Der letzte Stadtmusikus von Birnbaum – 1847

Toteneintrag des Stadtmusicus Seydler aus dem Jahr 1794

Toteneintrag des Stadtmusicus Seydler aus dem Jahr 1794

Am 15. Juni 1796 erschien beim damaligen Bürgermeister in Birnbaum ein Mann Namens Johann Gottlieb Hoene und bat um Verleihung des vakanten Stadtmusikuspostens. Letzteren hatte ein gewisser Seidler innegehabt, bei dessen Wittwe Hoene “in Condition” stand.

In dem betreffenden Protokolle heißt es: er (Hoene) sei nemlich willens, die hiesige Stadtmusikuswittwe Seidlern zu ehelichen, und wolle demnach gehorsamlich bitten, ihn zu dem hiesigen Stadtmusikusposten bei der Behörde in Vorschlag zu bringen, damit er denselben erhielte. Er habe bereits seit 6 Jahren diesen Posten versehen und seit dem Tode seines vorigen Principals, des p. Seidler, nun bereits zwei Jahre selbem vorgestanden, weshalb er um so weniger Zweifel trage, daß ihm diese Stelle conserirt werden würde. Diesem Antrage entsprechend richtete der Magistrat an demselben Tage folgendes Gesuch an

“Ein wohllöbliches steuerräthliches Officium zu Meseritz. Wenn ehedem die Stadtmusikusstelle hierselbst vacant wurde, so wählte der Majestrat hiezu ein neues taugliches Subject, gab diesem eine Vocation oder Bestallung, und der Grundherr confirmirte diese.

Vor ohngefähr 2 Jahren nun starb der hiesige Stadtmusikus Seidler, und die zurückgebliebene Wittwe hatt bis jetzt diesem Posten durch ihre Leute vorgestanden, ist aber willens, einen ihrer Gesellen, Namens Hoene, welcher bereits 6 Jahre in diesem Hause gewesen, zu heirathen, und dieser hatt sich beim Majestrate zu Erlang der hiesigen Stadtmusikusstelle mit Einwilligung des Grundherrn gemeldet.

Wie diese nun mit Vergebung dieser Stelle gehalten werden solle, ob hiezu die Einwilligung und Bestätigung der Königl. p. Kammer erforderlich ist oder nicht, darum haben wir Ew. Wohlgeboren ganz gehorsamst anfragen und um Verhaltungsmaß bitten, auch zugleich antragen wollen, in dem Falle die Einwilligung höchstgedachter Behörde erforderlich sey, zu Gunsten des p. Hoene das weitere Nöthige geneigtest zu verfügen in Rücksicht dessen, daß die Wittwe Seidler mit 6 unmündigen und unerzogenen Kindern auf diese Arth wiederum einen Versorger erhält, ohne welche sie mit ihrer starken Familie ohnmöglich leben kann. Wir erwarten Ew. Wohlgeboren gütige Verwenden” u.s.w.

Blick über das alte Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Blick über das alte Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Hierauf erfolgt der Bescheid, “daß zuförderst die Genehmigung des Grundherrn wegen Ansezzung des Kunst-Pfeiffer-Gesellen Hoene als Stadtmusicus beschaffet und bei deren Einsendung zugleich angezeigt werden muß, wieviel bei dieser Stelle am fixirten Gehalt und Emolumenten verknüpft ist, aldann zur Genehmigung des Hoene, der jedoch seinen Lehr- und Geburtsbrief auch noch produciren muß, von mir an die p. Kammer berichtet werden soll.”

Die verlangten Schriftstücke und Angaben werden eingesandt, und am 31. August 1796 erfolgte die Bestätigung des Hoene als Stadtmusikus. Gleichzeitig erhält der Magistrat den Auftrag, diesem “auf Grund des Königlichen Cammer-Rescripts die Vocation zu ertheilen.”

Der Wortlaut der Vocation ist folgender: “Als haben wir Burgermeister und Rath der Königl. Mediatstadt Birnbaum hierdurch und in Kraft dieses vorgenannten Herrn Johann Gottlieb Hoene in der Qualität eines musici instrumentalis ordinarii vociren wollen, dergestalt, daß derselbe nach möglichstem Fleiß in solchem seinem Dienste mit seinen Leuten an Sonn- und Festtagen in unserer Kirche sowohl bei Amts- als auch anderen Predigten den chorum musicum wohl versehe und völlig bestelle, und zwar soll derselbe der Regel nach sein Chor mit ganz tüchtigen Geselle und einem Jungen besezzen, obgleich es auch nichts versiret, wenn bey einem, im letzten Jahre befindlichen Lehrburschen, der sich in seinem Metier gut appliciret hat, nur ein Geselle gehalten wirdt.

