100 Jahre Kreiskrankenhaus Neutomischel – Nowy Tomysl

 Die Planungszeichnung 1912 -Südansicht- erbaut 1913 - Quelle: Staatsarchiv Poznan (1)

Die Planungszeichnung 1912 -Südansicht- erbaut 1913 – Quelle: Staatsarchiv Poznan (1)

Wiederum die Südansicht  - 100 Jahre nach der Errichtung - Bild: PM

Wiederum die Südansicht – 100 Jahre nach der Errichtung – Bild: PM

Wie in unserem Artikel über das Städtische Krankenhaus schon berichtet fanden sich in den alten Archivunterlagen Hinweise darauf, dass es eine Lobby im Landkreis gab, die sich schon im Jahr 1890 dafür einsetzte ein Johanniterkrankenhaus in der Stadt Neutomischel  errichten zu wollen. Alle Planungen scheiterten jedoch an dem Widerstand des Stadtrates. Dieser hatte keinen Grund darin gesehen, da die Errichtung des Städtischen Krankenhauses eine hohe finanzielle Aufwendung für die Stadt bedeutet hatte, weiteres Geld für ein Kreiskrankenhaus, also eine zweite Einrichtung dieser Art, investieren zu sollen.

1894 war ein weiterer Vorstoß der Befürworter der Errichtung eines Johanniterkrankenhauses vorgenommen worden, um das Projekt doch noch umzusetzen. Die Entscheidung des Stadtrates war jedoch unverändert gewesen – finanzielle Aufwendungen der Stadt wurden abgelehnt. Dieses vermutlich auch unter dem Aspekt, dass die Einnahmen des Städtischen Krankenhauses direkt der Kämmereikasse der Stadt Neutomischel zugute kamen; wie sich herausgestellt hatte, waren schon dieser Zeit nicht unerhebliche Überschüsse in der Unterhaltung der Krankenanstalt erzielt worden.

Nur aus den freiwilligen Spenden der evangelischen Gemeinden des Kreises Neutomischel ließ sich der Bau jedoch nicht finanzieren. Auch die gegebene Zusage einer Spende zur Errichtung des Krankenhauses des Majoratsbesitzers Herrn von Hardt aus Wonsowo über 20.000 Mark war ohne zusätzliche Mittel nicht ausreichend gewesen.

Nachdem dann durch die Johanniter, sie übernahmen in jener Zeit die Bewirtschaftung der von den Landkreisen fertig erstellten und eingerichteten Krankenhäuser, eine erhöhte Forderung an den Kreis für die Unterhaltung der Anstalt, wenn sie denn in Neutomischel etabliert worden wäre, gestellt worden war, kam das Projekt endgültig zum Stillstand. Die Mittel zur Errichtung und zum Unterhalt wären durch den Landkreis Neutomischel nicht aufzubringen gewesen. In den folgenden Jahren findet sich in den Archivunterlagen keine weitere Erwähnung zur Errichtung einen Johanniterkrankenhauses oder einer ähnlichen Anstalt.

Planungszeichnung des Krankenhausgeländes - Quelle: Staatsarchiv Poznan (1)

Planungszeichnung des Krankenhausgeländes – Quelle: Staatsarchiv Poznan (1)

Erst im April 1911 schrieb der Kreisarzt Dr. Buddee, er war auch am städtischen Krankenhaus in Neutomischel tätig gewesen, in einem Brief, dass der Bau eines modernen Kreiskrankenhauses beschlossen worden war.

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Planungszeichnung des Erdgeschosses (1) mit Bildern des Operationssaales und des Roentgengerätes (2)

Planungszeichnung des Erdgeschosses (1) mit Bildern des Operationssaales und des Roentgengerätes (2)

Ab diesem von Dr. Buddee erwähnten Beschluss scheinen die zur Errichtung notwendigen Veranlassungen beschleunigt vorangetrieben und durchgeführt worden zu sein: der Beschluß zur Errichtung müsste im April 1911, vielleicht etwas früher gefasst worden sein, die Planungszeichnungen für den Neubau datieren vom 20. April 1912 und die polizeiliche Erlaubnis zum Bau wurde per 24. Mai 1912 erteilt.

