und Valentin Henicz aus Neutomischel wurden wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mit einem Verweise bestraft.
  3. Die Eigentümerfrau Auguste Zeuschner aus Paprotsch traf eine Strafe von 10 Mk. wegen Hausfriedensbruches.
  4. Der Arbeiter Andreas Piechota aus Paprotsch und dessen Ehefrau waren wegen gemeinschaftlichen Betruges angeklagt. Ersterer wurde freigesprochen, letztere zu einem Monat Gefängnis verurteilt.
  5. Der Knecht Wilh. Weimann aus Paprotsch hatte einen Strafbefehl von 10 Mk. erhalten, weil er seinen Dienst verlassen hatte, ohne dazu berechtigt zu sein. Er hatte Einspruch erhoben, den er aber wieder zurückzog.
  6. Der Arbeiter Paul Müller aus Klein-Lipke erhielt wegen Kaninchen-Diebstahls einen Tag Gefängnis.
  7. Die vier Dienstjungen Bruno Joachim, Krause, Otto Ey und Otto Dach aus Friedenwalde hatten Strafbefehle erhalten, weil sie groben Unfug verübt haben sollten. Sie hatten richterliche Entscheidung angerufen und erzielten ihre Freisprechung.
  8. Die Schülerin Anna Marchewka aus Züllichau wurde wegen Diebstahls mit einem Verweise bestraft.
  9. Der Arbeiter Karl Schmidt aus Friedenwalde hatte die Briefträgerfrau Meißner mit dem Verbrechen des Totschlags bedroht und wurde deswegen mit einer Woche Gefängnis bestraft.
  10. Eine Privatklage wurde zurückgewiesen, weil der Kläger nicht zum Termin erschienen was; eine zweite Privatklage wurde durch Vergleich erledigt.

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Schöffengerichtssitzung vom 06. Juni 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Roy-Paprotsch und Herr Förster-Konkolewo.

Es kamen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Ausgedinger Wilhelm Kuß in Schichagroa war angeklagt, dem Eigentümer Fischer mehrere Erlen beschädigt zu haben, er wurde dieserhalb mit 10 Mk. bestraft.
  2. Der Knecht Wilh. Franke aus Neutomischel wurde mit zwei Wochen Gefängnis bestraft, weil er dem Schneidermeister Schirmer zwei Paar Hosen entwendet hatte.
  3. Der Eigentümer Wilhelm Seide aus Friedenwalde hatte seine Mutter und seine Stiefschwester beleidigt. Es traf ihn eine Strafe von 15 Mk.
  4. Der Ausgedinger Valentin Marchewka in Wonsowo war des Jagdvergehens angeklagt. Er wurde zu einer Strafe von 30 Mk. verurteilt, auch wurde auf Einziehung des Gewehres erkannt.
  5. Die Handelsleute Koza, Perz und Kandula aus Bukowiec waren angeklagt, den Handelsmann Tonke aus Zielenzig beim Viehhandel betrogen zu haben. Koza wurde allein schuldig befunden und mit 50 Mk. bestraft.
  6. Der Eigentümer August Steinborn aus Neurose hatte einem Gehilfen des Schornsteinfegermstr. Jeenicke das Reinigen des Schornsteins verweigert und dieserhalb einen Strafbefehl von 10 Mk. erhalten, gegen den er Einspruch erhob. Nach verhandelter Sache wurde die Strafe wieder auf 10 Mk. festgesetzt.
  7. Der Arbeiter Paul Weimann aus Paprotsch wurde wegen Vergehens gegen fremdes Eigentum zu drei Tagen Gefängnis verurteilt.
  8. Der Knecht Wilh. Weimann aus Paprotsch bekam 14 Tage Arrest, weil er seinen Brotherrn mißhandelt hatte.
  9. Der Handelsmann Wandke aus Neutomischel hatte Privatklage erhoben gegen den Handelsmann Wendenburg wegen unlauteren Wettbewerbes. Der Beklagte wurde mit 6 Mk. bestraft.
  10. Der Gastwirt Oskar Richter hatte den Arbeiter Bielke aus Blake mißhandelt und wurde deshalb mit einer Strafe von 5 Mk. belegt.
  11. In der Privatklagesache des Gemeindevorstehers Reschke gegen Löchelt in Scharke wurde der Beklagte wegen Beleidigung mit 50 Mk. und dessen Gegenklage auf erstere mit 10 Mk. bestraft.
  12. Die Privatklagen Sauer gegen Grünberg in Sempolno und Kaczmarek gegen Korbanek wurden vertagt.

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Schöffengerichtssitzung vom 20. Juni 1906  – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Bäckermeister Liepelt-Neutomischel und Herr Eigent. Sperling-Neuborui

Es kamen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der frühere Eigenthümer Gustav Pohl in Glinau wurde wegen Holzdiebstahls zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.
  2. Der Schuhmacher August Winkler aus Glinau hatte gegen einen Strafbefehl, den er wegen Uebertretung des §361 Abs. 8 des St.-G.-B. erhalten hatte, Einspruch erhoben und erzielte seine Freisprechung.
  3. Der Eigentümer Gustav Meißner aus Scherlanke und sein Sohn waren des Jagdvergehens angeklagt. Nach verhandelter Sache wurden sie freigesprochen.
  4. Der Eigentümer Müller aus Neuborui erhielt wegen Entwendung von Hopfenstangen 3 Tage Gefängnis.
  5. Der Eigentümer Joseph Czaplitzki aus Großlipke war des Jagdvergehens angeklagt, wurde aber freigesprochen.
  6. In der Privatklagesache des Eigentümers Ferdinand Siegismund zu Sontop gegen den Lehrer Karl Lehmann daselbst, wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechts wurde letzterer freigesprochen und dem Privatkläger die Kosten auferlegt.
  7. In der Privatklagesache Kitzelmann gegen Wende in Albertoske wurde der Beklagte mit 6 Mark bestraft.

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Quelle: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel 1906 / Ausgaben Januar – Juni

Feuer am Neuen Markt in Neutomischel – 1906

Die Familie des Schornsteinfegers Jeenicke vor ihrem Haus, vermutlich aufgenommen kurz vor dem Brand / Bild: A. Kraft

Die Familie des Schornsteinfegers Jeenicke vor ihrem Haus, vermutlich aufgenommen kurz vor dem Brand / Bild: A. Kraft

“Am vergangenen Freitag (02.03.1906), abends gegen 8 Uhr” so berichtete das Neutomischeler Kreisblatt am 06. März 1906, “brach in dem Hintergebäude des Tischlermeisters Herrn Kubel am Neuen Markt Feuer aus, das rasch das Vorderhaus ergriff und auch dieses sowie das angrenzende Wohnhaus der Frau Goldmann in Asche legte.

Bei dem herrschenden Wind und bei der Bauart der alten, mit Pappdach bedeckten Hausgrundstücke war die Gefahr nahe, daß die ganze Häuserreihe dem verheerenden Element zum Opfer fallen würde. Die Bewohner dieser Grundstücke hatten deshalb ihre Habe auf den Marktplatz gestellt oder bei Bekannten untergebracht.

Trotz der angestrengtesten Tätigkeit der Feuerlöschmannschaften, die das Dach des dem Schornsteinfegermeister Herrn Jeenicke gehörenden Hauses und später auch teilweise das Schwedler’sche Ziegeldach abdeckten und gewaltige Wassermassen in die brennenden und gefährdeten Häuser mittels der aufgestellten Spritzen hineinschleuderten, wäre wahrscheinlich alle aufgewendete Mühe vergeblich gewesen, wenn sich der Wind nicht etwas nördlicher gedreht und die züngelnden Flammen mehr nach dem Markte getrieben hätte.

Das Jeenicke’sche Grundstück hat infolgedessen durch das Feuer nicht allzusehr gelitten, dahingegen ist es durch das Einreißen des Daches und die großen Wassermengen auch stark beschädigt.

Der Giebel des auf der andern Seite belegenen Hausgrundstücks des Schmiedemeisters Herrn Lüdke hat durch kolossale Hitze einen Riß erhalten.

Die Entstehungsursache ist bisher noch nicht aufgeklärt. Der entstandene Schaden ist durch Versicherung nur teilweise gedeckt.”

Blick auf die nordwestliche Ecke des ehem. Neuen Marktes wo seinerzeit das Feuer wütete / Bild: Przemek Mierzejewski

Blick auf die nordwestliche Ecke des ehem. Neuen Marktes wo seinerzeit das Feuer wütete / Bild: Przemek Mierzejewski

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1906

Steckbrief: Paul Friedrich Wilhelm Tepper – 1875

Der Steckbrief aus dem Jahr 1875

Der Steckbrief aus dem Jahr 1875

In der 10ten Ausgabe des Oeffentlichen Anzeigers des Amts-Blatts der Königlichen Regierung zu Stralsund vom 11. März 1875 fand sich nachstehender Steckbrief:

“Der unten näher bezeichnete Schlächtergeselle Paul Friedrich Wilhelm Tepper aus Chwalim bei Unruhstadt, Kreis Bomst, welcher sich wegen verschiedener schwererer Diebstähle in Untersuchung befindet, ist in der Nacht vom 28. Februar zum 1. März aus dem Gefängnis zu Swinemünde entsprungen.

Es wird ersucht, den bez. Tepper im Betretungsfalle festzunehmen und mit allen bei ihm sich vorfindenden Gegenständen an unser Kreis-Gerichts-Gefängnis abzuliefern.

Anklam, den 1. März 1875 – Königliches Kreisgericht, I. Abtheilung”

Beschreibung:

  • Alter 28 Jahre,
  • Geburtsort: Neu-Tomysl,
  • Größe: 5 Fuß,
  • Haare: blond,
  • Augen: blau,
  • Augenbrauen: blond,
  • Nase und Mund: gewöhnlich,
  • Gesichtsbildung: oval,
  • Gesichtsfarbe: blaß,
  • Kinn: rund,
  • Zähne: vollständig;
  • Gestalt: mittel,
  • Sprache: deutsch.
  • Besondere Kennzeichen: fehlen,
  • Bekleidung: schwarzgraumelierte Hose, dito Weste und Treuer

* * *

Sein Vater war Johann Wilhelm Tepper, Bürger und Bäckermeister in Neu Tomysl und späterer Gastwirth zu Chwalim, dieser war 1820 in Sontop geboren worden und hatte 1841 die Ehe mit Ernestine Amalie  Drescher einer Bürger- und Tuchfabrikanten Tochter aus der Stadt geschlossen.

Die Kinder des Paares waren:

1843 Ernst Wilhelm Carl, 1845 Gustav Adolph, 1847 Paul Friedrich Wilhelm, 1851 Maria Emilie Mathilde, 1854 Elisabeth Amalie, 1856 Albertine Lucilie Bertha, 1859 Anna Maria Ida, 1861 Carl Gustav, 1864 Albertine Emma – sie verstarb noch im selben Jahr

Im Jahr 1869 war die letzte Aufzeichnung zu dieser Familie mit der Eheschließung des ältesten Sohnes Ernst Wilhelm Carl im Gebiet Neu Tomysl’s und der Umgebung zu finden.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Stralsund 1875; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Fahrradunfall der Anna Grätz / 1908

Die ehem. Bahnhofstraße - Postkarte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Die ehem. Bahnhofstraße – Postkarte Sammlung Wojtek Szkudlarski

“Am Dienstag (15. Dezember 1908) abend geriet in der Bahnhofstrasse eine Radfahrerin namens Anna Grätz (18 Jahre) aus Wiosker-Hauland (ca. 20 km von Neutomischel entfernt), Stieftochter des Eigentümers Karl Lukas daselbst, unter die Räder eines Lastwagens, sodaß die Bedauernswerte nicht unerheblich verletzt wurde und dem hiesigen Krankenhaus mittels Tragkorbes zugeführt werden mußte.

Die Verletzungen sind meistens Quetschwunden und keine Knochenbrüche und sollen, wie wir hören, glücklicherweise nicht ernsterer Natur sein, sodaß die Verunglückte schon in den nächsten Tagen aus dem Krankenhause entlassen werden dürfte.

Den Kutscher soll keine Schuld treffen, vielmehr ist anzunehmen, daß die Radlerin bei dem Versuche, zwischen dem Wagen und dem Rinnstein vorüberzufahren, infolge der Glätte mit dem Rade ausgeglitten ist und dabei unglücklicherweise unter den Wagen fiel.”

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Anna Augusta Grätz wurde geboren am 02. März 1891 als Tochter der Eigentümer-Wittwe Johanna Augusta Juliane Grätz geborene Kutzner zu Wiosker Hauland, welche 1893 die Ehe mit Friedrich Carl Robert Lucas aus Alt Boruy schloss.

* * *

Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Falscher Verdacht / 1908

Rudnik Ortsdurchfahrt; rechts Mauer zum Areal des alten Herrenhauses von Andrzeja und Władysława Niegolewskich, welches heute eine Schule ist / Bild: EF

Rudnik Ortsdurchfahrt; rechts Mauer zum Areal des alten Herrenhauses von Andrzeja und Władysława Niegolewskich, welches heute eine Schule ist / Bild: EF

Am 28. August 1908 berichtigte das Neutomischeler Kreisblatt:

“Bei Gastwirt Ignatz Filipowski (verehelicht gewesen mit Stanislawa geborene Röhr) in Rudnik kehrte ein Landstreicher ein, trank eine Limonade und entfernte sich hierauf.

Gegen 6 Uhr nachmittags bemerkte ein im Gasthause weilender Gast, wie der Schober des Filipowski, welcher unweit des Gehöftes steht, von demselben Landstreicher in Brand gesetzt wurde. Der Strolch, namens Johann Gajewski, ist sofort auf frischer Tat verhaftet und nach dem Königlichen Amtsgericht zu Grätz überführt worden. Gajewski will russischer Staatsangehöriger sein.”

Es dauerte bis zum Oktober des Jahres 1908 ehe sich aufklärte, dass der bei der Brandstiftung beobachtete und auf frischer Tat verhaftete “Landstreicher” Johann Gajewski mit der Brandstiftung nichts zu tun hatte und aus der Haft entlassen werden konnte; es fand sich kein Hinweis auf ein Bedauern, noch dahingehend, dass die falsche Beschuldigung in irgendeiner Weise verurteilt wurde.

* * *

In der Ausgabe des 13. Oktober des Jahr 1908 fand sich nachfolgende kurze Berichterstattung, in welcher die tatsächlichen Umstände zum Hergang der Brandstiftung geschildert wurden:

*Seine Aufklärung hat der am 18. August d. Js. bei dem Gastwirt Filipowski in Rudnik stattgefundene Strohschoberbrand gefunden.

Wie seinerzeit berichtet, wurde der Landstreicher Gajewski als mutmaßlicher Brandstifter in Haft genommen, der sich auch jetzt noch in Untersuchungshaft befindet.

Nunmehr hat die bis zum 1. Oktober bei Filipowski bedienstet gewesene Magd Sophie Nowacka nach vorherigem ernstlichen Verhör ein Geständnis abgelegt, worin sie zugab, den Brand aus Rache gegen ihren Brotherrn, der sie wegen Diebstahls zur Anzeige gebracht und weswegen sie zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt wurde, angelegt zu haben.

Einen Brief, worin sie ihre Verfehlungen u. a. auch die von ihr begangene Brandstiftung, zum Zwecke der kirchlichen Beichte niedergeschrieben hatte, den sie aber bei ihrem am 1. Oktober erfolgtem Umzuge vergessen hatte und der nunmehr bei Filipowski gefunden wurde, hatte ihre zunächst erfolgte verantwortliche Vernehmung und demnächstige Verhaftung zur Folge.

Der bis jetzt in Untersuchungshaft gehaltene Gajewski wird nunmehr seine Entlassung erwarten können.”

* * *

 Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Badeunfall des Stanislaus Nawrot – 1908

Alte Strasse von Alttomischel nach Wytomysl - Postkartenausschnitt

Alte Strasse von Alttomischel nach Wytomysl – Postkartenausschnitt

Das Neutomischeler Kreisblatt berichtete wie folgt:

“Alttomischel – Als am Montag (27. Juli 1908) abend mehrere Maurer nach Feierabend in dem nach Witomischel zu gelegenen Teiche ein Bad nehmen wollten, ertrank der zuerst von ihnen in das Wasser stürzende 17 jährige Maurerlehrling Nawrot von hier vor den Augen seiner Arbeits-Kollegen.

Herr Pflaum jr. aus Neutomischel, welcher in demselben Teiche badete, bemühte sich, leider vergebens, den jungen Mann zu retten. Erst Dienstag (28. Juli 1908) früh wurde die Leiche geborgen.”

Unter der No. 96 in den Aufzeichnungen des Standesamtes zu Neutomischel wurde der viel zu frühe Tod des Stanislaus Nawrot wie folgt notiert:

“Zufolge Mitteilung des Königlichen Distriktsamtes zu Neutomischel vom 5. August 1908 J No. 2954/08 ist heute eingetragen worden, daß der Maurergeselle Stanislaus Nawrot, ledig, 18 Jahre alt, katholischer Religion, wohnhaft in Wonsowo Kreis Neutomischel, geboren zu Wonsowo, Sohn des Eigentümers Stanislaus Nawrot und seiner Ehefrau Franziska geborenen Kucz, beide wohnhaft in Wonsowo, zu Alttomischel in dem Karpfenteiche, am siebenundzwanzigsten Juli des Jahres tausendneunhundert und acht, nachmittags um acht Uhr tot aufgefunden worden ist.

Über den Todesfall hat eine amtliche Ermittelung stattgefunden”

* * *

Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Tragischer Unfall des Jacob Werner – 1908

Pferde auf dem ehemaligen Gut zu Sliwno / Postkartenausschnitt

Pferde auf dem ehemaligen Gut zu Sliwno / Postkartenausschnitt

In den Standesamtsunterlagen von Sliwno findet sich unter der No. 30 vom 2ten October 1908 nachfolgender Eintrag:

“Auf Mitteilung des königlichen Distrikts Amtes Opalenitza ist heute eingetragen worden, daß der Pferdeknecht Jacob Werner, katholischer Religion, Ehemann der Valentine geborene Osińska, wohnhaft zu Sliwno, geboren zu Buszewo am dreiundzwanzigsten (lt. Geburtseintrag wurde er am 13. geboren) Juli 1873, Sohn des verstorbenen Arbeiters Paul Werner und dessen zu Albrechtshof noch lebenden Ehefrau Marianna geborene Kazmierczak, am achtundzwanzigsten September 1908 abends neun Uhr zu Sliwno gestorben ist.”

Im Kreisblatt von Neutomischel wurde wenige Tage später über den überaus tragischen Unfall, der zum Tod des Jacob Werner führte berichtet:

“Der Nachtwächter Dobierzyn stieg dieser Tage auf einer Leiter auf den über den Pferdestall befindlichen Heuboden. Als er oben anlangte, verlor er das Gleichgewicht und fiel auf den Pferdeknecht Jakob Werner, der in diesem Augenblick aus dem Pferdestall kam.

Durch den Anprall stürzte Werner auf das Steinpflaster und zog sich hierbei einen Wirbelbruch und eine Kopfwunde zu, an deren Folgen er bereits verstorben ist.”

* * *

Jacob Werner war verehelicht mit Valentine geborene Osińska. – Das Paar hatte folgende Kinder: 1897 Joseph, 1898 Franz (verstarb 1900), 1901 Valentine (verstarb 1902), 1902 Stanislaus, 1903 Marianna, 1904 Ludwig, 1905 Martin, 1906 Stanislawa, 1909 Franciszek – er wurde 6 Monate nach dem Tod seines Vater geboren.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

 

Feuer bei Dickschak in Wonsowo / 1908

Wonsowo/Wasowo die ehem. Dorfstraße - Postkartenausschnitt

Wonsowo/Wasowo die ehem. Dorfstraße – Postkartenausschnitt

Am 18. August 1908 veröffentlichte das Kreisblatt Neutomischel die Meldung:

“Am letzten Sonntag (16. August 1908) zwischen 12 und 1 Uhr entstand bei dem Landwirt Lorenz Dickschak hierselbst (Wonsowo) Feuer, durch welches eine mit Erntevorräten vollgefahrene Scheune eingeäschert wurde.

Außer einigen landwirtschaftlichen Maschinen konnte nichts gerettet werden.

Bei den Löschversuchen verbrannte sich die alte Mutter des Besitzers das ganz Gesicht. Das Feuer ist durch Spielen der Kinder mit Streichhölzern entstanden.

Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein.”

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908

Feuer bei Bomme in Bentschen / 1908

Bentschen / Zbąszyń die ehem. Breite Strasse - Bild: "Zbąszyń (Bentschen) na dawnych pocztówkach (1895-1945)"

Bentschen / Zbąszyń die ehem. Breite Strasse – Bild: “Zbąszyń (Bentschen) na dawnych pocztówkach (1895-1945)”

Am 10 Juli 1908 veröffentlichte das Kreisblatt Neutomischel die Meldung:

“Kürzlich brannte auf dem Kaufmann Bomme‘schen Grundstücke in Bentschen ein unmittelbar an das Wohnhaus angrenzender Holz- und Lagerschuppen.

Der sich schnell sammelnden Feuerwehr gelang es nach etwa halbstündigem Arbeiten, das Feuer zu dämpfen.

Die Entstehungsursache ist noch nicht ermittelt worden.”

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908

Feuer bei Lausch in Pinne / 1908

Pinne / Pniewy - Ansicht von der Seeseite - Bild: Postkartenausschnitt

Pinne / Pniewy – Ansicht von der Seeseite – Bild: Postkartenausschnitt

Am 11. August 1908 veröffentlichte das Kreisblatt Neutomischel die Meldung:

“Kürzlich wurde unsere Stadt Pinne nachts durch Feuerlärm alarmiert.

Es brannten die beiden nebeneinander liegenden, mit Getreide gefüllten Scheunen, der Frau Hotelbesitzer Lausch gehörig, nieder.

Das Feuer ist offenbar von ruchloser Hand angelegt worden”

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908

Feuer bei Friedenberger in Boruy / 1908

Ehemaliger Gasthof Friedenberger zu Boruy / Postkartenausschnitt  Sammlung Wojtek Szkudlarski

Ehemaliger Gasthof Friedenberger zu Boruy / Postkartenausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

“Heute (22.September 1908) früh gegen 2 Uhr ging eine, zu der Gastwirtschaft Friedenberger hierselbst (Kirchplatz Boruy) gehörige, massiv erbaute Remise auf bisher unaufgeklärte Weise in Flammen auf.

Obwohl die angrenzenden Hintergebäude stark gefährdet waren, gelang es den Löschmannschaften durch ihre angestrengte Tätigkeit, diese sowie das Vorderhaus vor dem Element zu schützen.

Es waren vier Spritzen an der Brandstelle, je eine aus Altborui, Scharke, Neutomischel und die Ortsspritze. Die abgebrannte Remise ist versichert, auch konnten die Vorräte, welche in derselben lagerten, zum größten Teil gerettet werden.”

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908

 

Übung der Pflichtfeuerwehr Neutomischel / 1908

Historische "Spritze" im Feuerwehrmuseum von Rakwitz/Rakoniewice - Bild: http://muzeum.psp.wlkp.pl/

Historische “Spritze” im Feuerwehrmuseum von Rakwitz/Rakoniewice – Bild: http://muzeum.psp.wlkp.pl/

Am 10. Mai 1908 berichtete das “Neutomischeler Kreisblatt” wie folgt: “Wie verlautet, soll in den nächsten Tagen, nachmittags, eine Uebung der Pflichtfeuerwehr hierselbst stattfinden, wozu alarmiert werden wird.

Wir wollen nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daß alle zum Eintritt in die Pflichtfeuerwehr verpflichteten männlichen Einwohner der hiesigen Stadt von vollendetem 18. bis zum vollendeten 55. Jahre pünktlich am Rathause zu erscheinen haben. Wer ohne genügende Entschuldigung nicht, oder zu spät erscheint, sich bei der vorgesetzten Stelle nicht meldet pp. hat seine Bestrafung zu gewärtigen.”

“Wir sind in der Lage, gleichzeitig mitteilen zu können, daß die Führerstellen der Feuerwehr wie folgt besetzt sind:

Lutz, Fritz / Kaufmann – Brandmeister und Wolf, Max / Kaufmann – stellvertretender Brandmeister

Lüdke, Karl / Schmiedemeister – Führer der 1. Spritze und Braun, Karl / Tischlermeister- Stellvertreter

Janotte, Traugott / Stellmachermeister – Führer der 2. Spritze und Wendt, Karl / Messerschmiedemeister – Stelllvertreter

Korn, Bertold / Schmiedemeister – Führer der 3. Spritze und Kruschel, Hermann / Schmiedemeister – Stellvertreter

Aldefeld, Oskar / Klempnermeister – Führer Abteilung zur Ausübung des Steigedienstes, sowie zum Retten von Menschen, Vieh und Habe und Knobel, Karl / Kaufmann – Stellvertreter

Lutz, Paul / Kaufmann – Führer der Abteilung zur Herbeischaffung von Wasser, bezügl. der im Rathause untergebrachten Wasserkufen und Eimer und Wittkowsky, Heinrich / Kaufmann – Stellvertreter

Pflaum, Emil / Kaufmann – Führer der Abteilung zur Herbeischaffung von Wasser bezügl. der bei dem Kaufmann Georg Schultz untergebrachten Wasserkufen und Eimer und Goldmann, Paul / Kaufmann – Stellvertreter

Maennel, Alexander / Kaufmann - Führer der Abteilung zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Bewachung der geretteten Sachen und Chedor, Karl / Kaufmann – Stellvertreter

Rückheim, Friedrich / Uhrmacher – Führer der Abteilung zur Rettung der Akten pp. bei Bränden, in denen das Rathaus, das Landratsamt oder das Krankenhaus in Gefahr kommt und Schmidt, Gustav / Fleischermeister – Stellvertreter”

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Blinder Feuerlärm ertönte am Mittwoch (17.06.1908) gegen 6 Uhr in unserer Stadt. Es handelte sich um eine Feuerwehrübung, zu welcher die Mitglieder der hierorts bestehenden Pflichtfeuerwehr alarmiert wurden. In kurzer Zeit hatten sich die in der Stadt befindlichen Feuerwehrmänner auf dem Neuen Markt vor dem Rathause um ihre Führer gruppiert.

Nachdem sämtliche Namen der Abteilungslisten aufgerufen worden waren, verlas Herr Bürgermeister Franke die Hauptparagraphen aus dem Feuerwehrstatut, während Herr Brandmeister Fritz Lutz die Mannschaften ermahnte, daß im Ernstfalle ein jeder Einzelne seine Schuldigkeit tun sollte.

Hierauf wurden Spritzendruckproben seitens der Spritzenabteilungen vorgenommen, während man die Wasserkufen durch Einfüllen mit Wasser auf ihre Tauglichkeit ebenfalls einer Prüfung unterzog.”

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908

Fälschung vom Getreide-Lieferzettel / 1908

Die ehemalige Dampfmühle Maennel / Bild: Maennel Archiv

Die ehemalige Dampfmühle Maennel / Bild: Maennel Archiv

“Ein Eigentümer aus Grubske verkaufte am Donnerstag (16. Januar 1908)  1 Ztr. Roggen an die hiesige Dampfmühle von Gebr. Maennel und erhielt hierüber einen Gutschein. Als nun der Mann kurze Zeit darauf durch seinen 18 jährigen Sohn das Geld abholen ließ, war auf dem Zettel die Zahl “1” in eine “9” umgeändert, was aber nicht gleich bemerkt wurde, sodaß 9 Ztr. Roggen statt des gelieferten einen Zentners bezahlt wurden.

Nachdem sich bald darauf der Betrug herausgestellt hatte, wurde sofort Anzeige erstattet, und es gelang dem Stadtwachtmeister Schubert, den Unehrlichen, der mittlerweile einen Teil des Geldes versteckt hatte, ausfindig zu machen. Er wird sich demnächst vor dem Gericht zu verantworten haben. Die Firma ist wieder in den Besitz des für 8 Ztr. Roggen zu viel gezahlten Geldes gekommen.”

“Am 14. d. M. (14. April 1908) stand hier Termin an vor der Strafkammer des Königlichen Amtsgerichts gegen den Eigentümer Bremer und dessen 18 jährigen Sohn, die beschuldigt waren, gemeinschaftlichen Betrug dadurch verübt zu haben, daß sie bei der Firma Gebr. Maennel in Neutomischel einen Getreide-Lieferzettel fälschten, indem sie aus einer 1 eine 9 machten.

Nach verhandelter Sache wurde Bremer senior wegen Betrugs und Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu 5 Monaten, Bremer junior wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu einem Monat Gefängnis verurteilt.”

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908-Januar/April

 

Zeche Radbod – Grubenunglück 1908

Postkarte, 1908, mit der Handschrift „Die Unglückszeche“ / Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Gedenkst%C3%A4tte_Zeche_Radbod?uselang=de

Postkarte, 1908, mit der Handschrift „Die Unglückszeche“ / Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Gedenkst%C3%A4tte_Zeche_Radbod?uselang=de

Am 12. November 1908, gegen 4:20 Uhr, ereignete sich das bis dahin schwerste Grubenunglück im deutschen Steinkohlebergbau in der Zeche Radbod. Ob die Schlagwetterexplosion durch eine defekte Wetterlampe oder durch ein Sprengung in einem Flöz ausgelöst wurde, ist nicht bekannt.

348 Kumpel der Nachtschicht, fast die gesamte Mannschaft, kamen ums Leben.

Es war diese Schicht, lt. Beitrag im Neutomischler Kreisblatt hatte Paul Otto Seide sie zusätzlich geleistet, die dem 21-jährigen den Tod brachte.

Unter den Opfern des Unglückes befanden sich auch drei Männer aus Wielichowo, diese wurden jedoch nicht namentlich erwähnt.

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“Das unsägliche Unglück in Radbod hat auch eine Familie hiesigen Kreises in tiefe Trauer versetzt. Unter den in der Grube noch befindlichen braven Bergleuten befindet sich nämlich der 21 jährige, älteste Sohn Paul des Korbmachermeisters August Seide in Glinau. Derselbe war erst seit dem Monat Mai des Jahres in der Grube beschäftigt und hatte in der Unglücksnacht bis 12 Uhr Dienst.

Um aber seine Eltern und Geschwister noch mehr unterstützen zu können, arbeitete er zwei Stunden (unstimmig) länger und während dieser Zeit ereignete sich die verhängnisvolle Explosion, deren Opfer der fleißige, für seine Angehörigen eine Stütze bildende junge Mann geworden ist. Der Vater des Verunglückten fuhr nach der Radboder Grube, konnte aber nur an dem Begräbnisse der zuerst geborgenen Kollegen seines Sohnes teilnehmen.

Auch ein Sohn des Eigentümers Gustav Sender aus Alttomischel-Abbau, der 18 jährige Paul Sender ist auf der Zeche Radbod beschäftigt, derselbe war aber einer anderen Schicht zugeteilt und blieb somit vom Unglück verschont.

Ein Kumpel, Teil des Denkmals, das in Erinnerung an das schwere Grubenunglück in der Zeche Radbod in Bockum-Hövel errichtet wurde. / Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Gedenkst%C3%A4tte_Zeche_Radbod?uselang=de

Ein Kumpel, Teil des Denkmals, das in Erinnerung an das schwere Grubenunglück in der Zeche Radbod in Bockum-Hövel errichtet wurde. / Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Gedenkst%C3%A4tte_Zeche_Radbod?uselang=de

Von der Berggewerkschaft Trier, der Eigentümerin der Zeche Radbod, ist jetzt die Totenliste der bei der Grubenkatastrophe verunglückten Bergleute veröffentlicht worden. Die Liste enthält 341 Namen, darunter 260 Deutsche und 81 Ausländer. Im Hammer Krankenhause ist wieder einer der Schwerverletzten gestorben; die Zahl der ihrem Leiden erlegenen Schwerverletzten beträgt somit jetzt fünf. Von den 341 Toten waren 114 ledig, 226 verheiratet und 1 Witwer. Der Konfession nach waren 114 evangelisch, 226 katholisch und 1 Dissident. Die meisten der getöteten Deutschen stammen aus der Provinz Westfalen, nämlich 109, aus dem Rheinlande nur 8. Aus der Provinz Posen waren 33, aus Ostpreußen 38 und aus Westpreußen 16. Bei den Sammelstellen in Hamm sind bis jetzt rund 100.000 Mark eingegangen.”

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Die Familie des Johann August Carl Seide (geboren 1856 zu Glinau), Korbmacher zu Glinau und dessen Ehefrau Bertha Mathilde geb. Zithier (geboren am 06. November 1957 zu Sontop):

1884 Hermann Oswald (verstarb 1884), 1885 Bertha Amalie Frieda, 1887 Paul Otto, 1889 Maria Martha, 1892 Johann Paul Bruno, 1894 Amalie Ida, 1896 Bertha Emma, 1897 Paul Hermann, 1898 Louise Anna, 1899 Auguste Selma, 1903 Carl Fritz August

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Die Familie des Gustav Heinrich Sender (geboren 1864 zu Sontop), Maurer und Eigentümer zu Alt Tomysl und dessen Ehefrau Johanna Rosalie geb. Weber (geboren 1868 zu Kozielaske, gestorben 1900 zu Alt Tomysl):

1889 Anna Martha (verstarb 1889), 1890 Paul Otto Sender – Cousin des Verunglückten, 1893 Carl Hermann, 1895 Gustav Adolph, 1898 Ottilie Emma (verstarb 1898)

In zweiter Ehe war Gustav Heinrich Sender mit Bertha Augusta geb. Janotte (geboren 1875 zu Wonzowo) verheiratet, geboren wurden hier die Kinder:

1901 Hedwig Frieda (verstarb 1901), 1902 Helene Alma, 1903 Heinrich Otto, 1904 Elisabeth Elsa, 1906 Hildegard Hertha (verstarb 1906), 1907 Richard Fritz, 1908 Johannes Bruno

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1908-11-24; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Zygmunt Duda 1937-2017

Heute verabschiedeten wir uns von

Zygmunt Duda

1937-2017

Ich begegnete ihm zum Erstenmal anlässlich der Aktion der “Ehrung der ehemaligen evangelischen Friedhöfe”.

Ich konnte mir von ihm Rat einholen. Ja, er warnte mich sogar vor Fehlern, die anlässlich einer ähnlichen Aktion der Gemeinde Opalenica gemacht worden waren, und erst später festgestellt wurden.

Er wurde für mich zum Vorbild, Berater und Freund.

Späterhin trafen wir uns mehrfach, oft ohne besonderen Anlass.

Trotz des Unterschiedes der Generationen, waren wir vereint in unserem gemeinsamen Handeln !

Das Photo wurde am 25. September 2009 im Museum der Korbflechterei und des Hopfenbaues in Nowy Tomyśl aufgenommen.

Wir werden ihn mit seinem Lächeln in Erinnerung behalten.

Gebäude der Stadt – No. 4 Posener Straße / Teil I. – Chirurgius und Wundarzt Sagawe

Berliner Chirurgensiegel, datiert 1727 / Bild: Buch "Alte Berufe"

Berliner Chirurgensiegel, datiert 1727 / Bild: Buch “Alte Berufe”

“Der Wundarzt wird zwar zu verschiedenen Verrichtungen gebraucht; doch bestehen diese hauptsächlich in der Heilung äußerlicher Wunden am menschlichen Leibe.

Der Kopf wird bald durch Stoßen, bald durch Schlagen, Schießen oder Stechen, durch Geschwüre und Beulen verletzt. Bald werden Arme, bald Beine gebrochen, oder verrenkt, ohne anderer Wunden und der Brüche zu erwähnen. Zur Hebung dieser Uebel bedient sich der Wundarzt bald erweichender Mittel, um gewisse Verhärtungen und Geschwüre zu zeitigen, bald ätzender und anderer geistiger Wasser, um die Fäulniß zu verhindern und die Wunden zusammenzuziehen, bald der Pflaster, um die freie Luft abzuhalten und die Heilung zu beschleunigen.

Oft kann aber die Heilung nicht glücklich von Statten gehen, wenn nicht ein oder ein anderes Glied abgenommen wird, was mit Hilfe chirurgischer Instrumente geschieht. Oft versteht der Chirurg auch die Geburtshilfe.”

Berufsbeschreibung  in “Neuer Orbis Pictus”  aus dem Jahr 1835

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Es war das Wohnhaus des Johann Wilhelm Sagawe - Bürger, Chirurgius und Wundarzt zu Neu Tomysl welches sich in der Posener Str. No. 4 befunden hatte.

Das Wohnhaus als Hauptgebäude war 59 1/2 F lang, 23 F breit und 8 F hoch (ca. 18,10×7.00×2,40m) gewesen. Es war von Fachwerk welches mit Lehm ausgefüllt gewesen war erbaut worden; dieses galt auch für den Erker. Letzterer war auswendig noch mit Brettern verschlagen gewesen und es hatten sich 2 hölzerne Rinnen an diesem befunden.

Im Inneren des Hauses befanden sich 2 Flure von denen die 2 Stuben und die Küche abgingen. 2 zweiflügelige Fenster brachten Licht in die Räume. Das Haus wurde über 2 “Ofen von Kacheln” beheizt. Die Stuben und die Einfuhr hatten gedielte Fußböden gehabt, während die Küche nur mit einem Estrich von Lehm versehen gewesen war. Die Feueresse hatte aus Holz bestanden und war mit Lehm umflochten gewesen. Ein massiver Schornstein hatte aus dem Schindeldach geragt. Die Durchfahrt auf den hinteren Teil des Grundstückes war mit einem 2 flügeligem Tor zu verschließen gewesen.

Ein Giebel des Hauses hatte direkt an den des Hauses der No. 3 gestoßen, während der andere, er war der stadteinwärts gelegene gewesen, ebenso wie das Gebäude nach hinten, völlig frei gestanden hatten. Die Hausfront müsste nach dieser Beschreibung zur Posener Straße gelegen haben.

Das Alter des Gebäudes war im Jahr 1836 auf etwa 50 Jahre geschätzt worden, es war also etwa um 1784 errichtet worden. Als Mängel waren lediglich notiert worden, das die Wetterseite, vermutlich die Westseite, des Hauses etwas vom Regen ausgeschwächt und die Fenster und Türen lediglich zur Hälfte gut gewesen waren.

Weiterhin hatte auf dem Stadtgrundstück ein Stall von 41 Fuß Länge, 17 Fuß Breite und 6 1/2 Fuß Höhe (ca. 12,50×5,10×2,00m) gestanden. Er war teils aus Bohlen, teils aus gelehmtem Fachwerk erbaut gewesen. Das Dach war lediglich mit Stangen belegt gewesen auf welchen man dann eine Eindeckung mit Rohr vorgenommen hatte.

In dem Stall waren 1 Tennflur, 1 Bansen und 1 Kuhstall “zu 4 Kühen” und ein Holzstall untergebracht gewesen. Ebenso wie das Wohnhaus war sein Alter auf etwa 50 Jahre geschätzt worden. Der Zustand der Bohlen war als gut befunden und  nur die Schwellen als verfault beschrieben worden.

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Johann Wilhelm Sagawe

Chirurgius und Wundarzt zu Neu Tomysl

Errechnet aus seiner Altersangabe im Toteneintrag des Kirchenbuches von Neutomischel war er ca. 1753 geboren worden. Angaben zu seinem Geburtsort oder etwaige andere Daten wurden nicht gemacht. Er verstarb am 15. Februar 1838 zu Neu Tomysl. Er starb, so der Eintrag, an Altersschwäche im Alter von 85 Jahren.

Als Ehefrau wurde in einem Kirchenbucheintrag Eva Rosina geborene Gottschlag gefunden. Aus ihrem Toteneintrag rückgerechnet war sie ca. 1765 geboren worden. Auch bei ihr wurden keine weiteren Angaben gemacht. Im Alter von 68 Jahren verstarb sie an Abzehrung am 25. April 1833 zu Neu Tomysl.

Als Kinder des Paares wurden anhand der Kirchenbucheintragungen notiert:

  1. 1785 Charlotte Louise (später verehelichte Schulz) – ihr Name wechselte in den gefundenen Einträgen zu Caroline Elisabeth oder auch Lisbeth
  2. 1789 Christian Wilhelm Sagawe
  3. 1799 Beate Eleonora ( später verwittwete Wandtke, wieder verehelichte Eichler)

Theoretisch könnte Johann Wilhelm Sagawe der Erbauer des Gebäudes im Jahr 1784 auf dem ehemaligen Hausgrundstück No. 4 in Neu Tomysl gewesen sein, da zu dieser Zeit die Kinder des Paares geboren sein müssten. Dagegen spricht, dass von keinem der Kinder ein Geburts-/Taufeintrag  gefunden wurde. Letzteres gilt auch für Sterbeeinträge der Kinder. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ist nichts Abschießendes über ihren Verbleib oder den ihrer Familien bekannt.

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Ein Besitzwechsel des Gebäudes fand ungefähr im Jahr 1854 statt. Leider wurde bei diesem nicht vermerkt wer als Verkäufer des Anwesens auftrat.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: 1) Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/): Stadtakten / Beschreibung sämtlicher Gebäude in der Stadt Neu Tomysl; 2) Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Gebäude der Stadt – Hausgrundstück No. 5 Posener Straße / Teil II. – Neubauten einer Bäckerei und eines Handelsgeschäftes um 1850

Die alte Posener Straße, die Häuser 5 A und 5 B lagen auf der rechten Seite, im Hintergrund ist der ehemalige Alte Markt erkennbar / Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Die alte Posener Straße, die Häuser 5 A und 5 B lagen auf der rechten Seite, im Hintergrund ist der ehemalige Alte Markt erkennbar / Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Unser erster Beitrag endete mit dem Bemerken, dass um das Jahr 1850 “Neubauten” auf dem Stadtgrundstück No. 5 Posener Straße entstanden waren und das kleine Häuschen des Handschuhmachers Firle diesen hatte weichen müssen.

Eine erste Information aus den alten Aufzeichnungen war, dass in diesen Gebäudebeschreibungen ab dem Jahr 1850 die Parzelle No. 5 geteilt und als 5 A und 5 B beschrieben worden war, es sich also seit jener Zeit um 2 Hausgrundstücke gehandelt hatte.

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Der Bauherr und Eigentümer für das Grundstück 5 A (stadtauswärts gelegen) war der Bürger und Bäckermeister

Carl Sperling.

Er hatte ein Wohngebäude, welches mit der Frontseite zur Posener Straße gelegen war, errichten lassen. Dieses stieß mit einem Giebel an das Gebäude No. 4 und mit dem anderen an das der No. 5 B (stadteinwärts gelegen). In diesem waren 5 Wohnstuben über 1nen Hausflur zu erreichen gewesen. Im Gebäude waren 8 einflüglige Stubentüren aufgelistet worden, es kann daher angenommen werden, dass die Räume auch untereinander, ohne den Flur passieren zu müssen, verbunden waren. Licht bekamen die Zimmer durch 6 zweiflüglige Fenster, wovon die Hälfte Doppelfenster waren.

Im Obergeschoss war der Schüttboden untergebracht;  hier lagerte vermutlich das Getreide zum künftigen Gebrauch in der Bäckerei.

Im Haus befanden sich 2 einflügelige Haustüren und 1ne zweiflüglige, wobei letztere vermutlich die Durchfahrt in den Hof des Anwesens gewesen war.

Dieses Hauptgebäude hatte die Abmessungen von 37×38 Fuß und war 10 Fuß hoch (ca. 11,3×11,6 m / ca. 131,0 qm bei einer Höhe von 3,0 m).

Im Hof selbst war mit einem Giebel an das Haupthaus angrenzend das Backhaus zu finden gewesen. Wie das Haupthaus auch, waren die Wände und die Giebel dieses Gebäudes aus gebrannten Ziegelsteinen mit massiven Brandmauern errichtet worden. Die Backstube und ein dazugehöriger Flur über den sie zu erreichen gewesen war, hatten die Abmessungen von 27×16 Fuß mit gleicher Höhe wie das straßenseitig gelegene Gebäude (ca. 8,2×4,9 m / ca. 40 qm; Höhe 3,0 m).

Die Bebauung der Hausgrundstücke 5 A und 5 B im Jahr 1890, also 40 Jahre nach ihrer Errichtung - nicht maßstabsgetreu

Die Bebauung der Hausgrundstücke 5 A und 5 B im Jahr 1890, also 40 Jahre nach ihrer Errichtung – nicht maßstabsgetreu

Weiterhin, mit einem Giebel an das Backhaus anstoßend, war ein Stallgebäude errichtet worden. 30×15 Fuß im Grundmaß bei einer Höhe von 16 Fuß (ca 9,1×4,6 m / 42 qm; Höhe  4,9 m) mit Wänden von Bindwerk, welches mit Lehm ausgeklebt gewesen war. Der frei stehende Giebel war mit Brettern verschlagen gewesen, während der an das Backhaus angrenzende massiv hochgezogen worden war.

Alle Gebäude hatten ein einfaches Ziegeldach, das Hauptgebäude und die Backstube mit Zink-Regenrinnen, das Stallgebäude ohne solche.

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Auf dem Grundstück der No. 5 B war der Eigentümer der Handelsmann

Meyer Josephsohn

zu Neu Tomysl gewesen.

Auf dem ihm gehörigen Grundstück war ein Wohnhaus von 38×38 Fuß Grundfläche entstanden. Die Höhe war bei der  Vorderfront 18 Fuß und mit der Hinterfront auf 15 Fuß abfallend gewesen (ca. 11,5×11,5 m = ca. 132 qm Grundfläche / 5,5 bzw. 4,5 m Höhe – vermutlich auf 2 Etagen).

Auch dieses Gebäude, eingeschlossen der Giebel, war massiv aus gebrannten Mauersteinen errichtet worden. Das Dach war mit Ziegeln eingedeckt gewesen.

