Berichterstattungen zu den Morden an dem Schuhmacher Myszkowski und dem Forsteleven Rau / 1904-1905

"In Erinnerung ..."               / Bild EA

“In Erinnerung …” / Bild EA

War im “Interesse der öffentlichen Sicherheit” eine baldige Aufklärung der Mordfälle als “wünschenswert” angesehen worden, so zogen sich die Ermittlungen dennoch in die Länge.

Im Fall des Ermordeten Schuhmachermeisters Myszkowski hatte Mitte November 1904 noch eine weitere Verhaftung, als die schon Beschriebenen, stattgefunden. Den Zeitungsberichten folgend, kann hier aber angenommen werden, dass der Verdacht auch gegen diesen Inhaftierten nicht aufrecht erhalten worden war. Was aber letztlich wirklich aus den jeweils Verdächtigten in den Orten Fraustadt, Samter, Xions und letztlich aus Stenschewo wurde, ist nicht bekannt; zu keiner der in den Zeitungsartikeln erwähnten Personen wurden weitere Berichte gefunden.

Im Fall des zweiten Opfers, des Ermordeten Forsteleven Rau, war man kaum vorangekommen. Die anfänglich ausgeschriebene Belohnung von 300 Mark wurde zum Jahreswechsel 1904/1905 auf 1000 Mark erhöht. Es galt das Bestreben den Täter unbedingt zu ergreifen.

Es wurde mit diesen beiden Morden ein weiteres, ein drittes Opfer in Zusammenhang gebracht; das des im Schmiegeler Forst erschossen aufgefundenen Försters Kowalleck.

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11.11.1904

Unter diesem Datum fand sich die letzte Berichterstattung dieses Jahres zum Fall Myszkowski:

“Das “Samter’sche Kreisblatt” berichtet aus Stenschewo: Am vorigen Freitag abends verhaftete der hiesige Bürgermeister persönlich den Arbeiter Stanisl. Andrzeszak aus Witomischel, Kreis Neutomischel.

Die mit dem Andrzeszak aufgenommene Verhandlung hat ergeben, daß er bei dem in der Nacht vom 1. zum 2. Oktober ermordeten Schuhmacher Josef Myszkowski aus Brody in einem Obstgarten in der Nähe von Pakoslaw, Kreis Neutomischel , tätig war und vor drei Wochen fortgegangen ist.

1.000 Mark Belohnung - für die Ermittlung der Täter / Veröffentl. in der Kreiszeitung

1.000 Mark Belohnung – für die Ermittlung der Täter / Veröffentl. in der Kreiszeitung

Da das von der Staatsanwaltschaft bezüglich des mutmaßlichen Mörders bekannt gegebene Signalement auf Andrzeszak paßte, dieser auch, über den Mord befragt, angab, daß er mit einer zweiten Person, angeblich einem Schmied, dessen Zunamen und Verbleib er nicht anzugeben vermochte, bis vor drei Wochen mit dem Ermordeten zusammen gewesen war, wurde er wegen Verdacht des Mordes der Staatsanwaltschaft in Posen zugeführt. Bei der Verhaftung, welche der Bürgermeister vornahm, leistete Andrzeszak derartigen Widerstand, daß der Gendarm zu Hilfe kommen mußte.”

Zum Fall “Rau” wurde weitergehend wie folgt berichtet:

09.12.1904
“Wie wir erfahren, ist in jener Gegend, wo der Forsteleve Rau ermordet worden ist, ein Gewehr gefunden worden, mit welchem vermutlich der Mord ausgeführt wurde. Der Erste Staatsanwalt aus Meseritz wird sich heute an Ort und Stelle begeben, um den Tatbestand aufzunehmen. Hoffentlich gelingt es nun, Licht in das grausige Dunkel zu bringen.

23.12.1904
In der Untersuchung, betreffend die am 11. Oktober 1904 im Walde bei Bolewitz erfolgte Ermordung des Forstarbeiters Rau, ist es von größter Wichtigkeit festzustellen, wer zwischen dem 29. November und 6. Dezember 1904 das Tesching des Rau bei der Mordstelle hingelegt hat. Wer zur Emittelung des Betreffenden beiträgt, hat eine erhebliche Belohnung zu erwarten.
Meseritz, den 19. Dezember 1904 – Der Erste Staatsanwalt

03.01.1905

1000 M. Belohnung.

Der Herr Regierungs-Präsident zu Posen hat die für die Ermittelung der Täter, welche wahrscheinlich am 11. Oktober 1904, abends den Forstaufseher Rau in der Forst bei Bolewitz erschossen haben, ausgesetzte Belohnung auf eintausend Mark erhöht.
Nachrichten erbeten zu 2 J. 1206/04.

Meseritz, den 31. Dezember 1904. – Der Erste Staatsanwalt”

Letztlich endet die Berichterstattung in der Neutomischeler Kreiszeitung mit nachfolgenden zwei Beiträgen:

17.02.1905
“Am Sonnabend nachmittag (11.02.1095) trafen in Hammer zwei Zigeuner zusammen, die nach einem Wortwechsel in eine Schlägerei gerieten. Plötzlich zog der jüngere der beiden seinen Revolver und schoß den anderen in den rechten Oberarm, in dem die Kugel stecken blieb. Trotz der schweren Verletzung zog nun auch der andere seinerseits die Waffe und gab zwei Schüsse auf seinen Gegner ab, die jedoch fehl gingen.

Beide Revolverhelden wurden festgenommen und dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis (vermutlich in Wollstein) zugeführt. Bei der Festnahme äußerte der jüngere der beiden, daß der andere der Mörder des kürzlich in der Schmiegeler Forst erschossen aufgefundenen Försters Kowalleck sei.”

21.02.1905
“Kürzlich wurden zwei Zigeuner namens Franz Arway und Franz Werner verhaftet, wobei (der) Werner von (dem) Arway des Mordes beschuldigt wurde. Die Anschuldigung bezieht sich auf den Ende August in der Forst Bolewitz erschossen aufgefundenen Forsteleven Rau und den bald darauf auf der Chaussee bei Brody, Kreis Neutomischel, ermordeten Schuhmacher Myszkowski aus Brody. Die Untersuchung hat festgestellt, daß Werner zur Zeit der Morde sich wirklich in der Gegend Neutomischels aufgehalten hat.”

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Offen bleibt, ob letztlich diese beiden Genannten, die scheinbar vagabundierend und vielleicht sogar mordend in der Region unterwegs gewesen waren, die wirklichen Täter gewesen waren ?; es fand sich weder eine Berichterstattung über die weiteren Untersuchungen zu den Mordfällen noch über eine Verurteilung.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: 1) Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1904/1905