Es erschien im Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Abend-Ausgabe, Freitag, 15.08.1913 nachstehender Artikel:
„Die Feier des hundertjährigen Bestehens der Firma Gebrüder Tietz in der Klosterstraße 64 (Berlin) fand heute in den blumengeschmückten Räumen des Geschäftshauses statt.
Dem auf 11 Uhr angesetzten Festakt wohnten etwa 500 Personen bei.
Blumen hatten gesandt die Deutsche Bank, die Bergisch-Märkische Bank, der Brüderverein, der Hilfsverein der deutschen Juden, die Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und Ackerbaues unter den Juden in Preußen.
Die Angestellten stifteten eine Metallgedenktafel. Harmoniumspiel leitete die Feier ein, worauf der Prokurist Stahl die Festrede hielt, in der er die Gründung und Entwickelungsgeschichte der Firma skizzierte und mitteilte, daß die Inhaber 100.000 Mark zur Unterstützung der Angestellten in Krankheits- und Notfällen gestiftet hätten.
Hierauf nahm der Präsident des Reichstages Dr. Kaempf das Wort, um die Glückwünsche der Aeltesten der Kaufmannschaft darzubringen. Es sprach dann je ein Vertreter des Hilfsvereins deutscher Juden, des Gläubigerschutzverbandes, des Brüdervereins, des Agentenvereins, des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller, der Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und Ackerbaues in Preußen und der Freimaurerloge Hammonia zur Treue.
Die beiden Inhaber der Firma Georg und Berthold Tietz dankten mit herzlichen Worten.“
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Für eine kurze Zeitspanne konnten wir in der Geschichte dieser Familie Tietz zurückblicken.
Zuerst einmal war festzustellen, dass diese Familie Tietz sich viel „bedeckter“ hielt als die Namensträger des späterhin unter dem Namen „Hertie“ bekannten Kaufhaus Grosskonzern Hermann Tietz. Vielleicht lag es aber auch nur einfach daran, dass die Öffentlichkeit und Presse Ihnen weitaus weniger Beachtung schenkte. Weiterhin war es uns nach derzeitigem Stand auch nicht möglich anhand der eingesehenen Unterlagen eine direkte Familienverwandtschaft festzustellen; wobei diese nicht auszuschliessen ist.
Georg Tietz, der ältere der oben genannten Brüder war im November 1857 in Birnbaum zur Welt gekommen. Im Februar 1890 schloss er in Rawitsch die Ehe mit Silfriede Brann. Ihre Kinder, soweit diese aus Archivmaterial ermittelt wurden, kamen in Berlin zur Welt. Georg Tietz starb im Februar 1930 in Berlin, er hat seinen Bruder um 7 Jahre überlebt.
Berthold Tietz, der jüngere der Brüder, wurde im Dezember 1858 in Birnbaum geboren. Er heiratete im Oktober 1892 in Berlin die aus Birnbaum gebürtige Gertrud Güttel Simonsohn. Auch ihre Kinder, soweit bekannt, wurden in Berlin geboren. Berthold Tietz verstarb im Januar 1923, annähernd 10 Jahre nach dem Artikel über die Jubiläumsfeier, in Berlin.
Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe, Dienstag, 05.04.1892
Die Verlobung unserer ältesten Tochter Gertrud mit Herrn Berthold Tietz beehren wir uns hiermit ergebenst anzuzeigen. Adolf Simonsohn u. Frau Rosalie geb. Levinthal. Berlin, im April 1892 Alexanderplatz 2, Gertrud Simonsohn, Berthold Tietz, Verlobte
Berlin, Bischofstr. 25
In unserem Beitrag können wir leider nicht weiter auf die Ehefrauen Tietz eingehen, sie fanden mehr oder weniger keine Erwähnung. Sie waren auch nicht berechtigt im Erbfalle das Unternehmen zu vertreten.
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Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe, Sonntag, 11.02.1923
Für die uns beim Hinscheiden unseres teuren, unvergesslichen Herrn Berthold Tietz freundlichst erwiesene Teilnahme bitten wir, auf diesem Wege unseren innigsten Dank abzustatten zu dürfen.
