Weihnachtsfeier in der Schule von Bolewitz – 1901

Das neue Kath. Schulhaus in Bolewitz - Postkartenausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

Das neue Kath. Schulhaus in Bolewitz – Postkartenausschnitt Sammlung Wojtek Szkudlarski

Einen Weihnachtsbaum in Wohnhäusern aufzustellen, so heißt es, beruht auf einen uralten heidnischen Brauch in den verschiedensten Kulturen. Er war ursprünglich das Symbol für das unaufhörliche Walten der Gottheit in der scheinbar toten winterlichen Natur, indem die trotz Schnee und Eis immergrüne Tanne, die Hoffnung auf das junge Grün des kommenden Frühling symbolisierte.

“O Tannenbaum, o Tannenbaum, dein Kleid will mir was lehren:
die Hoffnung und Beständigkeit gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit!
O Tannenbaum, Tannenbaum, dein Kleid will mir was lehren.” *

Nachstehender Artikel aus dem Jahr 1901 erinnert daran, dass dieser Brauch auch um 1891 in Bolewitz Einzug gehalten hatte.

“Seit 10 Jahren hält Herr Lehrer Tschiersch in unserer Schule alljährlich eine Weihnachtsfeier ab, bei welcher die Kinder nach vorangegangenen Deklamationen und Gesängen mit Aepfeln, Nüssen und Zuckerwerk beschenkt werden.

Diese schöne Sitte war bisher in unserer Gemeinde unbekannt und das Schmücken eines Christbaumes gehörte in das Reich der Fabel.

Bald erwachte jedoch das Interesse bei Kindern und Eltern für eine derartige Feier und heute fehlt in keinem, auch dem ärmsten Hause in Bolewitz der Weihnachtsbaum.

Am Sonntage den 22. Dezember Abends um 6 Uhr, versammelten sich Kinder, Lehrer und Schulvorstand in der 2. Klasse. Gäste, unter anderen Frau Domänenpächter Keibel, Forstbeamte und Eltern, waren so zahlreich erschien, daß das ausgeräumte Klassenzimmer die Menge nicht fassen konnte und der größte Theil der Erwachsenen im Garten unter den Fenstern Aufstellung nehmen mußte.

Nach der üblichen Feier gedachte der Leiter derselben Herr Lehrer Tschiersch auch des früheren Oberförsters Herrn Waechter, welcher während seines Hierseins unserer Schule und speziell dieser Feier reges Interesse entgegengebracht hat. Er gab bekannt, daß genannter Herr, wie im Vorjahre, auch in diesem Jahre 20 Mark zur Beschenkung der Kinder übersandt habe.

Wir halten es für unsere Pflicht, hiermit dem Herrn Oberförster Waechter unsern tiefgefühlten Dank auch an dieser Stelle auszusprechen.

* * *

Quelle: Kreisblatt Neutomischel 1901-12-31  – Wielkopolska Biblioteka Cyfrowa – http://www.wbc.poznan.pl/dlibra -
* 3te Strophe des Liedes O Tannenbaum