Schöffengerichtssitzungen August – Dezember 1903

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes - Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte - Bild: EA

Relief über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes – Justitia, die Personifikation der Gerechtigkeit; die Waage für die sorgfältige Abwägung der Sachlage, die Augenbinde für die Unparteilichkeit fehlt, das Richtschwert für die Durchsetzung mit der nötigen Härte – Bild: EA

Nachstehend sind die Verhandlungspunkte und Urteile der Schöffengerichtssitzungen vom August bis Dezember 1903 wiedergegeben.

Entnommen wurde die Berichterstattung dem Neutomischler Kreisblatt des Jahres 1903.

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Schöffengerichtssitzung vom 4. August 1903 - Vorsitzender Herr Amtsrichter Dr. Brasack, Amtsanwalt Herr Distriktskommissar Roll, Schöffen waren die Herren Eigentümer Heinze aus Konkolewo und Gottlieb Roy aus Glinau.

Es wurden folgende Fälle verhandelt:

  1. Der Arbeiter Andreas Jaskowiak aus Wonsowo wurde wegen Körperverletzung und Bedrohung mit 4 Wochen Gefängnis und 5 Mk. Geldbuße bestraft.
  2. Das Dienstmädchen Selma Wilde aus Glinau war angeklagt, ihren Dienst bei dem Gastwirt Kung in Glinau ohne Grund verlassen zu haben. Sie hatte gegen den wider sie erlassenen Strafbefehl Einspruch erhoben. Nach verhandelter Sache wurde die Genannte von der Anklage freigesprochen.
  3. Der Eigentümer Wilhelm Pflaum und dessen Ehefrau Emilie Pflaum aus Alttomischel wurden wegen gegenseitiger Körperverletzung mittels gefährlicher Werkzeuge beide zu je 10 Mk. Geldstrafe verurteilt.
  4. Der Eigentümer Anton Minge aus Witomischel wurde wegen Betruges mit einer Woche Gefängnis bestraft.
  5. Das Dienstmädchen Lina Usch aus Alt-Borui war angeklagt ohne Erlaubnis ihres Dienstherrn, des Eigentümers Fischer aus Alt-Borui, des Sonntags ausgegangen zu sein. Sie hatte jedoch gegen den an sie ergangenen diesbezüglichen Strafbefehl Einspruch erhoben. Das Gericht verwarf jedoch die Appellation und erkannte auf 6 Mk. Geldstrafe.
  6. Die Privatklagesache der Dienstmagd Engler gegen den Arbeiter Raschke aus Glinau, welche in der vorigen Schöffengerichtssitzung zwecks Ladung neuer Belastungszeugen auf heute vertagt war, wurde dem Kgl. Schwurgericht in Meseritz überwiesen, da sich das Schöffengericht in dieser Sache (versuchter Notzucht) für nicht zuständig erklärte.
  7. Die Sache gegen den Handelsmann Schäfer in Bolewitz wegen Verletzung der Absperrungsmaßregeln bei Ausbruch der Viehseuchen wurde behufs Vernehmung weiterer Zeugen vertagt.

