Die Schlossmauern wurden gesprengt … – 1900

links: heute noch zu besichtigender Turm der alten Befestigungsanlage - Bild: EA; rechts oben: Schloss und alte Befestigungslagen um 1840 - Bild: Bildband "Zbąszyń na dawnej pocztowce" (Bentschen in alten Postkarten) - Autor: Krzysztof Rzepa / 2012; rechts unten: Alte Ziegelei - Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Old_brick_factory_Zbaszyn.JPG#mediaviewer/File:Old_brick_factory_Zbaszyn.JPG

links: heute noch zu besichtigender Turm der alten Befestigungsanlage – Bild: EA; rechts oben: Schloss und alte Befestigungslagen um 1840 – Bild: Bildband “Zbąszyń na dawnej pocztowce” (Bentschen in alten Postkarten) – Autor: Krzysztof Rzepa / 2012; rechts unten: Alte Ziegelei – Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Old_brick_factory_Zbaszyn.JPG#mediaviewer/File:Old_brick_factory_Zbaszyn.JPG

Die Geschichte der Ansiedlung Bentschen, Zbąszyń, reicht in etwa in das Jahr 1231 zurück. Historiker nehmen an, dass dieser schon in der 2ten Hälfte des 13. Jahrhunderts das Stadtrecht verliehen wurde. Bentschen war in seiner wechselvollen Geschichte immer Sitz von Fürsten und Königen. Im Jahr 1613 wurde unter den damaligen Besitzern der Familie Ciświcki der Burgbau beendet.

Diese Befestigungsanlagen waren für die “Ewigkeit” geplant und errichtet worden.

Und doch, es kam nicht dazu … im Kalendarium der Stadt Zbaszyn findet sich:

  • “1880 – Hr. Lippe-Biesterfeld plant aus dem hervorstehenden Abschnitt der Burgmauern einen Teil anderer Verwendung zuzuführen. Dieser soll für den Bau Backsteinkirche in Zakrzew genutzt werden.
  • 1882 – Einweihung der Kirche in Zakrzew”

Und es scheint weitere Verwendung für die Ziegel der ehemals monumentalen Mauern gegeben zu haben.

Im Kreisblatt von Neutomischel in der Ausgabe vom 30.01.1900 findet sich eine Meldung, dass der Abriss des Schlosses sich nicht so einfach gestaltete, wie es wohl vorgesehen war und auch, dass die alten Steine wiederum anderweitig verbaut werden sollten:

“Seit einigen Tagen werden die Mauern des alten Schlosses Bentschen im hiesigen Schloßgarten durch Pioniere aus Glogau gesprengt. Das alte Schloß, dessen Mauer 1-2 Meter dick sind, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Festigkeit ist so groß, daß man bei den Abtragungsarbeiten jeden einzelnen Stein losmeißeln mußte, so daß man jetzt dem Mittel des Sprengens gegriffen hat, um Kosten zu sparen. Die alten Steine werden zur Errichtung eines Ringofens verwendet.”

Ein “Hoffmannscher Ringofen” und dessen Funktionsprinzip wird bei Wikipedia wie folgt beschrieben: ”

Der Ringofen besteht aus einem großen Kreis oder Oval mit etwa 14 bis 20 Kammern, in denen unabhängig voneinander ein Feuer unterhalten werden kann, das die ebenfalls in der Kammer befindlichen getrockneten Ziegelrohlinge brennt. Nach dem Brennvorgang lässt man in einer Kammer das Feuer verlöschen, und die nächste Kammer wird mit Brennstoff beschickt. Dadurch wandert in etwa ein bis zwei Wochen das Feuer einmal um das Oval. Durch erfindungsreiche Be- und Entlüftung der Kammern erwärmen die gebrannten Ziegel die Zuluft für das Feuer, was diese wiederum schneller abkühlen lässt, während die heißen Abgase die Rohlinge trocknen und vorerhitzen. Gegenüber der beheizten befinden sich die jeweils kühlsten Kammern. Hier werden die fertigen Ziegel entnommen und die Kammer neu befüllt.”

Ob letztlich die Steine der ehemaligen Burg tatsächlich in der Ziegelei, welche lt. einer Zeitungsmeldung vom 08. Februar 1901

“Eine größere Ziegelei mit Dampfanlage wird in nächster Zeit in der Nähe des Bahnhofes von dem Maurermeister C. Loechel aus Schwiebus erbaut werden.”

in Bentschen entstand, verwendet wurden, oder ob diese für den Bau einer anderen Anlage genutzt wurden, ist nicht bekannt.

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Textquellen: Webseite der Stadt – www.zbaszyn.pl; Kreisblatt Neutomischel – www.wbc.poznan.pl; Hoffmannscher Ringofen: http://de.wikipedia.org/wiki/Hoffmannscher_Ringofen