Im gleichen ist derselbe zufolge der alten Vocation verbunden, wenn er auf dem Hof (D. i. dem Schlosse des Grundherrn) verlanget wirdt, daselbst aufzuwarten, wie auch von Ostern bis Michaeli die Woche zwey oder dreymal bei dem derzeitigen Dirigenten des Majestrats, oder wo derselbe es für gut finden wirdt, sowie des Sonntags Vor- und Nachmittag vom Rathausthurme abzublasen. Zu seinen ferneren Dienstpflichten gehöret, daß wenn derselbe von dem Herrn Cantor hierselbst zur Probe verlanget wirdt, er verbunden ist, mit seinen Leuten sich einzufinden, dahero denn derselbe auch gehalten, in Fällen, wo er auf dem Lande berufen wirdt, seine Entfernung sowohl dem Majestrate als auch dem Kirchencollegio anzuzeigen.

Und so wie der p. Hoene mit seinen Leuthen auf allen Hochzeiten, Zechen, Zünften und Lustbarkeiten, sie haben Nahmen wie sie wollen, das Aufwarten hatt und sich gebrauchen lassen, auch sich mit den in der alten vom 14. Januar 1778 datirten Matricul bestimmten Emolumenten und Belohnungen begnügen muß, so soll derselbe dagegen auch wieder alle Fuscherey in der Music aufs Kräftigste geschütztet und gehandhabet werden.

Für diese seine zu leistenden Dienste wirdt demselben sowohl aus der Kirchen- als Stadtcasse das in der vorerwähnten Matricul bestimmte Gehalte und zwar quartaliter gegen dessen Quittung gezahlet werden, jedoch wirdt noch bemerkt, daß wegen des letzteren täglich die Genehmigung des Königlichen südpreußischen General-Finanz-Departements bei Approbirung des hiesigen Cämmerey-Etats entgegengesehen wirdt, die auch umsomehr erfolgen kann, als abseiten des Majestrats im Etat selbst die Ausgaben nachgewiesen und die Kgl. p. Kammer solche bereits vorläufig genehmigt hatt.

Schließlich wirdt noch bestimmt, daß falls dem p. Hoene eine Veränderung vorkommen sollte, er alsdann gehalten, solches bey Zeiten gehörig anzuzeigen.

Urkundlich ist diese Vocation und resp. Bestallung unter dem Vordruck des Stadt-Insiegels und der Unterschrift des Majestrats ausgefertigt worden. So geschehen Birnbaum, den 28. November 1797. Burgermeister und Rath. Franck.

Copia der Matricul für den hiesigen Kirchen-, Hoff- und Stadtmusicum.

Was derselbe aus der Kirchen- und Stadtkasse, gleich seinen Vorfahren, an fixen Gehalt, sowohl als an Accidentien zu erhalten hatt, und zwar:

  1. An baarem Gehalte
  2. 60 Fl. p. jährlich an gewöhnlicher Miethe vor die freye Wohnung aus eben dieser Stadtcasse.
  3. 90 Fl. p. jährlich, mithin 22 Fl. p. 15 Gr. p. quartaliter nach Ablauf eines jeden Vierteljahres aus der Stadtcasse, auch
  4. 337 Fl. p 15 1/3 Gr. p. jährlich, und also 84 Fl. p. 11 1/3 Gr. p. quartaliter, anticipando aus der Kirchen- und
  5. An Accidentien
  6. Vor die Music bei einer bürgerlichen Trauung 1 Rthlr. 8 Ggr.
  7. Vor die Music vor der Thüre und in der Kirche bei solennen bürgerlichen Begräbnissen 2 Rthlr.
  8. Vor die Music in der Kirche allein bei ordinairen Begräbnissen 1 Rthlr. 8 Ggr.
  9. Vor ein Begräbniß, wo nur zu denen Liedern geblasen wirt, 1 Rthlr.
  10. Vor ein Lied, welches Sontags bestellet, und zu welchem geblasen werden soll, 16 Ggr.
  11. Wegen der Music bei Hochzeiten vor der Thüre, entweder mit Pauken und Trompeten oder mit andern blasenden Instrumenten, muß sich der Bräutigam mit Musico besonders vergleichen; dahingegen ist
  12. Vor die Tafelmusic 1 Rthlr. 8 Ggr.
  13. Vor den Brauttanz 16 Ggr.
  14. Vor das Brautständchen 16 Ggr. zu bezahlen
  15. Vor einen Vorreigen aus Pauken und Trompeten 6 Ggr.
  16. Vor einen dto. mit blasenden Instrumenten 4 Ggr.
  17. Vor einen dto. ohne blasenden Instrumenten 2 Ggr.
Blick vom Markt in die ehem. Schweriner Straße in Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Blick vom Markt in die ehem. Schweriner Straße in Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Außerdem bekommt derselbe nicht nur jährlich vor die Stiftungspredigt nach dem Laetare-Sontage aus der Stadtcasse 19 Ggr., sondern hatt auch die Erlaubniß, den von Alters her gewöhnlichen Neujahres-Umgang in der Stadt und auf dem Lande bey denen Herrschaften sowohl, als bey denen zu dem hiesigen Kirchspiel gehörigen Gemeinen, vom 6. Januario oder heiligen Dreykönigstage an alljährlich halten zu dürfen. Und endlich habe ich demselben, um ihn in allen Stücken zu entschädigen, und auf sein bittliches Ansuchen, aus besonderen Gnaden acodiret, daß künftighin, von dato an gerechnet, keine bürgerlichen Hochzeiten auf einen und denselben Tag, sondern ein oder zwey Tage auseinander gehalten werden sollen, damit er nicht nur an seinem Verdienste keine Einbuße leiden darf, sondern auch die Hochzeiten mit guter Music versehen werden können.