Mit 5 Öfen waren die 7 Wohnstuben, 3 Küchen und der Laden beheizt worden. Im Haus waren die Stockwerke über, wie ausdrücklich erwähnt worden war, innenliegenden Treppen verbunden gewesen. Neben zahlreichen Türen und noch zahlreicheren Fenstern, wurde gesondert erwähnt, dass es eine doppelte mit Glas versehene Ladentür gegeben hatte.

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War die Stadtparzelle No. 5 bei Familie Firle noch mit einer Grundfläche von ca. 90 Quadratmetern bebaut  gewesen, so hatten Carl  Sperling und Meyer Josephsohn  auf demselben Gelände annähernd 345 Quadratmeter bebaute Grundläche genutzt.

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Carl Adolph Sperling

Bürger und Bäckermeister zu Neu Tomysl. Er war der Sohn des Johann Gottfried Sperling aus Glinau und dessenen Ehefrau Rosina Dorothea Stein. Er war am 22 Juli 1813 zu Glinau geboren worden. Seine Mutter verstarb im Jahr 1814. Sein Vater hatte darauf im Jahr 1815 die Dorothea Elisabeth geborene Schäfer geehelicht, welche somit seine Stiefmutter geworden war. Carl Adolph selbst schloss im Januar 1843 die Ehe mit der 9 Jahre jüngeren Friederike Beate Saar aus Bentschen.

In dieser Ehe wurden Ihre Kinder:

1844 – Amalie Henriette (später verehel. Unger)
1845 – Johann Hermann Gustav (später verehel. mit seiner Stiefschwester Pauline Ernestine Hermine Lehmann)
1846 – Carl Adolph und Paul Eduard – Zwillinge – verstarben 1846/1847
1849 – Anna Augusta Agnes (später verehel. Paech)
1854 – Emil Ludwig Nathanael  – verstarb 1859

geboren.

Nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 1860, heiratete er im Jahr 1868 die Johanna Juliana geborene Kurtz verwittwete Wilhelm Lehmann; sie war 1824 zu Paprotsch geboren worden.

Carl Adolph Sperling verstarb im Jahr 1882 in Neu Tomysl

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Meyer Josephsohn

Die Bebauung änderte sich im Laufe der Zeit, die alte No. 5 lag in etwa dort, wo heute die Häuser der No. 7 und 9 stehen / Photo: EA

Die Bebauung änderte sich im Laufe der Zeit, die alte No. 5 lag in etwa dort, wo heute die Häuser der No. 7 und 9 stehen / Photo: EA

jüdischer Kaufmann zu Neu Tomysl. Über ihn war mehr oder weniger, wie bei so vielen ehemaligen jüdischen Bewohnern der Stadt und deren Umgegend, fast nichts in Erfahrung zu bringen.

Er war verehelicht mit der Marianna geborene Levy. Sie war um 1813 zu Birnbaum geboren worden und 1892 zu Neu Tomysl verstorben. Meyer Josephsohn zeigte ihren Tod selbst beim Standesamt an.

Aus dieser Ehe stammten die Kinder:

1851 Simon (später verehel. mit Ernestina Levy)
1853 Hanna (später verehel. Loewenstein)
1846 Michaelis (später verehel. mit Helene Pflaum)

Leider sind diese Daten dann auch die Einzigen, welche aus zur Zeit einsehbaren Unterlagen, zu entnehmen gewesen sind.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: 1) Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/): Stadtakten / Beschreibung sämtlicher Gebäude in der Stadt Neu Tomysl; 2) Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Gebäude der Stadt – Hausgrundstück No. 5 Posener Straße / Teil I. – Haus des Handschuhmachers Firle – ca. 1775-1849

Die Posener Straße - die No. 5 hat sich links zum Ende hin befunden / Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Die Posener Straße – die No. 5 hat sich links zum Ende hin befunden / Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Im Jahr 1836 wurde durch die Provinzial-Feuerversicherung auch das auf dem Hausgrundstück No. 5 Posener Straße freistehende Häuschen des Handschuhmachers Johann Gottlieb Firle registriert.

54,5×16 Fuß in der Grundfläche (ca. 81,0 qm) und 6,5 Fuss (knapp 2m) hoch. Ein Haus, wie fast alle in jener Zeit, aus Bohlen errichtet. Diese wiederum innen wie aussen mit Lehm beworfen. Beide Giebel waren mit Brettern zum Schutz gegen die Witterung verschlagen.

Die 2 Stuben und 2 Kammern hatten einen Dielenfußboden, während der Flur, die Küche und auch der Dachboden nur mit einem Lehmestrich versehen gewesen waren. Die Räume waren über 5 Türen zu erreichen gewesen und Licht bekamen sie durch 5 zweiflügelige Fenster. Das Gebäude war mit 2 Öfen aus Ziegeln ausgestattet gewesen.

Das Haus hatte ein gewöhnliches Schindeldach besessen, dessen Fortsetzung auch den Anbau an der hinteren Seite des Hauptgebäudes überspannte.

Dieser Anbau 17,00×5,75×4,00 (ca. 5,20×1,7 = knapp 9 qm bei einer Höhe von 1,20m) beherbergte eine Kammer.

Trotz einer vermutlich im Jahr 1835 erfolgten Reparatur, waren die Wände und das Dach fehlerhaft und auch von den Fenstern waren nur die Hälfte für gut befunden worden. Der Zustand des Anbaus wurde jedoch als schlecht eingestuft.

Geschätzt wurde das Alters des Hauses auf etwa 60 Jahre, ca. Baujahr 1775, das des Anbaus auf 50 Jahre, ca. Baujahr 1786.

Da auf diesem Grundstück um das Jahr 1850 “Neubauten” entstanden, deren Besitzer nicht mit der Familie Firle verbunden gewesen zu sein scheinen, kann davon ausgegangen werden, dass das Firle-Häuschen in jener Zeit abgetragen oder abgerissen worden sein muss.

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 Familie Firle

 Als Haushaltsvorstand kann Johann Gottlieb Firle, Bürger und Handschuhmacher in der Stadt Neu Tomysl angesehen werden. Er wurde um 1770 geboren, sein Herkunftsort ist jedoch unbekannt. Er verstarb im Jul 1855 in der Stadt.  Im Oktober 1799 hatten er und die 1779 in Scherlanke geborene Maria Dorothea Proschwitz die Ehe in Neu Tomysl geschlossen.

Als Kinder des Paares wurden aus den Kirchenbüchern der Stadt notiert:

Carl Wilhelm Firle, geboren im Juni 1800, als Musiklehrer in Neu Tomysl oder der Umgebung tätig gewesen, er verstarb an Abzehrung im Februar 1836, es wurde nicht gefunden, dass er eine eigene Familie gegründet hatte               

Johann Gottlieb Firle, geboren im Februar 1806, er schloss als Lehrer in Heinersdorf im Jahr 1828 in Bomst die Ehe mit Wilhelmine geborene Rosenzweig. Einzigst wurde gefunden, das Wilhelmine Firle geborene Rosenzweig im Jahr 1888 in Gross Golle bei Gnesen verstarb und ihr Sohn, welcher zu Buk geboren worden war, ihren Tod auf dem Standesamt anzeigte

Johann Friedrich August Carl Firle, geboren im November 1809, war als Handschuhmacher in Grätz und Neu Tomysl tätig. Er und Johanna Pauline geborene Thomas, verwittwetete Goldfuss schlossen 1834 die Ehe. Von Ihren in den Jahren 1834 bis 1849 geborenen Kindern wurden keine Anschlussdaten gefunden.

Carolina Amalia Firle, geboren im Dezember 1812, hatte sich nicht verheiratet. Über ihr Leben ist nichts näheres bekannt. In ihrem Toteneintrag wurde sie als Tagelöhnerin ohne Domizil benannt.

Juliana Florentina Firle, geboren im Dezenber 1815, brachte im Jahr 1836 ihre Tochter Emma Amalie Firle zur Welt, welche im Alter von nur einem Monat verstarb. Im Jahr 1837 schloss sie dann die Ehe mit dem Förster Johann George Anders. Er stammte aus Kleinitz bei Karge und war um 1810 geboren worden.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: 1) Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/): Stadtakten / Beschreibung sämtlicher Gebäude in der Stadt Neu Tomysl; 2) Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

 

 

 

Blitzschlagkatastrophe – 1910

Landschaft bei Konkolewo

Landschaft bei Konkolewo

“Eine schwere Blitzschlagkatastrophe ereignete sich während des heftigen Gewitters am Sonnabend abend (09. Juli 1910) in hiesiger Gegend.

Auf der Sworzycer Feldmark wurden der verheiratete Maurer Berthold Würfel aus Konkolewo und der Maurerlehrling Ewald Hübner aus Blenke, welche sich zu Fuß von Eichenhorst nach Hause begaben, gegen 10 Uhr vom Gewitter überrascht und von einem Blitzstrahl getroffen.

Erst am Sonntag morgen (10. Juli 1910) wurden die beiden übereinander liegenden Leichen der Erschlagenen aufgefunden und Herr Kreisarzt Dr. Buddee aus Neutomischel geholt, der jedoch nur den Tod der so jäh aus dem Leben gerissenen fleißigen Leute feststellen konnte.

Der etwa 50 Jahre Würfel hinterläßt seiner Frau mehrere unversorgte Kinder.”

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Johann Ewald Paul Hübner
geboren 16 Nov 1893 zu Blenke
Eltern: Johann August Friedrich Hübner und Johanna Wanda Auguste geb. Jachmann

* * *

Johann Berthold Carl Würfel
geboren 31 Mai 1860 zu Albertoske
Eltern: Johann Daniel Würfel und Johanna Beata geb. Wald
ehelichte am 02. Februar 1886
Johanna Beata Rosenau
Kinder:
1886 Johann Otto
1888 Emilie Amanda
1890 Berthold Hugo
1893 Johann Friedrich Waldemar (verstarb 1894)
1896 Elfriede Elsa
1898 Sophie Selma

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1910-07-12; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

1890 Jagdunglück – Tod des 17 jährigen Carl Sperling

Wälder um Nowy Tomyśl - Aufn. PM

Wälder um Nowy Tomyśl – Aufn. PM

Im Standesamts-Register von Neutomischel wurde unter der laufenden Nummer 225 am 24. Dezember 1890 notiert:

“Zufolge Mittheilung des Königlichen Districtsamtes hierselbst vom 23. Dezember 1890 No. 4655/90 ist heute eingetragen worden, daß Carl Sperling, ledigen Standes, ohne Gewerbe, 17 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft zu Forsthaus Mischke, geboren zu Lubenhauland, Kreis Meseritz, Sohn des Försters Heinrich Sperling und dessen Ehefrau Auguste geborene Wolfram, in der Altomischel’er Forst am einundzwanzigsten Dezember des Jahres tausend achthundert neunzig, nachmittags um 4 Uhr verstorben ist.

Ueber den Todesfall hat eine amtliche Ermittelung stattgefunden”

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Aus der Tageszeitung “Thorner Presse” vom Mittwoch, den 31. Dezember 1890 war dann aus einer Kurzmeldung weiter zu erfahren:

“Vor einigen Tagen begab sich der Förster Sperling aus Forsthaus Mischke bei Neutomischel mit seinem 18 jährigen Sohne auf die Fuchsjagd.

Zu einer ganz ungelegenen Zeit hörte der Vater einen Schuß fallen.

Als er auf die Stelle zukam, fand er seinen Sohn auf dem Gewehr liegend fast todt vor. Das Gewehr war losgegangen und die ganze Ladung dem Unglücklichen in den Unterleib gedrungen. Schon auf dem Transport nach Hause verschied der hoffnungsvolle Sohn.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Zeitungsartikel:  Digitale Bibliothek Kujawsko-Pomorska – Personenstandsunterlagen: Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)
 

Schöffengerichtssitzungen July – Dezember 1905

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes - Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte - Bild: EA

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes – Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte – Bild: EA

Nachstehend sind die Verhandlungspunkte und Urteile der Schöffengerichtssitzungen vom Juli bis Dezember 1905 wiedergegeben.

Entnommen wurde die Berichterstattung dem Neutomischler Kreisblatt des Jahres 1905.

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Schöffengerichtssitzung vom 19. Juli 1905 – Vorsitzender Herr Amtsrichter Dr. Brasack, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Förster-Konkolewo und Sägner-Sempolno.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

1. Der Eigentümer Wilhelm Klemke aus Neuborui war angeklagt, fremde Tauben auf seinem Grundstück geschossen und sich dieselben rechtswidrig angeeignet zu haben. Die Beweisaufnahme ergab nur Sachbeschädigung in drei Fällen. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 15 Mark verurteilt.
2. Das Dienstmädchen Hulda Luch hier hatte gegen einen Strafbefehl in Höhe von 10 Mark Einspruch erhoben, welche Strafe sie sich wegen heimlichen Verlassens ihres Dienstes bei dem Restaurateur Schulz zugezogen hatte. Sie wurde der Uebertretung der Gesindeordnung für schuldig befunden, wegen ihres jugendlichen Alters jedoch nur mit einem Verweise bestraft.
3. Die Privatklage des Ortlieb Heinrich-Neuborui gegen Eigentümer Heinrich Fischer ebendaselbst wurde durch Vergleich erledigt.
4. In der Privatklagesache Morzynski gegen Kern waren beide Parteien nicht erschienen, weshalb der Privatkläger mit seiner Klage abgewiesen wurde.

 * * *

Schöffengerichtssitzung vom 30. August 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat von Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Eigentümer Gebauer-Scherlanke und Bäckermeister Liepelt-hier.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

1. Der Eigentümer Robert Beitsch aus Cichagora war angeklagt, die Jagd auf fremden Gebiet ausgeübt zu haben. Er wurde dafür mit 20 Mk. bestraft, und es wurde außerdem noch auf Einziehung des Gewehres erkannt.
2. Die Strafsache gegen den Arbeiter Johann Nowack aus Glinau wegen Hausfriedensbruches wurde vertagt.
3. Der Maler Heinrich Linke aus Altborui erhielt wegen Körperverletzung der Wwe. Zeuschner ebenda eine Woche Gefängnis.
4. Die Klage gegen Gepäckträger Raschke wegen Körperverletzung wurde vertagt.
5. Der Eigentümersohn Johann Nyga aus Bolewitz wurde wegen Entwendung von Runkelpflanzen in Anbetracht seiner Jugend nur mit einem Verweise bestraft.
6. Die Privatklagesache Gustav Seide zu Komorowo-Hauland gegen den Altsitzer Schramme ebendaselbst wurde durch Vergleich erledigt, indem der Beklagte die Tragung der Kosten übernahm.
7. In der Privatklagesache Welke gegen Goldmann war niemand erschienen, weshalb der Kläger mit seiner Privatklage abgewiesen wurde.
8. In Erledigung der Privatklage des Eigentümers Albert Pflaum zu Paprotsch gegen den Eigentümer Gustav Prüfer ebenda wegen Beleidigung wurde der Beklagte mit 10 Mk. bestraft.

 * * *

Schöffengerichtssitzung vom 12. September 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren August Roy aus Paprotsch und Sperling aus Konkolewo.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

1. Der Knecht Karl Krock aus Glinau und der Knecht Friedrich Krock aus Paprotsch wurden wegen Diebstahls von Eßwaren mit einem Verweise bestraft.
2. Der Arbeiter Johann Nowak aus Glinau erhielt eine Geldstrafe von 15 Mark wegen Hausfriedensbruchs auferlegt.
3. Den Gesindevermieter Karl Schmidt aus Neuborui traf eine Gefängnisstrafe von einer Woche wegen einfachen Diebstahls.
4. Der Eigentümer Gottfried Wolf aus Bolewitz hatte vom dortigen Distriktsamt einen Strafbefehl erhalten in Höhe von 10 Mark und dagegen Einspruch erhoben. Heute zog er seinen Einspruch wieder zurück.
5. Der Arbeiter Stanislaus Przybil aus Pollwis im brandenburgischen war wegen Sachbeschädigung und Tierquälerei angeklagt. Wegen des ersteren Vergehens wurde er freigesprochen, betreffs des letzteren war Verjährung eingetreten.
6. Zu der Verhandlung in der Privatklagesache Silberberg-Grätz gegen Bederke waren die Parteien nicht erschienen. Die Klage wurde daher kostenpflichtig abgewiesen.
7. Die Privatklagesache Martin Kucz-Rose gegen Marianne Nowak ebenda wurde durch Vergleich erledigt.
8. Die Privatklagesache Steffan gegen Knop-Rose endigte ebenfalls durch einen Vergleich.
9. Die Privatklagen des Wilhelm Kutzner in Friedenhorst gegen Paul Schmidt in Neutomischel, Thomas in Zinswkowo und den Streckenwärter Damas wurden sämtlich durch Vergleich erledigt.

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Schöffengerichtssitzung vom 27. September 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren Herr Sattlermeister Lehmann und Herr Bäckermeister Lemberg, beide aus Neutomischel.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

1. Der Arbeiter Martin Lodka in Scherlanke wurde wegen Erregung ruhestörenden Lärms in Neutomischel mit 3 Tagen Haft bestraft.
2. Den Krämer Heinrich Zeidler aus Chraplewo traf eine Geldstrafe von 30 Mark wegen Uebertretung der Gewerbeordnung.
3. Die Sache Flieger wurde vertagt
4. Einen Tag Gefängnis erhielt der Arbeiter Rataiczek aus Cichagora z. Z. in Zeitz wegen Hehlerei.
5. Der Arbeiter August Rädiger aus Neuborui wurde wegen Mißhandlung des Tischlers August Schulz ebenda mit einer Woche Gefängnis bestraft.
6. Heinrich Schulz II aus Albertoske wurde mit 5 Mark bestraft, weil er die Eigentümerfrau Auguste Wende mit einem Stock gestoßen hat.
7. August Mayer aus Kozielaske wurde wegen Beleidigung und Mißhandlung des Eigentümers Lieder aus Witomischel mit 30 Mark Strafe belegt.
8. Der Schuhmacher Gustav Niederschuh aus Neutomischel war angeklagt, dem Schuhmacher Gustav Simon aus Kirchplatz 5 Mark entwendet zu haben. Die Tat konnte ihm nicht bewiesen werden, worauf seine Freisprechung erfolgte.
9. Die Privatklagesache August Neumann zu Glinau gegen den Arbeiter Johann Nowak ebenda wegen Beleidigung wurde durch Vergleich erledigt.
10. Die Privatklagesache des Dienstmädchens Stege gegen Männel endete ebenfalls durch Vergleich.
11. Die Privatklagesache des Eigentümers Sommerfeld gegen den Gastwirt Schmidt wegen Beleidigung findet ihre Erledigung dadurch, daß der Kläger seine Klage zurückzieht.
12. In der Privatklagesache des Valentin Schwiedt gegen den Arbeiter Trczeiczak aus Charlottenburg wegen Beleidigung wurde letzterer mit 5 Mark bestraft.

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Schöffengerichtssitzung vom 18. Oktober 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Stellmachermeister Steinke-Bukowiec und Förster-Konkolewo.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

1. Der Eigentümer Händsche aus Punkenhauland wurde wegen Jagdvergehens mit 30 Mark bestraft, auch wurde auf Einziehung des Gewehrs erkannt.
2. Der Eigentümer Girndt-Neuborui, der wegen Körperverletzung seines Dienstjungen angeklagt war, wurde freigesprochen.
3. Der Eigentümer Stephan Kazmierczak aus Bolewitz war wegen Hausfriedensbruchs, Beleidigung und Körperverletzung angeklagt. Es traf ihn eine Geldstrafe von 15 Mark.
4. Karl Schmidt in Altborui war angeklagt, den Eigentümer Lüdke daselbst gemißhandelt zu haben. Die Sache wurde vertagt.
5. Der Maler Heinrich Linke in Altborui war angeklagt, den Gefangenen-Aufseher Lachmann in Neutomischel im Amte beleidigt zu haben. Er wurde deswegen mit einer Woche Gefängnis bestraft.
6. Eine Woche Haft trifft den Einwohner Lottka aus Scherlanke, weil er durch Lärm in Neutomischel groben Unfug verübt hat.
7. Der Eigentümer Gotthold Winter aus Chichagora waren wegen Beleidigung und Mißhandlung der Frau Martha Roy angeklagt. Er wurde freigesprochen.
8. Ebenfalls freigesprochen wurde die Marianna Maczyewicz, die wegen Hausfriedensbruchs angeklagt war.
9. Der Eigentümer Stephan Fliege aus Bolewitz hatte gegen seinen Strafbefehl, der ihm in Höhe von 10 Mark vom Distriktsamt wegen Uebertretung der Baupolizei-Verordnung zugestellt worden war, Einspruch erhoben und erzielte seine Freisprechnug.
10. Die Verhandlung der Privatklagesache Chmischalski gegen Heinicz und umgekehrt Heinicz gegen Chmischalski aus Wonsowo endet damit, daß die Klage und die Widerklage zurückgenommen wurden und jede Partei ihre Kosten übernimmt.
12. In der Pfivatklagesache der Magdalena Dudeck gegen Manock und umgekehrt Manock gegen Dudeck erfolgt beiderseits Freispruch. Jede Partei trägt ihre Kosten

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Schöffengerichtssitzung vom 08. November 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren Herr Reschke-Scharke und Herr Saegner Sempolno.Bemerkt sei noch, daß dieser Sitzung der Herr Erste Staatsanwalt aus Meseritz beiwohnte.

Es wurden folgende Sachen verhandelt:

1. Der Arbeiter Lottka aus Scherlanke hatte in Neutomischel ruhestörenden Lärm verursacht und wurde deswegen mit 3 Tagen Haft bestraft.
2. Der Tischlergeselle Max Olschewski aus Neutomischel wurde wegen Erregung ruhestörenden Lärms, Sachbeschädigung und Körperverletzung zu 23 Mark Strafe verurteilt
3. Der Arbeiter Hermann Daniel aus Glinau war des Diebstahls angeklagt; er wurde freigesprochen
4. Die Eigentümertochter Katarina Mis aus Witomischel hatte einen Strafbefehl in Höhe von 2 Mark erhalten, weil sie einige Birnen entwendet haben sollte. Sie hatte Einspruch erhoben, wurde jedoch mit einem Verweis bestraft.
5. Ebenfalls mit einem Verweis wurde das Küchenmädchen Janischewsky aus Bollwitz bestraft, weil es sich verschiedene Gegenstände von geringem Wert widerrechtlich angeeignet hatte, die aber dem rechtmäßigem Eigentümer wieder zurückgegeben worden sind.
6. Der Arbeiter Peter Staniszewski aus Drebiskirchen bei Wismar hatte zwei Fahrräder gestohlen und wurde deswegen mit 10 Tagen Gefängnis bestraft.
7. Der Holzarbeiter Reinhold Franke erhielt wegen Sachbeschädigung eine Strafe von 10 Mark
8. Die Handelsfrau Anna Kunikiewicz aus Neutomischel traf eine Strafe von 5 Mark wegen Hausfriedensbruch.
9. Gleichfalls wegen Hausfriedensbruch wurde der Arbeiter Hermann Franke aus Neuborui mit 10 Mark Strafe belegt.
10. Der Eigentümer August Blinowa aus Paprotsch wurde wegen Jagdvergehens mit 30 Mark bestraft, auch wurde auf Einziehung des Gewehrs erkannt.
11. Der Fuhrmann Reinhold Weber aus Neutomischel, der Eigentümer Paul Müller aus Kozielaske und dessen Ehefrau waren des Hausfriedensbruchs, ferner der Körperverletzung und Beleidigung der Eigentümer Stenschke‘schen Eheleute in Scherlanke beschuldigt. Weber wurde mit 40 Mark, die beiden anderen Angeklagten mit je 10 Mark bestraft.
12. Anna Grocholewski, Gottlieb Rau und Ernestine Rau, sämtlich aus Scherlanke, waren der Körperverletzung des Ehemannes der ersteren angeklagt. Die Grocholewski wurde mit 10 Mark bestraft, Gottlieb Rau wurde freigesprochen und Ernestine Rau traf eine Geldstrafe von 3 Mark.

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Schöffengerichtssitzung vom 29. November 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen Herr Besitzer Reinhold Roy aus Glinau und Herr Bäckermeister Liepelt aus Neutomischel.

Es wurden folgende Sachen verhandelt:

1. Der Eigentümer Otto Heyder aus Altborui hatte einen Strafbefehl in Höhe von 5 Mark erhalten, weil er seinen schulpflichtigen Dienstjungen vom Schulbesuch ferngehalten hatte. Er hatte gerichtliche Entscheidung beantragt, zog aber seinen Antrag heute wieder zurück.
2. Pauline Bergmann aus Düsseldorf, früher in Glinau, war des Hausfriedensbruchs und des Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt. Sie wurde dieserhalb mit 2 Wochen Gefängnis und drei Tagen Haft bestraft.
3. Der Knecht Richard Jocholke aus Neutomischel war des Diebstahls beschuldigt. Er wurde freigesprochen.
4. Die Sache des Arbeiters Weymann aus Gronsko, der wegen Unterschlagung angeklagt war, wurde vertagt.
5. Der Eigentümer Franz Zeidler aus Grudno wurde wegen Beleidigung und Sachbeschädigung zu einer Gesamtstrafe von 18 Mark bestraft
6. Der Knecht Joseph Mai aus Brody, früher in Chraplewo, wurde wegen Beleidigung des Vogts Knobel und Inspektors Holz mit 30 Mark bestraft.
7. Der Tischlermeister Nawrot in Bolewitz war wegen Trunksucht u.s.w. angeklagt. Die Sache wurde vertagt.
8. Derselbe war auch wegen Hausfriedensbruchs angeklagt, und traf ihn dieserhalb eine Strafe von 10 Mark.

Es gelangen dann noch vier Privatklagesachen zur Erledigung, eine davon wird abgewiesen, ein Beklagter wird zu 10 Mk. verurteilt, die beiden letzten enden durch Vergleich.

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Schöffengerichtssitzung vom 20. Dezember 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Ortsschulze Gebauer aus Scherlanke und August Roy aus Paprotsch.

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

1. Die Angeklagte Rataiczak aus Bukowiec war unentschuldigt dem heutigen Termin ferngeblieben, weshalb ihre demnächstige Vorführung beschlossen wurde.
2. Der Malergehilfe Oswald Gehrke aus Neutomischel wurde wegen Sachbesschädigung und Beleidung zu einer Gesamtstrafe von 10 Mark verurteilt.
3. Der Arbeiter Karl Schmidt aus Altborui wurde wegen Körperverletzung in einem Falle mit einer Woche Gefängnis bestraft, wegen eines zweiten Falles aber freigesprochen.
4. Der Eigentümer Gustav Quast aus Schwarzhauland wurde wegen Unterschlagung einer Taube mit 10 Mark bestraft.
5. Die Arbeiterfrau Agnes Mania aus Rose erhielt wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruches 6 Mk. Strafe.
6. Tischler Nawrot aus Bolewitz war der Uebertretung des § 361 Abs. 5 des R.-St.-B. angeklagt. Nach verhandelter Sache wurde er freigesprochen.
7. Ebenfalls freigesprochen wurde der Arbeiter Stephan Weimann aus Gronsko, der wegen Betruges und Diebstahls angeklagt war.
8. Der Knecht Richard Rau aus Neutomischel hatte kürzlich einen Strafbefehl von 6 Mark erhalten, weil er die Anordnungen seiner Herrschaft nicht befolgt. Gegen diesen Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben, den er heute wieder zurückzog.
9. Der Gepäckträger Otto Raschke aus Neutomischel war der Körperverletzung beschuldigt und wurde dieserhalb mit 15 Mark bestraft.
10. Der Eigentümer Robert Neumann und der Eigentümer August Giering aus Cichagora waren der gegenseitigen Körperverletzung angeklagt und wurde jeder zu 20 Mark Strafe verurteilt.
11. Der Knecht Valentin Lenski von hier war der vorsätzlichen Körperverletzung angeklagt. Er wurde mangels hinreichender Beweise freigesprochen.
12. Der Eigentümer Otto Heyder-Neuborui hatten seinen schulpflichtigen Hütejungen vom Schulbesuch zurückgehalten; der Angeklagte hat hierfür eine Schulstrafe von Mk. 3,60 zu zahlen.
13. Der Eigentümer August Kurz aus Friedenhorst nahm seine Privatklage, die er wegen Beleidigung gegen die Arbeiterfrau Grunwald-Paprotsch angestrengt hatte, im Vergleichswege zurück, während die Beklagte die Kosten zu tragen hat.
 

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Quelle: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel 1905 / Ausgaben July-Dezember
 

Orgelumbau in Kuschlin – 1911

Die ehem. evgl. Kirche zu Kuschlin - Bilder EA

Die ehem. evgl. Kirche zu Kuschlin – Bilder EA

“In der hiesigen Kuschliner evangelischen Kirche ist die Orgel einem gänzlichen Umbau unterzogen worden. Herr Orgelbauer Janott aus Neutomischel hat seine Tüchtigkeit bewiesen, indem er ein vorzügliches pneumatisches Werk hergestellt hat.

Am 26. v. Mts. (26. August 1911) weilte Herr Kantor Tamke aus Neustadt b. P. hier, um unter Beisein des Herrn Pfarrer Fischer und des Gemeinde-Kirchenrates das neue Werk abzunehmen. Er hat über die umgebaute Orgel ein sehr günstiges Urteil gefällt, das seinem Meister zur Ehre gereicht.”

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lesen Sie hierzu auch:

Orgelbau-Anstalt Dienegott Janott, Neutomischel, Prov. Posen
http://hauland.de/orgelbau-anstalt-dienegott-janott-neutomischel-prov-posen/
 
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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1911-09-05

Kritische Stimmen zum “deutschen” Treiben – 1911

Glier's Hotel - Bild: Lwówek na dawnej pocztówce

Glier’s Hotel – Bild: Lwówek na dawnej pocztówce

Am 21. Juli 1911 in der No. 58 berichtete das Neutomischler Kreisblatt über ein “deutsches Verbrüderungsfest” welches am Sonntag, dem 16. Juli 1911 in Neustadt bei Pinne stattgefunden hatte. Es war ein Bericht, wie viele andere auch …

Dieses Fest wurde in einem Leserbrief, welcher in der Ausgabe vom 25. Juli 1911, jedoch unter anderen Gesichtspunkten dargestellt.

Diese kritische Zuschrift ist einige der wenigen, die abgedruckt wurden. Leider ist nicht erwähnt, wer der Einsender – “von beachtenswerter Seite” – gewesen war.

 

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1911-07-21 Der Beitrag:

Ein echtes deutsches Verbrüderungsfest feierte der hiesige Männergesangsverein “Concordia” am vergangenen Sonntag.Nachmittag 2 Uhr begann der Ausmarsch der Sänger vom evangelischen Schulhause aus. Voran schritt die Bomster Musikkapelle unter der bewährten Kapellmeister, Herrn Müller. Dann folgten die Damen des gemischten Chores der evangelischen Gemeinde; daran schloß sich der Zug der Sänger. Nach einem Umzuge durch die Hauptstraßen der Stadt gelangte man auf den Turnplatz. Hier erfreute die Kapelle die Gäste durch ihre schöne Spielweise. Der Gesangsverein “Concordia” und der gemischte Chor wetteiferten um die Gunst der Anwesenden.Besonders wurden die Lachmuskeln angeregt durch eine amerikanische Versteigerung.

Herr Kantor Tamke hielt hierauf eine Festrede. Unter anderem führte er etwa folgendes aus: “Die Gesangsvereine, meine verehrten Gäste, haben versucht, zu singen. Es singt die Mutter an der Wiege des Kinde. Es singt das Kind in der Schule, das Brautpaar am Traualtar. Unser Verein hat es sich zur Aufgabe gestellt, Volkslieder zu singen. Unser Kaiser ist es, der das Volkslied gepflegt wissen will. Er hat ein Volksliederbuch herausgeben lassen, um die Einigkeit im Volksliede zu bewahren. Wir Sänger sind ihm deshalb zu heißem Danke verpflichtet. Wir deutschen Sänger wollen für die Liebe, die er uns dadurch erwiesen hat, auf keinen Fall hinter seiner zurückstehen. Wir wollen ihn lieben und ehren, ihm die Treue bis zum letzten Atemzuge halten. Unsere Treue zu Kaiser und Reich wollen wir erneuern, indem wir in den Ruf einstimmen: Unser allergnädigster Kaiser, König und Herr, er lebe Hoch! Hoch! Hoch!”

Hierauf spielte die Kapelle unser Nationallied.

Trotz des kühlen Wetters herrschte doch Freude und Fröhlichkeit und nur allzufrüh erfolgte der Aufbruch für das junge Volk, welches sich beim Tanze vergnügt hatte. Abends 10 Uhr marschierte man ein. Leider sollte dieses schöne Fest dadurch einen jähen Abbruch erleiden, daß es dem jüngeren Volke nicht mehr vergönnt sein sollte, dem Tanze zu huldigen.

 

1911-07-25 Der Leserbrief:

Von beachtenswerter Seite wird uns folgendes geschrieben:Der Artikel in Ihrer Nummer 56, (war No. 58), betreffend das echte deutsche Verbrüderungsfest des Männer-Gesang-Vereins Concordia, welcher tendenziös wirken soll, kann nicht unberichtigt bleiben.Zunächst ist von einem Verbrüderungsfest nichts wahrgenommen worden. An dem Vergnügen haben sich ausschließlich nur die wenigen Mitglieder des Vereins beteiligt.

Die meisten deutschen Beamten, Lehrer und besseren Bürger der Stadt und Umgebung haben sich von dem Feste überhaupt fern gehalten. Die jüdischen Einwohner haben sich mit Ausnahme von einer Familie infolge von Taktlosigkeiten ihnen gegenüber bei dem vorjährigen Sommervergnügen des Vereins gar nicht beteiligt.

Infolge des kalten Wetters ist auf dem Festplatze dem Alkoholgenusse stark zugesprochen worden.

Dieses so schöne Fest erlitt nicht, wie behauptet, sondern dadurch einen jähen Abbruch, daß nach dem Einmarsch in Glier’s Hotel ein Mitglied des Vereins eine Bürgers- und Beamtenfrau der besseren Gesellschaft im öffentlichen Lokale in taktlosester Weise beleidigte und sich schleunigst aus dem Lokale entfernen mußte, weil er sonst von den Anwesenden wegen dieses ungehörigen Benehmens gezüchtigt worden wäre.

Derartige sich immer wiederholende unerfreuliche Vorgänge innerhalb des Vereins sind nur geeignet, dem schon auf sehr schwachen Füßen stehenden Deutschtum hierorts zu schaden und es vor den Augen der übrigen Mitbürger, bei welchen solche Sachen nicht vorkommen, lächerlich zu machen.

Da allen Einwohnern der Stadt und Umgebung, für die der Artikel vielleicht von Interesse sein kann, die bedauerlichen Vorgänge bei dem Vergnügen bekannt sind, so hätte der Artikel deshalb im Interesse des Friedens und Ansehens des Deutschtums lieber gar nicht geschrieben werden sollen.

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1911-07-21/25

Otto Johannes Fröde 1894-1968

"Die Welt in Leipzig, Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik Bugra 1914" - Quelle: *1

“Die Welt in Leipzig, Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik Bugra 1914″ – Quelle: *1

Am 30. September 1894 wurde Otto Johannes Fröde geboren. Seine Eltern waren der Küster der Stadt Neutomischel  Johann Wilhelm Friedrich Fröde und dessen Ehefrau Johanna Christine geborene Seidel.

Unter Otto Dorfner, einem Buchbindermeister und Einbandgestalter, welcher als Werkstattleiter und Hochschullehrer an der Kunstgewerbeschule in Weimar wirkte, erlernte er das Buchbinderhandwerk.

Aufgrund seiner dortigen Leistungen als Buchbindergehilfe wurde er zur erleichterten 1-jährigen Prüfung zugelassen, die er mit Erfolg bestand.

Anlässlich der “Bugra” – der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik – druckte das Neutomischler Kreisblatt am 13. Mai 1914 nachfolgenden Artikel:

“Auf der kürzlich in Leipzig eröffneten “Bugra” werden Buchbinderarbeiten der Großh. S. Kunstgewerbeschule ausgestellt, unter denen sich auch Bucheinbände eines Kindes unserer Stadt, des Buchbindergehilfen Otto Froede, der diese Kunstgewerbeschule besucht, befinden.

Otto Froede - "Die Handbuchbinderei" - Bucheinband

Otto Froede – “Die Handbuchbinderei” – Bucheinband

Wir entnehmen über die in dem Raume des Jacob Krauße-Bundes ausgelegten Arbeiten der Weimarschen Zeitung u. a. folgendes: Die gezeigten Bücher bedeuten für jeden ästhetischen Menschen eine wahre Augenweide. Sie stellen seine Qualitätsarbeit dar, und zeichnen sich aus durch gediegenes Material, echte Techniken, vornehm künstlerischen Form- und Schmuckgebung. Umschlagszeichnungen, Ornamentik (in Handvergoldung oder Blinddruck) weisen die prächtigsten Entwürfe, einfache oder prunkvolle, auf. Inhalt und Gewandung der Bücher stehen im Einklang. Standardwerke der Weltliteratur, Bibel, Bergpredigt, Faust, Dantes Göttliche Komödie, Boccaccios Dekamerone bieten sich so in schmuckem, würdigem Gewande dar.

Den Stolz jedes Bibliophilen bilden würden die prächtigen Bände des Lehrers, von Frau Lampe von Guaita, Otto Froede, Friedrich Schneider, Frl. Reffke, Wilhelm Dose, die besonders gefielen.”

Otto Froede veröffentlichte später mehrere Fach-Bücher, war Inhaber ein Buchbinderei – Tegeler & Co. Buntpapier, Luppenstr. 5, später in der Kirschbergstr. 34 in Leipzig

Laut einer Interneteintragung verstarb Otto Froede im Jahr 1968.

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: *1 Ausstellungspostkarte: http://www.dnb.de/SharedDocs/Bilder/DE/DNB/Pressemitteilungen/aeBugra/03Ausstellungspostkarte.jpg?__blob=normal; Zeitungsartikel: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1914-05-13

 

 

Wettfahrt mit Folgen / 1901

Galopp 1Endete unser Artikel über das “Schinschern” mit dem Satz:

“Zur Verhütung von Unglücksfällen sollten die Kinder durch alle, die auf sie einwirken in der Lage und berechtigt sind, angehalten werden, dem winterlichen Vergnügen nur dort obzuliegen, wo keine Gefahr von Passanten damit verbunden ist.”

Fragen wir uns nun mit einem Schmunzeln wer denn wohl auf die Erwachsenen einwirkte und dazu berechtigt war … ?

Es fand sich folgende Zeitungsmeldung:

“Kirchplatz Boruy – Am vorigen Freitag (06.12.1901) fand die Hochzeit der Tochter des Eigenthümers Wilhelm Schulz in Boruy statt.

Zur kirchlichen Trauung begaben sich die Hochzeitsgäste nach Kirchplatz Boruy. Auf dem Rückwege wurde ein Wettfahren veranstaltet. Hierbei fuhr einer der Hochzeitswagen an einen Grenzstein an.

Infolge dessen stürzte der Wagen um. Die Pferde scheuten, zerbrachen die Wagendeichsel und gingen durch.

Die Insassen des Wagens, darunter eine Frau aus Berlin, trugen größere oder kleinere Verletzungen davon. Die Verletzten konnten infolgedessen zum Theil an der Hochzeitsfeier nicht mehr theilnehmen.”

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1901-12-10

 

“Schinschern” oder “Kascheln” / 1901

Schinschern111“Bei dem jetzigen Frostwetter beginnt von unserer lieben Schuljugend sofort wieder das sogenannte “Schinschern” oder “Kascheln”.

Jede nur erreichbar Pfütze, und mag sie noch so klein sein, wird zu diesem winterlichen Sport benutzt.

Dieses an und für sich ziemlich harmlose Vergnügen ist ja auch der lieben Jugend von Herzen zu gönnen, nur sollte nicht jedes beliebige Trottoir innerhalb der Straßen der Stadt dazu Verwendung finden. Durch die entstehende Glätte kommen fast täglich einige Erwachsene, welche die sogenannten “Schinschern” namentlich Abends bei eintretender Dunkelheit, nicht bemerken, zu Fall und ziehen sich oft schwere Verletzungen zu.

Zur Verhütung von Unglücksfällen sollten die Kinder durch alle, die auf sie einwirken in der Lage und berechtigt sind, angehalten werden, dem winterlichen Vergnügen nur dort obzuliegen, wo keine Gefahr von Passanten damit verbunden ist.”

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1901-12-20

 

Ende eines Brauches – Christnachtfeier in Neutomischel – Weihnachten 1912

Candels - Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Candels.JPG?uselang=de

Candels – Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Candels.JPG?uselang=de

Am 17. Januar 1913 erschien im Neutomischler Kreisblatt nachfolgender Artikel . . .

“Mit einem von altersher in der hiesigen evangelischen Kirche eingeführten Brauch des “Quempas-Singens” bei der Feier der Christnacht am Vorabend des Weihnachtsfestes hat man leider gebrochen, und enttäuscht trat wohl so mancher Kirchenbesucher diesmal seinen Heimweg an.

Es ist keineswegs zu bestreiten, daß durch die große Menge der meist von Kindeshand getragenen, brennenden Kerzen und Wachsstöcke, durch Hantierung mit den Lichterkreuzen und -pyramiden der jungen Chorsänger auf den Emporen gar zu schnell ein Unglück geschehen könnte. Auch hätte oft die geradezu lebensgefährlich zu nennende Überfüllung des alten Gotteshauses am heiligen Abend bei den unzureichenden Ausgängen leicht zu einer traurigen, nicht abzusehenden Katastrophe führen können.

Weshalb verschließt sich die Kirchenverwaltung aber noch immer dem Ausbau weiterer Ausgänge und Treppenanlagen? Die Breiten- und Steigungsverhältnisse der letzteren dürften nach den heutigen baupolizeilichen Bestimmungen kaum für Wohnhäuser zulässig sein.

Es mögen vielleicht auch noch, wie man hört, unliebsame Vorkommnisse oder Ungehörigkeiten einzelner Kirchenbesucher als Beweggrund für die vorerwähnte Änderung mitgesprochen haben. Immerhin ist es doch sehr bedauerlich, wenn dieserhalb aus unserer Kirche, die sozusagen eine Geschichtstafel der hiesigen Gegend bildet, der jedenfalls schon von den ersten deutschen Ansiedlern eingeführte Brauch des “Quempas, oder Gottessohnsingens verschwinden soll.

Aus der Stadt und vom Lande, aus den entlegensten Winkeln der weitverzweigten Parochie strömte alljährlich, auch bei ungünstigem Wetter, alt und jung sonst herbei, und selbst der seltenste Kirchenbesucher hielt gewohnheitstreu von Kindheit an fest zu dieser seiner heimatlichen Christnachtfeier.

Ein ehemaliger Neutomischeler schreibt in seinen Erinnerungen über dieselbe: “Die Wirkung jener Feier ist mächtig, und der Mensch, der sie als Kind erlebt hat, verliert diesen herrlichen Eindruck nie, so lange er lebt.”

* * *

Quempas Singen - Benannt nach einem alten Christnachts-Wechselgesang aus dem 14. Jahrhundert mit ehemals lateinischen, später lateinisch-deutschem Text: “Quem pastores landavere”, “Den die Hirten lobten sehre”.

Gottessohnsingen – “Gottes Sohn ist Mensch geboren” (Solo) verkünden kleine Meistersinger der Schuljugend in den Schlußstrophen einen Weihnachtsliedes.”

* * *

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag:

Adventszeit und Christabend in Neutomischel – um 1847 – Autor: Johann Carl Berthold Roy (1895)

http://hauland.de/adventszeit-und-christabend-in-neutomischel-um-1847/#more-9518

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” Januar 1913

Scherlanke / Przyłęk – Statistik aus dem Jahr 1793

sierlanke

Scherlanke – Zielonka – Sierlanko – Przyłęk

In Prästationstabellen sind die Grundeigentümer mit der Größe Ihrer Grundstücke und den zu leistenden Abgaben aufgelistet,  sowie auch die Daten über das vorhandene Vieh und letztlich die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen.

