Die evangelische Filialkirche Alt Jastrzemske / 1816

Jastremske, links im Hintergrund, die alte, aber bereits ausgebaute, ehem. evgl. Kirche / Postkartenausschnitt

Jastremske, links im Hintergrund, die alte, aber bereits ausgebaute, ehem. evgl. Kirche / Postkartenausschnitt

In Jastremske, der Filialgemeinde Bentschens, wurden in den ersten Jahren als Rectoren und Lehrer Kandidaten der Theologie eingestellt. In ihren Anstellungsverträgen wurde festgeschrieben, dass sie Sonn- und Festtags zu predigen hatten. Der Prediger aus Bentschen vollzog im Ort selbst nur alle 4 Wochen den Gottesdienst und das Heilige Abendmahl .

Einer dieser Rektoren war Johann Gottlieb Schubert. Er wurde von Superintendent Knispel im Jahr 1816 beschrieben als “… ein gutmütiger, ordentlicher und fleißiger Mann, welcher bei seinen mittelmäßigen Kenntnißen und Kanzelgaben, dennoch mühsam ist, sich nüzlich und brauchbar seinen Zuhörern zu machen. Seit 24 Jahren arbeitet derselbe in der Schule (ca. 1773 geboren, ab ca. 1792 für 18 Jahre tätig in Neu Brück, zu 1810 nach Jastremske), und es wäre demselben eine kleine Predigerstelle zu wünschen, oder Verbeßerung seiner Einkünfte; da derselbe, bei einer zahlreichen Familie, ohne anderweitige Unterstüzzung sehr kümmerlich leben muß; und nach Anschaffung nöthiger Hülfsmittel zur Vermehrung seiner Kentniße, nicht denken kann.” Rektor Schubert wurde in der Chronik anlässlich des 100 jährigen Bestehens der evgl. Kirche zu Friedenhorst nochmals erwähnt; dort heisst es, dass er nicht als Pastor in Friedenhorst berufen worden war, sondern eine Anstellung als Rektor in Brätz angenommen habe.

Nachstehend werden hier die vorgeschriebenen Fragen und Antworten der Indagenda, letztere wie sie Superintendent Knispel verfasste, über das Kirchensystem der Evangelischen Parochie Bentschen / hier die Filialkirche Jastremske, vom 18ten May 1816 wiedergegeben.

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1te Frage: Zu welchem Kirchensystem gehört die Kirche und Schule ?

Zur Evangelischen Parochie Bentschen

2te Frage: Welche Gemeinen sind dazu geschlagen ?

Die 4 Holländer Gemeinen

  • 1. Alt Jastrzemske, worinnen 35 Wirte;
  • 2. Neu Jastrzemske, worinnen 21 Wirte;
  • 3. Grubske, worinnen 30 Wirte;
  • 4. Choinike, worinnen 13 Wirte

3te Frage: Worinnen besteht das Einkommen des Schulhalters, sowohl an Fixo als an Schulgelde ?

Als Rector und Lehrer ist derselbe verpflichtet, laut seiner Vocation, alle Sonn- und Festtage zu predigen. Für diese Geschäfte ist demselben von den Gemeinen festgesezt:

1. an Fixe jährlich

  • a) an baarem Gelde – 34 Thaler;
  • b) 26 Viertheil Korn – 17 Thaler, 8 Groschen;
  • c) 9 Klafter Holz – 12 Thaler

2. unbestimmten Einnahmen

  • a) 3 Opfer – 9 Thaler;
  • b) Neujahrsumgang – 3 Thaler;
  • c) bei Begräbnißen und anderen kirchlichen Geschäften – 9 Thaler;
  • d) Schulgeld – 4 Thaler

4te Frage: Hat derselbe die Benuzzung von Grundstükken ? und wie hoch ist sie anzuschlagen ? Ist eine besondere Schullehrer Wohnung vorhanden ? welchen Gelaß enthält sie ? in welchem baulichen Zustande befindet sie sich ? und wer ist zu ihrer Unterhaltung, Observanz oder Vertragsmäßig verbunden ?

Zur Schule gehört 1/2 Hufe Land, welches privilegiert, aber ein Morgen davon brauchbar ist. Der Ertrag von demselben, nach Abzug der Arbeitskosten beträgt 4 Thaler.