Leider waren trotz intensiver Suche keine Archivordner bezüglich des Baus des Kreiskrankenhauses ausfindig zu machen. Die nun folgenden Einzelheiten wurden aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen und wir hoffen zumindest einen kleinen Abriss der in diesem Jahr 100 Jahre alt werdenden Einrichtung aufzeichnen zu können.

Wie schon geschrieben sind die Planungszeichnungen des Neubaus per 20. April 1912 datiert; beauftragt worden war das Architektenbüro Mohr u. Weidner aus Charlottenburg. Die Prüfung der Pläne wurde vom Königl. Hochbauamt II durch Baurat Hauptner am 09. Juli 1912 abgezeichnet. Als Bauherr findet sich auf den Zeichnungen der “Kreisausschuß” – mit Unterschrift des Herrn von Daniels als Vorsitzenden.

Blick auf das Krankenhaus vor ca. 100 Jahren, noch ohne jeglichen Baumbestand - AK aus Sammlung des Wojtek Szkudlarski

Blick auf das Krankenhaus vor ca. 100 Jahren, noch ohne jeglichen Baumbestand – AK aus Sammlung des Wojtek Szkudlarski

In der polizeilichen Bauerlaubnis vom Mai 1912 war die Bausumme mit 100.000 Mark beziffert worden. Eine Spende, wie sie seinerzeit von dem Herrn von Hardt für das Johanniterkrankenhaus zugesagt worden war, hätte also einem Fünftel der hier genannten Baukosten entsprochen. Anhand der zur Zeit zur Verfügung stehenden Unterlagen war jedoch nicht zu klären wie die Baufinanzierung durchgeführt worden war.

Das für die Errichtung ausgewählte Baugrundstück lag in der in der Gemeinde Glinau, auch hier scheint das Verfahren beschleunigt worden zu sein, die Bestätigung der Eingemeindung zur Stadt Neutomischel erfolgte bereits per 12. September 1912.

Nur wenige Tage zuvor, am 09. September 1912 war mitgeteilt worden, dass in der Planung sei, um den 23. September 1912 bereits die Rohbauabnahme vornehmen zu können; es waren seit Einreichung der Planungszeichnungen also lediglich 5 Monate vergangen. Die Abnahme erfolgte dann per 14. November 1912 durch Baurat Hauptner, Mitarbeiter des königlichen Hochbauamtes II aus Posen, welcher ja auch schon die Planungszeichnungen geprüft hatte.

Das alte Nebengebäude mit den heutigen modernen Klinikgebäuden im Hintergrund - Bild: PM

Das alte Nebengebäude mit den heutigen modernen Klinikgebäuden im Hintergrund – Bild: PM

Die Gebrauchsabnahme des Kreiskrankenhauses war per 27. Oktober 1913, kombiniert mit der des Wasserturmes nebst Motorhauses, vorgenommen worden; wieder war dem Baurat Hauptner der Auftrag zu dieser erteilt worden. Er bestätigte unter dem 17. November 1913: “Die Bauten sind in jeder Weise gut und richtig ausgeführt und entsprechen den baupolizeilichen Bestimmungen”.

Nach nur etwas mehr als 1 1/2 Jahren Bauzeit, gerechnet ab der Erstellung der Bauzeichnungen bis zur Freigabe der Nutzung, war das Kreiskrankenhaus Neutomischel fertiggestellt worden.

