Die Schützengilde zu Grätz – Rückblick auf das Privilegium des Jahres 1666

Die erste Seite des Privilegiums aus dem Jahr 1646 - Ausgestellt im Muzeum Ziemi Grodziskiej

Die erste Seite des Privilegiums aus dem Jahr 1646 – Ausgestellt im Muzeum Ziemi Grodziskiej

In den “Historischen Monatsblättern für die Provinz Posen” – Ausgabe XVI. Jahrgang Nr. 6 – Juni 1915, zu lesen über die Großpolnische Digitale Bibliothek http://www.wbc.poznan.pl/dlibra  veröffentlichte R. Prümers nachstehenden Beitrag über die Schützengilde zu Grätz.

Die von ihm angegebenen Quellen sind nicht mehr in vollem Umfange nachprüfbar. Im Muzeum Ziemi Grodziskiej wird jedoch ein Privilegium verwahrt, dass bereits im Jahr 1646 erteilt wurde.

Die Bilder dieses Beträges wurden in vorerwähnten Museum aufgenommen und es wurde uns erlaubt diese zur Veröffentlichung zu verwenden.

An dieser Stelle nochmals Vielen Dank für die Unterstützung !

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Die Schützengilde zu Grätz kann auf eine Vergangenheit von mehreren hundert Jahren zurückblicken. am 11. Januar 1666 verlieh ihr König Johann Kasimir ein Privileg, wie er sagt, um das Reich mit edelmütigen und um die Republik verdienten Bürgern zu zieren, sowie die befestigten Städte zum Widerstand und Abtreibung der Gefahr zur Zeit der Not mit tauglichen Leuten zu vermehren und zu erweitern. Denn es sei der ganzen Welt bekannt, mit welchen sehr großen Kriegen das Königreich Polen durch verschiedene Feinde überfallen, die meisten Festungen und Städte gewaltig überwunden, viele Städte und Dörfer in Asche verwandelt und verwüstet worden, so weit, dass die Einwohner keineswegs ihr Glück, das durch die beständigen Kriege vernichtet worden, genießen könnten, nachdem die Kenntnis der Schützenkunst aufgehört habe.

Deshalb genehmigte der König die Errichtung der Schützen­gilde, bestimmt, dass die Stadt einen zum Schießen tauglichen Ort hergeben und die der Gilde zu erteilenden Satzungen und Privilegien, die er im voraus bestätigt, beachten soll (Kgl. Staatsarchiv zu Posen: Grätz C. 63 Bl. 52. Urkunde Johann Kasimirs, enthalten in einer Urkunde König Michaels vom 10. Oktober 1669)

Der Erbherr von Grätz, Johann Leopold v. Opalenski, er­teilte sodann den Schützenbrüdern ihr Privileg am 24. Dezember 1666. In diesem setzte er u. a. fest, dass kein Schützenbruder aus eines anderen oder fremden Menschen, sondern nur aus seiner eigenen Büchse schießen dürfe. Ging seine Flinte nicht los, so zahlte er 3 Groschen Strafe. Mittwoch nach Pfingsten musste ein Requiem mit Musik für die verstorbenen Brüder abgehalten werden. Ging ein Bruder bei Einführung des Königs in die Stadt hinter das Schiesshaus, d. h. schloss er sich dem Zuge nicht an, so zahlte er zur Strafe ein Fass Bier.

Der König erhielt mancherlei Vorrechte und Nutzungen. Er war von allen Abgaben, königlichen, herrschaftlichen und städtischen, befreit, erhielt freies Leseholz in den herrschaftlichen Forsten, durfte mit allem, was er nur wollte, handeln. Auch stand ihm alle 14 Tage ein Gebräu Bier und Schankgerechtigkeit zu und, falls er noch nicht zur Brauerzunft gehörte, freier Ein­tritt in diese.