Zu mehrerer Urkund ist diese Matricul, unter meiner eigenhändigen Nahmens Unterschrift und Vordruckung meines adelichen Insiegels, ausgefertiget und ihm zu seiner Legitimation ertheilet worden. So gegeben Schloß Birnbaum, am 14. Januarij 1778 B. v. Unruh mpp.”

Die Verheirathung der Wittwe Seidler und des Stadtmusikus Hoene ist jedoch “aus Familienursachen zurückgegangen. So haben beide (und zwar am 6. Juli 1797, also ein Jahr nach der Concessionsbewilligung) nachfolgenden Vergleich des Postens halber unter sich festgesetzet und bitten solches deshalb zu Protokoll zu nehmen (nämlich vor dem Magistrate, damit ein Jeder für die Folge wisse, woran er sey.

Es soll nemlich von diesen Johanni des jetzt laufenden Jahres an gerechnet die Wittwe Seidlerin die gesamten Revenuen des Stadt-Musicuspostens, wie sie solche bisher gehabt, vier Jahre lang nutzen und für sich einnehmen, die Haltung und Verpflegung der Person des Hoene sowie der zu haltenden Gesellen und Burschen nimt diese dagegen eben so in der Arth auf sich, wie sie solche bis jetzt besorget.

Was aber das Dirigiren der Musicmachung und Loßlaßung derer Leute und dem zugehörig betrift, bleibt lediglich und allein der Disposition des Hoene überlassen, weil dieser dafür verantwortlich bleibt.

Nach Verlauf der oben festgesetzten 4 Jahre aber gehet dieser Posten mit allen seinen Einkünften, Nutzungen und Lasten an dem Hoene über und begibt sich die p. Seidlerin ausdrücklich aller alsdann fernerweit daran zu machenden Ansprüche.”

Von dieser Abmachung nimmt der Magistrat Kenntniß, und der musicus instrumentalis ordinarius Hoene wartet unbehelligt 28 Jahre lang seines schwierigen Amtes. Dann aber thun sich Konkurrenten auf, die den Verdienst des Stadtmusikus schmälern. Er wendet sich daher am 13. August 1825 an den Magistrat mit der Bitte, “um wohlwollenden Schutz wegen Eingriffe der Pfuscherei in der Music.” Dieser Schutz sei ihm vokationsmäßig zugesichert, “welches auch in früheren Zeiten unverbrüchlich in Erfüllung gegangen, und selbst das ehemalige hiesige Dominium die lebhaftesten Beweise dadurch gegeben, indem dasselbe in frühern Zeiten denen Land-Musicanten, wenn dieselbe ohne Erlaubniß des Stadtmusici außer den herrschaftlichen Krügen oder Gasthöfen an andern Privatörtern Music gemacht, die Instrumente hat wegnehmen lassen und nicht eher wieder herausgegeben, bis die gehörige Geldstrafe von 5 bis 10 Rthlr. erlegt war, welches ich noch schriftlich zu beweisen im Stande bin.