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Schöffengerichtssitzung vom 19. August 1903 – Vorsitzender Herr Amtsgerichtsassessor Reichhelm, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte, Schöffen waren die Herrn Eigentümer Carl Kurz, Paprotsch und Bäckermeister Liepelt, Neutomischel – Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Die Verhandlung gegen den nicht erschienenen Angeklagten Tomalka, ferner gegen die anwesenden Angeklagten Stanislaus Weber, Wirt August Schulz und Michael Kucz sämtlich aus Neufeld mußte vertagt werden, da sich die Vernehmung weiterer Be- und Entlastungszeugen notwendig machte.
  2. Die Arbeiterin Klapa aus Witomischel war beschuldigt, den hiesigen Distriktsamtsboten Bielke, welcher mit der Vorführung ihrer Tochter beauftragt war, mit einem Besen bedroht zu haben. Der Gerichtshof stellte Beleidigung eines Beamten, jedoch kein Vergehen gegen die Staatsgewalt fest und erkannte auf eine Woche Gefängnis.
  3. Der Kutscher Werner hierselbst (Neutomischel) hatte sich wiederholt widerspenstig gegen die Befehle seines Dienstherrn, des Spediteurs Herrn Carl Ed. Goldmann, gezeigt und hatte gegen den an ihn ergangenen Strafbefehl Einspruch erhoben. Das Gericht verwarf jedoch die Berufung und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 3 Mk. evtl. 1 Tag Haft.
  4. Der Arbeiter Macijewicz aus Klein-Lipke hatte sich wegen einer zu Witomischel begangenen Mißhandlung eines Schulknabens zu verantworten und erhielt für diese unberechtigte Züchtigung eine Geldstrafe von 50 Mk. evtl. 10 Tage Haft.
  5. Der Fleischer Bruno Otto aus Witomischel war angeklagt, ein krankes Kalb geschlachtet zu haben. Dies konnte ihm jedoch nicht nachgewiesen werden und erzielte der Angeklagte Freisprechung, während die Kosten des Verfahrens dem Kläger auferlegt wurden.
  6. Gegen den Schweinehändler Schaefer aus Bolewitz war ein Strafantrag gestellt worden, ein seuchenverdächtiges Ferkel nicht polizeilich angemeldet zu haben. Er wurde jedoch von der Anklage freigesprochen, da er zur Zeit nicht zu Hause war und daher die Anzeige nicht bewirken konnte.
  7. Der Dienstjunge Joseph Malinski aus Glinau hatte seinen Dienst ohne berechtigten Grund bei dem Eigentümer Wilhelm Joachim verlassen und wurde dafür zu 3 Mk. Geldstrafe verurteilt.
  8. In der Privatklagesache der Arbeiterin Knopp gegen die Witwe Koziol aus Chraplewo wegen gegenseitiger Beleidung und körperlicher Mißhandlung, welche schon im vorigen Termin zur Verhandlung stand und auf heute vertagt war, wurde auf Grund der Zeugen Aussage dahin entschieden, daß sich die Angeklagte Knopp der körperlichen Mißhandlung und der Beleidigung schuldig gemacht hat. Sie wurde mit 3 Mk. Geldstrafe und der Hälfte der Kosten bestraft, während die Angeklagte Koziol nur wegen Beleidigung zur Tragung der anderen Hälfte der Kosten verurteilt wurde.
  9. Die Privatklagesache des Eigentümers Koth aus Zinskowo gegen den Altsitzer Leske ebendaselbst wurde zwecks Vernehmung weiterer Zeugen vertagt.

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Schöffengerichtssitzung vom 19. August 1903Verhandelt wurde der nachstehende Fall:

 In der Schöffengerichtssitzung des Kgl. Amtsgrichts zu Neutomischel vom 19. August d. Jr. wurde der Fleischbeschauer Heinrich Müller aus Klein-Lipke zu den Kosten des Verfahren verurteilt, weil er zur Anzeige gebracht hatte, daß der Fleischer B. O. ?D.? aus Witomischel ein krankes Kalb gekauft, dasselbe aber nicht habe untersuchen lassen. Gegen die hinsichtlich der Kosten getroffene Entscheidung hatte Müller beim Kgl. Landgericht in Meseritz Berufung eingelegt und erzielte seine Freisprechung.