Berlin, im Februar 1923 im Namen der Hinterbliebenen Gertrud Tietz geb. Simonsohn – Georg Tietz i. Fa. Gebr. Tietz
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Berliner Börsen Zeitung: Tageszeitung für Politik und Wirtschaft, Abendausgabe, Abendausgabe, Dienstag, 19.06.1923
Bei Nr. 4664. Gebr. Tietz, Berlin: Der Kaufmann Berthold Tietz ist aus der Gesellschaft ausgeschieden. Gleichzeitig ist die Witwe Gertrud Tietz geb. Simonsohn, Wilmersdorf, in die Gesellschaft als persönlich haftender Gesellschafter eingetreten. Zur Vertretung der Gesellschaft ist nur Georg Tietz ermächtigt.
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Vermutlich scheinen die Brüder im Jahr 1914 noch an eine Erweiterung des Unternehmens gedacht zu haben. Hierzu wurde das Grundstück Stralauer Straße 13/14 des Rechtsanwalts J. Levy erworben. Laut Berliner Adressbuch gehörte das Grundstück der Stralauer Straße 12 sowieso schon B. und G. Tietz. Zusammen mit dem um die Ecke liegenden Firmenanwesen der Klosterstraße 64 wurde das Areal komplettiert.
Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe, Sonntag, 09.08.1914
Subhastationen – Beim Amtsgericht Berlin-Mitte standen nachbenannte Grundstücke zur Versteigerung: …. Stralauer Str. 13/14 in Berlin, dem Rechtsanwalt J. Levy gehörig. Fl. Nicht nachgew. Nutzungsw. 19.780 M. Mit dem Gebot von 9.480 M. bar und 179.000 M. Hypothekenübernahme blieben der Kfm. Georg Tietz und der Kfm. Berthold Tietz, beide in Berlin, Klosterstr. 64, zu gleichen Bruchteilen Meistbietende.
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Die Eltern der Brüder Georg und Berthold Tietz waren Leiser Isaac Tietz, geboren ca.1821, und seine Ehefrau Lina geborene Levy. Beide waren aus Birnbaum gebürtig.
Ein Bruder des Leiser Isaac wiederum war Michaelis Isaac Tietz, geboren ca. 1818 mit seiner Ehefrau Pauline geborene Berlin. Beide waren ebenfalls aus Birnbaum gebürtig.
Es kann angenommen werden, dass eine Übersiedlung beider Paare von Birnbaum nach Berlin um das Jahr 1870 herum erfolgte. Als Wohnsitz in Berlin galt für beide Familien die Bischofstraße 25.
Zu erwähnen ist an dieser Stelle noch Heinrich, eigentlich Heimann, Tietz. Wenn unsere Recherchen richtig sind, müsste er der älteste Sohn, geboren 1845 in Birnbaum, des schon erwähnten Michaelis Tietz gewesen sein. Verwandtschaftlich betrachtet war er der Cousin von Berthold und Georg. Er war mit Hedwig Hulda geborene Grüneberg, gebürtig aus Schloppe im Kreis Deutsch Crone, verheiratet gewesen. Er verstarb im Jahr 1908 in Berlin
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Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe, Dienstag, 28.04.1908
Am 25. d. Mts. verschied plötzlich nach kurzem Krankenlager mein geliebter Mann, unser teurer Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel, Herr Heinrich Tietz im 63. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Hedwig Tietz, geb. Grüneberg, Berlin NW, Siegmundshof 4, Die Beisetzung findet Dienstag, den 28. April, mittags 1 Uhr von der Friedhofsallee in Weissensee statt.
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Am Sonnabend, den 25. d. M. verschied nach kurzer Krankheit unser Vetter und früherer Sozius, Herr Heinrich Tietz.
Länger als 40 Jahre hat der Verewigte mit vorbildlicher Rastlosigkeit in unserer Firma gewirkt. Wenige Jahre der Ruhe, denen der Tod nun ein jähes Ende gesetzt hat, waren ihm vergönnt. In der langen Zeit gemeinsamer Tätigkeit haben wir die Vorzüge seines Charakters in stets steigendem Masse schätzen gelernt und dauernd werden wir seiner in Liebe und Verehrung gedenken.