Daß ich die mir obliegenden Pflichten meines übertragenen und anvertrauten Amtes als Stadtmusicus bis jetzt getreulich erfüllt habe, unterliegt keinem Zweifel, indem ein wohllöbl. Magistrat sich stets hinlänglich überzeugt hat, daß ich mein Music-Chor, mehr als mir gebührt, im guten Stande halte und den städtischen Dienst, nehmlich das gewöhnliche Abblasen sowohl als den sonntäglichen Kirchendienst, pünktlich besorge.

Die ehem. evgl. Kirche Birnbaum (geschätzt um 1910) / Bild Sammlung Kraft

Die ehem. evgl. Kirche Birnbaum (geschätzt um 1910) / Bild Sammlung Kraft

Trotz allen diesen erlauben und bemächtigen sich aber seit einigen Jahren die Landmusicanten hier in bürgerlichen Privat-Häusern sehr öffters, nach ihrer Willkühr nicht bloß Blasemusic, sondern auch Tanz-Music zu machen, ohne mich erst hierüber anzufragen, und entziehen mir dadurch mein Brodt, worauf ich blos einzig und allein hier angewiesen worden bin, wagen auch sogar ohne Furcht und Scheu hier in der Stadt des Sonntags, je nachdem es ihnen einfällt, auf den Herbergen der Gesellen Music zu machen. Dies, glaube ich, ist nicht allein gegen der guten Ordnung, sondern es giebt zu häufig Gelegenheit, die gute Sitte und moralische Lebensart in höchsten Grade zu verletzen. Zu diesen allgewöhnlichen Belustigungen sind blos die herrschaftlichen Krüge und Gasthöfe bestimmt, in andern Privathäusern kann die Music von den Landmusicanten nur alsdann erst stattfinden, wenn ich diese außer Stande zu beschaffen bin, und wenn ich einen Erlaubnißschein hiezu gegen eine verhältnismäßige Vergütigung ertheile, welcher aber den Magistrat zuvor vorgezeigt werden muß.

Einen wohllöbl. Magistrat ersuche ich demnach ergebenst um wohlwollenden Schutz, indem ferner die Gewerbefreiheit in der hiesigen Provinz mir diese Zusicherung gewährt und nicht entgegensteht, weil in dem Einführungs-Publicando vom 30. Dezember 1815 ausdrücklich feststeht: daß durch die Einführung der Gewerbesteuer an den Gewerbs-Berechtigten und wohlhergebrachter Befugnisse anderer Privatpersonen nichts geändert werde, so darf ich gestützt auf meine Vocation und auf das erwähnt Publicandum von eines wohllöblichen Magistrats Gerechtigkeits-Liebe erwarten, daß ich bei meiner Gerechtsame, ebenso als mein Vorfahre von den frühern Magistrat, geschützt worden ist, welches aber nur dadurch geschehen kann, wenn Ew. Wohlgeboren die Gewogenheit haben und die hiesige Einwohner durch eine Curserie belehren lassen, daß ich nur allein das Recht habe, in Privathäusern Music zu geben, und nur alsdann, wie früher schon gesagt, wenn ich dies zu thun außer Stande bin, andere fremde Musicanten sich durch einen Erlaubnißschein von mir legitimiren müssen, wornach sich ein jeder zu achten und für Schaden zu hüten hätte.

Im Falle nun die Landmusicanten diese nicht befolgten und dennoch ohne Erlaubnißschein so wie zuvor Music machten, so muß ich hierauf dahin antragen, daß denselben nach geschehener Anzeige die Instrumente weggenommen und nicht eher herausgegeben werden, bis die gesetzliche Strafe erlegt worden, und im Falle die Strafgelder nicht von denselben eingingen, den Consens zum Verkauf dieser Instrumente gütigst nachzusuchen und das dafür gelöste Geld entweder in die Kämmereikasse oder unter die nothdürftigen Stadtarmen der Hospitaliten, sind Waisenkinder vorhanden, an diese, je nachdem es der Herr Land-Rath für gut halten werden, zu berichtigen und zu vertheilen. Die Strafe des Wirths, wo die unerlaubte Music bewürkt worden ist, muß Ew. Wohlgeboren überlassen bleiben.

Und hierin bitte Ew. Wohlgeboren ich ganz gehorsamst in der Zuversicht, daß Dieselben meinen gerechten Antrag gütigst berücksichtigen und mich nicht dem Mangel ferner blosstellen, welchen ich bey der bisherigen unbefugten Schmälerung der Pfuscherei meines Verdienstes habe erlitten.”

