Kaufhausgründer Julius Bormass, geb. ca. 1837 zu Neustadt bei Pinne

Anzeige 1889 Adressbuch Mühlhausen/Thüringen

Eine einmalige Erwähnung im Jahr 1908, fand sich für den Kaufmann Ascher Bormass und seiner Ehefrau Rahel, ihr Familienname konnte zum Zeitpunkt der Eintragung nicht angegeben werden. Gebürtig war diese Familie aus Neustadt bei Pinne.

In welchem Verwandtschaftsverhältnis Ascher und Rahel Bormass zu anderen Familien dieses Namens gestanden haben, war anhand der von uns eingesehenen Unterlagen nicht einwandfrei feststellbar, auch wenn es anzunehmen ist.

Eben in diesem Jahr 1908 verstarb am 29. Oktober zu Wiesbaden der Kaufhausgründer Julius Bormass.

Sein Sohn Moritz ließ im Toteneintrag protokollieren, dass sein Vater zu Neustadt bei Pinne in Posen, als Sohn des Kaufmanns Ascher Bormass und dessen Ehefrau Rahel geboren worden war. Das Alter des Verstorbenen benannte er mit 71 Jahren, ebenso, dass sein Vater mit Johanna geborene Refi/Revi verheiratet gewesen sei. Ob letztere eine Tochter des Simon Refi/Revi und dessen Ehefrau Golde geborene Samuel zu Neustadt bei Pinne gewesen ist, konnte aufgrund fehlender Unterlagen nicht belegt werden.

Ihre Nachkommen, Moritz geboren 1865, Eduard geboren ca. 1868 und Friederike Frieda geboren 1874, kamen in Kriescht zur Welt.

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Zeitlich und basierend auf ein später erschienenes Zeitungsinserat könnte nachstehende Mitteilung vom 19.01.1864 in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums von Belang sein:

Die hiesige Cantor-, Schächter- und Religionslehrer-Stelle soll am 1. Mai d. J. wieder besetzt werden; dieselbe hat ein festes Gehalt von 150 Thlr., circa 200 Thlr. Nebeneinkünfte. Qualificirte Bewerber, die mit guten Attesten versehen sind, wollen sich zur Probe melden. Reisekosten werden nicht vergütigt.

Kriescht, den 7. Jan 1864 – Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Adolph Abrahamsohn.“

Das schon oben erwähnte spätere Inserat, wieder erschienen in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, dieses Mal im Jahr 1875, lautete:

„Ich suche vom 1. October d. J. ab auf 3 Monate einen Hülfsschächter, welcher mir wöchentlich beim Gänse-Schlachten auswärtig 2 bis 3 Tage Hülfe leistet. Derselbe bekommt monatlich bei gänzlich freier Station und Wohnung 12 bis 14 Thaler.

Reflectanten belieben sich baldigst zu melden beim Cantor und Schächter Julius Bormass in Kriescht.“

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Die Familie Bormass siedelte dann von Kriescht nach Mühlhausen in Thüringen um, wo die Firma „Julius Bormass“ ihren Anfang nahm. Unter diesem Firmennamen wurde mit der Gründung von Niederlassungen begonnen.

Schon im Jahr 1890 ist im Adressbuch der Stadt Eisenach zu finden, dass in der Bahnhofstraße 1 die Firma Julius Bormass ansässig gewesen war. Gleichzeitig wohnte in der Bahnhofstraße 3 Moritz Bormass, welcher sein Geschäftslocal in der Bahnhofstraße 1 unterhielt.

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Mit Beginn des darauffolgenden Jahres wurde eine weitere Ausweitung des Unternehmens vorgenommen –

am 21. May des Jahres 1891 wurde im Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger durch das Königliche Amtsgericht VIII. veröffentlicht, dass in das Firmenregister von Wiesbaden unter der Nr. 1015 die Firma Julius Bormass mit dem Sitz zu Mühlhausen i. Th. und Zweigniederlassungen in Eisenach und Wiesbaden und der Kaufmann Julius Bormass zu Mühlhausen i. Th. als ihr Inhaber eingetragen worden sei.

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Mit dem Jahr 1892 änderte sich die Adressbuch-Eintragung in Eisenach für die Bahnhofstraße 1 in Bormass, Nachfolger, Weiß- und Kurzwaaren- etc. Handlung, Geschäftslocal Bahnhofstraße 35.

Während im Adressbuch der Residenzstadt Wiesbaden, erschienen für den Zeitraum 1891/1892, nachstehender Eintrag zu finden ist: „Bormass Jul., Kfm., Kurz- u. Weissw.- Hdlg, Kirchg. 30 p; Wohnung: Michelsberg 10 2.“ Als Vertreter des Unternehmens in Wiesbaden galt Moritz Bormass.

