Das Geständnis des Gottlob Reimann – 1817

Postkartenausschnitt der "alten" ehemaligen evgl. Kirche zu Grätz

Postkartenausschnitt der “alten” ehemaligen evgl. Kirche zu Grätz

Das Jahr 1817 – Kleinbauern und Ackerleute waren dabei sich aus der Gutsuntertänigkeit freizukaufen - die bis dahin nur als Hauptnahrungsmittel der armen Bevölkerung genutzte Kartoffel erlebte einen Anbauboom, da fortan nun auch aus ihr Schnaps gebrannt wurde - am 03. August des Jahres wurde der evangelische Pfarrer Johann Theodor Gottfried Sukkert in Grätz in sein Amt eingeführt - am 27. September dieses Jahres verordnete König Friedrich Wilhelm der III. die Vereinigung der reformierten und lutherischen Gemeinden zu einer “unierten” Kirche in Preußen.

Und in eben jenem Jahr zeigte am 19. September der Eigentümer Johann Gottlob Reimann aus dem Lenker Hauland bei  dem Pastor Sukkert die Geburt seiner Tochter vom 15. September 1817 an. Abends um 10 Uhr, so die Eintragung, sei seine Frau, die Eva Rosina geborene Brock von einem Kinde entbunden worden. Die Taufe erhielt das kleine Mädchen auf die Namen Johanna Juliana Louise am 21. September. Die Taufzeugen waren  Gottlieb Schlecht, Gottfried Grossmann, beide Eigenthümer und Frau Anna Elisabeth Seiffert.

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Soweit hätte das Leben weiter seinen Gang nehmen können, wenn da nicht diese “Lüge” seitens des Gottlob Reimann gegenüber dem Pastor und somit gegenüber der Kirche im Raum gestanden hätte. Gottlob Reimann war sich vermutlich bewusst, dass spätestens bei der Geburt seines nächsten Kinders die Wahrheit bekannt werden würde, wenn nicht ein anderer Dorfbewohner dem Pastor diese schon früher erzählen oder diese durch ein sonstiges Ereignis ans Tageslicht kommen würde.

Leicht ist ihm der Gang zur Kirche sicherlich nicht gefallen, der dann nachstehenden Eintrag durch Pastor Sukkert im Kirchenbuch nach sich zog:

” Am 26. November 1817 erschien hier selbst J. Gottlob Reimann und gestand, daß er mich hintergangen habe in dem er die Eva Rosina geborene Brock als seine Ehefrau angegeben habe, welche unehelich mit ihm lebte.”

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Bei  Durchsicht der Kirchenbuchaufzeichnungen fand sich, dass Johann Gottlob August Reimann, er ist späteren Aufzeichnungen auch als Johann Gottlieb Reimann zu finden, im Alter von 21 Jahren im April des Jahres 1809 die Ehe mit der erst 15 jährigen Johanna Maria Elisabeth geborene Pochstein geschlossen hatte; Kinder in dieser Ehe aber scheinbar keine geboren worden waren.  Diese Ehe war bis zum Jahr 1817 nicht geschieden.

Es kann nur vermutet werden, dass Pastor Sukkert die treibende Kraft war, welche dazu beigetragen hatte, dass die Lebensverhältnisse der Betroffenen nach diesem Geständnis und nach den “seinerzeit geltenden Maßstäben geordnet” wurden. “Wilde Ehen” in seinem Kirchspiel galten als unakzeptabel.

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Am 11. Oktober des Jahres 1820 traute Pastor Sukkert den geschiedenen Johann Gottlob Reimann, Eigenthümer in Lenke mit seiner vieljährigen Wirthin Eva Rosina geborene Brock, Tochter des Eigenthümers in Kuszlin Martin Brock. Der Bräutigam, 1787 geboren, war 33 Jahre alt, die Braut, 1794 geboren, 24 Jahre.

Zum Zeitpunkt der Eheschliessung hatte das Paar bereits drei Kinder – Johann Gottfried geboren 1815, Johanna Juliana Louise geboren 1817 und die Johanna Caroline geboren im Februar des Jahres 1820 – alle führten später den Familiennamen Reimann.

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Pastor Sukkert war es aber auch, der die Maria Elisabeth geborene Pochstein geschiedene Reimann im Alter von 26 Jahren (*1794) nur wenige Tage später am 8. November 1820 mit dem 24 jährigen (*1796) Gottfried Schlecht, Eigenthümer in Jastremnik vermählte.  Ihr im Jahr 1818 geborener gemeinsamer Sohn Johann Daniel führte später den Familiennamen Schlecht.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)