Im Juni 1913 waren zwischen dem Magistrat als Vertreter des Städtischen Krankenhauses, welches seine Tätigkeit mit der Inbetriebnahme der neu errichteten Krankenanstalt einstellen würde, und dem Kreisausschuss als Vertreter des Kreiskrankenhauses, Verhandlungen bezüglich des Ankaufs von nicht mehr im städtischen Krankenhaus benötigten Inventars für das Kreiskrankenhaus aufgenommen worden. Es wurden, so ist den Unterlagen zu entnehmen, nur Einrichtungsgegenstände im Wert von 127,75 Mark übernommen. Vieles des alten Inventars wurde letztlich öffentlich versteigert, da es keine andere Verwendung mehr gehabt hatte und seitens des Kreiskrankenhauses kein Interesse bestanden zu haben scheint. Über den noch kurz zuvor neu im Städtischen Krankenhaus durch Dr. Buddee angeschafften Operationstisch und den orthopädischen Übungsapparat wurden, so eine Aktennotiz, gesonderte Verhandlungen geführt; die Unterlagen zu diesen fanden sich jedoch ebenfalls nicht. Eine Vermutung ist, dass Beide in das Kreiskrankenhaus überführt wurden.

Blick auf den Eingang des Krankenhauses - ca. 1958 - Ansichtskarte PM

Blick auf den Eingang des Krankenhauses – ca. 1958 – Ansichtskarte PM

Weder war etwas über eine Umverlegung von Patienten aus dem “alten” Krankenhaus in das “neue” zu finden, noch fanden sich Unterlagen über eine stattgefundene Einweihungsfeier. Die Annahme ist, dass nach der Gebrauchsabnahme sofort die

Aufnahme des Krankenhausbetriebes des Kreiskrankenhauses Neutomischel im November / Dezember 1913

ohne jegliche Verzögerung erfolgt war. Dieses vermutlich auch, da die Zustände des alten Städtischen Krankenhauses schon seit längerer Zeit als unhaltbar gegolten hatten.

Leider ist über die weitere Zeit nur sehr wenig bekannt. Die Betreuung der Patienten soll durch 2 Ärzte stattgefunden haben. Die Krankenpflege wurde, wie auch schon zuvor im Städtischen Krankenhaus, durch Diakonieschwestern geleistet.

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Frau Timm und Ihre Kolleginnen - Bild zum Abschied 1950 - Bild: Privatbesitz

Frau Timm und Ihre Kolleginnen – Bild zum Abschied 1950 – Bild: Privatbesitz

Erinnerungen an das Kreiskrankenhaus Nowy Tomysl 1945-1950

Eine geschwisterliche Rauferei aus dem Jahr 1935  war der Anlass der ersten Begegnung der Frau Ursula Timm, früher in Cichagora wohnend, mit dem Krankenhaus in Neutomischel. Die zwei jüngeren Brüder hatten austesten wollen, ob sie gemeinsam als Sieger gegen die ältere Schwester hervorgehen würden. Zwei gegen Eine konnte nicht gutgehen – bei einem Sturz von Wagen brach sie sich den Arm. Die Behandlung des Bruches mit Anlegung eines Gipsverbandes war im Kreiskrankenhaus behandelt worden. Weitere Einzelheiten aus dieser vor nunmehr 78 Jahren stattgefundenen ersten Begegnung mit dem Krankenhaus sind ihr aber nicht in Erinnerung geblieben.

Ihr nächster Aufenthalt im Krankenhaus dagegen war folgenschwerer für ihr weiteres Leben.

Nach Kriegsende im Januar 1945 wurde sie mit anderen noch in Polen verbliebenden Deutschen, sie waren ungefähr 50 Personen gewesen, zum Arbeitseinsatz der Kartoffellese und Rübenernte auf Gut Sliwno verbracht. Frau Timm war damals 15 Jahre. Für die Nacht wurden sie in einer Getreidekammer  untergebracht. In dieser befand sich zwar ein kleiner Lehmofen, aber die von ihm ausgehende Wärme schaffte es nicht den 3 cm dicken Raureif an den Innenwänden des Raumes aufzutauen. Es war immer bitterkalt, zumal alle, auch die Mädchen, nur getrennt durch eine dünne Schicht Stroh auf der Erde schliefen. Sie erinnert sich, dass sie sich gegenseitig die Läuse entfernt hatten, oft hatten sie sogar gezählt wer von ihnen am meisten gefunden hatte. Zu essen gab es meist nur eine dünne Suppe.

