Feuer im Tomischler Hauland

Meldungen über Brände

Eine der größten Gefahren der Vergangenheit für die Dörfer waren die Feuer. Die Wohnhäuser, Ställe und Scheunen waren aus Holz gebaut, meist mit Stroh gedeckt. Im Innern fanden sich offene Feuerstellen und offene Kamine in den Wohnräumen. Des Abends wurden die Kerzenlichter oder Petroleumlampen angezündet, umgestossen waren sie ebenfalls eine große Gefahrenquelle. Bei Unwetter war es oft der Blitzschlag der zu einem Dorfbrand führte. Gemäß der Brandverhütungsvorschriften waren zwar die Backöfen gesondert und in sicherer Entfernung vom Wohnhäusern errichtet, aber die große Gefahr war damit nur zum Teil eingegrenzt. Schon immer fazinierte das Spiel mit Streichhölzern und dem Feuer auch die Kinder – leider kam es dabei auch zu Unfällen.

Aus diesen Gefahren gründete sich der Brandschutz und es bildeten sich die ersten Feuerwehren.

Neben einigen Kurzmeldungen, die sich in verschiedensten Veröffentlichungen fanden, wurde uns in der Schulchronik von Kuschlin ein besonders detaillierte Beschreibung des Feuerausbruchs und dessen Bekämpfung überliefert. Mit der freundlichen Genehmigung der Bibliothek der Gemeinde Kuślin, die diese Chronik verwahrt, haben wir die Gelegenheit bekommen, diesen Beitrag hier zu veröffentlichen – Vielen Dank !

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Kuschlin am 26. Mai 1892

Der Falbkalender hatte am 26. Mai, gerade am Himmelfahrtsfest einen kritischen Tag erster Ordnung angesagt und schon glaubte man, dass Herr Falb sich dieses Mal getäuscht und für Kuschlin und Umgegend seine Voraussagung nicht in Erfüllung gehen würde. Doch nur zu kritisch sollte dieser Tag für Kuschlins  Bewohner werden.

Etwas um 1 Uhr nachmittags erscholl plötzlich der Ruf: Feuer „ und setzte die ganze Einwohnerschaft in Angst und Schrecken. Es brannte der Stall des Eigentümers Berthold Tepper, hierselbst. In wenigen Augenblicken war von den Flammen auch das Wohnhaus, welches, sowie auch der Stall mit Stroh gedeckt war, ergriffen. Das Feuer griff so schnell um sich, dass die Bewohner nur wenig von ihren Habseligkeiten retten konnten.

Dorfbrand – veröffentlicht „Aus der Geschichte des Feuerschutzes in Mühlhausen“ http://www.ffw-muehlhausen.de/Chronik/Pages/geschichte.html

Viel Getreide Mehl, Brot und Speck wurden ein Raub der Flammen. Auch eine Kuh fand in dem Feuer ihren Tod. Der Wind kam aus Nordost und trieb die Flammen auf das gegenüberstehende, ebenfalls mit Stroh gedeckte Gebäude des Eigentümers Friedrich Kühn, welches auch in kurzer Zeit bis auf die Einfassungsmauern niederbrannte. Ebenso brannten auch die Stallungen des Kühn nieder.  Der umsichtigen Leitung des Königl. Distriktkommissarius Herrn Hauptmann Bindewald im Verein mit dem Herrn Administrator Schmidt – Wonsowo – sowie dem tüchtigen Eingreifen der Eigentümer Karl Bruck und Wilhelm Bruck unter Beihilfe unserer Spritze ist es gelungen, das Nachbargebäude des Eigentümers Gustav Bruck, welches auch schon zu brennen anfing, zu retten.

Kupferne Wasserkufe mit 300 Liter Fassungsvermögen auf Schleifen die für Bespannung mit 2 Pferden gedacht waren. http://www.feuerwehrmuseum-nuernberg.de/Geschichte/Feuerloeschwesen-1400-bis-heute/Loeschwesen-1400-1800.html

Kupferne Wasserkufe mit 300 Liter Fassungsvermögen auf Schleifen die für Bespannung mit 2 Pferden gedacht waren. http://www.feuerwehrmuseum-nuernberg.de/Geschichte/Feuerloeschwesen-1400-bis-heute/Loeschwesen-1400-1800.html

Inzwischen hatte das Feuer auf der Brandstätte des Tepper den massiven Stall des Ortsvorstehers Lincke erfasst, und auch diesen so schnell bis auf die Einfassungsmauern niedergelegt, dass das Vieh nur mit Mühe gerettet werden konnte und einige Schweine ihren Tod in den Flammen fanden. Auch das massive Wohnhaus des Ortsvorstehers Linke wurde von den Flammen arg mitgenommen, so dass die Bodenfenster und auch die Seitenfenster ausbrannten. Hier galt es nun wieder einen mit Stroh gedeckten Nachbarstall und ein mit Stroh gedecktes Wohngebäude des Eigentümer Karl Behr zu retten und waren es hier ganz besonders die Herren Oberinspektor Schöne – Glupon – und Schlinke – Brody – welche mit ihren Spritzen und Mannschaften kräftig eingriffen. Von den Spritzen war die vom Dominium Glupon zuerst auf der Brandstätte. Dann waren noch gekommen: die Spritze von Chraplewo, Wonsowo, Sliwno, Rudnik, Bukowice, Pakoslaw, Brody, Michorzewo und Opalenitza mit ihren Löschmannschaften.  Die erste Wasserkufe führte der Grundbesitzersohn Reinhold Bruck – Michorzewko – der Feuerstelle zu. Derselbe hat das Pferd seines Vaters beim Hinzuschaffen von Wasser in keiner Weise geschont und war unermüdlich tätig. Außerdem waren noch Schlempetonnen  und Wasserkufen von den umliegenden Dominien zur Stelle, sowie auch Löschmannschaften dieser Dominien und solche aus Alt Dombrowo, Neu Dombrowo, Jastrzembnik, Michorzewko, Michorzewko Hdl, Michorzewo, Glupon, Chraplewo und Wonsowo.

Alle waren sehr schleunig und mit guten Löschgerätschaften zur Stelle und arbeiteten so tüchtig, dass das Feuer auf den Herd, den es binnen 15 Minuten erreicht hatte, beschränkt werden konnte. Besonders zu erwähnen ist auch noch die Tätigkeit des königl. Gendarm Herrn Kiersch von hier, welcher namentlich unter den Scharen von müßigen Zuschauern mehrmals gründlich aufräumte.

Die Entstehungsart des Brandes konnte bisher nicht ermittelt werden.

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Feuerwehrspritze aus dem Jahr 1913 - Aufn. Feuerwehrmuseum Rakonowiece - http://www.wmp-muzeum.psp.wlkp.pl/

Feuerspritze aus dem Jahr 1786 - Aufn. Feuerwehrmuseum Rakonowiece - http://www.wmp-muzeum.psp.wlkp.pl/

Quellenangaben:

Schulchronik Kuschlin – Veröffentlichung aus dieser mit der freundlichen Genehmigung der Bibliothek der Gemeinde Kuślin

Kupferne Wasserkufe  – http://www.feuerwehrmuseum-nuernberg.de/Geschichte/Feuerloeschwesen-1400-bis-heute/Loeschwesen-1400-1800.html

Feuerwehrspritze 1786 und 1913 – http://www.wmp-muzeum.psp.wlkp.pl/

Dorfbrand – veröffentlicht „Aus der Geschichte des Feuerschutzes in Mühlhausen“ –  http://www.ffw-muehlhausen.de/Chronik/Pages/geschichte.html