Dagegen hatte er allerdings auch manche Leistungen zu übernehmen. Den Brüdern, die ihn in die Stadt geleiteten, stellte er 2 Fass Bier. Er hatte die Zielbude und Scheibe auf seine Kosten anzuschaffen und war verbunden, einen silbernen Kranz mit Blumen im Werte von einem Taler zu stiften, der am Sonn­tage nach der Oktave des Fronleichnamsfestes ausgeschossen wurde. Nach Beendigung dieses Schießens bewirtete er die Teil­nehmer mit 2 Fass Bier. Sonntag nach Pfingsten hatte er für die Brüderschaft nach seinem Vermögen eine Abendmahlzeit aus­zurichten oder 50 fl. an die Zeche zu zahlen. War er jedoch unbemittelt, so konnte er seine Königswürde verkaufen oder ver­schenken. Auch war ihm erlaubt, die Schützenkleinodien, mit denen geschmückt er am Fronleichnamsfeste zwischen den Ältesten in der Prozession einherschritt, zu verpfänden, doch musste er sie natürlich bei Ablauf seiner Würde wieder zurückgeben.

Diese Statuten wurden um das Jahr 1690 von Johann Opalenski, Starosten von Schrimm, mit der Einschränkung be­stätigt, dass der König nur 5 Gebräue Bier jährlich herstellen dürfe. Die königliche Genehmigung der Statuten war bereits am 7. Juni 1685 durch König Johann III. wiederholt worden(Urkunde König Johanns III. mit den Urkunden Johann Kasimirs und Michaels im Kgl. Staatsarchive zu Posen: Grätz C. 63 Bl. 53 v.)

Das Schützenfest ist von jeher ein Volksfest gewesen. Der Zug mit dem alten König zum Schiesshause und dem neuen in die Stadt war stets von einer fröhlichen Menge begleitet. Ein buntes Treiben entwickelte sich bei dem Schiesshause. Christen und Juden schlugen ihre Buden auf, verkauften dort ihre Waren oder liessen sie auswürfeln und ausspielen, wofür sie Standgeld an die Schützengilde zu zahlen hatten(Bl. 6)

So ist es wohl bei der Schützengilde geblieben, soweit nicht die Rechte und Einkünfte des Königs durch den Erbherren im Laufe der Zeit beschnitten wurden. Erst die neue Regierung, die mit der Besitznahme des Landes durch Preußen die Zügel in die Hand nahm, brachte hier wesentliche Änderungen. Am 19. August 1794 bereits war an die Magistrate der Lissaer Steuer­inspektion durch den Kriegs- und Domänenrat v. Hirschfeld die Anfrage ergangen, ob in einer oder der andern Stadt ein jähr­liches Scheibenschießen üblich sei, ob dafür etwas an die Starosten oder Grundherrschaften bezahlt werde, und was für eine Entrichtung bisher hierunter stattgefunden habe(Ebend. Bl. 1.)