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Schöffengerichtssitzung vom 09. September 1903 –  Vorsitzender Herr Amtgerichtsassessor Kirchner, Amtsanwalt Herr Gerichtssekretär Sommer, Schöffen waren die Herren Ortsschulze Gebauer-Scherlanke und Eigentümer August Roy-Paprotsch. – Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Der Knecht Klatt aus Albertoske hatten seinen Dienst bei dem Eigentümer Steinke ohne Grund verlassen und erhielt deshalb einen Strafbefehl. K. erhob jedoch gegen denselben Einspruch. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 12 Mk.
  2. Der inhaftierte Bruno Otto aus Neuborui wurde, da er bei der Handelsfrau Lehmann gebettelt und sich des Hausfriedenbruches schuldig gemacht hatte, mit 3 Monaten Gefängnis bestraft.
  3. Der Stellmacher Kaperski aus Chraplewo hatte sich nach Aufforderung der Wirtin Werner nicht aus deren Lokal entfernt. Er erhielt die niedrigste Strafe von 3 Mk.
  4. Der Schmied Carl Jäkel aus Wonsowo, die Arbeiter Felix und Ignatz Marchewski waren wegen Mißhandlung und Körperverletzung angeklagt. Die beiden ersteren wurden mit je 50 Mk., letzterer mit 30 Mk. bestraft.
  5. Der Knecht Kaczmarowski aus Neutomischel hatte sich ungehörig und widerspenstig gegen die Befehle seines Dienstherrn, des Fabrikbesitzers Paech hier (Neutomischel) gezeigt und sich ohne Erlaubnis aus seinem Dienst öfters entfernt. Hierfür erhielt er eine Strafe von 12 Mk.
  6. Der Arbeiter Valentin Kucz aus Wonsowo hatte einen Strafbefehl erhalten, da er seine Tochter nicht zur Schule geschickt hatte. Er glaubte jedoch dafür nicht verantwortlich zu sein, da er das noch schulpflichtige Mädchen bereits vermietet hatte. Das Gericht stellt aber fest, daß der Vater und nicht der Dienstherr dafür zu sorgen hätte, ermäßigte jedoch die im Strafbefehl festgesetzte Strafe auf 3,50 Mk.
  7. Der Eigentümer Paul Hildebrandt aus Konkolewo-Hld. hatte sich auf die Aufforderung seines Vaters, mit dem er in Streit geraten war, nicht aus dessen Hausflur entfernt und erhielt wegen des dadurch begangenen Hausfriedensbruches 5 Mk. Geldstrafe.
  8. Der Lehrer Tschiersch aus Bolewitz wurden wegen Beleidigung des Oberförsters Packenius nach längerer Verhandlung und Vernehmung zahlreicher Zeugen mit 150 Mk. bestraft.
  9. Die Arbeiterfrau Marianna Michewska aus Grudno wurde wegen Wegnahme eines Briefes, den ihr Mann an eine andere Frau gesandt hatte, zu einem Tage Haft verurteilt.
  10. Der Arbeiter Karl Köter aus Alt-Borui wurden wegen Mißhandlung seines Kindes und seiner Ehefrau mit 6 Monaten Gefängnis bestraft.
  11. Die beiden Frauen Michalina Pospiecela aus Bukowiec und Franziska Kaczmarek aus Grudno hatten sich wegen unbefugt geleisteter Geburtshilfe zu verantworten. Erstere erhielt eine Geldstrafe von 3 Mk., da sie die polizeiliche Anmeldung ihrer Hilfeleistung unterlassen hatte, letztere dagegen wurde freigesprochen.
  12. Der Knecht Ruchay aus Alttomischel hatte seinen Dienst bei dem Eigentümer August Fenske in Paprotsch ohne Grund verlassen und wurde deswegen mit 5 Mk. bestraft.
  13. Der Knecht Werner aus Neutomischel hatte gegen seinen Dienstherrn wegen Mißhandlung Privatklage angestrengt, während letzterer gegen seinen Untergebenen Widerklage wegen fortgesetzter Widerspenstigkeit und ungebührlichen Verhaltens erhoben hatte. Es wurde dahin entschieden, daß von beiden Parteien niemand bestraft wurde, die Kosten des Rechtsstreites jedoch geteilt werden sollen.
  14. In der Privatklagesache der Arbeiterfrau Kelm gegen den Zimmermann Seide, beide zu Neutomischel, wurde letzterer wegen Beleidigung mit 5 Mk. bestraft.
  15. Der Altsitzer Daniel Leske hatte den Eigentümer Koth aus Zinskowo beschimpft und gemißhandelt; er wurde zu einer Geldstrafe von 5 Mk. verurteilt.
  16. Die Privatklage des Zimmermanns August Deckert aus Podgradowitz gegen den Eigentümer Heinrich Schubert aus Kunik wurde vertagt

Schluß der Sitzung nach 3 Uhr.

