Blenke / Blinek – Erinnerungen

Blick vom ehem. evgl. Friedhof zum Dorf – PM

Blenke, das heutige Blinek, damals und heute ein Dorf über das niemand Besonderes berichtet. Es ist 11 km nördlich von Rakoniewice/Rackwitz und 8 km westlich von Grodzisk/Grätz auf einer Waldlichtung gelegen.

Aus Randbemerkungen anderer Beschreibungen war zu entnehmen, dass die Ansiedlung Blenke von Hauländern vermutlich um das Jahr 1720 stattgefunden hat.

In der „Posener Stimme“ No. 7 aus dem Jahr 1957 erschien die von Gerhard Wilhelm verfasste Erzählung  „Das Brot unserer Erde“. Es handelt sich um eine Geschichte in der die Erinnerungen des Urgroßvaters des Autoren (vermutlich aus der Zeit von 1860-1900) und dessen Nachfahren dann bis 1945 erzählt wurden.

Diese Nacherzählung basiert auf diesen Artikel. Sollte einer unserer Leser weiteres zu diesem Dorf beisteuern oder das ein oder andere Ereignis näher datieren können, so würden wir uns über Zuschriften unter einer unserer E-Mail Adressen freuen.

* * *

Sicht ins Dorf vom heutigem kath. Friedhof – PM

Wie schon eingangs geschrieben hatte die Ansiedlung der ersten Einwohner vermutlich um 1720 stattgefunden. Zu Beginn sollen 6 Höfe das Dorf gebildet haben. Der Grund und Boden wurde, so die Erzählung, vom Besitz des Gutes Friedenfeld abgeteilt. Durch Teilung dieser ersten Höfe bei der Vererbung an die Nachkommen vergrößerte sich die Ansiedlung nach und nach. Der Ort selbst war von überwiegend Nadelwald umgeben, nur vereinzelt fanden sich auch Birken und Eichen.

Im Süden des Ortes reichte der Wald in den Erinnerungen noch nah an die Anwesen heran. Die Wege und auch die Entwässerungsgräben waren rechts und links mit Erlen und Pappeln begrenzt. Die Bewohner lebten von der Landwirtschaft.

Durch den Ort führte eine schmale Dorfstraße, welche vermutlich nach unserem heutigen Verständnis eher als ein etwas breiterer Sandweg gelten würde.

Viele der Siedler der Hauländereien führten die gleichen Familiennamen – Tepper, Hoffmann, Rau, Gellert oder Kernchen – um nur einige Bespiele zu nennen waren zahlreich vertreten. Ebenfalls war es eine Eigenheit jener frühen Zeit immer die gleichen Vornamen zu verwenden. Johann, als erster Name der Jungen, gefolgt von Gottlieb, Gottfried, Gustav, Carl, Wilhelm und Martin oder August bei den Jungen oder Johanna als erster Vorname der Mädchen gefolgt von Dorothea, Beata, Rosina, Maria, Juliana, Augusta oder Wilhelmina, jeweils nur in leicht veränderter Reihenfolge, die Kinder erhielten meist 4 Vornamen bei ihrer Taufe, sind von Generation zu Generation zu finden.

Um nun aber eine Unterscheidung zu demjenigen zu haben, über den man z. B. eine Unterhaltung führte wurde den Namen ein Zusatz angefügt. Bei einer Erzählung zu einer Familie Hildebrandt aus der Colonie Juliana war uns schon einmal aufgefallen, dass man diese als die des Huben-Hildebrandt bezeichnete. Eben jenem Begriff „Hube“ begegnen wir auch wieder in den hier nacherzählten  Erinnerungen – der Urgroßvater sprach von der Ernte der „Hinterhube“. Die Bezeihnung Hube soll sich ableiten von der Hufe dem früheren Flächenmaß für die Größe der Länderei und dem wichtigsten Besitz des Siedlers. Es wurde in Blenke und Umgebung also eine Art Niederdeutsch gesprochen, welches sich auch in der Begrüßung von Besuchern wiederspiegelt: „Schien Willkumm!“ soll es früher geheißen haben, wenn jemand als Gast eingetroffen war.

… viel Zeit ist vergangen – PM

Eine der Erinnerungen war die an einen Brandstifter im Ort. Seinen Anschlägen waren die Scheunen von Kühn und dem Gastwirt Jaeschke zum Opfer gefallen. Bei Wilhelm selbst waren neben der Scheune auch noch die Stallungen niedergebrannt. Bei Schulz waren das Haus und der Stall zerstört worden; und es waren Menschen zu Schaden gekommen; der Vater hatte versucht sein Kind zu retten, bei diesem Versuch waren jedoch beide in den Flammen umgekommen. Der Brandstifter soll zwar gefasst worden, aber ihm soll auf dem Weg ins Gefängnis die Flucht, dieses lt. Erzählung letztlich nach Amerika, gelungen sein.

In der Nähe des Wilhelm Anwesen hatte sich die Dorfschmiede befunden.

Ein alter Bohlenstall, der auf dem Heinrich Hof (letzter Besitzer Alfred Heinrich) als Holzschuppen genutzt worden war, galt als Gebäude aus fviel früherer Zeit und es hieß von ihm, dass er dem Gut Friedenfeld als Schafstall gedient hatte.