Ein ähnliches Gesuch um Schutz gegen “Pfuscherei” richtet Hoene an demselben Tage auch an den damaligen Landrath des Birnbaumer Kreises, Herrn v. Kurnatowski auf Chalin, unter Anlage eines Attestes des Magistrats, daß er seine Amtsgeschäfte als Musikus bis jetzt treulich und zur Befriedigung des Publikums erfüllt habe. In seiner gutachtlichen Aeußerung zu diesem Gesuche führt der Magistrat noch besonders aus, daß der dem Hoene zugesicherte Schutz darin bestehe, daß, sobald Dorfmusikanten in Privathäusern mit Musik aufwarteten, denselben die Instrumente weggenommen, und sie in Strafe genommen würden. Auf diesen vom Magistrate als gerecht befürworteten Antrag theilt der Landrath unter dem 24. September 1825 dem Hoene einen Abschrift des Ministerialerlasses vom 17. Oktober 1823 mit, wonach seinem Antrage, andern Musikanten zu untersagen, bei Kindtaufen, Hochzeiten u.s.w. Musik zu machen, nicht nachgegeben werden könne. Hinsichts der Kirchenmusik aber solle seine Vokation aufrecht erhalten werden.

Im Jahr 1836 oder vielleicht kurz vorher hat Hoene seinen Wohnsitz von Birnbaum nach dem unmittelbar angrenzenden Lindenstadt verlegt. Dieser Wohnungswechsel giebt der Stadtverordentenversammlung Veranlassung zu dem Beschlusse, daß Hoene als Stadtmusikus auch in der Stadt zu wohnen habe, andernfalls demselben sein Gehalt nicht gezahlt werden könne, weil Lindenstadt zum platten Lande gehöre, und die Stadt keinen Musikus vom platten Lande brauchen könne. Von einer Mittheilung dieses Beschlusses an den Hoene wird jedoch ohne angegebenen Grund abgesehen, und statt dessen letzterer aufgefordert, “da jetzt nur einmal und zwar des Vormittags abgeblasen wird, – künftig des Sonntags Nachmittags und zwar nach der Vesper gleichfalls auf dem Markte abzublasen. Sie werden sich von selbst bescheiden, daß nur bei pünktlicher Erfüllung der Vokation die pünktliche Zahlung des Gehalts erfolgen könne”.

Schweriner Straße in Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Schweriner Straße in Birnbaum / Bild Sammlung Kraft

Damit schließt der amtliche Verkehr zwischen Hoene und dem Magistrate. Hoene läßt sich, vielleicht wegen Krankheit oder vorgerückten Alters, etwa vom Jahr 1843 an, von dem Musikus Pfeiffer vertreten. Auch dieser bittet den Magistrat in einem Schreiben vom 28. August 1844 um Schutz gegen die Konkurrenten “Vetter, Wendt, Kühn und Consorten” aus Großdorf (unmittelbar an Birnbaum angrenzend) die sich “unterfangen, die Music auf Schoenau (eine Wirthschaft, etwa 1 km von Birnbaum entfernt) auszuführen”. Der Magistrat lehnt diesen Antrag natürlich ab. Am 23. Oktober 1844 wendet sich Pfeiffer mit seinem Antrage an den Landrath und erhält von diesem unterm 12. November 1844 den Bescheid, daß nicht allein durch die allgemeine Aufhebung aller Zwangs- und Bannrechte, sondern auch schon durch das wegen Aufhebung der ausschließlichen Gewerbsberechtigungen in den Städten der hiesigen Provinz erlassene Allerhöchste Gesetz vom 13. März 1833 die Vokation vom 28. November 1797 ganz außer Kraft getreten sei, und ihm demnach polizeilich hinsichts der Aufrechterhaltung der letzteren kein Beistand geleistet werden könne.

Am 17. November 1846 stirbt der letzte musicus instrumentalis ordinarius von Birnbaum.

Der Musikus Pfeiffer, welcher Hoene bis dahin gewissenhaft vertreten hat, bittet jetzt, am 25. November 1846, die Stadtvertretung, die vakant gewordenen Stelle des Stadtmusikus ihm zu verleihen. Der Magistrat aber beschließt, und die Stadtverordneten schließen sich diesem Beschlusse an, das Gehalt des Stadtmusikus von 25 Thlr. 23 Sgr. 9 Pf. einzuziehen. “Unter diesen Umständen ist ein Stadtmusikus nicht nöthig und bei der heutigen Gesetzgebung, nach welcher jeder Music machen kann, keine anderweite Begünstigung verbunden”.

Der Bittsteller erhält daher am 19. Januar 1847 den Bescheid, daß ein Stadtmusikus nun nicht mehr werde gehalten werden.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/); Zeitschrift der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen / Erster Jahrgang 1896 – Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra)