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Kirchweihe in Friedenhorst – Dezember 1914

Die neue Kirche, im Hintergrund erkennbar das alte Gotteshaus - Ausschnitt aus AK aus der Sammlung A. Kraft [1]

Die neue Kirche, im Hintergrund erkennbar das alte Gotteshaus – Ausschnitt aus AK aus der Sammlung A. Kraft

Mit dem Jahr 1914 hatte der I. Weltkrieg begonnen. An allen Fronten wurde gekämpft. In vielen Familien wurde um die im “Felde” stehenden Soldaten gebangt. In der ein oder anderen Familie herrschte aber auch bereits Trauer um die Angehörigen, die ihr Leben für die “vaterländische Pflicht” hingegeben hatten.

Und eben in jener Zeit, am 15. Dezember 1914, kurz vor dem Weihnachtsfest, wurde die neue evangelische Kirche zu Friedenhorst – Jastrzębsko Stare eingeweiht.

Im “Kreisblatt” wurde wie folgt berichtet:

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Der letzte Dienstag (15.12.1914) war für die Gemeinde Friedenhorst ein Ehrentag, wie er nur selten einer Gemeinde beschieden ist, galt es doch, das neue Gotteshaus zu weihen und seinem Zweck zu übergeben.

Schon Tage zuvor waren viele fleißige Hände tätig, dem Kirchplatz ein würdiges Aussehen zu geben, und als nun am Festtage selber die Gäste ihren Einzug hielten, grüßte sie das von reichem Tannenschmuck umgebene Gotteshaus auf das Freundlichste. Glücklicherweise hatte sich das Wetter aufgeklärt, so daß kein Regen das schöne Fest störte.

Eine überaus zahlreiche Gemeinde und viele Gäste von nah und fern hatten sich zur Feier eingefunden. Vom Königl. Konsistorium in Posen nahmen an der Feier teil: Herr Konsistorial-Präsident Balan und Herrn Generalsuperintendent D. Blau. Ferner sah man Herrn Superintendent Reisel, Herrn Geheimrat von Daniels, Herrn Oekonomierat Schwartzkopff-Rose, den Herrn Landratsamtsverwalter von Meibom-Meseritz, Herrn Baurat Henschke und viele andere.

Die Ehrengäste wurden im Pfarrhause vom Gemeindekirchenrat begrüßt. vor Beginn der Feier gab Herr Konsistorial-Präsident Balan die Ordensauszeichnungen bekannt, die S. M. der Kaiser anläßlich der Kircheneinweihung verliehen hatte.

Mit Worten höchster Anerkennung überreichte der Herr Konsistorial-Präsident Herrn Superintendent Reisel den Roten Adlerorden 4. Klasse, Herrn Gemeindevorsteher Schubert-Friedenhorst, der sich um den Kirchbau sehr verdient gemacht hatte, das Allgemeine Ehrenzeichnen und ebenso dem Küster Müller, der seit über 27 Jahren der Gemeinde als Küster gedient hat, und dem Maurerpolier Dümke aus Dickbusch (strauch) bei Kontopp das Allgemeine Ehrenzeichen.

Das alte und das neue Kirchengebäude - Ausschnitte aus AK aus der Sammlung A. Kraft [2]

Das alte und das neue Kirchengebäude – Ausschnitte aus AK aus der Sammlung A. Kraft

Um 1 Uhr begann dann die Feier mit einem kurzen Abschiedsgottesdienst im alten Gotteshause, das seit über 100 Jahren der Gemeinde zu ihrer religiösen Erbauung gedient hat, nun aber bald vom Erdboden verschwinden soll. Im feierlichen Zuge begab sich dann die Gemeinde aus dem alten nach dem neuen Gotteshause hinüber, voran die Schulkinder, dann die Geistlichen mit den heiligen Geräten, der Herr Generalsuperintendent mit dem Herrn Superintendenten und dem Ortspfarrer, Pastor Meyer, dann die übrigen Ehrengäste, die kirchlichen Körperschaften und die feiernde Gemeinde.

Vor der neuen Kirche machte der Zug Halt, und es folgte die feierliche Schlüsselübergabe und Oeffnung der neuen Kirche.

Herr Baurat Henschke aus Meseritz als Leiter des Baues übergab mit glückwünschenden Worten den Schlüssel dem Herrn Generalsuperintendenten, der ihn mit Segensworten an Herrn Superintendent Reisel überreichte. Dieser übergab ihn dann an den Ortspfarrer, Herrn Pastor Meyer, der damit namens der Gemeinde von der Kirche Besitz ergriff und sie feierlich öffnete.

Unter dem Gesang: “Tut mir auf die schöne Pforte” betrat dann der Festzug das mit frischem Myrtengrün sehr sinnig geschmückte Gotteshaus, das die große Zahl der Gäste kaum fassen konnte. Nun nahm Herr Generalsuperintendent D. Blau das Wort zur Weiherede, der er das Wort Micha 5, Vers 4 zu Grunde legte: “Er wird unser Friede sein.” Nachdem er geendet, erklang Glockengeläut, und die schöne Orgel ließ ihre Stimme erschallen. Nach einem Gesang der Gemeinde hielt Herr Superintendent Reise die Liturgie, der dann die Predigt des Ortspfarrers, des Herrn Pastor Meyer, über Jesaias 40, Vers 1-8 folgte. Vor und nach der Predigt trug ein Kinderchor verschiedene Gesänge in sehr ansprechender Weise vor. Nach der vom Herrn Generalsuperintendenten gehaltenen Schlußliturgie fand dann die erhebende Feier ihren Abschluß.

Ein einfaches Festmahl in Riesners Saal, bei dem Konsistorialpräsident Balan das Hoch auf den Kaiser ausbrachte, beschloß das schlichte und schöne Fest.

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Die Festschrift zum 100 jährigen Jubiläum der Gemeinde wurde in vier Kapiteln veröffentlicht unter: 1. Der Busch [3], 2. Die Ansiedler [4], 3. Rechtsverhältnis [5] und 4. Das Kirchspiel Friedenhorst. [6]

Ein Artikel über den Verfasser der Schulchronik, auf welche die seitens Pfarrer Illgner veröffentlichte Festschrift basierte, findet  sich unter: Schoefinius, Lehrer zu Grubske [7]

Aus den Veröffentlichungen in “Dies und Das aus dem Posener Lande” [8] und dem “Kreisblatt für den Kreis Neutomischel” [9] wurden die Berichte über die Grundsteinlegung im Jahr 1913 wiedergegeben,

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Quelle: Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra) – Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel 1914/12/18 No. 148