Der Magistrat zu Grätz antwortete, dass am Orte eine Schützenbruderschaft bestehe, die seither alle Jahre zu Pfingsten nach der Scheibe geschossen habe. Die Grundherrschaft habe sich 12 Schüsse vorbehalten, bekomme im übrigen sonst aber nichts. In einem weiteren Schreiben fragt der Magistrat an, ob die Schützengilde zu Pfingsten wieder schießen dürfe. Sie habe freilich keinen Fonds für den König und habe daher beschlossen, ihm für diesmal 25 Rtl. aus ihrer Kasse zu geben. Das Gesuch dürfte um so eher genehmigt werden, als Grätz Garnison habe und bei der ganzen Schützenzunft etwa 10 Gewehre vorhanden seien, aus denen alle nach der Reihe schießen müssten, weil die Insurgenten die übrigen Gewehre geraubt hätten (Ebend. Bl. 3). Die Ge­nehmigung wurde dann auch erteilt, und das Schießen abgehalten. König wurde der Bürger Meszinski, der in einem Gesuche an den Magistrat wegen der vielen ihm erwachsenen Kosten um Ge­währung der vom Könige von Preußen festgesetzten Prämie bat, wenn er nicht, wie in früheren polnischen Zeiten, freien Salz- und Heringshandel und Befreiung von Lasten erhalten könne. Eine Antwort findet sich in den Akten nicht. Aber nach den späteren Vorgängen wird sie abschlägig gelautet haben. Die Ältesten der Schützengilde nämlich wurden nochmals i. J. 1800 wegen Gewährung einer Entschädigung für den König vorstellig. Der Alleinhandel mit Heringen und Salz habe ihm in polnischer Zeit jährlich gegen 200 Rtl. Revenuen gebracht, die jetzt ganz fortfielen, weil der Salzhandel freigegeben sei. Auch die Ge­rechtigkeit, 5 Gebräu Bier zu sieden, sei dem Könige genommen. Sie bäten daher, wieder den Alleinhandel mit Salz zu bewilligen. Das könne dem Publikum nicht nachteilig sein, weil der taxenmäßige Verkauf des Salzes unter polizeilicher Aufsicht stehe. Ferner bäten sie, die 5 Gebräu Bier für die Zukunft zu ge­nehmigen. Gegen letzteres erklärte sich die Brauerzunft, da das Recht der Schützengilde hierzu durch die Konstitution von 1765 aufgehoben sei. Aus demselben Grunde aber lehnte auch der Domänenrat v. Hirschfeld das Gesuch ab. Bei dem für frei er­klärten Salzhandel könne für Grätz keine Ausnahme gemacht werden. Noch aber gaben die Schützen ihre Bemühungen nicht auf, doch selbst eine Immediat-Eingabe erlitt den gleichen Miss­erfolg, wenngleich bescheidener Weise von der damals aus 80 Per­sonen bestehenden Korporation nur um eine Entschädigung von jährlich 40 Rtl. aus der Consumtionssteuerkasse gebeten wurde. Ebenso erging es der Gilde mit einem erneuten Gesuch im Jahre 1807 an die polnische Behörde (Bl. 28 v.)

Die Schützengilde verzichtete schließlich auf ihr Recht, zumal sie schon seit 1797 jährlich ihren König durch 150 fl. aus ihrer Kasse entschädigt hatte. Ihr Schiesshaus vergab sie im gleichen Jahre in Erbpacht gegen einen jährlichen Kanon von 16 Rtl. und die Berechtigung, unentgeltlich dort ihr Pfingstschiessen abzuhalten.

 

Aufnahme der Mitglieder der Schützengilde aus dem Jahr 1913 - Ausgestellt im Muzeum Ziemi Grodziskiej

Aufnahme der Mitglieder der Schützengilde aus dem Jahr 1913 – Ausgestellt im Muzeum Ziemi Grodziskiej

1852 erhielt die Gilde neue durch die Kgl. Regierung zu Posen bestätigte Statuten in 75 Paragraphen (S.102). Nach diesen war sie in 4 Abteilungen gegliedert, die nacheinander eingerichtet wurden, sobald 30—40 Mitglieder eingetreten waren. Das Schießen sollte am 3. Pfingstfeiertage beginnen; da wurde der Schützenkönig Punkt 10 Uhr mit den üblichen Zeremonien, von 2 Magistratsmitgliedern geführt und von der Gilde begleitet, in die Pfarrkirche und Nachmittags 3 Uhr nach dem Schützenhause gebracht. Angetan war er mit dem Schützenkönigsband, auf dem Silbermünzen, eine Silberkette und Sternverzierungen angebracht waren. Jeder König hatte eine Medaille oder Münze im Werte von 1 Rtl. hinzuzufügen. Zum Eintritt in die Gilde war jeder unbescholtene Bürger unter 50 Jahren berechtigt ohne Unterschied der Konfession und der Bürgerklasse. Stand und Gewerbe sollten in den Rechten der Gilde keinen Einfluss haben. Als Prämie erhielt der König 15 Rtl., die früher üblichen Bewirtungen und Geschenke wurden sämtlich aufgehoben. Geldpreise wurden für die 12 besten Schützen ausgesetzt. Die Witwe eines nicht durch Selbstmord umgekommenen Schützen erhielt zu den Begräbnis­kosten 5 Rtl. Für Bewirtung der Gilde am Tage der Einführung des Königs wurden aus der Kasse 10 Rtl. gezahlt.

