Gebäude der Stadt – No. 51 – Hotel Toeffling 1852-1903 / Teil 2

Rechts die Villa, links daneben das Hotel; der Schornstein gehörte zur Dampfmühle Maennel, im Hintergrund der ehemalige Kirchturm - Postkartenausschnitt aus der Sammlung des Wojtek Szkudlarski

Rechts die Villa, links daneben das Hotel; der Schornstein gehörte zur Dampfmühle Maennel, im Hintergrund der ehemalige Kirchturm – Postkartenausschnitt aus der Sammlung des Wojtek Szkudlarski

Dieser Beitrag schliesst an die Veröffentlichung Häuser der Stadt – No. 51 – Fleischhauerei und Beherbergungsbetrieb Toeffling 1795-1852 / Teil 1 an.

Zum Zeitpunkt des Todes des Vaters, dem Fleischhauer, Gastwirth und Hopfenanbauer und -händler Johann Carl Friedrich Toeffling im April 1852 lebten noch die 3 jüngsten, zwei Mädchen und der einzige Sohn, seiner Kinder aus 1ster Ehe im elterlichen Haushalt.

Durch die Eheschließungen der älteren anderen Kinder, fünf Mädchen, waren zahlreiche Verbindungen zu in jener Zeit teils einflussreichen Familien in der Stadt und deren Umgebung geschlossen worden.

Mit diesem Beitrag folgen wir jedoch lediglich den Familienangehörigen, welche mit der direkten weiteren Entwicklung des “Hotel Toeffling” in Verbindung gebracht werden konnten.

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Zum einen war es die jüngste Tochter des Verstorbenen. Mathilde Hermine Hulda Toeffling war im März 1836 geboren worden, 16 jährig beim Tod des Vaters; sie hatte kurz vor ihrem 21zigsten Geburtstag , am 02. März 1854, ihren um 21 Jahre älteren Onkel den verwitweten jüngsten Bruder ihres Vaters, Johann Julius Carl Toeffling geehelicht. Dieser Familie wurden anhand der Archivunterlagen 9 Kinder zugeordnet.

Blick auf das ehemalige "Hotel Toeffling" - Aufn. PM

Blick auf das ehemalige “Hotel Toeffling” – Aufn. PM

Der Sohn Gustav Ferdinand Carl August Toeffling, nur Gustav genannt, geboren im August 1830, hatte als einziger männlicher Nachkomme seiner Eltern, die erste Ehe mit der aus Jastremske stammenden Lehrertochter Emma Wilhelme Ottilie Hoffmann (*ca. 1836) im August 1854 in Neutomischel geschlossen. Sie verstarb aber schon im Jahr 1859 an den Folgen der Geburt des dritten Kindes des Paares. Letztlich stammte aus dieser Verbindung als einziges Kind, die Tochter Ida Margarethe Emilie Toeffling (*1856) später verehelichte Maennel. Sie und ihr Ehemann lebten in Grünberg. In ihrem Hause dort verstarb im Jahr 1901 der Vater Ihrer Mutter, bzw. ihr Großvater Andreas Hoffmann, ehemaliger Kantor und Lehrer zu Alt Jastremske, im Alter von 92 Jahren. Sie vermachte der Stadt aus dem Erbe ihres Vaters ein Legat in Höhe von Mark 3.000,00 zur Armenunterstützung. (sh. Artikel: Ida Margarethe Emilie Maennel, geborene Toeffling 1856-1930)

Im Juli 1861 hatte Gustav Ferdinand Carl August Toeffling dann in 2ter Ehe die Emilie Rosalia Tepper geehelicht. Durch den Ehemann einer seiner Schwestern und auch durch die Ehen seiner Tante waren die Familien Tepper und Toeffling bereits miteinander verwandt gewesen. In dieser 2ten Ehe waren 8 Kinder geboren worden bzw. wurden anhand der noch erhaltenen Kirchenbücher und Standesamtsunterlagen der Familie zugeschrieben.

Johann Julius Carl Toeffling, Ehemann von Mathilde Hermine Hulda geborene Toeffling und Onkel von Gustav Ferdinand Carl August, trat in den Archivakten als Bürger und Handelsmann in der Stadt in Erscheinung; 1865 fand er als bedeutender Händler und Hopfenproduzent Erwähnung. Zu welchem Datum diese Familie ein eigenes Haus bewohnte, ist nicht genau bekannt; es finden sich Eintragungen der Gebäudebeschreibungen der Provinzial Feuerversicherung, die dahingehend interpretiert werden können, dass um 1855 und später, seitens des Julius Toeffling das Hausgrundstück No. 6 nach und nach übernommen wurde.

