Die spät entstandene eigenständige katholische Gemeinde zu Neutomischel / Nowy Tomysl

Katholische Kirche Neutomischel - rechts das Pfarrhaus - Aufn. 2010/09 PM

In den alten Kirchenbüchern von Wytomischel ist zu ersehen, dass die ersten protestantischen Siedler im Einzugsgebiet des heutigen Nowy Tomysl ihre Eintragungen für Geburten und Eheschließungen in der katholischen Kirche in Wytomischel haben vornehmen müssen. Diese Weisung bewahrte die katholische Staatskirche vor finanziellen Ausfällen, denn die evangelischen Siedler zahlten somit obwohl der katholische Geistliche „nur“ die Eintragung in den katholischen Kirchenbüchern der betreffenden Gemeinden vornahmen und keinerlei geistliche Handlung vollzogen, ebenso wie die katholischen Einwohner die den so genannten „Zehnten“ zu zahlen hatten, Abgaben an die Pfarreien.

Der Kirche von Wytomischel unterstand somit verwaltungsmäßig eine recht große protestantische Gemeinde während die eigentliche Gemeinde der katholischen Be- und Einwohner relativ klein war.   Die katholische Gemeinde Neutomischel blieb, wohl auch zur Stützung der Gemeinde Wytomischel, bis 1896 zugehörig, ehe Anstrengungen erfolgen sich zu verselbstständigen.

Dieser Artikel basiert zum Teil auf Informationen aus dem Buch von  Zdzisław Kościanski  “20. Jubiläum des Entstehens der Parochie Heiligste Herz Jezus in Nowy Tomysl”

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Es war jedoch der Pfarrer Mykier aus Wytomischel, der ab dem Jahr 1870 große Anstrengungen unternahm auch in Neu Tomischel, die Einwohnerzahl und auch Bedeutung der Stadt nahm

Katholische Kirche Witomysl - Aufnahme 2005/03 GT

ja ständig zu, zumindest eine katholische Kapelle errichten zu dürfen. Mit Unterstützung des Notars Wojciech Bartecki, der für die Verwirklichung der Errichtung in Berlin sogar ein Gerichtsverfahren erledigte, gelang es eine Erlaubnis zu erlangen.

Das Grundstück für den Bau der Kapelle wurde gemäß Spendenurkunde vom 06. Juni 1891 von dem Walenty i Walentyna Kupczyk unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Die Kapelle wurde letztlich im Jahr 1895 errichtet; sie hatte keinen Turm und diente auch als Leichenhalle.

Am 03. März 1896 wurde die Kapelle wurde durch den damaligen Bischof in den alleinigen Dienst Gottes gestellt und geweiht, der Name lautete nun vollständig: „Muttergottes Unaufhörlicher Hilfe-Kirche“

Die Gründung der zur selbstständigen Parochie Nowy Tomysl erfolgte an am 01. April 1924. Als erstem Pfarrer wurden Stanislaw Kuliszak die Belange der neuen Gemeinde übertragen.

Kirchturm der kath. Kirche - Aufn. 2010/09 GT

Bemerkenswert ist hierzu noch, dass bei einem Besuch des Bischofs Stanisław Łukomski am 31. August 1924 der abgehaltene Ehren-Gottesdienst in deutscher Sprache abgehalten wurde.

Der Ausbau der kleinen katholischen Kapelle zu dem heutigen katholischen Kirchengebäude erfolgte im Jahr 1925 nach eine Entwurf des Michał Preisler, einem seinerzeit bekannten Architekten und Baumeisters jener Zeit. Vornehmlich wurde der vordere Teil des Gebäudes erweitert und das Dach mit Schiefer eingedeckt.

1927 am 08. Februar besuchte der Primas August Hlond die katholische Kirchengemeinde von Nowy Tomysl.

Als Nachfolger des Pfarrers Kuliszak trat per 01. Juni 1932 Pfarrer Stanisław Ćwiejkowski sein Amt an. Er galt als Begründer verschiedener Vereine der Stadt.

Im Jahr 1937 gehörten zur katholischen Parochie Nowy Tomysl 1.933 Gemeindemitglieder. Von ihnen waren 1.882 polnischer und 51 deutscher Angehörigkeit. Zu dieser Zeit existierten folgende Vereine:

  • Katholische Aktion unter dem Vorsitz von Hr. Jankowski,
  • Gesellschaft der Frauen der Gnade,
  • Kath. Gesellschaft der polnischen Arbeiter,
  • Abteilung des Vereins der kath. Männer unter dem Vorsitz von Klemens Nowicki – Notar,
  • Bund der deutschen Katholiken in Polen, den Vorsitz hatte Ignac Maschewski

Als besondere Ehre für die Gemeinde galt der Besuch des Erzbischofs Walenty Dymek vom 10./11. Juni 1937.

Der katholische Stadtrat beschloss am 27. Dezember 1938, dass dem Gedenken des Herzen Jesu ein Denkmal errichtet werden sollte.

Doch dieses konnte durch den Kriegsausbruch nicht mehr realisiert werden. Es kam für die katholische Gemeinde sogar noch viel schlimmer: die Kirche wurde geschlossen und diente bis 1941 als Speicher. Der Pfarrer wurde ins

Blick in das Innere der heutigen kath. "Herz Jesu Kirche", der ehemaligen evgl. Kirche zu Neutomische - Aufn. 2010/09 PM

Konzentrationslager Dachau interniert und dort 1942 ermordet.

Mit Kriegsende übernahm für die wiedererstandene Gemeinde dann Pfarrer Kazimierz Skaziński bis zum Jahr 1946 die Amtstätigkeiten wahr. Unter ihm wurde vermutlich die evangelische Kirche zum zweiten katholischen Gotteshaus der Stadt umgeweiht; die dann bis heute den Namen „Herrn Jesu Heiligstes Herz-Kirche“ trägt.

Pfarrer Skaziński folgte ab 1946 bis zum 29. Mai 1981 Pfarrer Michał Kosicki. Seine Amtsnachfolge trat dann 1981 Pfarrer Władysław Kasprzak an, er nimmt dieses Amt bis heute wahr.