Schliessung der Glashütte Lomnitz – 1897/1898

Neutomischel, den 26. November 1897

Dorfstrasse in Lomnitz - AK Sammlung A. Kraft

Dorfstrasse in Lomnitz – AK Sammlung A. Kraft

Die einheimische Glas-Industrie erleidet mit Beginn des neuen Jahres einen empfindlichen Verlust: der Betrieb der Glasfabrik Lomnitz wird von diesem Zeitpunkte ab eingestellt. Die Fabrik, welche Eigenthum des Rittergutsbesitzers Opitz-Lomnitz ist, blickt bereits auf über 60 Jahre ihres Bestehens zurück, und seit 30 Jahren hat dieselbe der Chemiker Stosch in Pacht, der es verstanden hat, den Betrieb derselben nach allen Richtungen zu heben.

Über den Beweggrund zur Aufgabe des Betriebes erfährt die “Pos. Ztg.”, daß die seit Jahren in die Höhe geschnellten Holzpreise dem Eigenthümer die Lösung des Kontraktverhältnisses mit dem Pächter wünschenswerth erscheinen lassen, da ersterer kontraktlich zur Hergabe des Heizmaterials, als welches ausschließlich Holz, das die großen Forsten ausreichend lieferten, verwendet wird, verpflichtet ist und der hohe Preis der Hölzer den Betrieb nicht mehr recht lohnend erscheinen lässt.

Da in der Fabrik zu Usch im wesentlichen nur Flaschen angefertigt werden, die Glashütte Lomnitz sich außerdem auch mit der Fabrikation von Hohlglas, Schleifglas und Krystallglas befaßt, so bildet das Etablissement das einzige seiner Art in der Provinz Posen. Sein Absatzgebiet erstreckt sich außer auf den Osten, auf Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Lübeck und Hamburg.

Die Zahl der Arbeiter betrug durchschnittlich über 100 Personen, größtentheils Böhmen, welche nach der Außerbetriebsetzung auswandern werden.

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Der in diesem Artikel genannte Pächter “Chemiker Stosch” war der Vater des  Hans Erdmann Franz Theodor Stosch, Begründer des Zirkus Stosch-Sarrasani. Dieser Zeitungsartikel lässt wiederum eine um den Zirkusdirektor rankende Legende in einem anderem Licht erscheinen.

In Büchern über diesen und seinen Lebensweg findet sich immer wieder die Vermutung, dass sich sein Vater um 1876 in Oberlößnitz zur Ruhe gesetzt habe und sein Sohn aus diesem Grunde 1901 sein Heimatquartier in Radebeul bei Dresden ausgewählt habe.

Während einesteils sein Vater, sich 1876 zur gesetzt und im Februar 1900 in Oberlößnitz verstorben sein soll, so ist es andernteils dieses schwer vorstellbar, da er bis ins Jahr 1897 die Pacht der Glashütte Lomnitz inne hatte.

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Quelle: Amtliches Kreis-Blatt für den Kreis Neutomischel zugleich Neutomischeler Hopfenzeitung 1897/No. 93 – Großpolnische digitale Bibliothek Poznan (http://www.wbc.poznan.pl/dlibra)