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Schöffengerichtssitzung vom 23. September 1903 –  Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, Vertreter der Amtsanwaltschaft Herr Bürgermeister Witte, Schöffen waren die Herren Stellmachermeister Steinke-Bukowiec und Eigentümer Sägner-Sempolno – Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Die Handelsfrau Anna Kunikiewicz aus Neutomischel wurde wegen Verübung ruhestörenden Lärmes und Übertretung des §9 des Feld- und Forst-Polizei-Gesetzes mit 6 Mk. bestraft
  2. Der Fleischer Bruno Otto aus Witomischel wurde wegen Körperverletzung, die er dem Arbeiter Kucz zufügte, zu 20 Mk Geldstrafe verurteilt.
  3. Der Schuhmachergeselle Johann Bulacz aus Brody wurde wegen Betruges mit 20 Mk. bestraft.
  4. Die Näherin Marie Leske aus Scherlanke war angeklagt, im Juni d. J. im Kgl. Forstrevier Beeren gepflückt zu haben, ohne im Besitze eines hierzu erforderlichen Erlaubnisscheines zu sein. Sie wurde jedoch von der Anklage freigesprochen, da ihr als ständige Waldarbeiterin vom Förster Fuhrmann die Erlaubnis zum Beerensuchen erteilt worden war.
  5. Die Ehefrau des Dachdeckermeisters Wesolowski aus Neutomischel erhielt wegen Vergehens der Fund-Unterschlagung eine Geldstrafe von 20 Mk.
  6. Der Arbeiter Adolf Appelt und dessen Ehefrau, beide aus Sempolno, wurden wegen Diebstahls zu je 3 Tagen Gefängnis verurteilt.
  7. In der Privatklagesache des Zimmermanns August Deckert aus Podgradowitz gegen den Eigentümer Schobert aus Kunik wurde letzterer wegen öffentlicher Beleidigung mit 20 Mk. bestraft; auch wurde dem Beleidigten Publikationsbefugnis im Neutomischeler Kreisblatt auf Kosten des Sch. zugesprochen.
  8. Die letzte Strafsache gegen den Handelsmann Gutsch-Cichagora wurde vertagt.

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Schöffengerichtssitzung vom 14. Oktober 1903 –  Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat von Grabski, Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte; Schöffen waren die Eigentümer Heinrich-Sontop und Eigentümer Reschke-Scharke – Verhandelt wurden folgende Fälle:

1., 2. und 3. wurden, da sie ein und dieselbe Sache betrafen, zusammen verhandelt, und wurden die drei angeklagten Frau Kasprzak, Wwe. Anna Roszek und Sadesk aus Witomischel wegen gemeinschaftlichen Forstdiebstahls zu je 3 Mk. Geldstrafe, eventl. 1 Tag Haft oder Forstarbeit, und zu dem Wertersatz des gestohlenen Holzes von 60 Pfg. verurteilt.
  1. Die Arbeiterin Czopala aus Witomischel war angeklagt, das Schulmädchen Scibba mit einem starken Knüppel mißhandelt zu haben; sie erhielt 10 Mk. Geldstrafe (evtl. 2 Tage Haft).
  2. Der Arbeiter Kascmarek aus Bukowiec hatte sich trotz Aufforderung des Wirts Niedermeyer nicht aus dessen Gasthause entfernt. Er wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu 5 Mk. Geldstrafe (evtl. 1 Tag Gefängnis) verurteilt.
  3. Das Dienstmädchen Selma Sitzlaf aus Deutschhöhe hatte sich widerspenstig gegen die Befehle ihrer Herrschaft, des Restaurateurs Otto Maennel, gezeigt und hatte dieserhalb einen Strafbefehl erhalten, jedoch gegen denselben Einspruch erhoben. Sie wurde zu einer Geldstrafe von 5 Mk. (evtl. 2 Tagen Haft) verurteilt.
  4. Der Arbeiter Michael Buchay aus Alttomischel hatte sich wegen ruhestörenden Lärmes und Beschädigung fremden Eigentumes zu verantworten. Von der ersteren Anklage wurde er freigesprochen, während er wegen der Sachbeschädigung 5 Mk. Geldstrafe (evtl. 1 Tag Haft) erhielt.
  5. Der Eigentümer August Wiedemann aus Grubske hatte wegen Nichtbeleuchtens seines Wagens während der Dunkelheit und weil seine Namentafel am Gefährt nicht deutlich sichtbar war einen Strafbefehl in Höhe von 6 Mk. erhalten und dagegen gerichtliche Entscheidung beantragt. Von ersterer Anklage mußte er nach Lage der Sache freigesprochen werden, während in letzterer Angelegenheit noch kein Urteil gesprochen werden konnte. Die Sache wurde vielmehr zwecks Ladung weiterer Zeugen vertagt.
  6. Der Knecht Gustav Müller aus Alttomischel hatte sich wegen vorsätzlicher Mißhandlung des Gastwirts Richard Wandrey von hier (Neutomischel) zu verantworten. Er wurde freigesprochen, da das Gericht die Tat als Notwehr feststellt.
  7. Der Arbeiter Vinzent Sodyga und dessen Ehefrau, beide aus Alttomischel, waren wegen grober Beleidung des dortigen Lehrers Kudlicki und wegen Bedrohung mit dem Verbrechen des Totschlags angeklagt. Ersterer wurde zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wochen, letztere zu einer solchen von 1 Woche verurteilt.
  8. Der sich in Untersuchungshaft befindende Schuhmachergeselle Arthur Leithold hatte sich wegen groben Unfugs und Widerspenstigkeit gegen die Anordnungen des Wachtmeisters Schubert zu verantworten. Wegen ersteren Vergehens erhielt er eine Haftstrafe von 3 Tagen, wegen letzteren eine Gefängnisstrafe von 1 Woche. Beide Strafen wurden als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet.
  9. Die Angeklagten August Schulz, Michael Kucz und Weber hatten alle drei Strafbefehlte erhalten, weil sie ihre schulpflichtigen Kinder, angeblich unentschuldigt, nicht zur Schule gesandt hatten. Nach Vernehmung der Zeugen erzielten sie jedoch sämtlich ihre Freisprechung.
  10. Die Dienstmagd Lina Usche aus Neuborui hatte ihren Dienst bei dem Eigentümer Reinhold Fischer ohne Grund verlassen und deshalb einen Strafbefehl in Höhe von 6 Mk. erhalten. Durch ihren Einspruch gegen denselben erzielte sie nach verhandelter Sache die Herabsetzung des Strafbetrages auf 1 Mk.
  11. In der Privatklagesache des Eigentümers Meißner aus Paprotsch gegen den Eigentümer Gustav Hämmerling wegen öffentlicher Beleidigung, wurde letztgenannter zu einer Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt.