Es ist hier eine Filial Kirche erbauet, welche 1783 als Filial Kirche von Bentschen fundiert ist. Dieselbe ist 23 Ellen lange, und 15 Ellen breit, hat einen Chor, Altar und (eine) Kanzel, aber keine Orgel, (keinen) Thurm und (keine) Glokke. An der Morgenseite ist eine kleine Sakristei angebaut. Sie ist sehr baufällig und nöthig, daß Schwellen untergezogen und sie neu bedacht würde.

Die 1. evgl. Kirche in Friedenhorst, erbaut 1797 und erweitert 1864 - aus "Die evangelische Kirchen der Provinz Posen" von Dr. Kremmer, 4. Aufl. 1905

Die 1. evgl. Kirche in Friedenhorst, erbaut 1797 und erweitert 1864 – aus “Die evangelische Kirchen der Provinz Posen” von Dr. Kremmer, 4. Aufl. 1905

Das Schul- und Wohngebäude, welches … erbauet, ist 20 Ellen lang und 9 Ellen breit, besteht aus einer Schulstube, von 9 Ellen Breite und 8 Ellen Länge. Gegen über sind 2 kleine Stuben zur Wohnung des Rectors, wovon die eine 7 1/2 Ellen lange und 5 Ellen breit, die andere 7 1/2 Ellen lang und 3 1/2 Ellen breit ist. Zwischen befindet sich der Hausflur und eine kleine Küche.

Dazu gehören auch eine Scheune von 9 Ellen lang und 8 Ellen breit, und Stallung 7 Ellen lang und 8 Ellen breit, worinnen 2 Abtheilungen befindlich; auch ist ein Keller angebauet. Auch diese Gebäude erfordern Reparaturen und vorzüglich Bedachung.

Zur Unterhaltung und Reparaturen sind die Gemeinen verbunden, zu welchen die in der Kirche gesammelten Gelder angewandt, und das Fehlende von den Gemeinen nach Hufenschlag beigetragen werden muß. Das Dominium giebt dazu nichts.

Die Einnahmen und Ausgaben aus der Kirchen Kaße, wird von 3 Kirchenvorstehern, welche sämtlich Wirtschaften besizzen, verwaltet; und jährlich die Rechnung dem Prediger in Bentschen, welcher nur alle 4 Wochen Gottesdienst in der Filial Kirche hält, vorgelegt wird. Diese Kirchenvorsteher sind:

  • 1. Johann Gottfried Reschke, aus der Neu Jastrzemsker Gemeine
  • 2. Johann George Bielke aus der Alt Jastrzemsker Gemeine, und
  • 3. Johann Gottfried Krause, aus der Choiniker Gemeine.

Diese Vorsteher werden von der Gemeine erwählt mit Zuziehung und Genehmigung des Predigers.

5te Frage: Ist der Schulhalter zugleich Organiste, Kantor oder Küster ? und welches Einkommen bezieht er in dieser Eigenschaft ?

Er ist Rector und Schullehrer allein

6te Frage: Mit welchem Jahre, fangen die Kinder den Schulbesuch an; und mit welchem wird er beendigt ?

Die Kinder fangen den Schulbesuch im 7ten Jahren an und beenden ihn im 14ten Jahre.

7te Frage: Wird auch während der Sommer Monate Schule gehalten = und ist eine so genannte Hüteschule eingeführt ?

Weder Sommer noch Hüte Schule ist eingeführt. Sonntags Nachmittags werden Katechisationen in der Kirche gehalten, welche aber von wenigen Kindern besucht werden.

8te Frage: Wie weit sind die entferntesten zur Schule gehörigen Ortschaften von dem Schulorte entfernt ?

Drei Viertel Meile

9te Frage: Was für Verbeßerungen im Schulsystem laßen sich nach Maßgabe der Lokalität treffen ?

Fleißigern Besuchung der Schule und Einführung allgemeiner Schulbücher würde von großem Nuzzen seyn.

10te Frage: Welches sind die Gegenstände des Unterrichts; und welches die Hilfsmittel bei demselben ?

Religion, Schreiben, Rechnen, Lesen und Buchstabiren, wobei die Bibel, das Evangelienbuch und der Katechismus Lutheri gebraucht werden

11te Frage: Ist die Schule in Klaßen eingetheilt ? oder wird der Unterrichte allen Kindern gemeinschaftlich gegeben ?