Durch verunreinigte Nahrungsmittel und verschmutztes Wasser wird das Bakterium Salmonella Typhi, im Sprachgebrauch Typhus, hervorgerufen. Diese hochansteckende Infektionskrankheit macht sich durch hohes Fieber, 40-41°C, und unter anderen Symptomen, wie zum Beispiel durch Bewusstseinsstörungen bemerkbar. Unbehandelt führt die Erkrankung zum Tod.

Bild zum Abschied mit der Mutter Oberin - 1950 - Bild: Privatbesitz

Bild zum Abschied mit der Mutter Oberin – 1950 – Bild: Privatbesitz

Auch Frau Timm erkrankte. Ihre Mutter maß über mehrere Tage Fieber von über 40°C, eine Nahrungsaufnahme war nicht mehr möglich gewesen und auch war sie schon zu schwach gewesen um noch zu laufen. Der Arzt, Dr. Janischewski, hatte der Mutter erklärt, dass sie ihre Tochter ins Krankenhaus zur Behandlung bringen sollte. Frau Timm erinnert sich, sie hatte es empfunden als sei es durch einen Nebel gewesen, dass sie, als sie von ihrer Mutter auf einen organisierten Pferdewagen, der mit Stroh ausgepolstert worden war, gelegt worden war, sie die Nachbarin zu ihrer Mutter hatte sagen hören, dass sie wohl kaum überleben werde. Bei der Einlieferung ins Krankenhaus äußerte sich der Dr. Janischewski  in ähnlicher Weise, die Krankheit wäre schon zu weit fortgeschritten.

Grabstätte der Ordens-Schwestern Mägde Mariens von der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria auf dem katholischen Friedhof in Nowy Tomysl - 2013 - Bild: PM

Grabstätte der Ordens-Schwestern Mägde Mariens von der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria auf dem katholischen Friedhof in Nowy Tomysl – 2013 – Bild: PM

Frau Timm wurde im Isoliergebäude des Kreiskrankenhauses aufgenommen und gepflegt – und: sie überlebte. Die sie pflegenden Ordensschwestern sagten ihr, dass, wenn sie vollständig genesen sei, sie im Krankenhaus arbeiten könnte.

Eigentlich hatten die Familie ja aus Polen ausreisen wollen, aber durch die Erkrankung und die lange Zeit des Krankenhausaufenthaltes der Tochter war dieses nicht möglich gewesen. Als diese soweit wieder gesund war, als das die Familie die Ausreise hätte nun angetreten können, war es den deutschen Bewohnern, die noch im Land waren, durch eine geänderte Gesetzgebung nicht mehr erlaubt gewesen auszureisen, sie sollten erst einmal als Arbeitskräfte eingesetzt werden.

Als ihre Mutter daraufhin im Krankenhaus nachfragte, ob es noch Gültigkeit habe, dass ihre Tochter in der Anstalt arbeiten könnte hielten die Schwestern Wort. Frau Timm erhielt Arbeit in der Küche und zudem noch freie Unterkunft und Logis im Krankenhausgebäude selbst.

Die Orthopaedie 1925 (2) – war dieses der Bewegungsapparat, der von dem Städtischen Krankenhaus übernommen worden war ?

Die Orthopaedie 1925 (2) – war dieses der Bewegungsapparat, der von dem Städtischen Krankenhaus übernommen worden war ?

Alle 14 Tage durfte sie am Sonntag, ihrem freien Tag, Ihre Mutter, die sich in Cichagora als Tagelöhnerin durchschlug, besuchen. Vom Krankenhaus war der einfache Weg zu Fuß in einer guten Stunde zu bewältigen. Eine der Ordensschwestern steckte ihr, wenn der Besuch zuhause anstand, immer einige Brötchen und anderes für die Mutter zu.