Gustav Ferdinand Carl August Toeffling übernahm den väterlichen Gasthof und Beherbungsbetrieb und führte diesen, wie auch den Hopfenanbau und -handel und die dazugehörige Tätigkeit als Handelsmann, fort. Mit dem 26. März 1856 hatte er die seitens der Provinzial-Feuerversicherung nun auf seinen Namen ausgestellten Beschreibungen des Hausgrundstücks No. 51 unterzeichnet.

In diesen, nun auf Gustav Ferdinand Carl August Toeffling lautendem Dokument, ist das Wohnhaus nahezu unverändert beschrieben worden; das Alter des Gebäudes wurde mit “etwa 30 Jahren” und in sehr gutem Zustande angegeben. Hier kann davon ausgegangen werden, dass es sich um das schon im Jahr 1836 beschriebene Haus seines Großvaters gehandelt hat.

Das letzte auf dem Hausgrundstück errichtete Gebäude: der ehemalige Hopfenspeicher - Aufn. PM

Das letzte auf dem Hausgrundstück errichtete Gebäude: der ehemalige Hopfenspeicher – Aufn. PM

Der einst beschriebene Pferdestall war einem “Neubau”, welcher um 1846 noch von seinem Vater, errichtet worden war, gewichen. Der Bau war nun als 50 Fuß lang, 19 Fuß tief und 8 Fuß hoch bei einer Grundfläche von 950 Quadratfuß (ca. 15,30×5,80×2,40m) beschrieben worden. Eingerichtet in ihm waren 1 Schirrkammer, 1 Kuhstall, 1 Pferdestall, 1 Schuppen und 1 Bodenraum gewesen.

Der Gaststall, er wurde im Jahr 1856 auf ein Alter von 15 Jahren geschätzt (ca. 1841 erbaut), entspricht in der Gebäudebeschreibung in allen Punkten den schon früher angefertigten Ausführungen. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich nur eine abweichende Einschätzung des Alters gehandelt hat, die zu der Abweichung des genannten Baujahres führt.
In einer späteren Beschreibungen findet sich, dass dieses Gebäude bereits 1859 einem größerem Bau hatte weichen müssen. Der “neue” mit der Rückfront zum Grundstück No. 52 errichtet gewesene Stall war mit den Abmessungen 73 Fuß in der Länge, 19 Fuß in der Tiefe und 15 Fuß in der Höhe (ca. 22,30×5,80×4,60m) über 2 Etagen vermessen worden. Neben 1 Kuh-, 1 Pferde- und einem Schweinestall, waren in dem Gebäude 1 Remise und 2 Appartements vorhanden gewesen.

Die erst im Jahr 1843 errichtete Scheune war wiederum einem im Jahr 1855 errichteten Neubau gewichen. 1856 war die erst 1 Jahr alte neue Scheune mit 44 Fuß in der Länge, 19 1/2 Fuß in der Tiefe und 20 Fuß in 3 Etagen in der Höhe (ca. 13,40×6,00×6,10m), alles bei einer Grundfläche von 858 Quadratfuß beschrieben worden. Der Bau hatte über 1 großes Doppeltor und im Inneren über 14 einfache Türen verfügt; die Stockwerke waren über 2 Treppen miteinander verbunden gewesen. In ihr hatten sich 2 Keller, 2 Bansen, 1 Tennflur und 2 Bodenräume befunden.

Zur Hopfensaison 1860/61 logierten, soweit dieses überliefert ist, bei G. Toeffling die Hopfenhändler Jacob Hellmann aus Bamberg, Ignatz Wagner aus Sangerburg Krs. Eger (Prag) und Samuel Fuld aus Mühlhausen (Höchstadt in Bayern). Vermutlich war auch der einstige Bürgermeister Witte mit seiner Ehefrau ein langjähriger Gast im Hause Toeffling gewesen, denn in alten Einwohnerlisten findet sich, dass diese unter der Anschrift Neutomischel No. 51 registriert waren.

Unter dem Besitzer Gustav Ferdinand Carl August Toeffling hatte im Jahr 1862 das Wohnhaus seine ersten einschneidenden Veränderungen erfahren. Die Gastwirtschaft und Herberge hatte sich zum “Hotel Toeffling” gewandelt.

