Berühmte Männer der Familie Mosse

Dr. Marcus Mosse – Arzt zu Graetz das Bild ist dem Original Artikel aus dem Jahr 1909 entnommen

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüd. Gemeinden in den Posener Landen“ – geschrieben im Jahr 1909. Das Buch ist heute in der Großpolnischen Digitalen Bibliothek  (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) zu finden.

Es wurden einige kleine Einfügungen in Kursivschrift ergänzt.

Auf dem ehemaligen jüdischen Friedhofe zu Grätz ruhte auch Dr. med. Marcus Mosse, geboren  am 3. August 1808 in Märk.-Friedland und gestorben am 10. November 1865 in Grätz.

Dr. Marcus Mosse war ein berühmter und beliebter Arzt und genoss sowohl als Stadtverordneter als auch als Korporationsvorsteher das Vertrauen seiner nichtjüdischen und jüdischen Mitbürger. Marcus Mosses Grabstätte schmückte ein marmornes Reliefbild des Verblichenen. Es war damals darüber ein Streit entstanden, ob die Anbringung eines solchen Reliefbildes auf dem Friedhofe religionsgesetzlich zulässig sei. Man fand am Ende einen Ausweg, in dem man das Bild durch eine Metallplatte, welche abgeschraubt werden konnte, verdeckte. Marcus Mosses Erben, ganz besonders sein Sohn Rudolf, stifteten ein großes, städtisches, allen Anforderungen der modernen Hygiene entsprechendes Krankenhaus für 120.000 Mark. Auch erfolgten mehrere andere Schenkungen deren Zinsen den städtischen, insbesondere den jüdischen Armen zugutekamen. Von seinen Söhnen sind besonders der ord. Honorarprofessor an der Königsberger Universität, Geh. Justizrat und Oberlandesgerichtsrat Dr. Albert Mosse und der bekannte Verleger und Philanthrop Rudolf Mosse in Berlin zu nennen

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Dr. Albert Mosse – Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Mosse

Geheimrat Dr. Isaac Albert Mosse, geboren am 1. Oktober 1846 zu Grätz, verstorben am 31. Mai 1925 in Berlin erhielt seine Vorbildung an den Gymnasien zu Lissa und Guben und studierte von 1865-68 an der Berliner Universität. 1870/71 nahm er als Kriegsfreiwilliger am Feldzuge teil, wurde 1873 Gerichtsassessor, kam 1876 als Kreisrichter nach Spandau, 1879 als Stadtrichter nach Berlin und wurde daselbst Amtsrichter, 1885 Landrichter und 1888 Landgerichtsrat. Im Frühjahr 1886 folgte er einem Rufe nach Tokyo als Berater im Kaiserlich japanischen Staatsministerium, woselbst er bei den Vorarbeiten zur heutigen Verfassung Japans mitwirkte und die Entwürfe zur gegenwärtigen japanischen Gemeinde-Kreis- u. Provinzialordnung ausarbeitete. Außerdem war er bei den Verhandlungen über die Revision der internationalen Verträge Japans beteiligt. Einem Teil der leitenden japanischen Staatsmänner hatte er bereits vorher in Berlin Vorträge über deutsches öffentliches Recht gehalten. Nach vierjähriger Tätigkeit kehrte er 1890 nach Deutschland zurück, wurde Oberlandesgerichtsrat in Königsberg, 1901 Geheimer Justizrat daselbst, 1903 Ehrendoktor der juristischen Fakultät der Albertus-Universität und war ab 1904 ord. Honorarprofessor in derselben Fakultät. Er schrieb u. a.:

  • „Beweis der Präsentation im Wechselprozesse“
  • „Handelsgesetzbuch“ (herausgeg. von Litthauer).

Albert Mosses Lehrfach umfasste Handels- und Wechselrecht und Zivilprozess.

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Rudolf Mosse – Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Mosse

Rudolf Mosse, geboren am 8. Mai 1848 zu Grätz, er verstarb im September 1920 durch einen Unfall in Berlin, lernte bei dem Buchdruckereibesitzer Merzbach in Posen und begründete 1867 in Berlin seine Annoncen-Expedition. Dieselbe nahm einen außerordentlich raschen Aufschwung und hat 14 selbstständige Zweigniederlassungen sowie Vertretungen in allen größeren Städten Deutschland, Österreichs u. der Schweiz. Der Umsatz dieses Geschäftszweiges allein erreichte in den letzten Jahren jährlich 11 ½ Millionen Mark. Die Handlungsunkosten der Annoncen-Expedition beziffern sich auf durchschnittlich 1.200.000 Mark im Jahre. – Auch als Schöpfer großer und tonangebender Blätter ist Rudolf Mosse bekannt. Hier sind zu nennen:

“Berliner Tageblatt“, „Deutsches Montagsblatt“ (1877-88), „Deutsches Reichsblatt“ (1881-94), und „Berliner Morgenzeitung“ (seit 1889).

Seit 1890 war Rudolf Mosse auch Herausgeber der„Allgemeinen Zeitung d. Judentums“.

Von seinen zahlreichen anderen Unternehmungen sind zu erwähnen:

„Bäder-Almanach“ (seit 1882), „Illustriertes Jahrbuch“ (seit 1895) und „Deutsches Reichsadressbuch“ (seit 1897).

Krankenhaus in Grätz als Stiftung des Rudolf Mosse - Bild aus der 1909 erschienenen Veröffentlichung

Krankenhaus in Grätz als Stiftung des Rudolf Mosse – Bild aus der 1909 erschienenen Veröffentlichung

Die durch Rudolf Mosse 1872 begründete Buchdruckerei gehörte zu den größten und leistungsfähigsten ihrer Art. – 1892 wurde für die Angestellten der Annoncen-Expedition eine Unterstützungskasse mit 100.000 Mark Kapital errichtet und 1897 wurden zwei gleiche Kassen für das Redaktions- u. Buchdruckereipersonal mit je 100.000 Mark gestiftet. – Rudolf Mosse errichtete, wie bereits erwähnt, in seiner Vaterstadt Grätz, deren Ehrenbürger er geworden war, ein Krankenhaus, ferner eine Erziehungsanstalt zu Wilmersdorf b. Berlin (Grundkapital ca. 3 Mill. Mark) und spendete 75.000 Mark zu einem Kinderkrankenhause in Berlin. – Rudolf Mosse, früher ein Jahrzehnt Repräsentant der jüdischen Gemeinde in Berlin, wurde dann Vorsteher der Reform-Gemeinde.

(Brockhaus, Konversations-Lexikon u. Kohut, Berühmte israel. Männer u Frauen S. 389 ff.)

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