Gebäude der Stadt – Hausgrundstück No. 5 Posener Straße / Teil II. – Neubauten einer Bäckerei und eines Handelsgeschäftes um 1850

Die alte Posener Straße, die Häuser 5 A und 5 B lagen auf der rechten Seite, im Hintergrund ist der ehemalige Alte Markt erkennbar / Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Die alte Posener Straße, die Häuser 5 A und 5 B lagen auf der rechten Seite, im Hintergrund ist der ehemalige Alte Markt erkennbar / Karte Sammlung Wojtek Szkudlarski

Unser erster Beitrag endete mit dem Bemerken, dass um das Jahr 1850 “Neubauten” auf dem Stadtgrundstück No. 5 Posener Straße entstanden waren und das kleine Häuschen des Handschuhmachers Firle diesen hatte weichen müssen.

Eine erste Information aus den alten Aufzeichnungen war, dass in diesen Gebäudebeschreibungen ab dem Jahr 1850 die Parzelle No. 5 geteilt und als 5 A und 5 B beschrieben worden war, es sich also seit jener Zeit um 2 Hausgrundstücke gehandelt hatte.

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Der Bauherr und Eigentümer für das Grundstück 5 A (stadtauswärts gelegen) war der Bürger und Bäckermeister

Carl Sperling.

Er hatte ein Wohngebäude, welches mit der Frontseite zur Posener Straße gelegen war, errichten lassen. Dieses stieß mit einem Giebel an das Gebäude No. 4 und mit dem anderen an das der No. 5 B (stadteinwärts gelegen). In diesem waren 5 Wohnstuben über 1nen Hausflur zu erreichen gewesen. Im Gebäude waren 8 einflüglige Stubentüren aufgelistet worden, es kann daher angenommen werden, dass die Räume auch untereinander, ohne den Flur passieren zu müssen, verbunden waren. Licht bekamen die Zimmer durch 6 zweiflüglige Fenster, wovon die Hälfte Doppelfenster waren.

Im Obergeschoss war der Schüttboden untergebracht;  hier lagerte vermutlich das Getreide zum künftigen Gebrauch in der Bäckerei.

Im Haus befanden sich 2 einflügelige Haustüren und 1ne zweiflüglige, wobei letztere vermutlich die Durchfahrt in den Hof des Anwesens gewesen war.

Dieses Hauptgebäude hatte die Abmessungen von 37×38 Fuß und war 10 Fuß hoch (ca. 11,3×11,6 m / ca. 131,0 qm bei einer Höhe von 3,0 m).

Im Hof selbst war mit einem Giebel an das Haupthaus angrenzend das Backhaus zu finden gewesen. Wie das Haupthaus auch, waren die Wände und die Giebel dieses Gebäudes aus gebrannten Ziegelsteinen mit massiven Brandmauern errichtet worden. Die Backstube und ein dazugehöriger Flur über den sie zu erreichen gewesen war, hatten die Abmessungen von 27×16 Fuß mit gleicher Höhe wie das straßenseitig gelegene Gebäude (ca. 8,2×4,9 m / ca. 40 qm; Höhe 3,0 m).

Die Bebauung der Hausgrundstücke 5 A und 5 B im Jahr 1890, also 40 Jahre nach ihrer Errichtung - nicht maßstabsgetreu

Die Bebauung der Hausgrundstücke 5 A und 5 B im Jahr 1890, also 40 Jahre nach ihrer Errichtung – nicht maßstabsgetreu

Weiterhin, mit einem Giebel an das Backhaus anstoßend, war ein Stallgebäude errichtet worden. 30×15 Fuß im Grundmaß bei einer Höhe von 16 Fuß (ca 9,1×4,6 m / 42 qm; Höhe  4,9 m) mit Wänden von Bindwerk, welches mit Lehm ausgeklebt gewesen war. Der frei stehende Giebel war mit Brettern verschlagen gewesen, während der an das Backhaus angrenzende massiv hochgezogen worden war.

Alle Gebäude hatten ein einfaches Ziegeldach, das Hauptgebäude und die Backstube mit Zink-Regenrinnen, das Stallgebäude ohne solche.

