Zugentgleisung in Bentschen / Zbąszyń – 1915

Eisenbahnunfall in Bentschen - Bild veröffentl. im Buch "Zbąszyń - na dawnej pocztówce" Seite 118 / Abb. 114

Eisenbahnunfall in Bentschen – Bild veröffentl. im Buch “Zbąszyń – na dawnej pocztówce” Seite 118 / Abb. 114

Entgleisung eines Militärurlauberzuges - so lautete die Überschrift einer Kurzmeldung im Kreisblatt Neutomischel vom 29.12.1915 . Weiter hiess es:

“Amtlich wird gemeldet: Am Dienstag 28.12.1915 morgens 3 Uhr 40  entgleiste ein von Berlin kommender Militärurlauberzug bei der Durchfahrt auf Bahnhof Bentschen. Von den Urlaubern und dem Begleitpersonal sind 18 Personen tot und 47 verwundet. Der Sachschaden ist bedeutend”

Auch am 31.12.1915 wurde der Unfall  mit einer weiteren kurzen Erwähnung bedacht:

“Zum Eisenbahnunglück in Bentschen wird noch mitgeteilt: Hilfe war sofort bei der Hand. Die Landsturmkompagnie eilte im Laufschritt nach der Unfallstelle. Die Aerzte der Umgegend wurden alarmiert. Die Bevölkerung strebte hinzu und legt hilfreiche Hand an. Der Korpsarzt traf mit dem Lazarettzuge aus Posen ein. Den Verwundeten wurden alle möglichen Erleichterungen zuteil. Sie wurden in dem Bentschener Krankenhaus und in einer schnell hergestellten Unterkunft untergebracht.”

Nach dem Jahreswechsel, die Kriegsweihnacht war ohne Aussicht auf Frieden vergangen, wurde am 01.01.1916 die Berichterstattung fortgesetzt:

“Bei dem Eisenbahnunglück in Bentschen sind, der “Voss. Ztg.” zufolge, endgültig 17 Tote, 33 Schwerverwundete, 24 Leichtverwundete festgestellt worden. Elf Personen haben nur leichte Abschürfungen erlitten.

Die Zahl der Toten hat sich gegenüber der zuerst amtlich bekannt gegebenen um einen vermindert, weil der Lokomotivheizer, der unter der umgestürzten Maschine des entgleisten Zuges lag, nicht tot, sondern schwer verletzt und betäubt war, so daß er in das Posener Diakonissenhaus überführt werden konnte. Eine Anzahl Schwerverletzter ist im Festungslazarett in Posen untergebracht worden; ihr Zustand gibt erfreulicherweise zu ernsten Besorgnissen keinen Anlaß.

Die Ursache des furchbaren Unglückfalls ist bisher nicht einwandfrei festgestellt. Die Entgleisung erfolgt bei der Ausfahrt des Zuges, der Weihnachtsurlauber an die Ostfront zurückbringen wollte, aus dem Bahnhof Bentschen in Richtung nach Posen.”

Ein weiterer Beitrag fand sich unter dem 05.01.1916:

“Zu einer würdigen Trauerfeier gestaltete sich die am Neujahrstage erfolgte Beerdigung der Opfer des Eisenbahnunglücks vom 28. Dez. v. Js. Da die Leichen der meisten Verunglückten in die Heimat übergeführt werden, so blieben zur Beerdigung in Bentschen nur 5 Tote zurück, von denen 4 auf dem evangelischen und einer auf dem katholischen Friedhof in Einzelgräbern bestattet wurden. Der stellvertretende Kommandierende General des 5. Armeekorps war vertreten durch Generalleutnant Herhudt von Rohden und Oberstleutnant Kirchner, der Oberpräsident und die Regierung in Posen durch den Regierungspräsidenten Krahmer, die Eisenbahndirektion durch Regierungsrat Paetzold , die Vorstände des Eisenbahnbetriebes, des Verkehrs- und Maschinenamtes in Bentschen und der Kreis durch Kammerherrn von Kalckreut-Kurzig. Außer den Anverwandten waren zahlreiche Vereine erschienen. Die beiden Geistlichen hielten ergreifende Trauerandachten ab. Unter den Gesängen des Kirchenchors und den Klänge der von einer Militärkapelle geblasenen Choräle schlossen sich die Grüfte. – Die Zahl von 18 Toten hat sich wie amtlich gemeldet wird, durch den Tod einiger Schwerverletzter auf 23 erhöht. Diese Zahl kann aber als gering bezeichnet werden, da der entgleiste Zug weit über ein halbes tausend Urlauber an die Front zurückbringen sollte.”

Ein letztes Opfer forderte, so die Berichterstattung vom 28.01.1915, dieser Unfall annähernd vier Wochen später:

“Das 24. Opfer des großen Eisenbahnunfalls bei Bentschen wurde der Reserve-Lokomotivführer Erich Guttknecht in Posen, der am 24. Januar an den Folgen der damals erlittenen Verletzung starb. Er war 31 Jahre alt. Der Verunglückte kam, als die Maschine umfiel, so zu liegen, daß der rechte Oberschenkel etwa 4 Stunden lang in der Nähe eines Dampfrohres sich befand; die Brandwunden führten zum Tode.

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Quelle: Kreisblatt Neutomischel 1915-12-29/1915-12-31/1916-01-01/1916-01-28 – Wielkopolska Biblioteka Cyfrowa – http://www.wbc.poznan.pl/dlibra