Es wurde, wie es heißt “neugebaut resp. mit zweiten Stockwerk und Trempel versehen”. Das alte Haus war zu einem 63 Fuß langen, 34 Fuß tiefen, in der 1sten Etage 10 Fuß und in der 2ten 12 Fuß hohen und mit darüber noch einem 7 Fuß hohen Trempel (ca. 19,20×10,40×3,00×3,60×2,10m) versehenem massiven Gebäude ausgebaut bzw. neu errichtet worden. Über eine Durchfahrt im Gebäude, welche über ein Doppeltor verfügt hatte, war der Hof zu erreichen gewesen. 2 Flure mit 2 Treppen verbanden 2 Keller und 2 Kellerstuben, 10 Stuben, 2 Küchen und 2 Küchenstuben und den Bodenraum. Die Stuben waren mit 22 vierteiligen Fenstern welche über Winterrahmen verfügt hatten versehen gewesen; weiterhin fanden sich 12 einfache Fenster im Gebäude. Die Räumlichkeiten wurden über 5 Öfen beheizt. Für die Versorgung der Bewohner und Gäste war eine Räucherkammer im Gebäude vorhanden gewesen sowie auch 2 Kochöfen und 2 Kochherde.

Der einstige Pferdestall war ja schon im Jahr 1846 einem größeren Stallgebäude gewichen. Im Jahr 1863 wurde auch dieses weiter vergrößert. Das Gebäude hatte die Grundmasse von 50 Fuß in der Länge und 19 Fuß in der Tiefe beibehalten. Die Unteretage hatte man jedoch auf 10 1/2 Fuß (ca. 3,20m) erhöht und die neu geschaffene Oberetage hatte über weitere 8 Fuß (ca. 2,40m) in der Höhe verfügt. Die Südseite dieses Stalles hatte man zudem mit der Nordseite der Scheune verbunden, sodass beide Gebäude fortan ein “bauliches Ganzes” gebildet hatten.

Links oben im Bild, der Speicher, welcher je zu einer Hälfte auf den ehemaligen Hausgrundstücken No. 51 und No. 50 steht / Aufn ca. 1985 - Bild: Stadtbibliothek Nowy Tomysl

Links oben im Bild, der Speicher, welcher je zu einer Hälfte auf den ehemaligen Hausgrundstücken No. 51 und No. 50 steht / Aufn ca. 1985 – Bild: Stadtbibliothek Nowy Tomysl

Eine letzte einschneidende Veränderung, über die wir Aufzeichnungen gefunden haben, war die im Jahr 1864 erfolgte Errichtung eines “Speichers” gewesen. 75 Fuß lang, 19 Fuß tief und 32 Fuß über alle Stockwerke hoch (ca. 23,00×5,80×9,80m); unten und mittig je 9 Fuß (ca. 2,80m) und oben 8 Fuß (ca. 2,40m) hoch, darauf noch ein 6 Fuß (ca. 1,80) hoher Trempel, war das Gebäude massiv von gebrannten Steinen in Kalkmörtel errichtet worden. In ihm befanden sich 1 Lagerraum, 3 Böden und 1 Darr-Raum sowie 1 Hopfenpresse. Erwähnt wurde, dass durch die große Stärke der Wände, die Solidität des Baues und die innere Einrichtung, der Wert des Ganzen auf mindestens 3.000 Thaler geschätzt wurde; zum Vergleich: das Wohnhaus war nur mit einem Wert von 2.000 Thalern eingeschätzt worden.

1873 führte Jos. Jac. Flatau in seinem verfassten Bericht über den Neu Tomysler Hopfenbau Gustav und auch, wie ja schon erwähnt, Julius Toeffling in der Kategorie der bedeutendsten Hopfenhändler und -produzenten in Neu Tomysl auf.

Gustav Ferdinand Carl August Toeffling verstarb am 03 September 1903 in Neutomischel, er hinterließ, soweit dieses aus den Personenstandsunterlagen ermittelt werden konnte, als seine direkte Nachkommen:

  • Ida Margaretha Emilia Toeffling, geb. 1856, später verh Maennel
  • Carl Gustav Toeffling, geb. 1867 und später verh. mit Lucilie Maria Adelgunde Maennel, (er erwarb letztlich das Hotel “Schwarzer Adler”)
  • Lucille Aurelie Emilie Toeffling, geb. 1869, später verh. Hasenfelder
  • Hugo Hermann Emil Toeffling, geb 1873 und später verh. mit Lina Auguste Pape. (er wurde nach dem Tod des Vaters dessen Nachfolger als Besitzer des Hotel “Toeffling”)

Wie eingangs schon geschrieben, bestanden weitere verwandtschaftliche Verbindungen der Familie Toeffling durch die Eheschliessungen der Schwestern mit den Familien Rausch, Goldmann, Schulz, Tepper, Pflaum und Hirsekorn, sowie in den nachfolgenden Generationen mit zahlreichen weiteren.