Nachstehend ist diese Tabelle in Auszügen für die Höfe des Dorfes Scherlanke – Zielonka – Sierlanko – Przyłęk des Jahres 1793 zu finden

 

No. der Feuer- stellen

Namen und Qualität der Einsassen

Besitzen an Land nach Culmischen Maas

Haben an Aussaat: (für Weizen, Gerste, Erbsen, Hiersen, Hanf und Grütze fanden sich keine Daten) Angaben in Scheffel

Garten einfall

Heuschlag (für 4-spännig keine An- gaben, alle Erhebungen nur für 2-spännig

Huf

M

Rut

Roggen

Leinsaat

Haaber

Schfl

Mtz

1

Pflaum, Gottfried

1

16

12,00

0,50

11,50

2

3,0

2

Janotte, Mertin

1

19

10,00

0,50

9,50

2

3,0

3

Hoffmann, Mertin

1

14

12,00

0,50

10,00

2

3,0

4

Ortlib, Johann

1

14

12,00

0,50

10,00

2

3,0

5

Weber, Michal

1

16

12,00

0,50

11,50

2

3,0

6

Webern, Johanna

1

11

10,00

0,50

9,50

2

3,0

7

Welke, Christian

1

25

14,00

0,50

13,50

2

4,0

8

Gellert, Gottfried

1

10

10,00

0,50

9,50

2

3,0

9

Schulz, Mertin 

1

8

9,00

0,50

8,50

2

3,0

10

Hein, Johann Friedrich

1

10

10,00

0,50

9,50

2

3,0

11

Janotte, Michal

1

10

10,00

0,50

9,50

2

3,0

12

Pflaum, George

1

4

9,00

0,50

9,50

2

3,0

13

Krepel, Andreas  

1

11

10,00

0,50

9,50

2

3,0

14

Hecke, Christoph

1

9

10,00

0,50

9,75

2

3,0

15

Pflaum, Johann George

1

6

9,00

0,50

5,50

2

3,0

16

Pflaum, Christian

1

9

10,00

0,50

9,50

2

3,0

17

Leske, Johann Friedrich

1

5

9,00

0,25

8,50

2

3,0

18

Roy, Martin

1

4

9,00

0,25

8,50

2

3,0

19

Schaefler, Gottlob

1

11

10,00

0,50

9,50

2

3,0

20

Schlinke, John  

1

10

10,00

0,50

9,50

2

3,0

21

Freuer, Michel

1

8

9,50

0,25

9,00

2

3,0

22

Strauch, Michel

1

2

8,00

0,25

7,75

2

3,0

23

Rau, Mertin . SCHÄNKER

1

1

8,00

0,25

7,75

2

3,0

24

Kaiser, Christoph

1

8,00

0,25

7,75

2

3,0

25

Stein, Johann

1

8,00

0,25

7,75

2

3,0

26

Kunike, Gottfried

27

7,50

0,25

7,25

1

8

3,0

27

Schrötter, Gottfried – SCHOLTZ

27

7,50

0,25

7,25

1

8

2,0

28

Seyde, Mertin

26

7,00

0,25

6,75

1

8

2,0

29

Zitere, Johann Friedrich

25

7,00

0,25

6,75

1

8

2,0

30

Pflaum, Hans George

25

7,00

0,25

6,75

1

8

2,0

31

Krüger, Christian

15

7,00

0,25

6,75

1

8

2,5

32

Tschirner, Andreas

23

6,00

0,25

5,75

1

8

1,5

33

Seyde, Christian

23

6,00

0,25

5,75

1

8

2,0

34

Kuk, Michel

21

5,75

0,25

5,50

1

8

2,0

35

Prüfer, Johann George

21

5,75

0,25

5,50

1

8

2,0

36

Stein, Michel

21

5,75

0,25

5,75

1

8

2,0

37

Hausler, Michel

20

5,5

0,25

5,50

1

8

2,0

38

Hecke, George

20

5,5

0,25

5,50

1

8

2,0

39

Welcke, Gottfried  

20

5,5

0,25

5,50

1

8

2,0

40

Fützner, Gottfried  

20

5,5

0,25

5,50

1

8

2,0

41

Bürger, Johann George  

20

5,5

0,25

5,50

1

8

2,0

42

Hecke, George Friedrich

20

5,5

0,25

5,50

1

8

2,0

43

Stein, Gottfried

18

5

0,25

4,75

1

4

2,0

44

Janotte, George

18

5

0,25

4,75

1

4

2,0

45

Druske, Johann Gottlob

18

5

0,25

4,75

1

4

2,0

46

Säge, Gottfried  

25

7

0,25

6,5

1

2

3,0

47

Schulz, Michel  

3

2

12

0,5

48

Kirsch, Johann – KRÜGER

15

4

0,25

3,50

1

8

1,0

49

Reinsch, Johann – RADMACHER

3

2

12

0,5

50

Muller, Gottlieb

3

2

12

0,5

51

Kasurke, Christian – EINLIEGER

zu 40

Nitschke, Bernhard

zu 41

Weyzenburg, Hans

zu 20

Steinke, Martin

zu 13

Kraepel, Gottlob

zu 9

Kretschmer, George

zu 39

Scholz, Hans George

zu 46

Buk, Siegemund

zu 47

Kühn, Michel

zu 9

Freuer, Gottfried

zu 28

Kühn, Michel

zu 47

Zimmermann, Mitlieb (W?)

 

No. der Feuer- stellen

Namen und Qualität der Einsassen

Haben an Vieh: Angaben in Stück 1. Pferde, 2. Ochsen, 3. Kühe, 4. Jungvieh, 5. Schafe, 6. Zuchtschweine, 7. Ziegen (hier keine)

Bienenstöcke Angaben in Stück A. Waldbienen, B. Gartenbienen

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

A.

B.

1

Pflaum, Gottfried

1

2

2

1

1

2

Janotte, Mertin

2

2

2

1

3

Hoffmann, Mertin

1

1

2

1

1

4

Ortlib, Johann

1

1

2

2

1

5

Weber, Michal

2

1

2

1

6

Webern, Johanna

2

1

1

7

Welke, Christian

2

2

1

1

1

8

Gellert, Gottfried

2

1

1

9

Schulz, Mertin

2

2

2

1

10

Hein, Johann Friedrich

2

2

2

1

11

Janotte, Michal

1

1

2

2

1

12

Pflaum, George

2

1

1

1

13

Krepel, Andreas

2

1

1

8

1

14

Hecke, Christoph

2

1

1

1

15

Pflaum, Johann George

2

2

1

1

16

Pflaum, Christian

2

1

1

1

17

Leske, Johann Friedrich

2

1

1

1

18

Roy, Martin

2

1

1

1

19

Schaefler, Gottlob

2

1

1

1

20

Schlinke, John

2

3

1

21

Freuer, Michel

2

1

2

1

1

22

Strauch, Michel

1

1

1

1

1

23

Rau, Mertin . SCHÄNKER

2

1

2

1

24

Kaiser, Christoph

2

1

1

1

25

Stein, Johann

2

1

1

1

26

Kunike, Gottfried

1

1

1

1

1

27

Schrötter, Gottfried – SCHOLTZ

2

1

2

1

28

Seyde, Mertin

1

1

1

1

29

Zitere, Johann Friedrich

1

1

2

1

1

30

Pflaum, Hans George

2

1

1

1

31

Krüger, Christian

2

1

1

32

Tschirner, Andreas

2

1

1

33

Seyde, Christian

2

1

1

34

Kuk, Michel

2

1

1

1

35

Prüfer, Johann George

1

1

1

1

1

36

Stein, Michel

2

1

1

1

37

Hausler, Michel

1

2

1

1

1

38

Hecke, George

2

1

1

39

Welcke, Gottfried

1

2

1

1

40

Fützner, Gottfried

2

1

1

1

41

Bürger, Johann George

1

2

1

1

42

Hecke, George Friedrich

1

1

1

1

43

Stein, Gottfried

1

1

1

1

1

44

Janotte, George

1

1

1

1

1

45

Druske, Johann Gottlob

2

1

1

46

Säge, Gottfried

2

1

1

1

47

Schulz, Michel

1

48

Kirsch, Johann – KRÜGER

1

1

49

Reinsch, Johann – RADMACHER

1

1

50

Muller, Gottlieb

1

1

51

Kasurke, Christian – EINLIEGER

zu 40

Nitschke, Bernhard

zu 41

Weyzenburg, Hans

1

zu 20

Steinke, Martin

1

zu 13

Kraepel, Gottlob

zu 9

Kretschmer, George

1

zu 39

Scholz, Hans George

zu 46

Buk, Siegemund

zu 47

Kühn, Michel

zu 9

Freuer, Gottfried

zu 28

Kühn, Michel

zu 47

Zimmermann, Mitlieb (W?)

 

No. der Feuer- stellen

Namen und Qualität der Einsassen

Seelen-Zahl

 

 

Wirthe unter 60 Jahre

Wirthe über 60 Jahre

Wirth- innen

Kinder männ- lich

Kinder weib- lich

Dienst- boten männl

Dienst- boten weibl

Summe Be- wohner

1

Pflaum, Gottfried

1

1

1

3

1

7

2

Janotte, Mertin

1

1

2

3

2

1

10

3

Hoffmann, Mertin

1

1

2

1

1

1

7

4

Ortlib, Johann

1

2

2

1

1

1

8

5

Weber, Michal

1

1

5

2

9

6

Webern, Johanna

1

3

1

5

7

Welke, Christian

1

1

2

1

1

6

8

Gellert, Gottfried

1

2

5

8

9

Schulz, Mertin 

1

1

3

1

6

10

Hein, Johann Friedrich

1

2

2

2

7

11

Janotte, Michal

1

1

2

1

5

12

Pflaum, George

1

1

1

2

5

13

Krepel, Andreas  

1

1

2

1

5

14

Hecke, Christoph

1

1

1

1

4

15

Pflaum, Johann George

1

1

2

3

7

16

Pflaum, Christian

1

1

1

1

1

5

17

Leske, Johann Friedrich

1

2

1

1

1

6

18

Roy, Martin

1

1

5

7

19

Schaefler, Gottlob

1

1

3

2

1

8

20

Schlinke, John  

1

1

3

3

1

9

21

Freuer, Michel

1

1

3

2

1

8

22

Strauch, Michel

1

1

1

1

1

5

23

Rau, Mertin . SCHÄNKER

1

1

1

1

1

5

24

Kaiser, Christoph

1

1

1

1

1

5

25

Stein, Johann

1

1

2

4

8

26

Kunike, Gottfried

1

1

4

2

8

27

Schrötter, Gottfried – SCHOLTZ

1

2

2

2

7

28

Seyde, Mertin

1

1

2

4

29

Zitere, Johann Friedrich

1

1

1

2

1

6

30

Pflaum, Hans George

1

1

2

1

5

31

Krüger, Christian

1

1

2

2

6

32

Tschirner, Andreas

1

1

2

3

7

33

Seyde, Christian

1

1

2

4

8

34

Kuk, Michel

1

1

2

1

5

35

Prüfer, Johann George

1

1

2

1

1

6

36

Stein, Michel

1

1

2

3

1

8

37

Hausler, Michel

1

1

2

1

5

38

Hecke, George

1

1

2

1

5

39

Welcke, Gottfried  

1

1

1

3

40

Fützner, Gottfried  

1

2

3

1

7

41

Bürger, Johann George  

1

1

2

4

42

Hecke, George Friedrich

1

1

1

1

4

43

Stein, Gottfried

1

1

2

2

1

1

8

44

Janotte, George

1

2

1

1

5

45

Druske, Johann Gottlob

1

1

1

1

4

46

Säge, Gottfried  

1

2

2

3

8

47

Schulz, Michel  

1

1

1

3

6

48

Kirsch, Johann – KRÜGER

1

1

1

3

49

Reinsch, Johann – RADMACHER

1

2

1

3

7

50

Muller, Gottlieb

1

1

2

51

Kasurke, Christian – EINLIEGER

1

1

3

5

zu 40

Nitschke, Bernhard

1

1

2

4

zu 41

Weyzenburg, Hans

1

1

3

5

zu 20

Steinke, Martin

1

1

1

3

zu 13

Kraepel, Gottlob

1

1

2

zu 9

Kretschmer, George

1

1

2

4

zu 39

Scholz, Hans George

1

1

2

4

zu 46

Buk, Siegemund

1

1

1

3

zu 47

Kühn, Michel

1

1

2

zu 9

Freuer, Gottfried

1

1

2

zu 28

Kühn, Michel

1

1

2

zu 47

Zimmermann, Mitlieb (W?)

1

1

2

 

Dezember – Grudzień 2016

Weihnachten - Neujahr / Boże Narodzenie - Nowy Rok 2016-2017

Weihnachten – Neujahr / Boże Narodzenie – Nowy Rok 2016-2017

Erinnerungen an Grätz / Grodzisk

Grätz - Alter Markt, links vorn im Bild die frühere Conditorei Jaeger: rechts die Rückseite des ehem. Rathauses / Ansichtskarten Nachdruck

Grätz – Alter Markt, links vorn im Bild die frühere Conditorei Jaeger: rechts die Rückseite des ehem. Rathauses / Ansichtskarten Nachdruck

Vor Jahren saß ich einmal im Kurpark von Warmbrunn und hörte, wie ein Herr am Nachbartisch beim Kellner ein “Glas Grätzer” bestellt. Ein anderer an demselben Tisch fragte: “Woher kommt eigentlich dieses Bier, das besser “Unbier” hieße, weil es so schauderhaft bitter und rauchig schmeckt?”

“O”, hieß es “es ist das anerkannt gesündeste Bier, ganz unschädlich, und so erfrischend! Aber woher es kommt? Hm, doch wohl aus Österreich!”

“Nein”, meinte eine Dame, “Sie denken wohl an Graz! Nein, es kommt, glaube ich, aus Sachsen.”

Was – mein berühmtes Grätz wurde so in fremden Ländern herumgeworfen? Ich wollte schon die Banausen belehren, aber ich bezwang mich. Dagegen stiegen nun mit größter Lebendigkeit die Bilder meines Kindheitsparadieses vor mir auf. Und noch heute scheinen mir etliche davon eigenartig genug, um des Festhaltens wert zu sein.

Man hört jetzt oft die wehmütige Klage, daß es keine Originale mehr gebe. Nun, Grätz hatte vor 65 und mehr Jahren deren eine ganze Menge aufzuweisen.

Aber betrachten wir zuerst das Städtchen selbst, um für jene den richtigen Rahmen zu gewinnen. Grätz zählte damals etwa 3.500 Einwohner. Stellen wir uns in den Mittelpunkt, auf den Marktplatz.

Das Rathaus mitten auf dem Markt / Bild Sammlung A. Kraft

Das Rathaus mitten auf dem Markt / Bild Sammlung A. Kraft

Da steht mitten drauf das Rathaus, ein einfacher, aber stattlicher, zweistöckiger Bau, und ganz in seiner Nähe der Brunnen, über den sich ein Säulentempelchen erhebt, und in dessen Tief das einzigartige Wasser quillt, das dem Grätzer Bier seine gesundheitsfördernde Kraft und seinen Wohlgeschmack verleiht. An drei Seiten des Marktes hatten drei in jedem Sinne gewichtige Brauherrn ihre Häuser, Bibrowicz, Grünberg und Habeck. Der vierte, Bähnisch, wohnte am Neumarkt. An einer Ecke des Marktes stand das vornehmste Hotel der Stadt, “Kutzners Hotel“. Auf der anderen Seite war Jaeger’s Konditorei, in der die Honoratioren lebhaft verkehrten. Ferner war da die Buchhandlung des Herrn Streisand, der den geistigen Bedarf der Stadt mit Geschick und Sachkenntnis zu decken wußte. Er druckte sogar lateinische Doktordissertationen, ohne den Verfassern allzuviel  Mühe durch die Korrekturbogen zu verursachen. Später zog er nach Berlin.

Von den Kirchen ist die damalige alte evangelische Kirche längst durch eine neue, größere ersetzt worden, und die katholische Pfarrkirche, die damals nur eine große Kuppel hatte, ist später noch mit einem Turm versehen worden. Zu meiner Zeit brannte sie einmal ab. Ich erinnere mich lebhaft meines Entsetzens, als unser altes Dienstmädchen mich eines Nachts – noch ganz verschlafen – ans Fenster trug und ich nun den gewaltigen Brand erblickte, der mit mächtigen Flammen und rotglühenden Rauchwolken gen Himmel stieg. Die alte Jagusche sagte beruhigend zu mir: “Es wird bald aufhören, auf der Kuppel steht ja der heilige Florian (der Feuerheilige)!” Aber, siehe da – auch die kupferne Kuppel erglühte! Sie schmolz, und der Heilige begann sich zu neigen! Plötzlich stürzte er herab – zum maßlosen Schrecken der Zuschauer! Später ist er wieder aufgerichtet und vergoldet worden.

Die katholische Kirche zu Grätz / Bild Sammlung A. Kraft

Die katholische Kirche zu Grätz / Bild Sammlung A. Kraft

Nun gab es – abgesehen von der Synagoge, die inmitten des “Judenviertels” mit seinen ganz engen Gäßchen stand – noch eine dritte Kirche in Grätz. Sie gehörte zu einem ehemaligen Kloster, in dessen Räumen die katholische und die evangelische “Stadtschule” untergebracht waren. Das Kloster schien allmählich in die Erde sinken zu wollen, den man stieg zu Eingang einige Stufen hinab. Unregelmäßig verteilte, vielscheibige Fenster blicken aus dem viereckigen Bau hervor, dessen eine Seite durch die Kirche abgeschlossen ist. Vor dem Ganzen liegt ein großer, freier Platz, der Annaplatz, der damals mit Kugelakazien bepflanzt und von einer hölzernen Barriere umschlossen war, auf der früh und spät Kinder entlang balancierten.

Am Eingang zum Platz hält auf hohem Postament ein Heiliger Wache, beschattet von einer mächtigen, alten Linde. Im Laufe vieler, vieler Jahrzehnte hat das stille Heiligenbild auf viele Tausende von Schulkindern herabgeblickt, die sich lachend und schreiend mit erhitzten Gesichtern um sein Postament herum jagten.

Auf der Rückseite des Klosters lagen weite Höfe und Turnplätze und die Gärten der Lehrer, die ihre Wohnungen zum größten Teil ebenfalls innerhalb der alten Mauern hatten. Es ist da viel Raum: überdeckte, halbdunkle Treppen führen auf Korridore mit vielerlei Türen und Nischen, aus denen hier und da Steingesichter etwas unheimlich hervorschauen. Manche Schulklassen lagen auch in Nebengebäuden, und die ABC-Schützen, die zum erstenmal diese Schicksalsstätte betraten, mußten sich durch ein wahres Labyrinth von Gängen hindurchsuchen, ehe sie an ihr Ziel kamen.

Bevor ich jedoch selbst in diese interessante Lage kam, war meine Geistesbildung eine Zeitlang zwei alten Dämchen anvertraut, die eine kleine Klippschule hatten. Fräulein Emilie Krause war ganz lahm und vermochte selbst im Zimmer nur mühsam mit zwei Krücken zu gehen. Ihre Schwester Karoline gab Handarbeitsstunden in der Stadtschule und half auch, uns zu unterrichten. Als ich hinkam, konnte ich schon lesen; aber ich lernte dort stillsitzen, das kleine Einmaleins, Stricken, die zehn Gebote, einige biblische Geschichte und scheiben. Aber dieses Schreiben hatte ich mir später mit vieler Mühe wieder abzugewöhnen! Denn die guten alten Damen hatten nur die seltsamsten Formen für manche Buchstaben (für s, ss, ß, st), sondern auch eine Rechtschreibung, in der das y noch eine große Rollte spielte (bey, frey), von der Machtstellung des h gar nicht zu reden! In meinem ersten Zeugnis der nächsten Schule stand zu lesen: “Schreiben: Schrift zu altväterisch.” Und einmal sollte sich einen “Aufsatz” über den Kometen machen, von dem ich nichts wußte, als daß er am Himmel erscheine und einen “Schwanz” habe, was ich mir doch gar nicht zusammenreimen konnte? Ich hörte dann zufällig, wie mein Vater zu meiner Mutter sagte: “Vielleicht hoffte Fräulein Krause, wir würden bei dem Aufsatz helfen, und so werde sie selbst etwas Näheres über dieses merkwürdige Himmelswesen erfahren.”

Die Klosterkirche und Stadtschule / Bild Sammlung A. Kraft

Die Klosterkirche und Stadtschule / Bild Sammlung A. Kraft

In der Stadtschule hatte ich nur mit drei Lehrern zu tun:  Herr Herberg(Wilhelm David Herberg geb. ca. 1813 in Punitz, verstorben 1900 in Grätz) ein rührend gutes, feingeartetes Männchen, Kantor Otto; dessen Unterricht noch anregender war (besonders seine Physikstunde war mir immer viel zu kurz, so auch die Gesangstunde) – und der Rektor R.!

Der war wohl das größte Original von Grätz! Sein Wesen zeigte eine merkwürdige Zusammensetzung von Eigenschaften, äußerlich wie innerlich. Auf einer sehr stattlichen Gestalt saß ein Kopf, der, wenn er gewaschen und gekämmt war (gewöhnlich Montags), auffallend an Goethe erinnerte. Als Kleidung bevorzugte er entschieden – oftmals selbst für die Klasse – seinen langen Schlafrock und einen dicken, einst roten Schal, von dem er sich auch im Sommer nur selten trennt. Sein Hemd stand auf der Brust offen. An den Füßen verhüllten ihm sehr oft die herabgeruschten, rötlichen Strümpfe die niedergetretenen, flachen Schuhe, und darüber baumelte meist ein Bändchen, da nur von der Unterhose herrühren konnte. So angetan sah man ihn oft an einem zeitigen Frühlings- oder Sommermorgen in den dem Kloster nächsten Straßen umherwandeln

Die Schule hatte er auf einen verhältnismäßig hohen Standpunkt gebracht. Für einzelne begabte, aber unbemittelte Schüler bemühte er sich öfters erfolgreich, ihnen auch für die Zukunft den Weg zu ebnen. Allerdings wurde er dann auch nie müde, solchen seine Bemühungen immer wieder in Gegenwart anderer vorzuhalten. Alle Schüler zitterten vor ihn, und zwar fürchteten sie am meisten seinen beißenden, unbarmherzigen Hohn. Auch seine Unterrichtsweise hatte ihre Seltsamkeiten. von Gedichten hieß er uns u. a. lernen “König Wilhelm saß ganz heiter …” und “Abenteuer des Pfarrers Schmolke und des Kantor Bakel.” Die mußten wir zuweilen gemeinsam sehr laut hersagen, während wir mit Fäusten und Füßen den Takt dazu schlugen. Da kam denn der Lehrer aus der Klasse unter uns entsetzt herauf, weil er glaubte, daß wir allein seien und so tobten! Um uns den Schrecken des Krieges recht deutlich zu machen, wandt sich R. einen Verwundeten nachahmend auf den Fußboden und stöhnte und brüllte fürchterlich. Ebenso brüllte er als ein Bär, der tanzen lernen soll und zu diesem Zweck auf einer immer heißer werdenden Eisenplatte die Beine, schmerzgepeinigt, immer rascher hebt. Sein Steckenpferd war Erdkunde. Da er, wenn er wollte, ausgezeichnet unterrichtete und dann in einer Stunde soviel  erreichte wie andere in der dreifachen Zeit, so meinte er, daß seine Gegenwart nicht in allen Stunden nötig sei. Er wies dann zwei Kinder an, sich mit Zeigestöcken bewaffnet an die Landkarte zu stellen und jedem Kinde 5-10 Fragen vorzulegen. Ein Drittes notierte die richtige oder falsche Antwort, und ein Viertes führte Buch über die Untaten der übrigen, die nachher bestraft wurden. Nach dem Ergebnis dieses Verfahrens kriegte man dann neue Plätze. Natürlich suchten die Fragenden das Resultat dadurch zu beeinflussen, daß sie ihren Günstlingen leichte Fragen vorlegten, während weniger Begünstigten schwierige Antworten abverlangt wurden. So scheiterten viele an der Einwohnerzahl minderbedeutender Städte und fanden sich dann betrübt auf der letzten Bank wieder.

Grätz, die Breite Straße / Ausschnitt Ansichtskarte

Grätz, die Breite Straße / Ausschnitt Ansichtskarte

Im Sommer, wenn allerlei Gartenfrüchte reiften, die viel sündhaftes Volk zum Diebstahl verlockten, errichtete Rektor R. in seinem Garten eine niedrige Strohhütte und pflegte in dieser zu schlafen. Die Spuren dieses Nachtasyls bemerkte man dann am nächsten Tage an Kleidern und Haaren. Das Gerücht erzählte von ihm, daß er mondsüchtig sei, und Phantasie begabte Leute wollten ihn mehr als einmal in mondhellen Nächten lustwandelnd auf dem Kirchendach gesehen haben. Als im Jahre 1872 zwei Damen eine “Höhere Töchterschule” in Grätz gründeten, äußerte sich Rektor R. höchst abfällig und geringschätzig über dieses Unternehmen. Er sagte, in “Höheren Töchterschulen” würden nur “Zierpuppen” herangezogen, und gelernt wurde da nichts Ordentliches. So schämte ich mich dann fürchterlich, ihm auf Befragen bekennen zu müssen, daß auch ich dieser verderblichen Anstalt überantwortet werden sollte. Ach, die beiden wahrhaft feinen und äußerst gewissenhaften Fräulein von Chmielewski – im Kloster erzogen, welt- und lebensfremd – samt ihrer alten Mutter hatten in Grätz ein kümmerliches Los! Es gab dort eben gar zu wenig “höhere Töchter”!  Nach zwei Jahren mußten sie die Schule wieder aufgeben und fortziehen. Zu derselben Zeit ward auch mein Vater in eine andere Stadt versetzt, und ich mußte meinem Kindheitsparadies Valet sagen, – dem netten, kleinen Mietshaus und dem schönen Garten mit dem alten Nußbaum, den Fliederhecken, den Obstbäumen und Beerensträuchern.

Eine Reihe von Jahren später wurde dann in Grätz eine städtische Höhere Mädchenschule gegründet. Ebenso entstanden ein Gymnasium und noch andere öffentliche Bauten, die vom zeitgemäßen Fortschritt der Stadt zeugen. Vor allem erhielt sie Bahnanschluß nach Opalenica hin.

Damals hatte Grätz noch keine Eisenbahn, und wer von Amts wegen viele Fahrten nach zahlreichen, ziemlich entlegenen Orten der Umgegend zu machen hatte, wie mein Vater, der wußte manches ergötzliche und manches ernste Abenteuer von solchen Wagenfahrten zu erzählen!

Da waren einmal in der Finsternis die Pferde plötzlich in einen frischgezogenen Quergraben gefallen, und der schreckhafte erwachende Kutscher, der nun keine Pferde sah, jammerte: “Die Färde sein weg!! Die hat der Biese (Böse) gehult! Die muß der Biese gehult ho’n!!” Und es hatte Stunden gedauert, bis man aus dem nächsten Dorfe Leute zur Hilfe herbeigeholt hatte.

Einmal drang die Deichsel eines entgegenkommenden Wagens einem Pferde in die Brust und tötete es, usw. In einem großen Dorfe erschien von den 54 zum Termin vorgeladenen Bauern nur ein Drittel. Auf die Frage nach der Ursache des Fernbleibens hieß es: “Sie sitzen im Gefängnis oder Zuchthaus, – “wegen Meineid”, “wegen Diebstahl”, “wegen Totschlag”, “wegen Einbruch”, die meisten “wegen Brandstiftung”. Eine nette Gesellschaft, wie?”

Grätz, Breite Strasse mit Blick auf die "neue" ehem. evangelische Kirche / Ausschnitt Ansichtskarte

Grätz, Breite Strasse mit Blick auf die “neue” ehem. evangelische Kirche / Ausschnitt Ansichtskarte

In derselben Gegend, wo jetzt der Bahnhof steht, lag oder liegt der Topelsche Garten, ein öffentlicher Gesellschaftsgarten, der auch der Schauplatz des alljährlichen Schützenfestes war, da Ereignis des Jahreslaufs. Es begann am 2. Pfingsttag, und schon tagelang vorher zog durch die Breite Straße ein süßer, würziger Duft der “Pfefferrollen”, die in der Raschko’schen Kuchenbäckerei gebacken wurden (immer nur zu Pfingsten!). Mir scheint noch heute, daß sie besser schmeckten als sogar die berühmten Weese-Erzeugnisse! In welcher Spannung lebte man schon vorher! Wie würde das Wetter sein?! Es war doch nicht denkbar, daß man zum Schützenfest anders erschien als in weißem Kleide und versehen mit möglichst vielen Silbergroschen für Karussel, Würfelbuden u. dergl.! Wer würde diesmal König werden? Und, o Wonne, wenn man den Glücklichen, Stolzgeschwellten dann in seinem blendend ganzvollen Schmucke bei schmetternder Musik heimgeleiten half!

Grätz hatte damals eine Bürgerschaft, die sichtlich von den Musen geliebt und begünstigt wurde und ihnen dafür begeistert huldigte.  Das zeigte sich jahraus, jahrein in der “Bürger-Ressource”, wo besonders der heiteren Thalia, aber auch der erhabenen Melpomene (z. B. in “Kabale und Liebe”) Leistungen dargebracht wurden, auf die die Olympischen Schwestern wahrlich anerkennend herablächeln konnten. Wenn die Nachwelt auch dem Mimen Kränze flöchte, dann müßten dem großen, idealgesinnten Bäckermeister Frost, dem “Theaterdirektor” und seiner zierlichen, lebhaften und intelligenten Frau entschieden welche zugebilligt werden. Ebenso der imposanten tragischen Heldin, Frl. K., dem ersten Liebhaber und den beiden Komikern. Die rührige Gesellschaft bestand zum größten Teil aus Zugehörigen der mittleren Beamtenschaft; wurde aber bei ihren Aufführungen, zu denen auch Singspiele gehörten, auch von der “Hautvollee” ganz gern besucht.

Ein wertvoller Zubehör für die Stadt war das “Schloß Grätz“, zu dem das außerhalb der Stadt liegende Gut Piaski gehörte. Das Schloß ist von einem weiten, wunderschönen Park umgeben, der damals dem Publikum jederzeit offen stand und das beliebteste Ziel zahlreicher Spaziergänger war. Herrliche alte Bäume und malerische Baumgruppen standen da auf weiten Rasenflächen, vor dem Schloß eine mächtig breite Linde. Hier und da ragte eine graue Steinfigur aus den Büschen hervor und schattige Sitzplätze luden zum Ruhen ein. Besonders schön war eine lange Buchenallee, deren Äste, von beiden Seiten her einander berührend, einen hochgewölbten, grünen Bogengang bildeten. Eins der poesievollen Bilder aus Rudolph Schäfers “Allerlei Gärten” erinnert mich an jene Buchenallee. An den Park grenzte ein großer Teich, an dessen Rande man Schnecken und Muscheln von so verschiedenen Formen fand, wie sonst nirgends in der ganzen Gegend. Im Winter tummelten sich auf diesem Teiche die Schlittschuhläufer der ganzen Stadt.

Grätz - Der Alte Markt / Bild Sammlung A. Kraft

Grätz – Der Alte Markt / Bild Sammlung A. Kraft

Im übrigen war die Umgebung von Grätz sehr arm an Naturschönheit. Kein See! Kein schöner Wald! Nur auffallend viele Hopfenfelder sah man und viele Windmühlen. Die “Herrschaft Grätz” war, nachdem sie durch mancherlei Hände gegangen war, von einem reichen Handelsherrn aus Hamburg erworben worden.  Er war der Stammvater Familien Beyme und von Beyme, die nun schon in der vierten Generation in ausgedehnten Landgütern und Forsten kulturfördernd wirken.

Im Grätzer Rathaus war auch die Wirkungsstätte des Kreisgerichts, das damals außer dem Direktor dreizehn Richter zählte. Unter ihnen war ein Rat Hoffmann, der durch seinen Witz, seine Urwüchsigkeit und Schlagfertigkeit allgemein bekannt und beliebt war. Einst stand vor seinem Richterstuhl ein altes Weibchen, das ein Vergehen, gestohlen zu haben, nicht eingestehen wollte. Da erschien zufällig, auf dem äußeren Mauersims dahergekommen, ein schwarzer Kater am Fenster, und sofort hörte man auch Rat Hoffmann’s drohend erhobene Stimme: “Weib, du lügst dich in die Hölle! Sieh, dort da wartet schon der Teufel auf deine Seele!” Als die Frau nun den schwarzen Kater erblickte, fiel sie schreckensbleich auf die Knie und gestand alles.

Ein Original war auch ein Herr von Vintinghoff, “Onkel Tom” genannt. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Blumenzüchter, den man früh und spät in einem blaugestreiften Anzug in seinem Garten arbeiten sah, sondern er besaß auch die gewiß seltene Fähigkeit Kreuzspinnen zu essen! Wenn Rat Hoffmann ihm in einer kleinen Türe eins oder zwei dieser interessanten Arachniden oder Gliederfüßer ins Stammlokal – bei Vater Klose – mitbrachte und ihm zwei “Dumme” (Schnäpse) versprach, wenn er sie aufäße, dann klemmte Onkel Tom sie zwischen zwei Butterbrote und verspeiste sie mit diesen. Er versicherte, sie hätten einen mandelähnlichen Geschmack und bekämen ihm sehr gut.

Es lebten damals in Grätz noch eine Reihe Menschen, die mit großer Lebendigkeit von den Vorgängen des Jahres 1848, wie sie sich auch in und um Grätz abgespielt hatten, zu erzählen wußten. Zu ihnen gehörte auch der alte, sehr tüchtige Arzt Dr. Mosse, Vater des bekannten Zeitungsverlegers Rudolph Mosse. Er hatte im Kampfe gegen die Sensenmänner einige Wunden davongetragen, deren Spuren noch wahrnehmbar waren. Sein Schwiegersohn, der ebenfalls höchst schätzenswerte Dr. Litthauer, zog 1866 in den Krieg. Ich weiß noch, wie ich beim Abschied von ihm weinte. Aber “es behielt ihn nicht”, er kam zum Glück wieder.

Grätz - Alter Markt, Blick aus einem alten Laubengang / Bild Sammlung A. Kraft

Grätz – Alter Markt, Blick aus einem alten Laubengang / Bild Sammlung A. Kraft

Der Krieg von 70/71 übte natürlich eine mächtige Wirkung auf alle Gemüter aus. Wir Schulkinder zupften ganze Berge von “Charpie”, die weichen Fäden alter Leinwand, die zur Wundbehandlung dienten. Denn die heutigen Mittel zu diesem Zweck hatte man damals noch nicht. Es entstanden Vereine, Lotterien und andere Veranstaltungen, alle mit dem Ziele, Geld- und andere Hilfsmittel für die tapferen Soldaten zu schaffen. Siegesnachrichten riefen sich auf der Straße Menschen zu, die einander gar nicht kannten. Und bei jeder neuen frohen Kunde wurde jedes Haus illuminiert und dann wogte die Einwohnerschaft, groß und klein, alt und junge, vornehm und gering, am Abend durch die Straßen und sang begeistert Vaterlandslieder. Ich sehe und höre noch den alten, würdigen, aristokratischen Gerichtsrat von Dresler mit seiner Gattin am Arm daherkommen, beide singend, zwischen all den anderen. Frau v. D. gründete damals in Grätz den Vaterländischen Frauenverein, in dem sie selbst allezeit das Meiste und Beste leistete, mit Hingabe ihrer ganzen Seele, ohne jemals “das Ihre zu suchen”. Diese edle, äußerst bescheidene Frau war für Grätz geradezu die bedeutsamste Persönlichkeit und für Unzählige im Lauf der Jahrzehnte ein wahrer Segen, als tatkräftige Helferin, Trösterin und vor allem durch ihr Beispiel.

Zeiten und Menschen haben sich geändert. Aber gewiß leben in Grätz noch viele Nachkommen der damaligen Bewohner, die durch ihre Eltern von der Vergangenheit erzählen hörten. Oder es leben dort noch Alters- und Schulgenossen von mir. Ihnen allen möchte ich einen warmen Gruß zurufen und ich wünsche ihnen, daß auch die jetzige Zeit ihnen hold sei !

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Staatsarchiv Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/; Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)
 

 

Grabsteine Friedhof Boruy – Familie Kurz

Grabstätte der Familie Kurz / Photo: Przemek Mierzejewski

Grabstätte der Familie Kurz / Photo: Przemek Mierzejewski

Hier ruhen in Gott

die Eigentümer Frau

Martha Kurz – geb Reschke

geb. 28 Jan 1880 – gest . Mai 1912
 Du schiedest schnell, im tieffsten Schmerz läßt Du verwaist uns stehn;
Nur ein Trost bleibt dem armen Herz:”Es gibt ein Wiedersehn!”

 _ _ _

unsere liebe Tochter

Erna Lina Kurz

geb. 2. Mai 1906 – gest. .4. April 1913
Warst unser Liebling allezeit – Und bist es auch in Ewigkeit
 

Ruhet sanft

* * *

Der Vater und Ehemann war Wilhelm Kurz. Die Familie wohnte in Dorf Boruy unter der No. 72.

Martha Auguste Reschke war in Alt Szarke als Tochter des Johann Carl Reschke und dessen Ehefrau Johanna Juliane Rosalie

geborene Seiffert geboren worden.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Grabsteine Friedhof Boruy – Anna Pelchen

Grabstätte der Anna Louise Paelchen / Photo: Przemek Mierzejewski

Grabstätte der Anna Louise Paelchen / Photo: Przemek Mierzejewski

Hier ruhet in Gott

Anna Pelchen

geb. d. 5. April 1869 – gest. d. 11. Febr. 1883
 
Joh: 6_37
Alles, was mir mein Vater giebt das kommt zu mir,
und wer zu mir kommt,
den werde ich nicht hinaus laßen

* * *

Der Eigentümer Johann Wilhelm Paelchen aus Boruy zeigte auf dem Standesamt von Hammer am 11ten Februar 1883 den Tod seiner und seiner Ehefrau, der Johanna Louise geborene Fechner, Tochter, der – Anna Louise Pelchen – im Alter von 13 Jahren, 10 Monaten und 6 Tagen an.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Grabsteine Friedhof Boruy – Julius Seeliger

Grabstein des Julius Seeliger / Photo: Przemek Mierzejewski

Grabstein des Julius Seeliger / Photo: Przemek Mierzejewski

Hier ruht in Gott
mein lieber Mann , unser guter Vater

Julius Seeliger

geb. 17. März 1822 – gest. 21 März 1877
 
In des Herrn Jesu Wunden schlief ich sanft und selig ein
dadurch habe ich überwunden alle Leiden, Angst und Pein
Gott nahm aus der Gnadenzeit – mich ins Reich der Herrlichkeit

* * *

Am 21. März 1877 erschien der Herr Lehrer Seeliger aus Dorf Boruy auf dem Standesamt in Hammer. Er zeigte den Tod seines Bruders, des Tischlermeisters Julius Seeliger an.

Er gab an, dass dieser in seiner Wohnung in Dorf Boruy am 21. März 1877 im Alter von 55 Jahren und 3 Tagen verstorben sei.

Im Jahr 1859 hatte Julius Theodor Seeliger die Ehe mit Louise Handtke, geb. 1834 in Jastremske, geschlossen. Aus dieser Ehe stammte der im Jahr 1860 geborene Sohn Gustav Paul Seeliger.

Die Eltern der in Wollstein geborenen Brüder waren der verstorbene Tuchmachermeister Benjamin August Seeliger und dessen gleichfalls verstorbene Ehefrau Anna Dorothea geborene Dohnke gewesen.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

 

2016 – 463 Jahre Kirche zu Kranz

Die ehemalige evgl. Kirche zu Kranz, 1880 geweiht / Postkartenausschnitt

Die ehemalige evgl. Kirche zu Kranz, 1880 geweiht / Postkartenausschnitt

Heute vor 113 Jahren am 27. November 1903 berichtete die Neutomischeler Kreiszeitung über das 350-jährige Bestehen der evangelischen Kirche zu Kranz. Die Kirche ist inzwischen katholisch geweiht und trägt den Namen “Von der Verklärung des Herrn” – “Kościół pw. Przemienienia Pańskiego”

” Die evangelische Gemeinde Kranz im Kreise Meseritz, zur Diözese Karge-Neutomischel gehörend, feiert am 1. Adventsonntag (29. November des Jahres 1903) das Jubelfest ihres 350-jährigen Bestehens. Kranz gehörte zu den wenigen evangelischen Gemeinden der Provinz Posen, in denen trotz schwerer Verfolgung in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts das Evangelium ohne Unterbrechung hat verkündet werden dürfen.

Viele Evangelische der Umgegend in Posen und im Kreis Züllichau-Schwiebus haben darum durch Jahrzehnte hindurch, als ihr eigenes Kirchenwesen zerstört war, in Kranz geistlichen Trost gesucht, ihre Kinder taufen und ihre Ehen einsegnen lassen. Die Gemeinde Kranz verdankt diese Bewahrung nächst Gottes Gnade der Glaubenstreue ihrer Kirchenpatrone, der Herren von Dzembowski.

Denkmal der Kriegsgefallenen auf dem Kirchengelände / Bild EA

Denkmal der Kriegsgefallenen auf dem Kirchengelände / Bild EA

Kranz hat auch im vergangenen Jahrhundert den besonderen Segen gehabt, einen Patron in dem verstorbenen Kammerherrn von Tiedemann zu besitzen, durch dessen fromme Freigebigkeit es ihr möglich wurde, ein herrliches Gotteshaus und schönes Pfarrhaus zu bauen.

Am Sonnabend vor dem 1. Advent, abends 1/2 6 Uhr, wird eine Vorfeier mit einem Vortrag des Ortsgeistlichen über die Geschichte der Gemeinde Kranz stattfinden, am 1. Advent Festgottesdienst um 10 Uhr und um 1/2 6 Uhr abends eine Nachfeier mit einem Bericht über die evangelische Bewegung in Böhmen und einer Lichtbildervorführung aus dem Leben Luthers. Von einem gemeinsamen Festmahl hat die Gemeinde zu ihrem Bedauern um ihrer unzulänglichen Gasthofsverhältnisse willen absehen müssen.

Möge der Gemeinde das Fest gesegnet sein, und sie allzeit ihren alten Überlieferungen treu bleiben !

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 In dem Buch “Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen”, verfaßt von Albert Werner, früher Pastor in Tremessen; überarbeitet von Johannes Steffani, Diakonns an der St. Petrikirche zu Posen. / Herausgegeben 1904, ist zur Entstehung der Kirche in Kranz folgendes geschrieben worden:

“Zu den evangelisch-lutherischen Gemeinden, welche sich in Großpolen schon zur Zeit der Reformation gebildet und seitdem ununterbrochen erhalten haben, gehört die Gemeinde in dem Dorfe Kranz bei Züllichau. Ihre Entstehung fällt nach den vorhandenen Urkunden in das Jahr 1553.

Begründer der Gemeinde und Erbauer einer evangelischen Kirche waren die Erbherren von Radlewicz-Kreski, welche dem augsburgischen Glaubensbekenntnisse angehörten. Im Jahre 1570 verkaufte diese Familie das Gut an George von Dziembowski, der es an seine Nachkommen vererbte.

Die Dorfstrasse, im Hintergrund das Kirchengebäude / Postkartenausschnitt

Die Dorfstrasse, im Hintergrund das Kirchengebäude / Postkartenausschnitt

Als mit dem 17. Jahrhundert die Unterdrückung des lauteren Evangeliums in Polen begann, geriet auch die hiesige Gemeinde vielfach in Gefahr, ihr Gotteshaus zu verlieren. Zuerst verlangte 1637 der Propst des nahegelegenen Dorfes Kuschten unter dem Vorwande, daß die Kirche in Kranz früher eine katholische gewesen sei, von der Gemeinde Entrichtung des Decems und der Stolgebühren; er konnte aber seine Ansprüche vor dem Posener Gerichte ebenso wenig beweisen, wie die späteren Pröpste die ihrigen in den Jahren 1650 und 1665.

Darauf wurden die Erbherren Zbigniew und Boguslaw von Dziembowski im Jahre 1747 von einem Nachkommen der früheren Besitzer, Ignaz von Kreski, dessen Vater in Dresden zum katholischen Glauben übergetreten war, in einen langwierigen und sehr kostspieligen Prozeß verwickelt. Kreski behauptetet, Ansprüche an das Gut zu haben, und verlangte die Herausgabe der Ortskirche als einer ehemaligen katholischen an die Katholiken.

Obgleich die Erbherren im Jahre 1748 ihr Recht auf Gut und Kirche vor dem Reichstribunal zu Petrikau auf das klarste darlegten und das Gericht ihren Gegner nötigte, dasselbe in einem besonderen Dokument ausdrücklich anzuerkennen, so gab Kreski dennoch den Versuch, mit seinen Forderungen durchzudringen, nicht auf und brachte es endlich dahin, daß die Dziembowskische Familie im Jahre 1760 ihm 1.600 Fl. poln. (800 Mark) dafür zu zahlen verurteilt wurde, “daß ihre Vorfahren diese Sache nicht eher ordentlich ausgeführt hätten, weshalb Kreski diesen Prozeß hat führen müssen.” Dieser Verurteilung folgten noch andere.

Kreski gewann allmählich das Reichstribunal gänzlich für sich, und die Dziembowskische Familie wurde wiederholentlich in große Geldstrafen genommen. Sie mußte u. a. 11.200 Fl. pl. (5.600 Mark) als Strafe dafür zahlen, daß sie eine angeblich ehemals den Katholiken gehörige Glocke und ein Marienbild, welche Gegenstände sich in der Kranzer Kirche befinden sollten und die man zur Begründung des Prozesses benutzen wollte, nicht mit nach Petrikau gebracht hatten. Im Ganzen betrugen die von der Dziembowskischen Familie gezahlten Geldstrafen über 30.000 Mark. Zuletzt erfolgte sogar im Jahr 1761 der Spruch, daß die Kirche in Kranz den Katholiken zu übergeben sei. Doch kam derselbe nicht zur Ausführung.

Die Angelegenheit machte in ganz Polen das größte Aufsehen und gelangte bis an den Reichstag. Die Umtriebe des Kreski hatten erst ein Ende, als derselbe, nachdem er in Petrikau feierlich beschworen, daß die Kirche in Kranz ursprünglich katholisch gewesen sei, vom Schlage gerührt, plötzlich die Sprache verlor und als das Reichsgesetz von 1768 den Evangelischen freie Religionsübung gewährte. Inzwischen hatten die Erbherren v. Dziembowski, um sich Ruhe zu verschaffen, 1761 in einem Vergleiche sich verbindlich gemacht, den Propst in Kuschten jährlich 800 Fl. poln. (400 Mark) zu entrichten, welche Summe 1781 auf 130 Fl. (65 Mark) ermäßigt wurde.

Blick zum Kirchturm / Aufnahme EA

Blick zum Kirchturm / Aufnahme EA

An Stelle der wegen Baufälligkeit abgetragenen Kirche erhielt die Gemeinde, nachdem sie eine Zeitlang im Schulhause zu Kranz ihre Gottesdienst gehalten, ein schönes, in gothischem Stile erbautes Gotteshaus. Es wurde für 36.000 Mark von dem Kirchenpatron Erich von Tiedemann auf Kranz ganz aus eigenen Mitteln erbaut und ihr geschenkt. Am 6. August 1880 empfing es durch General-Superintendenten D. Wiesmann aus Münster, dem Onkel des Patrons, die Weihe, nach welcher der General-Superintendent D. Geß aus Posen die erste Predigt hielt. Im Jahre 1882 wurde für 12.000 Mark ein neues Pfarrhaus erbaut.