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Schöffengerichtssitzung vom 28. Oktober 1903 –  Als Vorsitzender fungierte Herr Amtsgerichtsrat von Grabski, als Amtsanwalt Herr Bürgermeister Witte; Schöffen waren die Eigentümer Sperling aus Neuborui und Förster I aus Konkolewo. –  Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Der Eigentümer Reinhold Siegesmund aus Sontop hatte einen Strafbefehl in Höhe von 10 Mk. erhalten, weil er den Ausbruch der Schweineseuche nicht rechtzeitig dem hiesigen Distriktsamte angezeigt hatte. Gegen diesen Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben, den er jedoch wieder zurückzog, nachdem er auf die Zwecklosigkeit desselben aufmerksam gemacht worden war.
  2. Gegen den Eigentümer Wiedemann aus Grubske war ein Strafbefehl in Höhe von 6 Mk. erlassen, weil er an seinem Wagen keine Laterne während der Dunkelheit angebracht hatte und weil seine Namenstafel am Fuhrwerk unleserlich war. Wegen ersterer Sache wurde er bereits in voriger Verhandlung freigesprochen, während er wegen der unvorschriftsmäßigen Namenstafel nach Vernehmung der für heute geladenen Zeugen eine Geldstrafe von 3 Mk. erhielt.
  3. Der frühere Gastwirt, jetzige Handelsmann Heinrich Müller aus Bukowiec hatte einen Strafbefehl in Höhe von 10 Mk. erhalten, weil er mit 13 Schweinen auf seinem Wagen betroffen wurde, ohne dieselben in das vorgeschriebene Kontrollbuch eingetragen zu haben; auch hatte er sein Pferd nicht in ein dazu bestimmtes Buch eingetragen. Gegen den Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben, nahm jedoch denselben zurück, bevor in die Verhandlung eingetreten wurde.
  4. Der Knecht August Rädiger aus Neu-Borui und die Arbeiter Vorwerk, Seiffert und Adam aus Alt-Borui waren angeklagt, dem Eigentümer Deutschmann 8 Fensterscheiben eingeworfen und außerdem gegen das Deutschmann’sche Haus große Holzstücke geschleudert zu haben. Diese Angelegenheit mußte zwecks Ladung weiterer Zeugen vertagt werden.
  5. Die Eigentümer Heinrich Rausch und August Schulz II aus Grubske hatten einen Strafbefehl von je 10 Mk. erhalten, weil sie auf fremdem Jagdgebiete zur Jagd ausgerüstet betroffen worden waren. Beide hatten aber Einspruch erhoben. Nach verhandelter Sache wurde Schulz II freigesprochen, Rausch jedoch zu der im Strafbefehl festgesetzten Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt
  6. Wegen körperlicher Mißhandlung des Ausgedingersohnes Kwasinewski wurde der Eigentümer Ferdinand Wandtke aus Alttomischel zu einer Geldstrafe von 20 Mk. verurteilt.
  7. Die Dienstmagd Anna Razina war des Diebstahls von Nahrungsmitteln und die Arbeiterfrau Rädiger der Anstiftung und der Hehlerei bezichtigt. Beide erhielten je 3 Tage Haft.
  8. In der Privatklagesache des Eigentümers Otto Linke zu Paprotsch gegen die Eigentümerin Rosina Marquardt ebendaselbst wegen Mißhandlung des Sohnes des Privatklägers nimmt ersterer die Klage zurück und die Angeklagte übernimmt die Kosten des Verfahrens.
  9. In der Privatklagesache des Arbeiters Andreas Stiller und Johann Nowack, beide aus Glinau, nimmt der Privatkläger die Klage zurück, die Kosten werden von beiden zur Hälfte getragen