Berlin, den 27. April 1908 Georg und Berthold Tietz – Inhaber der Firma Gebr. Tietz
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Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Donnerstag, 26.04.1906
Auf dem die Firma Gebr. Tietz in Annaberg, Zweigniederlassung der Firma gleichen Namens in Berlin, betreffenden Blatt 567 des Handelsregisters ist heute eingetragen worden, daß der Kaufmann Heimann Tietz in Berlin aus der Gesellschaft ausgeschieden ist.
Annaberg, den 23. Apr 1906 – Königl. Sachs. Amtsgericht
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In den Jahren 1904 – 1906 wurde das Geschäftshaus der Gebr. Tietz in der Klosterstr. 64 errichtet. Als Bauherren traten Georg und Berthold Tietz auf. Das Gebäude gilt heute noch als „prägnantes Beispiel der Berliner Geschäftshaus Architektur“.
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Im Jahr 1889 wurde unter Leiser Tietz, seinem Sohn Georg und Heimann Heinrich als Sohn des schon im Jahr 1883 verstorbenen Michaelis Tietz die Niederlassung in Annaberg eröffnet.
Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Dienstag, 19.02.1889
Leipzig. Handelsregistereinträge im Königreich Sachsen – Annaberg
Am 31. Januar (1889 ) Fol. 567 Gebr. Tietz, Zweiniederlassung der Firma gleichen Namens in Berlin. Inhaber die Kaufleute Leiser Tietz, Hermann Tietz und Georg Tietz in Berlin: Berthold Tietz Prokurist.
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Michaelis Isaak Tietz mit Sohn Heimann Heinrich und Leiser Isaak Tietz hatten das Unternehmen, welches zum 1. Januar 1873 in Berlin als Gebr. Tietz eingetragen worden war, gegründet. Als Geschäftsadresse galt die Bischoffstraße 25 in Berlin, welches auch die Wohnanschrift gewesen war. Die Firma Gebr. Tietz galt als Knopf-, Garn-, Posamentier- u Kurzwaaren en gros Vertrieb.
Berliner Börsen-Zeitung: Tageszeitung für Politik und Wirtschaft, für Wehrfragen, Kultur und Unterhaltung, Abend-Ausgabe, Samstag, 11.01.1873
Die Gesellschafter der hierselbst unter der Firma: Geb. Tietz am 1. Januar 1873 begründeten Handelsgesellschaft (jetziges Geschäftslocal Bischofstrasse 25) sind die Kaufleute: Michaelis Tietz, Leiser Tietz, Heinrich Tietz, sämmtlich hier. Dies ist in unser Gesellschafts-Register unter No. 4216 eingetragen worden.
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Michaelis Isaak Tietz starb im Dezember 1883 in Berlin, sein Sohn Heimann Heinrich im April 1908; aus dieser Linie stammten keine weiteren männlichen Nachkommen. Das Unternehmen ging somit an die Nachkommen des Leiser Issak Tietz, er verstarb im November 1896 in Berlin, welches o. g. Georg Tietz und sein Bruder Berthold gewesen waren, über.
Die Frage, welche aufkam, wer ursprünglich die Firma Gebr. Tietz gegründet hat, und wer die Gesellschafter bzw. die Inhaber waren, ist von uns nicht zu beantworten. 1913 wurde ein 100jähriges Bestehen gefeiert; in Berlin war das Unternehmen annähernd 40 Jahre ansässig.
Hatte Isaak Hirsch Tietz mit seiner Ehefrau Henriette, geborene Auerbach, als Eltern von Michaelis und Leiser schon ein Unternehmen Gebr. Tietz in Birnbaum geführt? Er galt als Kaufmann zu Birnbaum und erreichte das hohe Alter von 100 Jahren.
Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe, Sonntag, 07.03.1880
Am 4ten dieses Monats verschied in Gottergebenheit, wie er gelebt, nach kurzem Krankenlager unser theurer Vater, Großvater und Urgroßvater I. Tietz zu Birnbaum, nachdem es ihm vergönnt gewesen war, im August v. J. bei bewunderungswürdiger Geistesfrische seinen hundertsten Geburtstag zu begehen. Gott gab ihm ein langes, glückliches Leben und einen sanften Tod.
Im Namen der tiefbetrübten Hinterbliebenen macht allen theilnehmenden Verwandten und Freunden des Verewigten diese schmerzliche Mittheilung
Berlin, 4. März 1880 M. I. Tietz als ältester Sohn
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