Zu der Parochie gehören die durchaus von Evangelischen bewohnten Dörfer Kranz und Brausendorf mit 568 bzw. 192 Seelen. Die Kirche in Brausendorf ist, nachdem eine ältere abgebrochen worden, am 13. August 1786 durch den Senior Nikisch aus Wollstein geweiht worden. Diese alte Gemeinde hatte früher eigene Prediger (Thomas in “Altes und Neues” S. 104 nennt Brinnius und Crusius), wurde 1712 Filial von Kranz und steht auch unter dem Patronate des Dominiums Kranz. Ursprünglich gehörten auch die Dörfer Schmarse, Keltschen, Wallmersdorf, Oppelwitz und Kl. Dammer hierher, sie kamen infolge der schlesischen Kriege an Preußen, und es wurde für sie nach ihrer Verbindung mit Schlesien in Schmarse eine eigene Pfarrer gegründet. Nachdem der Patron die Kirche zu Brausendorf völlig hatte erneuern lassen und auch neue Glocken und eine neue Orgel beschafft waren, wurde die Kirche am 20. Dezember 1891 durch den Generalsuperintenden D. Hesekiel feierlich eröffnet.”

* * *

Die Pfarrer waren:

  1. Jakob Tammendorf, 1553 im Amte
  2. Matthias Dietrich
  3. Andreas Fechner
  4. Georg Rißmann
  5. Martin Seidel, lebte 1612
  6. Daniel Weißkopf
  7. Michael Andrae, 1635 berufen
  8. Christoph Albinus oder Weiß, aus Freistadt in Schlesien, wurde 1648 von Christian v. Dziembowski hierher berufen und ging 1652 nach Bomst
  9. David Hirsekorn, starb 1687
  10. Johann Fendler, aus Krügersdorf in der Mark gebürtig, 1688 hierher berufen, starb, nachdem er viele Bedrückungen erlitten, im Jahre 1724. Fendler hat das jetzt noch vorhandene Kirchenbuch eingerichtet.
  11. Paul Christoph Fendler, des vorigen Sohn, 1724 berufen, starb 1754
  12. Johann Christian Fendler, des vorigen Sohn, 1754 berufen, starb 1786, 56 Jahre alt
  13. Christian Gottlieb Herzog, aus Seidenberg in der Lausitz, 1781 als Pfarrsubstitut hierher berufen, starb nach 50 jähriger Amtsführung am 12. September 1831, 78 Jahre alt
  14. Robert Adolf Rohrmann, geb. 1805 zu Fraustadt, erhielt 1832 die Berufung und wurde 1840 Pfarrer in Hammer-Boruy
  15. Johann Karl Samuel Hemmerling, aus Zettitz bei Krossen, trat 1840 sein Amt an und starb am 1. Juli 1880, 74 Jahre alt
  16. Otto Gründler, vorher Dom-Hülfsprediger in Berlin, trat 1881 in das hiesige Amt, wurde Pfarrer zu Crommernau bei Hirschber i. Schl.
  17. Julius Renner, vorher Diakonus an der Petrikirche zu Posen, wurde 1888 zum Pfarrer berufen

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – 1.) “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1903 November; 2.) Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen. verfaßt von Albert Werner, früher Pastor in Tremessen; überarbeitet von Johannes Steffani, Diakonns an der St. Petrikirche zu Posen. / Herausgegeben 1904
 

Das Geständnis des Gottlob Reimann – 1817

Postkartenausschnitt der "alten" ehemaligen evgl. Kirche zu Grätz

Postkartenausschnitt der “alten” ehemaligen evgl. Kirche zu Grätz

Das Jahr 1817 – Kleinbauern und Ackerleute waren dabei sich aus der Gutsuntertänigkeit freizukaufen - die bis dahin nur als Hauptnahrungsmittel der armen Bevölkerung genutzte Kartoffel erlebte einen Anbauboom, da fortan nun auch aus ihr Schnaps gebrannt wurde - am 03. August des Jahres wurde der evangelische Pfarrer Johann Theodor Gottfried Sukkert in Grätz in sein Amt eingeführt - am 27. September dieses Jahres verordnete König Friedrich Wilhelm der III. die Vereinigung der reformierten und lutherischen Gemeinden zu einer “unierten” Kirche in Preußen.

Und in eben jenem Jahr zeigte am 19. September der Eigentümer Johann Gottlob Reimann aus dem Lenker Hauland bei  dem Pastor Sukkert die Geburt seiner Tochter vom 15. September 1817 an. Abends um 10 Uhr, so die Eintragung, sei seine Frau, die Eva Rosina geborene Brock von einem Kinde entbunden worden. Die Taufe erhielt das kleine Mädchen auf die Namen Johanna Juliana Louise am 21. September. Die Taufzeugen waren  Gottlieb Schlecht, Gottfried Grossmann, beide Eigenthümer und Frau Anna Elisabeth Seiffert.

* * *

Soweit hätte das Leben weiter seinen Gang nehmen können, wenn da nicht diese “Lüge” seitens des Gottlob Reimann gegenüber dem Pastor und somit gegenüber der Kirche im Raum gestanden hätte. Gottlob Reimann war sich vermutlich bewusst, dass spätestens bei der Geburt seines nächsten Kinders die Wahrheit bekannt werden würde, wenn nicht ein anderer Dorfbewohner dem Pastor diese schon früher erzählen oder diese durch ein sonstiges Ereignis ans Tageslicht kommen würde.

Leicht ist ihm der Gang zur Kirche sicherlich nicht gefallen, der dann nachstehenden Eintrag durch Pastor Sukkert im Kirchenbuch nach sich zog:

” Am 26. November 1817 erschien hier selbst J. Gottlob Reimann und gestand, daß er mich hintergangen habe in dem er die Eva Rosina geborene Brock als seine Ehefrau angegeben habe, welche unehelich mit ihm lebte.”

* * *

Bei  Durchsicht der Kirchenbuchaufzeichnungen fand sich, dass Johann Gottlob August Reimann, er ist späteren Aufzeichnungen auch als Johann Gottlieb Reimann zu finden, im Alter von 21 Jahren im April des Jahres 1809 die Ehe mit der erst 15 jährigen Johanna Maria Elisabeth geborene Pochstein geschlossen hatte; Kinder in dieser Ehe aber scheinbar keine geboren worden waren.  Diese Ehe war bis zum Jahr 1817 nicht geschieden.

Es kann nur vermutet werden, dass Pastor Sukkert die treibende Kraft war, welche dazu beigetragen hatte, dass die Lebensverhältnisse der Betroffenen nach diesem Geständnis und nach den “seinerzeit geltenden Maßstäben geordnet” wurden. “Wilde Ehen” in seinem Kirchspiel galten als unakzeptabel.

* * *

Am 11. Oktober des Jahres 1820 traute Pastor Sukkert den geschiedenen Johann Gottlob Reimann, Eigenthümer in Lenke mit seiner vieljährigen Wirthin Eva Rosina geborene Brock, Tochter des Eigenthümers in Kuszlin Martin Brock. Der Bräutigam, 1787 geboren, war 33 Jahre alt, die Braut, 1794 geboren, 24 Jahre.

Zum Zeitpunkt der Eheschliessung hatte das Paar bereits drei Kinder – Johann Gottfried geboren 1815, Johanna Juliana Louise geboren 1817 und die Johanna Caroline geboren im Februar des Jahres 1820 – alle führten später den Familiennamen Reimann.

*

Pastor Sukkert war es aber auch, der die Maria Elisabeth geborene Pochstein geschiedene Reimann im Alter von 26 Jahren (*1794) nur wenige Tage später am 8. November 1820 mit dem 24 jährigen (*1796) Gottfried Schlecht, Eigenthümer in Jastremnik vermählte.  Ihr im Jahr 1818 geborener gemeinsamer Sohn Johann Daniel führte später den Familiennamen Schlecht.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Verschollen – Nathanael Kahl / 1913

Totenanzeige vom 12. November 1913 im Kreisblatt Neutomischel

Totenanzeige vom 12. November 1913 im Kreisblatt Neutomischel

Am 15. September 1913 war in der Neutomischler Kreiszeitung zu lesen:  “Der etwa 70jährige Zimmermann Nathanael Kahl aus Glinau ging am Freitag früh 1/2 6 von zu Hause weg, um nach Friedenhorst zu dem Arbeiter May zu gehen und von diesem Schindeln zu kaufen. Nachdem wollte er in der Buchwerder, Lomnitzer oder Mischker Forst Holz zwecks Kaufs besichtigen.

Da er weder in Friedenhorst gewesen, noch bis heute zurückgekehrt ist, so ist anzunehmen, daß der alte Mann, der in der letzten Zeit häufiger an Schwindelanfällen litt, infolge eines solchen vom Wege abirrte und irgendwo zusammengebrochen ist.

Alles Suchen nach ihm war bisher vergeblich.

Es werden deshalb alle Personen, die über den Verbleib des Verschwundenen irgend welche Auskunft geben können, gebeten, dem Gendarmeriewachtmeister Sprenger hierselbst oder der Frau Pauline Kahl in Glinau davon Mitteilung zu machen. (Wir verweisen auf das diesbezügl. Inserat der heutigen Nummer.)”

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Suchanzeige

“Am Freitag, den 12. September, ging mein Mann, der Zimmermann Nathanael Kahl, von zu Hause fort, um in Friedenhorst bei dem Arbeiter May Schindeln und nachdem im Walde Holz zu kaufen. Da er bis jetzt nicht zurückgekehrt, auch nicht beim dem Arbeiter May gewesen ist, bitte ich alle diejenigen, die über seinen Verbleib irgend welche Auskunft geben können, dem Gendarmeriewachtmeister Sprenger II oder mir davon sofort Mitteilung zu machen

Frau Pauline Kahl, Glinau”

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Es muss eine lange und schwere Zeit des Wartens und der Ungewißheit gefolgt sein, denn erst unter dem 10. November des Jahres 1913 meldet die Kreiszeitung:

“Die am 19. September in Muchocin gelandete Leiche ist nunmehr mit Bestimmtheit als die des Zimmermanns Nathanael Kahl aus Glinau festgestellt worden. Der 68 Jährige, an Schwindelanfällen leidende, stark kurzsichtige Mann, hat am 12. September seine Familie verlassen, um, mit den nötigen Geldmitteln versehen, in Bobrowke Schindeln zu kaufen; er ist dort auch gesehen worden, aber nicht bei dem Holzverkäufer gewesen.

Seit dem Tage war er verschollen.

Es ist geradezu rätselhaft, wie die Leiche in den weit abgelegenen Warthestrom gekommen ist. Die Taschen waren umgewendet und das Portemonnaie, welches das Geld zum Kaufe der Schindeln enthielt, fehlte. Andere Wertsachen hatte der Verstorbene nicht bei sich.”

Am 16. November 1913 wurde der Tote auf dem evangelischen Friedhof zu Birnbaum zur letzten Ruhe beigesetzt

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Johann Nathanael Kahl war am 24 Juni 1845 in Glinau als Sohn des Johann Gottfried Kahl und dessen Ehefrau Dorothea Elisabeth geborene Schulz zur Welt gekommen. 1869 schloss er die Ehe mit Johanna Pauline Werner, geboren am 28. November 1844 in Alt Tomysl. Sie war die Tochter der Eheleute Johann Traugott Werner und Johanna Erdmuthe geb. Förster gewesen.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1913 September bis November, Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Allerseelen – November 2016

Sie sind nicht vergessen ! - Bilder ehemaliger Friedhöfe in den Gemeinden und der Stadt Nowy Tomyśl/Neutomischel zu Allerseelen 2016

Sie sind nicht vergessen ! – Bilder ehemaliger Friedhöfe in den Gemeinden und der Stadt Nowy Tomyśl/Neutomischel zu Allerseelen 2016

Die heutigen Bewohner der ehemaligen “Hauländer”- Gemeinden und der Stadt Nowy Tomyśl haben auch in diesem Jahr der einstigen Bewohner gedacht, dieses ungeachtet ihrer Herkunft oder ihres Glaubens.

Ein Gebet und ein Licht für all Diejenigen, die hier ihre letzte Ruhe fanden – ein Moment der Besinnung Derjenigen, die ihrer gedenken und sie nicht vergessen  !

Vielen Dank !

 

Unwissenheit schützt vor Strafe … 1903

Gewichte - Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gewichte.JPG?uselang=de

Gewichte – Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gewichte.JPG?uselang=de

Bei einer durch den früheren Aichmeister Gutsche bei  dem Kaufmann Gustav Timm in Wiosker-Hld. vorgenommenen Revision der Gewichte wurden einige kleine Gewichte, die das vorschriftsmäßige Gewicht nicht hatten, vorgefunden.

Timm erhielt dieserhalb einen Strafbefehl vom Kgl. Distrikts-Amt, gegen den er richterliche Entscheidung antrug. Diesen Antrag stützte er auf die Behauptung, die fraglichen Gewicht ca. 3 Monate vor der Revision für neu gekauft und sich deshalb in dem Glauben befunden zu haben, daß die Gewichte vorschriftmäßig seien, umsomehr, als dieselben den Aichungsstempel trugen.

Diesen Angaben schenkte der Gerichtshof Glauben und sprach den Angeklagten frei.

In der Begründung wurde angeführt, daß sich nur derjenige strafbar mache, der wissentlich falsche Gewichte gebraucht, was jedoch bei dem Angeklagten nicht der Fall war, weil er, da er die Gewichte bei der Revision erst drei Monate in Benutzung hatte, von der Richtigkeit derselben überzeugt sein konnte.

Gegen dieses Urteil legte die Königl. Staatsanwaltschaft Berufung ein, welche jedoch, da sich der Gerichtshof der Ansicht des Vorderrichters anschloß, verworfen wurde.

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Ansässig waren im Jahr 1903 im Wiosker Hauland Johann Gustav Adolph Timm, geb. 09. Februar 1862 zu Albertoske und dessen Ehefrau Wanda Ernestine geb. Gierke, geb. 30 Oktober 1865 ebenfalls zu Albertoske, welche sich nach ihrer Eheschliessung im Jahr 1885 im Wiosker Hauland angesiedelt hatten

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1913-03-13, Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)
 

Grabsteine Friedhof Boruy – Eheleute Haeusler-Aurich

Grabplatte der Eheleute Haeusler / Photo: Przemek Mierzejewski

Grabplatte der Eheleute Haeusler / Photo: Przemek Mierzejewski

 
 Hier ruhet in Gott das liebe Ehepaar

Bertha und Gottlieb Haeusler

25.01.1856-18.05.1925 und 06.04.1845-03.01.1928
 
 Am Ende Ruh im Leben Schmerzen
 nun schlummert sanft Ihr guten Herzen

 

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Am 10. Oktober des Jahres 1872 heirateten in der evangelischen Kirche zu Boruy der Junggeselle Johann Gottlieb Haeusler – 27 Jahre, Amtsbote und Communalexecutor zu Hammer, Sohn des herrschaftlichen Kutschers Johann George Haeusler daselbst und dessen Ehefrau Anna Dorothea geborene Linke

und

die Jungfer Emilie Paulina Bertha Aurich – 16 Jahre, zu Hammer. Tochter des Pachtfischers Gottfried Aurich daselbst und dessen Ehefrau Justina geborene Gutsche.

Kinder des Paares konnten nicht in den einsehbaren Personenstandsunterlagen gefunden werden.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

 

 

 

Geschichte aus einer Zustellungsurkunde des Jahres 1853

Die Original Urkunde aus dem Jahr 1853 / Privatbesitz

Die Original Urkunde aus dem Jahr 1853 / Privatbesitz

Seit 1793 sah die allgemeine Gerichtsordnung für die preußischen Staaten eine Zustellungsurkunde für Briefe amtlichen Inhalts vor. Die Gerichte erhielten für Ihre Akten, mit deren abgezeichneten Rücksendung  einen Nachweis der Ablieferung bzw. Mitteilung, dass eine Zustellung nicht möglich gewesen war.  Die Postboten waren für die korrekte Insinuation, also Zustellung, verantwortlich und quittierten dieses mit ihrer Unterschrift.

Diese Dokumente sind heute meist nicht mehr erhalten oder fristen ihre Existenz, wie viele andere Unterlagen auch, in Ordnern oder Schubladen von Sammlern. Vereinzelt findet jedoch auch eines wieder den Weg zurück an die Öffentlichkeit.  So auch das Post-Insinuations-Dokument zur Nro. 2802 aus dem Jahr 1853 des Königlichen Kreisgerichts zu Grätz.

Vollständig erhalten ist es nicht, der Seitenrand ist beschnitten, aber es beinhaltet doch Geschichte.

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In der Hypothekensache der Neuhäuslerstelle sub No. 10 zu Kolziger Glashütte, so die Mitteilung, war ein Termin auf den 29ten September des Jahres 1853 vormittags 12 Uhr anberaumt worden. Direkt von diesem angesetzten Termin betroffen waren die verehel. Eisenhändler Johanne Rosalie Männel geb. Wulbrand im Beistande ihres Ehemannes zu Neutomysl.

Zugestellt wurde diese amtliche Mitteilung am 28ten August 1853. Der vereidigte Bezirksbote Müller attestierte die Handzeichen “x x x” der Maennel Eheleute, beide waren vermutlich des Schreibens unkundig,  und dass er das Schreiben bei den Adressanten selbst zugestellt habe.

Mit dieser Bestätigung entfielen die weiteren Möglichkeiten, welche dem Postboten für die ihm obliegende  Aufgabe der Zustellung möglich gewesen wären, wie:

  • Adressat nicht angetroffen (mit Rückreichung) oder
  • an die Person X, die die weitere Beförderung versprochen hat oder
  • durch Anheften an die Thür

anzukreuzen.

Worum es im Einzelnen ging ? – wir wissen es nicht. Gefunden haben wir aber trotzdem das ein oder andere zu den im Dokument Genannten.

♦ ♦ ♦

Am 09. September des Jahres 1844 wurde in der evangelischen Kirche zu Neutomysl  der Wittwer Johann Daniel Meier, ein Schuhmachermeister, mit der Jungfer Johanne Rosalie Wollbrand, des Johann Heinrich Wollbrand, Glasmacher zu Kolziger Glashütte, zweite Tochter aus 1ster Ehe getraut.  Der Bräutigam war lt. dem Eintrag 49, die Braut 34 Jahre alt. Die Trauung war in Neu Tomysl vollzogen worden, da die Braut schon über 1 Jahr in der Parochie gelebt hatte.

Aus einem Aufgebot zu Kirchplatz Boruy vom Oktober und November des Jahres 1843 ist dann noch zu erfahren gewesen, dass die Jungfer Johanna Rosalie Wollbrand, früher in Diensten in Alt Boruy gestanden habe.

Eingeschoben sei hier, dass es in jener Zeit keine feste Rechtschreibung gab, es wurde geschrieben wie gehört und wie gekonnt. Das der Familienname mal Wollbrand mit oder ohne t am Ende, oder mittig mit einem l oder mit doppelten l geschrieben oder Wulbrand lautete, fällt in diese Kategorie. Gleiches gilt für den Familiennamen Meier; selbst heute fragt man Träger dieses Namens nach der Schreibweise; dieses gilt auch für die Mennel, Männel und Maennel’s.

Aber weiter mit dem Ehepaar Meier. Bei richtiger Auswertung der Kirchbuchaufzeichnungen war die erste Ehefrau des Bräutigams, die von ihm separierte Anna Dorothea geb. Kahl, verstorben im Jahr 1833, gewesen.

Am 6ten Juli 1846 verstarb der Schuhmacher und Einwohner zu Glinau Daniel Meier im Alter von 56 Jahren und 3 Monaten. Als hinterlassen wurden erwähnt die Wittwe Johanne Rosalie geb. Wollbrand und 2 minorenne Kinder, diese vermutlich aus der 1sten Ehe des Verstorbenen, und kein Vermögen.

5 Jahre später wurde in der Kirche zu Neutomysl  am 5ten Juli des Jahres 1850 der Wittwer Gottl. Friedr. Mennel, Bürger und Handelsmann zu Neu Tomysl mit der Wittwe Johanne Rosalie Maier geb. Wollbrandt, des weil. Joh. Daniel Meier, Häusler und Schuhmacher in N. Bor. hinterlassene Ehefrau getraut. In 1ster Ehe war Johann Gottlieb Friedrich Maennel mit Maria Elisabeth Bock verehelicht gewesen.

Am 6ten September 1855 verstarb Johanna Maennel geb. Wolbrandt im Alter von 46 Jahren. Sie hinterließ ihren Ehemann, kein Vermögen und keine Kinder.

Am 19ten November 1861 verstarb letztlich der Wittwer, Bürger und Handelsmann Gottlob Mennel im Alter von 74 Jahren in Neu Tomysl.  Er hinterließ 3 maj. Kinder (aus erster Ehe) und kein Vermögen.

Als letztes kommen wir zu dem in diesem Dokument erwähnten Bezirksboten Müller.

Er findet eine erste Erwähnung im Eheeintrag des 18ten August 1851 des Kirchenbuches Neu Tomysl’s. Es wurden getraut der Junggeselle Gotthilf Müller, Exekutor in Neu Tomysl, des Gottlieb Müller, Egth. zu Kapunke ältester Sohn mit der Ros. Dor. Tepper, des Gottfr. Tepper Bürgers in N. Tomysl  3te Tochter. Das Alter des Bräutigams wurde mit 35, das der Braut mit 33 Jahren angegeben.

Die Berufsbezeichnung Exekutor wandelte sich im Jahr 1854 in Postbote. Nach derzeit einsehbaren Unterlagen war die Familie im Jahr 1859 noch in Neu Tomysl ansässig, ehe sich ihre Spur verliert.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Original Dokument / Privatbesitz und Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Schöffengerichtssitzungen Januar – Juni 1905

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes - Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte - Bild: EA

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes – Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte – Bild: EA

Nachstehend sind die Verhandlungspunkte und Urteile der Schöffengerichtssitzungen vom Januar bis Juni 1905 wiedergegeben.

Entnommen wurde die Berichterstattung dem Neutomischler Kreisblatt des Jahres 1905.

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Schöffengerichtssitzung vom 11. Januar 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte, Schöffen waren die Herren Besitzer Sperling-Neuborui und Kurz-Paprotsch

Es wurden folgende Sachen verhandelt:

  1. Der an der Kleinbahn beschäftigte Bahnarbeiter Gustav Vetter zu Neutomischel wurde wegen Mißhandlung des Maurerlehrlings Fiege mit 5 Mark bestraft.
  2. Der Häusler Franz Molenda aus Bolewitz erhielt wegen Diebstahls 1 Tag Gefängnis
  3. Der Mühlenpächter Robert Ulrich erhielt wegen schwerer Körperverletzung 1 Monat Gefängnis
  4. Die Eigentümerfrau Marianna Korbanek aus Bolewitz erhielt wegen Körperverletzung 15 Mk. und wegen Uebertretung des § 366 Abs. 7 noch 3 Mk. Geldstrafe oder im Unvermögensfalle zusammen 4 Tage Gefängnis
  5. Der Eigentümer Wilhelm Becker aus Scherlanke wurde wegen Körperverletzung und Beleidigung der Grunwald‘schen Eheleute ebenda zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt. Der beleidigten Ehefrau wurde die Befugnis der Publikation des Urteilstenors zugesprochen. Wegen Sachbeschädigung war Becker ebenfalls angeklagt, erzielte aber seine Freisprechung
  6. Der Eigentümer Stanislaus Skierecki aus Chraplewo war wegen körperlicher Mißhandlung des Eigentümers Cissak ebenda angeklagt; er wurde freigesprochen
  7. Die Arbeiterfrau Smenta aus Grudno hat 6 Ltr. Schnaps entwendet und wird dieserhalb mit 1 Woche Gefängnis bestraft
  8. Der Eigentümer August Simon aus Neufeld wurde wegen Mißhandlung seiner Ausgedingerfrau mit 10 Mark bestraft
  9. Die Dienstmagd Martha Kupka aus Altborui wurde wegen Körperverletzung des Knechts Wolke ebenda mit einer Woche Gefängnis bestraft
  10. Der Arbeiter Robert Golnisch aus Dreusen im Kreis Posen, früher in Glinau, wurde zu 3 Tagen Gefängnis bestraft, weil er eine Taschenuhr entwendet hat.
  11. Der Eigentümer Jopseh Kandula aus Bolewitz hat Privatklage gegen die Eigenthümerin Marie Gutsch angestrengt, während letztere Widerklage gegen K. wegen Beleidigung erhob. Beide wurden mit ihren Klagen kostenpflichtig abgewiesen.
  12. Die Privatklage des Arbeiters Gustav Schulz aus Cichagora gegen den Eigentümer August Redlich ebenda wurde durch Vergleich erledigt, indem letzterer die Kosten übernahm

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Schöffengerichtssitzung vom 25. Januar 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte, Schöffen waren die Herren Steinke-Bukowiec und Heinrich-Sontop

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Peter Kasprowicz aus Bolewitz wurde wegen leichter Körperverletzung und Bedrohung seines Schwiegervaters mit 10 Mark bestraft
  2. Franz Weber und Antonie Weber aus Wonsowo waren der schweren Mißhandlung und der Bedrohung mit der Begehung eines Verbrechens an der Helene Weber und der Beleidigung derselben angeklagt. Letztere zog, soweit ihr Antrag wegen Beleidigung zulässig war, denselben zurück. Der Angeklagte F. W. wurde wegen Bedrohung zu 5 Mark bestraft, wegen Mißhandlung aber freigesprochen. Die Angeklagte A. W. wurde in beiden Fällen freigesprochen.
  3. Der Arbeiter Stanislaus Prczijstaniak aus Witomischel war des einfachen Diebstahls angeklagt, wurde aber freigesprochen
  4. Ein Strafbefehl in Höhe von 10 Mark war gegen Valentin Spychalski aus Neutomischel erlassen worden. Er hatte gegen denselben Einspruch erhoben und erzielte seine Freisprechnung
  5. Der Arbeiter Ludwig Franke aus Neuborui wurden wegen Mißhandlung und Bedrohung mit 10 Mark bestraft
  6. Die Arbeiterinnen Marianna Mainiani, Konstanzia Nowak und der Arbeiter Johann Rozek aus Witomischel hatten Strafbefehle in Höhe von je 2 Mark erhalten, weil sie auf dem Gutsche‘schen Grundstück in Witomischel Laub gerecht hatten. Sie erhoben Einspruch. Heute wurden die ersten beiden Angeklagten zu je 2 Mark Strafe verurteilt. Die Sache der Angeschuldigten zu 3 wurde vertagt
  7. Die Postagentin Selma Eitner aus Bolewitz hatten gegen den Buchhalter Pilarczik aus Alttomischel Privatklage wegen Beleidigung erhoben. Letzerer wurde mit 10 Mk bestraft. Auch wurde der Klägerin die Befugnis zugesprochen, den Urteilstenor auf Kosten des Beklagten im Neutomischeler Kreisblatt veröffentlichen zu lassen
  8. Die Privatklagen Lottka gegen Gierke, Linke gegen Decke, Urban gegen Goldmann wurden durch Vergleich erledigt, indem die Beklagten die Kosten übernahmen

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Schöffengerichtssitzung vom 22. Februar 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte, Schöffen waren die Herren Besitzer Reschke-Scharke und Roy-Glinau

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung

  1. Der Ausgedinger Michael Pienta, seine Ehefrau und seine Schwiegertochter, sämtlich aus Bukowiec, waren angeklagt, die Ausgedingerin Katharina Drczemala ebenda gemeinschaftlich körperlich gemißhandelt zu haben. Es traf sie eine Strafe von 10 Mark
  2. Die Eigentümerfrau Minna Jäkel aus Neuborui wurde mit 30 Mark bestraft, weil sie die Eigentümer Franke‘schen Eheleute ebenda gemißhandelt hat
  3. Der Hausbesitzer und Tischler Karl Nawrot in Bolewitz war der Entziehung der Unterstützungspflicht gegen seine Mutter angeklagt, er wurde freigesprochen
  4. Der Fleischer Bruno Otto aus Witomischel hat Vieh geschlachtet, ohne ein vorschriftsmäßiges Schlachthaus dazu benutzt zu haben; er wurde mit 30 Mark bestraft
  5. In der Privatklagesache des Eigentümers Gustav Linke in Zinskowo gegen den Maurer Grünberg in Glinau wurde letzterer mit 30 Mark bestraft, außerdem wurde dem Beleidigten die Befugnis zugesprochen, den Urteilstenor auf Kosten des Beklagten im Kreisblatt veröffentlichen zu lassen

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Schöffengerichtssitzung vom 15. März 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte, Schöffen waren die Herren Bäckermeister Liepelt-Neutomischel und Eigentümer Gebauer-Scherlanke

Folgende Fälle kamen zur Verhandlung:

  1. Hulda Seiffert-Glinau war der Sachbeschädigung, Beleidigung und des Hausfriedensbruches angeklagt. Sie wurde wegen der ersteren beiden selbstständigen Handlungen zu einer Gesamtstrafe von 3 Tagen verurteilt, wegen des Hausfriedensbruchs jedoch freigesprochen.
  2. Der Müller Robert Ulrich aus Neufeld war angeklagt, dem Müller Minge-Wonsowo Fensterscheiben und eine Cementsäule vorsätzlich beschädigt zu haben. Er wurde der Zertrümmerung der Fensterscheiben überführt und mit 10 Mk bestraft, wegen der Säulenbeschädigung aber freigesprochen
  3. Der Müller Hermann Franke, früher in Neutomischel jetzt in Czarnikau, erhielt wegen fahrlässiger Körperverletzung eine Geldstrafe von 10 Mk
  4. Wegen einfachen Diebstahls wurde der Ausgedinger Michael Oehler aus Neufeld mit 3 Tagen Haft bestraft
  5. Der Eigentümer Wilhelm Bernhardt aus Glinau und dessen Sohn Reinhold erhielten wegen körperlicher Mißhandlung des Arbeiters Hausfeld-Zinskowo eine Geldstrafe von je 15 Mark
  6. Der Arbeiter August Schlinke aus Glinau hatte einen Strafbefehl in Höhe von 3 Mk wegen unbefugten Schießens mit einer Pistole erhalten und Einspruch erhoben. Er wurde freigesprochen, weil sich die Anklage gegen seinen Sohn Wilhelm richtete

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Schöffengerichtssitzung vom 29. März 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte, Schöffen waren die Herren Besitzer Sperling-Neuborui und August Roy-Paprotsch

Es wurden folgende Sachen verhandelt:

  1. Der Müller Robert Ulrich in Glinau wurde mit 30 Mark bestraft, weil er den Müller Minge zu Wonsowo durch eine Postkarte beleidigt hatte
  2. Der Eigentümer August Wolf aus Wengielno hatte gegen einen Strafbefehl von 30 Mark, welchen das Königliche Distriktamt zu Neustadt bei Pinne gegen ihn wegen Uebertretung der Bauerlaubnis erlassen hatte, Einspruch erhoben. Er zog heute seinen Einspruch zurück
  3. In der Privatklagesache des Photographen Hermann Spychalsky zu Neutomischel, vertreten durch seinen Vater, den Volksanwalt Valentin Spychalski, gegen den Hotelkutscher Wandtke zu Neutomischel wurde letzterer wegen Beleidigung mit 5 Mark bestraft. Außerdem wurde dem Beleidigten die Befugnis zugesprochen, den Urteilstenor nach eingetretener Rechtskraft im Neutomischeler Kreisblatt auf Kosten des Beklagten veröffentlichen zu lassen

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Schöffengerichtssitzung vom 26. April 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Steinke-Bukowiec und Förster-Konkolewo

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Wadislaus Pointkowski, Arbeitersohn aus Bukowiec, war angeklagt, der Häuslerfrau Stankowski ebenda zwei Hühner gestohlen zu haben. Er wurde mangels Beweises freigesprochen
  2. Wilhelm Müller, Eigentümer aus Albertoske, war angeklagt, die Jagd währen der Schonzeit widerrechtlich ausgeübt zu haben. Er wurde deswegen mit 30 Mk bestraft, auch wurde auf Konfiskation des Gewehres erkannt.
  3. Thomas Pienta, Eigentümer aus Sworzyce, war des Betruges angeklagt; er wurde freigesprochen
  4. August Löchelt, Zimmermann aus Neuborui, war wegen Beleidigung des Gendarmen Leßmann angeklagt. Er wurde mit 50 Mk. evtl. zehn Tagen Haft bestraft
  5. Dienegott Schulz, Eigentümer aus Groß -Lipke, hatte einen Strafbefehl von 15 Mk. wegen Baumfrevels erhalten und dagegen Einspruch erhoben; er wurde mangels Beweises freigesprochen
  6. Die Privatklagesache Fischer gegen Ortlieb und Ortlieb gegen Fischer (Widerklage) wurde durch Vergleich erledigt.
  7. Die Sache gegen Bernhard-Glinau wurde vertagt, weil der Angeklagte ohne Grund ausgeblieben war. Die Vorführung desselben ist beschlossen worden.

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Schöffengerichtssitzung vom 10. Mai 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Reschke aus Scharke und Saegner aus Sempolno

Folgende Sachen kamen zur Verhandlung:

  1. Gegen den Eigentümer Robert Neumann aus Cichagora standen drei Sachen zur Verhandlung, welche alle vertagt wurden
  2. Der Eigentümer Herkt aus Neu-Borui war angeklagt, einen Radfahrer, den Maler Linke aus Kirchplatz-Borui tätlich beleidigt zu haben. Er wurde freigesprochen
  3. Die Maurerfrau Wladislawa Schmichalska aus Wonsowo hatte die Arbeiterfrau Kawa mit einer Hopfenhacke mißhandelt. Sie wurde deswegen mit 30 Mk bestraft
  4. Der Eigentümerssohn Eichberg aus Wengielno hatte Privatklage erhoben gegen den Eigentümerssohn Robert Matschke ebenda. Eine Einigung war nicht zu erzielen. Die Verhandlung hatte das Ergebnis, daß der Kläger sowohl wie der Angeklagte mit je 10 Mk Strafe belegt wurden, auch hat jeder von ihnen die Hälfte der Gerichtskosten zu zahlen, ebenso wurde jedem die Befugnis zugesprochen, den Urteilstenor einmal im Neutomischeler Kreisblatt auf Kosten des Gegners bekannt machen zu lassen.
  5. In der Privatklagesache Michalina Kliczynska aus Bolewitz gegen die Arbeiterin Wozna übernimmt letztere die Kosten, womit ein Vergleich erzielt und das Verfahren eingestellt wird

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Schöffengerichtssitzung vom 24. Mai 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Bäckermeister Liebelt aus Neutomischel und Traugott Roy aus Glinau

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Gegen den Schmiedemeister Rex aus Zinskowo war ein Strafbefehl von 3 Mark erlassen. Er hatte Einspruch erhoben und erzielte keine Freisprechung
  2. Der Tischler Carl Nawrot aus Bolewitz wurde wegen Hausfriedenbruches mit einer Woche Gefängnis bestraft. Er hatte sich aus dem Fechner‘schen Schanklokale zu Bolewitz auf die Aufforderung des Besitzers nicht entfernt
  3. Der Eigentümer Heinrich Löchel II aus Scharke hatte gegen einen Strafbefehl von 10 Mark wegen Jagdvergehens Einspruch erhoben. Er wurde freigesprochen
  4. Joseph Kucz, Wladislaus Nowak u. Alfred Lindenholz hatten wegen Verübung groben Unfugs Strafbefehle von je 3 Mk erhalten, jedoch Einspruch dagegen erhoben. Die Angeklagten kamen mit Verweisen davon
  5. Die Strafsache gegen Helmchen wurde vertagt, desgleichen die Privatklage Fabian gegen Schmidt-Duschnik, da der Beklagte nicht erschienen war

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Schöffengerichtssitzung vom 7. Juni 1905 - Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer August Roy-Paprotsch und Ortsschulze Gebauer-Scherlanke

Folgende Fälle kamen zur Verhandlung:

  1. Der Arbeiter Viktor Freitag aus Grudno, zurzeit in Essen, und desgl. (sh. unter 2.)
  2. Ludwig Freitag aus Brodi wurden wegen gemeinschaftlichen unberechtigten Jagens im Bolewitzer Forst mit je sechs Wochen Gefängnis und Einziehung der Jagdgeräte bestraft
  3. Wegen Holzdiebstahls erhielt der Eigentümer und Arbeiter Wilhelm Marquard aus Alttomischel, zurzeit in Zachi bei Kizin, 3 Tage Haft
  4. Der Arbeiter Franz Nobik aus Neutomischel wurde zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er im hiesigen Gefängnis ein Gesangbuch entwendet hatte
  5. Der Eigentümer Berthold Fritsche aus Scherlanke wurde mit 30 Mark bestraft, weil er einen Obstbaum entwendete
  6. Der Eigentümer Dienegott Weidner aus Neu Scharke hatte ein Schwein dem Kaufvertrage zuwider vor der Abnahme stark angefüttert und erhielt hierfür eine Geldstrafe von 20 Mark
  7. Wegen eines Fahrraddiebstahl wurde der Arbeiter Grocholewske aus Wonsowo, zurzeit in Moers, mit einer Woche Gefängnis bestraft
  8. der Eigentümer Wihelm Roy aus Glinau war angeklagt, der Herrschaft Alttomischel einen Baum vom Grenzrain entwendet zu haben. Er wurde freigesprochen, und die Klägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen

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Schöffengerichtssitzung vom 21. Juni 1905 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Franke, Schöffen waren die Herren Besitzer Sperling-Neuborui und Kurz-Paprotsch

Es standen folgende Sachen zur Verhandlung:

  1. Der Eigentümerssohn Wilhelm Helmchen aus Groß-Lipke war angeklagt, seinen Stiefvater mit der Begehung eines Verbrechens bedroht zu haben. Er wurde freigesprochen
  2. Der Arbeiter Wilhelm Strauch aus Glinau war angeklagt, beim dem Besitzer Otto Töffling zu Neutomischel sich des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht zu haben. Er wurde deswegen mit 10 Mark bestraft. Der als Belastungszeuge geladene T. war unentschuldigt ausgeblieben und traf ihn dieserhalb eine Geldstrafe von 5 Mark.

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Quelle: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel 1905 / Ausgaben Januar – Juni

Ballon “Metzeler” über Paprotsch / 1913

[12-10-13, VIIIe coupe Gordon-Bennett des sphériques] Hans Berliner sur Metzeler, Mann [co-pilote], Allemagne : [photographie de presse] / [Agence Rol] | Agence Rol. Agence photographique *

[12-10-13, VIIIe coupe Gordon-Bennett des sphériques] Hans Berliner sur Metzeler, Mann [co-pilote], Allemagne : [photographie de presse] / [Agence Rol] | Agence Rol. Agence photographique *

Am 13. August 1913 veröffentlichte das “Neutomischler Kreisblatt” folgende Meldung:

“Der Ballon “Metzeler” (Führer Ingenieur Berliner, Mitfahrer Mann) ist nach 18 stündiger Fahrtdauer in Sanniki bei Warschau glatt gelandet.

An der Grenze wurde der Ballon in halbstündigem Kreuzfeuer mit etwa 200 Schuß scharf beschossen.

Trotzdem blieben die Insassen unverletzt, wurden aber nach der Landung in Haft gehalten. Alle Gegenstände des Ballons wurden beschlagnahmt und zunächst jeder Verkehr mit der Außenwelt auf das strengste verboten.”

* * *

Einer kurzen Begegnung zwischen den Ballonfahrern und zwei jungen Paprotschern in der Nacht zum Sonntag, dem 10. August 1913 wurde dann eine weitere Meldung vom 22. August 1913 gewidmet:

“Wir berichteten kürzlich von einem Luftballon “Metzeler”, der in Rußland gelandet war, nachdem er an der Grenze in halbstündigem Kreuzfeuer mit etwa 200 Schuß scharf beschossen worden war und deren Insassen trotzdem unverletzt blieben.

Dieser Ballon ist, wie wir erst jetzt erfahren, in der Sonntag-Nacht vor 14 Tagen in Paprotsch zwischen 12 und 1 Uhr bemerkt worden.

Auf der Gröger’schen Wirtschaft daselbst unterhielten sich um diese Zeit zwei junge Leute, die von dem Jungdeutschland-Feste aus Sontop heimkamen, als sie auf einmal von den Luftschiffern, die ziemlich niedrig mit ihrem Ballon schwebten, nach dem Namen der Ortschaft und unserer Stadt gefragt wurden.

Auf die Frage der jungen Leute, wo sie denn hinfahren wollten, gaben die Luftschiffer zur Antwort “nach Rußland”.

Sie baten noch darum, daß sie am nächsten Morgen zwei Karten suchen möchten, die sie aus dem Korbe herabwerfen würden und verschwanden dann in der dunklen Nacht.

Am anderen Morgen fanden die jungen Leute auf einem Stoppelfeld zwei Ansichtskarten mit dem Aufdruck: “Offizielle Postkarte der Rosen- und Gartenbau – Ausstellung Forst-Lausitz Juni – Oktober 1913. Ausgeworfen vom Ballon “Metzeler” 10. VIII. 13.” Die Karten berechtigen zum freien Eintritt in diese Ausstellung. Der Ballon war bekanntlich in Forst in der Lausitz aufgestiegen.”

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: *1 = Bibliothèque nationale de France, département Estampes et photographie, EST EI-13 (310)  – http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b69274533 – Text: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1913-08-13/22

Arno Kraft 1922-2016

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 Wir erhielten die traurige Nachricht, dass Herr

Arno Kraft

am  † 25. September 2016 im Alter von 94 Jahren verstorben ist

In tiefem Mitgefühl begleiten unsere Gedanken seine Angehörigen in diesen schweren Stunden

Z głębokim współczuciem nasze myśli łączą się z rodziną w tych trudnych chwilach.

Auch wir nehmen Zeilen aus dem Heimatgedicht “Mein Neutomischel” von Margot Schröer auf, um ihm unsere Achtung und ein ehrendes Gedenken zu bereiten

Aby wyrazić nasz szacunek i pamięć pozwoliliśmy sobie zacytować kilka linii wiersza Margot Schröer  “Mein Neutomischel”

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“Gott schenkte dir ein neues Heim,
darinnen darfst du froh und glücklich sein.”

“Nową Ojczyznę i dom Bóg Ci dał
Abyś szczęście i spokój w nich miał”

Miłował z oddali swoją małą Ojczyznę bez żadnych warunków i bezkrytycznie.
Er liebte aus der Ferne – seine Heimat, bedingungs- und kritiklos.

Tylko w Nowym Tomyślu było słońce najjaśniejsze,
Nur in Neutomischel – war die Sonne die hellste

tylko w Nowym Tomyślu było powietrze była najlepsze,
Nur in Neutomischel – war die Luft die klarste

tylko w Nowym Tomyślu kwiaty pachniały najpiękniej
Nur in Neutomischel – dufteten die Blumen am intensivsten

Tylko w Nowym Tomyślu wracał do domu
Nur in Neutomischel – war er zuhause

Tylko tutaj stawał się dzieckiem.
Nur in Neutomischel – wurde er wieder ein Kind.

Z tej miłości zebrał historie o swoim mieście i dawnych mieszkańców w całość i wydał własnymi siłami “… und dazwischen Neutomischel”

Aus Liebe zu seiner Heimatstadt hat er Erzählungen über die Region und deren einstigen Bewohnern gesammelt und im Eigenverlag das Erinnerungsbuch “… und dazwischen Neutomischel” herausgegeben.
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“Hier ein Büschel, dort ein Büschel
Mitten drin liegt Neutomischel”


Dziękuję i do zobaczenia.
Vielen Dank und Auf Wiedersehen.

Gudrun Tabbert – Przemek Mierzejewski

 

Einbruch bei Alfred Markus in Neutomischel / 1913

Rechts das ehem. Zigarrengeschäft des Alfred Markus / Ansichtskarte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Rechts das ehem. Zigarrengeschäft des Alfred Markus / Ansichtskarte Sammlung Wojtek Szkudlarski

“Ein dreister Einbruch wurde gestern abend (18. Dezember 1913) kurz nach 10 Uhr in der Bahnhofstraße verübt. Durch Einschlagen der großen Schaufensterscheibe des Alfred Markus’schen Zigarrengeschäfts wurden von dem Täter mehrere Kisten Zigarren entwendet. Trotzdem die Tat sofort bemerkt wurde, gelang es dem Einbrecher, unerkannt zu entkommen.

Der sofort benachrichtigte Gendarmeriewachtmeister Sprenger erschien mit seinem Polizeihund, und es gelang bald, den Täter in der Person des jugendlichen Arbeiters Otto Weimann aus Paprotsch zu ermitteln und festzunehmen.

Der Bruder des Täters brachte heute früh eine Kiste von den gestohlenen Zigarren wieder zurück, sodaß auch dadurch der Beweis erbracht worden ist, daß die Ermittelungen des Gendarmeriewachtmeisters und seines Hundes die richtigen waren.”

* * *

In den Personenstandsunterlagen fand sich lediglich eine Eintragung: am 17. Juni 1910 wurde Ruth Markus als Tochter der Eheleute Alfred Markus, Kaufmann zu Neutomischel und dessen Ehefrau Rosa geb. Jacobsohn geboren.