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Schöffengerichtssitzung vom 11. November 1903. Den Vorsitz führte Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, als Amtsanwalt fungierte Herr Bürgermeister Witte, die beisitzenden Schöffen waren die Herren Eigentümer Roy aus Glinau und Kurz aus Paprotsch. –  Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Das Dienstmädchen Bertha Redlich aus Paprotsch, früher beim Eigentümer Meißner in Stellung, zur Zeit in Berlin, war beschuldigt, dem Knecht Paul Gutsch einen Pantoffel an den Kopf geworfen zu haben. Sie wurde mit einem Verweise bestraft.
  2. Die Arbeiter August Rediger, Heinrich Adam, Seiffert und Vorwerk aus Altborui waren beschuldigt, des nachts bei dem Eigentümer Deutschmann groben Unfug verübt und demselben einige Fensterscheiben eingeworfen zu haben.Rediger und Seiffert wurden freigesprochen, dagegen Adam mit 10 Mark bestraft, gegen Vorwerk wurde die Sache vertagt.
  3. Der Arbeiter Nowacki aus Alttomischel hatte den Arbeiter Hentschik im Streit mit einer Heugabel vor die Brust gestoßen. Er wurde mit 10 Mk. bestraft.
  4. Die Arbeiterin Juliane Herk aus Neuborui wurde wegen Bettelei mit einer Woche Haft bestraft.
  5. Michael Perz aus Wonsowo hatte gegen einen Strafbefehl von 7 Mk., welchen er wegen unentschuldigten Fernbleibens seines Sohne aus der Schule erhalten hatte, Einspruch erhoben. Die Sache wurde vertagt.
  6. Die Häuslerin Antonia Sczarawanta aus Bolewitz wurde wegen öffentlicher Beleidigung des Lehrers Tschiersch mit 2 Wochen Gefängnis bestraft.
  7. Mathias Starczak, Ausgedinger in Neurose war angeklagt, seine Ehefrau mit dem Erschlagen mittels Beils bedroht und sie dann später mit einem starken Stock körperlich gemißhandelt zu haben.Wegen Bedrohung wurde er freigesprochen, wegen Mißhandlung aber mit 2 Wochen Gefängnis bestraft.
  8. Michael Bartkowiak aus Bolewitz hatten den Arbeiter Martin Wesolewy körperlich gemißhandelt. Er wurde mit 10 Mk. bestraft.
  9. Andreas Starczak, Eigentümer und Ausgedinger aus Grudno, sowie dessen Ehefrau waren wegen Arrestbruchs angeklagt. Die Sache wurde vertagt
  10. In der Privatklagesache des Frl. Menzel aus Berlin gegen die Kaufmannsfrau Hulda Müller aus Sontop wegen Beleidigung wurde die Klage, weil keine Beweise einer Beleidigung erbracht werden konnten, zurückgenommen. Die Beleidigung der Frau Isemer gegen die Privatklägerin wurde durch Vergleich erledigt.
  11. Die Privatklagesache des Eigentümers Paul Hildebrand gegen den Ausgedinger Gottfried Hildebrand, beide aus Konkolewo, wurde durch Vergleich erledigt.