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Auf dem Grundstück der No. 5 B war der Eigentümer der Handelsmann

Meyer Josephsohn

zu Neu Tomysl gewesen.

Auf dem ihm gehörigen Grundstück war ein Wohnhaus von 38×38 Fuß Grundfläche entstanden. Die Höhe war bei der  Vorderfront 18 Fuß und mit der Hinterfront auf 15 Fuß abfallend gewesen (ca. 11,5×11,5 m = ca. 132 qm Grundfläche / 5,5 bzw. 4,5 m Höhe – vermutlich auf 2 Etagen).

Auch dieses Gebäude, eingeschlossen der Giebel, war massiv aus gebrannten Mauersteinen errichtet worden. Das Dach war mit Ziegeln eingedeckt gewesen.

Mit 5 Öfen waren die 7 Wohnstuben, 3 Küchen und der Laden beheizt worden. Im Haus waren die Stockwerke über, wie ausdrücklich erwähnt worden war, innenliegenden Treppen verbunden gewesen. Neben zahlreichen Türen und noch zahlreicheren Fenstern, wurde gesondert erwähnt, dass es eine doppelte mit Glas versehene Ladentür gegeben hatte.

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War die Stadtparzelle No. 5 bei Familie Firle noch mit einer Grundfläche von ca. 90 Quadratmetern bebaut  gewesen, so hatten Carl  Sperling und Meyer Josephsohn  auf demselben Gelände annähernd 345 Quadratmeter bebaute Grundläche genutzt.

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Carl Adolph Sperling

Bürger und Bäckermeister zu Neu Tomysl. Er war der Sohn des Johann Gottfried Sperling aus Glinau und dessenen Ehefrau Rosina Dorothea Stein. Er war am 22 Juli 1813 zu Glinau geboren worden. Seine Mutter verstarb im Jahr 1814. Sein Vater hatte darauf im Jahr 1815 die Dorothea Elisabeth geborene Schäfer geehelicht, welche somit seine Stiefmutter geworden war. Carl Adolph selbst schloss im Januar 1843 die Ehe mit der 9 Jahre jüngeren Friederike Beate Saar aus Bentschen.

In dieser Ehe wurden Ihre Kinder:

1844 – Amalie Henriette (später verehel. Unger)
1845 – Johann Hermann Gustav (später verehel. mit seiner Stiefschwester Pauline Ernestine Hermine Lehmann)
1846 – Carl Adolph und Paul Eduard – Zwillinge – verstarben 1846/1847
1849 – Anna Augusta Agnes (später verehel. Paech)
1854 – Emil Ludwig Nathanael  – verstarb 1859

geboren.

Nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 1860, heiratete er im Jahr 1868 die Johanna Juliana geborene Kurtz verwittwete Wilhelm Lehmann; sie war 1824 zu Paprotsch geboren worden.

Carl Adolph Sperling verstarb im Jahr 1882 in Neu Tomysl

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Meyer Josephsohn

Die Bebauung änderte sich im Laufe der Zeit, die alte No. 5 lag in etwa dort, wo heute die Häuser der No. 7 und 9 stehen / Photo: EA

Die Bebauung änderte sich im Laufe der Zeit, die alte No. 5 lag in etwa dort, wo heute die Häuser der No. 7 und 9 stehen / Photo: EA

jüdischer Kaufmann zu Neu Tomysl. Über ihn war mehr oder weniger, wie bei so vielen ehemaligen jüdischen Bewohnern der Stadt und deren Umgegend, fast nichts in Erfahrung zu bringen.

Er war verehelicht mit der Marianna geborene Levy. Sie war um 1813 zu Birnbaum geboren worden und 1892 zu Neu Tomysl verstorben. Meyer Josephsohn zeigte ihren Tod selbst beim Standesamt an.

Aus dieser Ehe stammten die Kinder:

1851 Simon (später verehel. mit Ernestina Levy)
1853 Hanna (später verehel. Loewenstein)
1846 Michaelis (später verehel. mit Helene Pflaum)

Leider sind diese Daten dann auch die Einzigen, welche aus zur Zeit einsehbaren Unterlagen, zu entnehmen gewesen sind.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt: 1) Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/): Stadtakten / Beschreibung sämtlicher Gebäude in der Stadt Neu Tomysl; 2) Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)