Die Ordensschwestern waren streng und doch – sie duldeten einige Vorgänge von denen sie vorgaben, dass sie nicht von ihnen wüssten, obwohl – ihnen entging nichts was in der Krankenanstalt und in dem Betrieb von dieser vor sich ging.

Der Tag begann für die jungen Mädchen um 6:00 Uhr in der Früh. Das Wecken geschah durch die sehr strenge Nachtschwester, aber trotzdem gelang es ab und an doch, noch die ein oder andere halbe Stunde länger zu schlafen.

Am Abend um 10:00 Uhr mussten alle wieder im Hause sein. Wie es dann schon mal vorkam wurde es später. Vereinbart war dann, dass Frau Timm, sie hatte zu dieser Zeit noch keinen Freund in der Stadt und blieb daher im Krankenhaus, den Schlüssel für die Hintertür neben das Küchenfenster hängte. Dieses war zwar von außen mit Gittern versehen, man konnte aber durch diese durchgreifen und das dahinter befindliche, nur angelehnte Küchenfenster etwas aufschieben, um dann an den dort hängenden Schlüssel zu gelangen und mit diesem die Hintertür aufzuschließen um wieder ins Haus zu kommen.

Grundriss des Untergeschosses (1) mit Bild des Laboratoriums (2)

Grundriss des Untergeschosses (1) mit Bild des Laboratoriums (2)

Eines Tages jedoch kam eine der Schwestern in die Küche und fragte wo der Schlüssel sei. Na ja, er hing wo er immer hing – neben dem Fenster; griffbereit für zu späte Heimkehrerinnen. Aber – oh Mist – die Schwester steckte die Schlüssel in die Tasche und ging. Als nun die Kolleginnen etwas verspätet zurückkamen war das Gebäude natürlich schon verschlossen. Da aber der Schlüssel ja nun nicht neben dem Fenster hing, war guter Rat teuer, wie sie nun, ohne erwischt zu werden, was eine Bestrafung nach sich gezogen hätte, wieder ins Haus gelangen könnten.

Neben der Küche schlief Herr Goldmann. Er war vor dem Krieg Gastwirt in der Posener Straße gewesen. Nach dem Krieg, er hatte keine Familienangehörigen mehr, hatte er Beschäftigung als eine Art Hausmeister im Krankenhaus erhalten. Die Fenster seines Zimmers waren nicht vergittert gewesen.  Aus der Not heraus drängten nun die jungen Mädchen, die unbedingt wieder in das Gebäude gelangen mussten, dass Frau Timm das Fenster im Zimmer des Herrn Goldmann öffnen sollte, sodass sie durch dieses einsteigen könnten. Frau Timm erinnert sich noch, dass der Herr Goldmann unheimlich schnarchte, und dieses Schnarchen aber plötzlich verstummte und er fragte: wer ist da ? was ist los ? Frau Timm beruhigte ihn und sagte nur, Herr Goldmann es ist nichts passiert, schlafen sie nur weiter, woraufhin das Schnarchen wieder einsetzte und die Mädchen sich durch das Zimmer schlichen.

Die Nachtschwester war am nächsten Morgen sehr verblüfft darüber, dass alle im Hause waren, hatte sie doch noch immer die Schlüssel. Herr Goldmann hatte die Mädchen aber nicht verraten, er und auch Herr Napierala, der später von dem Vorfall erfuhr, lachten über die Streiche der Mädchen.

Die neuen, modernen Krankenhausgebäude in Nowy Tomysl - 2013 - Bild PM

Die neuen, modernen Krankenhausgebäude in Nowy Tomysl – 2013 – Bild PM

Herr Napierala (1905 geboren) hatte auch schon zu deutscher Zeit am Krankenhaus gearbeitet. Er war dann, als Neutomischel polnisch geworden war, am Krankenhaus tätig geblieben und fuhr den Krankenwagen. Neben dieser Tätigkeit war er auch “Mädchen für Alles”; zum Beispiel holte er alle Einkäufe in den verschiedenen Geschäften ab, die vorher von den Ordensschwestern erledigt worden waren.