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1913-12-19; Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)
 

 

Raubmord im Wald von Posadowo – 1913

Die Chaussee von Pinne nach Neustadt, ca. 9 km, ein Fußweg von annähernd 2 Stunden / Messtischblätter http://mapy.amzp.pl/tk25.cgi?23,48,60,80

Die Chaussee von Pinne nach Neustadt, ca. 9 km, ein Fußweg von annähernd 2 Stunden / Messtischblätter http://mapy.amzp.pl/tk25.cgi?23,48,60,80

Nachfolgend die Berichterstattung aus dem Neutomischler Kreisblatt des Jahres 1913:

1913-08-22 “Am Mittwoch 20. August 1913 abend ist der 21 Jahre alte, unverheiratete Handlungsgehilfe Stephan Witkowski, als er von Pinne mit einer größeren Summe Geldes nach Neustadt b. P. heimkehrte, ermordet und der ganzen Barschaft beraubt worden.

Der Ermordete war der Sohn des Sattlermeisters W. Witkowski aus Samter und bei der polnischen Ein- und Verkaufsgesellschaft Rolnik in Neustadt b. P. angestellt.”

Stephan Witkowski – geboren 10. Juli 1893 zu Samter

Vater der Sattlermeister Wladislaus Witkowski, Mutter Antonie Witkowska geborene Knie

“Die Leiche des jungen Mannes wurde am Donnerstag früh von der Pilzesuchenden Arbeiterfrau Michalina Kaczmarek aus Posadowo gefunden, welche auf dem Gute Posadowo den grausigen Fund sofort meldete.

Die schnell telephonisch verständigte Staatsanwaltschaft in Posen mit einem Polizeihund sowie der Kreispolizeihund aus Neutomischel mit seinem Führer trafen noch im Laufe des Vormittags an der Mordstätte ein, um die Ermittelungen aufzunehmen.

Die Leiche wies nur zwei Schußwunden auf. Die ein Revolverkugel war vom Nacken aus in den Kopf eingedrungen und zum linken Auge wieder herausgetreten, wie der neben der Leiche liegende Klemmer bewies, denn das linke Augenglas war zertrümmert worden. Der zweite Schuß war ebenfalls von hinten abgefeuert worden, denn der Schußkanal ging von der linken Rückenseite nach der linken Brustgegend. Beide Schüsse müssen in unmittelbarer Nähe des Opfers abgefeuert sein, wie die an den Schußwunden befindlichen Brandstellen beweisen. Da der Tatort etwa 1000 Schritte von dem Komunikationswege zwischen Posadowo und Pinne mitten im Walde liegt, die Leiche auch weiter keinerlei Verletzungen aufweist, die auf einen stattgefundenen Kampf schließen lassen, so steht fest, daß der Bedauernswerte meuchlings getötet worden ist.

Es ist verwunderlich, aus welchem Grunde der junge Mann den Weg nach Posadowo wählte und nicht die direkte Chaussee Pinne-Neustadt. Daß er mit einem Fremden in den Wald gegangen sein würde, der ihn aus nächster Nähe von hinten erschießen konnte, ist ebenfalls kaum anzunehmen. Jedenfalls wäre dies kaum verständlich.

Der Polizeihund “Pfeil” aus Posen, der zuerst arbeitete, verfolgte eine Fährte von der Leiche aus, deren Kleidung vollständig durchsucht war, nach der Neustädter Chaussee zu. Der Polizeihund “Fritz” aus Neutomischel dagegen stellte zunächst einen im Gebüsch in der nahen Sandgrube verborgenen Arbeiter namens Andreas Walinowski aus Neustadt b. P. Dieser gaben an, daß er sich nur verborgen habe, um etwas zu sehen, da sonst der Ort polizeilich abgesperrt war. Der Hund verfolgt darauf die Spur weiter nach der Richtung des Posadowoer – Pinner Weges. Leider verlor das Tier in den auf der Chaussee stehenden nach hunderten zählenden Neugierigen die Fährte. Da beide Hunde eine andere Spur aufnahmen, ist anzunehmen, daß der eine den Eingangsweg der beiden Männer in den Wald, der andere die Ausgangsspur des Raubmörders verfolgt hat.

Zuletzt ist der Ermordete, der auch sein Fahrrad bei sich hatte, auf der Chaussee Pinne – Neustadt b. P. in Begleitung des zu Fuß gehenden Getreidehändlers Flechner aus Pinne gesehen worfen, wie zwei Zeugen bekundeten. Dieser war gestern nach Posen gereist und kann vielleicht über den Verbleib des Opfers Auskunft geben. Hoffentlich gelingt es den Behörden, den Verbrecher zu ermitteln, damit er der irdischen Strafe nicht entgeht.”

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1913-08-25 “Ueber den grausigen Raubmord, über den wir bereits in letzter Nummer berichteten, ist noch nachzutragen, daß der Polizeihund “Prinz” aus Neustadt b. P. mit seinem Führer, Polizeisergeant Breuer, sich an der Ermittelung beteiligt und auch ein Spur aufgenommen hat.

Der ermordete Stephan Witkowski hatte am Mittwoch in Pinne, wo der “Rolnik” eine Filiale besitzt, verschiedene Geschäfte zu erledigen, unter anderem auf dem Pinner Wochenmarkte Getreide aufzukaufen. An Geld mag er etwa 2000 Mark bei sich geführt haben. Bei Gerichtsvollzieher Kretschmann hatter er noch geschäftlich zu tun. Dieser wollte nun mit dem jungen Mann nach Neustadt ins Hauptgeschäft kommen und ließ ihn einstweilen vorausfahren. Auf dem Wege holte er ihn ein sah ihn mit dem Getreidehändler Flechner von Pinne in einem Gespräche. Kretschmann fuhr deshalb allein weiter.

Als der junge Mann abends noch nicht kam, schöpfte man Verdacht und forschte nach seinem Verbleib. Trotz eifrigen Nachforschens wurde er erst am anderen Morgen als Leiche gefunden. Der Verdacht, den scheußlichen Mord begangen zu haben, richtete sich sofort auf Flechner, mit dem der Ermordete zum letzten Male gesehen wurde.

Flechner steht im Vermögensverfalle, hat aber noch am Mittwoch abend einen Gläubiger mit einem größeren Betrage befriedigen können. Angeblich will er diesen Betrag in Posen beim Spiel gewohnnen haben. Vormittags verreiste er und kam nachmittags 5 Uhr wieder in Pinne an. Dort erwartete ihn schon der Kriminalkommissar Wiesenhütter aus Posen und Polizeisergeant Sodtke von Pinne. Bei ihm wurden ein Browningrevoler gefunden, aus dem 2 Schüsse abgegeben waren. Flechner stammt aus gutsituierter geachteter Familie in Koschanowo und steht in der Mitte der dreißiger Jahre. Er ist jung verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern.

Die Leiche des Ermordeten wurde nach der Leichenhalle in Posadowo gebracht. Freitag nachmittags erschien dortselbst eine Gerichtskommission zur Abhaltung eines Lokaltermins. Der mutmaßliche Mörder wurde vor die Leiche geführt, leugnete aber hartnäckig die Tat. In geschlossenem Wagen wurde er dann von mehreren Polizisten nach Pinne zurückgeführt, um von dort nach Posen transportiert zu werden.

Wie die Sezierung der Leiche ergab, muß der Mörder sein Opfer durch zwei Schüsse, die in einem Zeitraum von 6-8 Sekunden aufeinanderfolgten, meuchlings niedergesteckt haben. Jede Kugel hatte das verlängerte Mark gestreift, das Gehirn durchbohrt war dann am Nasenbein nach links abgeprallt und im vorderen Schädelknochen stecken geblieben. Tieferschütternd war es, als die bedauernswerten Eltern, die auf die Unglücksnachricht hin sofort herbeigeeilt waren, ihren ältesten Sohn in der Blüte des Lebens dahingerafft erblickten.”

1913-08-27 “Zum Raubmord im Posadowoer Wäldchen erfahren wir noch folgendes: Die aus dem Körper des ermordeten Kaufmanns Witkowski entfernten Kugeln stammen ohne Zweifel aus der bei Flechner beschlagnahmten Browning-Pistole. Der Waffensachverständige stellte fest, daß aus dem Browning vor kurzer Zeit 2 Schuß abgegeben worden sind. Der Lauf der Browning hatte einen Fehler, durch den jede Kugel beim Abschießen geritzt wurde. Sowohl die in dem Ermordeten vorgefundenen Kugeln als auch eine probeweise abgeschossene zeigten deutlich diesen Riß.

Flechner bestreitet nach wie vor, den Mord ausgeführt zu haben, trotzdem die Beweise geradezu erdrückend sind. Er bestreitet auch auf dem Posadowoer Wege mit dem Ermordeten zusammen gegangen zu sein und will sich bereits auf der Chaussee von ihm getrennt haben.

Bei der an Ort und Stelle erfolgten Gegenüberstellung haben zwei Zeugen aber mit Bestimmtheit bekundet, daß sie ihn zusammen mit Witkowski auf dem fragl. Wege gehend gesehen haben. Ein Mädchen aus Zgierzynka will um die Zeit, als der Mord passiert ist, im Posadowoer Wäldchen 2 Schüsse gehört und einige Zeit darauf einen Mann aus dem Walde kommend gesehen haben. Auch diese hat bei der Gegenüberstellung in Flechner diesen Mann wiedererkannt. Die Vernehmungen des Angeschuldigten und der Zeugen dauerte bis nachts 1 Uhr. Am Sonnabend, den 23. d. Mts. wurde in der Wohnung des Flechner eine Haussuchung abgehalten, aber außer einem zweiten Revolver nichts besonderes gefunden.

Allem Anschein nach scheint Flechner schon längere Zeit mit dem Gedanken umgegangen zu sein, sich auf irgendwelche gewaltsame Art Geld zu verschaffen. So veranlaßte er vor einigen Wochen den Viehhändler Peter Adamczewski aus Senkowo, mit ihm nach einem benachbarten Dorfe zu gehen, da dort eine Wirtschaft zu verkaufen sei. Adamczewski hatte damals ca. 8000 Mark bei sich. Unterwegs hörte Adamczewski – Flechner ging hinter ihm – etwas knacken. Adamczewski dreht sich um und sah, wie dem Flechner eine Browning-Pistole aus der Hand fiel. Auf die Frage, was Flechner denn da mache, antwortete er, er wolle nur seine neue Browning-Pistole zeigen. Adamczewski ist am vergangenen Sonnabend dieses Vorfalles wegen vor dem hiesigen Amtsgericht vernommen worden.

Auch verschiedene andere Personen soll er versucht haben, unter der Vorspielung, daß F. zu verkaufende Wirtschaften wisse, an einsame Stellen zu locken. Weiter hat Flechner es verstanden, sich wiederholt Geld durch Unterschlagungen zu besorgen. Er hatte z. B. von verschiedenen Kaufleuten, mit denen er in geschäftlicher Verbindung stand, und für die er Vieh oder Getreide aufkaufte, Geld zur Ablieferung erhalten, dasselbe aber für sich verwendet. Ebenso soll er auch Geld, das ihm seine Schwester zur Absendung mit der Post übergeben hat, nicht abgeliefert haben. Sehr belastend ist auch, das Flechner noch am Mordtage verschiedene Schulden bezahlt hat. Am Morgen nach dem Morde, bevor er wegfuhr, hat er außerdem auf dem Dominium Pinne 1400 Mk. Schulden bezahlt. Über die Herkunft dieses Geldes kann er sich nicht ausweisen.

Am Sonntag nachmittag 5 Uhr fand die Beerdigung des so jäh aus dem Leben geschiedenen jungen Mannes auf dem katholischen Friedhof in Samter statt. Eine überaus große Anzahl Leidtragender aus nach und fern gaben ihm das letzte Geleit. Der Probst aus Neustadt b. P. widmet dem Verstorbenen am Grabe einen warm empfundenen Nachruf.

Das Gerücht, daß sich Flechner im Posener Gerichtsgefängnis erhängt haben soll, beruht auf einen Irrtum.

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1913-09-24 “Der Untersuchungsrichter hat das Ermittelungsverfahren gegen den Kaufmann Flechner auf den Fall Adamczewski ausgedehnt. Wenige Wochen vor der Mordtat erhielt der Landwirt Adamczewski in Senkowo einen Brief von Flechner mit der Aufforderung, gemeinschaftlich ein landwirtschaftliches Grundstück zu besichtigen und die Anzahlung von 7000 Mark gleich mitzubringen.

A. erschien mit der Anzahlung und beide begaben sich auf den Weg; unterwegs machte F. seinem Begleiter den Vorschlag, eine im Walde befindliche eigentümliche Quelle zu besichtigen, sie verließen die Hauptstraße und schlugen den einsamen Waldweg ein. An der Quelle nahm Adamczewski eine etwas gebückte Stellung ein, richtete sich aber unwillkürlich auf, um eine Frage an F. zu richten. In diesem Augenblick bemerkte er, daß dessen Händen ein Revolver entglitt und zu Boden fiel. Mit einer harmlosen Redewendung suchte Flechner A. von diesem Vorgang abzulenken und beide setzten ihre Wanderung fort. Die Behauptung des Beschuldigten, es habe sich damals um eine spielzeugähnliche Waffe gehandelt, in der nur mit Vogeldunst gefüllte Patronen steckten, ist durch die Beweisaufnahme widerlegt. Die Voruntersuchung ist nunmehr abgeschlossen, sodaß die Sache voraussichtlich das für November anberaumte Schwurgericht beschäftigen wird.”

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1913-11-24 “Nachdem im Posadower Wäldchen bei Neustadt bei Pinne ein Lokaltermin in Sachen gegen den Raubmörder Flechner stattgefunden hatte, legte der Angeklagte nach der Rückkehr im Untersuchungsgefängnis vor einer Gerichtskommission ein Geständnis ab, daß er nach einem vorangegangenen Streite den Witkowski erschossen und die Leiche darauf beraubt habe.

Er gab auch zu, daß er sich infolge finanzieller Schwierigkeiten in nervöser Aufgeregtheit befunden habe, bestritt aber, die Tat mit Ueberlegung ausgeführt zu haben.

Der Spruch der Geschworenen lautete auf schuldig des vorsätzlichen Totschlages in Tateinheit mit schwerem Raube unter Versagung mildernder Umstände.

Der Staatsanwalt beantragte darauf lebenslängliche Zuchthausstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrecht.

Der Verteidiger bat, nicht das härtete Strafmaß zur Anwendung zu bringen.

Das Urteil lautete auf lebenslängliche Zuchthausstrafe und lebenslängliche Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte.”

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1913 August-November

Schule II in Paprotsch – ca. 1806-1906

Stand hier die Schule II Paprotsch - auch die alte Schule genannt ? / Photo: MM

Stand hier die Schule II Paprotsch – auch die alte Schule genannt ? / Photo: MM

Nachfolgend geben wir die “Uebersicht über das Ergebnis der kreisärztlichen Besichtigung der  Gemeinde Schule II in Paprotsch, Schulgemeinde Paprotsch – Kreis Neutomischel vorgenommen durch Kreisarzt Dr. Buddee am 18. April 1902″ wieder.

Der von uns in der Karte eingezeichnete Standort des Schulhauses basiert lediglich auf unserer Vermutung, Karten mit eingezeichneter genauer Lage oder sogar Bilder dieser “altehrwürdigen” Schule haben wir nicht gefunden.

Wann dieses Schulgebäude, im Jahr 1906 wurde es auf ein Alter von 100 Jahren geschätzt und noch genutzt, letztlich “verschwand”, abgetragen oder sogar eingestürzt, ist nicht bekannt.

Am Ende des seinerzeit von Dr. Buddee handschriftlich ausgefüllten Fragebogens, findet sich noch eine Erwiderung bzw. eine Rechtfertigung von diesem hinsichtlich der von ihm als Kreisarzt vorgenommenen Einschätzungen. Die erwähnte Verfügung welche hier beantwortet worden zu sein scheint war im Archivmaterial nicht vorhanden.

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Lage, Umgebung, Beschaffenheit und Größe des Schulgebäudes:
Befinden sich in der Nähe übelriechende, schädliche Ausdünstungen oder störendes Geräusch?
Die Schule liegt an der Straße von Bentschen nach Sontop, mit der Front nach Süden, ist 15m lang, 9m tief u 3,20m hoch und hat eine freie Lage.
Das Schulgebäude ist ein alter aus Lehm und Holz bestehender Bau dessen Beschaffenheit im ganzen ein recht mangelhafter ist. Dachrinnen sind nicht vorhanden. Das Traufpflaster läßt Feuchtigkeit durch und hat keinen Abfluß. Das Gebäude ist aus Fachwerk, die äußere Holzbekleidung ist an vielen Stellen, besonders an den Giebeln, teils durch Feuchtigkeit, teils durch Ungeziefer zerstört, sodaß durch den Schlagregen vielfach Teile der Lehmwand losgeweicht werden. Das Dach ist ebenfalls undicht.
Uebelriechende, schädliche Ausdünstungen befinden sich nicht in der Nähe.
Konstruktion des Gebäudes:
Massiv oder von Fachwerk, – gesichert gegen durchdringenden Schlagregen und aufsteigende Feuchtigkeit, – Dachrinnen – Traufpflaster – Unterkellerung – Höhe des Fußboden über dem Erdgeschosse – Lehrerwohnung – besonderer Eingang zu dieser
Die Lehrerwohnung, welche an der Westseite des Hauses gelegen ist, ist unterkellert. Die Kellersohle liegt kaum 1 m unter der Erdoberfläche, trotzdem ist es immer naß im Keller. Der Fußboden liegt 0,40 m über dem Erdboden. Die Lehrerwohnung hat vom Hofe aus einen besonderen Eingang durch einen neueren Anbau, welcher massiv ist, aber von aufsteigender Feuchtigkeit sehr zu leiden hat.
Im Uebrigen weißt die Lehrerwohnung schon sehr viele Schäden infolge der Baufälligkeit des ganzen Gebäudes auf.
Schulzimmer: wie viele ?
Länge, Breite, – Höhe, – Raumgehalt, – Anstrich der Wände und Decken – Schließen der Thüren usw nach außen – Zahl und Glasfläche der Fenster, sowie ihre Vertheilung in den Wänden der Schulzimmer und ihre Himmelsrichtung – Schutz gegen Sonnenlicht – Stellung und Beschaffenheit des Ofens – Schutz gegen strahlende Wärme – Temperatur ? Thermometer vorhanden ? – Beschaffenheit der Fußböden, eben, dicht, geölt oder etwa mit Sand bestreut ? Ventilationsvorrichtungen ? – Luftbeschaffenheit ? – Reinlichkeit – durch wen wird die Reinigung der Zimmer ausgeführt – durch Schulkinder ?
Das eine Schulzimmer liegt im östlichen Teil des Gebäudes.
Es hat eine Länge von 8,60 m, Breite 6,40 m, Höhe v. 3,10 m, mithin ein Raumgehalt von 170,62 cbm. Wände u. Decken sind mit grauem Kalk getüncht. Die Thür schließt nach außen. Die 6 Fenster haben eine Glasfläche von 5,47 qm. Sie verteilen sich auf die einzelnen Wände derart, daß 2 Fenster südlich, 2 nördlich u. 2 östlich gelegen sind. Schutz gegen Sonnenlicht ist nicht vorhanden.
Der Kachelofen steht an der Westwand, etwas in der Mitte derselben. Ist von dem nächsten Schulplatz 0,45 m entfernt. Eine Schutzvorrichtung gegen strahlende Wärme existiert nicht.
Das Thermometer zeigt ein Temperatur von 13° R.
Der Fußboden ist sehr schlecht, undicht gefugt, zwischen den Fugen zum Teil ausgefault. Geölt ist er nicht.
Besondere Ventilationsvorrichtungen bestehen nicht. Die Luft im Schulzimmer ist von dumpfer Beschaffenheit.
Die Reinigung des Zimmers wird wöchentlich 2 mal durch eine vom Lehrer angenommene Person ausgeführt.
Einrichtung der Schulzimmer
Zahl und Beschaffenheit der Bänke – Stellung derselben zum Licht und zum Katheder ? – Spucknäpfe ?
Es sind 8 große u 1 kleine Bank vorhanden, von denen die größte eine Tischfläche von 85/82 cm, eine Tischbreite von 0,32m, die Kleinste eine Tischhöhe von 81/79 cm, eine Tischbreite von 27 cm aufweist. Die meisten haben eine Plusdifferenz von 17-18 cm. Besondere Lehnen sind nicht vorhanden. Das Holz ist an vielen Stellen vom Wurmfraß zerstört.
Das Katheder steht an der Südwand, ist von der nächsten Bank nur 0,87 m entfernt. Die von Osten nach Westen stehenden Bänke erhalten Licht von links, von hinten u. von vorn.
Im Zimmer befinden sich an der Thür 2 Spucknäpfe.
Garderobe
Vorhanden – innerhalb oder außerhalb der Zimmer ?
Die Kleiderriegel sind innerhalb des Zimmers an der Ofenwand angebracht
Gänge und Treppen
Material – Beleuchtung – Steigung – Breite – Geländer ?
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Lage und Größe des Turn- und Spielplatzes
Ist derselbe eingefriedigt oder sonst abgeschlossen ?
Turnhalle
Größe – Einrichtung
Als Turn- und Spielplatz wird der nur sehr kleine Schulhof benutztEine Turnhalle fehlt
Abortanlagen
System – genügende Zahl – Zustand – Ventilation – Entfernung vom Schulhause – Lage zum Brunnen ? Event. cementirte und bedeckte Gruben, gewölbt und mit Entlüftungsvorrichtung versehen ? Ist ein Pissoir vorhanden und wie beschaffen ? – Sind die Anlagen genügend beleuchtet ? – Entleerung wie oft ?
Die Abortanlage ist sehr mangelhaft.
Es besteht ein Raum für Mädchen u 1 für Knaben, getrennt durch den Abort für den Lehrer. In derselben Flucht neben dem Raum für die Knaben liegt das mit einem Pappdach versehene offene Pissoir.
Für Lüftung und Beleuchtung der Anlage bestehen keine Vorrichtungen. Die Abortgrube wird nur selten entleert.
Die Anlage ist vom Schulhause und vom Brunnen über 10m entfernt.
Trinkwasser
Leitung oder Brunnen – Güte desselben – Reinlichkeit – Auskömmlichkeit – Trinkeinrichtung (Becher?) – Beschaffenheit der Wasserversorgungsstelle (Art der Brunnenwandungen, der Abdeckung, der Entnahme usw) ? Sind nach Lage der Wasserversorgungsstelle Bedenken gegen das Trinkwasser zu erheben?
Etwa 5m vom Schulhause entfernt steht der Schulbrunnen.
Ein eiserner Röhrenbrunnen, dessen innere Teile, soweit sie sichtbar sind, augenscheinlich stark verrostet sind. Das ausfließende Wasser wird in einer schmalen, undichten Holzrinne weitergeleitet um in einer Entfernung von 2 m schon zu versickern. Das Wasser hat eine bräunliche Farbe, einen unangenehmen Geruch nach organischen Substanzen u. verursacht an den Gefäßen einen festen braunen Niederschlag. Der Geschmack des Wassers entspricht seinem unangenehmen Geruch.
Ein Trinkbecher, welcher auf einer Bank neben dem Anbau steht, ist an der Innenfläche braun beschlagen.
Die Stelle an welcher der Brunnen steht ist früher sumpfig gewesen. Gegen das Trinkwasser sind die größten Bedenken zu erheben.
Sind Badeeinrichtungen vorhanden ?
Wie beschaffen – wie viele ? Wie werden sie benutzt ?
nein
Schulkinder
Wie viele in jeder Klasse ? Kubikraum in jeder Klasse für jedes Kinde ? Zahl der Anwesenden ? Es fehlen ? Gründe des Fehlens ? Reinlichkeit des Körpers und der Kleider ?
Allgemeiner Ernährungs- und Gesundheitszustand ?
Von den 62 Schulkindern fehlt seit Monaten 1 Kind, welches anscheinend an Tuberkulose leidet. Auf jedes Kind entfallen 2,75 cbm Luftraum.
Gegen die Reinlichkeit der Kinder am Körper und Kleidern sind erhebliche Ausstellungen nicht zu machen. Der allgemeine Ernährungs- und Gesundheitszustand ist ein zufriedenstellender
Krankheiten der Schulkinder:
Von den Anwesenden waren krank ? An welchen Krankheiten ? Von den Anwesenden waren kurzsichtig ? Von den Anwesenden waren schwerhörig ? Zum Schutze gegen die ansteckenden Krankheiten ist erforderlich ? Haben seit der letzten Besichtigung Epidemien geherrscht und herrschen z. Zt. welche ? Schulschließungen ? Besondere Bemerkungen
Von den Kindern zeigten eine ganze Reihe einen leichten Bindehautkatarrh, zum Teil mit Bläschenbildung (Follikel) am unteren Augenlide. Trachom waren nicht festzustellen.
Epidemien haben in letzter Zeit nicht geherrscht, sodaß Schulschließungen nicht erforderlich waren

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Der vermutete Standort der Schule Paprotsch II

Der vermutete Standort der Schule Paprotsch II

Königl. Kreisarzt Dr. Buddee

Neutomischel, den 27. Juni 1902 - Zur Verfügung vom 20.6.02 JNo. 5525/02 II a berichte ich:

An sich ist es nicht wunderbar, daß die Begutachtung des medizinischen und des Bau-Sachverständigen voneinander abweichen, gehen doch beide von einer ganz verschiedenartigen Grundlage aus. Der eine fragt sich: Wie lange kann das Gebäude noch durch Reparaturen usw gehalten werden, der andere: Sind die hygienischen Verhältnisse dem Zwecke des Gebäudes so zuwiderlaufend, daß eine größere Reparatur nicht mehr lohnt.

Dagegen, daß man das Gebäude noch einige Jahre durch Ausbesserungen vor dem Einfallen bewahren kann, habe ich keinen Zweifel erhoben, es wäre auch bedauerlich, wenn der medizinische Sachverständige in die Lage kommen sollte, die sofortige Schließung einer Schule zu verlangen, weil sie jeden Augenblick durch Einsturz das Leben der Insassen gefährden kann. Die Möglichkeit eine Reparatur zu begutachten ist Aufgabe der technischen Sachverständigen.

Dagegen glaube ich, gehört die hygienische Seite der Frage zur Competenz des Medizinalbeamten. Ein solcher hat an dem Lokaltermin am 13. d. M. nicht teilgenommen.

Ich will die von mir vorgefundenen Mängel kurz zusammenfassen:

  1. Das Gebäude ist alt und mangelhaft, sodaß es auch im Schulzimmer durchregnet und Wände, Bänke und Fußboden von der Feuchtigkeit leiden
  2. Es steht auf einem als besonders feucht und sumpfig bekannten Terrain
  3. Das Schulzimmer ist zumal in Bezug auf Beleuchtung sehr schlecht eingerichtet. Die Fenster sind niedrig und reichen nicht entfernt bis an die Decke, ihre gesammte Glasfläche beträgt um 1/10 der Bodenfläche. Davon müssen aber die beiden südlichen Fenster noch in Abzug gebracht werden, da diese den Kindern das Licht in die Augen werfen und blenden, also nur schaden. Nicht umsonst zeigt ein großer Teil der Kinder Augenbindehautkatarrh. – Doch nicht allein die Kinder müssen unter diesem Übelstande leiden. Auch der Lehrer sieht vom Katheder aus ins Licht, sodaß nicht nur seine Augen angegriffen werden, sondern auch die Beaufsichtigung der Kinder erschwert wird.
  4. Das Trinkwasser ist als solches schlecht. Es bildet einen weislich braunen Niederschlag, riecht und schmeckt nach organischen Bestandteilen, ist also stark eisenhaltig und entstammt einem moorigen Boden. Thatsächlich wird das Wasser aus dem nahen Graben vorgezogen.
  5. Die Abortanlagen sind ebenfalls mangelhaft. Sowohl in Bezug auf Zahl, als auch auf die Trennung der Geschlechter
  6. Die Lehrerwohnung ist nicht gesund. Die Luft darin ist dumpf und feucht, und alle Reparaturen kleinerer Schäden werden daran nichts ändern

Nachdem ich alle diese Schäden festgestellt hatte, lag für mich um so weniger Grund vor, kleine Ausbesserungen vorzuschlagen, als ich erfuhr, daß ein Neubau bereits beabsichtigt werde, es fragt sich nur, ob auf demselben Grundstück oder auf einem anderen

Da nach Aussage des Gemeindevorstehers ein besserer Baugrund zu erhalten ist, so konnte ich auch diese Forderung mit gutem Gewissen aufstellen, obwohl es in jedem Fall meine Pflicht gewesen wäre, auf eine höher gelegene Baustelle zu dringen.

Zum Schlusse muß ich bemerken, daß ich es weder für ein Prinzip der Schulgesundheitspflege, noch für sparsam halte, ein altes schlechtes Schulgebäude für wenige Jahre notdürftig auszubessern, ganz ohne Rücksicht auf die nicht zu beseitigenden hygienischen Mängel desselben

Sollten bei der Königlichen Regierung Zweifel obwalten, so bitte ich Herrn Regierungs- und Medizinalrat Dr. Schmidt mit einer Besichtigung an Ort und Stelle zu beauftragen, da nur der höhere Medizinalbeamte als Obergutachter in Frage kommen kann

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 Zwischen den Unterlagen fand sich ein Zettel mit folgenden Notizen des Arztes:
Paprotsch (alte Schule)
Schwerhörig:  1) Martha Hirsch, 2) Frieda Kucz, 3) Oskar Woydt
Selma Schliefke teilweise (Heinrich Sch.), Ferdinand Schliefke teilweise (Heinrich Sch.)

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/) – hier Aktenkonvolut  377 Lekarz Powiatowy w Nowym Tomyślu [Kreisarzt in Neutomischel] Sign. 41 Orts- und Schulbesichtigung Paproć

Eröffnung des Gemeindehauses in Sontop – 1913

Das ehemalige Gemeindehaus / Aufn. PM

Das ehemalige Gemeindehaus / Aufn. PM

“Am Donnerstag (20.11.1913) feierte die Gemeinde Sontop das Fest der Eröffnung ihres Gemeindehauses, verbunden mit der Einführung der vom Vaterländischen Frauenverein in Neutomischel angestellten Landkrankenpflegerin.

Außer der zahlreich versammelten Gemeinde waren als Festteilnehmer erschienen die Herren Geheimrat von Daniels, Oekonomierat Schwartzkopff und Superintendent Reisel.

Um 1/2 3 Uhr nachmittags begann die Feier vor dem Gemeindehause mit einem Gesang des Gemischten Chors von Sontop. Nachdem der Ortsgeistliche, Pastor Knapp, die Bedeutung des Tages für die Gemeinde gedacht und den Dank der Gemeinde gegen diejenigen ausgedrückt hatte, durch deren Gaben der Bau des Gemeindehauses ermöglichst war, übergab der Bauunternehmer Winter aus Sontop den Schlüssel zum Hause Herrn Oekonomierat Schwartzkopff, der ihn an den Ortsgeistlichen weitergab, worauf dieser mit weihenden Worten die Eröffnung vollzog.

"... paßt sich mit seinem hohen Dach und seiner einfachen Linienführung der benachbarten Kirche und dem ganzen Dorfbilde überaus glücklich an" / Aufn. PM

“… paßt sich mit seinem hohen Dach und seiner einfachen Linienführung der benachbarten Kirche und dem ganzen Dorfbilde überaus glücklich an” / Aufn. PM

Danach zog die Festversammlung in den Saal hinein, worauf Pastor Knapp die Weiherede hielt, anknüpfend an den Tagestext der Losungen Psalm 40,7. Nach einem weiteren Gesang des Chors hielt Herr Geheimrat von Daniels eine Ansprache, in der er die Bedeutung eines solchen Hauses für die Gemeinde hervorhob und den Wunsch aussprach, daß dasselbe die Arbeit der Kirche unterstützen und auch durch Pflege der heranwachsenden Jugend diese zur Gottesfurcht erziehen möchte. Sodann gab er seiner Freude Ausdruck, daß es durch Erbauung des Gemeindehauses dam Vaterländischen Frauenverein in Neutomischel möglich geworden sei, in Sontop eine Pflegestation zu errichten, begrüßte die mit dem 1. Novbr. angestellte Landkrankenpflegerin und führte sie in ihr Amt ein. Herr Superintendent Reisel schloß die Feier mit Gebet, worauf dieselbe mit Gemeindegesang ihr Ende fand.

Es erfolgte sodann eine Besichtigung des Hauses, das im Erdgeschloß außer dem Konfirmandensaale eine Wohnung für den Küster enthält, während im Dachgeschoß sich die Wohnung für die Gemeindeschwester und ein größerer Raum befindet, der für Jugendpflege und sonstige Vereinszwecke Verwendung finden und in dem auch im Januar ein Koch- und Haushaltungskursus stattfinden soll. Das Haus, das im alten Bauernhausstil erbaut ist, paßt sich mit seinem hohen Dach und seiner einfachen Linienführung der benachbarten Kirche und dem ganzen Dorfbilde überaus glücklich an und trägt zur Verschönerung des Dorfes bei.

Die Baukosten betragen 14.000 M., wozu Herr Oekonomierat Schwartzkopff mit einer hochherzigen Gaben von 2.000 Mark den Grund gelegt hat. Der Evangelische Oberkirchenrat hat 2.500 Mark gespendet, 5.500 Mark hat der Ober-Präsident als Darlehen gewährt, und 4.000 Mark hat die Gemeinde aufgenommen.”

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1913-11-24

Kurzmeldung – Unfallflucht 1913

Pferdegespann um 1920 / Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Opalenicka_KD_1920_fot16.jpg?uselang=de

Pferdegespann um 1920 / Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Opalenicka_KD_1920_fot16.jpg?uselang=de

“Ein bedauernswerter Fuhrunfall ereignete sich gestern abend auf der Grätzer Straße in der Nähe der Schule hinter dem Schützenhause.

Als Herr Geheimer Regierungsrat von Daniels mit seinem Jagdwagen von Rose nach Hause fuhr, kam dem Gefährt ein unbeleuchtetes Fuhrwerk entgegen. Die beiden Geschirre fuhren mit solcher Gewalt zusammen, daß die Deichsel des unbeleuchteten Wagens dem einen Pferde des landrätlichen Geschirres in die Brust gestoßen wurde, sodaß das wertvolle Tier auf der Stelle verendete.

Leider entkam der Besitzer des unbeleuchteten Fuhrwerks unerkannt. Glücklicherweise sind Personen bei dem Unfall nicht verletzt worden.

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Dieser Vorfall möge allen Fuhrwerksbesitzern und Führern zur Warnung dienen. Die Fuhrwerke sind bei Dunkelheit hell zu beleuchten, es ist stets rechts zu fahren und links zu überholen, dann werden derartige Unfälle vermieden. Gegen diese Vorschriften wird in hiesiger Gegend oftmals verstoßen, und es ist erforderlich, daß von den Polizeiorganen mit aller Schärfe gegen Uebertretungen vorgegangen wird.”

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1913-12-05

Flugverkehr über den Städten Neutomischel und Neustadt bei Pinne 1913

 "Rumplertaube" / Messtischblatt: http://amzpbig.com/maps/3563_Neustadt_1893.jpg und Zeichnung https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rumber.jpg?uselang=de

“Rumplertaube” / Messtischblatt: http://amzpbig.com/maps/3563_Neustadt_1893.jpg und Zeichnung https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rumber.jpg?uselang=de

“Ein Flieger überflog am gestrigen Dienstag (12.08.1913) früh 1/2 6 Uhr, von Osten kommend, in der Nähe der Bahn mit der Flugrichtung nach Westen unsere Gegend.

Der Aeroplan kam jedenfalls wieder von Posen.

Auch heute morgen (13.08.1913) um 7 Uhr überflog ein solcher in entgegengesetzter Richtung unsern Ort (Neutomischel) in bedeutender Höhe.

Die Führer der Luftfahrzeuge scheinen die Bahnstrecke Posen – Berlin zu ihrer Orientierung gern zu benutzen, woraus es sich wohl erklären dürfte, daß wir so oft Flieger ihre Bahn ziehen sehen”

Während die “Neutomischler” somit nur vom Flugverkehr Notiz nahmen hatten die “Neustädter” Gelegenheit ein Flugzeug aus nächster Nähe bestaunen zu können

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“Das Militärflugzeugzeug “Rumplertaube 125” passierte in den Morgenstunden des vergangenen Freitag (15.08.1913) von Posen kommend unser Städtchen (Neustadt b.P.)

Ganz deutlich konnte man das Geräusch des Motors und das Surren des Propellers vernehmen. Mancher Langschläfer ließ sich dadurch aus den Federn locken. Gar zu schnell war das stolze Fahrzeug in nördlicher Richtung den Blicken entschwunden.

Da verbreitete sich plötzlich wie ein Lauffeuer die Nachricht, daß die Flieger (2 Offiziere) auf einem günstigen Gelände in der Nähe des Dörfchens Konin niedergegangen wären.

Scharenweise strömte man nun hinaus, um das Flugzeug in der Nähe anzusehen. Sogar die Lehrer der evangelischen und jüdischen Schule waren mit ihren Schülern nach dem Landungsplatz geeilt. Zwei Schülerinnen überreichten den Fliegern Blumensträuße.

Nachmittags wurde dann ein interessanter Schauflug unternommen.”

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Die “Rumplertaube” war von dem Österreicher Igo Etrich im Jahr 1909 entwickelt und fertiggestellt worden. Das Motorflugzeug hatte seinen Erstflug am 6. April 1910 absolviert. Die Rumpler Werke in Deutschland bauten dieses Flugzeug später unter Lizenz. Nähere Einzelheiten finden sich z. B. unter https://de.wikipedia.org/wiki/Etrich_Taube.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1913/08

Grabsteine Friedhof Boruy – Gottlob Fechner 1797-1882

Der Grabstein des Gottlob Fechner / Photo: Przemek Mierzejewski

Der Grabstein des Gottlob Fechner / Photo: Przemek Mierzejewski

Hier ruht in Gott der Altsitzer
Gottlob Fechner
geb. am 22 Novbr 1797
starb 84 Jahre 11 Monate 15 Tage alt,
am 26 Oct. 1882
Ruhe sanft

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Den 29ten Nov. 1797 wurde getauft des Martin Fechner, Wirts in Boruy von seinem Weibe Dorothea Elisabeth Tepperin d. 26ten Mittags 11 Uhr geb. Söhnl. und erhielt die Namen Johann Gottlob

Taufzeug. Laurentius Braeuer u. George Friedrich Kunstmann – Wirte in Boruy

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Der Vorname Johann Gottlob wandelte sich in Johann Gottlieb, welcher auch im Eintrag seines Todes beim Standesamt verwendet wurde.

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Im Jahr 1826 hatte er die Ehe mit der Rosina Dorothea Haeusler (geb. 1806, gest. 1876) geschlossen. Dem Ehepaar wurden anhand der einsehbaren Personenstandsunterlagen 7 Kinder zusortiert.

Von 4 Mädchen wurden Anschlussdaten gefunden – Anna Dorothea geb. 1827 war eine verehelichte Leske, Johanna Beate geb. 1830 eine verehelichte Steinke, Rosina Dorothea geb. 1832 eine verehelichte Richter und die im Jahr 1838 geborene Johanna Louise nahm den Ehenamen Paelchen an.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Schöffengerichtssitzungen August – Dezember 1903

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes - Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte - Bild: EA

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes – Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte – Bild: EA

Nachstehend sind die Verhandlungspunkte und Urteile der Schöffengerichtssitzungen vom August bis Dezember 1903 wiedergegeben.

Entnommen wurde die Berichterstattung dem Neutomischler Kreisblatt des Jahres 1903.

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Schöffengerichtssitzung vom 4. August 1903 - Vorsitzender Herr Amtsrichter Dr. Brasack, Amtsanwalt Herr Distriktskommissar Roll, Schöffen waren die Herren Eigentümer Heinze aus Konkolewo und Gottlieb Roy aus Glinau.

Es wurden folgende Fälle verhandelt:

  1. Der Arbeiter Andreas Jaskowiak aus Wonsowo wurde wegen Körperverletzung und Bedrohung mit 4 Wochen Gefängnis und 5 Mk. Geldbuße bestraft.
  2. Das Dienstmädchen Selma Wilde aus Glinau war angeklagt, ihren Dienst bei dem Gastwirt Kung in Glinau ohne Grund verlassen zu haben. Sie hatte gegen den wider sie erlassenen Strafbefehl Einspruch erhoben. Nach verhandelter Sache wurde die Genannte von der Anklage freigesprochen.
  3. Der Eigentümer Wilhelm Pflaum und dessen Ehefrau Emilie Pflaum aus Alttomischel wurden wegen gegenseitiger Körperverletzung mittels gefährlicher Werkzeuge beide zu je 10 Mk. Geldstrafe verurteilt.
  4. Der Eigentümer Anton Minge aus Witomischel wurde wegen Betruges mit einer Woche Gefängnis bestraft.
  5. Das Dienstmädchen Lina Usch aus Alt-Borui war angeklagt ohne Erlaubnis ihres Dienstherrn, des Eigentümers Fischer aus Alt-Borui, des Sonntags ausgegangen zu sein. Sie hatte jedoch gegen den an sie ergangenen diesbezüglichen Strafbefehl Einspruch erhoben. Das Gericht verwarf jedoch die Appellation und erkannte auf 6 Mk. Geldstrafe.
  6. Die Privatklagesache der Dienstmagd Engler gegen den Arbeiter Raschke aus Glinau, welche in der vorigen Schöffengerichtssitzung zwecks Ladung neuer Belastungszeugen auf heute vertagt war, wurde dem Kgl. Schwurgericht in Meseritz überwiesen, da sich das Schöffengericht in dieser Sache (versuchter Notzucht) für nicht zuständig erklärte.
  7. Die Sache gegen den Handelsmann Schäfer in Bolewitz wegen Verletzung der Absperrungsmaßregeln bei Ausbruch der Viehseuchen wurde behufs Vernehmung weiterer Zeugen vertagt.

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Schöffengerichtssitzung vom 19. August 1903 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsassessor Reichhelm, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte, Schöffen waren die Herrn Eigentümer Carl Kurz, Paprotsch und Bäckermeister Liepelt, Neutomischel – Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Die Verhandlung gegen den nicht erschienenen Angeklagten Tomalka, ferner gegen die anwesenden Angeklagten Stanislaus Weber, Wirt August Schulz und Michael Kucz sämtlich aus Neufeld mußte vertagt werden, da sich die Vernehmung weiterer Be- und Entlastungszeugen notwendig machte.
  2. Die Arbeiterin Klapa aus Witomischel war beschuldigt, den hiesigen Distriktsamtsboten Bielke, welcher mit der Vorführung ihrer Tochter beauftragt war, mit einem Besen bedroht zu haben. Der Gerichtshof stellte Beleidigung eines Beamten, jedoch kein Vergehen gegen die Staatsgewalt fest und erkannte auf eine Woche Gefängnis.
  3. Der Kutscher Werner hierselbst (Neutomischel) hatte sich wiederholt widerspenstig gegen die Befehle seines Dienstherrn, des Spediteurs Herrn Carl Ed. Goldmann, gezeigt und hatte gegen den an ihn ergangenen Strafbefehl Einspruch erhoben. Das Gericht verwarf jedoch die Berufung und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 3 Mk. evtl. 1 Tag Haft.
  4. Der Arbeiter Macijewicz aus Klein-Lipke hatte sich wegen einer zu Witomischel begangenen Mißhandlung eines Schulknabens zu verantworten und erhielt für diese unberechtigte Züchtigung eine Geldstrafe von 50 Mk. evtl. 10 Tage Haft.
  5. Der Fleischer Bruno Otto aus Witomischel war angeklagt, ein krankes Kalb geschlachtet zu haben. Dies konnte ihm jedoch nicht nachgewiesen werden und erzielte der Angeklagte Freisprechung, während die Kosten des Verfahrens dem Kläger auferlegt wurden.
  6. Gegen den Schweinehändler Schaefer aus Bolewitz war ein Strafantrag gestellt worden, ein seuchenverdächtiges Ferkel nicht polizeilich angemeldet zu haben. Er wurde jedoch von der Anklage freigesprochen, da er zur Zeit nicht zu Hause war und daher die Anzeige nicht bewirken konnte.
  7. Der Dienstjunge Joseph Malinski aus Glinau hatte seinen Dienst ohne berechtigten Grund bei dem Eigentümer Wilhelm Joachim verlassen und wurde dafür zu 3 Mk. Geldstrafe verurteilt.
  8. In der Privatklagesache der Arbeiterin Knopp gegen die Witwe Koziol aus Chraplewo wegen gegenseitiger Beleidung und körperlicher Mißhandlung, welche schon im vorigen Termin zur Verhandlung stand und auf heute vertagt war, wurde auf Grund der Zeugen Aussage dahin entschieden, daß sich die Angeklagte Knopp der körperlichen Mißhandlung und der Beleidigung schuldig gemacht hat. Sie wurde mit 3 Mk. Geldstrafe und der Hälfte der Kosten bestraft, während die Angeklagte Koziol nur wegen Beleidigung zur Tragung der anderen Hälfte der Kosten verurteilt wurde.
  9. Die Privatklagesache des Eigentümers Koth aus Zinskowo gegen den Altsitzer Leske ebendaselbst wurde zwecks Vernehmung weiterer Zeugen vertagt.

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Schöffengerichtssitzung vom 19. August 1903Verhandelt wurde der nachstehende Fall:

 In der Schöffengerichtssitzung des Kgl. Amtsgrichts zu Neutomischel vom 19. August d. Jr. wurde der Fleischbeschauer Heinrich Müller aus Klein-Lipke zu den Kosten des Verfahren verurteilt, weil er zur Anzeige gebracht hatte, daß der Fleischer B. O. ?D.? aus Witomischel ein krankes Kalb gekauft, dasselbe aber nicht habe untersuchen lassen. Gegen die hinsichtlich der Kosten getroffene Entscheidung hatte Müller beim Kgl. Landgericht in Meseritz Berufung eingelegt und erzielte seine Freisprechung.