Der Unterricht wird allen Kindern gemeinschaftich ertheilt.

12te Frage: Wie oft wird die Schule von dem Prediger revidirt, und worauf richtet derselbe, bei der der Revision sein Augenmerk ? werden gegen diejenigen Eltern, welche ihre Kinder nicht fleißig zur Schule halten, Zwangsmittel, und welche, angewandt ?

Bei vorfallenden wöchentlichen Amtsgeschäften revidirt der Prediger die Schule, welche 5/4 Meile von seinem Wohnorte entfernt ist, examinirt und sucht die Kinder durch Ermahnungen zum Fleiße und guten Sitten zu ermuntern. Zwangsmittel sind noch nicht angewandt worden.

13te Frage: Wie groß ist die Anzahl der Kinder in der Schule ?

Schulfähige Kinder sind 60, von denen 40 die Schule aber nicht ordentlich besucht haben.

Das alte später abgebrochene und das neue, noch heute erhaltene Kirchengebäude der Gemeinde Jastremske / Ausschnitte aus AK aus der Sammlung A. Kraft

Das alte später abgebrochene und das neue, noch heute erhaltene Kirchengebäude der Gemeinde Jastremske / Ausschnitte aus AK aus der Sammlung A. Kraft

14te Frage: Wie heißt der Schulhalter ? wie alt ist er ? wie lange seht er in seinem izzigen Amte ? von wem ist er berufen und bestätiget ? wo hat er sich für seine Stelle ausgebildet ?

Der Rector und Schullehrer heißt: Johann Gottlieb Schubert, gebürtig aus Meseritz, 43 Jahre alt, Candidatus Theologiae, 6 Jahre in seinem izzigen Amte, vorher in Neu Brück 18 Jahre in eben der Qualität, von der Gemeine berufen und von der Educations Stube in Warschau den 9ten März 1810 confirmirt. In der Schule zu Guben und auch (an) der Universität zu Wittenberg 2 1/2 Jahr studiert, und sich dadurch zu seinem izzigen Amte ausgebildet.

15te Frage; Ertheilt er den Unterricht mit Erfolge ? und liegt etwa der Mangel deßelben an seinen mangelhaften Kentnißen, oder an Mangel an Anstrengung ?

Bei fleißigeren Besuche der Schule, würden die Bemühungen des Lehres auch fruchtbarer seyn.

16te Frage: Wie ist sein moralischer Wandel ? sein Verhältniß zu der Gemeine und zu dem ihm vorgesezten Geistlichen ?

Sein Wandel ist gut und löblich, und der Prediger und die Gemeine sind mit seinem friedlichen und guten Verhalten sehr zufrieden.

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 Quellen soweit nicht im Text direkt genannt:Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/) – hier: 0893-3604 Kirchensystem Bentschen 1816-1841

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weitere Artikel zur ehemaligen evgl. Kirchengemeinde Jastremske / Friedenhorst:

  • Zum 100 jährigen Jubiläum der evgl. Kirche in Friedenhorst – Kapitel 1-4
  • http://hauland.de/zum-100-jahrigen-jubilaum-der-evgl-kirche-in-friedenhorst-1-kapitel-der-busch/
  • http://hauland.de/zum-100-jahrigen-jubilaum-der-evgl-kirche-in-friedenhorst-2-kapitel-die-ansiedler/
  • http://hauland.de/zum-100-jahrigen-jubilaum-der-evgl-kirche-in-friedenhorst-3-kapitel-rechtsverhaltnis/
  • http://hauland.de/zum-100-jahrigen-jubilaum-der-evgl-kirche-in-friedenhorst-4-kapitel-das-kirchspiel-friedenhorst/
  • Grundsteinlegung der neuen Kirche Friedenhorst – 1913
  • http://hauland.de/grundsteinlegung-der-neuen-kirche-friedenhorst-1913/
  • und eine Kurzmeldung zur Grundsteinlegung
  • http://hauland.de/grundsteinlegung-der-neuen-kirche-zu-friedenhorst-1913/
  • Kirchweihe in Friedenhorst – Dezember 1914
  • http://hauland.de/kirchweihe-in-friedenhorst-dezember-1914/
  • Golon – Generalkirchenvisitation in Friedenhorst – 1929
  • http://hauland.de/golon-generalkirchenvisitation-in-friedenhorst/