Gebäude der Stadt – Hausgrundstück No. 5 Posener Straße / Teil I. – Haus des Handschuhmachers Firle – ca. 1775-1849

Die Posener Straße - die No. 5 hat sich links zum Ende hin befunden / Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Die Posener Straße – die No. 5 hat sich links zum Ende hin befunden / Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Im Jahr 1836 wurde durch die Provinzial-Feuerversicherung auch das auf dem Hausgrundstück No. 5 Posener Straße freistehende Häuschen des Handschuhmachers Johann Gottlieb Firle registriert.

54,5×16 Fuß in der Grundfläche (ca. 81,0 qm) und 6,5 Fuss (knapp 2m) hoch. Ein Haus, wie fast alle in jener Zeit, aus Bohlen errichtet. Diese wiederum innen wie aussen mit Lehm beworfen. Beide Giebel waren mit Brettern zum Schutz gegen die Witterung verschlagen.

Die 2 Stuben und 2 Kammern hatten einen Dielenfußboden, während der Flur, die Küche und auch der Dachboden nur mit einem Lehmestrich versehen gewesen waren. Die Räume waren über 5 Türen zu erreichen gewesen und Licht bekamen sie durch 5 zweiflügelige Fenster. Das Gebäude war mit 2 Öfen aus Ziegeln ausgestattet gewesen.

Das Haus hatte ein gewöhnliches Schindeldach besessen, dessen Fortsetzung auch den Anbau an der hinteren Seite des Hauptgebäudes überspannte.

Dieser Anbau 17,00×5,75×4,00 (ca. 5,20×1,7 = knapp 9 qm bei einer Höhe von 1,20m) beherbergte eine Kammer.

Trotz einer vermutlich im Jahr 1835 erfolgten Reparatur, waren die Wände und das Dach fehlerhaft und auch von den Fenstern waren nur die Hälfte für gut befunden worden. Der Zustand des Anbaus wurde jedoch als schlecht eingestuft.

Geschätzt wurde das Alters des Hauses auf etwa 60 Jahre, ca. Baujahr 1775, das des Anbaus auf 50 Jahre, ca. Baujahr 1786.

Da auf diesem Grundstück um das Jahr 1850 “Neubauten” entstanden, deren Besitzer nicht mit der Familie Firle verbunden gewesen zu sein scheinen, kann davon ausgegangen werden, dass das Firle-Häuschen in jener Zeit abgetragen oder abgerissen worden sein muss.

* * *

 Familie Firle

 Als Haushaltsvorstand kann Johann Gottlieb Firle, Bürger und Handschuhmacher in der Stadt Neu Tomysl angesehen werden. Er wurde um 1770 geboren, sein Herkunftsort ist jedoch unbekannt. Er verstarb im Jul 1855 in der Stadt.  Im Oktober 1799 hatten er und die 1779 in Scherlanke geborene Maria Dorothea Proschwitz die Ehe in Neu Tomysl geschlossen.

Als Kinder des Paares wurden aus den Kirchenbüchern der Stadt notiert:

Carl Wilhelm Firle, geboren im Juni 1800, als Musiklehrer in Neu Tomysl oder der Umgebung tätig gewesen, er verstarb an Abzehrung im Februar 1836, es wurde nicht gefunden, dass er eine eigene Familie gegründet hatte               

Johann Gottlieb Firle, geboren im Februar 1806, er schloss als Lehrer in Heinersdorf im Jahr 1828 in Bomst die Ehe mit Wilhelmine geborene Rosenzweig. Einzigst wurde gefunden, das Wilhelmine Firle geborene Rosenzweig im Jahr 1888 in Gross Golle bei Gnesen verstarb und ihr Sohn, welcher zu Buk geboren worden war, ihren Tod auf dem Standesamt anzeigte

Johann Friedrich August Carl Firle, geboren im November 1809, war als Handschuhmacher in Grätz und Neu Tomysl tätig. Er und Johanna Pauline geborene Thomas, verwittwetete Goldfuss schlossen 1834 die Ehe. Von Ihren in den Jahren 1834 bis 1849 geborenen Kindern wurden keine Anschlussdaten gefunden.

Carolina Amalia Firle, geboren im Dezember 1812, hatte sich nicht verheiratet. Über ihr Leben ist nichts näheres bekannt. In ihrem Toteneintrag wurde sie als Tagelöhnerin ohne Domizil benannt.

Juliana Florentina Firle, geboren im Dezenber 1815, brachte im Jahr 1836 ihre Tochter Emma Amalie Firle zur Welt, welche im Alter von nur einem Monat verstarb. Im Jahr 1837 schloss sie dann die Ehe mit dem Förster Johann George Anders. Er stammte aus Kleinitz bei Karge und war um 1810 geboren worden.

* * *

Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: 1) Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/): Stadtakten / Beschreibung sämtlicher Gebäude in der Stadt Neu Tomysl; 2) Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)