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Schöffengerichtssitzung vom 09. September 1903 –  Vorsitzender Herr Amtgerichtsassessor Kirchner, Amtsanwalt Herr Gerichtssekretär Sommer, Schöffen waren die Herren Ortsschulze Gebauer-Scherlanke und Eigentümer August Roy-Paprotsch. – Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Der Knecht Klatt aus Albertoske hatten seinen Dienst bei dem Eigentümer Steinke ohne Grund verlassen und erhielt deshalb einen Strafbefehl. K. erhob jedoch gegen denselben Einspruch. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 12 Mk.
  2. Der inhaftierte Bruno Otto aus Neuborui wurde, da er bei der Handelsfrau Lehmann gebettelt und sich des Hausfriedenbruches schuldig gemacht hatte, mit 3 Monaten Gefängnis bestraft.
  3. Der Stellmacher Kaperski aus Chraplewo hatte sich nach Aufforderung der Wirtin Werner nicht aus deren Lokal entfernt. Er erhielt die niedrigste Strafe von 3 Mk.
  4. Der Schmied Carl Jäkel aus Wonsowo, die Arbeiter Felix und Ignatz Marchewski waren wegen Mißhandlung und Körperverletzung angeklagt. Die beiden ersteren wurden mit je 50 Mk., letzterer mit 30 Mk. bestraft.
  5. Der Knecht Kaczmarowski aus Neutomischel hatte sich ungehörig und widerspenstig gegen die Befehle seines Dienstherrn, des Fabrikbesitzers Paech hier (Neutomischel) gezeigt und sich ohne Erlaubnis aus seinem Dienst öfters entfernt. Hierfür erhielt er eine Strafe von 12 Mk.
  6. Der Arbeiter Valentin Kucz aus Wonsowo hatte einen Strafbefehl erhalten, da er seine Tochter nicht zur Schule geschickt hatte. Er glaubte jedoch dafür nicht verantwortlich zu sein, da er das noch schulpflichtige Mädchen bereits vermietet hatte. Das Gericht stellt aber fest, daß der Vater und nicht der Dienstherr dafür zu sorgen hätte, ermäßigte jedoch die im Strafbefehl festgesetzte Strafe auf 3,50 Mk.
  7. Der Eigentümer Paul Hildebrandt aus Konkolewo-Hld. hatte sich auf die Aufforderung seines Vaters, mit dem er in Streit geraten war, nicht aus dessen Hausflur entfernt und erhielt wegen des dadurch begangenen Hausfriedensbruches 5 Mk. Geldstrafe.
  8. Der Lehrer Tschiersch aus Bolewitz wurden wegen Beleidigung des Oberförsters Packenius nach längerer Verhandlung und Vernehmung zahlreicher Zeugen mit 150 Mk. bestraft.
  9. Die Arbeiterfrau Marianna Michewska aus Grudno wurde wegen Wegnahme eines Briefes, den ihr Mann an eine andere Frau gesandt hatte, zu einem Tage Haft verurteilt.
  10. Der Arbeiter Karl Köter aus Alt-Borui wurden wegen Mißhandlung seines Kindes und seiner Ehefrau mit 6 Monaten Gefängnis bestraft.
  11. Die beiden Frauen Michalina Pospiecela aus Bukowiec und Franziska Kaczmarek aus Grudno hatten sich wegen unbefugt geleisteter Geburtshilfe zu verantworten. Erstere erhielt eine Geldstrafe von 3 Mk., da sie die polizeiliche Anmeldung ihrer Hilfeleistung unterlassen hatte, letztere dagegen wurde freigesprochen.
  12. Der Knecht Ruchay aus Alttomischel hatte seinen Dienst bei dem Eigentümer August Fenske in Paprotsch ohne Grund verlassen und wurde deswegen mit 5 Mk. bestraft.
  13. Der Knecht Werner aus Neutomischel hatte gegen seinen Dienstherrn wegen Mißhandlung Privatklage angestrengt, während letzterer gegen seinen Untergebenen Widerklage wegen fortgesetzter Widerspenstigkeit und ungebührlichen Verhaltens erhoben hatte. Es wurde dahin entschieden, daß von beiden Parteien niemand bestraft wurde, die Kosten des Rechtsstreites jedoch geteilt werden sollen.
  14. In der Privatklagesache der Arbeiterfrau Kelm gegen den Zimmermann Seide, beide zu Neutomischel, wurde letzterer wegen Beleidigung mit 5 Mk. bestraft.
  15. Der Altsitzer Daniel Leske hatte den Eigentümer Koth aus Zinskowo beschimpft und gemißhandelt; er wurde zu einer Geldstrafe von 5 Mk. verurteilt.
  16. Die Privatklage des Zimmermanns August Deckert aus Podgradowitz gegen den Eigentümer Heinrich Schubert aus Kunik wurde vertagt

Schluß der Sitzung nach 3 Uhr.

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Schöffengerichtssitzung vom 23. September 1903 –  Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Vertreter der Amtsanwaltschaft Herr Bürgermeister Witte, Schöffen waren die Herren Stellmachermeister Steinke-Bukowiec und Eigentümer Sägner-Sempolno – Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Die Handelsfrau Anna Kunikiewicz aus Neutomischel wurde wegen Verübung ruhestörenden Lärmes und Übertretung des §9 des Feld- und Forst-Polizei-Gesetzes mit 6 Mk. bestraft
  2. Der Fleischer Bruno Otto aus Witomischel wurde wegen Körperverletzung, die er dem Arbeiter Kucz zufügte, zu 20 Mk Geldstrafe verurteilt.
  3. Der Schuhmachergeselle Johann Bulacz aus Brody wurde wegen Betruges mit 20 Mk. bestraft.
  4. Die Näherin Marie Leske aus Scherlanke war angeklagt, im Juni d. J. im Kgl. Forstrevier Beeren gepflückt zu haben, ohne im Besitze eines hierzu erforderlichen Erlaubnisscheines zu sein. Sie wurde jedoch von der Anklage freigesprochen, da ihr als ständige Waldarbeiterin vom Förster Fuhrmann die Erlaubnis zum Beerensuchen erteilt worden war.
  5. Die Ehefrau des Dachdeckermeisters Wesolowski aus Neutomischel erhielt wegen Vergehens der Fund-Unterschlagung eine Geldstrafe von 20 Mk.
  6. Der Arbeiter Adolf Appelt und dessen Ehefrau, beide aus Sempolno, wurden wegen Diebstahls zu je 3 Tagen Gefängnis verurteilt.
  7. In der Privatklagesache des Zimmermanns August Deckert aus Podgradowitz gegen den Eigentümer Schobert aus Kunik wurde letzterer wegen öffentlicher Beleidigung mit 20 Mk. bestraft; auch wurde dem Beleidigten Publikationsbefugnis im Neutomischeler Kreisblatt auf Kosten des Sch. zugesprochen.
  8. Die letzte Strafsache gegen den Handelsmann Gutsch-Cichagora wurde vertagt.

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Schöffengerichtssitzung vom 14. Oktober 1903 –  Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat von Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte; Schöffen waren die Eigentümer Heinrich-Sontop und Eigentümer Reschke-Scharke – Verhandelt wurden folgende Fälle:

1., 2. und 3. wurden, da sie ein und dieselbe Sache betrafen, zusammen verhandelt, und wurden die drei angeklagten Frau Kasprzak, Wwe. Anna Roszek und Sadesk aus Witomischel wegen gemeinschaftlichen Forstdiebstahls zu je 3 Mk. Geldstrafe, eventl. 1 Tag Haft oder Forstarbeit, und zu dem Wertersatz des gestohlenen Holzes von 60 Pfg. verurteilt.
  1. Die Arbeiterin Czopala aus Witomischel war angeklagt, das Schulmädchen Scibba mit einem starken Knüppel mißhandelt zu haben; sie erhielt 10 Mk. Geldstrafe (evtl. 2 Tage Haft).
  2. Der Arbeiter Kascmarek aus Bukowiec hatte sich trotz Aufforderung des Wirts Niedermeyer nicht aus dessen Gasthause entfernt. Er wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu 5 Mk. Geldstrafe (evtl. 1 Tag Gefängnis) verurteilt.
  3. Das Dienstmädchen Selma Sitzlaf aus Deutschhöhe hatte sich widerspenstig gegen die Befehle ihrer Herrschaft, des Restaurateurs Otto Maennel, gezeigt und hatte dieserhalb einen Strafbefehl erhalten, jedoch gegen denselben Einspruch erhoben. Sie wurde zu einer Geldstrafe von 5 Mk. (evtl. 2 Tagen Haft) verurteilt.
  4. Der Arbeiter Michael Buchay aus Alttomischel hatte sich wegen ruhestörenden Lärmes und Beschädigung fremden Eigentumes zu verantworten. Von der ersteren Anklage wurde er freigesprochen, während er wegen der Sachbeschädigung 5 Mk. Geldstrafe (evtl. 1 Tag Haft) erhielt.
  5. Der Eigentümer August Wiedemann aus Grubske hatte wegen Nichtbeleuchtens seines Wagens während der Dunkelheit und weil seine Namentafel am Gefährt nicht deutlich sichtbar war einen Strafbefehl in Höhe von 6 Mk. erhalten und dagegen gerichtliche Entscheidung beantragt. Von ersterer Anklage mußte er nach Lage der Sache freigesprochen werden, während in letzterer Angelegenheit noch kein Urteil gesprochen werden konnte. Die Sache wurde vielmehr zwecks Ladung weiterer Zeugen vertagt.
  6. Der Knecht Gustav Müller aus Alttomischel hatte sich wegen vorsätzlicher Mißhandlung des Gastwirts Richard Wandrey von hier (Neutomischel) zu verantworten. Er wurde freigesprochen, da das Gericht die Tat als Notwehr feststellt.
  7. Der Arbeiter Vinzent Sodyga und dessen Ehefrau, beide aus Alttomischel, waren wegen grober Beleidung des dortigen Lehrers Kudlicki und wegen Bedrohung mit dem Verbrechen des Totschlags angeklagt. Ersterer wurde zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wochen, letztere zu einer solchen von 1 Woche verurteilt.
  8. Der sich in Untersuchungshaft befindende Schuhmachergeselle Arthur Leithold hatte sich wegen groben Unfugs und Widerspenstigkeit gegen die Anordnungen des Wachtmeisters Schubert zu verantworten. Wegen ersteren Vergehens erhielt er eine Haftstrafe von 3 Tagen, wegen letzteren eine Gefängnisstrafe von 1 Woche. Beide Strafen wurden als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet.
  9. Die Angeklagten August Schulz, Michael Kucz und Weber hatten alle drei Strafbefehlte erhalten, weil sie ihre schulpflichtigen Kinder, angeblich unentschuldigt, nicht zur Schule gesandt hatten. Nach Vernehmung der Zeugen erzielten sie jedoch sämtlich ihre Freisprechung.
  10. Die Dienstmagd Lina Usche aus Neuborui hatte ihren Dienst bei dem Eigentümer Reinhold Fischer ohne Grund verlassen und deshalb einen Strafbefehl in Höhe von 6 Mk. erhalten. Durch ihren Einspruch gegen denselben erzielte sie nach verhandelter Sache die Herabsetzung des Strafbetrages auf 1 Mk.
  11. In der Privatklagesache des Eigentümers Meißner aus Paprotsch gegen den Eigentümer Gustav Hämmerling wegen öffentlicher Beleidigung, wurde letztgenannter zu einer Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt.

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Schöffengerichtssitzung vom 28. Oktober 1903 –  Als Vorsitzender fungierte Herr Amtsgerichtsrat von Grabski, als Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte; Schöffen waren die Eigentümer Sperling aus Neuborui und Förster I aus Konkolewo. –  Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Der Eigentümer Reinhold Siegesmund aus Sontop hatte einen Strafbefehl in Höhe von 10 Mk. erhalten, weil er den Ausbruch der Schweineseuche nicht rechtzeitig dem hiesigen Distriktsamte angezeigt hatte. Gegen diesen Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben, den er jedoch wieder zurückzog, nachdem er auf die Zwecklosigkeit desselben aufmerksam gemacht worden war.
  2. Gegen den Eigentümer Wiedemann aus Grubske war ein Strafbefehl in Höhe von 6 Mk. erlassen, weil er an seinem Wagen keine Laterne während der Dunkelheit angebracht hatte und weil seine Namenstafel am Fuhrwerk unleserlich war. Wegen ersterer Sache wurde er bereits in voriger Verhandlung freigesprochen, während er wegen der unvorschriftsmäßigen Namenstafel nach Vernehmung der für heute geladenen Zeugen eine Geldstrafe von 3 Mk. erhielt.
  3. Der frühere Gastwirt, jetzige Handelsmann Heinrich Müller aus Bukowiec hatte einen Strafbefehl in Höhe von 10 Mk. erhalten, weil er mit 13 Schweinen auf seinem Wagen betroffen wurde, ohne dieselben in das vorgeschriebene Kontrollbuch eingetragen zu haben; auch hatte er sein Pferd nicht in ein dazu bestimmtes Buch eingetragen. Gegen den Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben, nahm jedoch denselben zurück, bevor in die Verhandlung eingetreten wurde.
  4. Der Knecht August Rädiger aus Neu-Borui und die Arbeiter Vorwerk, Seiffert und Adam aus Alt-Borui waren angeklagt, dem Eigentümer Deutschmann 8 Fensterscheiben eingeworfen und außerdem gegen das Deutschmann’sche Haus große Holzstücke geschleudert zu haben. Diese Angelegenheit mußte zwecks Ladung weiterer Zeugen vertagt werden.
  5. Die Eigentümer Heinrich Rausch und August Schulz II aus Grubske hatten einen Strafbefehl von je 10 Mk. erhalten, weil sie auf fremdem Jagdgebiete zur Jagd ausgerüstet betroffen worden waren. Beide hatten aber Einspruch erhoben. Nach verhandelter Sache wurde Schulz II freigesprochen, Rausch jedoch zu der im Strafbefehl festgesetzten Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt
  6. Wegen körperlicher Mißhandlung des Ausgedingersohnes Kwasinewski wurde der Eigentümer Ferdinand Wandtke aus Alttomischel zu einer Geldstrafe von 20 Mk. verurteilt.
  7. Die Dienstmagd Anna Razina war des Diebstahls von Nahrungsmitteln und die Arbeiterfrau Rädiger der Anstiftung und der Hehlerei bezichtigt. Beide erhielten je 3 Tage Haft.
  8. In der Privatklagesache des Eigentümers Otto Linke zu Paprotsch gegen die Eigentümerin Rosina Marquardt ebendaselbst wegen Mißhandlung des Sohnes des Privatklägers nimmt ersterer die Klage zurück und die Angeklagte übernimmt die Kosten des Verfahrens.
  9. In der Privatklagesache des Arbeiters Andreas Stiller und Johann Nowack, beide aus Glinau, nimmt der Privatkläger die Klage zurück, die Kosten werden von beiden zur Hälfte getragen

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Schöffengerichtssitzung vom 11. November 1903. Den Vorsitz führte Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, als Amtsanwalt fungierte Herr Bürgermeister Witte, die beisitzenden Schöffen waren die Herren Eigentümer Roy aus Glinau und Kurz aus Paprotsch. –  Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Das Dienstmädchen Bertha Redlich aus Paprotsch, früher beim Eigentümer Meißner in Stellung, zur Zeit in Berlin, war beschuldigt, dem Knecht Paul Gutsch einen Pantoffel an den Kopf geworfen zu haben. Sie wurde mit einem Verweise bestraft.
  2. Die Arbeiter August Rediger, Heinrich Adam, Seiffert und Vorwerk aus Altborui waren beschuldigt, des nachts bei dem Eigentümer Deutschmann groben Unfug verübt und demselben einige Fensterscheiben eingeworfen zu haben.Rediger und Seiffert wurden freigesprochen, dagegen Adam mit 10 Mark bestraft, gegen Vorwerk wurde die Sache vertagt.
  3. Der Arbeiter Nowacki aus Alttomischel hatte den Arbeiter Hentschik im Streit mit einer Heugabel vor die Brust gestoßen. Er wurde mit 10 Mk. bestraft.
  4. Die Arbeiterin Juliane Herk aus Neuborui wurde wegen Bettelei mit einer Woche Haft bestraft.
  5. Michael Perz aus Wonsowo hatte gegen einen Strafbefehl von 7 Mk., welchen er wegen unentschuldigten Fernbleibens seines Sohne aus der Schule erhalten hatte, Einspruch erhoben. Die Sache wurde vertagt.
  6. Die Häuslerin Antonia Sczarawanta aus Bolewitz wurde wegen öffentlicher Beleidigung des Lehrers Tschiersch mit 2 Wochen Gefängnis bestraft.
  7. Mathias Starczak, Ausgedinger in Neurose war angeklagt, seine Ehefrau mit dem Erschlagen mittels Beils bedroht und sie dann später mit einem starken Stock körperlich gemißhandelt zu haben.Wegen Bedrohung wurde er freigesprochen, wegen Mißhandlung aber mit 2 Wochen Gefängnis bestraft.
  8. Michael Bartkowiak aus Bolewitz hatten den Arbeiter Martin Wesolewy körperlich gemißhandelt. Er wurde mit 10 Mk. bestraft.
  9. Andreas Starczak, Eigentümer und Ausgedinger aus Grudno, sowie dessen Ehefrau waren wegen Arrestbruchs angeklagt. Die Sache wurde vertagt
  10. In der Privatklagesache des Frl. Menzel aus Berlin gegen die Kaufmannsfrau Hulda Müller aus Sontop wegen Beleidigung wurde die Klage, weil keine Beweise einer Beleidigung erbracht werden konnten, zurückgenommen. Die Beleidigung der Frau Isemer gegen die Privatklägerin wurde durch Vergleich erledigt.
  11. Die Privatklagesache des Eigentümers Paul Hildebrand gegen den Ausgedinger Gottfried Hildebrand, beide aus Konkolewo, wurde durch Vergleich erledigt.

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Schöffengerichtssitzung vom 25. November 1903. Den Vorsitz führte Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, als Amtsanwalt fungierte Herr Bürgermeister Witte, die beisitzenden Schöffen waren die Herren Bäckermeister Liepelt aus Neutomischel und der Eigentümer August Roy aus Paprotsch, –  Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Vinzent Percz, Handelsmann und Eigentümer aus Bukowiec, war angeklagt, dem Arbeiter Kaczmarek aus Bukowiec in Kosten eine Eisenbahnfahrkarte entwendet zu haben, mußte jedoch nach Lage der Sache freigesprochen werden. 
  2. Das Dienstmädchen Anna Hoffmann aus Chichagora hatten einen Strafbefehl in Höhe von 6 Mk. erhalten, weil sie den Dienst bei dem Eigentümer Robert Neumann in Chichagora ohne Grund verlassen hatte. Gegen diesen Strafbefehl hatte sie jedoch Einspruch erhoben. Sie mußte aber zu der im Strafbefehl festgesetzten Geldstrafe verurteilt werden. 
  3. Der Arbeiter Joseph Nieja aus Witomischel hatte einen Strafbefehl in Höhe von Mk. 5,50 erhalten, weil er seine Tochter unentschuldigt vom Schulbesuch zurückgehalten hatte. Nach Lage der Sache mußte er freigesprochen werden. 
  4. Der Bäckerlehrling Paul Müller aus Neutomischel und der jetzige Bäckergeselle Arthur Ziebell z. Zt. in Fürstenwalde a. Spree wurden, weil sie dem Zugführer Fischer hierselbst gemeinsam Tauben gestohlen hatten, mit einem Verweise bestraft. 
  5. Gegen den Fleischer Karl Weinert von hier (Neutomischel) war ein Strafbefehl erlassen, weil er ein Kalb angeblich ohne Einwilligung des zuständigen Viehbeschauers geschlachtet hatte. Gegen diese Strafe hatte er Einspruch erhoben. Nach dem Ergebnis der Verhandlung mußte er denn auch freigesprochen werden. 
  6. Der Ausgedinger Gottfried Pochstein aus Alttomischel wurde, weil er dem Eigentümer Knoll ebenda, einige Krautköpfe entwendet hatte, mit 5 Mark bestraft. 
  7. Der Tischler Ludwig Swoboda von hier hatte einen Strafbefehl im Betrage von 2 Mk. von der hiesigen Polizeiverwaltung erhalten, weil er es unterlassen hatte, sich bei der genannten Behörde trotz deren Aufforderung vorschriftsmäßig anzumelden. Er hatte jedoch hiergegen Einspruch erhoben. Die Angelegenheit mußte vertagt werden, da Swoboda bereits vom Königl. Amtsgericht in Pinne wegen derselben Sache bestraft worden ist, und die Herbeischaffung dieser Akten sich notwendig machte. 
  8. Der Maschinist Rau aus Wonsowo erhielt eine Schulstrafe von Mk. 1,25, weil er seine Tochter Lotte 5 Tage ohne genügenden Grund nicht zur Schule geschickt hatte. Durch seinen Einspruch erzielte er in der heutigen Verhandlung seine Freisprechung, da das Kind nach Aussage des als Zeuge geladenen Arztes s. Zt. krank gewesen ist.
  9. Der Wirt Percz aus Groß-Lipke hatte ebenfalls einen Strafbefehl in Höhe von 7 Mk. erhalten, weil er seinen Pflegesohn Tomolka unentschuldigt vom Schulbesuch zurückbehalten, hatte jedoch ebenfalls Einspruch erhoben. Nach Vernehmung der Zeugen wurde auf Freisprechung erkannt, da der Junge z. Zt. krank war und auch entschuldigt worden ist. 
  10. In der Privatklagesache des Arbeiters Sczekala gegen den Arbeiter Skibba aus Witomischel wegen gegenseitiger Beleidigung nimmt ersterer die Klage zurück, letzterer übernimmt die Kosten des Verfahrens. 
  11. In der Privatklage des Schuhmachers Paul Stelzer von hier (Neutomischel) gegen den Eigentümer Schulz wegen Beleidigung wird letzterer mit 6 Mk. bestraft. 
  12. Die letzte Privatklagesache mußte vertagt werden, da die Angeklagte, Gastwirtsfrau Pauline Muß, gegen den Privatkläger Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft wegen Diebstahls gestellt hat, und die Erledigung dieser Anklage vorerst abgewartet werden muß.

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Schöffengerichtssitzung vom 16. Dezember 1903. Den Vorsitz führte Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, als Amtsanwalt fungierte Herr Bürgermeister Witte, die beisitzenden Schöffen waren die Herren Eigentümer und Ortsschulze Gebauer aus Scherlanke und Eigentümer Sägner aus Sempolno. –  Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Der militärpflichtige Gustav Jahn, geboren zu Neutomischel, letzter Wohnort Herensen, wurde mit 30 Mark bestraft, weil er sich durch Auswanderung der Heerespflicht entzogen hatte.
  2. Der inhaftierte Wilhelm Plisch wurde wegen Bettelns in Neutomischel mit 4 Wochen Gefängnis, wovon 2 Wochen als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet wurden, bestraft.
  3. Der Tischler Karl Nawroth aus Bolewitz erhielt wegen Hausfriedensbruches und Sachbeschädigung 2 Wochen Gefängnis.
  4. Der Gemeindevorsteher Bielke aus Blake hatte einen Strafbefehl in Höhe von 5 Mk. erhalten, weil er seinen bösartigen Hund frei umherlaufen ließ, sodaß das Tier die Tochter des Eigentümers Muß in Blake gebissen und deren Kleid zerrissen hatte. Der Angeklagte erhob gegen den Strafbefehl Einspruch, mußte aber nach dem Ergebnis der Verhandlung zu der bereits festgesetzten Geldstrafe verurteilt werden.
  5. Der Arbeiter Vinzent Sokolka aus Witomischel wurde wegen Diebstahls mit 3 Tagen Gefängnis bestraft.
  6. Der Eigentümer Andreas Starzak und seine Ehefrau Marianna, beide aus Grudno, waren des Arrestbruches angeklagt, mußten aber nach Lage der Sache freigesprochen werden.
  7. Der Arbeiter Heinrich Schlesinger hatte den Arbeiter Karl Schmidt, beide aus Neuborui, körperlich gemißhandelt. Ersterer wurde mit 2 Wochen Gefängnis bestraft.
  8. Der Eigentümer Wilhelm Kurz hatte einen Strafbefehl in Höhe von 10 Mk. erhalten, weil er angeblich die Grenze seines Nachbars Freier beim Laubstreuharken überschritten hatte. Durch seinen erhobenen Einspruch erzielte er seine Freisprechung.
  9. Der Tischlermeister Ludwig Swoboda von hier (Neutomischel) hatte gegen einen Strafbefehl von 2 Mk., den er wegen nicht rechtzeitig erfolgter Beibringung eines Abzugattestes erhalten hatte, Einspruch erhoben. Er wurde mit 1 Mk. bestraft.
  10. Der Eigentümer und Handelsmann Wilhelm Gutsch aus Cichagora wurde zu einer Geldstrafe von 96 Mk. verurteilt, weil er bei Ausübung seines Gewerbes als Schweinehändler den Gewerbeschein nicht rechtzeitig eingelöst hatte.
  11. Der Arbeiter Vorwerk aus Altborui, z. Zt. in der Fremde, wurde wegen Verübung groben Unfugs und Sachbeschädigung mit 10 Mark bestraft
  12. Die Dienstmagd Juliane Lehmann aus Neuborui wurde wegen Diebstahls zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt.
  13. In der Privatklagesache des Eigentümers Wilhelm Ortlieb gegen den Eigentümer Karl Becker, beide aus Scherlanke, wurde letzterer wegen Beleidigung des ersteren mit 20 Mk. bestraft.
  14. In der Privatklagesache des Arbeiters Stanislaus Lodiga gegen den Arbeiter Anton Pilatschek, beide aus Bolewitz, wurde letzter wegen Beleidigung der Ehefrau des Privatklägers zu einer Geldstrafe von 20 Mk. verurteilt

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Quelle: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel 1903 / Ausgaben August – Dezember

Dammbruch beim Blumer See / 1906

Ruchotscher Mühle / Ausschnitt Messtischblatt - Quelle http://mapy.amzp.pl/tk25.cgi?23,48,60,80

Ruchotscher Mühle / Ausschnitt Messtischblatt – Quelle http://mapy.amzp.pl/tk25.cgi?23,48,60,80

Zeitungsmeldung vom 19. Oktober 1906

Der bei der Ruchotscher Mühle belegene Blumer-See, welcher zur Besitzung des Grafen Schlieffen in Wioska gehört, droht infolge eines Dammbruches auszulaufen und hat die nach der alten Mühle zu belegenen Wiesen in weitem Umkreise überschwemmt.

Trotz angestrengter Arbeit ist es bisher nicht gelungen, den Durchbruch zu stopfen und ein weiteres Auslaufen zu verhindern.

Große Mengen Heu, welche auf den überschwemmten Wiesen standen, sind vernichtet.

Im Jahr 1880 hat sich übrigens schon einmal ein ähnlicher Durchbruch am Blumer-See ereignet.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel”

Einweihung des evangelischen Gemeindehauses in Bentschen – 1913

Bentschen - die ehemalige evgl. Kirche und das Gemeindehaus / Abb. "Zbąszyń na dawnej pocztówce"

Bentschen – die ehemalige evgl. Kirche und das Gemeindehaus / Abb. “Zbąszyń na dawnej pocztówce”

Im Neutomischeler Kreisblatt vom 03. September 1913 erschien lediglich eine kurze Meldung: ”

“Bentschen. Am Sonntag (31. August 1913) fand hier die feierliche Eröffnung des neuerbauten evangelischen Gemeindehauses statt.”

Etwas ausführlicher wurde über dieses Ereignis in der Zeitung “Ostdeutsche Warte – Nationale Tageszeitung für die Ostmark” berichtet.

Leider haben wir die Ausgabe vom Dienstag, den 2. September 1913 nur gefaltet und gelocht gefunden; beides Lochung und Falzung gehen auch durch den nachfolgenden Artikel, von uns ergänzte Worte sind kursiv geschrieben.

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Einweihung des evangelischen Gemeindehauses in Bentschen – Bentschen, 31. August.

Der heutige Tag war für unsere evangelische Gemeinde ein rechter Festtag, brachte er uns doch die langersehnte Eröffnung des neuerbauten Gemeindehauses. Fast vier Jahre hatte es gedauert, bis wir das für unsere Gemeinde so dringend notwendige Haus vor unseren Augen fertig sahen und nun heute mit Dank und Freude darin einziehen konnten.

Mehrere Pläne waren aufgestellt und wieder verworfen worden bis endlich das jetzt ausgeführte Projekt zur Annahme gelangte und die Billigung der beteiligten Behörden fand. Das äußerlich nur klein erscheinende, hinter alten Bäumen im Grünen liegende Haus steht im modernen Teil des alten Pfarrgartens an der Stelle, wo während der Kirchbauzeit vor 9 und 10 Jahren unter einem alten Nußbaum oft Gottesdienst im Freien abgehalten worden war.

Es ist in Anlehnung an den Barockstil der Kirche als Putzbau mit steilem Ziegelmansardendach ausgeführt, enthält im Erdgeschosse einen Konfirmandensaal und einen Saal für die Veranstaltungenn der kirchenlichen Jugendvereine, im Dachgeschosse ein kleineres Zimmer für kirchliche Zwecke und eine schöne sonnige Wohnung mit zwei Zimmern, Küche, Kammer und Zubehör; das Haus hat Wasserleitung und wird in allen Räumen durch Gasglühlicht erleuchtet.

Durch das Entgegenkommen der städtischen Verwaltung ist auf Kosten der Stadt vor dem Hause ein großer Kandelaber errichtet, der den Platz zwischen Kirche und Gemeindehaus jeden Abend hell erleuchtet.

Die Gesamtkosten des Hauses werden 16.000 bis 17.000 M. betragen, … der evangelische Oberkirchenrat gestiftet, 3.000 M. der Oberpräsident als zinsloses Darlehen gewährt und 7.500 M. von der Gemeinde als Darlehen aufgenommen worden sind. Dank der sorgfältigen Kassenverwaltung war dies möglich, ohne daß die Kirchensteuern erhöht zu werden brauchten. Der Rest der Baukosten ist durch Sammlungen und größere freiwillige Spenden aus der Gemeinde aufgebracht worden.

Heller Sonnenschein lag über dem Sonntage, dem schmucken Hause und der großen vielhundertköpfigen Gemeinde, die sich nachmittags um 3 Uhr auf dem Festplatze eingefunden hatte. Die Glocken läuteten, die Posaunen des Jünglingsvereins bliesen und die Gemeinde sang mit frohem Herzen ihr Loblied. In einer kurzen Rede wies der Ortspfarrer auf die Geschichte dieses Hauses hin: Erbauung durch die Gemeinde und betonte den Zweck des Hauses: Erbauung der Gemeinde, er zeigte die Bedeutung des neuen Hauses an den drei Sprüchen, die sein Inneres schmücken: die rechte Freude im Herrn für die Jugend und den rechten Frieden beim Herrn für die Alten.

Nach der Schlüsselübergabe durch den Erbauer, Baugewerksmeister Lienemann, an den stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeindekirchenrats, Landschaftsrat v. Wenzel-Belencin, fand die Eröffnung durch den Ortspfarrer statt, worauf die Innenräume von einem Teil der Gemeinde und den Ehrengästen besichtigt wurden.

Um 4 Uhr hatten sich viele Gemeindeglieder, jung und alt zu einer Nachfeier im Adamschen Garten eingefunden. Der Posaunenchor des evangelischen Jünglingsvereins begleitete bei der Eröffnungs- und Nachfeier mit vollen Klängen die Lieder der Gemeinde, der Kirchenchor trug verschiedene Motetten vor, unter denen besonders das Lied “Jesus von Nazareth geht vorbei!”, das im Mittelpunkt der Nachfeier stand, Anklang fand. Superintendent Reisel aus Neutomischel sprach über den Zug, den die Kinder schon zum Herrn haben, und der von der Gemeinde gepflegt werden müsse, Kirche, Schule und besonders das Elternhaus haben hier große Pflichten. Pastor Moeller aus Posen sprach über ein geheiligtes gesundes frohes Jugendband an der Seite Jesu und ermahnte in warmen Worten die Jugend, Jesum als rechten Führer durch die Zweifel und sittlichen Sümpfe zu wählen. Pastor Rackow aus Tirschtiegel erzählte endlich von dem, was Jesus den Männern und Frauen und den Alten zu bieten habe, und zeigte an einigen Männer- und Frauengestalten aus der Bibel, wie Jesus jedem helfen könne und wolle. Um 7 Uhr hatte die schöne Gemeindefeier ihr Ende erreicht.

Möchte das neue Haus, das durch die Arbeit und Liebe der Gemeinde erbaut ist, nun auch die Gemeinde in ihrem inneren Leben recht aufbauen, und möchte es immer von Menschen, die helfen und sich helfen lassen wollen, voll sein.”

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Staatsarchiv Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Dora Kolisch – geboren 1887 in Neutomischel

Bildnis eines Mädchens - Dora Kolisch 1932 / http://www.museum-goerlitz.de/der-berliner-skulpturenfund-entartete-kunst-im-bombenschutt/ Anfang dieses Jahres, 2016 hat das Kulturhistorische Museum Görlitz ergänzend zu der Ausstellung über den Berliner Skulpturenfund "Entartete Kunst" im Bombenschutt die eigenen Sammlungen aufgearbeitet. Auf Befehl der nationalsozialistischen Regierung waren 1937 auch in den damaligen Städtischen Kunstsammlungen Werke von Johannes Wüsten, Fritz Neumann-Hegenberg, Dora Kolisch und Willi Oltmanns beschlagnahmt worden. Historische Fotografien haben die Kunstwerke während der Sonderausstellung abgebildet.

Bildnis eines Mädchens – Dora Kolisch 1932 / http://www.museum-goerlitz.de/der-berliner-skulpturenfund-entartete-kunst-im-bombenschutt/ Anfang dieses Jahres, 2016 hat das Kulturhistorische Museum Görlitz ergänzend zu der Ausstellung über den Berliner Skulpturenfund “Entartete Kunst” im Bombenschutt die eigenen Sammlungen aufgearbeitet. Auf Befehl der nationalsozialistischen Regierung waren 1937 auch in den damaligen Städtischen Kunstsammlungen Werke von Johannes Wüsten, Fritz Neumann-Hegenberg, Dora Kolisch und Willi Oltmanns beschlagnahmt worden. Historische Fotografien haben die Kunstwerke während der Sonderausstellung abgebildet.

Dora Kolisch, mit vollem Namen Selma Dorothea Elisabeth Kolisch, wurde am 25. September 1887 nachmittags um 12 1/4 Uhr in Neutomischel geboren. Ihre Eltern waren die Ludwig Robert Albrecht und Selma Emma Albertine geborene Weise Kolisch’schen Eheleute gewesen.

Ihr Vater, der in Neutomischel ansässige Amtsrichter, hatte ihre Geburt persönlich bei dem Standesbeamten angezeigt.

Über ihre ältere Schwester Selma Maria Henriette Catharina, geboren 1885 in Neutomischel, ist nichts weiteres bekannt.

Ihre jüngere Schwester Elisabeth Anna Bertha hingegen, hatte als Geburtsort schon Fraustadt, wohin der Amtsrichter abberufen worden, und  wohin dieser dann mit seiner Familie übersiedelt war. Elisabeth, geboren am 03. Februar 1889, hatte in der Zeit von  Oktober 1916 bis Juni 1919 ein Nadelarbeits- und Zeichenlehrerinnen Seminar an der Kunstakademie zu Breslau absolviert und war in den anschließenden Jahren als Zeichenlehrerin tätig gewesen.

Wann die Übersiedlung der Familie dann von Fraustadt nach Görlitz erfolgte ist nicht bekannt. Zum Jahr 1893 wird der  Königliche Amtsrichter  Ludwig Kolisch als ansässig in der Jakobstrasse 39 in Görlitz erwähnt. Die Anschrift in Görlitz wurde noch mehrmals gewechselt; 1896 war es die Jachmannstrasse; im Jahr 1901 findet sich im Adressbuch der Stadt, dass der nunmehrige Landgerichtsrath in der Blumenstr. 21 und ab dem 01.10.1901 im Mühlweg 11 ansässig gewesen war, ehe dann ein Umzug zum Konsulplatz No. 5 erfolgte.

Dora Kolisch studierte 1905-1908 an der Kunsthochschule in Weimar; im Anschluss daran von 1910-1912 an der Akademie München, hier unter den Künstlern Albert Weißgerber und Max Feldbauer.

Ab dem Jahr 1918 war sie als freischaffende Künstlerin in Görlitz ansässig. Hier wiederum unter der schon genannten Anschrift Konsulplatz No. 5.

Dora Kolisch galt als ein Beispiel für die damals zunehmende Arbeit von Frauen in der Kunstwelt.

Im Adressbuch der Stadt Görlitz findet sich für die Jahre 1949/1950, dass beide Schwestern unter der o. g. Adresse gemeldet gewesen waren.

Die städtische Sammlung der Stadt Görlitz ist aus dem Nachlass der Künstlerin Dora Kolisch im Besitz von ca. 150 ihrer Werke.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); http://www.museum-goerlitz.de/der-berliner-skulpturenfund-entartete-kunst-im-bombenschutt/ – Bildveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Kulturhistorischen Museum Görlitz; Görlitzer Allgemeine v. 18. Juni 2004 No. 38; http://bbf.dipf.de; http://digital.slub-dresden.de;

“Heirat nach America” Reimann-Heller und Wohlgemuth – 1875

Die Aufgebotsunterlagen / Quelle: Staatsarchiv Poznan - http://szukajwarchiwach.pl/

Die Aufgebotsunterlagen /
Quelle: Staatsarchiv Poznan – http://szukajwarchiwach.pl/

Bridgeporter Zeitung

Deutsches Organ für Fairfield County

Jahrgang 3

Bridgeport, Conn.

Dienstag, den 12 Januar 1875

No. 5

Wie unsere Leser aus einem “Aufgebot” des Grätzer Standesamt ersehen werden, wird Herr Arthur Napoleon Wohlgemuth Correspondert der “Bridgeporter Zeitung” in kurzer Zeit sich verheirathen, wir wünschen Herrn Wohlgemuth ein glückliches Eheleben und hoffen ihn recht bald wieder mit seiner Gemahlin in unsrer Mitte zu sehen.

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Es wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß

der Zeitungs-Agent Herr Arthur Wohlgemuth wohnhaft zu Bridgeport in Nordamerika, Sohn des verstorbenen Bürgermeisters a. D. Friedrich Benjamin Wohlgemuth,

und die verwittwete Anna Emilie Heller, geborne Reimann wohnhaft zu Graetz, Tochter des Gastwirths Johann Reimann zu Kootoschia,

die Ehe mit einander eingehen wollen.

Dem unterzeichneten Standesbeamten ist ein Hinderniß dieser Ehe nicht bekannt. Etwaige auf Ehehindernisse sich stützende Einsprachen sind bei dem unterzeichneten Standesbeamten anzubringen.

Die Bekanntmachung des Aufgebots hat in der Gemeinde Graetz und durch die Bridgeporter Zeitung zu geschehen.

Graetz am 16. Dezember 1874 – Der Standesbeamte – L.S. Lauter.

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Verhandelt Graetz d. 16. December 1874

Erschienen der Zeitungs-Agent Herr Arthur Wohlgemuth aus Bridgeport in Nordamerica, seit den 7. October sich hier aufhaltend. Derselbe übergiebt

a) einen Schein vom 22. December 1873 wonach er Nordamericanischer Bürger ist

b) seinen Taufschein, wonach er am 19 Januar 1846 hierselbst geboren ist

Taufschein Arthur Napoleon Wohlgemuth, ehelicher Sohn des Privatsecretairs Herrn Friedrich Benjamin Wohlgemuth und der Wilhelmine geb. Kühn zu Graetz im Kreise Buk wurde in der Stadt Grätz geboren am neunzehnten -19- Januar achtzehnhundert sechs und vierzig -1846- vormittags elf Uhr und erhielt die heilige Taufe am neunten -9- Februar a. g.

Die genaue Uebereinstimmung dieses Auszuges mit den betreffenden Angaben des zur hiesigen evangelisch-lutherischen Kirche gehörigen Hauptbuches der Getauften, bescheinigt pflichtgemäß und zwar allein zu nicht stempelpflichtigem Gebrauche

Grätz, den 25ten Januar 1870 – Der Pastor Fischer

die verwittwete Frau Anna Emilie Heller geborne Reimann, hier wohnhaft. Dieselbe übergiebt:

a) ihren Taufschein wonach sie am 25. August 1832 in Owinsk geboren ist

Anna Emilie Reimann, Tochter des Kammerdieners Johann Christian Reimann u der Charlotte Grich in Owinsk, wurde am 25ten – fünf u zwanzigsten August 1800 u zwei und dreißig geboren u am 16ten sechszehnten Septbr c. a. hier getauft

Solches wir hiermit bescheinigt – Mur. Goslin den 1ten Septbr. 1846 – Scharffenorth – Prediger

b) den gerichtlichen Trauschein vom 14 December 1874

Trauschein für die Wittwe Emilie Heller aus Graetz – II. A No 270 H. 322

Daß von Seiten des unterzeichneten Gerichts gegen die (anderweite) Verehelichung der Wittwe Emilie Heller aus Graetz obervormundschaftlich nicht zu erinnern ist, wird hierdurch bescheinigt.

Grätz, den 14ten Decber 1874 – Königl. Preuß Kreis-Gericht”

und bemerkt, daß die die Genehmigung ihres Vaters aufbringen wird

Meiner Tochter der verwittweten Emilie Heller, geborne Remann in Graetz, erthiele ich hierdurch zur Verheirathung mit dem Herrn Arthur Napoleon Wohlgemuth meine väterliche Einwilligung.

Krotoschin, den 19ten December 1874

                Vater jetzt Gastwirth zu Krotoschin

Beide Comparenten erklären, daß sie die Ehe mit einander eingehen wollen und bitten das Aufgebot zu veranlassen. Herr Wohlgemuth wir die nach § 30 des Gesetzes von 9. Maerz 1874 erforderliche Bekanntmachung in die Bridgeporter Zeitung selbst zur Aufnahme absenden …

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Die Eheschliessung erfolgte unter dem 04. Februar 1875

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Angemerkt sei zu diesen Transkriptionen noch, das die Braut und auch deren Vater mal mit dem Geburts- bzw. Zunamen Remann aber auch mit Reimann in den Eintragungen genannt wurden; wobei Reimann mehrheitlich verwendet wurde.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/);

Grabsteine Friedhof Boruy – Hoffmann und Haeusler 1867-1903

Die Erinnerungstafel an Wilhelm und Paul Hoffmann (lt. StA-Eintrag starb Paul am 29. Mai 1903) / Photo: Przemek Mierzejewski

Die Erinnerungstafel an Wilhelm und Paul Hoffmann (lt. StA-Eintrag starb Paul am 29. Mai 1903) / Photo: Przemek Mierzejewski

Hier ruhen in Gott meine vielgeliebten Gatten

Wilhelm Hoffmann – geb. d. 22. März 1867,  gest. d. 11 März 1900                                               
Paul Hoffmann -geb. d. 26. Juni 1875, gest. d. 28. M…
Ruhet sanft !
2. Makkabäer – Kapitel 12,45 -
Die, so im rechten Glauben sterben, haben Freude und Seligkeit zu hoffen
 

In Boruy lebten die Schwestern Rosina Dorothea (geb.  05. Okt 1835), Johanna Wilhelmine (geb. 15. September 1840) und  Johanna Louise (geb. Juli 1848) Redlich. Erstere ehelichte Johann Gottfried Haeusler, die zweite Johann Wilhelm Hoffmann und die dritte Johann August Wilhelm Reich.

Wie es seinerzeit üblich war, wurde innerhalb der Familienclans immer wieder geheiratet und Cousinen und Cousins wurden zu Eheleuten.

Die Eheschliessungen der Redlich-Schwestern

Die Eheschliessungen der Redlich-Schwestern

Carl Heinrich Wilhelm (geb. 22. März 1867) und Paul Gustav (geb. 23. Jun 1875) Hoffmann waren Brüder und die Söhne der Johann Wilhelm und Johanna Wilhelmine geb. Redlich Hoffmann’schen Eheleute.

Beide ehelichten, ersterer im Jahr 1899, zweiter im Jahr 1900 ihre Cousine Auguste Emilie geborene Reich.

Sie war die Tochter der dritten Redlich Tochter Johanna Louise welche Johann August Wilhelm Reich aus Marianowo geheiratet hatte.

Der stark beschädigte Grabstein des Wilhelm Häusler / Photo: Przemek Mierzejewski

Der stark beschädigte Grabstein des Wilhelm Häusler / Photo: Przemek Mierzejewski

Der sehr stark beschädigte Grabstein des Wilhelm Haeusler, geboren am 24. März 1856 in Boruy gehört ebenfalls in diese miteinander verwobenen Familien.

Er war der Sohn der Johann Gottfried und Rosina Dorothea geb. Redlich Haeusler’schen Eheleute.

Im Jahr 1896 hatte er seine Cousine Bertha Emma Hoffmann (geb. 09. Juli 1869), Tochter der schon oben genannten  Johann Wilhelm und Johanna Wilhelmine geb. Redlich Hoffmann’schen Eheleute geheiratet.

Sein genaues Sterbedatum war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrages noch nicht bekannt.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/);

Grabsteine Friedhof Boruy – Auguste Adam geborene Noack 1852-1895

Der einstige Grabstein der Auguste Adam geb. Noack / Photo: Przemek Mierzejewski

Der einstige Grabstein der Auguste Adam geb. Noack / Photo: Przemek Mierzejewski

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meine liebe Frau, unsere gute Mutter
Auguste Adam – geb. Noack
geb. d. 8 Jan. 1852 – gest. d. 6 Juli 1895

Die erste Zeile der Inschrift war leider nicht mehr zu entziffern.