Als Uniform waren vorgeschrieben ein Rock aus dunkel­grünem Tuch mit halbstehendem Kragen und zweireihigen runden schwarzen Knöpfen, graumelierte Beinkleider und weiße Bein­kleider zur Parade, schwarzes Halstuch, schwarze Handschuhe, grüne runde Mütze mit Schirm, auf dieser als Abzeichen eine bronzene Eichel in Eichenlaub, auf den Schultern gelbe mit grüner Wolle durchflochtene Raupen. Die Befehlshaber trugen silberne Raupen und einen Degen mit silbernem Portd’épée.

1858 hatte ein Mitglied das Glück, dass der von ihm für Se. Majestät den König abgegebene Schuss als der zweitbeste von allen festgestellt wurde. Daraus nahm die Gilde Veranlassung, unter gleichzeitiger Überreichung eines silbernen Ordenszeichens, die Bitte auszusprechen, es möchte Sr. Majestät hiervon Kenntnis gegeben und für die Gilde eine Fahne erwirkt werden, die bisher wegen Mangels an Fonds nicht hätte beschafft werden können. Die Kgl. Regierung lehnte jedoch eine Befürwortung ab. Auch Gesuche an den Magistrat um Zuschüsse zu den Kosten des Pfingstschiessens, das die Bürger zu geselligem Vergnügen vereine, konnten keine Berücksichtigung finden, weil nur ein kleiner Teil der Einwohner, im Jahre 1860 waren es 61 Mitglieder, der Gilde angehörte.

Privileg vom 24. Dezember 1666.

Johann Leopold z Bnina von Opalenski, Sohn des Posner Woywoden, Erbherr zu Grätz.

Da die Stadt Grätz zwischen andern angrenzenden Städtchen im Kostner Kreise belegen mit Bürgern und verschiedenen Hand­werkern bevölkert, die sich zum Umgange mit dem Geschütz bey verschiedenem gefährlichen Eingreifen qualificiren, so will ich zur Ergänzung des von Sr. Majestät Johann Kasimir zur Zeit glücklich regierenden Königs erst kürzlich der Schützengülde ertheilten Privilegii dieselben zur Uebung des Geschützes und Gewehres in unserer Stadt, da selbige nicht weit von der schlesischen und pommerschen Grenze entlegen, aufmuntern und denenselben laut andern grössern Städten zu Follge der submissen Bitte unserer Bürger und Einsassen aus unserer Gnade follgende Puncte er- theilen und festsetzen, als

1. Wer ein Schützen Bruder werden will, ist sogleich 6 Gulden Eintrittsgeld in die Bruderschaft an die Zeche zu be­zahlen und zwey Pfund Wachs zu geben verbunden.

2. Soll diese Brüderschaft keinem, der nicht Bürger ist und zur städtischen Glocke (czwonek) gehöret, ertheilt werden.

3. Soll jeder von den Brüdern mit der Flinte oder Musquete, bey Verlust dieser Gerechtigkeit, sogleich zu den Herrn Aeltesten gehen oder einen Stellvertreter hinterlassen, sobald die Trommel, über die Gewohnheit, zu einer Nothwendigkeit (Gott behüte vor Gewalt) gerührt wird. Wenn aber die Trommel wie gewöhnlich zur Procession oder aber ins Schiesshaus zu gehen gerührt wird, und es kommt ein Bruder nicht und meldet es nicht, derselbe verfällt in sechs Groschen Strafe.