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Schöffengerichtssitzung vom 25. November 1903. Den Vorsitz führte Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, als Amtsanwalt fungierte Herr Bürgermeister Witte, die beisitzenden Schöffen waren die Herren Bäckermeister Liepelt aus Neutomischel und der Eigentümer August Roy aus Paprotsch, –  Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Vinzent Percz, Handelsmann und Eigentümer aus Bukowiec, war angeklagt, dem Arbeiter Kaczmarek aus Bukowiec in Kosten eine Eisenbahnfahrkarte entwendet zu haben, mußte jedoch nach Lage der Sache freigesprochen werden. 
  2. Das Dienstmädchen Anna Hoffmann aus Chichagora hatten einen Strafbefehl in Höhe von 6 Mk. erhalten, weil sie den Dienst bei dem Eigentümer Robert Neumann in Chichagora ohne Grund verlassen hatte. Gegen diesen Strafbefehl hatte sie jedoch Einspruch erhoben. Sie mußte aber zu der im Strafbefehl festgesetzten Geldstrafe verurteilt werden. 
  3. Der Arbeiter Joseph Nieja aus Witomischel hatte einen Strafbefehl in Höhe von Mk. 5,50 erhalten, weil er seine Tochter unentschuldigt vom Schulbesuch zurückgehalten hatte. Nach Lage der Sache mußte er freigesprochen werden. 
  4. Der Bäckerlehrling Paul Müller aus Neutomischel und der jetzige Bäckergeselle Arthur Ziebell z. Zt. in Fürstenwalde a. Spree wurden, weil sie dem Zugführer Fischer hierselbst gemeinsam Tauben gestohlen hatten, mit einem Verweise bestraft. 
  5. Gegen den Fleischer Karl Weinert von hier (Neutomischel) war ein Strafbefehl erlassen, weil er ein Kalb angeblich ohne Einwilligung des zuständigen Viehbeschauers geschlachtet hatte. Gegen diese Strafe hatte er Einspruch erhoben. Nach dem Ergebnis der Verhandlung mußte er denn auch freigesprochen werden. 
  6. Der Ausgedinger Gottfried Pochstein aus Alttomischel wurde, weil er dem Eigentümer Knoll ebenda, einige Krautköpfe entwendet hatte, mit 5 Mark bestraft. 
  7. Der Tischler Ludwig Swoboda von hier hatte einen Strafbefehl im Betrage von 2 Mk. von der hiesigen Polizeiverwaltung erhalten, weil er es unterlassen hatte, sich bei der genannten Behörde trotz deren Aufforderung vorschriftsmäßig anzumelden. Er hatte jedoch hiergegen Einspruch erhoben. Die Angelegenheit mußte vertagt werden, da Swoboda bereits vom Königl. Amtsgericht in Pinne wegen derselben Sache bestraft worden ist, und die Herbeischaffung dieser Akten sich notwendig machte. 
  8. Der Maschinist Rau aus Wonsowo erhielt eine Schulstrafe von Mk. 1,25, weil er seine Tochter Lotte 5 Tage ohne genügenden Grund nicht zur Schule geschickt hatte. Durch seinen Einspruch erzielte er in der heutigen Verhandlung seine Freisprechung, da das Kind nach Aussage des als Zeuge geladenen Arztes s. Zt. krank gewesen ist.
  9. Der Wirt Percz aus Groß-Lipke hatte ebenfalls einen Strafbefehl in Höhe von 7 Mk. erhalten, weil er seinen Pflegesohn Tomolka unentschuldigt vom Schulbesuch zurückbehalten, hatte jedoch ebenfalls Einspruch erhoben. Nach Vernehmung der Zeugen wurde auf Freisprechung erkannt, da der Junge z. Zt. krank war und auch entschuldigt worden ist. 
  10. In der Privatklagesache des Arbeiters Sczekala gegen den Arbeiter Skibba aus Witomischel wegen gegenseitiger Beleidigung nimmt ersterer die Klage zurück, letzterer übernimmt die Kosten des Verfahrens. 
  11. In der Privatklage des Schuhmachers Paul Stelzer von hier (Neutomischel) gegen den Eigentümer Schulz wegen Beleidigung wird letzterer mit 6 Mk. bestraft. 
  12. Die letzte Privatklagesache mußte vertagt werden, da die Angeklagte, Gastwirtsfrau Pauline Muß, gegen den Privatkläger Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft wegen Diebstahls gestellt hat, und die Erledigung dieser Anklage vorerst abgewartet werden muß.