In den Eintragungen der Aufgebote der evangelischen Kirche zu Boruy vom November 1874 fand sich auch der des Junggesellen Johann Dienegott Adam, Eigenthümer in Dorf Boruy, Sohn des verstorbenen Eigenthümers Friedrich Adam daselbst und der Jungfrau Henriette Auguste Noack in Deutsch-Böhmisch, Tochter des Eigenthümers und Müllermeisters Christian Noack ebendaselbst.

Johann Dienegott Adam war am 09. Juni 1841 zu Dorf Boruy als Sohn des schon genannten Johann Friedrich Adam und dessen Ehefrau Maria Elisabeth geborene Schulz zur Welt gekommen; Henriette Auguste Noack, geboren am 08. Januar 1852, wiederum war die Tochter von Johann Christian Noack und dessen Ehefrau Johanna Beate geborene Kazur, welche in Deutsch Böhmisch ansässig gewesen waren.

Als Kinder des Paares wurden notiert: 1875 Carl Wilhelm, 1879 Auguste Henriette, 1881 Erdmann Heinrich, 1883 Maria Bertha, 1884 Paul Dienegott Gustav, 1887 Emil August

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Johanne Beate Schulz geborene Noack – sh. Artikel Grabsteinstein Friedhof Boruy – Angehörige der Familie Schulz 1848-1917 – http://hauland.de/grabsteine-friedhof-boruy-angehoerige-der-familie-schulz-1848-1917/ – war eine Schwester der hier einst zur letzten Ruhe Bestatteten.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Familienarchiv des >Marcus< (https://ahnensuche.wordpress.com/)

Gebäude der Stadt – No. 47 von einer Schuhmacherwerkstatt zur Apotheke und den Apothekern der Stadt

Die No. 47 als rotes Gebäude links im Bild - Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Die No. 47 als rotes Gebäude links im Bild – Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Im Jahr 1836 gehörte das Hausgrundstück der No. 47 Am Neuen Markte Christian Scheibe. Als die Beschreibung der Provinzialfeuerversicherung erstellt wurde, wurde das Alter des Gebäudes mit “etwa 13 Jahre alt” angegeben. Somit ist es auch ein Haus welches nach dem Stadtbrand im Jahr 1822 neu erbaut worden war.

Das Hauptgebäude hatte mit einer Länge von 56 Fuß zum Neuen Markt gestanden, hatte eine Tiefe von 35 Fuß und eine Höhe von 9 Fuß gehabt (ca. 17,00×11,00×2,70m), die “äußeren Wände waren von Ziegeln” welche 1,5 Fuß stark mit Kalk verputzt gewesen waren. Das Haus war mit einem stehenden Dachstuhl gebaut worden; das Dach war mit Biberschwanzziegeln eingedeckt gewesen. Mit seinen Giebeln stieß das Gebäude direkt an das linke und rechte Nachbargebäude.

Das Innere des Hauses war über zweiflügelige Türen von der Markt und auch von der Hofseite zu erreichen gewesen. Dort befanden sich 4 Stuben, 2 Kammern und 1 Rauchkammer, welche über zwei Flure zu erreichen gewesen waren. Alle Räumlichkeiten hatten insgesamt über 11 Türen und 8 Fenster verfügt; von letzteren waren 4 vierflügelig, 2 zweiflügelig und wiederum 2 einflügelig gewesen. Das Haus wurde über 2 “Ofen von Kacheln” beheizt. Die schon erwähnte Rauchkammer war, wie der Schornstein und die Feueressen auch, “von Ziegeln” gewesen.

An der hinteren Seites des Hauptgebäudes schloss sich ein 13 Fuß langer, 6 Fuß breiter, 7 Fuß hoher (ca. 4,00×1,80×2,10m), mit einem Ziegeldach versehener Fachwerkanbau an. Dieser war um 1827 errichtet worden.

Ebenfalls um das Jahr 1827 war das Hinterhaus gebaut worden. Das Fachwerk des freistehenden Gebäudes war mit Lehm ausgefüllt gewesen, die Giebel mit Brettern verschlagen. Das Dach war zu einer Hälfte mit Ziegeln und mit der anderen mit Schindeln eingedeckt gewesen. Im Gebäude hatte sich 1 Stube mit 2 zweiflügeligen Fenstern befunden. Das Zimmer war über 1 Flur zu erreichen gewesen. Beheizt worden war das Gebäude mit einem Kachelofen. Ebenso befand sich im Gebäude der Stall.

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Das Gebäude, ehemals No. 47 im Jahr 2006 / Aufn. PM

Das Gebäude, ehemals No. 47 im Jahr 2006 / Aufn. PM

Im Jahr 1836 lebte ein Johann Christian Scheibe, geboren um das Jahr 1787 herum als Bürger und Schuhmacher in Neu Tomysl. Auch seine Eltern, wiederum ein Christian Scheibe, welcher das Handwerk des Schuhmachers ausgeübt hatte, (verstorben 1808), und Maria Elisabeth geborene Zimmermann (verstorben 1825) waren schon in der Stadt ansässig gewesen. Im Jahr 1806 hatte er Johanna Carolina Wilhelmine Rösch geehelicht. Sie war circa 1787 als Tochter des Carl Wilhelm Rösch, einem Sattlermeister in Neu Tomysl, und dessen Ehefrau Rosina Friederike geborene Wagner zur Welt gekommen.

Von beiden Familien ist weder bekannt wann sie sich in der Stadt niedergelassen haben noch von wo sie zugezogen sind; Geburtseinträge wurden nicht gefunden.

Das Paar bekam in den Jahren 1807 bis 1831 dreizehn Kinder. 1843 verstarb Johann Christian Scheibe, 1860 Johanna Caroline Scheibe geborene Rösch. Im Toteneintrag letzterer ist angemerkt, dass sie 2 majorenne Kinder hinterließ.

Da nicht für alle Kinder Lebensdaten aus Kirchenbüchern und anderen Unterlagen ermittelt oder zweifelsfrei zugeordnet werden konnten, ist es nur eine Vermutung, dass es sich bei den hinterlassenen Kindern um zwei verheiratete Töchter gehandelt hat, welche nicht mehr den Familiennamen Scheibe führten und schon vor dem Jahr 1843 das Elternhaus verlassen hatten.

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Aus Unterlagen des Jahres 1846 ist bekannt, dass im Hinterhaus der No. 47 der Apotheker ansässig gewesen ist. Wir sind also das noch erhaltenen Archivmaterial nach den Einwohnern der Stadt durchgegangen, bei welchen die Berufsbezeichnung Apotheker verwendet worden war.

Das Bild, welches sich ergab ist lückenhaft, zeigt aber dennoch die Entwicklung der Stadtapotheke.

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Häuserzeile am ehemaligen Neuen Markt, heute Plac Niepodległości / Aufn. KM

Häuserzeile am ehemaligen Neuen Markt, heute Plac Niepodległości / Aufn. KM

Die älteste Nennung findet sich für Johann Friedrich Jona oder auch Jone. Er wurde als Apotheker und Kämmerer der Stadt benannt. Er war in 1ster Ehe mit Justina Christine Helene geborene Kulau verheiratet. 1793 wurde eine Tochter geboren, welche im Jahr 1807 verstirbt. Justina Christina Helena selbst verstarb im Jahr 1795 in Neu Tomysl; rückgerechnet anhand des im Toteneintrag genannten Alters war sie um 1770 herum geboren worden. Wann das Paar in die Stadt kam oder auch woher ist nicht bekannt. Als 2te Ehepartnerin fand sich Johanna Friederike geborene Rösch. Sie war eine Schwester der Johanna Caroline verehelichte Scheibe geborene Rösch gewesen. Wann oder wo die Ehe geschlossen wurde ist nicht bekannt. Im Jahr 1802 wurde die Tochter Friederike Caroline geboren. Johanna Friederike verstarb im Jahr 1804 in Neu Tomysl, wiederum rückgerechnet wurde sie um das Jahr 1778 geboren. Als 3te Ehefrau fand sich Maria Juliane Franziska Beilitz (?). Mit dem Geburtseintrag des gemeinsamen Sohnes Friedrich Robert aus dem Jahr 1817 enden die Aufzeichnungen zu dem Apotheker Johann Friedrich Jona/Jone.

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Der Nachfolger könnte George Friedrich Karstan, Apotheker zu Neu Tomysl, gewesen sein. Es fand sich zur Familie lediglich ein Geburtseintrag des Sohnes Albert Theodor aus dem Jahr 1820. Als Mutter bzw. Ehefrau ist Justina Charlotte geborene Troschel genannt worden.

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Wiederum als Nachfolger kommt dann Friedrich Wilhelm Sperling als Apotheker zu Neu Tomysl in Frage. Er war um das Jahr 1796 herum geboren worden; er konnte allerdings keiner “stadtbekannten” Sperling Familie zugeordnet werden. Im Jahr 1831 heiratete er die Johanna Carolina Lehmann. Sie war 1811 in Neu Tomysl als Tochter des Schmieds Martin Lehmann und dessen Ehefrau Anna Maria geborene Schmidt zur Welt gekommen. Das Paar bekam in den Jahren 1832-1835 zwei Mädchen und einen Jungen ehe jegliche Aufzeichnungen enden.

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1837, so die Publikationen über Friedrich August Otto Kliche, (http://hauland.de/friedrich-august-otto-kliche-geboren-29-juli-1808/#more-14910) erwarb dieser die Apotheke in Neutomischel von dem Apotheker Sperling. Welche er aber bereits 1840 wieder veräußerte.

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Die ehemalige Apotheke / Aufn. KM

Die ehemalige Apotheke / Aufn. KM

Als weiteren Apotheker gab es Johann Louis Bertin. Er war circa 1797 in Berlin geboren worden und mit Henriette Pilz, welche um 1797 herum in Grünberg geboren worden war, verheiratet gewesen. Das Paar hatte in Tirschtiegel gelebt und dort in den Jahren 1824-1834 acht Kinder bekommen. Beide, Johann Louis Bertin und Henriette Dorothea Bertin geborene Pilz verstarben in den Jahren 1880 und 1881 in Neu Tomysl. Auch Ihre unverehelichten Töchter Johanna Maria Dorothea Eleonore, geb. 1824 und Emma Ottilie geb. ca. 1828 verstarben in der Stadt, letztere im Jahr 1899, erstere im Jahr 1908.

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Im Aufgebot des Jahres 1841 wurde dann auch erstmals der Apotheker Eduard Gottlieb Weiss als ansässig in der Stadt genannt. Er war 1812 im Kapontker Hauland als Sohn des Schulhalters Benjamin Gottlieb Weiss und dessen Ehefrau Johanna Beate Friederika Fechner geboren worden. Verheiratet gewesen war er mit der um 1821 herum in Züllichau geborenen Leontine Wilhelmine Agnes Eckstein. 1888 verstarb Leontine Wilhelmine Agnes Weiss geborene Eckstein in Neutomischel und Eduard Gottlieb Weiss 1891 ebenda.

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Eingeschoben werden muss hier der Apotheker Vité. Über ihn waren keine weiteren Einzelheiten in Erfahrung zu bringen. Erwähnt wurde er im Jahr 1895 als Selbstständiger und 1904 in Verbindung mit der “Glühkörperexport-Gesellschaft”.

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Nichts genaues ist von und über Ludwig Gerson bekannt. Im Jahr 1863 galt er als der Apotheker der Stadt. 1908 wurde er als Mitglied des Medizinalkollegiums der Provinz Posen genannt. Letztlich wurde in der Apotheker Zeitung des Jahres 1911 bekannt gegeben, dass der Apotheker Gerson seine Apotheke an den aus Culm in Westpreussen stammenden Apotheker Donner verkauft habe.

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1912 wird dann entsprechend Hugo Donner als Apotheker in Neutomischel genannt. Seinen Wohnsitz hatte er wiederum im Haus mit der No. 47 am Neuen Markt.

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Fortsetzung folgt

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: 1) Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/): Stadtakten / Beschreibung sämtlicher Gebäude in der Stadt Neu Tomysl; 2)Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

 

Friedrich August Otto Kliche – geboren 29. Juli 1808

Evangel. Kirche in Rakwitz; erbaut 1662, Turm von 1781 - Zeitschrift für Bauwesen Jhrg. 70 /1920 - http://www.dbc.wroc.pl/dlibra

Evangel. Kirche in Rakwitz; erbaut 1662, Turm von 1781 – Zeitschrift für Bauwesen Jhrg. 70 /1920 – http://www.dbc.wroc.pl/dlibra

Am 27. September 1817 verordnete König Friedrich Wilhelm III., er hatte das landesherrliche Kirchenregiment in seiner Eigenschaft als summus episcopus inne, die Vereinigung der reformierten und lutherischen Gemeinden zu einer unierten Kirche in Preußen. Er führte eine neue Agende (Gottesdienstordnung) ein, und in den folgenden Jahren erfolgten Maßnahmen zur Umsetzung dieser, wozu auch gehörte, dass Geistliche einen “Unionrevers” unterzeichnen mussten.

Einige Pastoren widersetzten sich den Anordnungen. Es bildete sich die “evangelische lutherische Kirche in Preußen” aus dieser Bewegung heraus. Die “Altlutheraner“, wie man sie nannte, wurden jedoch als Aufrührer und Separatisten bezeichnet, Pastoren wurden suspendiert und verfolgt, es kam zu gewalttätigen Militäraktionen gegen Gläubige.

Durch die immer größer werdenden Bedrückungen begannen ab dem Jahr 1836 Auswanderungen unter den schwierigsten Bedingungen, denn zur Verhinderung dieser, erließ die Regierung fast nicht erfüllbare Vorschriften; angeführt sei hier “Um des Glaubens Willen nach Australien”.

Eben in jener Zeit des Umbruchs lebte Friedrich August Otto Kliche.

Der nachfolgende Bericht über sein Leben mag heute etwas theatralisch, etwas sehr prosaisch wirken, er zeigt aber auch die Zerrissenheit und die Schwierigkeiten im Leben mit welchen sich unsere Vorfahren auseinander zu setzen hatten.

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“Friedrich August Otto Kliche (geboren 29. Juli 1808)

Immer kleiner wird das Häuflein derer, welche in den Bekenntnisschlachten der dreißiger Jahre gelitten, gekämpft, geseufzt und gebetet haben. Die meisten Führer sind entschlafen. Aber auch aus der Zahl derer, die als stützende Hände der Diener am Wort ihren treuen Dienst gethan, sind viele abgerufen. Manche Gemeinde hat schon den letzten der “Alten” zur Ruhe geleitet. Nur wenige stehen da und dort noch über dem jüngeren Nachwuchs, wie jene alten Samenfichten, die man über der jüngeren Schonung stehen läßt. Die sollen wir recht in Ehren halten und von ihnen Zeugnis geben, wenn sie der Baumeister im Himmel zum oberen Tempel haben will. Der alte Vater Kliche ruht nun von allem Kampf, von aller Angst und Unruhe der Zeit, am Tische der ewigen Güter. Die lieben Kinder des Heimgegangen haben dem Schreiber dieses gestattet, von ihres teuren Vaters Leben zu berichten. Derselbe thut dies auch als sein langjähriger Seelsorger mit Freuden und mit dem Wunsche, daß es ihm gelingen möge, einfach, schlicht und wahr, wie von Christenleben beschrieben werden muß, zu erzählen.

Rakwitz, nördl. Seite des Marktplatzes - Postkartenausschnitt

Rakwitz, nördl. Seite des Marktplatzes – Postkartenausschnitt

Am 29. Juli 1808, also in der Zeit der tiefsten Erniedrigung unseres Vaterlandes, wurde er als das achte Kind des Pastors Andreas Ehregott Kliche in Rackwitz in der Provinz Posen und dessen Ehefrau Johanna Sophie Charlotte geb. Anders, Tochter des Forstmeisters Anders in Polkwitz in Schlesien, geboren. Dieser Pastor Kliche hatte in Leipzig studiert und wurde nach Ablegung der nötigen Prüfungen im Jahre 1793 nach damals häufig vorkommenden Brauch zunächst in seiner Vaterstadt Birnbaum als Kantor, dann als Rektor und Frühprediger angestellt. Nachdem er dieses Amt 14 Jahre verwaltet hatte, erhielt er 1807 die Pfarrstelle Rackwitz, wo er auch bis zu seinem 1847 erfolgten Heimgang seinem Amte oblag.

Er war ein ernster Mann, der auf Zucht und Ordnung in Haus und Gemeinde hielt. Erst allmählich erkannte er wohl, daß allein aus Christo dem Gottessohne die wahren Lebenskräfte fließen. Auch die Mutter war eine willensstarke Frau, welche bei aller Strenge, mit der sie jugendliche Unart strafte, dennoch nicht nur die innigste, hingebenste Liebe ihrer Kinder besaß, sondern auch in der Gemeinde zu hoher Achtung stand.

Die Jugend des Heimgegangenen fiel in die Zeit der Erhebung Preußens gegen Napoleon und sind manche Momente derselben ihm außerordentlich frisch im Gedächtnis geblieben. So erzählte er, wie sein Großvater mütterlicherseits, der nach seiner  Pensionierung zu seiner einzigen Tochter nach Rackwitz gezogen war, einst auf seinem Lehnstuhl sitzend, die vor den Fenstern des am Marktplatz gelegenen Pfarrhauses mit klingendem Spiel aufziehende Wachtparade des dort garnisonierenden russischen Regiments hörend, sich von seinen Kinder nach dem Fenster führen ließ. Lange betrachtete der alte Soldat das militärische Schauspiel mit aufmerksamem Auge. Dann winkte er nach seinem Lehnstuhl zurück und schlief gleich darauf sanft ein für die Ewigkeit.

In demselben Augenblick spielte der Enkel mit der Taschenuhr des Großvaters, zog sich unvorsichtig auf, und – knacks, springt die Feder. Als der Knabe erschreckt sah, was geschehen war, hörte er die Eltern sagen, daß der Großvater todt sei.

Gar lebendig wußte Kliche aus diesen seinen Knabenjahren, aus der Zeit der Befreiungskriege zu erzählen. Lebhaft erinnerte er sich der Kosaken und Baschkieren, eines damals noch mit Bogen und Pfeilen bewaffneten Volksstammes. Zwar blieb das Pfarrhaus gewöhnlich von Einquartierung frei. Oefter aber geschah es doch, daß ein höherer Offizier dort sein Quartier nahm. So logierte dort auch der damalige Kronprinz von Schweden, Bernadotte, der Schwede Marschall Sledingk, auch der älteste Sohn des Marschalls Blücher. Ueber Bernadotte schreibt in einem Briefe der Pastor Kliche: “Der Kronprinz, achtundvierzig Jahre alt, hat viel Einnehmendes; mit französischer Lebhaftigkeit verbindet er doch einen gewissen Ernst, so daß sein Aeußeres mehr einen Staatsmann als einen General anzukündigen scheint.”

Rakwitz, östliche Seite des Marktplatzes - Postkartenausschnitt

Rakwitz, östliche Seite des Marktplatzes – Postkartenausschnitt

Nach der nötigen Vorbildung durch den Unterricht des Vaters trat der Heimgegangene im Jahre 1822 mit 14 Jahren in der Apotheke zu Driesen als Lehrling ein. Ob er diesen Beruf mehr aus eigenem Antrieb oder auf den Rat der Eltern ergriffen, ist nicht zu entscheiden, doch scheint das letztere wahrscheinlicher.

Der 8 Jahre ältere Bruder studierte Theologie, und so mag es wohl den Eltern, welche kein Vermögen besaßen, zu schwer erschienen sein, auch diesen Sohn studieren zu lassen. Daß er aber gerade den Apothekerberuf wählte, mag wohl seinen Grund in den öfteren Besuchen einer Tante namens Keßler gehabt haben. Deren Bruder besaß in Potsdam eine Apotheke und gehörte wie seine Schwester einer strenggläubigen Richtung an, jedenfalls eine Seltenheit in der damals noch so seichten rationalistischen Zeit. Derselbe pflegt jeden Lehrling oder Gehilfen, der in sein Geschäft eintrat, zu einem in der Apotheke befindlichen Kruzifix zu führen und zu ihm zu sprechen: “Wenn Sie den vor Augen und im Herzen haben und so handeln werden, wie Sie es vor dem verantworten können, so werden wir gute Freunde bleiben.”

Bis zum Jahre 1824 lernte nun unser Kliche in Driesen. Als sein Chef die dortige Apotheke verkaufte, lernte er den Rest der Lehrzeit in Poln.-Lissa, woselbst er auch 1827 Gehilfe wurde. Er konditionierte dann in Ostrowo, wo er auch bei Gelegenheit der polnischen Revolution von 1830 den späteren General-Feldmarschall Wrangel häufig sah und von seinem Verwandten, in dessen Hause derselbe in Quartier lag, hörte, daß Wrangel Abends und Morgens laut bete. Dann trat er in Posen bei dem Medizinal-Assessor Bergmann ein. Seine ältere Schwester war dort an den Oekonomie-Kommissarius Clemens verheiratet, in dessen Haus er fast ausschließlich verkehrte.

Im ersten Jahre seiner Anwesenheit dort kam die Cholera zum ersten Mal nach Deutschland und fast zuerst nach Posen. Die Angst und der Schrecken, welche diese damals ganz unbekannte Epidemie verbreitete, war so groß, daß es fast nicht möglich war, die Menge der Rezepte anzufertigen. Tag und Nacht, fast ohne Unterbrechung, wurde gearbeitet und so kam es denn, daß unser Kliche eines Tages ohnmächtig am Rezeptiertisch zusammenbrach. Alle glaubten, daß ihn die Cholera ergriffen habe; doch es war nur die übermäßige Anstrengung. Wenige Tage darauf konnte er wieder seinem Berufe nachgehen.

Nachdem er im Jahre 1831 in Berlin studiert hatte, wo er sich mit seinem geringen Mitteln sehr einzuschränken lernen mußte, legte er sein Staatsexamen mit der Note “Gut” ab. Kurze Zeit hätte er die Apotheke zum Weißen Adler in Posen verwaltet, als ihn der Rat des ihm freundlich gewogenen Medizinal-Assessors Bergmann bestimmte, die Administration der Wehrmeister’schen Apotheke in dem kleinen Städtchen Pinne zu übernehmen.

Rakwitz, westl. Seite des Marktplatzes - Kohte "Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Posen"

Rakwitz, westl. Seite des Marktplatzes – Kohte “Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Posen”

Dies kleine Städtchen sollte sein Bethlehem werden, indem der Geruch des Lebensbrotes ihn für immer an die Krippe Jesu fesselte. Wie die alten Römer in ihren eroberten Ländern von Höhe zu Höhe Wartthürme anlegten, um die Völker daran zu erinnern, daß sie eines Höheren Beute geworden, so gab es auch damals geistliche Wartthürme, auf deren Spitze die Fahne Christi wehte, den meisten zum Aergernis, manchem müden Pilger aber zu Trost und Kraft. ein solcher Wartthurm war das Haus des Herrn von Rappart, des Besitzers der großen Herrschaft Pinne. Das Rappart’sche Ehepaar war eins geworden im lebendigen Glauben an Christum wie in der Liebe zu ihm und allen, die ihn gefunden oder ihn noch suchten. Frau v. Rappart war eine Mutter aller Armen und Notleidenden, eben so gerne bereit, den leiblichen wie den geistigen Hunger zu stillen. Allezeit fand man dort fromme Christen, die es manchmal aus weiter Ferne in dies Haus des Friedens zog, besonders auch gläubige Pastoren. Dort fand auch unser Kliche herzliche Aufnahme.

Einst kam Missionar Hendeß dorthin und erzählte gelegentlich in lebendiger Weise die Geschichte von dem seligen Tode eines Mädchens. Dieselbe bewegte unsern Kliche bis ins innerste seiner Seele. Zwar war er stets ein ernster Jüngling gewesen, der sich von groben Sünden rein zu halten suchte; doch fühlte er damals deutlich, daß äußere Gerechtigkeit, die doch mehr oder weniger nur Schein und Täuschung ist, zum seligen Sterben nicht ausreicht. Er besuchte von da an regelmäßig die Abendstunden, die der bekannte hochbegabte Pastor Fritzsche, der später nach Australien auswanderte, im Schloß zu Pinne hielt. Da wuchs in ihm von Tag zu Tag das neue Leben und des heiligen Windes Strom trieb ihn bald von der breiteren Straße allgemeiner Frömmigkeit auf den schmalen Dornensteig des genau umgrenzten Bekenntnisses. Mit welchem jugendlichen Feuer wußte unser lieber Kliche von jener ersten bräutlichen Zeit zu erzählen, wie leuchteten, wenn er davon sprach, die blauen Augen in ganz besonderem Glanz !

So lange er lebte, gedachte er mit der innigsten Liebe seines ersten Seelsorgers; ja noch auf seinem Sterbebette sprach er von ihm mit der rührendsten Dankbarkeit und freute sich, ihm nun bald die Hand drücken zu können. Manche liebe Bekannte lernte er in jenen Jahren im Rappart’schen Hause kennen, wie zum Beispiel den späteren General von Sommerfeld, der als Glied der lutherischen Gemeinde in Fraustadt starb, besonders den damaligen Gutsbesitzer Zahn auf Turowo bei Posen, dessen Haus allezeit während der Verfolgungen eine Heimstätte für manchen flüchtigen Pastor gewesen ist. So schwer ihm auch äußerlich fortan seine Stellung in Pinne gemacht wurde, so kostete es ihn doch einen harten Kampf, den für ihn zum Bethel gewordenen Ort zu verlassen. Doch es mußte sein.

Zu Neujahr 1833 übernahm er die Administration der Apotheke seiner Vaterstadt Rackwitz. Da er sich gleich nach seiner Bekehrung entschieden zum lutherischen Bekenntnis wandte, so warteten seiner hier schwer innere und äußere Kämpfe, da sein Vater, wenn auch mit Widerstreben, die neue Agende angenommen hatte.

Derselbe saß eines Tages, seine Pfeife rauchend, an seinem Schreibtisch, als ihm ein Schreiben des Posener Konsistoriums zukam, welches aufs bestimmteste ihn aufforderte, sofort die neue Agende, gegen welche er sich bis dahin gesträubt hatte, in Gebrauch zu nehmen. Darüber war er so bestürzt und empört, daß er die Pfeife aus dem Munde reißend und an die Erde schleudernd, rief: “Was, man will uns also wirklich unser lutherisches Bekenntnis nehmen!”

Bei der zärtlichen Liebe des Sohnes zu den Eltern war es ihm täglich ein Pfahl im Fleische, von den Seinigen kirchlich getrennt zu sein; denn auch seine Geschwister hatte er stets herzlich lieb.

Eines Tages kam seine Mutter eilig in die Apotheke und erzählte ihm, daß er in allernächster Zeit eine außerordentliche Revision zu erwarten habe, da die Regierung in Posen erfahren hätte, daß er Lutheraner sei. Zum Staunen der Mutter rührte ihn diese Nachricht sehr wenig; er beruhigte sie mit der Versicherung, daß die Apotheke jederzeit im revisionsfähigen Zustand sei und dieselbe doch mit seinem Glauben nicht zu thun habe, worauf die Mutter, seufzend und die Hände zusammenschlagend, ausrief: “Otto, du bist mir ein Rätsel!”.

So mußte sie doch wohl die allgemeine Meinung geteilt haben, daß das Luthertum mit einer klaren Erfassung des irdischen Berufs unvereinbar sei. Noch an demselben Tage kam der Revisor und trat auffallend hart und barsch auf; doch fand er nichts Tadelnswertes und das aufgenommene Protokoll fiel sogar vorzüglich aus. Der revidierende Kreisphysikus wurde sehr freundlich und gestand ihm zuletzt, er habe ausdrücklich den Auftrag gehabt, recht scharf vorzugehen, nun freue er sich um so mehr, daß er nicht nur nichts zu tadeln, sondern nur zu loben habe. Beim Abschied sprach er die Bitte aus, das viele Beten doch zu lassen und vor allem die Gemeinschaft mit den Lutheranern zu meiden. Obgleich ihm erwidert wurde, daß er hier keinen Gehorsam erwarten dürfe, blieb doch der Betreffende allzeit freundlich gesinnt, so daß er der dortigen Apotheke die Lieferung der Arzneien für die 4 Meilen entfernte große Domäne Samter zuwandte, auch beim Abgange aus Rackwitz unserm Kliche ein ehrenvolles Zeugnis gab.

Damals war es, als in ihm der Wunsch rege wurde, seinen Beruf zu verlassen und Missionar zu werden. So trat er in das Berliner Missionshaus ein, blieb aber in demselben nur 1 1/2 Jahre, da er einsah, daß ihn Gott der Herr nicht zu diesem Berufe bestimmt habe. Beim Abgang von da erhielt er von dem General von Gerlach ein Zeugniß, in welchem seine große Pflichttreue gerühmt, zugleich aber gesagt wurde, daß er die Anstalt auf eigenen Wunsch wieder verlasse, weil er einzusehen glaube, nicht zum Missionar zu taugen. Während diese Berliner Aufenthaltes war er in nähere Beziehungen sowohl zu Vater Gaßner, als auch zu dem weithin bekannten frommen Baron von Kattwitz getreten, welch’ letzteren er besonders oft besuchte.

Stammbaum der Familie Kliche - GT

Stammbaum der Familie Kliche – GT

Nach kurzem Aufenthalt in seinem elterlichen Hause machte er mit einem Freunde eine Reise nach dem südlichen Rußland bis 90 Werst hinter Kiew. Auf derselben hat ihn der Herr aus einer großen Lebensgefahr wunderbar errettet.

Noch in demselben Jahre trat er in der Hofapotheke zu Glogau als erster Rezeptar ein. Da er wenig oder gar keinen ihm innerlich zusagenden Umgang hier fand, so besuchte er öfter in seiner freien Zeit den damaligen Wirtschaftsinspektor Schubert in Brieg bei Glogau, den auch vor nicht langer Zeit bereits in seines Herrn Haus gerufenen Gutsbesitzer in Grunau bei Poln.-Lissa. Mit ihm schloß er innige Freundschaft, die er demselben bis ans Ende bewahrte. Wenn auch im späteren Leben selten, so sahen sie sich doch noch einige Mal, zuletzt im Jahre 1882 in Neutomischel, wo Schubert wenige Monate vor seinem Heimgange nach Schluß der letzten Generalsynode bei seiner Enkeltochter zum Besuch weilte.

Wie mögen damals die alt gewordenen, innerlich aber jung gebliebenen Emmauspilger im Schein der Abendsonne ihre irdischen Lebens der früheren Tage gedacht haben, da sie nun innerlich und äußerlich gesegnet mit Abraham im Hinblick auf Kinder und Kindeskinder sprechen konnten: “Nun sind wir zwei Heere geworden.”

Im Jahre 1837 kaufte Kliche die Apotheke in Neutomischel

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Fortsetzung folgt

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Ein besonderer Dank geht an Herrn D. Maennel für die Übersendung des Beitrages der Kirchenzeitung

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Kirchenblatt No. 11 / 01. Juni 1885; No. 12 / 15. Juni 1885; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

 

 

 

Die “alte” evangelische Kirche zu Grätz ist baufällig / 1901

Postkartenausschnitt der "alten" ehemaligen evgl. Kirche zu Grätz, Photos wurden leider bis jetzt nicht gefunden

” Postkartenausschnitt der “alten” ehemaligen evgl. Kirche zu Grätz, Photos wurden leider bis jetzt nicht gefunden

Zeitungsmeldung vom 22. Februar 1901

“Die oberen Räume in der evangelischen Kirche wurden baupolizeilich gesperrt, weil die Tragfähigkeit der Säulen für eine größere Anzahl von Personen nicht mehr ausreicht.”

Zeitungsmeldung vom 15. Mai 1901

Grätz – In der hiesigen evangelischen Kirche wurden vor Kurzem die oberen Räume im Interesse der öffentlichen Sicherheit geschlossen. Da die Nothwendigkeit eines Neubaues damit dargethan war, beschloß der Kirchenrath einstimmig, die in der Mitte des Neuen Marktes stehende alte Kirche abzubrechen und auf derselben Stelle, die als günstigste anerkannt wurde, eine neue zu errichten.”

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Die Einweihung des Neubaues wurde für 30. Mai 1905 bekanntgegeben

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1901

Unfall des Gottfried Roy, Neurose / 1904

Der ehemalige evangelische Friedhof zu Neu Rose - Photo:  Przemek Mierzejewski

Der ehemalige evangelische Friedhof zu Neu Rose – Photo: Przemek Mierzejewski

“Der Eigentümer Roy aus Rose war am gestrigen Donnerstag (15. Dezember 1904) mit seinem Gespann auf dem Neutomischeler Wochenmarkt; als er nach Hause zurückfahren wollte, verließ er auf dem Wege hinter Alttomischel einen Augenblick seinen Wagen; im Begriff wieder aufzusteigen, schlug sein Pferd aus und traf ihn so unglücklich am Kopfe, daß der Bedauernswerte sehr schwere Verletzungen davon trug. An seinem Auskommen wird gezweifelt.”

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Am 18 Dezember 1904 erschien auf dem Standesamt in Neutomischel  die Frau Mathilde Roy geborene Schulz wohnhaft in Neurose. Sie zeigte an, dass ihr Ehemann der Eigentümer Gottfried Roy, zuletzt verheiratet mit der Anzeigenden , 57 Jahre alt, evangelischer Religion wohnhaft in Neurose, geboren zu Kozielaske, Sohn des verstorbenen dem Vornamen nach unbekannten Eigentümers Roy, zuletzt wohnhaft in Kozielaske und seiner Ehefrau Henriette geborene Grocholewski wohnhaft in Neurose zu Neurose am 17. Dezember 1904 nachmittags um 9 Uhr verstorben sei.

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Johann Gottfried Roy
geboren 25. Juli 1847 Koseloske (Kozielaske)
oo 19 Feb 1884 in Neutomischel
Johanna Auguste Mathilde Hermine Schulz
geboren 21 März 1847 Zinskowo

Vater: Johann Christian Roy, geboren 07 Feb 1809 Lipker Gemeinde, verstorben 22. April 1880 zu Kozielaske – Mutter Johanna Henriette Grocholeske, geboren 13 Mai 1825 zu Wengielno

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt:  Zeitungsartikel – Kreiszeitung Neutomischel 1904-12-16; Personenstandsunterlagen Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Schüsse im Schützenhause beim Tanzvergnügen / 1899

Das ehemalige Schützenhaus, früher in Paprotsch gelegen, heute der Stadt Nowy Tomyśl zugehörig / Photo: GT

Das ehemalige Schützenhaus, früher in Paprotsch gelegen, heute der Stadt Nowy Tomyśl zugehörig / Photo: GT

Zeitungsmeldung vom 10. Oktober 1899 – “Am Jahrmarktstage fand im Schützenhause ein öffentlicher Tanz statt, an welchem sich auch das Schankmädchen des Schützenwirths betheiligte, trotzdem dies untersagt war.

Um seinem Befehle Achtung zu verschaffen, zog Herr Schulz einen mit Platzpatronen geladenen Revolver und wollte in die Luft schießen. Der Schuß traf aber das Mädchen neben dem Auge und brachte ihre eine Verletzung bei, welche glücklicherweise ohne nachtheilige Folgen sein wird.

Dem schußfertigen Herrn dürfte eine Belehrung über den Gebrauch der Schießwaffen dienlich sein.”

* * *

Zeitungsmeldung vom 13. Oktober – “Ueber die Schießaffaire beim Tanzvergnügen im Schützenhause erhalten wir folgende Zuschrift:

Geehrte Redaktion !

Die No. 79 Ihres Blattes vom 10. Oktober 1899 bringt einen Artikel über das im Schützenhause stattgefundene Tanzkränzchen, welcher nur unwahre Behauptungen aufstellt. Auf Grund des §11 des Preßgesetzes ersuche deshalb um folgende Berichtigung und zwar an selber Stelle:

1. Es ist unwahr, daß das Schankmädchen am Tanz theilgenommen und durch Handlungen zu meinem Vorgehen Veranlassung gegeben hat.
2. Habe ich ein Verbot des Tanzens meinem Personal nicht ertheilt
3. Hat sich der Vorgang, wie ich den Schreckschuß abgegeben, nicht im Saal, sonder im Büffetzimmer zugetragen, wo eine Anzahl junger Leute Rauferei anfingen und meiner Aufforderung, das Lokal zu verlassen keine Folge leisteten, vielmehr hinter das Büffet, wo sich auch das Schankmädchen befand, auf mich einzudringen suchten und somit Veranlassung zu meinem energischen Vorgehen gaben.
4. Dürfte eine Belehrung über Gebrauch von Schießwaffen sich erübrigen, da ich als Soldat und Waidmann es sehr wohl kenne.

Hochachtend F. Schulz-Schützenhaus

Nachdem wir Herrn Schulz gerne Gelegenheit gegeben, sich über den merkwürdigen Vorfall zu äußern, welcher tagelang hier und in der Umgegend das Gespräch bildete, wollen wir die Berichtigung einer kurzen Betrachtung unterziehen:
1. und 2. derselben dürfte zu dem Vorfall belanglost sein, 3. gibt Herr Schulz die Thatsache zu und behauptet, den Schreckschuß nicht im Saale, sondern im Büffetzimmer abgegeben zu haben, was wir gar nicht erwähnt hatten. 4. ist eine Belehrung über den Gebrauch von Schießwaffen nicht abzuweisen, da Soldaten und Waidmänner um so weniger Schreckschüsse in einem mit vielen Menschen gefüllten Lokale abgeben dürfen. Ein bekanntes Sprüchwort sagt:

“Spiel nicht mit Schießgewehr, denn es könnt geladen sein.”

* * *
Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1899-10-10 / 1899-10-13

Grabsteine Friedhof Boruy – Angehörige der Familie Schulz 1848-1917

Links oben und rechts die Inschrift und der Grabstein der Brüder Schulz, welche 1885 verstarben (die Tafeln mit den Lebensdaten fehlen); links unten der Stein der Beate Schulz, geborene Noak / Bilder: Przemek Mierzejewski + Gudrun Tabbert

Links oben und rechts die Inschrift und der Grabstein der Brüder Schulz, welche 1885 verstarben (die Tafeln mit den Lebensdaten fehlen); links unten der Stein der Beate Schulz, geborene Noak / Bilder: Przemek Mierzejewski + Gudrun Tabbert

Allhier ruhen im Herrn die beiden geliebten Söhnlein des
Eigenthümers Joh. Gottlieb Schulz und dessen
Ehefrau Beate geborene Noak
 
Hier ruht in Gott
meine liebe Mutter, Schwieger u Großmutter
Beate Schulz geb. Noak
* 8.2.1848   + 15.2.1917
 
 

* * *

Am 06. Mai 1870 wurden in der evangelischen Kirche von Bentschen/Zbąszyń getraut der Johann Gottlieb Schulz, Eigentümer in Dorf Borui, ein Junggeselle und der einzige Sohn des Ausgedingers Johann Gottfried Schulz und der Johanne Beate geb. Liers daselbst mit der Johanne Beate Noak, Jungfrau, 2te Tochter des Eigentümers und Müllers Johann Christian Noak und der Louise Beate (*1) geb. Katzur zu Deutsch Böhmisch.

Kinder des Paares waren Carl Heinrich Wilhelm, geboren 1874 und Gustav Hermann Otto, geboren 1878. Auguste Martha kam 1882 zur Welt und Emilie Emma im Jahr 1887. Die beiden Jungen verstarben im Februar des Jahres 1885 im Abstand von nur wenigen Tagen. Emilie Emma als jüngste ertrank 1888 im Landgraben des Dorfes.

Auguste Martha ist nach derzeitigem Kenntnisstand nach 1909 nach Niedersachsen abgewandert. Zur Zeit kann nur vermutet werden, dass sie mit ihrer Familie den Grabstein für Ihre Mutter nach Ende des I. Weltkrieges gesetzt hat.

* * *

(*1) Anmerkung: noch als Müllergeselle hatte Johann Christian Noak im August 1841 die Johanna Beate Kazur geehelicht; ebenfalls sind in ihrem Taufeintrag aus dem Jahr 1815 lediglich die Vornamen Johanna Beate zu finden.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Familienarchiv des >Marcus< (https://ahnensuche.wordpress.com/)

Feuer in Bukowiec – 1901

Bukowiec - Postkartenausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

Bukowiec – Postkartenausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

Neutomischel,  27. September 1901 – In Bukowiec brach gestern – 26. September 1901- vormittag bei dem Wirth Przybylski, während derselbe sich auf dem Jahrmarkt in Neutomischel befand, Feuer aus, welches zwei Scheunen und einen Stall einäscherte

Neutomischel, 01. Oktober 1901 – Am letzten Donnerstag gegen 12 Uhr Mittags sah der Eigenthümer Franz Koza in Bukowiec (nicht Przybylski, wie in voriger No. mitgetheilt. D. Red.) als er seine mit Stroh bedeckte Bohlenscheune betreten wollte, aus einem nahe an der Scheune lagernden Häufchen Stroh und Quecken Rauch und gleich darauf eine helle Flamme schlagen, welche er leicht auszutreten im Stande war, wenn er nur etwas Geistesgegenwart besessen hätte; aber vor Schreck rath- und fassungslos stand er still und mußte sehen wie die Flamme das Dach der Scheune ergriff, welche gänzlich und ein demselben gehöriger massiver Stall bis auf die Umfassungsmauern niederbrannte.

Bei dem während des Brandes herrschenden stärkeren Winde pflanzte sich das Feuer schnell auf die von Eigenthümern Adalbert Koza und Stanislaus Patan gemeinschaftlich gehörigen Scheune und Wohnhaus fort, welche wie ein Stall des Adalbert Koza gänzlich und ein massiver Stall des Stanislaus Patan bis auf die Umfassungsmauer niederbrannte; hierauf schlug das Feuer über die Straße und äscherte noch ein dem Valentin Koza gehöriges Wohnhaus ein.

Ueberhaupt und gering versichert sind nur drei Gebäude, das gemeinschaftliche Wohnhaus und Scheune des Koza und Patan, sowie das Wohnhaus des Valentin Koza. Das ganze Getreide, sowie die Maschinen und das Mobiliar, welches sämmtlich unversichert war, ist mit verbrannt.

Der 6 jährige Sohn des Franz Koza hat eingestanden, daß er mit einem Streichholz gespielt und dasselbe brennend in den Strohhaufen geworfen habe; er befand sich alleine auf dem Hofe, als der Vater das Feuer bemerkte.

Bei dem Brande in Bukowiec, so wird uns weiter geschrieben, sind neun Gebäude ein Raub der Flammen geworden. Es brannten nieder dem Eigenthümer Franz Koza eine Scheune und ein Stall; dem Eigenthümer Albert Koza Wohnhaus, Scheune und Stall; dem Eigenthümer Stanislaus Patan auch Wohnhaus, Scheune und Stall und endlich dem Nachtwächter Valentin Koza das Wohnhaus. Wie durch ein Wunder ist dem letzteren die Scheune unter Strohdach erhalten geblieben. Mitverbrannt sind ein Hund und ein Schwein. Ein junger Hund ist in einem brennenden Hause am Leben geblieben. Von auswärtigen Spritzen war nur die aus Sontop erschienen.

Neutomischel, 04. Oktober 1901 – Bei dem Brande in Bukowiec hat eine Besitzerin ihre ganzen Ersparnisse, die sie in der Aufregung in Sicherheit zu bringen vergaß, verloren.

Schlimm wäre es beinahe einem Fleischerlehrling ergangen, der drei Stück Vieh, die sein Meister in Neutomischel gekauft hatte, heimtreiben sollte. Durch den Feuerschein in Bukowiec geblendet wurden die Thiere wild und wollten durchaus in die Flammen rennen, dabei den Burschen mitzerrend. Als er den Flammen schon nahe war, gelang es den thatkräftigen Bemühungen des Probstes von Bukowiec, das Vieh zum Stehen zu bringen und den Lehrling zu retten.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1901-09-28/1901-10-01/1901-10-04

Grabsteine Friedhof Boruy – Geborene Grieger 1860-1911

Bruchstück der Grabplatte geb. Grieger auf dem Friedhof Boruy / Aufnahme Przemek Mierzejewski

Bruchstück der Grabplatte geb. Grieger auf dem Friedhof Boruy / Aufnahme Przemek Mierzejewski

geb. Grieger

geb. 7. Dez 1860

gest. 14 Okt 1911

Der Familienname wurde je nach Hauländersiedlung als Grieger, Krieger und auch als Krueger, Krüger geschrieben.

Es könnte sich somit um die am 07. Dezember 1860 in Alt Szarke geborene  Johanna Ernestine Krueger handeln, deren Grabplatte, bzw. dessen Bruchstück, hier gefunden wurde.

Am 09. Februar 1883 schloss diese mit dem Wittwer Ludwig Carl Paelchen in Boruy die Ehe.

