Gebäude der Stadt – Die Gerberei Fischer auf dem Hausgrundstück No. 45 – ab ca. 1822 in Neu Tomysl

Das Haus der "alten" Hausno. 45 (links), es ist 1938 der neu angelegten Straße gewichen / Foto: http://mojemiasto.oledry.pl/

Das Haus der “alten” Hausno. 45 (links), es ist 1938 der neu angelegten Straße gewichen / Foto: http://mojemiasto.oledry.pl/

In unserem Artikel über die Loh-Gerberei der Familie Kuttner, welche auf das Hausgrundstück No. 44 ab dem Jahr 1860 ansässig geworden war, hatten wir auch schon kurz die Familie Fischer erwähnt:

“Am 18. September 1858 verstarb der in Neu Tomysl ansässig gewesene Bürger und Gerbermeister Johann Gottlieb Fischer im Alter von ca. 64 Jahren. Er hinterließ seine Ehefrau Johanna Rosina Hudzinski (es finden sich zu ihrem Geburtsnamen verschiedenste Schreibweisen, u. a. Chodzinski) und vermutlich 8 , der 10, der Familie zugeordneten Kinder. Die Familie war auf dem Hausgrundstück Neu Tomysl No. 45 ansässig gewesen.

Die Wittwe Fischer hat nach dem Tod ihres Mannes den Gerbereibetrieb, ohne das Wohnhaus, dessen Besitzerin sie noch mindestens bis zum Jahr 1864 war, an den Gerbermeister Julius Kuttner und dessen Ehefrau Rosette Jacobsohn veräussert.”

* * *

Im Jahr 1836 wurde das Wohnhaus des Gottlieb Fischer zu Neutomysl Am Neuen Markte No. 45 als Hauptgebäude bei der Provinzial Feuerversicherung aufgenommen.

29,5 Fuß lang, 34,5 Fuß breit und 8 Fuß (ca. 9,00×10,50×2,40m) hoch war der aus Ziegeln errichtete Bau, 1,5 Fuß stark mit Kalk verputzt. Er hatte schon zu dieser Zeit ein Dach welches mit Biberschwanzziegeln eingedeckt gewesen war. Über einen Hausflur waren 2 Stuben und 1 Kammer, wie auch der Keller und die Rauchkammer zu erreichen. Beheizt wurde das Gebäude über einen “Ofen von Kacheln“. Durch einen “Thorweg mit 2 Thoren á 2 Flügel” war das hinter dem Haus gelegene Grundstück erreichbar. Das Alter des Haus wurde mit “etwa 13 Jahre” alt geschätzt, also etwa um 1823 erbaut, und es war ungefähr im Jahr 1834 “durchweg” repariert worden.

Das Gerbereigebäude war 28 Fuß lang, 16 Fuß breit, 7 Fuß in der vorderen 1sten Etage und 5,5 Fuß in der hinteren 2ten Etage hoch (ca. 8,50×4,90×2,10/1.70m). Ein an die Gerberei sich anschließender Anbau von 11 Fuß Länge, 4,5 Fuß Breite und 4,5 Fuß Höhe (ca. 3,40×1,40×1,40m) befand sich unter “ein und demselben Dach“. Im Erdgeschoß waren über einen Flur eine Stube, 1 Lohkammer, 1 Schweinestall und die obere Etage, die zur Aufbewahrung diente, zu erreichen. Das Gebäude stand weitesgehenst frei und stieß nur teilweise an des Kuhstall des Nachbargrundstückes der No. 46. Die Gerberei wurde als in bestem Zustande und ihr Alter auf etwa 14 Jahre, ca. 1822 erbaut, beschrieben; auch sie hatte ca. 1834 eine Reparatur erfahren.

Die süd-westliche Ecke des heutigen Plac Niepodległości mit Markierung des ehemaligen Standortes der Häuser No. 44 und 45 / Foto: PM

Die süd-westliche Ecke des heutigen Plac Niepodległości mit Markierung des ehemaligen Standortes der Häuser No. 44 und 45 / Foto: PM

Johann Gottlieb Fischer, rückgerechnet von der Altersangabe in seinem Toteneintrag, wurde um das Jahr 1794 herum geboren. Aufgrund der Häufigkeit des Namens Johann Gottlieb Fischer war es nicht möglich ihn einer der in der Gegend von Neu Tomysl ansässig gewesenen Fischer Familien zuzuordnen. Johanna Rosina Hudzinski, auch Chodzinski oder ähnlich geschrieben, war um 1802 geboren worden und stammte. laut den bei Ihrem Tod vermerkten Daten, aus Zirke im Kreis Birnbaum.

Der Familie wurden 10 Kinder zugeordnet, welche in den Jahren 1824 bis 1845 geboren worden waren; zwei von Ihnen starben im Kindesalter. Von den anderen wurde bis jetzt gefunden, dass eine Tochter, Johanna Paulina, als verehelichte Rausch in der Umgegend der Stadt lebte, weitere drei Töchter, Auguste Wilhelmine, Maria Emilie, Caroline Louise, lebten als verheiratete Orschalkewitsch, Lehmann und Rebbin in Berlin wo auch einer der Söhne, Carl August Robert, sich mit seiner Ehefrau einer geborenen Asche als Sattler niedergelassenen hatte. Ein weiterer Sohn, Carl Adolph Wilhelm, ist vermutlich mit seiner Partnerin einer geborenen Kahl im Raum Buk ansässig gewesen. Der Aufenthalt bzw. Wohnort der Tochter Ernestine Mathilde , sie war eine verehelichte Schleifner gewesen und der des Sohnes Johann Gottlieb Ernst konnte nicht festgestellt werden.

Eine Erwähnung des Hausgrundstücks No. 45 findet sich dann erst wieder im Jahr 1864 bei der Feststellung der Städter mit Eigenthum zwecks Erhebung von Grundsteuer. In diesem Jahr wurde die Wittwe Rosina Anna Fischer als Eigenthümerin benannt.

Vermutlich lebte sie noch bis zu ihrem Tod im Februar 1890 in Neu Tomysl in ihrem Haus.

* * *

Quellen: Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/) – 1. Stadtakten / Beschreibung sämtlicher Gebäude in der Stadt Neu Tomysl; 2. Kirchenbücher der evangelischen Gemeinden