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Schöffengerichtssitzung vom 16. Dezember 1903. Den Vorsitz führte Herr Amtsgerichtsrat v. Grabski, als Amtsanwalt fungierte Herr Bürgermeister Witte, die beisitzenden Schöffen waren die Herren Eigentümer und Ortsschulze Gebauer aus Scherlanke und Eigentümer Sägner aus Sempolno. –  Verhandelt wurden folgende Fälle:

  1. Der militärpflichtige Gustav Jahn, geboren zu Neutomischel, letzter Wohnort Herensen, wurde mit 30 Mark bestraft, weil er sich durch Auswanderung der Heerespflicht entzogen hatte.
  2. Der inhaftierte Wilhelm Plisch wurde wegen Bettelns in Neutomischel mit 4 Wochen Gefängnis, wovon 2 Wochen als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet wurden, bestraft.
  3. Der Tischler Karl Nawroth aus Bolewitz erhielt wegen Hausfriedensbruches und Sachbeschädigung 2 Wochen Gefängnis.
  4. Der Gemeindevorsteher Bielke aus Blake hatte einen Strafbefehl in Höhe von 5 Mk. erhalten, weil er seinen bösartigen Hund frei umherlaufen ließ, sodaß das Tier die Tochter des Eigentümers Muß in Blake gebissen und deren Kleid zerrissen hatte. Der Angeklagte erhob gegen den Strafbefehl Einspruch, mußte aber nach dem Ergebnis der Verhandlung zu der bereits festgesetzten Geldstrafe verurteilt werden.
  5. Der Arbeiter Vinzent Sokolka aus Witomischel wurde wegen Diebstahls mit 3 Tagen Gefängnis bestraft.
  6. Der Eigentümer Andreas Starzak und seine Ehefrau Marianna, beide aus Grudno, waren des Arrestbruches angeklagt, mußten aber nach Lage der Sache freigesprochen werden.
  7. Der Arbeiter Heinrich Schlesinger hatte den Arbeiter Karl Schmidt, beide aus Neuborui, körperlich gemißhandelt. Ersterer wurde mit 2 Wochen Gefängnis bestraft.
  8. Der Eigentümer Wilhelm Kurz hatte einen Strafbefehl in Höhe von 10 Mk. erhalten, weil er angeblich die Grenze seines Nachbars Freier beim Laubstreuharken überschritten hatte. Durch seinen erhobenen Einspruch erzielte er seine Freisprechung.
  9. Der Tischlermeister Ludwig Swoboda von hier (Neutomischel) hatte gegen einen Strafbefehl von 2 Mk., den er wegen nicht rechtzeitig erfolgter Beibringung eines Abzugattestes erhalten hatte, Einspruch erhoben. Er wurde mit 1 Mk. bestraft.
  10. Der Eigentümer und Handelsmann Wilhelm Gutsch aus Cichagora wurde zu einer Geldstrafe von 96 Mk. verurteilt, weil er bei Ausübung seines Gewerbes als Schweinehändler den Gewerbeschein nicht rechtzeitig eingelöst hatte.
  11. Der Arbeiter Vorwerk aus Altborui, z. Zt. in der Fremde, wurde wegen Verübung groben Unfugs und Sachbeschädigung mit 10 Mark bestraft
  12. Die Dienstmagd Juliane Lehmann aus Neuborui wurde wegen Diebstahls zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt.
  13. In der Privatklagesache des Eigentümers Wilhelm Ortlieb gegen den Eigentümer Karl Becker, beide aus Scherlanke, wurde letzterer wegen Beleidigung des ersteren mit 20 Mk. bestraft.
  14. In der Privatklagesache des Arbeiters Stanislaus Lodiga gegen den Arbeiter Anton Pilatschek, beide aus Bolewitz, wurde letzter wegen Beleidigung der Ehefrau des Privatklägers zu einer Geldstrafe von 20 Mk. verurteilt

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Quelle: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel 1903 / Ausgaben August – Dezember