Ihre Eltern waren der Eigentümer Johann Samuel Krueger und dessen Ehefrau Johanna Juliana geb. Ullrich.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Grabsteine Friedhof Boruy – Die Schüler’s 1857-1934

Grabstein der Eheleute Schüler auf dem Friedhof Boruy / Aufnahme Przemek Mierzejewski

Grabstein der Eheleute Schüler auf dem Friedhof Boruy / Aufnahme Przemek Mierzejewski

Hier ruhen in Frieden die Eigentümer

Berta gb. Koch

geb. 27 Okt. 1871 Marianowo

gest. 29. Septbr. 1934 Dorf Boruy

Wilhelm Schüler

geb. 9. Juni 1857 Alt Scharke

gest. 14. Februar 1929 Dorf Boruy

Die Liebe höret nimmer auf

Das Paar schloss am 21. Juni 1894 beim Standesamt Belencin die Ehe. Berta Emilia Koch war die Tochter des Eigentümer und Gastwirths Ehepaar Traugott und Pauline geb. Dalchau Koch gewesen. Johann Wilhelm Schüler war als Sohn des Altsitzer Ehepaares Gottlieb und Louise geb. Ullrich in Alt Scharke geboren worden.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Grabsteine Friedhof Boruy – Traugott Gutsche 1830-1902

Grabstein des Traugott Gutsche auf dem Friedhof Boruy / Aufnahme Przemek Mierzejewski

Grabstein des Traugott Gutsche auf dem Friedhof Boruy / Aufnahme Przemek Mierzejewski

Hier ruht in Gott unser guter Vater der Ausgedinger

Johann Traugott Gutsche

geb. 11 Jun 1830 Deutsch Böhmisch

gestorben 10 November 1902 Dorf Boruy

jüngster Sohn von Samuel Gutsche und Maria Elisabeth Bartsch

er ehelichte am 07. November 1856 in Boruy / Aufgebot in Bentschen

die aus dem Rekliner Hauland gebürtige

Johanna Pauline Christine Wilhelmine geborene Müllrich

welche als verwittwete Lehmann in Boruy ansässig gewesen war

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Johannes Evangelium 16, 33

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)

Militärpflichtige und Invalidenprüfungsverfahren im Mai 1898

Das ehemalige Schützenhaus / Karte aus Sammlung Wojtek Szkudlarski

Das ehemalige Schützenhaus / Karte aus Sammlung Wojtek Szkudlarski

“Im Jahr 1871 dehnten die Artikel 57 ff. der Reichsverfassung die in Preußen seit 1814 geltende allgemeine Wehrpflicht auf ganz Deutschland aus. So hatte nun „jeder Deutsche“ mit vollendetem 20. Lebensjahr 7 Jahre lang dem Heer oder der Marine anzugehören. Um im Allgemeinen wissenschaftliche und gewerbliche Ausbildung so wenig wie möglich durch die allgemeine Wehrpflicht zu stören, war es jedem jungen Mann überlassen, schon nach dem vollendeten 17. Lebensjahr, wenn er die nötige moralische und körperliche Qualifikation hatte, freiwillig in den Militärdienst einzutreten.  Alle Wehrpflichtigen waren, wenn sie nicht freiwillig in die preußische Armee eintraten, vom 1. Januar des Kalenderjahres an, in welchem sie das 20. Lebensjahr vollenden, der Aushebung unterworfen (militärpflichtig). Sie hatten sich zu diesem Zwecke bei den zuständigen Ersatzbehörden regelmäßig zu melden, bis über ihre militärische Verwendung entschieden wurde, jedoch höchstens zweimal jährlich” (2)

Am Freitag, den 13. Mai 1898 wurde im Amtlichen Teil des Kreisblattes von Neutomischel wie folgt bekannt gegeben:

“Das diejährige Ober-Ersatz-Geschäft findet am Freitag, den 27. und Sonnabend, den 28. d. Mts. im Schützenhause zu Paprotsch statt.

Sämmtliche vorzustellenden Militärpflichtigen fordere ich hierdurch auf an den vorbezeichneten Tagen Morgens 6 Uhr pünktlich und in nüchterem und reinlichem Zustande auf dem Gestellungsplatze zu erscheinen und dort so lange anwesend zu bleiben, bis ihre Entlassung erfolgt.

Mannschaften, welche unentschuldigt fehlen oder in trunkenem Zustande oder nicht rein gewaschen erscheinen sollten, haben ihre Bestrafung auf Grund der Regierung-Polizei-Verordnung vom 14. Mai 1885 mit Geldstrafe von 3-30 Mk. event. verhältnißmäßiger Haftstrafe zu gewärtigen.

Personen, zu deren Gunsten Reklamationen angebracht worden sind, wie Vater, Mutter oder andere Familienangehörigen haben im Aushebungstermine persönlich zu erscheinen.

Die Herren Guts- und Gemeindevorsteher oder im Behinderungsfalle deren Stellvertreter haben dem Aushebungsgeschäft beizuwohnen und insbesondere genau auf die Identität der vorzustellenden Mannschaften zu achten.

Es kommen zur Vorstellung am Freitag, den 27. Mai:

a. die zur Ersatz Reserve designirten Mannschaften und zwar:

1.

Marquardt, Oswald

Arbeiter

Chraplewo

2.

Kattner, Johann Gustav

Wirtssohn

Neurose

3.

Kretschmer, Gustav Reinhold

Schwarzviehhändler

Neustadt b. P.

4.

Klemm, Karl Otto

Eigenthümersohn

Cichagora

5.

Schmirgal, Johann Karl Heinrich

Eigenthümersohn

Scherlanke

6.

Prüfer, Friedrich Gotthold

Eigenthümersohn

Sontop

7.

Swiderski, Johann

Wirtssohn

Linde

8.

Rybla. Roman

Schneider

Neustadt b. P.

9.

Paech, Wilhelm Emil Hugo

Lehrer

Neustadt b. P.

10.

Zgrajek, Mathias

Knecht

Brody

11.

Sledz, Walentin

Wirtssohn

Konin

12.

Roch, Julius

Knecht

Albertoske

13.

Schulz, Johann Wilhelm Adalbert

Müllerges.

Brody

14.

Pawlik, Martin

Arbeiter

Neustadt b. P.

15.

Patan, Thomas

Arbeiter

Bukowiec

16.

Helmchen, Karl Friedrich

Wirtssohn

Chmielinko

17.

Minge, Karl Gustav

Eigenthümersohn

Chmielinko

18.

Lüdke, Gustav Adolph

Eigenthümersohn

Cichagora

19.

Knoll, Gustav Reinhold

Eigenthümersohn

Glinau

20.

Palitzki, Hermann Heinrich

Eigenthümersohn

Glinau

21.

Babelek, Ignatz

Eigenthümersohn

Gronsko

22.

Lodyga, Jakob

Arbeiter

Pawlowko

23.

Mücke, Johann Ferdinand

Eigenthümersohn

Grudna

24.

Engelmann, Karl Heinrich

Eigenthümersohn

Brody

25.

Schilke, Johann Heinrich

Eigenthümersohn

Komorowo

26.

Dwornik, Constantin

Arbeiter

Konin

27.

Lodyga, Stephan

Arbeiter

Konin

28.

Ortlieb, Ernst Otto

Eigenthümersohn

Konkolewo

29.

Schiller, Otto Reinhold

Eigenthümersohn

Konkolewo

30.

Sigismund, Karl Ferdinand

Zimmermann

Neufeld

31.

Winter, Gustav Ferdinand

Wirtssohn

Neurose

32.

Zithier, Berthold Ewald

Eigenthümersohn

Neurose

33.

Slotala, Joseph

Arbeiter

Chraplewo

34.

Markus, Siegfried

Kommis

Neutomischel

35.

Kurz, Dienegott Ferdinand

Eigenthümersohn

Paprotsch

36.

Roy, Johann Paul Ferdinand

Eigenthümersohn

Paprotsch

37.

Przybylak, Joseph

Arbeiter

Wonsowo

38.

Kahl, Paul Gottlieb

Knecht

Paprotsch

39.

Schmidtchen, Felix

Stellmacherlehrling

Gronsko

40.

Hendschke, Friedrich Wilhelm Karl

Lehrer

Alttomischel

41.

Bock, Ernst Rudolph Max

Buchhalter

Neutomischel

42.

Przewozniak, Wladislaus

Bäcker

Neustadt b. P.

b. die zum Landsturm designirten Mannschaften:

1.

Falkenberg, Emil Eduard

Knecht

Albertoske

2.

Kraft, Johann Gottlieb

Wirtssohn

Chmielinko

3.

Paschke, Johann Franz

Arbeiter

Chmielinko

4.

Minge, Johann August

Maurer

Klein Lipke

5.

Schild, Karl

Wirtssohn

Krummwalde

6.

Faust, Karl Herrmann

Töpfer

Neutomischel

7.

Quast, Erdmann Traugott

Eigenthümersohn

Paprotsch

8.

Fintz, Franz

Arbeiter

Porazyn

9.

Napierala, Joseph

Maurer

Wonsowo

10.

Staraszkiewicz, Walentin

Knecht

Neutomischel

11.

Wulke, Johann Emanuel

Wirtssohn

Wymyslanke

12.

Jochade, Johann Gustav

Knecht

Chmielinko

13.

Kazmierowski, Boleslaus

Bureaugehülfe

Neustadt b. P.

14.

Siegesmund, Wilhelm Gustav

Kaufmannslehrling

Wonsowo

15.

Hübner, Albert Paul Georg

Katastergehülfe

Glinau

16.

Paczatek, Lorenz

Knecht

Neustadt b. P.

17.

Senft, Johann Wilhelm

Arbeiter

Brody

18.

Malke, August

Eigenthümersohn

Chmielinko

19.

Dach, Johann Stanislaus 

Eigenthümersohn

Groß Lipke

20.

Dluszewsi, Sylvester

Maurer

Neustadt b. P.

21.

Skrzyvczak, Michael

Arbeiter

Alttomischel

c. die dauernd Untauglichen:

1.

Ortlieb, Ernst Karl

Arbeiter

Konkolewo

2.

Roch, Johann Karl Berthold

Knecht

Albertoske

3.

Michalski, Stanislaus

Eigenthümersohn

Zembowo

4.

Herkt, Johann Heinrich Otto

Eigenthümersohn

Albertoske

5.

Kuß, Friedrich Wilhelm

Eigenthümersohn

Albertoske

6.

Koster, Gustav Johann

Arbeiter

Chmielinko

7.

Franke, Gustav Reinhold Herrmann

Eigenthümersohn

Scherlanke

8.

Starzak, Andreas

Arbeiter

Gronsko

9.

Kühn, Robert Herrmann

Eigenthümersohn

Scherlanke

10.

Paschke, Karl Gustav

Eigenthümersohn

Sontop

11.

Zirke, Friedrich Wilhelm

Eigenthümersohn

Wymyslanke

12.

Fintz, Anton

Knecht

Porazyn

13.

Falbierski, Stanislaus

Arbeiter

Michorzewo

14.

Konieczny, Martin

Arbeiter

Michorzewo

15.

Roll, Oskar Johannes 

Bureaugehülfe

Neutomischel

16.

Wolke, Johann Ferdinand

Eigenthümersohn

Paprotsch

17.

Hartmann, Johann Karl Gustav

Knecht

Cichagora

18.

Buda, Valentin

Eigenthümersohn

Sworzyce

19.

Minge, Anton

Eigenthümersohn

Wonsowo

20.

Rentel, Rudolph Paul

Tischlergeselle

Neustadt b. P.

21.

Skiba, Michael

Knecht

Wymyslanke

22.

Bayer, Johann Gustav

Knecht

Albertoske

23.

Musial, Joseph

Arbeiter

Alttomischel

24.

Thomaszewski, Martin

Arbeiter

Bukowiec

25.

Baier, Richard Otto

Gastwirthssohn

Dombrowo

26.

Guzek, Stanislaus

Wirtssohn

Glupon

27.

Walkowiak, Stephan

Wirtssohn

Glupon

28.

Galas, Martin

Knecht

Wonsowo

29.

Pretki, Franz

Arbeiter

Grudna

30.

Zimek, Paul

Schuhmacher

Kuschlin

31.

Czekala, Joseph

Knecht

Konin

32.

Grocholewski, Andreas

Schneidergeselle

Neustadt b. P.

33.

Rothe, Johann Otto

Eigenthümersohn

Konkolewo

34.

Helwing, Robert Johann

Eigenthümersohn

Kozielaske

35.

Köther, Karl Reinhold

Eigenthümersohn

Neurose

36.

Bombach, Adolph

Bahnschaffner

Neustadt b. P.

37.

Stoinski, Marcell

Schuhmacher

Neutomischel

38.

Feyer, Franz

Arbeiter

Grudna

39.

Nowak, Lukas

Arbeiter

Wonsowo

d. Die vom Truppentheil abgewiesenen einjährig Freiwilligen

e. Die vorläufig beurlaubten Rekruten

f. Die zur Disposition der Ersatz-Behörde entlassenen Mannschaften

g. Die Krankenfahrleute

Ferner findet das Invalidenprüfungsverfahren statt am Sonnabend, den 28. Mai:

a. für die brauchbar befindlichen Mannschaften:

1.

Bürger, Ernst Adolph Otto

Postassistent

Neutomischel

2.

Marzalkiewicz, Stephan

Zimmermann

Zgierzynka

3.

Pigla, Nikolaus

Eigenthümersohn

Krystianowo

4.

Schulz, Paul Ferdinand

Eigenthümersohn

Scherlanke

5.

Oelsik, Kasimir

Arbeiter

Chraplewo

6.

Troszczynski, Stanislaus

Arbeiter

Brodki

7.

Heinrich, Paul Otto

Eigenthümersohn

Sontop

8.

Pruschke, Wilhelm Paul

Arbeiter

Zinskowo

9.

Neumann, Johann Gustav

Zimmermann

Zemdowko

10.

Nawrot, Joseph

Wirtssohn

Neufeld

11.

Walkowiak, Johann

Arbeiter

Wonsowo

12.

Wolff, Karl Wilhelm

Arbeiter

Paprotsch

13.

Marciniak, Joseph

Wirtssohn

Brody

14.

Reimann, Johann Karl Otto

Wirtssohn

Neudombrowo

15.

Rausch, Emil Alfred

Buchbindergehülfe

Neutomischel

16.

Waszek, Johann

Wirtssohn

Linde

17.

Ciszek, Valentin

Arbeiter

Konin

18.

Schedler, August Franz

Eigenthümersohn

Chmielinko

19.

Paran, Stanislaus

Schneider

Neustadt b. P.

20.

Snita, Stephan

Knecht

Eichenhorst

21.

Luczak, Valentin

Knecht

Paprotsch

22.

Tepper, Friedrich Gotthold

Eigenthümersohn

Kuschlin

23.

Seide, Berthold Paul

Wirtssohn

Glinau

24.

Protsch, Paul Hermann

Schuhmacher

Neutomischel

25.

Majorek, Stephan

Arbeiter

Gronsko

26.

Luczak, Andreas

Arbeiter

Pakoslaw

27.

Skrzypczak, Stanislaus

Arbeiter

Konin

28.

Rist, Friedrich Wilhelm

Wirtssohn

Groß Lipke

29.

Hirsch, Karl Reinhold

Zimmermann

Scherlanke

30.

Michalski, Franz

Arbeiter

Konin

31.

Riedel, Ferdinand Reinhold

Zimmermann

Blake

32.

Laengert, Gustav Adolph

Knecht

Neudombrowo

33.

Franke, Karl Heinrich

Arbeiter

Komorowo Hauland

34.

Glinka, Peter

Eigenthümersohn

Krystianowo

35.

Reschke, Johann Adolph

Eigenthümersohn

Wengielno

36.

Prentki, Stephan

Arbeiter

Jastrzembnik

37.

Wieczorek, Joseph

Arbeiter

Chraplewo

38.

Heinrich, Karl Gustav

Knecht

Paprotsch

39.

Wittchen, Martin Johann

Wirtssohn

Chmielinko

40.

Liepelt, Otto Johann

Eigenthümersohn

Glinau

41.

Switala, Martin

Eigenthümersohn

Bolewitz

42.

Bartkowiak, Johann

Wirtssohn

Rose

43.

Eichler, Otto

Zimmermann

Wonsowo

44.

Gebauer, Karl August

Eigenthümersohn

Zinskowo

45.

Helmchen, Johann Gottlob

Knecht

Chmielinko

46.

Bielke, Karl Reinhold

Knecht

Paprotsch

47.

Drozdowski, Anton

Fleischerlehring

Neustadt b. P.

48.

Scheffler, Carl August

Arbeiter

Glinau

49.

Galler, Emil

Lehrer

Chraplewo

50.

Piechota, Stephan

Arbeiter

Gronsko

51.

Molinda, Stanislaus

Arbeiter

Zembowo

52.

Stein, Gustav Ferdinand

Arbeiter

Paprotsch

53.

Gemba, Stephan

Wirtssohn

Bolewitz

54.

Prentki, Franz

Wirtssohn

Grosnko

55.

Wosnitzko, Joseph

Arbeiter

Bolewitz

56.

Paschke, Carl Reinhold

Arbeiter

Wymyslanke

57.

Graebig, Carl Georg Max

Handlungsgehülfe

Wonsowo

58.

Sobkowiak, Stanislaus

Stellmachergeselle

Neustadt b. P.

59.

Stefaniak, Joseph

Arbeiter

Michorzewko

60.

Scheibe, Constantin

Wirtssohn

Steinhorst

61.

Slatala, Michael

Arbeiter

Neustadt b. P. Schloß

62.

Böhm, Johann Paul

Knecht

Glinau

63.

Torchala, Franz

Arbeiter

Zembowo

64.

Nowak, Jakob

Arbeiter

Komorowo Gut

65.

Hämmerling, Georg Oskar Max

Eigenthümersohn

Albertoske

66.

Dzinbinski, Franz

Arbeiter

Zgierzynka

67.

Binder, Hermann Berthold

Eigenthümersohn

Wonsowo

68.

Gutsche, Johann Gustav Paul

Knecht

Bukowiec

69.

Mandziak, Anton

Knecht

Cichagora

70.

Janas, Martin

Knecht

Cichagora

71.

Grzybkowski, Edmund Eduard

Wirthschaftsbeamter

Michorzewko

72.

Winter, Paul Otto

Eigenthümersohn

Sontop

73.

Luczak, Martin

Knecht

Witomischel

74.

Kaczmarek, Stanislaus

Knecht

Porazyn

75.

Knispel, Paul Reinhold

Eigenthümersohn

Wengielno

76.

Bunk, Ludwig

Arbeiter

Zembowo

77.

Koschel, Max Alfred

Lehrer

Bukowiec

78.

Joachim, Carl Hermann

Eigenthümersohn

Paprotsch

79.

Przybiylski, Joseph

Tagelöhner

Bukowiec

80.

Wasloawiok, Franz

Arbeiter

Michorzewko

81.

Hildebrand, Johannes Emil

Eigenthümersohn

Julianne

82.

Aldefeld, Carl August Otto

Klempner

Neutomischel

83.

Günther, Stanislaus

Knecht

Neustadt b. P.

84.

Siegismund, Adolph Hermann

Arbeiter

Sempolno

85.

Mischke, Joseph

Knecht

Chmielinko

86.

Patela, Andreas

Knecht

Neustadt b. P.

87.

Lorkiewicz, Albin

Lehrer

Bolewitz

88.

Held, Oskar Adolph Theodor

Reisender

Neustadt b. P.

89.

Schmidt, Otto Gustav

Müller

Zembowo

90.

Knop, Joseph

Eigenthümersohn

Neufeld

91.

Lehmann, Leo

Eigenthümersohn

Zembowo

92.

Manys, Jospeh

Schneidergeselle

Pakoslaw

93.

Toschala, Wojciech

Eigenthümersohn

Grudna

94.

Fechner, Johann Hermann

Schmied

Jastrzembnik

95.

Weber, Adolph Robert

Eigenthümersohn

Glinau

96.

Seiffert, Johann Ferdinand

Eigenthümersohn

Groß Lipke

97.

Filipiak, Franz

Schmied

Posadowo

98.

Wyrwal, Stanislaus

Arbeiter

Posadowo

99.

Buda, Stephan

Eigenthümersohn

Jastrzembnik

100.

Kattner, Paul Wilhelm

Eigenthümersohn

Konkolewo

101.

Konieczny, Jakob

Schuhmacher

Brody

102.

Lehmann, Johann Karl Friedrich

Eigenthümersohn

Tarnowce

103.

Drescher, Berthold Heinrich

Eigenthümersohn

Blake

104.

Nowacki, Michael

Arbeiter

Alttomischel

105.

Piechota, Andreas

Arbeiter

Wonsowo

106.

Eckert, Carl Gustav

Schmied

Chmielinko

107.

Knop, Johann

Arbeiter

Rose

108.

Fitzner, Johann Paul Otto

Eigenthümersohn

Wonsowo

109.

Pawlik, Franz

Arbeiter

Neustadt b. P.

110.

Ziemek, Joseph

Arbeiter

Porazyn

111.

Nowak, Adalbert

Arbeiter

Porazyn

112.

Sobek, Franz

Kaufmannslehrling

Neustadt b. P.

113.

Klemm, Johann Gustav

Maurer

Glupon

114.

Winkler, Paul Otto

Eigenthümersohn

Scherlanke

115.

Girndt, August Adolph Oswald

Eigenthümersohn

Glinau

116.

Hala, Franz

Arbeiter

Pakoslaw

117.

Hoffmann, Gustav Friedrich

Knecht

Kuschlin

118.

Nowak, Anton

Knecht

Rose

119.

Hirthe, Carl Gustav

Eigenthümersohn

Kozielaske

120.

Kurtz, August Hermann

Eigenthümersohn

Paprotsch

121.

Patella, Valentin

Arbeiter

Konin

122.

Kubiak, Adalbert

Eigenthümersohn

Zgierzynka

123.

Welke, Paul Hermann

Eigenthümersohn

Scherlanke

124.

Rausch, Reinhold Gustav

Eigenthümersohn

Sontop

125.

Joel, Adalbert

Bäckergeselle

Neustadt b. P.

126.

Quast, Carl Gustav

Knecht

Sontop

127.

Gellert, Johann Reinhold

Arbeiter

Konkolewo

128.

Patan, Franz

Arbeiter

Witomischel Gemeinde

129.

Basinski, Joseph

Eigenthümersohn

Sworzyce

130.

Rutkowski, Stanislaus

Arbeiter

Brody

131.

Koschitzki, Johannes Albert

Arbeiter

Klein Lipke

132.

Schallert, Carl Hermann

Eigenthümersohn

Cichagora

133.

Nawrot, Joseph

Arbeiter

Wonsowo

134.

Preschel, Carl Wilhelm

Arbeiter

Glinau

135.

Kozak, Leon

Arbeiter

Michorzewo

136.

Blaszcyk, Vincent

Knecht

Neutomischel

137.

Tepper, Carl Ferdinand

Eigenthümersohn

Zembowo

138.

Schild, Johann Lorenz

Eigenthümersohn

Krummwalde

139.

Dominiak, Wojciech

Arbeiter

Eichenhorst

140.

Perz, Viktor

Arbeiter

Bukowiec

141.

Krait, Friedrich Wilhelm

Zimmermann

Glinau

142.

Gmerek, Stanislaus

Eigenthümersohn

Brodki

143.

Kubsch, Franz

Arbeiter

Alttomischel

144.

Pochstein, Paul Otto

Tischler

Dombrowo

145.

Kern, Ferdinand

Schmied

Neustadt b. P.

146.

Gutsche, Paul Johann Friedrich

Arbeiter

Jastrzembnik

147.

Hirsch, Ewald Theophil Alfred

Bau Techniker

Wengielno

148.

Wald, Carl Gustav

Knecht

Paprotsch

149.

Rau, Johann Carl Otto

Knecht

Paprotsch

150.

Adamietz, Anton

Fleischer

Neutomischel

151.

Gornny, Michael

Knecht

Kuschlin

152.

Nitschke, Johann Carl Wilhelm

Eigenthümersohn

Scherlanke

153.

Pfeiffer, Carl August

Arbeiter

Groß Lipke

154.

Paschke, Anton

Eigenthümersohn

Chmielinko

155.

Helmchen, Gustav

Arbeiter

Konin

156.

Helmchen, Friedrich

Arbeiter

Chmielinko

157.

Hartwig, Johann Robert Paul

Eigenthümersohn

Wengielno

158.

Latus, Alexander

Knecht

Cichagora

159.

Weber, Paul Richard

Knecht

Neutomischel

160.

Schofer, Stanislaus

Arbeiter

Bolewitz

161.

Nawrot, Franz

Arbeiter

Michorzewo

162.

Koch, Carl Otto

Knecht

Kuschlin

163.

Bengsch, Johann August Wilhelm

Arbeiter

Glinau

164.

Knobel, Gustav Karl

Arbeiter

Brody

165.

Müller, Paul Gustav

Eigenthümersohn

Kozielaske

166.

Fritsch, Berthold Heinrich

Arbeiter

Scherlanke

167.

Okonek, Johann

Bäcker

Neustadt b. P.

168.

Koza, Ignatz

Arbeiter

Bukowiec

169.

Buda, Stanislaus

Wirthssohn

Jastrzembnik

170.

Mania, Andreas

Arbeiter

Brody

171.

Sperling, Carl Paul

Maurer

Blake

172.

Piontek, Theophil Herrmann

Briefträger

Neustadt b. P.

173.

Schlinke, Gottlieb

Arbeiter

Chmielinko

174.

Lange, Johann Carl Adolph

Knecht

Cichagora

175.

Cebernik, Johann

Eigenthümersohn

Konin

176.

Braun, Joseph

Arbeiter

Sworzyce

177.

Czarny, Stefan

Knecht

Knecht

178.

Steinke, Paul Berthold

Eigenthümersohn

Paprotsch

179.

Luczak, Andreas

Arbeiter

Glupon

180.

Hanelt, Johann Friedrich Wilhelm

Arbeiter

Sempolno

181.

Marcinkowski, Franz

Töpfer

Neutomischel

182.

Mazurek, Andreas

Töpfer

Neustadt b. P.

183.

Jendrzejczak, Michael

Arbeiter

Gronsko

184.

Zachert, Paul

Fuhrmann

Neustadt b. P.

185.

Hahnelt, Wilhelm Reinhold

x

Zinskowo

186.

Slocinski, Ignatz

Eigenthümersohn

Porazyn

187.

Pieta, Stanislaus

Knecht

Sworzyce

Neutomischel, den 6. Mai 1898″

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: 1) Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1898-05-13; 2) Einleitung:https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fische_Armee

Gebäude der Stadt – No. 27 und 28 – Drechsler- und Schmiedewerkstatt

Lageplan der Grundstücke, Zeichnung angefertigt nach der "Beschreibung von Gebäuden ..." / GT

Lageplan der Grundstücke, Zeichnung angefertigt nach der “Beschreibung von Gebäuden …” / GT

In der Nord-Ost-Ecke des Neuen Marktes lag das ehemalige Stadtgrundstück No. 27. Dieses grenzte im Jahr 1836 nördlich an die noch “wüste Baustelle” mit der Nummerierung No. 28 und südlich an die Hinterstraße.

Auf diesem Grundstück befand sich ein Wohnhaus, es war unter der No. 27 in den Akten der Provinzialfeuerversicherung beschrieben worden.

♦ ♦ ♦

Es war ein vollständig aus Holz errichtetes Gebäude gewesen, welches von außen mit Lehm angetragen worden war. Mit einer Größe von 34,5 Fuß in der Länge, 19 Fuß in der Breite und 8 Fuß in der Höhe (ca. 10,5×6,00×2,43m / ca. 63 qm Grundfläche) war es eines der kleinen, seinerzeit in der Stadt üblichen, Häuserbauten gewesen.

Im Inneren hatten sich 3 Stuben mit gedielten Fußböden befunden, die Küche und auch die Hausflure hatten lediglich einen Lehmboden gehabt. Im Schindeldach war ein Erker von 8,5 Fuß (ca. 2,60m) Breite ausgebaut gewesen. Das Gebäude war über 2 Kachelöfen beheizt worden.

Die hölzernen Wände des Häuschen waren im Jahr 1836 als “sehr verfault” beschrieben worden, selbiges galt auch für die Fußböden. Das Schindeldach hatte die Einstufung “schlecht” bekommen und auch von den 7 Türen und 7 Fenstern waren nur noch “die Hälfte gut” gewesen. Eine Reparatur hatte es seit seiner Errichtung zum Jahr 1794, es war 1836 im Alter mit 42 Jahren angegeben worden, nicht erfahren.

Über die Bewohner des Jahres 1836 dieses Hauses ist kaum etwas überliefert.

Das Wohnhaus wurde als das der Christian Zeidler’schen Erben benannt. Die Anerkennung der Einstufung der Feuerversicherung war von Friedrich Thomas als Vormund der Zeidler’schen Minorenen unterzeichnet worden. Einzelheiten wer die Minderjährigen Nachkommen des Christian Zeidler gewesen waren wurden nicht angegeben.

Am 16. März 1836 war in der Stadt der Bürger und Drechslermeister Johann Christian Zeidler verstorben. Im Toteneintrag im Kirchenbuch wurde vermerkt, dass er an Abzehrung verstorben sei; auch in diesem Eintrag findet sich nichts über etwaig Hinterbliebene.

Johann Christian Zeidler war im August 1780 in Koseloske als Sohn des Samuel  Zeidler und dessen Ehefrau Anna Maria, einer geborenen Kühn, geboren worden. Im September 1811 verstarb seine erste Ehefrau Rosina Dorothea geborene Handtke im Alter von nur 24 Jahren, über ihre Herkunft ist nichts bekannt. Kinder aus dieser Ehe wurden nicht in Kirchenbuchaufzeichnungen gefunden. Johann Christian Zeidler galt in jener Zeit als in Wytomysl ansässiger Müller.

Im Jahr 1816 heiratete der Wittwer Johann Christian Zeidler die 15 jährige Rosina Dorothea Klemm. Sie war im Februar 1801 als Tochter des Gottfried Klemm und dessen Ehefrau Anna Rosina geborene Stürzebecher in Zinskowo zur Welt gekommen.

Im April des Jahres 1818 wurde der gemeinsame Sohn Johann Wilhelm Heinrich geboren; er verstarb 2 Jahre später;  1819 im August folgte die Geburt des 2ten Sohnes Johann Gottlieb. Nach diesen Eintragungen im Kirchenbuch der Gemeinde Neu Tomysl  finden sich keine weiteren. Der letzte Hinweis auf diese Familie wurde mit dem Toteneintrag vom  16. März 1836 gefunden,  als der Bürger und Drechslermeisters Johann Christian Zeidler verstarb.

Die ehemaligen Grundstücke No. 27 und 28 im Jahr 1997 / Aufn. Maennel-Archiv

Die ehemaligen Grundstücke No. 27 und 28 im Jahr 1997 / Aufn. Maennel-Archiv

Die Geschichte des Hausgrundstückes No. 27 kann jedoch noch etwas weiter geschrieben werden.

Im  Jahr 1843, dieses laut eine Ergänzung im Bericht der Provinzialfeuerversicherung, waren auf der Parzelle noch ein Stallgebäude und separat dazu ein Pferdestall errichtet worden, als Besitzer dieser beiden Bauten, das Wohnhaus wurde nicht erwähnt, wurde Daniel Schulz angegeben.

Der Familienname Schulz war und ist nun nicht gerade selten, es kann ! aber folgende Verbindung herstellt werden:

Johann Daniel Schulz geboren ca. 1802 heiratete 1824 Johanna Juliane Protsch. Sie galten als Hauländer zu Paprotsch, Gasthofspächter zu Alt Jastremske, Einwohner zu Glinau und letztlich als Hopfenhändler zu Neu Tomysl.  Kinder, soweit diese dem Paar zugeordnet werden konnten, kamen 1823 in Paprotsch, 1825 in Zinskowo, 1827 und 1829 in Alt Jastremske und 1831 in Glinau zur Welt. Beide Eheleute verstarben in Neu Tomysl: Johanna Juliana Schulz geb. Protsch im Jahr 1844 und Johann Daniel Schulz 1847.

Im Jahr 1857 erfuhr das Wohnhaus eine Wertminderung für eine Erstattung im Falle eines Schadens; eingetragen wurde diese in der aus dem Jahr 1836 stammenden Gebäudebeschreibung, ein Besitzerwechsel wurde nicht notiert. Wie mag das Gebäude wohl in jenem Jahr ausgesehen haben ?, war es vorher noch mit 175 Mark geschätzt worden, lag der Wert nun nur noch bei 75 Mark.

Zum August 1866 fand dann tatsächlich ein Besitzerwechsel statt; in diesem Monat  überreichte  Johann Gottlieb Wilhelm Heinrich das Zuschlagsurteil  über die von ihm im Wege der Subhastation erworbenen Grundstücke No. 27 und No. 28 an den “Königlichen Fortschreibungsbeamten Herrn Geometer Korte Wohlgeboren” in Grätz, dieses zur Eintragung auf seinen Namen. Wiederum findet sich keinerlei Hinweis darauf wer eigentlich der oder die Vorbesitzer dieser Grundstücke gewesen waren.

Johann Gottlieb Wilhelm Heinrich war im März 1830 in Kuschlin geboren worden. Seine Eltern waren der Eigentümer zu Kuschlin und Neurose Johann Gottfried Heinrich und dessen Ehefrau Johanna Dorothea geborene Siegesmund gewesen.

1859 hatte er mit Johanna Emilie Katsch in Boruy die Ehe geschlossen. Sie war im März 1840 als Tochter des Johann Daniel Katsch und seiner Ehefrau Johanna Beate geborene Kahl, zur Welt gekommen.

Die Familie hatte anfänglich in Glinau gelebt ehe die Übersiedlung nach Neu Tomysl erfolgte. Im Laufe der Ehe wurden 11 Kinder geboren; keines scheint das Erwachsenenalter erreicht zu haben.

Vermutlich im Jahr 1871 war eine Schmiedewerkstatt auf dem Grundstück errichtet worden. Die Grenzen zwischen den Grundstücken No. 27 und No. 28 war schon zu dieser Zeit “etwas verwischt“, später tauscht die Nummerierung vollständig, die No. 28 findet sich dann an der Ecke Hinterstraße / Neuer Markt, die No. 27 in der Kehre des Neuen Marktes als Nachbargrundstück der No. 29.

Blick auf die Nord-Ost Ecke es ehemaligen Neuen Marktes / Aufn. PM

Blick auf die Nord-Ost Ecke es ehemaligen Neuen Marktes / Aufn. PM

Aus einem Schreiben zu einer Erbschaftsangelegenheit welche sich auf ein Testament des im August des Jahres 1882 in Neutomischel verstorbenen Schmiedemeisters Johann Heinrich Gottlieb Schiller bezog, war zu erfahren, dass dieser als Miteigentümer der Stadtparzelle No. 28 galt. Er vermachte dieses Miteigentum seiner hinterlassenen Wittwe Anna Maria Schiller, geborene Kraepl, wiederverehelichte Loechel. Die Grundbucheintragung hierzu war 1884 im vorgenommen worden.

Im Jahr 1884 verstarben die Eheleute Johann Gottlieb Wilhelm Heinrich und Johanna Emilie geb. Katsch in Neutomischel.

Wer ihre Erben waren ist nicht bekannt. Im Sommer 1886 wurde durch “die Erben” jedoch eine Parzelle des unter No. 27 geführten Grundstückteils an den Kaufmann Paul Goldmann veräußert.

Das Restgrundstück No. 27-28 wurde im gleichen Jahr auf den Buchhalter Carl Chedor als Besitzer um- bzw. überschrieben. Er war aus Schwentainen im Kreis Treuburg in Ostpreussen gebürtig gewesen und hatte im Jahr 1883 die Ehe mit Bertha Rosenau, einer Nichte des verstorbenen Schmiedemeisters Johann Gottlieb Wilhelm Heinrich,  geschlossen. Sie war 1865 in Glinau als Tochter des Johann Samuel Rosenau und dessen Ehefrau Johanna Louise geborene Heinrich zur Welt gekommen.

* * *

Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: 1) Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/): Stadtakten / Beschreibung sämtlicher Gebäude in der Stadt Neu Tomysl; 2) Personenstandsunterlagen
der evangelischen Gemeinde Neu Tomysl

F. Chichorski stirbt an den Folgen eines Streites / 1902

Duschnik, die Dorfstrasse - Postkartenausschnitt

Duschnik, die Dorfstrasse – Postkartenausschnitt

Der Arbeiter Lorenz Bartkowiak aus Duschnik, ein wegen Raubes bereits mit Zuchthaus bestrafter  Mensch, brachte im Verlaufe eines Ende Dezember zwischen ihm und dem Maurer Felix Cichorski ausgebrochenen Streites dem Cichorski eine Bißwunde an einem Finger bei.

Obwohl sich Cichorski sofort in ärztliche Behandlung begab, trat der Brand ein, und nunmehr ist Cichorski im hiesigen Johanniter Krankenhaus gestorben

 * * *

Standesamt Pinne 16. Januar 1902

Dem Unterzeichneten Standesbeamten geht heute von der Polizei Verwaltung hierselbst die schriftliche Mittheilung zu, daß der Arbeiter Felix Cichorski, wohnhaft zu Duschnik Krs. Samter, 55 Jahre alt, katholischer Religion, geboren zu Duschnik, Sohn der ledigen Arbeiterin Maria Cichorska, zuletzt verheiratet gewesen mit Maria geborene Dzianmska, Vater von 1 minderjährigem Kinde am achten (8.) Januar diese Jahres, nachmittags um vier Uhr zu Pinne im Johanniter  Krankenhause verstorben sei.

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: 1) Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1902-01-17; 2) Personenstandsunterlagen Staatsarchiv Poznan

Diamantene Hochzeit im Hause Böhm / 1902

Evgl. Kirche zu Neustadt Pinne (Ruine) - Aufn. Sep. 2009 GT

Evgl. Kirche zu Neustadt Pinne (Ruine) – Aufn. Sep. 2009 GT

Lewitz-Hauland 25. November 1902

Gestern (24.11.1902) beging das Ehepaar Karl Böhm und Wilhelmine, geb. Hahnfeld das seltene Fest der diamantenen Hochzeit.

Zahlreiche Verwandte feierten den Ehrentag des verhältnismäßig rüstigen Jubelpaares mit. Der Herr Regierungspräsident hatte im Namen Sr. Majestät des Kaisers dem Jubelpaar ein Geldgeschenk von 30 Mark bewilligt. Auch der evangel. Gemeinde-Kirchenrath hatte ein kleines Geldgeschenk gemacht.

Die feierliche Einsegnung des Jubelpaares fand in dessen Wohnung durch den Ortsgeistlichen statt. Wünschen wir den alten Leuten noch eine Reihe glücklicher und gesegneter Jahre !

* * *

24 November 1842 Eintragung im Kirchenbuch der evangelischen Kirche zu  Neustadt bei Pinne:

Der Junggeselle Carl  Ludwig Böhm (21 J. geb. ca. 1821) aus Lewitz Hauland – mit der Jungfer Wilhelmine Hahnfeld (18 Jahre – geb. ca. 1824) aus Wengellen in der Kirche getraut

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: 1) Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1902-11-28; 2) Personenstandsunterlagen Staatsarchiv Poznan

Bedauernswerter Unfall des Kutschers Arlt / 1910

Blick vom Bahnhof kommend in die ehem. Bahnhofstraße / Kartenausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

Blick vom Bahnhof kommend in die ehem. Bahnhofstraße / Kartenausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

Ein bedauernswerter Unglückfall, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen ist, ereignet sich gestern abend auf der Bahnhofstraße in der Nähe der Landgrabenbrücke.

Der Kutscher Bernhard Arlt kam auf einem mit Bierfässern schwerbeladenen Wagen der Pflaum’schen Brauerei  in die Stadt gefahren. Kurz hinter der Brücke fiel der etwa 18 jährige nüchterne junge Mann vom Wagen herab und kam so unglücklich dabei zu Fall, daß ihm der schwere Wagen über Brust und Hals ging, so daß das Blut aus Mund und Nase floß und er wie leblos auf der Straße aufgefunden wurde. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche hatten leider keinen Erfolg. Der Schwerverletzte wurde in das hiesige Krankenhaus geschafft, jedoch konnte der Arzt nur noch den bereits eingetretenen Tod feststellen.

Wie sich der tragische Vorfall ereignete, dürfte mit Sicherheit nicht festzustellen sein, da Augenzeugen in der Nähe der Unfallstelle zurzeit nicht waren; es ist aber anzunehmen, daß die Pferde plötzlich scheu geworden sind, da sie in der Bahnhofstraße in flottem Trabe ohne Führer angehalten wurden.

* * *

Bernhard Otto Arlt wurde am 26. Februar 1892 in Alt Dombrowo als Sohn des Arbeiters Robert Arlt und dessen Ehefrau Wilhelmine geb. Kaleske geboren. Die Familie war mehrfach umgezogen; zum Zeitpunkt des Unfalls wohnte sie in Wonsowo.

Sein Tod wurde durch das Königliche Distriktsamt Neutomischel am 09. Jul 1910 an das Standesamt Neutomischel gemeldet und unter dem 01. August 1910 amtlich eingetragen. Im Toteneintrag findet sich, das “Bernhard Arlt zu Paprotsch auf der Straße vom Bahnhof nach der Stadt Neutomischel am 23. Juni 1910 nachmittags gegen sechs Uhr tot aufgefunden worden sei. Tag und Stunde des Todesfalls hat nicht näher festgestellt werden können.”

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: 1) Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1910-06-24; 2) Personenstandsunterlagen Staatsarchiv Poznan
 

Kurzmeldung – Das Fuhrwerk des Eigentümers Kubsch ging durch … / 1911

... bogen nach der Bahnhofstraße in rasendem Tempo ab ... / Ansichtskarte Sammlung Wojtek Szkudlarski

… bogen nach der Bahnhofstraße in rasendem Tempo ab … / Ansichtskarte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Als heute vormittag (21.04.1911) der Eigentümer Kubsch aus Altborui vor einem hiesigen Geschäft in der Goldstraße Kleie aufladen wollte, und er sich für einen Augenblick von dem Fuhrwerk entfernt hatte, gingen die beiden Pferde mit dem Wagen durch, bogen nach der Bahnhofstraße in rasendem Tempo ab und beschädigten dort eine Straßenlaterne und einige junge Bäume.

Erst vor dem Aron Markus’schen Hause fuhr ein Rad an einen dort stehenden stärkeren Baum an und der Wagen kam zum Stehen.Während ein Pferd dabei zu Fall kam und die Deichsel zerbrach, raste das andere, das sich beim Anprall losgerissen hatte, noch ein Stück weiter, blieb aber bald ebenfalls stehen.

Glücklicherweise ist keine Person bei dem Vorfall verletzt worden.

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1911-04-21

 

Werth der Hand- und Spanndiensttage im Regierungsbezirk Posen / 1895

Leiterwagen jener Zeit - Aufn. GT

Leiterwagen jener Zeit -
Aufn. GT

Posen, 1. Februar 1895

Werth der Hand- und Spanndiensttage im Regierungsbezirk Posen

Auf Grund des § 3 Absatz 2 des Gesetzes vom 21. Juni 1875, betreffend die anderweite Regelung der Verpflichtung zur Leistung von Hand- und Spanndiensten für die Unterhaltung der Land- und Heerstraßen in der Provinz Posen ist nach Anhörung der Kreisvertretungen der Werth eines Hand- und Spanndiensttages im Regierungsbezirk Posen für das Jahr 1895 mit dem Hinzufügen, daß unter einem Handtage die Leistung eines gesunden erwachsenen Arbeiters und unter einem Spanntage die Leistung eines mit zwei gesunden Pferden nebst Kutscher zu stellenden Wagens zu verstehen ist, wie folgt festgesetzt worden:

lfd. 

Name des 

Werth eines

Nr.

Kreises

Hand-

Spann-

 

 

Diensttages

 

 

Mk./Pfg.

Mk./Pfg.

1

Adelnau

1,00

4,00

2

Birnbaum

1,00

4,50

3

Bomst

1,00

4,50

4

Fraustadt

1,00

4,50

5

Gostyn

1,00

4,50

6

Grätz

0,80

4,00

7

Jarotschin

1,00

4,00

8

Kempen

0,75

4,00

9

Koschmin

0,80

4,00

10

Kosten

1,20

5,00

11

Krotoschin

0,80

4,00

12

Lissa

1,00

4,50

13

Meseritz

1,00

4,50

14

Neutomischel

1,20

4,00

15

Obornik

1,00

4,00

16

Ostrowo

1,00

4,00

17

Posen-Ost

1,00

4,50

18

Posen-West

1,00

4,50

19

Pleschen

0,75

3,00

20

Rawitsch

1,00

4,50

21

Samter

1,00

4,50

22

Schildberg

0,75

4,00

23

Schmiegel

1,25

5,00

24

Schrimm

1,00

4,00

25

Schroda

1,00

4,50

26

Schwerin a. W.

1,00

4,50

27

Wreschen

1,00

4,50

 

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben:  Veröffentlichung im Posener Tageblatt 1895-02-02 – www.wbc.poznan.pl/libra; Photo: Freilichtmuseum für Volksbaukunst in Wollstein / SKANSEN BUDOWNICTWA LUDOWEGO in Wolsztyn
 

Kurzmeldung – Gewitterunfall / 30. April 1895

Die in den Jahren 1896/97 neu erbaute Schule von Kaponke (Postkartenausschnitt), das Gebäude wird noch heute als Schule genutzt

Die in den Jahren 1896/97 neu erbaute Schule von Kaponke (Postkartenausschnitt), das Gebäude wird noch heute als Schule genutzt

Das erste diesjährige Gewitter entlud sich ebenso früh als heftig hier und in der Umgegend. Namentlich hätte ein Blitzschlag, welcher das Schulhaus in Kaponke traf, recht verhängnißvoll werden können.

Nicht nur, daß der Blitz den Giebel des Hauses herunterschlug, durchfuhr er noch das Klassenzimmer, die Decke des letzteren mehrfach durchlöchernd.

Der Lehrer H., welcher mit seiner Schwester am geschlossenen Fenster der Giebelstube stand, wurde betäubt und theilweise gelähmt, so daß er sofort in ärztliche Behandlung genommen werden mußte, während sich die ebenfalls getroffene Schwester desselben bald erholte.

Wunderbarer- und glücklicherweise zündete der Blitz das fast hölzerne Gebäude nicht an.

* * *

Um welche Angehörigen der Lehrerfamilie H. es sich gehandelt hat, konnte nicht zweifelsfrei in Erfahrung gebracht werden

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Posener Tageblatt 1895-05-05 / Seite 3 – www.wbc.poznan.pl/libra