Ein weiterer Mord – der Forsteleve Rau aus Bolewitz wird erschossen aufgefunden / 1904

Es war eine Belohnung für Ermittelung des Täters ausgesetzt worden / Veröffentl. im Kreis-Blatt

Es war eine Belohnung für Ermittelung des Täters ausgesetzt worden / Veröffentl. im Kreis-Blatt

Während die Ermittlungen hinsichtlich des Raubmordes an dem Schuhmachermeister Myszkowski aus Brody in vollem Gange waren, ereignete sich ein weiterer Mord.

Am 12. Oktober 1904 wurde der Forsteleve Hermann Rau gebürtig aus Luben Hauland im Königlichen Forst Buchwerder erschossen aufgefunden. Im Gegensatz zu ersterem Mord, bei welchem dem Opfer ein namhafter Betrag Bargeld entwendet worden war, und man von dem Motiv eines Raubmordes ausgegangen war, befanden sich in diesem zweiten Fall die Wertgegenstände des Ermordeten noch in dessen Besitz.

Innerhalb kürzester Zeit wurde nunmehr das “Interesse der öffentlichen Sicherheit” und eine baldige Aufklärung beider Fälle als “wünschenswert” angesehen.

Nachfolgend die Berichtserstattung zu diesem zweiten Mordfall:

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“14-10-1904
Am Mittwoch (12.10.1904) früh wurde der 26 Jahre alte Forsteleve Rau aus Luben-Hauland im Königl. Forst zwischen Bolewitz und Grudno tot aufgefunden. Die Leiche zeigte blauunterlaufene Stellen am Halse, auch war das Gesicht dunkelrot gefärbt; am Kopfe waren einige leichte unbedeutende Rißwunden zu bemerken.

Da der Tote seine Wertsachen noch bei sich hatte, so ist wohl kaum anzunehmen, daß der Unglückliche einem Raubanfall zum Opfer gefallen ist. Auch sein Rad wurde etwa 200 Schritte von der Leiche entfernt aufgefunden. Der Tote litt schon längere Zeit an Krämpfen, und es ist wohl anzunehmen, daß derselbe einem Schlaganfall erlegen ist. Eine Sektion der Leiche fand nicht statt.

1904-10-18
In der Grudno’er Leichenfund-Angelegenheit müssen wir zur Berichtigung und Ergänzung unserer Notiz in voriger Nummer des Kreisblattes mitteilen, daß jedenfalls doch ein Mord vorliegt.

Wie uns von wohlunterrichteter Seite darüber gemeldet wird, hat nachträglich am Freitag (14.10.1904) nachmittag die Sektion der Leiche doch noch stattgefunden, welche ergab, daß der Tote eine äußerlich fast unsichtbare Schußwunde am Halse hatte; das Projektil eines ganz kleinen Kalibers, wahrscheinlich von einem Tesching herrührend, fand man in dem Gehirn vor. Da eine Waffe bei der Leiche nicht gefunden wurde, so steht wohl unzweifelhaft fest, daß hier nicht ein Unglücksfall, sondern Mord vorliegt. Die Leiche scheint, da man weder am Halse noch an dem Rock Blut entdecken konnte, nach der ruchlosen Tat noch abgewaschen worden zu sein. In der Nähe der Unglücksstätte wurden vier Stellen im Walde bemerkt, auf welchen sich jedenfalls ein erbitterter Kampf abgespielt zu haben scheint, denn der Waldboden war sehr aufgewühlt. Dahingegen waren an der Stelle, wo die Leiche gefunden wurde, Spuren eines stattgefundenen Kampfes nicht zu entdecken. Der Leiche war der Rock, der übrigens dem Toten verkehrt angezogen worden war, über das Gesicht gedeckt.

Man sucht vergebens nach dem Grund, der den Mörder zu dieser schauerlichen Tat bewogen haben wird. Der Ermordete wird uns als ein ruhiger und harmloser Mensch geschildert, so daß man auch einen Racheakt kaum vermuten kann. Er war noch unverheiratet und stammte, wie wir bereits mitteilten, aus Luben-Hauland, wohnte zuerst in Bolewitz und siedelte nach dem großen Brande nach Krummwalde über. Er war gelernter Gärtner und wollte sich hier in den Forstkulturen ausbilden, um später in einer Privatforst angestellt zu werden. Auch von seinen Vorgesetzten wird er als ein braver und ordentlicher Mensch geschildert.

Leider wird die Ermittelung des Mordgesellen keine leichte Aufgabe sein. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit ist es aber gewiß wünschenswert, wenn sowohl dieser Mord sowie derjenige in Brody recht bald aufgeklärt würden, damit die Täter dem Richter überantwortet werden können.

1904-10-21
In der mysteriösen Grudno’er Mordsache haben sich trotz eifrigster Nachforschungen noch keinerlei Anhaltspunkte ergeben, die zur Ergreifung des Mörders führen könnten.

1904-10-28

Bekanntmachung.

Am 12. Oktober 1904 ist der Forstarbeiter (Forsteleve) Hermann Rau in der Königlichen Forst Buchwerder bei Bolewitz (Kreis Neutomischel) erschossen aufgefunden. Es liegt anscheinend Mord oder Totschlag vor. Für die Ermittelung des Täters, der den Rau erschossen hat, hat der Herr Königliche Regierungs-Präsident in Posen eine Belohnung von

300 Mark – dreihundert Mark -

ausgesetzt.

Ich bringe dieses zur öffentlichen Kenntnis und ersuche, mir etwaige zur Ermittelung des Täters zweckdienliche Nachrichten zu den Akten 2. J. 1206/04 umgehend mitzuteilen.

Meseritz, den 25. Oktober 1904 – Der Königl. Erste Staatsanwalt.

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Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: 1) Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – “Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel” 1904/10