Mord in der Sylvesternacht – Pinne 1902

Pinne / Pniewy - Marktplatz - Postkartenausschnitt

Pinne / Pniewy – Marktplatz – Postkartenausschnitt

Im Standesamtsregister der Stadt Pinne (Pniewy)  des Jahres 1902 unter No. 2 vom 3. Januar findet sich eine Eintragung, über einen Überfall in Pinne in der Neujahrsnacht mit Todesfolge  (die kursiv eingesetzten Daten wurden ergänzt).

“Dem unterzeichneten Kantorbeamten geht heute von der Polizei Verwaltung der Stadt Pinne die schriftliche Mittheilung zu, daß …

am ersten Januar dieses Jahres (1902), Vormittag zwischen sieben und acht Uhr auf der Promenade am Zaune des hiesigen Schloßgartens der

  • Nachtwächter Johann Fechner  wohnhaft zu Pinne, 42 Jahre alt (geb. 16. Oktober 1859) ,
  • geboren zu Mosciejewo Kreis Birnbaum, (katholischer Religion)
  • zuletzt verheiratet (Eheschliessung am 02. Februar 1883 StA Pinne) gewesen
  • mit der Antonia geborene Przybysz (geb. 03 Juni 1857 in Kuzle Krs. Samter) ,
  • Sohn des verstorbenen Arbeiters Josef Fechner und dessen Ehefrau Anna geborene Janke (Jankowiak),

in Folge Totschlagens todt aufgefunden worden sei.”

Im Kreisblatt Neutomischel fand sich hinsichtlich dieser Tat eine kurze Berichterstattung. Teilweise wurde die Schilderung der Ereignisse vermutlich aus dem Posener Tageblatt übernommen; einige Details sind abweichend dargestellt worden.

Pinne, 1. Januar 1902 – Mord in der Sylvesternacht
Eine gemeine Mordthat ist in der Sylvesternacht an dem hiesigen Nachtwächter Fechner verübt worden. Derselbe wurde, wie aus den bisher stattgefunden Vernehmungen hervorzugehen scheint, von einer rauflustigen Horde in der Nacht überfallen und erschlagen; seine Hilferufe sind in dem Lärm der Sylvesternacht leider verhallt, so daß der fast leblose Körper erst früh Morgens aufgefunden und in das hiesige Johanniterkrankenhaus gebracht werden konnte, wo der Unglückliche alsbald verschied.

Dem so frevelhaft ermordeten Manne, der erst etwa 30 Jahre alt war, wird das beste Zeugniß ausgestellt; er hinterläßt eine Frau und zwei kleine Kinder (vermutlich waren diesen beiden Kinder, der im August 1883 geborene Ludwig, und die im Dezember 1887 geborene Franciska).

Zwei stark verdächtige Individuen sind bereits verhaftet und in das hiesige Gerichtsgefängniß eingeliefert worden; auf die anderen Thäter wird eifrig gefahndet. (Pos. Tgbl.)”

Pinne, 5. Januar. Unter dem Verdacht, in der Sylvesternacht den Nachtwächter Fechner ermordet zu haben, sind die Brüder Jakob und Joseph Spott verhaftet worden. Beide bestreiten entschieden die That.”

Posen, 2. Mai (Schwurgericht). Der Arbeiter Joseph Schott aus Pinne wurde wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Die Geschworenen hatten die Schuldfrage wegen Mordes und Todtschlags verneint.

Am Neujahrstage früh ist der Nachtwächter Fechner in Pinne todt aufgefunden worden. Der Verdacht der Thäterschaft lenkte sich alsbald auf den Angeklagten, der von Fechner bei einem Holzdiebstahl abgefaßt worden war und ihm deshalb Rache geschworen hatte. Schott ist ein jähzorniger, schon oft bestrafter Mensch. In der Neujahrsnacht verübte der Angeklagte auf dem Marktplatz zu Pinne groben Unfug; als er deshalb von Fechner zur Rede gestellt wurde, machte er sich über den Beamten lustig und erhielt von diesem mit der Wächterpicke einen Schlag über den Rücken.

Das hat den angetrunkenen Rowdy noch mehr in Wuth gebracht; er trank sich Muth an und muß später den Nachtwächter allein getroffen und angegriffen haben.

Der Tod des Fechner erfolgt, weil er vier Schläge mit einem stumpfen Instrument gegen den Kopf erhalten hatte.”

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Quellen:

  • Kreisblatt Neutomischel 1902 einzelne Ausgaben siehe im Text  – Wielkopolska Biblioteka Cyfrowa – http://www.wbc.poznan.pl/dlibra
  • Einsicht in die Standesamtsaufzeichnungen über das Staatsarchiv Poznan –  http://szukajwarchiwach.pl/