Kapelle auf dem heutigem kathl. Friedhof, im Vordergrund der Rest eines der oft erwähnten Baumriesen – PM

Im Dorfkrug, als Nebenerwerb von einem Bauern betrieben, in der Mitte des Dorfes gelegen, hatte es zu Fastnacht und Kirmes, also 2-mal im Jahr eine Tanzveranstaltung gegeben. In jener Zeit war der Einfluss der Kirche noch so groß, dass jede weitere über diese 2 Veranstaltungen hinaus, als Sünde verdammt worden war.

Blenke verfügte über einen eigenen evangelischen Friedhof. Unterhalb von diesem, verlief ein Waldweg nach Jablone. Dieser Weg wurde für die Kirchgänge der Dorfbewohnern genutzt; da das Dorf Blenke nach Jablone eingepfarrt gewesen war.

Es wird auch von einem weiteren Johann Gottlieb Wilhelm (v. geb. 15 Jun 1832 zu Blenke), der nicht in direkter Verwandtschaft zu dem Urgroßvater des Erzählers gehörte, berichtet. Dieser war in Blenke Abbau, also außerhalb der Ortschaft, ansässig gewesen. Bei einem Besuch einer Hochzeit in Schwarzhauland, war dieser durch ein scheuendes Pferd erschlagen worden.

Eine weitere Erinnerung, die sich in der Erzählung findet, war die an den Lehmann Hof. Für diesen fanden sich keine Nachkommen der Familie, die die Landwirtschaft übernehmen wollten. Es war eine große Sorge der Dorfbewohner gewesen, dass der Hof an einen „Auswärtigen“ verkauft werden würde. Mit dieser Aussage findet sich bestätigt, dass „Fremde“ keine bzw. kaum Chancen hatten in die Gemeinschaften der Hauländer aufgenommen, toleriert und akzeptiert zu werden. Dieses „Unheil“ einen Fremden aufnehmen zu müssen, erübrigte sich dann aber damit, dass letztlich ein in Berlin geborener Enkel, Erich Lehmann, den Hof übernahm.

Grabplatte des Lehrers Gustav Rösler auf dem ehem. evgl. Friedhof – PM

Im Ort hatte es den Hof des Reich gegeben. Dieser war auch der Pächter der Gemeindejagd gewesen.

Es wird noch von den Kindern erzählt, die sonntags festlich gekleidet gewesen waren. 1933 war die Schule seitens der Behörden geschlossen worden, da die Kinderzahl zu gering gewesen sein soll; die Kinder mussten dann in die Schule nach Jablone. Zu Fuß war der Weg im Winter sehr beschwerlich und für die kleineren nicht zu bewältigen gewesen. Die Dorfbewohner hatten aufgrund dieser Schwierigkeiten eine „Schulfuhre“ organisiert, die im Wechsel geleistet worden war, um den Kindern den Schulbesuch dennoch zu ermöglichen. – Ein Kinderstreich besonderer Art war es gewesen den Nachtwächter des Dorfes, er war dafür bekannt gewesen die meisten Nächte tief und fest zu verschlafen, einmal im Schlaf, unbemerkt von ihm, an einer Bank auf der er ruhte, festzubinden. Er hatte um Hilfe rufen müssen als er wach geworden war, weil er sich nicht hat selbst befreien können.

Lehrer des Ortes waren Gustav Rösler, mit 30 Amtsjahren (sh. Grabplatte), Weckert, Jakob, Röhr, Kunert und Bothe gewesen. Einmal soll der Enkel von dem Rösler aushilfsweise in Blenke unterrichtet haben.

Von Johann Gottlieb Wilhelm – geb. 11.10.1833, gest. 25.09.1902, dem Urgroßvater des Autoren, der 55 Jahre nach dessen Tod die Erinnerungen aufschrieb, ist aus dem Artikel zu erfahren, dass er 12 Jahre der Gemeindevorsteher in Blenke gewesen war. Er war mit Pauline Auguste geborene Klopsch geb. 11.05.1838 aus Tarnowo verheiratet gewesen, welche am 16.03.1919 verstarb. Als seine Vorfahren, die auch in Blenke ansässig gewesen sein sollen, gelten Johann Traugott Wilhelm, geboren ca. 1798, verstorben 03 Okt 1846 und verheiratet mit Eheschliessung per 25. Nov 1827 mit Anna Eleonora geborene Müller und dessen Vater George Friedrich Wilhelm geb. ca. 1759, verstorben 21.03.1834 und verehelicht gewesen mit Anna Elisabeth geborene Jaekel . Von der Familie des Johann Gottlieb Wilhelm erfahren wir noch, dass ein Sohn durch ein Zerwürfnis in die „Fremde“ gegangen war und erst sehr viel später, er war in Hamburg ansässig gewesen, nochmals Blinek besucht hatte. Ein anderer Sohn hatte nach dem Nachbarkirchspiel Rotenburg geheiratet. Zwei weitere Söhne waren vermutlich als Erben des Hofes im Ort ansässig gewesen.