Geschichte aus einer Zustellungsurkunde des Jahres 1853

Die Original Urkunde aus dem Jahr 1853 / Privatbesitz

Die Original Urkunde aus dem Jahr 1853 / Privatbesitz

Seit 1793 sah die allgemeine Gerichtsordnung für die preußischen Staaten eine Zustellungsurkunde für Briefe amtlichen Inhalts vor. Die Gerichte erhielten für Ihre Akten, mit deren abgezeichneten Rücksendung  einen Nachweis der Ablieferung bzw. Mitteilung, dass eine Zustellung nicht möglich gewesen war.  Die Postboten waren für die korrekte Insinuation, also Zustellung, verantwortlich und quittierten dieses mit ihrer Unterschrift.

Diese Dokumente sind heute meist nicht mehr erhalten oder fristen ihre Existenz, wie viele andere Unterlagen auch, in Ordnern oder Schubladen von Sammlern. Vereinzelt findet jedoch auch eines wieder den Weg zurück an die Öffentlichkeit.  So auch das Post-Insinuations-Dokument zur Nro. 2802 aus dem Jahr 1853 des Königlichen Kreisgerichts zu Grätz.

Vollständig erhalten ist es nicht, der Seitenrand ist beschnitten, aber es beinhaltet doch Geschichte.

* * *

In der Hypothekensache der Neuhäuslerstelle sub No. 10 zu Kolziger Glashütte, so die Mitteilung, war ein Termin auf den 29ten September des Jahres 1853 vormittags 12 Uhr anberaumt worden. Direkt von diesem angesetzten Termin betroffen waren die verehel. Eisenhändler Johanne Rosalie Männel geb. Wulbrand im Beistande ihres Ehemannes zu Neutomysl.

Zugestellt wurde diese amtliche Mitteilung am 28ten August 1853. Der vereidigte Bezirksbote Müller attestierte die Handzeichen “x x x” der Maennel Eheleute, beide waren vermutlich des Schreibens unkundig,  und dass er das Schreiben bei den Adressanten selbst zugestellt habe.

Mit dieser Bestätigung entfielen die weiteren Möglichkeiten, welche dem Postboten für die ihm obliegende  Aufgabe der Zustellung möglich gewesen wären, wie:

  • Adressat nicht angetroffen (mit Rückreichung) oder
  • an die Person X, die die weitere Beförderung versprochen hat oder
  • durch Anheften an die Thür

anzukreuzen.

Worum es im Einzelnen ging ? – wir wissen es nicht. Gefunden haben wir aber trotzdem das ein oder andere zu den im Dokument Genannten.

♦ ♦ ♦

Am 09. September des Jahres 1844 wurde in der evangelischen Kirche zu Neutomysl  der Wittwer Johann Daniel Meier, ein Schuhmachermeister, mit der Jungfer Johanne Rosalie Wollbrand, des Johann Heinrich Wollbrand, Glasmacher zu Kolziger Glashütte, zweite Tochter aus 1ster Ehe getraut.  Der Bräutigam war lt. dem Eintrag 49, die Braut 34 Jahre alt. Die Trauung war in Neu Tomysl vollzogen worden, da die Braut schon über 1 Jahr in der Parochie gelebt hatte.

Aus einem Aufgebot zu Kirchplatz Boruy vom Oktober und November des Jahres 1843 ist dann noch zu erfahren gewesen, dass die Jungfer Johanna Rosalie Wollbrand, früher in Diensten in Alt Boruy gestanden habe.

Eingeschoben sei hier, dass es in jener Zeit keine feste Rechtschreibung gab, es wurde geschrieben wie gehört und wie gekonnt. Das der Familienname mal Wollbrand mit oder ohne t am Ende, oder mittig mit einem l oder mit doppelten l geschrieben oder Wulbrand lautete, fällt in diese Kategorie. Gleiches gilt für den Familiennamen Meier; selbst heute fragt man Träger dieses Namens nach der Schreibweise; dieses gilt auch für die Mennel, Männel und Maennel’s.

Aber weiter mit dem Ehepaar Meier. Bei richtiger Auswertung der Kirchbuchaufzeichnungen war die erste Ehefrau des Bräutigams, die von ihm separierte Anna Dorothea geb. Kahl, verstorben im Jahr 1833, gewesen.

Am 6ten Juli 1846 verstarb der Schuhmacher und Einwohner zu Glinau Daniel Meier im Alter von 56 Jahren und 3 Monaten. Als hinterlassen wurden erwähnt die Wittwe Johanne Rosalie geb. Wollbrand und 2 minorenne Kinder, diese vermutlich aus der 1sten Ehe des Verstorbenen, und kein Vermögen.

5 Jahre später wurde in der Kirche zu Neutomysl  am 5ten Juli des Jahres 1850 der Wittwer Gottl. Friedr. Mennel, Bürger und Handelsmann zu Neu Tomysl mit der Wittwe Johanne Rosalie Maier geb. Wollbrandt, des weil. Joh. Daniel Meier, Häusler und Schuhmacher in N. Bor. hinterlassene Ehefrau getraut. In 1ster Ehe war Johann Gottlieb Friedrich Maennel mit Maria Elisabeth Bock verehelicht gewesen.

Am 6ten September 1855 verstarb Johanna Maennel geb. Wolbrandt im Alter von 46 Jahren. Sie hinterließ ihren Ehemann, kein Vermögen und keine Kinder.

Am 19ten November 1861 verstarb letztlich der Wittwer, Bürger und Handelsmann Gottlob Mennel im Alter von 74 Jahren in Neu Tomysl.  Er hinterließ 3 maj. Kinder (aus erster Ehe) und kein Vermögen.

Als letztes kommen wir zu dem in diesem Dokument erwähnten Bezirksboten Müller.

Er findet eine erste Erwähnung im Eheeintrag des 18ten August 1851 des Kirchenbuches Neu Tomysl’s. Es wurden getraut der Junggeselle Gotthilf Müller, Exekutor in Neu Tomysl, des Gottlieb Müller, Egth. zu Kapunke ältester Sohn mit der Ros. Dor. Tepper, des Gottfr. Tepper Bürgers in N. Tomysl  3te Tochter. Das Alter des Bräutigams wurde mit 35, das der Braut mit 33 Jahren angegeben.

Die Berufsbezeichnung Exekutor wandelte sich im Jahr 1854 in Postbote. Nach derzeit einsehbaren Unterlagen war die Familie im Jahr 1859 noch in Neu Tomysl ansässig, ehe sich ihre Spur verliert.

* * *

Quellen, soweit nicht direkt im Text oder in Bildbeschreibungen angegeben: Original Dokument / Privatbesitz und Personenstandsunterlagen  Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/)