4. Werden überdies zuerst der Erbherr oder aber dessen Stellvertreter, den die Herren Aeltesten dazu einzuladen ver­bunden sind, nach diesem der Herr Bürgermeister, Herr Richter, nach ihnen der diesjährige König, nach diesem die Herren Aeltesten und zuletzt die Herren Brüder laut dem angefertigten Cataloge auf dem Platze nach der Scheibe schüssen.

5. Soll sich kein Bruder unterstehen, aus eines andern Bruders oder fremden Menschen, sondern nur blos aus seiner eigenen Flinte unter Nichtgiltigkeit des Treffers und Abnehmung dieser Flinte nach der Scheibe zu schüssen.

6. Wird der diesjährige König nach Beendigung des Schüssens einen silbernen Kranz eines Thalers an Werth, mit Blumen zu stellen verbunden seyn, um welchen die Herren Brüder am Sontage nach der Octawe des Frauenleichnams-Festes, oder wenn sie die Zeit ersehen, schüssen werden, und dessen Treffer, der als der beste in der Scheibe anerkannt wird, dieser nimt sich den Kranz zum Geschenk, welche Brüder der König nach Beendigung des Schüssens mit 3 Fässern Bier beschenkt.

7. Verfällt derjenige Bruder, dessen Flinte nicht los gehet, in drey Groschen Strafe an die Brüder.

8. Wird der König dieses Jahr von allen Abgaben und zwar nahmentlich von der Copowe-Abgabe, Kammin-Geld, Mühlen- Gelde und von andern in genere allen Abgaben durchs ganze Jahr, sowohl königlichen, herrschaftlichen und städtischen und solchen von den Zollen und Kron-Kammern laut denen dieser Zeche von Sr. Königl. Majestaet allergnädigst ertheilter Dyplomaten befreiet.

9. Wird jeder König bey Beendigung seines Königreichs verbunden seyn, eine Tafel nach seinem Vermögen, wenigstens aber vier Thaler an Werth, in die Brüderschaft zu schaffen.

10. Wer König wird, soll nach seinem Vermögen den ersten Sontag nach Pfingsten für die Brüderschaft eine Abend­mahlzeit bereiten oder aber fünfzig Gulden benaviso tempore an die Zeche bezahlen.

11. Sollen die erste Mittwoche nach Pfingsten die Herren Brüder das Requiem für die verstorbenen Brüder mit der Orgel und Kirchen-Music abhalten, auf welchem Requiem jeder Bruder bey sechs Groschen Strafe auf der Oferte gegenwärtig seyn soll.

12. Soll kein Bruder, wenn der König nach Beendigung des Schüssens in die Stadt geführt wird, hinter das Schüsshaus gehen, bey Strafe eines Fass Bieres, der so nach die Brüder für die Einführung mit 2 Fässern Bier beschenkt.

13. Keiner von den Brüdern darf auf einen Tag mehr als dreymal schüssen, und welcher Bruder dem Puncte näher seyn wird, dieser wird König. Welchem Könige wir auch das freie Leseholz in diesem Jahre in unsern eigenen Forsten zu seinem Bedarf erlauben und befreyen denselben in diesem Jahr von den Schloss-Abgaben und Pferden, wogegen dieser König die Zielbude und Scheibe für seine Kosten zu schaffen verbunden ist.

14. Sollte jedoch irgend ein Bruder seine Schüsse den ersten oder den zweyten Tag zwischen dreyen Tagen nicht füglich verrichten können, so soll ihm sonach erlaubt seyn, seine Schüsse am dritten Tage zu verrichten.

15. Soll dem Könige auch freystehen, in diesem Jahre mit allem, was er nur gedenkt, zu handeln und ohne herrschaftliche noch irgend andere Contradition und Verhinderung zu verkaufen.

 

Schiesscheibe, die gewonnenen Orden und das Bild des Schützenkönigs Josef Kubera aus dem Jahr 1937 - ausgestellt im Muzeum Ziemi Grodziskiej

Schiesscheibe, die gewonnenen Orden und das Bild des Schützenkönigs Josef Kubera aus dem Jahr 1937 – ausgestellt im Muzeum Ziemi Grodziskiej

16. Der Bruder, welcher in dem Jahre König wird, wenn er die Brauer-Profession noch nicht erlernt haben sollte, wird den Eintritt in die Bierbrauer-Zeche haben, und erlauben wir ihm für beständig gegen gewöhnliche Bezahlung an die Brau-Innung alle 14 Tage ein Gebräude Bier zu brauen und in diesem Jahre eine Schänkere zu haben.

17. Sollte jedoch der König nicht vermögend seyn, so wird ihm freystehen, seinen Treffer und das Königreich an jemanden andern zu verkaufen oder zu verschenken, welcher bey der Procession am Frauenleichnams-Feste die Kleinodien auf sich habend verbunden seyn wird, in der Mitte zwischen den Herren Aeltesten zu gehen, und ist ihm erlaubt, diese Kleinodien, wenn er kein Possessionat, gegen einen glaubenswürdigen Bürgen (fidejussor), und ist er Possessionat, ohne Bürgschaft zum Ge­brauch und seiner Rettung bey jemanden gewisses zu versetzen und bey Exspiration seines Königreichs der Zeche abzugeben.

18. Derjenige Aelteste oder Beysitzer, der zur Zeit der Versamlung von dem Brüderschafts-Tische aufstehet und keinen von den Brü­dern in seine Stelle einsetzt, verfällt in eine Strafe von sechs Groschen.

19. Zuletzt darf sich kein Bruder, was zur Sache der Brüderschaft gehört, wegen der ihm geschehenen Kürze selbst rechen, sondern sich vor dem Brüderschafts-Tisch beschweren, auch seine Sentens nicht ausgeben, bis an ihm per consequens das Votum gelangt, bey Strafe eines Pfund Wachses.

20. Alle diese Punkte approbiren wir und wollen haben und befehlen, dass selbige von den Brüdern dieser Zeche cum posteritate sua unverbrüchlich gehalten und selbige ihren Nachkommen ge­schützt und aufbewahrt werden. Welches alles wir zu mehrerer Beglaubigung und Festhaltung eigenhändig unterschreiben und mit unserem angebohrnen Siegel bekräftigen.

So geschehen im Schlosse zu Opalenice den 24 ten December anno domini 1666.

Johann Leopold v. Opalenski, Sohn des Woywoden zu Posen.

Ich pflichte vorstehenden Puncten bey und füge dieses hinzu, dass es von jetzt an den Hofleuten oder ihren Stell­vertretern nicht frey stehe, mehr als zehn Mahl nach der Scheibe und um das Königreich zu schüssen.

Ich approbire dieses Privilegium in allen seinen Puncten, ausgenommen den 16ten Punct, welchen ich durch meine jetzige Approbation in diesem Privilegio cassire; und will solches so beybehalten haben, als es der Bierbrauer-Zunft schon einmal im 23. Articul ihres Privilegii näher beschrieben worden.

Dem Schützen-Könige erlaube ich, mit Heringen, Salz und alle dem, was in diesem vorstehenden Privilegio beschrieben ist, auf immerwärende Zeiten zu handeln; als zu was ich auch meine Nachfolger verpflichte.

Johann v. Opalenski, Starost zu Schrim.

NB. Dem Schützen-Könige wird erlaubt seyn, jährlich fünf Gebräude Bier zu brauen, aber nur nicht alle 2 Wochen. Für den Bürgermeister sind zwanzig Gebräude genug.

 Karol v. Opalenski, Starost zu Schrim

 Quelle: Kgl. Staatsarchiv Posen: Grätz C. 63 Bl. 13ff.