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Aus dem Eheeintrag von Friederike Frieda Bormass im Januar 1899 mit Jonathan Nathan Pfeiffer, einem Kaufmann und Gutsbesitzer zu Landau in der Pfalz, ist zu entnehmen, dass sie und ihre Eltern zu diesem Zeitpunkt noch in Mühlhausen in Thüringen, Stätte No. 10 ansässig gewesen waren.

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Der Neubau des Warenhauses Bormass in Wiesbaden – Eröffnet nach 6 Monaten Bauzeit am 01. Oktober 1904 / Bild-Quelle: Wikipedia.de

Moritz Bormass schloss 1894 zu Heidingsfeld die Ehe mit Sophie Ballin. Sie soll gebürtig aus Würzburg gewesen.

Eben in diesem Jahr erfolgte die Bekanntmachung des Königlichen Amtsgericht VII: „Das seither unter der Firma Julius Bormass zu Wiesbaden als Zweigniederlassung der Firma Julius Bormass zu Mühlhausen i. Th. betriebene Handelsgeschäft  … infolge Vertrags am 12. März 1894 an den Kaufmann Moritz Bormass zu Wiesbaden übergegangen und … von diesem als Hauptniederlassung unter der bisherigen Firma in Wiesbaden fortbetrieben wird.“

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Weiterhin findet sich im Adressbuch von Mühlhausen in Thüringen im Jahr 1901 die Eintragung, dass das Unternehmen „Bormass, Julius, Stätte 10 – Firma: Julius Bormass, Waarenhaus, Putz-, Posamenten-, Weiß- u. Modewaarenhandlung, Steinweg – Stätte – Ecke.“ noch fortgeführt wurde.

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Der Neubau des Warenhause Bormass in Hannover – Aufnahme ca. 1905 / Bild-Quelle: Wikipedia.de

Eduard Bormass, der 3 Jahre jüngere Bruder von Moritz hat nach einer Veröffentlichung des Königlichen Amtsgericht IV in Hannover am 10. Mär 1897 die Zweigniederlassung S. Wronker & Co. zu einem selbstständigen Geschäft erhoben. Gleichzeitig führte er das Unternehmen als S. Wronker & Co. Nachf. fort und galt als dessen Inhaber.

1899 ist dieses Unternehmen dann erloschen und es erfolgte die Anschluss-Eintragung nunmehr als Firma Eduard Bormass mit Niederlassungsort Hannover, und als deren Inhaber der Kaufmann Eduard Bormass zu Hannover.

Wann Eduard Bormass die Ehe mit der aus Erfurt gebürtigen Johanna Hess, geboren ca. 1882, schloss, ist nicht bekannt.

Das Unternehmen findet sich 1920 im Hannoverischen Adressbuch: Eduard Bormass – Warenhaus, Kurz-, Weiß- u. Wollwar., Putz-, Manufakt. – u. Modew., Schuhw., Galant., Haushaltungsartikel, Lebensmittel, Große Packhofstr. 31-33 und Heiligerstr. 8. Inh. Kfm . Ed. Bormass, priv. Hindenburgstraße 43

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Julius Bormass und seine Ehefrau Johanna Hanna geborene Refi/Revi – geboren zu Neustadt bei Pinne verstarben 1908 bzw. 1910 zu Wiesbaden.

Moritz Bormass und seine Ehefrau Sophie geborene Ballin wurden im September 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und verstarben dort nur wenige Tage nach ihrer Ankunft, sie waren 77 bzw. 72 Jahre alt

Eduard Bormass verstarb 1935 zu Berlin, seine Ehefrau Johanna Henny Hess ehelichte im September 1938 Gerard Richard Lysley; noch im selben Jahr emigrierten sie in die USA und entkamen so dem Naziregime.

Friederike Frieda Pfeifer geborene Bormass verstarb 1928 zu Frankfurt am Main, über ihren Ehemann Jonathan Nathan Pfeifer sind uns keine weiteren Daten bekannt.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen: Staatsarchiv Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Ancestry. com; Zeitungsbericht/-inserate in Deutsche digitale Bibliothek; MDZ München; Bild/-er: Wikipedia.de – unverändert/unbearbeitet; Adressbücher digitale Landesbibliothek Berlin (digital.zlb.de); Adressbücher der thulb Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena, Adressbücher der GWLB Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek; Adressbücher Wiesbaden hsrm Hochschul- u. Landesbibliothek Rhein Main