Orgelbau-Anstalt Dienegott Janott, Neutomischel, Prov. Posen

Bucheinband: "Die Orgelbau-Anstalt-Janott"

Für diesen Artikel gilt ein besonderer Dank der Familie Franke zu Berlin. Gerhard Franke, ein Groß-Neffe des Dienegott Janott hat in mühseliger, aufwendiger und bewundernswerter Arbeit die Tätigkeit seines Vorfahren recherchiert. Er erstellte und veröffentlichte im Dezember 2005 das Buch “Die Orgelbau-Anstalt Janott”. Von ihm erhielten wir auch die freundliche Genehmigung eine kleine Zusammenfassung zu der seinerzeit in Neutomischel ansässigen Orgelbauwerkstatt zu veröffentlichen.

Dienegott Friedrich Janott wurde am 22. Juni 1869 in Chichagóra geboren. Er war der jüngste Sohn seiner Eltern Johann Gottlieb Janott und Anna Dorothea geb. Redlich, die eine Landwirtschaft zu Chichagora unterhielten. Diese Landwirtschaft lässt sich ins Jahr 1793 zurückverfolgen.

1894 heiratete er im Alter von 25 Jahren, er war zu diesem Zeitpunkt Mühlenbauer, Ottilie Günther aus Bukowiec. Es heisst, dass er ab 1895 das Orgelbauhandwerk bei der Firma Wilhelm Sauer in Frankfurt/Oder erlernte.

1898 wurde der erste Sohn Konrad, 1899 die Tochter Margaretha, 1900 der zweite Sohn Hans, 1901 der dritte Sohn und im Jahr 1905 die zweite Tochter Else geboren.

Im Vordergrund die Werkstatt (1902-1920), dahinter das Wohnhaus (von PM) 4-6-2010

Im Vordergrund die Werkstatt (1902-1920), dahinter das Wohnhaus (G.Franke) 1983

Um 1900 wurde die Orgelbau-Anstalt Dienegott Janott in Neutomischel gegründet. Der Betrieb wurde auf dem Grundstück des Wohnhauses in der Grätzer Str. 220 angesiedelt. – In dem Kirchenblatt für die Evangelisch-lutherischen Gemeinden vom 03. November 1901 heisst es im Beitrag zum “Kirchweihjubiläum in Alt-Tuchorze”: Das war ein fröhliches Kommen und Grüßen in Alt-Tuchorze am Mittwoch, den 23 Oktober, zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des renovierten Kirchleins und zur Weihe einer neuen kleinen Orgel. Diese, das Erstlingswerk eines Gliedes der Gemeinde Neutomischel, des Orgelbauers Dienegott Janott in Bukowiec, hatte die Gemeinde für den überaus mäßigen Preis von 600 Mark – das Werk hat 6 klingende Stimmen – erworben, da das kleine Pfeifeninstrument, das ihr 45 Jahre hindurch gedient hatte, den Dienst nunmehr vollständig versagte. (Trotz des billigen Preises ist das Werk nach dem sachverständigen Urteile des Kantors der hiesigen landeskirchlichen Gemeinde seinem Zwecke vollkommen entsprechend.)

Zuerst wurden die Orgeln in einem behelfsmäßigem Werkraum gefertigt, ehe 1908 auf dem gleichen Grundstück, rechts neben dem Wohnhaus eine zehn Meter hohe Werkhalle errichtet wurde. Im Unternehmen waren Karl Pohle, Karl Fliegert und Richard Deckert angestellt. Später arbeiteten auch die drei Söhne im Familienbetrieb. Die Belegschaft bestand zumeist aus 7 Personen und wurde als Familienbetrieb geführt. Ottilie, die Ehefrau des Dienegott Janott, verköstigte alle, Angestellte und Familienangehörige, dreimal täglich mit den Mahlzeiten. Kennzeichnend für die überschaubare Größe des Unternehmens war auch die Geschäftsführung: sehr kurz gehaltene handschriftliche Eintragungen zum Aufstellungsort, zu Lieferdaten, zu Preisabsprachen und den Dispositionen der Fertigung der Musikinstrumente. Es kam auch schon mal zu einem verpassten Liefertermin, das zugekaufte Bauteile, die zur Fertigstellung notwendig waren, nicht eingetroffen waren. Alle Energie wurde auf die Kunst der Fertigung und die Perfektion der Orgeln verwendet, die kaufmännische Seite war vermutlich nur eine Notwendigkeit.

Dienegott Friedrich Janott (Foto:Else Wenzel geb. Janott)

Der Sohn Konrad Janott sollte ebenfalls in der Fa. Sauer den Orgelbau erlernen. Er erhielt jedoch eine Ablehnung auf seine Bewerbung. Die Fa. Sauer wollte sich keine weitere Konkurrenz schaffen.

Dienegott Janott war auch der Organist der evangelischen-lutherischen Gemeinde zu Neutomischel.

Nach dem Ende des I. Weltkrieges, Neutomischel war polnisch geworden, musste der Orgelbau eingestellt werden. Zum Bau notwendige Materialien, wie z. B. weiches Leder für die Ventilbälge,vor dem Krieg problemlos in Berlin angekauft, konnte nur noch, wenn überhaupt, über das “Ausland”  zu dem die Großstadt nunmehr gehörte, beschafft werden.

Orgel zu Kuschten (Foto:G.Franke)

Zum Jahr 1920 leitete Dienegott Janott den Weggang aus Neutomischel für seine Familie und die Orgelbauwerkstatt ein. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 51 Orgeln in Neutomischel gefertigt worden. Als Auftraggeber galten Kirchengemeinden evangelischer und katholischer Konfession, aber auch freikirchliche Gemeinden. Es waren auch Hausorgeln für private Haushalte gefertigt worden.

Noch im Jahr 1920 verstarb der Sohn Hans in Neutomischel.

Zu 1921 wurde dann der Ankauf eines Grundstückes und der Aufbau einer neuen Orgelbau-Werkstatt in Fürstenwalde / Spree realisiert. 1926 musste die Familie den Tod des Sohnes Konrad verkraften.

Dienegott Janott verstarb am 25. August 1928 zu Fürstenwalde / Spree im Alter von 59 Jahren.