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Anzeige über den "erbteilungshalber" anstehenden Verkauf - Kreisblatt Neutomischel Dez 1903 / Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra)

Anzeige über den “erbteilungshalber” anstehenden Verkauf – Kreisblatt Neutomischel Dez 1903 / Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra)

In unserem Bericht über die schlechten Erträge im Hopfenhandel des Jahres 1870 haben wir auch über die Familie Hirsch Friedlaender, welche unter der No. 50 am ehemaligen Neuen Markt in Neu Tomysl ansässig gewesen ist, geschrieben. Wir hatten die Vermutung geäußert, dass die Familie Neu Tomysl um 1878 verlassen hatte. Diese Vermutung ist zur Zeit nicht in Frage zu stellen. Aber die Annahme, dass die späteren Besitzer des Hausgrundstücks, die Familie Weinert welche im November 1877 heirateten und mit dieser Eheschließung das Grundstück erwarben ist nicht richtig. Die Familie Weinert erwarb zwar das Grundstück mit den Gebäuden, allerdings erst im Jahr 1903.

Dieses ergab sich nachdem wir die wenigen noch zu findenden Informationen über Gustav Ferdinand Carl August Toeffling, zusammengetragen hatten. Im Kreisblatt vom 29. Dezember 1903, also nur wenige Monate nach seinem Tod, war eine Kurzmeldung erschienen, dass die “frühere Kaufmann Gustav Töffling’sche Villa” in den Besitz des Fleischermeisters Herrn Carl Weinert übergegangen sei.

Dazu ergänzend war dann im Kreisblatt vom 24. November 1903 die Anzeige des Paul Lutz erschienen, in welcher er das “Hausgrundstück Neutomischel Nr. 50 incl. einem großem, 3 stöckigem Speicher mit Hopfendarre und Presse, einem 2stöckigem Remisengebäude, einem Stallgebäude, einem Hof und letztlich einem Garten” erbteilungshalber zum Kauf anbot. Paul Friedrich Wilhelm Lutz (*24.12.1853) war der Ehemann von Ida Anna Selma Toeffling (*05.03.1855), einer Tochter von Johann Julius Carl und Mathilde Hermine Hulda Toeffling, und somit direkt mit der Familie Toeffling verwandt gewesen.

Noch nicht gefunden wurde, ob der Gastwirt Toeffling die Parzelle um 1878 direkt von der Familie Friedlaender übernahm, oder ob es noch andere Besitzer gegeben hatte, ehe es von Gustav Toeffling übernommen worden war.

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Der im Jahr 1864 gebaute Speicher steht je zur Hälfte auf dem ehemaligen Hausgrundstück der No. 51 und 50; nachdem nun gefunden wurde, dass vermutlich beide Grundstücke zur Zeit der Errichtung des Gebäudes im Besitz des Gustav Ferdinand Carl August Toeffling waren, erklärt sich dieses.

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Aufnahme des Giebels des ehemaligen Hopfenspeichers; handelt es sich wirklich um die Darstellung eines "Davidsterns" ? - Aufn GT

Aufnahme des Giebels des ehemaligen Hopfenspeichers; handelt es sich wirklich um die Darstellung eines “Davidsterns” ? – Aufn GT

Eine Frage ist jedoch bis heute geblieben und regte schon so manche Diskussion an: stellt das im Giebel befindliche Ornament lediglich ein willkürlich gewähltes Muster dar, oder handelt es sich wirklich um einen Davidstern ?

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Das ebenfalls in der Verkaufsanzeige genannte Hausgrundstück Neutomischel Nr. 22 war das Eckhaus Goldstraße/Neuer Markt. Die Vorbesitzer waren Johann Carl Heinrich Tepper und dessen Ehefrau Johanna Juliane Gutsch, deren älteste Tochter Emilie Rosalie Tepper war 1861 die zweite Ehefrau des Gustav Ferdinand Carl August Toeffling geworden.

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Letztlich ist es wenig, was wir über Gustav Ferdinand Carl August Toeffling gefunden haben. Er war es jedoch, der den vom Vater übernommenen Beherbergungsbetrieb zum “Hotel Toeffling” gestaltete und ausbaute.

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Quellen soweit nicht direkt im Text oder in der Bildbeschreibung genannt:
Akten des Staatsarchivs Poznan (http://szukajwarchiwach.pl/):
Stadtakten / Beschreibung sämtlicher Gebäude in der Stadt Neu Tomysl
Kirchenbücher der evangelischen Gemeinden Grätz und Neu Tomysl