Er wohnte mit seiner Familie ebenfalls auf dem Krankenhausgelände. Seine Wohnung befand sich in dem kleinen Nebengebäude in dem sich im Erdgeschoß die Leichenhalle befand. Er galt aber auch als “Filou”. Zum Krankenhaus gehörten immer einige Hühner, die im Hof frei herumliefen. Wenn nun der Herr Napierala den Krankenwagen in die Garage fuhr, trieb er ab und an eine der Hennen in diese und “drehte” ihr den Hals um.

Wenn dann Frau Timm die Aufgabe erhielt, die Hühner zu zählen fehlte natürlich eines. Aber genauso wenig wie Herr Goldmann und Herr Napierala die Mädchen verrieten, so verrieten diese auch nicht die Herren. Dass die Schwestern aber sehr wohl Bescheid wussten, war daraus zu entnehmen, dass einer von ihnen bei einer Zählung entfuhr: “Es fehlt eins, hat der Napierala wieder eins in seinen Topf gesteckt !?” Herr Napierala tat dann hinterher immer ganz “unschuldig” und sagte, was er hätte denn tun sollen ?, die Henne sei ihm schließlich ins Auto gelaufen und das tote Tier dann so einfach liegenlassen wäre doch auch nicht in Ordnung gewesen.

1950 bekam die Familie Timm die Ausreise in die DDR genehmigt.

Frau Timm schließt Ihre Erinnerung mit folgenden Sätzen:

Neu und Alt nebeneinander - 2013 - Aufn. PM

Neu und Alt nebeneinander – 2013 – Aufn. PM

1966 haben wir, meine Mutter und ich nochmals Nowy Tomysl besucht. Dieses geschah mit Hilfe der Familien Wittchen und Meissner, die noch in der Stadt lebten und die uns eine “Einladung”, die zur Einreise notwendig gewesen war, geschickt hatten. Wir besuchten auch die Ordensschwestern, die noch Wohnrecht im Krankenhausgebäude beanspruchten, und die uns so viel Gutes getan hatten.

Noch heute, so sagt Frau Timm, kann ich nur Gutes über die Ordensschwestern und über die Jahre meiner Tätigkeit im Krankenhaus sagen. Ich bin noch heute für die mir entgegenbrachte Menschlichkeit dankbar !

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Dr. Hologa - seinen Namen trägt die heutige Klinik in Nowy Tomysl - Bild: Geschichtsweg Nowy Tomysl

Dr. Hologa – seinen Namen trägt die heutige Klinik in Nowy Tomysl – Bild: Geschichtsweg Nowy Tomysl (3)

Untrennbar verbunden für die Zeit ab 1951 ist mit dem Nowy Tomys’ler Krankenhaus Doktor Kazimierz Hołoga. Nach ihm wurde das Krankenhaus im Jahr 2008 benannt.

Kazimierz Hołoga wurde am 18. Januar 1913 in Poznań geboren. Sein Arztdiplom erhielt er während des 2. Weltkrieges. Nach Nowy Tomyśl kam er im Jahr 1951, wo er die Leitung des Kreiskrankenhauses übernahm. Er ließ die Gebäude renovieren und erhöhte das Personal um mehrere Ärzte und Krankenschwestern. Doktor Kazimierz Hołoga hatte die Absicht, das Krankenhaus noch umfangreicher auszubauen. Sein verfrühter Tod am 12. September 1958 durchkreuzte leider alle Pläne.

An das Krankenhausgebäude wurde im Jahre 1962 ein weiterer Pavillon angebaut. In den Jahren 1984 – 1985 wurde ein Verbindungsgebäude zwischen dem alten und dem neuen Krankenhausteil eingefügt.

In den Jahren 2008 – 2011 fand das bisher größte Projekt des Ausbaus des Krankenhauses in Nowy Tomyśl statt.

Heute wird die Krankenanstalt zu einer der Modernsten des Landes gezählt.

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Quellen: